Sonntag, 3. September 2017

THE GUARD - EIN IRE SIEHT SCHWARZ (The Guard 2011 John Michael McDonagh)


Der irische Polizist Boyle ist mit seiner ruppigen Art und dem Drang selbst manches Gesetz nicht einzuhalten nicht gerade ein Vorzeigebulle. Da nervt es um so mehr, dass er aufgrund von Drogenschmugglern in seiner Gegend von nun an mit einem überkorrekten Amerikaner vom FBI zusammenarbeiten muss...


Ski fahren oder schwimmen?...

Auch wenn der deutsche Beititel und der Trailer uns „The Guard - Ein Ire sieht schwarz“ als Komödie zum Thema Vorurteile und Rassismus verkaufen will, so findet sich diese Thematik in John Michael McDonaghs Komödie doch kaum, sind die aufkommenden rassistischen Spitzen doch lediglich Provokationen des im Zentrum stehenden Iren, um den überkorrekten Amerikaner Everett, einen Schwarzen, zu verarschen. In dieser sehr sympathisch ausgefallenen, gemütlich inszenierten Krimi-Komödie geht es viel mehr um den kulturellen Zusammenknall zweier Länder, die sich in Sachen charakterlicher Freiheit stark unterscheiden. Der Amerikaner ist von der Political Correctness geprägt und lebt im Glauben manches nicht sagen zu dürfen, der Ire hingegen liebt die Freiheit alles sagen zu dürfen, auf die Gefahr hin nicht gemocht zu werden.

Das schöne am Ergebnis dieser weit weniger provokativ ausgefallenen Komödie, als man meinen sollte, ist das Verhindern von Schwarz/Weiß-Zeichnungen und das Fernbleiben einer Moral oder einer Positionierung zu einer von beiden Mentalitäten. Beide Personen leben mit ihrer Art zu denken recht gut. Trotz kultureller Reibereien lernen sich beide kennen, mögen sich, auch wenn sie einander suspekt und befremdlich empfinden und machen ihre Arbeit gut. Keiner verändert den anderen. Es wächst der Respekt zwischen beiden. Man erkennt, eben weil beide auch andere Seiten ihres Charakters durchschimmern lassen und damit der Figurentyp jeweils nicht vollkommen zu einer Extreme neigt, dass beide Mentalitäten ihre Daseinsberechtigung haben und nicht mehr oder weniger zur Kritik stehen wie vieles andere im Leben auch.

Sicherlich ist es traurig, dass der Amerikaner glaubt nicht alles sagen zu dürfen, um im Vorfeld bloß nie Gefahr zu laufen jemanden zu verletzen. Und klar ist es traurig, dass ein erwachsener Mann zu Drogen neigt und manches Mal unsensibel jemanden mit seinen Worten vor den Kopf stößt, der eine Umarmung nötiger gehabt hätte als direkte Worte. Aber so besitzen beide Arten zu leben nun einmal ihr Für und Wider, ihre angenehmen und unangenehmen Seiten, und es ist der zurückhaltenden Inszenierung des Regisseurs zu verdanken, dass man dies inmitten einer Geschichte aus Übertreibungen und Bodenständigkeit frei von angelernten Vorurteilen so rational annehmen kann.

Die gelungene Besetzung trägt ihr übriges dazu bei und weiß bis in die Nebenrollen hinein zu gefallen und zu überzeugen. Provokative Spitzen wechseln sich mit den angenehmen Seiten der Mentalitäten ab, laute Töne schallen in eine ruhige Atmosphäre hinein, Comic-artige Situationen und Figuren finden sich inmitten eines halbwegs authentisch ausgefallenen Alltags wieder. „The Guard“ bleibt selbst im Action-reicheren Finale ziemlich unaufgeregt erzählt, neigt nie zu reißerischen oder voyoristischen Bildern, selbst dann nicht wenn Boyle zwei Prostituierte zu sich bestellt und mit ihnen loslegt. McDonagh inszeniert stilvoll und die unbedingt erwähnenswerte visuelle Ästhetik unterstützt ihn dabei. So wird „The Guard“ zu einer cineastisch wertvollen Komödienerfahrung für vielseitig interessierte Filmliebhaber anstatt zur Provokomödie für das gemeine Volk.


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