Dienstag, 2. Januar 2018

TANZ DER TEUFEL (The Evil Dead 1981 Sam Raimi)


Eine Gruppe junger Erwachsener verreist in die tiefen Wälder, um dort in einer Hütte Party zu machen. Als man im Keller auf ein Tonband stößt und auf diesem fremdsprachige Rituale vorgelesen werden, dringen uralte Wesen in unsere Welt ein und übernehmen die Körper der jungen Urlauberinnen...


Kette verhindert Kettensäge...

Am Anfang gab es 1978 den Amateur-Kurzfilm „Within the Woods“, der seinen Regisseur Sam Raimi dazu inspirierte mit seinem Kumpel Bruce Campbell, der ebenfalls am Original mitwirkte, daraus einen Langfilm zu zaubern. Zwar bekam man hierfür Geld aufgetrieben, aber man musste mit bescheidenen Mitteln leben, so dass die Crew sich manch interessante Idee einfallen ließ „Tanz der Teufel“ dennoch aufgeregt gestaltet zu bekommen. Um es gleich vorweg zu nehmen: dies ist ihnen wahrlich gelungen, und die Mittel zum Ziel beeinflussten ebenso wie jene der Fortsetzung andere Filmschaffende, was dem Kultstreifen gar noch mehr Daseinsberechtigung beschert als ohnehin schon.

Die Geschichte ist schlicht ausgefallen, aber hochinteressant in Szene gesetzt innerhalb eines Plots, der auch auf der Stelle hätte treten können und damit auf Dauer hätte langweilen können wie im Remake „Evil Dead“ geschehen. Eine düstere Atmosphäre, simple optische Spielereien und die Extreme des Geschehens verzaubern das, was andere in ein ödes Etwas verwandelt hätten, zu einem wilden Horrorritt mit gruseligen Momenten, schockierenden Szenen und einem verspielten Umgang mit dem Kampf Mensch gegen Dämonen.

In diesem Kampf kristallisiert sich hervorragend das Spiel von Geist und Irrsinn heraus. Die Besessenen sehen übernatürlich aus, aber ihr Wirken ist geisteskrank, ihre Stimmen und das was sie sagen ebenso. Sind die ersten Taten der Menschen noch rationaler Natur, müssen sie schnell einsehen welchem Wahnsinn sie hier gegenüber stehen, der ebenso wahnsinnige Taten von ihnen abverlangt. Schauspieler Bruce Campbell ist sich dieses Schwerpunktes der Story bewusst und arbeitet mimisch immer wieder mit dem Kampf nicht in den Irrsinn abzurutschen, bzw. immer wieder den Weg zurück zum Normalsein zu versuchen, was sich als gar nicht so einfach herausstellt, bei all dem was seine Figur Ash durchstehen muss.

Diese ist in „Evil Dead“ (Originaltitel) im Grundcharakter noch alltäglich gezeichnet. Erst der Ash von „Tanz der Teufel 2“, der Aufgrund einer Neuerzählung anstatt einer Fortführung des Erzählten nicht der selbe Ash aus Teil 1 ist, bekommt eine dümmliche Note beschert, die sich über „Armee der Finsternis“ bis hin zur TV-Serie „Ash vs. Evil Dead“ noch gewaltig hochschaukeln sollte.

Wer also wie dort geschehen bei „Der Totentanz der Teufel“ (Alternativtitel) eine Horrorkomödie erwartet, der wird sich wundern welch düsteres Werk Sam Raimi mit der ersten Langfilmversion seiner bislang vier Mal erzählten Story geschaffen hat. Allerdings fällt hier bereits das verspielte Einfangen und Agieren der Besessenen auf, die mit kindlicher, schwarzhumoriger Tücke die Menschen quälen und von derem Leiden zehren. Es braucht beim Betrachten dieser Wesen und ihrer Methoden somit nicht erstaunen, dass es Raimi sechs Jahre später in den Fingern juckte das Ganze einmal bewusst humoristisch einzufangen.

Mögen die Knetgummi-ähnlichen Effekte am Schluss auch nicht überzeugen und die Frage aufwerfen, ob sie dies damals taten, mit ihnen hätte man den einzigen Negativpunkt genannt, den es in „Book of the Dead“ (Alternativtitel) zu entdecken gibt - abgesehen von manch irrationaler Tat der Protagonisten vor dem Bewusstwerden der Gefahr. Die diesbezüglich idiotischste Stelle, das Hineinlaufen in den Wald, weil man bedrohliche Stimmen gehört hat, führt immerhin zu einer der besten und legendärsten Szenen des Streifens, so dass man sich mit diesem Drehbuchunsinn recht gut versöhnen kann. Ohnehin ist „Tanz der Teufel“ ein Film, den man einfach auf sich wirken lassen sollte. Kopf aus wäre der falsche Rat, dann würde man das psychologische Spiel mit Sinn und Irrsinn übersehen, aber all zu kritisch sollte man hier nicht auf Logik achten. Die Crew entschädigt mit so vielem anderen, dass es eigentlich nichts zu meckern gibt.


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