Samstag, 3. Februar 2018

MONDBLUT (The Beast Must Die 1974 Paul Annett)


Ein Profijäger installiert eine Überwachungsanlage auf seinem abgelegenen Anwesen und lädt sechs Gäste zu sich ein. Er ist davon überzeugt, dass einer von ihnen ein Werwolf ist, und diesen möchte er als letzte große Herausforderung jagen...


Welcher Mensch ist das Schafskostüm?...

Ein gelangweilter Jäger, der die große Herausforderung sucht, das gab es bereits in den 30er Jahren mit „Graf Zaroff“, in welchem der titelgebende Mann Jagd auf Menschen machte. Mit „Mondblut“ wollte man diese Idee nicht nur gegen eine extremere Variante austauschen, man beweist geradezu mit dem Einstieg in die Geschichte, dass das Thema Menschenjagd, und damit das Vorbild an welchem man sich bedient, durchaus nicht vergessen wurde. Allerdings nutzten die Verantwortlichen der Geschichte es gleich für vielerlei Kniffe, bietet das Ende besagter Szene doch gleich zwei Überraschungen, von welcher eine politischer Natur ist. Damit hat man den cleversten Aspekt des kompletten Streifens auch gleich hinter sich gebracht, denn was nun als Hauptgeschichte folgt ist eine sleazy umgesetzte Pulp-Story mit Blaxploitation-Touch, die irgendwo zwischen Agatha Christie, besagtem Zaroff und diversen Werwolfgeschichten angesiedelt ist und keinen großen Hehl daraus macht, dass es hier lediglich um den Spaß an der Sache gehen soll.

Das beweist bereits die actionlastige Hintergrundmusik im Stile der Krimiserien gleichen Jahrzehnts. „Black Werewolf“ (Alternativtitel) soll nicht wirklich gruseln oder schocken, er lädt den Zuschauer lediglich zum Rätselraten ein, wer der geladenen Gäste der Werwolf sein mag. Und das macht er, indem er ganz direkt zum Zuschauer via Schrifteinblendung und Off-Kommentar spricht. Zum letzten Drittel des Filmes wird eben jener kurz unterbrochen, um sich erneut an den Zuschauer zu wenden, ob dieser nun wisse wer der Wolfsmensch ist. Diese verspielte Art und die absichtlich schundige Umsetzung wissen in ihrem augenzwinkernden Grundton zu gefallen, so dass man sich über den eigentlichen Nonsens, der über allem schwebt, kein bisschen aufregt. So darf man sich zwar zurecht fragen, warum der Gastgeber glaubt es müsse ein Werwolf anwesend sein, wenn er sechs Menschen einlädt, bei denen die Vermutung nahe liegt, dass dem so sein könne - immerhin spielt der Film, so ungewöhnlich seine Geschichte auch angelegt ist, in unserer Wirklichkeit, in welcher kaum wer an die Existenz des Wolfsmenschen glaubt. Zwar wird der Geisteszustand des Jägers angezweifelt, eben weil keiner an solchen Hokuspokus glaubt, trotzdem wird von Seiten des Jägers nie mit der Eventualität gespielt, dass alle sechs Personen ein Irrtum sein könnten - was man ja durchaus auch dann in Erwägung ziehen kann, wenn man an die Existenz der Gattung Werwolf glaubt.

Das Werwolfsein ist in „The Beast Must Die“ (Originaltitel) eine Krankheit, die wunderbar pseudowissenschaftlich von der Rolle Peter Cushings erklärt wird, der einen Wissenschaftler spielt, welcher den Mythos des Werwolfs zwar studiert hat, jedoch nur auf Fragen des Jägers reagiert. Er selbst zeigt null Interesse an dem Experiment, auch wenn er in einer Szene behauptet, er würde dies tun. Wie erwähnt, Sinn gibt es hier so wenig zu erleben wie Moral (man bedenke nur wie asozial es ist Jagd auf Werwölfe zu machen, wenn es sich hierbei um Menschen handelt, die unter einer schrecklichen Virenerkrankung leiden. Und einen Menschen als geisteskrank zu bezeichnen, nur weil er an übernatürliche Wesen glaubt, würde ja bedeuten, dass man heutzutage jeden Esoteriker und Gottesgläubigen für irrsinnig erklären müsste), aber Spaß macht die etwas zu simpel geratene Chose durchaus, fehlt es in der Inszenierung Paul Annetts zwar an düsterer Atmosphäre, aber nicht an Stimmung. Zudem reizt es tatsächlich mitzuraten, wer denn nun der Wolfsmensch ist.

Ob man diesen so nennen kann, obwohl besagte Person sich lediglich in einen Wolf verwandelt, so wie es auch der Protagonist in „Wolf“ mit Jack Nicholson tut, sei einmal dahingestellt, von dem Verzicht eines Mischwesens und dem Krankheitsaspekt einmal abgesehen orientiert man sich ansonsten aber sehr wohl an der allbekannten Horrorkreatur. Der Vollmond fehlt hier ebenso wenig wie das Silber und der Eisenhut. Das Edelmetall wird gar einige Jahre vor Carpenters Version von „Das Ding aus einer anderen Welt“ verwendet, um mit der Gruppe einen Test durchzuführen, wer der Werwolf sein könne. Dass man trotz der Anwesenheit eines Arztes und der Vermutung es mit einer Virenerkrankung zu tun zu haben, keinen Bluttest durchführt, gehört wiederum zu den vielen nichtdurchdachten Momenten des Streifens, die ihm aber seinen zusätzlichen Charme bescheren, anstatt ihm zu schaden.

„Mondblut“ mag kein vergessener Meilenstein unter den vielen Genre-Werken sein, an denen Peter Cushing beteiligt ist, aber er ist ein recht sympathisches Stück Genre-Nonsens, bei dem nie ganz klar ist bis zu welchem Grad er tatsächlich augenzwinkernd gemeint ist. Da die deutsche Synchronisation in der Betonung ihrer Sprecher eher mittelmäßig ausgefallen ist (gerade die Stimme der Hauptfigur schadet der tatsächlich anvisierten Stimmung des Streifens sehr), wäre es wünschenswert der Film würde endlich eine offizielle DVD-Veröffentlichung mit Originalton und deutschen Untertiteln erhalten, denn in solcher Form guckt er sich sicherlich noch eine Spur unterhaltsamer als in der von mir gesichteten deutschen Fassung.


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