Sonntag, 29. Januar 2017

BLACK MOON (Black Moon Rising 1986 Harley Cokeliss)


Ein vom FBI angeheuerter Meisterdieb versteckt erbeutete Daten in dem Prototyp eines Superautos, welches kurz darauf gestohlen wird. Nun setzt der Dieb alles daran die Daten zurück zu bekommen...


Aus Wasser wird lediglich heiße Luft...

Wenn es in einem Film Mitte der 80er Jahre heißt die Idee käme von John Carpenter, also in einer Zeit in der er nach diversen Flops regelrecht unterschätzt wurde, dann ist die Neugierde geweckt, erst Recht wenn im Zuge dessen noch von einem Superauto in Bezug auf das Genre Science Fiction die Rede ist. Das klingt nach etwas Kunterbuntem und Ungewöhnlichen, wie es auch nur in den 80er Jahren entstehen konnte, und so ganz unrecht sollte ich mit dieser Vermutung nicht haben, badet „Black Moon“ doch regelrecht in besagtem Jahrzehnt, jedoch nicht auf die angenehme Weise.

Die Frisuren der 80er Jahre sind tatsächlich mal wieder die Lachnummer 1 und unterstreichen die Vermutung, dass die mit „Terminator“ einen Erfolg feiernde Linda Hamilton lediglich eine gewöhnliche B-Film-Mimin ist, was sie ebenfalls in „King Kong lebt“ beweist. Ernst nehmen kann man sie nicht, wenn sie mit hartem Blick, so als übe sie bereits für „Terminator 2“, innerhalb der dusseligen Story ihre höchst lahme Rolle verkörpert, ohne den Versuch zu starten an diesen Umständen irgendetwas ändern zu wollen. Aber was soll man über sie klagen, wenn es doch das komplette Drumherum ist, das ein wahres Desaster geworden ist.

Von der hanebüchenen Story und ihrem noch dämlicheren Verlauf, bis hin zum in jungen Jahren plump besetzt scheinenden Tommy Lee Jones, dessen Rolle vom Drehbuch keine Sympathie beschert bekommen hat, so dass man sich einzig auf das bierernste Einminenspiel des Darstellers verlassen muss, weiß so ziemlich gar nichts am Film zu gefallen. „Black Moon“ ist hilflos naiv ausgefallen, das Vorzeigeauto im Zentrum wirkt weder wie ein zum Staunen einladender Blick in die Zukunft, noch wie ein Retroblick vergangener Vorstellungen von der Zukunft. Sein billiges Design toppt die Gurken aus „Freejack“, und seine Fähigkeiten lassen das Auto aus der ähnlich naiv plumpen Serie „Knight Rider“ wie eine Gottheit erscheinen.

Auf unglaubwürdige, wie konfuse Art versucht Harley Cokeliss die bruchstückhafte Story irgendwie beisammen zu halten, setzt hauptsächlich aber lieber auf das Protzen mit Hightech, die müde Coolness des Helden und mau inszenierte Verfolgungsjagden und Rennszenen. Dass Erstgenanntes nach all den Jahren freilich nur noch lächerlich wirken kann, ist das Ergebnis fehlendem Retrocharmes, welches den Film zu einem kühl laufenden Motor ohne Charakter werden lässt. Ich habe nun wirklich keinen Meilenstein erwartet, aber dass „Black Moon Rising“ (Originaltitel) solch ein müdes und peinliches Produkt ist, das so gar nicht das Kind in mir ansprechen möchte, wie es sonst so viele andere 80er Jahre-Produkte schafften, hat mich dann doch überrascht.


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Samstag, 28. Januar 2017

PULS (Cell 2016 Tod Williams)


Von einem Moment zum anderen mutiert jeglicher Mensch, der gerade ein Funknetztelefon nutzt, zur reißenden Bestie. Clayton gelingt die Flucht aus dem Massaker auf einem Flughafen und versucht in einem entvölkerten Amerika seinen Sohn zu finden, immer die Gefahr im Nacken von den sich in Herdenform bewegenden umprogrammierten ehemaligen Menschen attackiert zu werden...


Nach Kanada der Lösung wegen...

Was Stephen King eher in bemühter als in gelungener Form versucht, ist das zur Zeit allseits beliebte Zombie-Genre lediglich als Grundlage zu nutzen, um daraus etwas Eigenständiges zu zaubern. Sein etwas wirrer Mix aus „Die Nacht der lebenden Toten“, „The Signal“ und „Puppet Masters“, angereichert mit Ideen aus „Nightmare - Mörderische Träume“ und „The World's End“, ist nicht der große Wurf geworden, den manch einer sich eventuell erhofft hat. Für unterhaltsame 90 Minuten ist dennoch gesorgt, entdecken wir mit unseren Helden doch nicht nur die Welt nach einer schrecklichen Katastrophe, so wie es fast jeder Zombiefilm erzählt, durch den Wandel den die Kreaturen durchmachen bleiben wir auch immer neugierig was wohl als nächstes passiert.

Wirklich spannend ist „Puls“ nicht geraten, er guckt sich ein wenig zu steril, setzt zu sehr auf Bewährtes, fühlt sich nicht lebendig an. Weder John Cusack noch Samuel L. Jackson spielen in Hochform. „Puls“ ist zu statisch geraten, zu sehr auf das gesetzt was man Genre-bedingt im Kino nun einmal zu sehen bekommt. Aber der Drang Kings sich nicht auf einer Idee auszuruhen und immer Neues bieten zu wollen, eine Eigenschaft die einem gut erzählten Film geschadet hätte, wird hier zum Antriebsmotor, dass das Ganze trotzdem noch auf Routinebasis funktioniert.

Wie jeder Film ähnlicher Grundlage lässt sich das Geschehen als Sinnbild auf vielerlei Elemente in unserer Gesellschaft anwenden, durch den Auslöser mittels Funknetztelefonen mehr denn je. So richtig ehrlich will sich die Gesellschaftskritik in diesem Mainstream jedoch nicht anfühlen, zumal die Fantastik der Geschichte überwiegt, als dass man den Stoff all zu ernst nehmen könnte. Ein Verweis auf Kanada bleibt ein kleiner direkter Bezug auf das Denken Alternativer, gewaltigere Aspekte, wie das Mitläufertum durch die Beeinflussung medial eingebläuter Meinungen, sind in dieser Thematik im Kino nicht neu und werden im hier besprochenen Film nicht tief genug genutzt.

Letztendlich versucht King etwas, was jemand Anderem bereits mit „Pontypool“ gelungen ist: er möchte ein Zombieszenario mit einer wahnwitzigen Idee anreichern, um dem Ganzen neuen Zunder und Tiefsinn zu geben. Leider funktioniert „Puls“ nur als schlichter Film für zwischendurch, und dies auch nur wenn man großzügig über das zu bemühte Drehbuch hinwegsehen kann.


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AMAZONEN AUF DEM MOND ODER WARUM DIE AMIS DEN KANAL VOLL HABEN (Amazon Women on the Moon 1987 John Landis u.a.)


Im Fernsehen läuft der 50er Jahre Science Fiction-Klassiker „Amazonen auf dem Mond“ und wird fortlaufend mit Werbebeiträgen unterbrochen. Währenddessen läuft auf anderen Kanälen ein anderweitig dümmliches Programm...


Präsentiert von Samuel L. Bronkowitz...

Nicht viele Leute wissen, dass es von „The Kentucky Fried Movie“ eine Fortsetzung gibt. Man erkennt es nicht einzig am Konzept einer per Kurzfilm-Sketche parodierten Form des amerikanischen TV-Programms, das gab es schließlich auch Jahre vor Teil 1 mit der „Big Gäg Movie Station“, an welcher u.a. auch Chevy Chase beteiligt war und die mit ihrem Nachfolger nichts zu tun hat. Dass eine direkte Verbindung zwischen „Kentucky Fried Movie“ und „Amazonen auf dem Mond“ besteht, merkt man eigentlich nur an dem Running Gag, dass sämtliche Schrottfilme von einem angeblichen Samuel L. Bronkowitz produziert wurden.

Sicher, der Humor ist ebenfalls ähnlich angesiedelt. Aber man merkt grundsätzlich ob das Zucker/Abrahams/Zucker-Team für den Humor eines Filmes verantwortlich ist, oder nicht. Die arbeiteten treffsicherer in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ im Vergleich zur von anderen Autoren verfassten Fortsetzung „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“, und so ist es auch mit „Amazonen auf dem Mond“, der bei weitem nicht mehr so pointensicher daher kommt wie sein Vorgänger.

Aber auch er kann sich sehen lassen. Mehr sogar! Denn rein stilistisch ist er flotter umgesetzt als das an mancher Stelle leicht sperrige Original. Mag auch nicht jeder Sketch gleichermaßen zünden, der Großteil des Gezeigten ist eine Lachgarantrie. Und da sich das Medienleben der Amerikaner weiterentwickelt hat, wenn auch nicht im qualitativen Bereich, gibt es auch in einem Teil 2 noch genügend zu parodieren. Unschwer erkennbar ist der Einzug der Videokassetten in das Leben der Amerikaner. Ob als Nebensache zu Beginn im ersten Sketch mit dem unglaublich komisch agierenden Arsenio Hall, oder im Sexvideo-Sketch mit Gaststar Russ Meyer, welchen man als einen Mix der „Kentucky Fried Movie“-Sketche mit dem gefühlsechten Kino und dem Liebespaar vor der Nachrichtensendung bezeichnen könnte, sie ist dem Amerikaner wichtig geworden und stellte die Revolution ihrer Tage da. Kino für zu Hause, welch faszinierende Idee.

Mag man sich auch hauptsächlich an Medien des damaligen Zeitgeistes orientieren (sogar mit einem überraschenden und sehr witzigen Ausnahmeverweis auf das Medium Buch), mit dem Hauptfilm „Amazonen auf dem Mond“ dürfen auch Film-Klassiker wieder dran glauben. Im speziellen Fall diente in erster Linie „Cat-Women of the Moon“ als Vorbild. Was hier parodiert wird lässt sich aber auch auf viele weitere Science Fiction- und Monsterfilme der 50er Jahre anwenden. Auch wenn der über 30minütige Hauptfilm in „The Kentucky Fried Movie“ nicht gestreckt wirkte, so schaut es sich doch angenehmer, dass der „Hauptfilm“ diesmal auf die 90 Minuten Laufzeit verteilt wurde, was außerdem dem Thema Zapping zugute kommt, das in den 70er Jahren sicherlich noch nicht so extrem verbreitet war wie in den 80er Jahren.

Die Höhepunkte der Fortsetzung liegen zum einen in der Darbietung schwarzer Amerikaner ohne Seele (allen voran der grinsende Schlagersänger, der im fertigen Film immer wieder auftaucht) und der Parodie zu „Der Unsichtbare“ namens „Der Sohn des Unsichtbaren“, in welchem Ed Begley Jr., selbstverständlich in Schwarz/Weiß, einen Wissenschaftler spielen darf, der lediglich glaubt unsichtbar zu sein. Doch auch neben dieser beiden Highlights gibt es viele andere großartige Ideen zu erleben, so z.B. eine Beerdigung die zur Comedyshow umfunktioniert wurde, eine hanebüchene Erklärung um das Geheimnis Jack the Rippers, die Peinlichkeit eines Kondomkaufs und seine Folgen, ein mahnender Lehrfilm gegen unsittliches Verhalten (Vorsicht! Läuft erst nach dem ersten Abspann!), eine Doku über das Pethouse-Girl des Monats und einiges mehr.

Stilistisch unterscheiden sich die einzelnen Kurzfilme manchmal stark. So setzt die Parodie einer live übertragenen Gerichtsverhandlung z.B. absichtlich auf unterirdischen Humor (meiner Meinung nach auf sehr gelungene Art), der Sketch um einen Aufreißer, der Probleme mit der modernen Technik bekommt, fällt hingegen recht bieder aus. Und was der Sketch um einen Arzt, der das neu geborene Baby eines Öko-Paares nicht finden kann, im Film zu suchen hat, weiß ich aufgrund des fehlenden inhaltlichen Anschlusses nicht, beschert uns aber immerhin die aberwitzige Konfrontation zwischen einem ahnungslosem Paar und einem schäbigen Wurzelsepp.

Der Großteil folgt inszenatorisch und humoristisch jedoch dem Vorbild des ersten Teiles, für welchen John Landis für die Regie verantwortlich war. Der hat sich diesmal einige geschätzte Kollegen mit an Bord genommen, so z.B. „Gremlins“-Regisseur Joe Dante, was auch erklärt warum die Sketche so unterschiedlich ausgefallen sind. Dem Film bietet dies stilistische Abwechslung und könnte damit auch eine Erklärung dafür sein, warum sich Teil 2 trotz schwächerer Pointensetzung flotter guckt. Glücklicher Weise hat man aber auch die lahmsten Sketche entfernt, wie ein Blick auf die entfallenen Szenen auf der DVD zeigt. Die hätte ich an deren Stelle allesamt ebenfalls nicht mit reingenommen. Es ist vielleicht etwas schade um den Sketch um eine fremdsprachige Bauchrednerpuppe, aber auch dieses Highlight der entfallenen Szenen schaute sich zu langgezogen und hätte den flotten Verlauf von „Cheeseburger Film Sandwich“ (Alternativtitel) geschadet.


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BLUTIGE SEIDE (Sei donne per l'assassino 1964 Mario Bava)


Mehrere Models, die für ein und das selbe Modehaus arbeiten, werden von einem Unbekannten getötet. Der Polizei fällt es schwer ein Tatmotiv zu erkennen, um die Identität des Killers lüften zu können...


Die Alarmanlage im Handschuhfach...

„Blutige Seide“ wird seinem hohen Ruf gerecht ein bedeutender Film des italienischen Thriller-Kinos zu sein, hat er mich bei meiner ersten Sichtung doch schnell in seinen Bann gezogen, innerhalb einer Geschichte die zunächst einmal eine geradezu klassische Kriminalfilm-Handlung bietet. Während zeitgleich in Deutschland augenzwinkernde Wallace-Filme und in England humoristisch angehauchte Miss Marple-Fälle gedreht wurden, da besann sich Mario Bava auf den ernsthaften Ursprung des Genres und verpasste ihm eine zusätzliche düstere Aura, die ihn nahe an die Grenze zum Horrorfilm bringt.

Nicht nur dass er mit dieser Methode das Ur-Werk der hauptsächlich in den 70er Jahren aufkommenden Giallo-Welle darstellt, auch amerikanische Werke wie „Halloween“ wurden von „Der Würger mit der Maske“ (Alternativtitel) beeinflusst, stellvertretend hierfür sei das plötzliche Verschwinden des Killers nach einer kurzen Sichtunterbrechung genannt, eine Methode Unbehagen zu erzeugen, die geradezu klassisch für das Verhalten von Michael Myers werden sollte. Selbstverständlich sind auch viele Herangehensweisen des Killers für spätere Slasher und Giallos von Einfluss gewesen, wirkt der oft menschlich handelnde Täter in manchen Sequenzen doch regelrecht wie ein Phantom.

Übernatürliches hat in „Fashion House of Death“ (Alternativtitel) nichts zu suchen. Bavas Werk ist ein bodenständiges, an die Realität gebundenes Stück Faktenkino, das in seiner Glaubwürdigkeit nur winzige, kaum nennenswerte Risse besitzt, bevor der Film Richtung Finale in einer überraschend frühen Täteraufdeckung zum klassischen Kino der Intrigen wird, ein Wandel der ihn nicht minder sympathisch erscheinen lässt als zuvor. Um eine wahrlich überraschende Auflösung geht es nicht, das ging es ohnehin nie im Sub-Genre des Giallos. Es erfreut jedoch, dass die Täteraufdeckung nicht unsinniger Natur ist und zudem keinen Schlussstrich setzt. Stattdessen setzt sie ein auf den bisherigen Ereignissen aufbauendes Geschehniss in Bewegung, womit sie zu mehr als zur reinen Rätselauflösung wird.

Mario Bava wird in „Blutige Seide“ seinem Ruf gerecht optische Leckerbissen zu komponieren. War es noch die Stärke seines „Die Stunde, wenn Dracula kommt“, dass er in klassischem Schwarz/Weiß gedreht wurde, so zelebriert der Künstler hier sein Spiel mit den Farben, macht aus jeder Einstellung ein optisches Meisterwerk und beweist, dass das Spiel mit Licht und Schatten auch im Farbfilm eine Brillanz erreichen kann und zudem Teilmotor der angenehm angespannten Atmosphäre wird.

„Six Women for the Murderer“ (Alternativtitel) ist wahrlich das Liebhaberstück gewesen, das ich mir von ihm erhofft hatte. Seine nüchterne Art, die zu einem mitfiebernden Spannungsbogen wird, eingetaucht in stimmige Bilder, umweht von einer düsteren Atmosphäre, machen aus „Blutige Seide“ ein packendes Produkt, dem man sich nicht entziehen kann. Dass der Streifen derart intensiv zu schauen ist ohne das Vorhandensein einer Identifikationsfigur (ständig wechselt Bava die Perspektive, aus welcher der Film erzählt wird) ist das wirkliche Wunder daran, wirkt „Sei donne per l'assassino“ (Originaltitel) deswegen doch nie sprunghaft oder zu theoretisch. Dennoch ist er eher objektiv erzählt, lässt den Zuschauer aber trotzdem manches Mal mit dem Mörder mitfiebern, auch hin und wieder mit Opfern, gelegentlich sogar mit dem Kommissar, der, Giallo-typisch, für die Geschichte weit weniger von Bedeutung ist als man beim Genre des Kriminalfilmes meinen sollte.


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Montag, 23. Januar 2017

FLOTTE TEENS UND HEISSE JEANS (La liceale 1975 Michele Massimo Tarantini)


Die Teenagerin Loredana weiß um ihre Attraktivität und wickelt Schüler wie Lehrer um den Finger. Der neue Schüler Billy verliebt sich in sie, spielt ihr Spiel jedoch nicht mit. Als sich Loredana in einen jungen Geschäftsfreund ihres Vaters verliebt scheint es keine Chance mehr zu geben, dass Billy doch noch mit Loredana zusammen kommt...


Take it easy...

Die „Flotte Teens“-Reihe ist eher berüchtigt als berühmt, was an ihrem groben Klamauk liegt, der so extrem angegangen wird, dass die Filme tatsächlich kaum zu ertragen sind. Dieses Rezept betrifft jedoch nicht den ersten Teil, womit „Flotte Teens und heiße Jeans“ von seinem ungerechten Ruf her ein ähnliches Schicksal wie „Eis am Stiel“ teilt, dessen Fortsetzungen ab Teil 3 meist auch eher albern ausfielen. Zwar ist das hier besprochene Werk keine Tragikomödie wie der Vergleichsfilm, in Sachen Zoten hält er sich jedoch noch genügend zurück um dem emotionalen und sinnlichen Aspekt der Geschichte eine echte Chance zu geben sich durchzusetzen. Trotz immer wiederkehrender Übertreibungen umweht Tarantinis Werk eine Ehrlichkeit, gerade die Gefühlswelt der Loredana betreffend, auch wenn sie mit ihrem reifen und höchst attraktivem Körper nicht gerade wie eine authentische Schülerin wirkt.

Die Unbedarftheit mit der Loredana durchs Leben geht, ihre fast noch unschuldigen Intrigen, ihr verspieltes Verführen, ihre hoch emotionalen Entscheidungen aus Liebe, das hebt ihr unreifes Alter hervor, macht sie mit all diesen Fehlern auch nicht zur strahlenden Heldin, aber es bleibt glaubwürdig dass man ihr verzeihen kann, ist sie doch nur ein unreifes Ding, das mit der Zeit erwachsener wird. Gegen die Regel erzählt ist es der Junge, welcher den reiferen Part von beiden erhalten hat (jedoch nur im direkten Vergleich, auch er ist mit seinem Protzen ein Mann zu sein, seinem Schimpfen bei verweigertem Beischlaf, seiner kindlichen Eifersucht und dem Angeben mit seinem Motorrad alles andere als erwachsen zu nennen), und es liegt ausnahmsweise einmal an Loredana sein Herz zu gewinnen, wo sie doch sonst keinen Finger rühren muss um das Interesse eines Mannes zu wecken.

Auch in seiner Komik erweist sich „Flotte Teens und heiße Jeans“ als treffsicherer als die Fortsetzungen und durch Namenstäuschungen entstandenen Pseudo-Fortsetzungen. Wo diese Extremklamauk in Endlosschleife liefern, in der Hoffnung das irgend etwas davon krampfhaft komisch wirkt, da wird hier in „The Teasers“ (Alternativtitel) mancher Humor gar gewitzt gesetzt, z.B. wenn der Vater sich nach einem Telefonat wieder seiner Geliebten zuwendet und damit innerhalb von Sekunden zum gedankenlosen Heuchler wird. Auch mancher Klamaukmoment weiß zu gefallen anstatt zu nerven, so z.B. die völlig überraschende Handkantenszene, in welcher eine Lehrer-Nebenrolle zum kampfbegnadeten Helden gepuscht wird. Sein kurz darauf folgender Westernauftritt in der Klasse, wenn er als Sieger auftritt und seinen Gegner, einen Schüler, damit beschämt, ist ebenfalls sympathisch witzig ausgefallen.

Dass Gloria Guida nicht nur ihren schönen Körper einsetzt, sondern mit ihrer Unschuldsmimik auch, trotz fehlendem Schauspieltalents, perfekt in die Rolle passt, unterstützt die delikaten, wie auch die emotionalen Momente des Films, die sich glücklicher Weise ebenfalls eingeschlichen haben. Eine Versöhnungsszene zwischen Tochter und Freund der Mutter im Treppenhaus weiß emotional zu bewegen, Billys Enttäuschung an anderer Stelle fühlt man ebenfalls mit. Tatsächlich ist man trotz seiner wesentlich geringerer Präsenz emotional eher an ihm gebunden anstatt an Loredana, Identifikationsfigur bleibt insgesamt trotzdem die hübsche Blonde.

Loredanas wechselhaftes Verhalten, welches dementsprechend auch die Geschichte durcheinander wirbelt, so als würde keine richtige existieren, fängt das Gefühlsleben eines Teenagers so ein wie es ist. Und das ist ein kleines Wunder innerhalb eines Filmes der eine viel zu sexy Heldin ins Zentrum rückt, den Schulalltag nur mit völlig idiotischen Lehrern präsentiert, jeden Mann zur sexgeilen Bestie erklärt und emotional meist eher Kino anstatt Wahrhaftigkeit aufblitzen lässt. Dieser so unpassend klingende Mix ist es aber schließlich, der „Under-graduate Girls“ (Alternativtitel) zu einem solch angenehmen Vertreter der italienischen 70er Jahre Erotikkomödien macht. Und dass hier selbst die Zoten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, ist gerade mit Blick auf die Fortsetzungen kaum zu glauben.


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Gastkommentar: DR. LAMB (Gao yang yi sheng 1992 Billy Tang u.a.)


Autor: Frau Vulkan

Bei dem Begriff CAT III, stellvertretend für Filme die beim Ratingsystem in Hong Kong keine Jugendfreigabe bekamen, horchen viele Fans von Extremkost auf. Manche halten es gar für eine Garantie dafür außergewöhnlich Hartes oder zumindest Außergewöhnliches geboten zu bekommen. Natürlich bekamen tatsächlich sehr interessante („Story Of Ricky“), besonders harte („Guinea Pig: Flowers Of Flesh And Blood“), richtig verrückte („Chinese Torture Chamber Story“) und auch Filme mit wirklich großartigen Stories („Dumplings“) dieses Siegel. Trotzdem ist es immer noch nur eine Freigabeart des asiatischen FSK-Äquivalentes. Man kann sich davon eigentlich weder vom Kauf abschrecken, noch dazu animieren lassen.

„Dr. Lamb“ ist ein Werk von und mit Danny Lee, der wenige Jahre später mit seinem brillanten „The Untold Story“ berechtigt zu Ruhm kommen sollte. Hier übernahm der einigen vielleicht von „Red To Kill“ bekannte Billy Tang die Regie zusammen an seiner Seite.  Die Story ist schnell erzählt. In einem Fotolgeschäft in Hong Kong tauchen Bilder von nackten, toten Frauen auf, offenbar wurden sie ermordet. Die Spur führt die Polizei zu dem jungen Hobbyfotografen Lam Gor-Yue (Simon Yam) und seiner Familie. Inspektor Lee (Danny Lee) ist von der Schuld Lams derart überzeugt, dass er und sein Team nicht nur herkömmliche Verhörmethoden anwenden, um an ein Geständnis zu kommen. Schließlich gilt es auch einige unaufgeklärte Vermisstenfälle von jungen Frauen in den letzten Jahren endlich abgeschlossen zu den Akten legen zu können...

Anfangs wirkt „Dr. Lamb“ allenfalls wie eine „Tatort“-Folge aus Hong Kong. Durch die lustlose Polizei, die auch mal gerne im Auto Karten spielt, um die Zeit bis Feierabend herum zu bekommen, wirkt das Ganze manchmal gewollt bis unfreiwillig komisch. Letzteres vor allem, wenn die Ermittler Lam mit Hammer, Telefonbuch und Knüppel prügeln, und dieser regungslos sitzen bleibt und kein Wort verliert. Das wirkt auf beiden Seiten übertrieben, und man kann nur darüber schmunzeln, wie die Beamten den Fall um jeden Preis und schnellstmöglich abschließen wollen, um sich wieder „wichtigeren“ Dingen wie dem Pokern widmen zu können. Auch die Reaktionen auf manche Nacktfotos sorgen für leicht alberne Lacher.

Dann aber dreht sich der Film, und es wird atmosphärisch düster, allerdings, das vorweg, leider nicht besonders spannend. Nachdem der Fall vor Mitte des Films geklärt ist, und zwar genau so wie der Zuschauer es sich ungefähr seit der 5. Minute schon denken konnte, gibt es nur noch detailierte Rückblenden auf die scheußlichen Taten des schuldigen Fotofetischisten. Von den Effekten her ist das grundsolide - sie halten sich aber von der Anzahl her in Grenzen. Es werden zwar einige wenige Tabus gebrochen, allerdings dürften diese heutzutage nur Horror-Anfänger noch von den Socken hauen. Alte Hasen können selbst die Tabubrüche vorhersehen, wie auch leider den Rest des Films. Bis zum Ende gibt es nicht eine einzige Überraschung.

Zudem besteht „Dr. Lamb“ von vorneherein mehr aus Längen als aus interessanten Momenten, was dazu führen kann, dass man ab der Mitte gelangweilt im Sessel sitzt und nur auf den nächsten Effekt wartet, weil die Story leider nicht sonderlich fesseln kann. Zu Gute halten kann man zwar die durchgehend unbequeme Atmosphäre, sowie in der letzten Hälfte auch die Glaubwürdigkeit der Story; jedoch reicht dies nicht dafür aus, dass ich hier eine Empfehlung aussprechen würde. Die Opfer und Nebencharaktere, selbst die Hauptrollen sind eher flach gezeichnet, so dass „Dr. Lamb“ keine nennenswerten Emotionen in mir hervorrufen konnte. CAT III Komplettisten wird dies wahrscheinlich dennoch nicht abschrecken, allerdings sei somit abschließend gesagt, dass es sich hier weder um ein Effektspektakel sondersgleichen noch um eine außergewöhnliche Geschichte, noch um fantastische Schauspieler oder sonstige Innovationen handelt. 

Autor: Frau Vulkan


Trailer,    OFDb

Sonntag, 22. Januar 2017

DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER (La casa dalle finestre che ridono 1976 Pupi Avati)


Stefano soll in einer kleinen Stadt ein Bild in einer Kirche restaurieren, welches zufällig bei der Renovierung der heiligen Stätte entdeckt wurde, die bis vor kurzem noch eine Ruine war. Es zeigt einen abscheulichen Mord. Es heißt der einst in diesem Ort lebende Maler habe wirklich sterbende Menschen gemalt, aber wenn man mit irgendwem darüber redet, hüllt sich jeder in Schweigen, und man wird anonym bedroht. Stefano hält dies nicht ab die Hintergründe zu erforschen...


Wenn ein Säufer dein einziger Zeuge ist...

„Das Haus der lachenden Fenster“ gehört zu jenen Filmen, die extrem langsam, zunächst gar ereignislos scheinend, erzählt sind, immer alles sachlich und nüchtern betrachtend, und selbst im Finale nicht laut und turbulent werdend. Es ist ein Film für den man Geduld aufbringen muss, ein Werk der leisen Töne, und somit ein Genre-Beitrag der nichts mehr mit den heutigen Sehgewohnheiten zu tun hat. Wer sich damit schwer tut sollte sich abwenden, aber wer damit kein Problem hat wird ein Liebhaberstück des Horror-angehauchten italienischen Thrillers sichten, bietet der Film doch von Anfang an eine stimmige Atmosphäre, und der langsam aufkeimende Spannungsbogen entsteht beim Fortschreiten der Geschichte von ganz alleine, ohne dass in die Trickkiste gegriffen werden muss, um mit irgendwelchen stilistischen Hilfsmitteln oder inhaltlichem Hokuspokus dem Ganzen nachzuhelfen.

Pupi Avati hat „The House with Laughing Windows“ (Alternativtitel) ebenso stilsicher inszeniert wie seinen von mir sehr geschätzten „Zeder - Terror der Untoten“. Hier wie dort arbeitet der gute Mann mit leisen Tönen, ruhiger Kameraführung, wunderschönen Aufnahmen und erzählt dabei eine stets in sachlichem Ton gehaltene Geschichte, in der es ein Geheimnis aufzudecken gilt. Der Unterschied liegt zum einen darin, dass das hier besprochene Werk im Gegensatz zum Vergleichsfilm kein übernatürliches Szenario benötigt, zum anderen aber auch darin, dass der Protagonist erst über das Hörensagen Anderer neugierig wird, während der Held in „Zeder“ von selbst auf etwas gestoßen ist, was ihm keiner glauben will.

Zu Beginn und gegen Ende gibt es einige harte Bilder zu sehen, die im Gegensatz zu heutigen Werken zwar schlichter ausgefallen sind, in ihrer Detailtreue dennoch manch zarten Magen aufwühlen könnten. So oder so weiß Avati diese gekonnt einzuarbeiten, ohne dass sie all zu reißerisch wirken, somit werden sie auch nicht zu Fremdkörpern in einem ansonsten so zurückhaltend erzähltem Film. Avati lässt uns bis zum Schluss warten. Erst dann wird das Geheimnis gelüftet. Und dank der Geräuschuntermalung zum Schlussbild erfährt man auch nicht ob es ein Happy End für Stefano gibt oder nicht. So oder so, das entscheidende Puzzlestück zum Schluss führt in kein längeres Finalszenario, es beendet den Film, dies aber auf eine recht morbide und bizarre Art und Weise, mit einem inhaltlichen Kniff, an dem sich später auch der amerikanische „Sleepaway Camp“ bedient hat.


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THE KENTUCKY FRIED MOVIE (1977 John Landis)


Das TV- und Kinoleben des Amerikaners wird mittels Überspitzungen im Kern seiner Schwächen parodiert...


Gefahrensucher, ein impotenter Gorilla und eine handvoll Yen...

John Landis war damals noch ein junger Filmemacher, der einige Jahre zuvor mit „Schlock - Das Bananenmonster“ das Kino seiner Zeit parodierte und dem bekannteren „Angriff der Killertomaten“ von John DeBello damit den Weg ebnete. Kino und Fernsehen kann mit all seiner unfreiwilligen Komik nicht oft genug parodiert werden, und so kann man es als glückliche Fügung bezeichnen, dass Landis für sein darauffolgendes Projekt auf Jim Abrahams und die beiden Zucker-Brüder stieß, die uns später, selbst Regie führend, so wundervolle Komödien wie „Die nackte Kanone“ oder „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ bescheren sollten. In „The Kentucky Fried Movie“ sind sie lediglich noch „nur“ die Autoren, und ebenso wie Landis schlüpfen sie in die ein oder andere Rolle des auf Sketche ausgelegten Filmes.

Ob es um den (heute noch immer vorhandenen) Hang geht Filme nicht mehr rein als Filme zu sehen, sondern mit Events wie 3D zu verwursten (parodiert als gefühlsechtes Kino), ob es um reißerische und theatralische Umgänge mit emotionalen Themen geht (Filmvorschau zum fiktiven „That‘s Armageddon“) oder einfach nur um die sinnlose Geschwätzigkeit der Medien (Abenteuer heute), die scheinbare Anonymität vor dem Fernseher (der Sketch um das Liebespaar vor den Nachrichten) oder die Schwächen von Werbungen (die Kopfschmerzklinik) und Lehr-Filmen (Leben ohne Zinkoxyd), „The Kentucky Fried Movie“ holt pointensicher aus, weiß exakt wie der Humor zur besten Entfaltung gesetzt werden muss und hält sich nie zu lange an einem Sketch auf, nicht einmal in dem einzig größer ausgefallenem, 35 minütigen Kurzfilm „Für eine handvoll Yen“, in welchem sich ausgiebig über die Schwächen des asiatischen Kampfkunst-Kinos lustig gemacht wird, freilich nicht ohne den Amerikaner und sein Medium ebenfalls der Lächerlichkeit preiszugeben.

Der Mix aus einem raffiniertem, analtytischem Blick auf die elektronische Medienlandschaft der 70er Jahre und dem Hang zum hemmungslosem Herumalbern, geben „The Kentucky Fried Movie“ das gewisse Etwas, wird doch nie stillos herumgealbert, aber doch recht gewagt. Wenn die Alarmsirene in einem großen Gebäude nach Ausbruch einer Katastrophe daraus besteht dass ein Mann mit Flüstertüte für das Geräusch besagtem Alarms verantwortlich ist, anstatt ein elektronischer Ton, dann mag mancher Humormuffel die Augen verdrehen und dies als infantil bezeichnen, der Mensch mit Humor im Herzen muss über solchen Nonsens jedoch laut lachen, und dies selbst noch bei der x-ten Sichtung.

„The Kentucky Fried Movie“ hüpft von einem Höhepunkt zum nächsten, bietet keine missglückte Episode, schaut sich mit Augen von heute aber freilich medial überholt, was ihm aber Retrocharme beschert anstatt Desinteresse. Wer das Fernsehen und das Kino einst so miterlebte wird ebenso viel Freude an Landis Episodenfilm haben wie es junge Generationen haben. Ob es die Rohölgewinnung per Abzapfung des Fettes von Teenagergesichtern ist, der herrlich absurde Trailer des fiktiven „Katholische Schulmädchen in Not“ oder der Running Gag um durch ein Horoskop hervorgesagte Überraschung für Zwillinge, „The Kentucky Fried Movie“ sprüht nur so vor Witz im Zeitgeist, hemmungslos albern, aber auch genau wissend was wieso parodiert gehört.


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Samstag, 21. Januar 2017

Gastkommentar: POULTRYGEIST - NIGHT OF THE CHICKEN DEAD (2006 Lloyd Kaufman)


Autor: Frau Vulkan

Troma hat Tradition bei Trashfans. Ein Label, dessen Eigenproduktionen man dank Klassikern wie der „Toxic Avenger“-Reihe zumindest bei Underground-Fans nicht mehr vorstellen muss. Obwohl der Troma-Humor irgendwo ein sehr beständiger ist, der gnadenlos und ohne auf Political Correctness und Tabus zu achten, die amerikanische Gesellschaft parodiert, ist natürlich nicht jeder Film ein Schenkelklopfer sondersgleichen. Wenn Lloyd Kaufman also dem Titel nach eine „Poltergeist“ Persiflage in Kombination mit Geflügel („Poultry“) auf die Zuschauer loslässt, gelingt das, oder ist diese Idee doch schon zu albern?

Die Antwort ist, ich habe zum ersten Mal bei einem Tromafilm geweint. Vor lachen! Mit diesem Film sprengt Kaufman wirklich jede Grenze, die vorher noch vorhanden gewesen sein könnte. Die Fast-Food-Kette „American Chicken Bunker“ unter Leitung des Oberkapitalisten General Lee Roy (Robin Watkins) eröffnet eine neue Filiale, was natürlich nicht ohne lautstarken Protest der linksgrünen Tierschutzfraktion vonstatten geht. Der junge Arbie (Jason Yachanin) ist mit der Ökoaktivistin Wendy (Kate Graham) zunächst glücklich zusammen, zu seinem Pech zielen ihre Neigungen im Zuge des Protests allerdings plötzlich auf die lesbische Fraktion ab. Enttäuscht beschließt Arbie sich zu rächen indem er einen Job in Chicken Bunker annimmt und somit die Gegenseite unterstützt. Keiner konnte jedoch ahnen, daß das Restaurant auf einem alten Indianerfriedhof erbaut ist, und somit ein alter Fluch der Ureinwohner bald seine Wirkung zeigt...

...was absurd klingt, ist es auch. Und das mehr als es bei Troma sonst bereits sonst üblich war. Ein bunter Reigen, der nichts auslässt, weder filmisch, noch politisch, wird hier irgendwas oder irgendwer verschont. Nicht genug, dass hier Klischees von „Poltergeist“ bis „Exorzist“ durch den Kakao gezogen werden, auch beliebte 2000er Filme wie etwa „High School Musical“ bekommen ganz heißes Fett weg. Musikalisch wird hier von Folk (wenn Arbie und sein von Lloyd Kaufman gespielter Kollege in Chicken Bunker-Militäruniform tanzen, dann kommt einem das wie ein Neofolk-Konzert auf ganz viel LSD vor.) bis zu modernem Pop alles geboten, und dies nichtmal schlecht gespielt oder gesungen, aber natürlich mit Texten und Mimiken, die jeder Ernsthaftigkeit entbehren. Nicht genug des ganzen, kann sich hier keine politische Seite ducken, Kaufman trifft vom erzkonservativem Patrioten, über Rednecks, über linke Ökohippies bis hin zum arabischen Gotteskrieger einfach jeden mindestens einmal richtig hart, und am Ende lacht nur die Anarchie. Damit das ganze nicht zu liebenswürdig abgedreht wirkt, gibt es natürlich Szenen, die schon schmerzhaft unter die Gürtellinie treffen und jedem Rest guten Geschmacks völlig entbehren. Dazu muss man hier einen Hang haben - wer bei „Toxic Avenger“ schon nicht völlig begeistert war, packt hier frühzeitig ein und schaltet ab. Was von manchen sicher als flach empfunden wird, muss aber genauso sein. Der „Horror“ bei „Poultrygeist“ kommt nicht zu kurz, kann aber natürlich trotz guter handgemachter Effekte zu keiner Sekunde ernst genommen werden. Es spratzt und splattert gerade beim apokalyptischen Endkampf von Mensch gegen diabolisches Huhn an allen Ecken und Enden, Freunde solcher Szenen sei auf jeden Fall eine ungeschnittene Fassung ans Herz gelegt.

Final bleibt zu sagen, dass „Poultrygeist“ ein einzigartig unartiges Satire-Comedy-Splatter-Musical ist, und somit Geschmackssache. Ich lache nach der 10. Sichtung immer noch - manch anderer vielleicht nicht einmal. Dieses Review hilft hoffentlich dabei zu entscheiden ob man einen Blick riskieren sollte oder nicht.
 
Autor: Frau Vulkan

POULTRYGEIST - NIGHT OF THE CHICKEN DEAD (2006 Lloyd Kaufman)


Da seine Ex-Freundin sich lieber dem eigenen Geschlecht zugewendet hat, rächt sich Arbie, indem er in jenem Laden arbeitet, gegen den die Studentin aktuell rebelliert. Dabei handelt es sich um eine Fast Food-Kette, die auf einem ehemaligen Indianerfriedhof eröffnet hat, was auch der Grund dafür ist, dass ausgerechnet an Arbies erstem Arbeitstag das Essen und damit auch die Gäste zu Monstern mutieren...


Hähnchen From Hell...

Als ich mich immer mehr von „Poultrygeist“ genervt fühlte, fragte ich mich kurzfristig, ob ich zu alt für diese Art Film geworden bin. Hatte ich mich derart verändert, dass mich solch ein hemmungsloses Herumgealber nicht mehr reizt? Oder lag es an Troma, von dessen extremeren Klamaukfilmen ich schon immer genervt wurde? Letzteres haut schon eher hin, obwohl ich mich noch vor Jahren von „Terror Firmer“ bestens unterhalten fühlte und ich darauf schwören würde, dass mir der Film auch heute noch gefallen würde. Aber es stimmt, es liegt an der Filmfirma Troma, deren Betreiber leider nicht wissen was ihre besseren Werke ausmacht. Aber das war eigentlich schon immer so, sank doch z.B. die Qualität des herrlich absurden „Class of Nuke ‘em High“ zum nervig albernen „Class of Nuke ‘em High 2“ rapide. Allerdings konnte ich den noch mit viel Geduld und gelegentlichem Lächeln zu Ende sichten, während ich „Night of the Chicken Dead“, wie der hier besprochene Streifen sympathisch mit Beititel heißt, irgendwann den Rücken kehren musste. Ich war einfach zu genervt.

Anhand der englischsprachigen Gesangsszenen merkte ich aber auch, dass am nervigen Ergebnis stark die Deutschvertonung mit Schuld war, war diese zwar nicht so penetrant ausgefallen wie im völlig unterirdischen „Isle of the Damned“, aber trotzdem wesentlich verblödeter gesprochen als das in diesem Punkt zum Szenario passendere Original. Doch den Verantwortlichen der Synchronisation allein die Schuld am üblen Ergebnis des so faszinierend lustig klingenden „Poultrygeist“ zu geben, wäre ein Fehler, begeht doch Troma-Chef Lloyd Kaufman, der für den hier besprochenen Beitrag seiner Filmfirma höchstpersönlich Platz auf dem Regiestuhl genommen hat, viele eigene, womit sich das Ergebnis von der Klasse gute Troma-Stoffe distanziert.

Provo-Komik ist einfach kein funktionierendes Anti-Hollywood mehr, wenn es so stillos zelebriert wird wie im unter Cineasten gar nicht mal so unbeliebten „Poultrygeist - Attack of the Chicken Zombies“ (Alternativtitel), erntet man doch eigentlich keine Provokation mehr mit sicher gesetzten Sexwitzchen, selbst dann wenn sie ins Extremste überspannt werden. Hollywood hat sich Dank „Scary Movie“ und „American Pie“ vom biederen Grundton der zuvor herrschte erholt. Da gibt es nur dann noch etwas abzugrasen, wenn man so verspielt daher kommt wie ein Seth Rogen-Film a la „Shopping Center King“. Was ein entblösster Pillermann dort für viel mehr Gelächter sorgt, als all die Bemühungen Tromas in „Poultrygeist“ die Grenzen bereits eingerissener Grenzen des schlechten Geschmacks noch weiter einzureißen, beweist dass auch zu scheinbar geistlosem Herumgeblödel und zur Provokation ein unauffällig mitschwingendes Niveau herrschen muss, welches weder Tunnelblick-Kultivierte, noch Mitläufer des schlechten Geschmacks bemerken, solange sie nicht mit vorurteilsfreiem, mitdenkendem Geist solche Filme verfolgen und vergleichen.

„Poultrygeist" besitzt abgesehen von seiner Grundidee her wenig gute Ideen. Die meisten habe ich im Meer an ungourtierbaren Stumpfsinn längst wieder vergessen, aber eine davon ist auf jeden Fall jene den Film in Musicalform umzusetzen, wobei man jedoch erwähnen sollte, dass „Poultrygeist“ nicht das erste Zombie-Musical ist. Der Amateurfilmer Mark Pirro ging dieser Idee bereits 1991 mit „Nudist Colony of the Dead“ nach, und dessen Werk gefällt mir auch gleich wesentlich besser als der viel zu gewollte Troma-Beitrag, eben weil Pirro übertreibt ohne zu dick aufzutragen. „Poultrygeist“ hat in der Gesamtzahl die besseren Lieder auf Lager, neben den tollen handgemachten Effekten der einzig wahre Trumpf des Streifens, und doch kommt keiner der Songs an die Komik des Inky Dinky Morning-Liedes heran, welches Brady-fröhliche Katholiken vor der Zombieattacke im Vergleichsfilm beim Camping singen.

Klar, Freunde von „Chillerama“ und Co werden auch hier glücklich werden, aber ich persönlich kann mit dieser Extemkomik frei von ansprechenden Rahmenbedingungen, wie sie beispielsweise die kaputten Splatterfilme aus Japan bieten, nichts anfangen. Und mit den Anfängen von Troma hat dies in der hier vorgeführten Extreme auch nichts mehr zu tun. Das hier Gezeigte ist nur noch Herumalbern zum Selbstzweck, frei jedwedem kritischen Blick auf den Mainstream oder anderweitiger Modeerscheinungen. „Poultrygeist“ ist nicht mehr verspielt und experimentell, wie frühe Vertreter besagter Filmfirma, sondern setzt ausgeruht sicher auf den Geschmack des selbst herangezüchteten Publikums, dass selbst dann über rülpsende und Durchfall kackende Fettsäcke lacht, wenn dies in keinem Bezug zu einem satirischen Hintergedanken steht. Auf die Art wie hier entstanden, besteht vom Humorgehalt her kein Unterschied mehr zu solchem Schund wie „Ghost Movie“ und „Supernatural Activity“. Troma ist mit seinen noch immer absurd wirkenden Filmen längst alternativer Mainstream für Menschen geworden, die unbedingt anders sein wollen als die Masse.


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Donnerstag, 19. Januar 2017

SIE TÖTETE IN EKSTASE (1971 Jess Franco)


Da seine Forschungen sich ethisch nicht vertreten lassen, wird Dr. Johnson aus der Ärztekammer verbannt, was ihn schließlich in den Selbstmord treibt. Die Witwe startet einen Rachefeldzug gegen jene vier Personen, die der Kommission angehörten, welche das vernichtende Urteil fällte...


Liebe über den Tod hinaus...

Man kann Jess Franco in seinem selbstverfassten Film „Sie tötete in Ekstase“ keine Realitätsferne vorwerfen. Wenn ein Kehlenschnitt kaum Blut hinterlässt und später nicht einmal eine Wunde, wenn ein Mann sich wissendlich getötet zu werden der Liebe mit seiner Mörderin hingibt oder Zufälle das Rachekonzept begleiten, so als wären diese planbar, dann ist dies Franco schlichtweg egal. Sein Film ist nicht in der unseren Realität angesiedelt, er kümmert sich nicht um Logik, soll er doch ein Film der Sinne sein. Man soll spüren was vor der Kamera geschieht, im erotischen, tragischen und morbidem Sinne. Somit ist „She Killed in Ecstasy“ (Alternativtitel) ein urtypischer Franco-Film, jedoch wesentlich gourtierbarer ausgefallen als mancher fast nur im Schneckentempo inszenierter Schmuddel-Thriller des Kult-Regisseurs.

Theoretisch kann man „Ich spuck‘ auf Dein Grab“ als Vergleichsfilm nennen, beides sind Rache-Thriller mit sexuellem Hintergrund, dennoch könnten beide Werke unterschiedlicher kaum sein, versteht man doch die Taten der Vergewaltigten im Vergleichsfilm, während Franco, ob gewollt oder nicht, eine Distanz zwischen Zuschauer und Hauptfigur aufkommen lässt. Ihr Mann hat beruflisch fragwürdig gehandelt, und die Liebe, welche seine Ehefrau als so hoch einschätzt, schafft es nicht den Workaholic von seinem Frust abzulenken, ganz im Gegenteil, trotz intensiver, zärtlicher Zuwendung tritt der Gatte geistig weg und begeht schließlich Selbstmord.

Die Ehefrau, von den abscheulichen Experimenten ihres Mannes wissend, ignoriert diese Tatsache, glaubt weiter daran die große Liebe hätten sie und ihren Mann begleitet, so dass sie in dem Verstoß aus der Ärztekammer ein Verbrechen sieht, welches bestraft gehört. So geht sie mittels körperlicher Verführung auf Rachefeldzug, was die Moralisten der Kommision als heuchlerisch entpuppt, zumal die ersten beiden Opfer sexuelle Vorlieben fröhnen, die bei konservativen Menschen offiziell nicht erwünscht sind. Freilich ist das extreme Vorgehen der Rächerin völlig fragwürdig, so dass sich „Sie tötete in Ekstase“ nicht mit der Hauptfigur verbrüdert guckt, sondern mit Distanz. Der Film guckt sich somit recht theoretisch, bzw. objektiv, was ich eigentlich recht gut finde.

Der Trumpf des Streifens ist aber nicht Francos typisch geistig abwesend zu scheinende Art, ein Entrücken der Realität welches diesmal nicht so hypnotisch eingefangen wird wie sonst so oft bei seinen Werken, sondern ganz klar die Darstellung der so jung verstorbenen Soledad Miranda, die jegliche Phasen ihrer Rolle mimisch spürbar macht. Der Frust, die Schmacht, das geistige Entrücken, die Trauer, das Rachegefühl, die Verführung, diese wunderschöne Frau, die auch Francos bestes Werk „Vampyros Lesbos“ zu einem Leckerbissen machte, haucht dem etwas zu theoretisch und oftmals auf der Selle tretenden „Sie tötete in Ekstase“ erst wirklich Leben ein. Sie ist der Motor, der den Film zum laufen bringt und ihn überhaupt erst so interessant macht.

Es ist schade, dass man einen Teil des Erfolges nicht auch dem meist so toll agierenden Horst Tappert zuschreiben kann. Dessen Rolle wurde nicht nur zur Nebensächlichkeit degradiert, sie sitzt zudem nur tatenlos herum, handelt selbst dann nicht wenn andere Kriminalisten Rot sehen würden und darf gegen Ende gar verständnisvolle Worte für die Taten der Ehefrau finden, was mich darin bestätigt zu glauben, dass Franco den Film völlig anders gemeint hat als ich ihn verstanden habe. Dem Ergebnis schadet es nicht. Allein die interessante Idee die Liebe nach dem Tod, die so viele Menschen intensiv nach einem schweren Verlust fühlen, auf fast nekrophile Art darzustellen, weiß zu gefallen, zumal sich die Gattin aus psychologischer Sicht selbst schon als tot betrachtet, ist es doch Teil ihres Plans nach vollendeter Rache Selbstmord zu begehen, so dass man aus ihrer Sicht nicht einmal wirklich von Nekrophilie sprechen kann.


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Dienstag, 17. Januar 2017

DAS SCHLOSS DES GRAUENS (La vergine di Norimberga 1963 Antonio Margheriti)


Ein Unbekannter, im Kostüm eines vor 400 Jahren lebenden, für seine bestialischen Urteile gefürchteten, Richters, foltert und tötet Menschen in einem Schloss, in welches vor kurzem erst die junge Gemahlin des Burgherren eingezogen ist...


Der Kapuzenmann geht um...

Als die Erfolge der Rialto-Wallace-Filme zu Ende gingen, da übernahmen die Italiener in den 70er Jahren das Ruder der 1959 begonnenen Reihe. Doch anstatt auf halbwegs ähnlichen Pfaden zu wandern, lieferten sie Giallos ab, was manchem Fan der ursprünglich deutschen Beiträge so gar nicht geschmeckt hat. Wie ein waschechter Rialto-Wallace in den Händen von Italienern hätte aussehen können, zeigt der mit Christopher Lee in einer Nebenrolle prominent besetzte „Das Schloss des Grauens“, der 1963 fertiggestellt wurde, als sich die Wallace-Welle in Deutschland gerade auf einem Hoch befand.

Es mag also sein, dass sich die Italiener bewusst dazu entschieden haben aufgrund der Erfolge in unserem Land ähnliches auch für ihr Land fertigzustellen, ohne dabei auf einen Roman des berühmten Schriftstellers zurückzugreifen. Herausgekommen ist, ob beabsichtigt oder nicht, ein an mancher Stelle etwas unsinnig ausgefallener, aber stimmiger Mix aus besagtem Wallace-Feeling und Gothik-Horror, zu Beginn mit einem Hauch Giallo-Prise versehen, ein Genre welches zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierte. Erst gegen Ende, wenn der Film sich auf zeithistorische, fast frei erfundene, Ereignisse beruft, schwindet die Wallacefilm-Atmosphäre kurzfristig, flammt im ereignisreichem Finale jedoch noch einmal auf, angereichert mit einer gelungenen Mörderaufdeckung mit Schauertouch.

Antonio Margheriti, der oft Filme ablieferte die mich ungewollt belustigen (z.B. „Einer gegen das Imperium“) oder lediglich auf recht schundige Art zu gefallen wussten („Das Alien aus der Tiefe“) war für mich selten so nah an einem kompromisslos akzeptablen Ergebnis dran wie mit dem hier besprochenen „Die Gruft der lebenden Leichen“ (Alternativtitel), auch wenn manche Lücken in der Logik, gerade in der widersprüchlichen Charakterisierung der Heldin, die immer zwischen taff und höchst naiv springt, auch hier für unfreiwillige Komik sorgt. Eine dichte, charmant verspielte Grundatmosphäre mit leichtem Geisterbahn-Touch in Kombination mit einer überraschend schnell verlaufenden Aufdeckung einzelner Hintergründe sorgt für die nötige Stimmung.

Erst wenn sich die Geschichte gegen Ende im Kreis zu drehen droht, kommt kurzfristig Ernüchterung auf. Aber auch hier zieht Margheriti noch schnell genug die Reißleine und führt „Horror Castle“ (Alternativtitel) doch noch früh genug zum Finale. Somit guckt sich der Großteil der angenehm kurzen 80 Minuten Laufzeit flott und interessant. Und dass der ewig gleiche Handlungsort des Schlosses nicht zu langweilig ausfällt, liegt an der wunderschön morbiden wie stimmigen Dekoration, die gerade immer dann besonders klassisch zu wirken weiß, wenn die Heldin mit weißem Nachthemd nachts durch die Gegend schleicht.


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DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM (L'iguana dalla lingua di fuoco 1971 Riccardo Freda)


Im Kofferraum eines Diplomaten wird eine Frauenleiche gefunden. Zwar bietet der Diplomat überraschend seine Kooperation mit der Polizei an, da im Prozess der Befragung jedoch alles eher Schein statt Sein zu sein scheint, engagiert der Kommissar seinen frühzeitig aus dem Dienst ausgetretenen Vorgänger, um hinter die Fassaden des Diplomatenhaushaltes blicken zu können...


Bestialisch ätzender Atem...

Wer sich in das Sub-Genre des Giallo neu einfinden möchte sollte einen anderen Film als den merkwürdig betitelten „Die Bestie mit dem feurigen Atem“ sichten, könnte man doch sonst den Eindruck gewinnen diese Filmgattung stünde für Krimi-Routine angereichert mit harten Effekten. Viel mehr bietet Riccardo Freda dem Publikum nicht, was nicht weiter wild ist, da es reicht um den Stammzuschauer zu unterhalten, hervor im Meer der anderen Giallos tritt sein Werk jedoch nicht, was mitunter daran liegt, dass sein Held der Geschichte wenig charismatisch besetzt ist, ein Element das häufig beim italienischen Thriller dieser Zeit von tragender Wirksamkeit ist.

Obwohl Freda sein Werk mit harten Momenten ausstattet finden viele der Morde nicht vor laufender Kamera statt. Nicht nur dass wir ihnen als Zuschauer nicht beiwohnen dürfen, sie finden meist nicht einmal im Off statt oder werden durch das Auftauchen des Unbekannten angekündigt und abgebrochen. Oftmals bekommen wir lediglich plötzlich die Leiche des nächsten Verstorbenen präsentiert, was manch einem nicht schmecken dürfte, gehört es doch zur Rezeptur eines guten Giallos dazu, dass die Morde geradezu zelebriert werden.

Der ungewöhnliche Drehort Irlands und die zärtlich angenehm routinierte Hintergrundmusik federn einiges wieder von dem ab was „The Iguana with the Tongue of Fire“ (Alternativtitel) an anderer Stelle vermissen lässt. Der Film bietet weder einen raffinierten Kriminalfall, noch eine akzeptable Lösung. Die Hauptfigur ist wie erwähnt blass besetzt, und folgen kann man den Ermittlungen des Mannes nicht wirklich, so dass der Film lediglich ein verpuzzeltes, da fast schon sinnlos aneinandergereihtes, Szenario präsentiert, das irgendwann mit der Aufdeckung irgendeines Mörders zu einem Schluss geführt wird.

Freda hält sich nicht einmal daran die häufigste Mordmethode des Killers, das Gesicht der Opfer mit einer Säure zu verätzen, zur Standardmethode zu machen. Warum der Killer mal so und mal ganz anders vorgeht, bleibt ein Geheimnis wie so vieles im Film. Lediglich am Schluss erfahren wir eine zusätzliche Erkenntnis des Ermittlers, die zu einer gerechten Schluss-Pointe führt und uns deutlich macht, dass unser Killer nicht für alle Morde zuständig war.

Trotz manch wunderschöner Landschaftsaufnahmen und manch morbiden optischen Leckerbissen, wie die tote Katze im Kühlschrank, ist „L‘iguana dalla lingua di fuoco“ (Originaltitel) fotografisch längst nicht so schön eingefangen, wie man es von den meisten Giallos gewohnt ist. Im charakterlichen Bereich sticht die Schrulligkeit der Mutter des Ermittlers als angenehme Ausnahme hervor, was die ansonsten zu verkrampft eingefangene Ernsthaftigkeit ein wenig auflockert. Auch manch eher unmotivierte Nacktszene sorgt für einen weiteren quantitativen Sehwert. Das Alter des Films erkennt man diesbezüglich an der Freizügigkeit einer sehr jungen weiblichen Darstellerin gegen Ende, die längst noch nicht das Erwachsenenalter erreicht zu haben scheint.

„Die Bestie mit dem feurigen Atem“ ist schnell vergessene Routinekost, nicht mehr und nicht weniger und deswegen nur den Stammzuschauern des Giallo-Genres zu empfehlen. Andere werden zwischen gelangweiltem Schulterzucken und Ekelgefühlen hin und her pendeln, nicht wissend dass es den Fan dieser Art Film bereits entzückt, wenn ein mit Handschuhen bekleideter Unbekannter ein Rasiermesser zuckt.


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Samstag, 14. Januar 2017

DAREDEVIL - STAFFEL 1 (Daredevil - Season 1 2015 Phil Abraham u.a.)



Der blinde Anwalt Matt geht nachts maskiert auf die Straße um die Verbrecher seiner Stadt zu bekämpfen. Während sein Anwaltspartner nichts von Matts nächtlichen Aktionen ahnt, kommt der maskierte Mann einem Verbrecherring auf die Spur, an dessen Drahtzieher nur schwer heranzukommen ist...


Wie Matt seine Hörnchen bekam...

Viele mögen die erste Verfilmung von „Daredevil“ mit Ben Affleck in der Titelrolle nicht. Und obwohl ich persönlich die entspannt verspielte Art des Streifens mochte, so verstehe ich doch warum die Masse nicht begeistert von der Umsetzung war, bietet die interessant gezeichnete Figur des Daredevil doch wesentlich mehr Potential als das was man uns 2003 mit der Kinoumsetzung bot. Aufgrund des Flops und der vernichtenden Kritiken von Zuschauerseite aus verwunderte es nicht, dass man sich nicht an eine weitere Kinoauswertung heranwagte. Also beschloss man das Thema im Serienformat umzusetzen. Und als jemand der den Marvel Kinofilmen recht kritisch gegenüber steht, freue ich mich über diese Entscheidung, ist der Stil den die Serie ausmacht doch wesentlich anders gelagert als die kunterbunten Popkornfilme, die ich meist nicht ernst nehmen kann.

Nicht nur dass die erste Staffel von „Daredevil“ recht ernst, düster und langsam erzählt ist, sie gönnt sich auf 13 Episoden das was sonst den ersten Kinofilm eines Helden ausmacht: sie erzählt die Entstehung Daredevils, samt Hintergründe, Stolpersteine und Verbrüderungen. Sie erzählt wie der Held zu seinem Kostüm kam (was erst in der letzten Folge passiert), und sie erzählt wie Fisk und Daredevil zu Gegnern wurden. Wenn man, wie ich, die Comicvorlage nicht kennt, hagelt es manche Überraschung darüber wer (nicht) überlebt und wer (nicht) in Matts Geheimnis eingeweiht wird. Freunde der Comics werden es hingegen sicherlich begrüßen, dass die Fäden die zueinander finden müssen sich Zeit bis zur Verknüpfung lassen.

„Daredevil“ genießt den Luxus einer jeden Serie viel Zeit im Gepäck zu haben, und dies wird von den Autoren gekonnt genutzt, darf man jegliche Figuren doch bestens ausgeleuchtet kennenlernen und erlaubt die Lauflänge dem Drehbuch doch Parallelhandlungen zu stricken, in denen selbst die eigene Seite nicht immer weiß was alternativ zu den eigenen Ermittlungen von wem Unerwartetes ermittelt wird. Das Formen von Freundschaften, Feindschaften und Interessengemeinschaften wird in aller Seelenruhe angegangen, mancher Part diesbezüglich sogar bis zum Schluss der Staffel nur angedeutet. Da man stets Einblicke von der Gegenseite erhält, und da es weder an einer interessanten Geschichte noch an Actionszenen mangelt, wird diese Vorgehensweise auch nie zur Geduldsprobe für den Zuschauer. „Daredevil“ ist flott genug inszeniert um dem modernen Publikum zu gefallen, gleichzeitig aber auch bedacht und wohlüberlegt erzählt, wie es der Zuschauer klassischer Stoffe mag. Für keine von beiden Seiten wird das Ergebnis zum Kompromiss, „Daredevil“ findet den unterhaltsam angenehmen Mittelweg.

Während die etwas zu naiv kindlisch charakterisierte Figur des Anwaltspartners Foggy das Gesamtbild ein wenig verwässert, gibt es auf der Seite der Bösewichte nicht wirklich etwas zu klagen. Einzig der stählerne Zusammernhalt zwischen Fisk und seiner frisch eroberten Lebenspartnerin wirkt in Zeiten von Fisks Untergang zu unglaubwürdig, hier wäre es besser gewesen, wenn die beiden sich schon Jahre gekannt hätten und über Rückblicke das Kennenlernen erzählt worden wäre. Zum Stoff hätte es gepasst, werden doch viele Aspekte, wie die Kindheit von Fisk und Matt, sowie die Ausbildung Matts in Kindertagen, in Rückblicken parallel zur aktuell laufenden Geschichte erörtert.

Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Allein die Besetzung von Vincent D‘Onofrio als Fisk, der erst mit Ende der dritten Folge in Erscheinung tritt, ist ein großer Trumpf der Reihe, verkörpert er den zerbrechlichen Part der Rolle ebenso wie den bösartigen, der nach Sichten der sensiblen Seite der Figur um so unheimlicher wirkt und Fisk zu einem Monster mit starker Wirkung macht. Allein den Mut zu besitzen dem Oberschurken so viel Verletzlichkeit zuzugestehen spricht für den recht erwachsenen Stil des Streifens. Der Verzicht den Großteil der Story im Fantasybereich anzusiedeln, macht die Serie aus und schenkt ihr die Qualität die anderen Stoffen um Superhelden fehlt. Es ist nicht so, dass die fast unverletzliche Kampfkraft, die übernatürliche Begabung des Helden und manch andere Superheldenpflicht ein wenig gegen diesen erwachsenen Touch und die Glaubwürdigkeit des Stoffes arbeiten, aber das nimmt man in Kauf, zumal es eben zu einer Superheldengeschichte dazu gehört.

Der erste Verweis auf eine bevorstehende Schlacht des Übernatürlichen, sowie das zum Ende der Serie erworbene Kostüm machen bereits klar, dass „Daredevil“ diesen realitätsbezogenen Stil nicht ewig beibehalten wird. Das ist sehr schade, verlieh doch gerade dies der ersten Staffel seine Sympathie. Zumindest die zweite Staffel dürfte noch halbwegs die selben Wege gehen, zeigen die Fantasyvorbereitungen doch dass das Geschehen noch in weiter Ferne ist. Aber allein dass der Held in den kommenden Folgen nicht mehr mit jenem dunklen Tuch im Gesicht kämpfen wird, das ihn geradezu mystisch wirken ließ, sondern stattdessen mit einem dämlich klassischen Superheldenkostüm samt Hörnchen auf der Maske, wird der zweiten Staffel bereits ein wenig schaden. Um so schöner ist es, dass man als Zuschauer des alternativen Geschmacks zumindest eine volle Staffel lang mit einer ernstzunehmenden Superheldengeschichte unterhalten wurde, die mit den Abenteuern der verkleideten Kasperles im Kino nur wenig gemein hat.


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RÜCKKEHR ZUM PLANET DER AFFEN (Beneath the Planet of the Apes 1970 Ted Post)


Der Flugbahn von Taylor folgend, erleidet auch das Team von Astronaut Brand eine Zeitanomalie und landet auf dem Planet der Affen. Vor denen flüchtet Brand als einzig Überlebender seiner Crew in die verbotene Zone, wo er auf eine weitere Zivilisation der Zukunft der Erde trifft...


Geheiligt sei die Atombombe...

Es hätte Sinn gemacht Taylor bei seinen weiteren Abenteuern auf dem Planeten der Affen zu begleiten, wenn man denn überhaupt meint „Planet der Affen“ fortsetzen zu müssen. Stattdessen lässt man völlig fern jeder nachvollziehbaren Wahrscheinlichkeit einen weiteren Astronauten in Taylors Situation geraten und begründet dies mit physikalischen Unsinnigkeiten, wie sie auch nur amerikanische Autoren verwenden würden. All zu hart sollte man dennoch nicht mit „Rückkehr zum Planet der Affen“ umgehen, wagt er es doch immerhin nach anfänglichen Parallelen zum Original einen eigenen Weg zu gehen die Geschichte weiterzuerzählen, ein Weg der vielen nicht schmeckt, der aber orientiert an der Auflösung des ersten Teiles an einem sinnigen Punkt ansetzt.

Von der Klasse des Originals sollte man sich als Zuschauer distanzieren, beweist „Beneath the Planet of the Apes“ (Originaltitel) doch gleich an mehreren Stellen, dass er lediglich der Trivialunterhaltung angehört und längst nicht mehr zum Kino gehören möchte, welches ernsthafte gesellschaftspolitische Aussagen trifft. Ein mahnender Zeigefinger ist zugegebener Maßen in der Geschichte noch immer enthalten, aber viel zu vieles erinnert eher an das Niveau einer Folge „Raumschiff Enterprise“ als an ernstzunehmendes Kino. Und die Widersprüche zu Teil 1, die sich nicht nur in der fehlerhaften Deutschvertonung finden lassen, machen nur all zu deutlich wie einfach es sich die Autoren gemacht haben.

Das Schicksal und der soziale Zusammenhalt der drei Hauptaffen widerspricht dem Ende von Teil 1 (auch wenn aufgrund des Krieges nicht geäußerte Erklärungen für die hier gewählten Veränderungen vorhanden wären), der Auslöser der die Affen in den Krieg ziehen lässt widerspricht der kompletten bisher bekannten Affenkultur, die sich an ihre Schriftrollen klammert, und die Gut/Böse-Zeichnung durch die Rassenthematik verschiedener Affenarten verfällt noch mehr in Schwarz und Weiß als es bereits im Original der Fall war.

Und doch, als kleiner Abenteuerfilm im Science Fiction-Bereich, weiß „Planet of the Men“ (Alternativtitel) zu gefallen. Erneut wird ein Geheimnis um die Zukunft der Erde gelüftet, erneut gehen die Autoren pessimistisch vor und schonen niemanden und damit auch nicht den Zuschauer, und erneut bietet man uns eine Schluss-Pointe, die es in sich hat. Mag man sie nach dem x-ten Gucken auch kennen oder sie bei der Erstsichtung zuvor erahnen, der Schluss steckt jedes Mal wieder wie ein Kloß im Hals, nicht nur aufgrund des wundervollen Off-Kommentars, auch aufgrund dessen welcher Fanatiker über das Schicksal bestimmt.

Manch einer hätte dieser Figur solch ein Handeln nicht zugetraut, aber das sind nur jene, die sich von Heldenelementen ablenken lassen und nicht die wahre Natur eines Charakters hinter der strahlenden Rüstung erkennen (Leute welche z.B. die jeweilige Hauptfigur in „Breaking Bad“ oder „Braveheart“ zu Helden erklären). Völlig gedankenlos können die Autoren somit nicht gehandelt haben, wenn sie den wahren Charakter Taylors aus Teil 1 erkannten und hier weitergestrickt haben. Ebenso klar war den Herren, dass Brand kein neuer Taylor ist, auch wenn er zur Tarnung in die Rolle des Helden gesteckt wurde. Das könnte auch erklären, warum man jemanden mit so viel weniger Charisma als Heston in der Fortsetzung mit der Hauptrolle besetzte. Diese beiden Punkte plus jene die Geschichte am entscheidenden Punkt des Vorgängers weiterzuerzählen, zeigt auf wieviel Potential in „Planet of the Apes Revisited“ (Alternativtitel) steckt, und wieviel besser er außerhalb des schlichten Niveaus der Trivialunterhaltung hätte ausfallen können.

„Rückkehr zum Planet der Affen“ darf man nicht all zu streng gucken, wenn man seine Freude mit ihm haben will. Aber die kann man durchaus haben, weiß es doch auch Ted Post, der hier die Regie übernahm, eine dichte Atmosphäre aufkommen zu lassen. Und so viel Nonsens die Geschichte auch umwehen darf, sie wird innerhalb ihres eigenen Kosmos doch konsequent und recht glaubwürdig erzählt und stößt immer erst dann an ihre Grenzen, wenn man Teil 2 mit Teil 1 vergleicht, was man unweigerlich tut, so direkt wie der hier besprochene Film an das Original anschließt. Das sieht man bereits daran, dass die letzten Sequenzen des Vorgängers zu Beginn des Sequels erneut gezeigt werden, ein Verfahren welches man heute eher aus Fernsehserien kennt. Aber auch dies braucht nicht verwundern, hat man beim Sichten der Fortsetzungen doch ohnehin immer das Gefühl eine TV-Sendung zu sichten, so wunderschön die liebevoll gestalteten Masken und Effekte auch dagegen halten.


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PLANET DER AFFEN (Planet of the Apes 1968 Franklin J. Schaffner)


Der Astronaut Taylor und zwei seiner Kollegen überleben einen Absturz über einen fremden Planeten, Jahrtausende nachdem man sie einst von der Erde los schickte. Taylor gerät in die Gefangenschaft von Affen, die auf dem Planeten dominierende und intelligente Gattung, wohingegen Menschen auf dem Planeten primitive Geschöpfe sind...


Wissenschaft gegen Religion...

Eigentlich ist es schade, dass Franklin J. Schaffners Film „Planet der Affen“ (bzw. im Original „Planet of the Apes“) heißt, bereitet es doch eine große Freude den Experimentierdrang und die Tortur der drei Astronauten zu Beginn des Streifens mitzuerleben, wenn sie zu Überlebenszwecken den fremden Planeten erforschen, kurz nachdem sie die bittere Pille schlucken mussten Jahrtausende nach ihrem Start aus dem Kälteschlaf aufzuwachen. Der Titel verrät dem mitforschenden Zuschauer leider etwas, das er gerne überraschend entdeckt hätte, gepackt von der stimmigen Atmosphäre die u.a. dadurch entsteht, dass Schaffner sich viel Zeit für diese Phase nimmt, begleitet von einem bizarr klingenden Soundtrack, der damals sicherlich die Gemüter gespalten hat.

Dies hat der Film auch in seiner kritischen Form der Religionsthematik und des Umgangs mit dem Menschen, der wie Vieh behandelt wird. Affen, die sich nach der Jagd brüsten, indem sie sich mit ihrer Beute fotografieren lassen, mögen nicht zur Restkultur und der Technik der Affengesellschaft passen, die wir kurz darauf kennen lernen, aber die Provokation sitzt, in abgeschwächter Form selbst heute noch, fordert der Film uns doch heraus das Thema „Umgang mit Tieren“ auch einmal von der anderen Seite aus zu betrachten, was auch in Zeiten von einer Tierschutz ausübenden Gesellschaft wie der unseren ein interessanter Aspekt der Geschichte bleibt.

Derart zu provozieren wie zur Entstehungszeit weiß „Planet der Affen“ trotzdem nicht mehr, aber diese Abschwächung macht um so deutlicher, dass der Film, bereits damals schon, nicht nur von seinen Provokationen lebte, mit denen er wachrütteln wollte, sondern auch ohne dieses Element bestens zu unterhalten weiß. Liebevoll gestaltete Masken, Effekte und Bauten, ein Drehbuch, welches Nähe und Sympathie zu seinen wichtigsten Figuren aufbaut, und die Idee, dass der Zuschauer nie über mehr Wissen verfügt als der Held der Geschichte selbst, sorgen in Kombination mit einem atmosphärisch stimmig umgesetzten Film für einen hohen Grad Unterhaltungswert, aufgrund seiner Thematik mit leicht intellektuellem Touch versehen, durch seine plumpe Gut/Böse-Trennung diesbezüglich jedoch noch nicht so reif ausgefallen wie die großen 70er Jahre Science Fiction-Beiträge wie „Phase 4“, „Rollerball“, „Colossus“ oder „...Jahr 2022... die überleben wollen“, um nur einige wenige genannt zu haben.

Aber mag die Thematik um den Verrat der Wissenschaft zu Gunsten der Religion auch etwas plakativ ausgefallen sein, so ist „Planet der Affen“ ansonsten doch sehr stimmig und raffiniert geschrieben, zumal die aggresssive Form des Religionsschutzes sich im Finale lediglich als Vorwand herausstellt um eine viel bedeutendere Wahrheit zu beschützen, was schließlich auch zu einem der legendärsten Schluss-Twists der Filmgeschichte führt, einen den man mitdenkend sicherlich erahnen kann, der in der Form seiner Umsetzung und aufgrund der letzten Worte des ideologischen Fanatikers Taylor aber auch heute noch aufzuwühlen weiß.

Dass manche Stimmen dem Film vorwerfen rassistisch geprägt zu sein, indem in die Affen die schwarze Gesellschaft hineininterpretiert wird und in Taylor der Weiße, der die Macht der Weißen zurückgewinnen will, halte ich für überanalysiert, passt es doch nicht zur restlichen gesellschaftspolitischen Hintergrundthematik des Streifens, zumal „Planet der Affen“, wenn auch auf kleiner Flamme, eine eigene Thematik zum Thema Rassenkonflikte besitzt, die erst in der unterschätzten Fortsetzung „Rückkehr zum Planet der Affen“ vertieft werden sollte.

Dass eine Fortsetzung des hier besprochenen Werkes eigentlich unnötig, da logisch kaum machbar, ist, lässt sich nicht von der Hand weisen, wird durch die Widersprüche der Story von Teil 2 sogar bewiesen, schwächt aber weder das Originalwerk, noch schadet es den ersten Fortsetzungen kaum, hat sich die Weiterführung dieses großartigen Science Fiction-Abenteuers doch als Glücksgriff für Genre-Fans herausgestellt. Schließlich bereitet das Thema mit ihren Neuverfilmungen, die thematisch ohne die Fortsetzungen des Originals anders ausgefallen wären als geschehen, doch selbst heute noch den Filmfreunden große Freude. Im direkten Vergleich kommt kein weiterer Beitrag der Reihe, egal ob Fortsetzung oder Neuverfilmung, an das Original des „Papillon“-Regisseurs Schaffner heran. Vielleicht auch weil er sich längst nicht so blauäugig wie die Versionen heutiger Tage schaut, fordert einen „Planet der Affen“ mit seinem pessimistischem Grundton doch einiges an bösen Wendungen und menschlichen Verlusten ab, eine Rezeptur die Serien-Fans von heute gefallen dürfte.


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Sonntag, 8. Januar 2017

TRAPPED - DIE TÖDLICHE FALLE (Trapped 1982 William Fruet)


Vom Ältestenrat unterstützt begeht Henry, der Anführer eines Hinterwäldlerdorfes, Selbstjustiz. Als seine Tat von vier Studenten aus der Stadt auf einem Ausflug zufällig beobachtet wird, eröffnet er die Jagd auf sie. Als die Situation eskaliert, spaltet sich die Meinung im Dorf über Henrys Verhalten...


Und der Professor behielt Recht...

Trotz seiner viel zu reißerischen und auf Stereotypen setzende Art ist „Trapped - Die tödliche Falle“, ähnlich wie „Massaker in Klasse 13“, eine recht interessante Mikrokosmos-Studie über Macht, Machtmissbrauch und Entmachtung, über die Hilflosigkeit und Tatenlosigkeit der Masse und darüber hinaus über die weltfremden Perspektiven von Idealisten und wie sie, eingeholt von der Realität, ihren zwanghaften Irrglauben verlieren können. Das wird mit lautem Getöse thematisiert, mit Schwarz/Weiß-Malerei, Vorurteilen über Hinterwäldlern und Städtern, wahrlich frei jeglicher Graustufe, und doch gibt der Unterhaltungsgehalt einer angespannten Situation, die sich immer weiter zuspitzt und nach Befreiung lechzt, dem Regisseur für sein Vorgehen recht.

„In der Falle“ (Alternativtitel) beginnt so 08/15 wie er theoretisch auch schließt, dennoch überrascht zum Ende hin die Passivität der meisten Anwesenden, gerade deshalb weil einige von ihnen bewaffnet sind. Der Ausnahmezustand lähmt, die Angst sitzt tief in den Knochen, und William Fruet verzichtet darauf der Hauptfigur eine Heldenrolle zuzuordnen. Hier wird kein Durchschnittsbürger gezeigt der über sich hinauswächst. Im Finale entscheidet häufig nur der Zufall. Ein Held wird hier niemand. Ganz im Gegenteil sollten und werden sich die meisten Figuren für das was sie taten, bzw. nicht taten schämen, und dies schließt die Polizei mit ihrer unterlassenen Hilfeleistung aufgrund von Vetternwirtschaft mit ein.

Fruet arbeitet ganz gut heraus wie der Aggressor einer eskalierenden Situation in seiner eigenen Situation gefangen ist. Ähnlich wie im professioneller durchdachten „Das Experiment“ von Oliver Hirschbiegel denkt er nicht mehr über Konsequenzen und Auswege nach. Er hat alle gegen sich, er bekommt sich mit seinen nicht rückgängig zu machenden Missetaten nicht mehr aus der Verantwortung geschwätzt, und doch wird blind für alles Drumherum der Weg zu Ende beschritten. Die Opferrolle des Täters läuft in direktem Zusammenhang zu seinen Taten, so dass der eigentlich viel zu klischeehaft gespielte Henry ein interessantes, personifiziertes Psychogramm darstellt.

Obwohl dies alles meisterlich herausgearbeitet ist, darf man „The Killer Instinct“ (Alternativtitel) dem analytischen Teil nicht zu viel Bedeutung zusprechen, weiß man aufgrund der plumpen Schwerpunkte des Filmes doch nicht was sich zufällig psychologisch Cleveres in den Film eingeschlichen hat und was beabsichtigt wurde. Immerhin zielt der eher an oberflächlichen Projekten wie „Krieg der Welten - Die Auferstehung“ und „Killer Party“ beteiligte William Fruet auf niedere Instinkte ab, will den Hass im Zuschauer schüren, damit sich dieser im Finale entladen kann. Und zwischendurch gibts Titten, Verfolgungsjagden und Morde mit erhobenem Zeigefinger inszeniert, aber doch nur nach dem Sehwert lechzend ausgerichtet, zu sichten. Das ändert aber nichts daran, dass der Film, wenn auch mit qualitativen Abzügen versehen, beim mitdenkenden Zuschauer ganz anders funktionieren kann als wie von den Verantwortlichen des schnellen Dollars gewollt.


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ASSAULT - ANSCHLAG BEI NACHT (Assault in Precinct 13 1976 John Carpenter)


Kurz vor der endgültigen Schließung einer alten Polizeistation werden die letzten hier arbeitenden Menschen und eine handvoll Gefangener von einer Gruppe gewalttätiger Menschen belagert. Von der Außenwelt abgeschnitten müssen sich die Polizisten mit den Verbrechern zusammentun, um sich zu verteidigen...


Nummer 1629...

John Carpenter feierte als Filmstudent einen kleinen Erfolg mit seiner Abschlussarbeit, einer „2001“-Parodie, „Dark Star - Finsterer Stern“. Seine erste Arbeit für ein richtiges Filmstudio sollte dementsprechend erst „Assault - Anschlag bei Nacht“ sein, und in diesem zieht der Regisseur bereits alle Register, wofür man später seine Werke „Halloween - Die Nacht des Grauens“, „Die Klapperschlange“ und Co derart schätzt, schafft es der spätere Horror-Regisseur doch aus einem Minimum an Geld und Plot ein Maximum an atmosphärischer Stärke und Spannungsbogen herauszuholen.

Ohne tatsächlich dem später von Carpenter bevorzugten Genre des Horrorfilms anzugehören, spürt man schnell die Nähe zu Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“, spätestens wenn die Eindringlinge nach und nach zum Selbstschutz erschossen werden. Zwar blitzen, wie bei fast jedem Carpenter-Film, auch immer wieder Momente des Western-Genres auf, aber durch das hauptsächliche Geschehen im Dunkeln und dem Schwerpunkt auf Thriller, trotz etlicher Actionszenen, schwebt stets ein Hauch Horror-Feeling mit.

So gekonnt Carpenter auch die Fäden zieht, an der Spannungsschraube dreht und Action und Thrill in einem gesunden Mix hält, so arbeiten doch drei weitere wichtige Faktoren für den Film. Für einen davon ist ebenfalls der Regisseur verantwortlich, komponierte dieser doch einen simplen wie effektiven Soundtrack, der nicht nur die angespannte Situation des Filmes gekonnt einfängt, sondern auch als angenehmer Ohrwurm noch einige Zeit nach dem Sichten im Gedächtnis bleibt. Der zweite Trumpf ist die Darstellung Darwin Jostons als zum Tode Verurteilter, der eine solidarische Gemeinschaft zu Lieutenant Bishop hält. Sowohl das Spiel Jostons, als auch der solidarische Aspekt, geben dem Streifen das gewisse Etwas.

Zudem lässt es Carpenter zu, dass die Figuren inmitten ihrer Belagerung an Charakter hinzugewinnen. Hierfür werden Stereotype absichtlich aufgebrochen, und auch die besagte Solidarität schenkt den Helden Tiefe und Identifikationsmöglichkeiten für den Zuschauer. Mit Blick von heute erweist sich zudem die Frauenrolle der 70er Jahre mal wieder als gesund emanzipiert im Gegensatz zum Kino von heute, wo Frauen entweder zu Kampfamazonen werden oder glauben einen auf Mann machen zu müssen. Die Natürlichkeit der taffen, selbstständigen Frau, wie man sie auch in Carpenters „Das unsichtbare Auge“ und in Ridley Scotts „Alien“ vorfindet, komplettiert die Pluspunkte des ungleichen Helden-Trios.

„Das Ende“ (Alternativtitel) erzählt keine große Geschichte. Auch inhaltliche Zusätze, wie der Beweggrund der angreifenden Gruppe und die stets im Raum schwebende Love Story, bleiben stets in Andeutungen stecken. Es verwundert bei so viel Minimalismus fast schon, dass der Film so viel Vorgeschichte besitzt. Diese nutzt Carpenter nicht nur gekonnt um die Charaktere nach und nach vorzustellen, er stellt die Figuren damit auch in Position, so wie es Schachspieler vor dem Beginn der eigentlichen Schlacht machen. Um so wirkungsreicher ist schließlich das Hauptgeschehen, das trotzdem noch recht zügig startet und bis zum Ende des Streifens auch nicht an Kraft verliert.

Sicherlich könnte man politische Aussagen aus dem Geschehen herausanalysieren, könnte man doch sowohl linke wie rechte Inhalte in einem solch klein gehaltenen Plot herauslesen, Sinn macht dies freilich wenig, geht es Carpenter doch schlichtweg um den vordergründigen Prozess. Politische Absichten sind nicht gewollt. Aber immerhin schafft es Carpenter dennoch mit einer für die Geschichte entscheidenden Gewalttat an einem jungen Mädchen und dem Zusammenspiel zwischen Gesetzeshüter und Schwerverbrecher die konservativen Kritiker und Zuschauer, damals wie heute, zu provozieren, ebenso wie mit der Ironie des Handlungsortes. Carpenter mag lediglich eine minimalistische Story umsetzen, kleingeistige Fesseln lässt er sich zum Erreichen seiner Vision jedoch nicht anlegen. Hier erweist er sich selbst als Kämpfer.


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