Freitag, 11. August 2017

DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN (El ataque de los muertos sin ojos 1973 Amando de Ossorio)


Vor 500 Jahren tat sich eine Dorfbevölkerung zusammen, um Frauen folternde Tempelritter ins Jenseits zu befördern. Am Tag der 500-Jahrsfeier dieses Ereignisses erstehen die Templer aus ihren Gräbern auf, reiten ins Dorf und nehmen Rache für das was ihnen einst angetan wurde...


Pyrotechniker sind die wahren Helden...

Der Titel „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ steht für eine Rückkehr der Schreckgestalten aus „Die Nacht der reitenden Leichen“, er steht für die Rückkehrer nach 500 Jahren, er steht aber nicht, wie der Titel bei anderer Auslegung suggerieren kann, für eine direkte Fortsetzung von Amando de Ossorios ein Jahr zuvor entstandenem Originalfilm. Aufgrund dessen apokalyptisch angedeutetem Ende hätte dies auch wenig Sinn gemacht. Viel mehr schuf de Ossorio mit der Fortsetzung, und ebenso mit den zwei weiteren die noch folgen sollten, ein alternatives Szenario mit abgeänderten Regeln und parallelen Ereignissen, die sich nur in der Vergangenheit der Templer auf das beziehen, was uns auch im Vorgänger über sie berichtet wurde.

Wie ein Mischwesen aus Vampir und Zombie wirken sie in Teil 2 nun nicht mehr, was gerade aufgrund der finalen Situation verwundern darf. Das Klischee klassischer Zombies erfüllen sie aber weiterhin recht wenig, reiten unsere Untoten doch nicht nur, so wie es auch der Titel bereits erwähnt, getötet wird zudem mittels der Schwerter und dies rein aufgrund von Rache und nicht, wie üblich bei einer Zombiethematik, zur Nahrungsaufnahme. So wie sie einst durch okkulte Rituale ihr zukünftiges Leben nach dem Tod vorbereiteten, so müssen sie diesmal auch, zumindest in der Langfassung, erst über eine Opfergabe wiedererweckt werden. Warum das nötig ist, wenn die Überlieferungen ohnehin ihre Rückkehr nach 500 Jahren prophezeien, sei einmal dahin gestellt, würde es doch bedeuten sich mit der Logik des Streifens auseinanderzusetzen, und da kann der Film nur verlieren.

Aufgrund seiner widersprüchlichen, wie simplen Story und aufgrund von Filmrollen, die alle tief in Stereotype feststecken, ist „Attack of the Blind Dead“ (Alternativtitel) ein willkommenes Fest für Trash-Fans, die in Werken wie diesen nur die unfreiwillige Komik erkennen wollen. Mir ging es damals genauso, und Teil 2 war diesbezüglich mein liebster Teil der Reihe, allein schon wegen dem taffen Helden im Zentrum, der auf Robert Wagner-Art gerne Kinnhaken verteilt und diesbezüglich auch nicht vor auferstandenen Templern Halt macht. Eine fragwürdige Alte, um die sich Bösewicht und Held streiten, sowie ein Kinder opfernder Bürgermeister als Rundum-Arschloch runden das Gesamtbild billigster Schwarz/Weiß-Zeichnungen inmitten einer oftmals unsinnigen Handlung ab.

Aber man kann „Die Auferstehung der reitenden Leichen“ (Alternativtitel) auch als sympathischen Retro-Film genießen, der anerkennungswerter Weise gar nicht erst versucht den erfolgreichen Vorgänger zu kopieren. Dank einer flotteren Umsetzung erstehen die Filmmonster bereits nach 20 Minuten auf. In der 50. Minute findet bereits das Massaker innerhalb des Dorfes statt. Es gibt mehr Templerszenen, blutigere Szenarien, einen flotteren Ablauf und veränderte Erkenntnisse und Handlungsweisen der Templer. Für diese völlig andere Herangehensweise an den Stoff wurde zwar die dichte Atmosphäre der langsamen Erzählung des Vorgängers geopfert, den Templern bei ihrem tatkräftigen Rachefeldzug zuzusehen entschädigt dafür aber recht gut, vorausgesetzt man erwartet keine solch guten Spezialeffekte und solch brutale Bilder wie sie im Horrorfilm heutzutage üblich sind. Gerade das Dorfmassakrer ist überraschend zahm ausgefallen, was aufgrund diverser Detailaufnahmen von Säbelstichen in anderen Szenen um so mehr verwundern darf.

Aber den zweiten Teil der reitenden Leichen-Reihe schaut man nicht aufgrund glaubwürdiger Goreszenen oder gar aufgrund einer gruseligen Stimmung. Es ist der morbide Look von Templerkleidung, Ruinen und Friedhof der zu gefallen weiß. Es ist die Geisterbahnatmosphäre, welche die ungruseligen, aber unglaublich charmant aussehenden Totenkopf-Templer auszustrahlen wissen. Und es ist freilich auch der wundervolle Soundtrack, der „Mark of the Devil 5“ (Alternativtitel) oftmals stimmiger wirken lässt, als er eigentlich ausgefallen ist. Es sind einzelne Szenen, die de Ossorio im Gegensatz zum Komplettfilm ausgezeichnet gelungen sind. In solchen kommt kurzfristig stets echte Horrorstimmung auf. Und ein (in Horrorfilmen oft nicht gern gesehenes) Kind gleich zwei Mal spannungsfördernd einzusetzen, ohne dass das Gör gleich nervt, ist schon eine Leistung für sich.

Wer sich über „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ lustig machen will, hat es nicht schwer den nötigen Stoff dafür zu finden, den bietet das brüchige Drehbuch alle Nase lang. Aber wer sich auf das Feeling einlassen kann, welches dem Erschaffer der Reihe vorschwebte, der wird mit dieser anderen Betrachtung nicht nur auf naive Art unterhalten, der darf zudem in eine alternative Filmwelt eintauchen, welche den Blickwinkel dessen was das Mainstream-Publikum für gut oder schlecht hält weit hinter sich zurücklässt, und dies nicht nur aufgrund verständnisvollem Augenzudrückens, sondern hauptsächlich aufgrund der Stimmung, die dieser Film dann zu versprühen vermag. Allein die Schlussszene, über die nur all zu gerne hämisch gelästert wird, erscheint dann gleich viel stimmungsvoller und rundet das Seherlebnis, gerade in Bezug auf die Alternativerzählung zu Teil 1, interessant ab.


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