Donnerstag, 10. Mai 2018

THE BOSS BABY (2017 Tom McGrath)


Dem neuen kleinen Bruder, einem Baby in Anzug mit Aktentasche, gehört jegliche Aufmerksamkeit. Der 7 jährige Tim findet heraus, dass es sich eigentlich nur aufgrund einer geschäftlichen Angelegenheit in seiner Familie befindet, und so machen die beiden den Deal, dass Tim das babyuntypische Geschwisterchen bei seiner Mission unterstützt, wenn es danach die Familie wieder verlässt. Kein Problem für Boss Baby, das mit menschlichen Emotionen ohnehin herzlich wenig anfangen kann und somit kein Familienmensch ist - zunächst zumindest...


Eine gute Idee in der Säuglingsphase hängen geblieben...

DreamWorks fand ich immer die interessantere Alternative auf dem Markt der computeranimierten Zeichentrickfilme im Vergleich zu Pixar, deren Werken ich jedoch ebenso wenig abgeneigt war. Orientierten diese sich jedoch von je her mehr am typischen Disney-Stil einer Erzählung, herrschte in DreamWorks-Werken stets ein erwachsenerer und rebellischer Grundton, was sich deshalb nicht gegenseitig ausschloss, da man gegen die eingefahrene Erzählebene eines familienfreundlichen Animationfilmes rebellierte. Auch in Zeiten, in denen Pixar mit pseudo-reiferen Werken wie "Wall-E" große Aufmerksamkeit auf sich zog, präsentierte das Konkurrenzstudio mit "Drachenzähmen leicht gemacht" eine wesentlich unverkrampftere Variante aus dem zu fröhlich und kindlich gewordenen Standard des hart umkämpften Trickfilmmarktes auszubrechen. Mittlerweile sind interessante Stoffe rar gesät, das meiste kommt zu angepasst daher, soll besonders sanft und lieblich wirken, Innovation ist nicht mehr gefragt. Da wirkte die Idee von "The Boss Baby" doch erfrischend anders, so dass ich trotz der Ernüchterung, die sich seit einigen Jahren auf dem Animationssektor breit gemacht hat, mal wieder einen Blick in das damals so wundervolle Sub-Genre des Zeichentrickfilms warf.

Und was soll ich sagen? Auch "The Boss Bab" kann die massentauglich abgekurbelte Lethargie, in welcher sich die Trickfilm-Großproduktionen der USA befinden, nicht durchbrechen, besitzt die grundlegende Story zwar durchaus Potential, wird jedoch trotzdem nur der Standard aus diesem heraus gepresst, so dass sich selbst ein solch frisch wirkender Stoff schaut, als hätte man das alles schon etliche Male gesehen. Wie tief hätte man doch in die Eifersuchtsphase kindlichem Empfindens eintauchen können, um allein im Familienbereich dadurch eine interessante, im Emotionsbreich lebensnahe Story zu ernten? Und meine Güte, aber was bietet die herrlich schräge Idee eines Babys als BWLer doch für eine wunderbare Grundlage, um berechtigte Gesellschaftskritik am fragwürdigen, freiheitszerstörenden Treiben der Berufsgruppen um Kaufmänner, Banker und Unternehmensberater (und was es da sonst noch alles gibt, um Menschen ihrer beruflichen und finanziellen Existenz zu berauben) auszuüben. "The Boss Baby" signalisiert in beiden Bereichen das Erkennen dieser Themengebiete, indem es beide gelegentlich anstuppst, aber dann verlässt die Verantwortlichen der Story wieder der Mut und es wird wieder auf den unheimlich beliebten geistlosen, unkreativen und kritiklosen Standardkurs des Mainstreams umgeschwenkt, dabei noch weniger Tiefgang beweisend als es zumindest der eben erwähnte Roboterfilm der Konkurrenz seinerzeit gerade noch schaffte zu erreichen.

Zumindest mit Blick auf Regisseur Tom McGrath braucht das magere Ergebnis nicht zu überraschen, inszenierte er doch auch die "Madagascar"-Reihe, die neben "Happy Feet" doch die erste Welle weit weniger einfallsreicher Computeranimationsfilme auslöste, die schließlich im Standard um "Rio", "Hotel Transsilvanien" und Co mündete, und Werke wie "Rango", "Ralph reichts" "ParaNorman" und Co zu Ausnahmen im Meer der Erscheinungen machte (und selbst die erreichten meist nie ganz das Niveau eines "Antz", "Findet Nemo", "Die Unglaublichen", "Ice Age", "Shrek" und Co). Selbst sein recht sympathischer "Megamind" badete viel zu sehr im Mainstream, um mehr als seichte Unterhaltung aus der eigentlich so einfallsreichen Grundidee zu ernten. Da er jedoch nur an diversen "Madagascar"-Projekten am Drehbuch beteiligt war, kann es eigentlich nicht hauptsächlich an ihm liegen, dass ein solch interessant klingendes Projekt wie "The Boss Baby" im Sumpf an Mainstreamkrankheiten, wie zu viel Bravheit und Moral und ärgerlicher, da zu gewöhnlich und anbiedernd ausgefallener, Figurenzeichnungen (charakterlich und animationsbezogen), hängen bleibt. Mutlose Produzenten dürften ihn und die Autoren zu Auftragsarbeitern gemacht haben. Jeder andere Hintergrund würde zumindest noch mehr enttäuschen, als der Zustand der familienfreundlichen Zeichentrickfilme ohnehin schon auslöst. 

Wer alle von mir als mau bis schlecht bezeichneten Konkurrenzprodukte mochte, wird freilich auch mit "The Boss Baby" zufrieden sein, man erfüllt schließlich was der Allesfresser des Genres zu begehren wünscht. Aber für Cineasten mit einem gewissen Anspruch an Filmen ist das Werk, das ein Jahr später bereits mit einer Web-Serie fortgesetzt wurde, nur ein weiterer unbedeutender Beitrag ohne eigenes Gesicht in der Masse. Sicherlich kann man mal gelangweilt einen Blick riskieren, aber das zu überraschungsfreie Ergebnis holt einen nicht wirklich aus dieser Langeweile heraus.


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