Dienstag, 2. Oktober 2012

OASE DER ZOMBIES (La Tumba de los Muertos Vivientes 1983 Jess Franco)


In den Ferien suchen Robert und einige seiner Kumpels den legendären Schatz Rommels, den der Nazi seinerzeit zurücklassen musste. Durch das ungefragte Eindringen erwachen die toten Soldaten zum Leben, um ihren Schatz zu beschützen...


Sumpf, Nacht, Schreckensmacht...

Wo Jess Franco drauf steht, da ist man vorgewarnt. Dieser Mann verfügt über so wenig Talent, dass seine schlechten Filme meist nicht einmal etwas zur Belustigung taugen. "Oase der Zombies" trifft es ähnlich, hat aber einige wenige Elemente, die in ihm wenigstens teilweise nicht gewollten Humor aufkommen lassen.

Dass Story, Schauspieler und Regie schlecht sind ist nichts unübliches in den Europa-Zombiefilmen der 70er und 80er Jahre. Manche schafften es dennoch auf etwas schundige Art atmosphärisch zu überzeugen und das ohne dabei unfreiwillig komisch zu sein. Einen Mix aus beidem schaffte die stimmige aber extremst lächerliche Reihe der reitenden Leichen. Bei den Auferstehungsszenen hat sich Franco von diesen wohl auch inspirieren lassen. Wenn die Zombies ihre Ärmchen durch den Sand strecken, wird man unweigerlich an die Templer erinnert, die ihre Ärmchen aus den Gräbern strecken, gefolgt von einem unheimlichen Sound, der einen Schockeffekt auslösen soll. Natürlich endet das nur in einem Lachkrampf, so auch hier bei unseren Oase-Zombies.

Das richtige Feeling wie bei den Templern Ossorios will einfach nicht aufkommen. Das hat mehrere Gründe: die Zombies sehen schlecht aus, die Wüsten- und Oasenlandschaft wird nicht gut eingefangen und das wichtigste von allem: die Musik ist unter aller Sau. Diese sorgte bei den reitenden Leichen für eine schöne Atmosphäre inmitten von Vollschrott. Bei den Oasen-Zombies unterstreicht der Sound diesen Vollschrott lediglich. Großteils bekommt man die Klänge einer vibrierenden Orgel zu hören, die Helge Schneider nicht ohne Grund gerne in seine Filme einbaut, um Spannungsübertreibung zu verarschen.

Bei "Oase der Zombies" erleben wir eine solche Musik ernstgemeint. Irgendwo zwischen nervigem dilettantischen Oriental-Geklimper und belustigendem Orgelschund ist die Musik einzuordnen. Wen sie nervt, der wird den ganzen Film verfluchen, da sie eigentlich fast nonstop eingespielt wird. Wen sie nicht nervt, der wird den Film dennoch mit Füßen treten wollen, gibt es doch weiterhin genug Gründe dafür.

Lustlose Darsteller spielen selbst für Zombiefilme dieser Zeit in unglaublich schlechten und unglaubwürdigen Szenen mit, sprechen besonders hohle Dialoge (hervorzuheben sei hierbei die Antwort des Überlebenden am Schluss auf die Frage, ob er gefunden habe wonach er gesucht hat). Diese Dialoge sollen den Film möglichst in die Länge ziehen, sonst könnte man ja riskieren einen Zombie zu sehen.

Hin und wieder kommen diese dann auch mal vor. Sie sehen ziemlich schundig aus und haben dabei keinerlei Wirkung. Neben menschlichen Zombie-Darstellern wurde mit mindestens einer Puppe zusätzlich getrickst, von der man nie mehr als den Kopf sieht (vielleicht noch die Schultern), und die insgesamt sehr unecht wirkt. Einer der Zombies könnte die selbe Krankheit wie Schauspieler Marty Feldman haben, wenn man seine Augen zu Gesicht bekommt, und einige Zombies haben Regenwürmer im Gesicht (woher sie die in der Wüste ohne fruchtbaren Boden auch immer haben, wahrscheinlich aus Deutschland eingeschleppt).

Unfreiwillig komisch ist gerade wieder das, was wir eigentlich nicht zu sehen kriegen: immer wieder kommen die Zombies aus dem Boden, obwohl sie seit je her Leute attackieren. Ich hätte ja gerne einmal eine Szene gesehen, in der die Untoten sich nach getaner Arbeit wieder im Boden einbuddeln und sich gegenseitig gute Nacht wünschen. Zumindest in der "Return Of The Living Dead"-Parodie in der Serie „Die Simpsons“ gab es einmal ähnliches zu sehen.

Schön ist auch, dass Regisseur Franco glaubt seine Zombies sähen derart furchterregend aus, dass jeder beim Anblick sofort erstarrt und keine Gegenwehr versucht. Wenn gegen Ende des Films dann doch mal einige Leute darauf kommen sich gegen die lebenden Toten zu wehren, erlebt der Zuschauer auch gleich wie einfach das ist: etwas Feuer an einem Stock und dann die Zombies anzünden, die sich im Prozess des Verbrennens auch gar nicht erst wehren, das hätte nämlich einen brennenden Stuntman gekostet, also hat man lieber schnell Puppen und Anziehsachen verbrand.

Alles der Lächerlichkeit nicht genug: unsere Oasenzombies geben Froschlaute von sich und können übrigens durch Sonnenlicht sterben (hätte Knoblauch auch geholfen?). Zumindest war dies durch „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ auch nichts neues mehr im Zombiegenre, allerdings hatte Amando de Ossorio aus dieser Idee wenigstens noch etwas atmosphärisches gezaubert. Die Templer versteifen, die Protagonisten laufen an ihnen vorbei, nicht sicher ob sie auch wirklich tot sind und schließlich zerbröckeln die Untoten. Ossorio war wirklich eine Niete als Regisseur, aber Jess Franco lässt ihn im Vergleich wie einen Kubrick wirken.

Franco bedient sich nämlich eines Tricks, der bereits zur Stummfilmzeit in „Nosferatu“ angewendet wurde: bei Sonnenlicht lösen sich die Untoten auf, sprich sie werden ausgeblendet. Ohne jeden wirksamen Effekt sind die Zombies plötzlich aus dem Bild raus. Das ist nun wirklich eine Unverschämtheit in den 80er Jahren, selbst für Leute wie mich, die nicht viel um Spezialeffekte geben.

Das ist schon sehr lustig zu gucken und liest sich nun wie der Trash-Partyfilm schlechthin. Aber wie eben erwähnt kommen die Zombies nicht gerade oft vor. Und in den Szenen ohne sie wird es auch nur selten lustig. Die Dialoge und die Atmosphäre sind einfach nur trocken und lahm. Ewig hofft man auf irgendeine Aktion, aber Franco lässt sich nicht erbarmen und quält den Zuschauer weiter. Das bisschen Aktion, das außerhalb der Untoten-Szenen geschieht, ist wirklich nicht der Rede wert, trotz Morde, Hintergründe existentieller Herkunft und vor allen Dingen trotz dem Zeigen verschiedener Kulturen.

Diese werden nur aus der Sicht Francos gezeigt, der diese nicht gerade mit Respekt behandelt. Im Gegenteil, hier wird mit Klischees und Vorurteilen gespielt, das es fast schon wieder auf humorvoller Ebene wirken könnte (freilich nicht für unsere Angepassten politisch Korrekten heutiger Zeiten). Das einzige was die öden Nicht-Zombieszenen noch halbwegs rettet ist die eben erwähnte schlechte Musik, und für derartigen Stuss muss man schon ein spezielles Faible haben, sonst leidet man nur noch mehr.

Freunde von Erotik und Blut werden auch wieder einmal keine Freude haben. Ganz im Gegensatz zu Francos Ruf wird hier kaum nackte Haut gezeigt, wohl das einzig positive das man wirklich zu "Oase der Zombies" vermelden kann. Die Bluteffekte sind ein Witz, meist bekommt man eh nichts zu sehen und wenn ist es nicht der Rede wert.

Der Film ist öde! Er ist wirklich nicht einmal Trash-Fans zu empfehlen, und die kämen noch am ehesten auf ihre Kosten. Denen werden einfach die lahmen Pausen zwischen den Lustigkeiten zu lang sein um ein fröhliches Happening zu haben. Mit Hilfe der Bildvorspultaste könnte "Oase der Zombies" noch zur Belustigung taugen, denn die Zombieszenen sind wirklich herrlich blöde! Spannend und gruselig ist das ganze aber nur für Kinder unter 10 und den Rentner ab 90, die bisher ihre spannendste Erfahrung mit "Ein Fall für Zwei" und "Mord ist ihr Hobby" gesammelt haben. 


Trailer,   OFDb

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