Das Genre des phantastischen Films, hauptsächlich des Horrorfilmes, steckt zur Zeit in einer Phase, die innovative und intelligente Stoffe hervor bringt. Neben „Der Babadook“, „A Girl Walks Home Alone at Night“ und „It Follows“ kommt mancher Beitrag auch aus deutschsprachigen Ländern, so vorrangig genannt „Der Bunker“ und „Ich seh, ich seh“. „Der Nachtmahr“ wurde in Deutschland umgesetzt und wird in Kritiken gerne zu diesen Sehenswürdigkeiten des Genres hinzugezählt. Und ich gebe zu, dass es schwer ist ihn in ein Genre zu stecken, geschweige denn überhaupt irgendwo einzuordnen.
Orientiert am Berliner Szeneleben verschreckt der Film vielleicht schon manchen Zuschauer, der nie Zugang zur Technomusik gefunden hat. Auf mich trifft dies nicht zu, so dass ich mich offen an „Der Nachtmahr“ heranwagen konnte. Vermutete ich eher einen Horrorfilm anstatt ein Fantasy-Drama, so wurde aus der zunächst unheimlich scheinenden Kreatur schließlich nur eine fremdartige, was keinesfalls an einer mangelnden Wirkung falsch gesetzter Ziele von Regisseur und Autor Achim Bornhak liegt, sondern tatsächlich so gewollt ist. Das Wesen, das irgendwie ein Mix aus dem entstellten „Basket Case“-Zwilling und dem Alien aus „Mick, mein Freund vom anderen Stern“ zu sein scheint, wird in eine Geschichte gesteckt, in der man zunächst nicht versteht ob die Kreatur nun real oder Einbildung einer Teenagerin ist.
Eingebettet in eine Erzählung, die so einige Parallelen zu „E.T. - Der Außerirdische“ besitzt, erzählt Bornhak eine Geschichte der Symbolik. Wo die Kreatur bei Steven Spielberg eine Parallele zu Jesus aus dem christlichen Glauben darstellte, da steht das Wesen in „Der Nachtmahr“ für Tinas Persönlichkeit. Klein gehalten von den Eltern und in eine Rolle gezwängt von Freunden, werden diese Gruppierungen nun erwachsen werdend mit der wahren Persönlichkeit Tinas konfrontriert, die es entweder zu akzeptieren gilt oder den Abschied voneinander einleitet.
Nicht nur aus diesem Grund ist es eine großartige Idee des Autors das Geschehen in der angepassten Technoszene spielen zu lassen. Auch der über allem schwebende Schatten, dass der Nachtmahr eine Symbolik für einen Drogentrip ist, aus dem man nicht mehr heraus kommt, bekommt Unterstützung aufgrund der Ausrichtung in die Technoszene. Oft als Clubfilm tituliert wirkt „Der Nachtmahr“ in seiner mahnenden Art eher wie ein Anti-Clubfilm, zumal die stets zugedröhnten Szenegänger keine Sympathie ausstrahlen. Hinzu kommt die Tatsache, dass die meisten Schockeffekte über den Sound erreicht werden, wenn die Musik urplötzlich laut aufgedreht die zuvor eingefangene Stille unterbricht.
Vieles klingt an „Der Nachtmahr“ somit geglückt, aber so recht funktionieren will diese theoretisch klingende Schmackhaftigkeit nicht. Das beginnt damit, dass die Dialoge akustisch viel zu schwer zu verstehen sind, während die Musik immer dröhnend ins Geschehen bricht. Der unheimliche Part der Geschichte wird viel zu zügig gegen eine Annäherung mit der Kreatur ausgetauscht, und diese ist optisch letztendlich zu zahm ausgefallen, als dass sie mehr zu wirken wüsste als der olle „Bad Milo!“ oder was es da sonst noch so an lahm aussehenden Kreaturen gibt, die zu brav ausgefallen sind.
Während Carolyn Genzkowsich sich in der Rolle Tinas wacker schlägt, weiß der Rest der Besetzung kaum zu gefallen. Selbst die recht engagiert spielenden Eltern wirken nicht wirklich, was aber auch an der zu distanzierten Erzählweise liegen kann, die uns niemandem nähern lässt außer Tina. Sicherlich ist das alles von Bornhak so gewollt, gefallen will mir das Ergebnis jedoch nicht wirklich, auch wenn ich zugeben muss, dass ich die letzte halbe Stunde wesentlich interessierter verfolgt habe als die quälend lange erste Stunde des Streifens. Wie man an den Kritiken im Internet merkt stehe ich mit dieser Meinung alleine da, so dass es mich für den jungen Filmemacher freut, dass er mit „Der Nachtmahr“ einen kleinen Geheim-Tipp geschaffen hat.
Ich persönlich habe zu viele Stoffe des phantastischen Kinos gesehen, die ihr übernatürliches Phänomen dazu nutzen das Erwachsenwerden eines jungen Menschen zu symbolisieren. Das funktioniert hin und wieder ganz gut, so z.B. geschehen in „Ginger Snaps“ und manches Mal weniger gut wie z.B. in „When Animals Dream“. „Der Nachtmahr“ geht mit dieser Symbolik zumindest clever um, ohne sich zu widersprechen, mag intellektuell auf sicherem Terrain zumindest leicht trumpfen, dennoch ist mir das Ganze eine Spur zu plump ausgefallen in einem Film, der sich so penetrant gegen einen Unterhaltungsgehalt sperrt um unbedingt Kunst-Kino zu sein. Irgendetwas fühlt sich an „Der Nachtmahr“ falsch an. Befremdlich schön und gut, aber es ist nicht die Art Befremdlichkeit, die man sich von einem Film dieser Art erhofft. Es würde mich jedoch wundern, wenn Bornhak nicht damit gerechnet hätte, dass sein Werk die Gemüter spaltet. Und ich gehöre leider zu der Hälfte, die mit seinem Werk wenig anfangen kann. Ich wünschte mir es wäre anders. OFDb
Den hab ich im letzten Jahr im Kino leider verpasst (der lief hier sogar mal knapp ne Woche) und bisher nicht nachgeholt. Interessiert mich aber sehr, da ich gern wissen würde, ob ich mich auf deiner Seite einordne oder den Film vielleicht doch mag. Scheint ja wirklich so ein In or Out Werk zu sein.
AntwortenLöschenBin gespannt auf Deinem Blog etwas dazu zu lesen, wenn es soweit ist. :)
LöschenMich hat der gleich gehabt, aber ich konnte mich auch so gut in dieses Gefühl von früher hineinversetzen. Alle haben die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber niemand kennt dich wirklich. Bornhak ist ein sehr, sehr guter Beobachter.
AntwortenLöschenSchön zu lesen, dass er bei Dir funktioniert hat. Deine lesenswerte Review habe ich hier auch mal verlinkt, danke für die vielen Hintergrundinfos. :)
LöschenOh Dankeschön :-)
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