Sonntag, 18. März 2018

THE HIDDEN - DAS UNSAGBAR BÖSE (The Hidden 1987 Jack Sholder)


Als ihn der FBI-Agent Gallagher um seine Mithilfe bittet, steht der Polizist Beck vor einem Rätsel. Zuvor harmlose Bürger werden zu Mördern und Dieben und liefern sich offene Gefechte mit der Polizei. Noch ahnt Beck nicht, dass er ein parasitäres Alien verfolgt, das kurz vor dem Tod seines Wirtes den Körper wechseln kann. Gallagher hingegen weiß längst bescheid und jagt den Außerirdischen schon seit längerer Zeit...


Die Körperspringer kommen...

Jack Sholder, Regisseur des wenig beliebten „Nightmare 2“, lieferte mit „The Hidden - Das unsagbar Böse“ den Prototyp jener Horrorgattung ab, an welche sich später auch „Shocker“, „Dämon“ und „Alienkiller“ klammerten, an das Genre des Körperwechslers. Mit diesem Werk, das deutlich zu sehen in den 80er Jahren zu Hause ist, ist ihm seiner Zeit ein kleiner Semi-Klassiker geglückt, der auch heute trotz seiner festen Verankerung im Entstehungsjahrzehnt zu gefallen weiß, holt er aus seiner an sich simplen Idee doch das Maximum heraus. Das Funktionieren des Streifens beginnt bereits im schrägen Spiel MacLachlans, der in seiner zurückhaltenden, versteiften Art bereits als FBI-Agent skurril wirkt, lange bevor man etwas über seine wahre Identität ahnt. Sein Mitspieler ist der typisch harte Cop des Action-Genres, der in der Deutschvertonung passend die Stammsynchronstimme von Bruce Willis erhalten hat. Dank des seltenen Einsatzes von Spezialeffekten aufgrund des Aufenthalts des Aliens in menschlichen Körpern, konnten jene wenigen Szenen, welche die Kreatur zeigen, um so finanzkräftiger und damit sehenswerter umgesetzt werden, so dass sie auch heute noch optisch zu überzeugen wissen.

„The Hidden“ ist an sich ein typischer Hybrid aus Action, Horror und Science Fiction. Seine erste Stunde besteht fast einzig aus der Jagd auf den flüchtigen Alien. Hier ist das Tempo und die Action auf ein Maximum hochgeschraubt. Jack Sholder erweist sich als gekonnter Regisseur, der das Szenario stets interessant und glaubwürdig gestaltet bekommt. Die Trickeffekte der Einschüsse überzeugen, die Autoverfolgungsjagden sind gut choreographiert, die Sinnlosigkeit der Actionklischees der 80er Jahre gehen in einem interessant gehaltenen Szenario unter, und auf den schrecklichen Blauton anderer Produktionen dieser Zeit wird optisch glücklicher Weise verzichtet. Dank der Entscheidung uns das Treiben des Außerirdischen immer parallel zu den Ereignissen der Gesetzeshüter zu zeigen, bekommt der Streifen durch das pentrant unverstellte Verhalten des Aliens zudem einen angenehmen, trockenen humoristischen Grundton, welcher erstaunlicher Weise selbst dann nie albern wirkt, wenn der Fremdling aufgrund starker Blähungen auf sich aufmerksam macht. Der Mix stimmt, die Komik wird nie zu dominant, um aus „The Hidden“ eine Komödie zu machen, und doch ist sie einer der entscheidenen Zutaten, die den Film so unterhaltsam gucken lassen.

Sie ist aber nur einer von vielen Hinguckern. „The Hidden“ hat mehr zu bieten als die Produktion vermuten lässt, auch wenn hauptsächlich auf äußere Schauwerte wert gelegt wird. Zwar blitzen immer wieder kurze Tiefgänge zum Thema Konsumkritik und manch anderer gesellschaftskritischer Aspekte auf, aber die bilden nie den Mittelpunkt, geschweige denn den analytischen Tiefpunkt, dafür bleibt besagter Bereich zu oberflächlich. Alles andere würde aber auch nicht dem Vorhaben gerecht werden, welches man mit „The Hidden“ umsetzen wollte. Er ist ein harter Actionfilm mit Science Fiction-Horror-Story, ohne große Umwege erzählt und professionell in seinen Schwerpunkten, die ihm wichtig sind, umgesetzt. „The Hidden" will nicht mehr sein als er ist, wirkt deswegen besonders ehrlich, erstaunlicher Weise trotz seiner unverkennbaren 80er Jahre-Art modetechnisch aber auch weit weniger unfreiwillig komisch, als man erwarten würde (wenn ich da nur an den eingentlich so tollen „Die Fliege“ von Cronenberg denke, der allein wegen Goldblums Frisur fast zur Lachnummer degradiert wird).

Im Finale, wenn kein Platz mehr für verschmitzte Spielereien ist, lässt die Wirkung von „The Hidden“ im direkten Vergleich ein wenig nach. Aber die wuchtige Action macht einiges wieder wett, ebenso die Finalszene, deren Wahrheit nur ein kleines Mädchen durchschaut. Sicherlich macht nicht alles Sinn. Allein dass das Alien bei der Polizei Hilfe anfordert, anstatt selbstständig Jagd auf den Killer zu machen, klingt nicht gerade einleuchtend. Eine andere Zusammenkunft mit Beck hätte aber wohl den zeitlichen Rahmen gesprengt, bzw. die an sich simple Erzählung zu komplex werden lassen. Ebenso darf es am Ende verwundern, dass Gallagher Patient in einem Krankenhaus ist, ohne dass bei Untersuchungen seine fremdartige biologische Struktur festgestellt werden konnte. Aber eben weil „The Hidden“ kein tiefgehendes, nicht ansatzweise intellektuelles, Kino sein möchte, sondern lediglich ein gut funktionierender Actionbeitrag, sind solche Hinterfragungen vorhandener Lücken eigentlich völlig unnötig.


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