Sonntag, 26. November 2017

COMTESSE DES GRAUENS (Countess Dracula 1971 Peter Sasdy)


Im 16. Jahrhundert entdeckt eine alte Gräfin durch einen Zufall, dass das Blut junger Frauen ihr jugendliche Schönheit zurückbeschert. Sie muss jedoch feststellen, dass die Wirkung nur von kurzer Dauer ist. Aus Eitelkeit müssen etliche junge Frauen sterben...


Das einfachste Blutritual der Welt...

Was 17 Jahre später bereits augenzwinkernd als Horror-Groteske mit der Videoproduktion „Rejuvenator - Das Serum des Schreckens“ thematisiert wurde, bekam 1971 bezogen auf eine damals real existierende adligen Massenmörderin noch eine ernsthafte Verfilmung beschert, entstanden zu einer Zeit, in welcher die legendären Hammer-Studios anfingen verzweifelt zu experimentieren, um mit dem Umschwung im Horrorfilmgeschäft noch mithalten zu können. Ihre „Dracula“-Reihe war noch immer ein erfolgreiches Zugpferd, also griff man aufgrund der nach Blutdurst verlangenden Gräfin im Originaltitel auf den Namen des berühmten Vampirfürsten zurück, obwohl „Countess Dracula“ (Originaltitel) in keinster Weise mit dessen Thematik zu tun hatte. Zudem bescherte man dem Film allerhand nackte Frauenbrüste, und fertig war der verzweifelte Versuch massentaugliche Aspekte zur „Modernisierung“ in einen ansonsten klassischen Gruselstoff einzubinden.

Das Ergebnis ist nicht gerade überragend ausgefallen, allenfalls angenehm routiniert zu nennen, was mit Blick auf Regisseur Peter Sasdy jedoch schon besser ist als zu erwarten war, immerhin hat er mit seinem mäßigen „Hände voller Blut“ und dem völlig misslungenem „Doomwatch“ nicht gerade tolle Arbeiten abgeliefert. Von den Filmen, die ich bislang von ihm sah, war „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ noch sein bester Streifen, und der war ein Stück angenehme Routine innerhalb einer mal mehr, mal weniger gelungenen, langlebigen Horrorfilmreihe.

„Comtesse des Grauens“ kann mit ihm nicht mithalten, einfach weil der hier besprochene Film einzig aus schundigen Gründen zu funktionieren weiß, nicht aber aufgrund beeindruckender Aspekte. Die Geschichte und ihre Figuren sind schlicht gehalten und die Dosis gesellschaftliche Kritik auf das mindeste, was die Story automatisch zu bieten hat, reduziert. Der Blutgehalt ist gegen alle Erwartungen zu diesem Thema in dieser Krisenzeit Hammers überraschend zurückgeschraubt, und zu viele naive Aspekte belustigen das Szenario mehr, als der Grundplot tragen kann.

Da begeht eine dümmliche, junge Frau die tolpatschigsten Fluchtversuche aus einer Gefangenschaft, die man wohl je in einem ernst gemeinten Klassiker zu sehen bekam. Die körperliche Verwandlung der Gräfin geschieht von einem Moment auf den anderen, wird beim Wegwenden des Gesichtes vom Liebhaber aber selbst trotz der grauen Haare nicht wahrgenommen. Männer folgen auf verzweifelste Art ihrem Herzen, obwohl aus dem Scheitern ihrer Ziele nie ein Geheimnis gemacht wird. Die Gräfin terrorisiert strategisch völlig falsch Verbündete von denen sie abhängig ist, was ihr aber nie zum Nachteil werden wird. Und die Tochter verliert nach ihrer Ankunft im heimatlichen Schloss nie wieder ein Wort über ihre Gefangenschaft, läuft fröhlich umher und vertraut sich jedem sofort an.

Gepaart mit den üblichen Naivitäten derartiger Filmstoffe (zeitliche Ungereimtheiten, das Erstrahlen eines ganzen Raumes aufgrund einer kleinen Kerze, ...) ergibt das etwas zu viel Nonsens um „Comtesse des Grauens“ eine Chance als ernsthaften Genre-Beitrag zu geben. Zu unterhalten weiß er aber sehr wohl, wird er trotz seiner reißerischen und monotonen Geschichte doch nie langweilig und geben die Schauspieler sich doch wahrlich Mühe dem ganzen Unsinn ein Restniveau zu verleihen. Ansehnliche Kulissen und Kostüme unterstützen diesen Eindruck, so dass wohlwollende Stammzuschauer klassischer Hammer-Filme durchaus trotzdem einen Blick riskieren können. Sasdys Werk ist weder öde noch beleidigend. Das nur zwei Jahre später in Italien und Spanien als „Ceremonia sangrienta“ neuverfilmte britische Original ist lediglich unglaublich naiv erzählt.


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