Sonntag, 10. September 2017

GRÜNE AUGEN IN DER NACHT (Eye of the Cat 1969 David Lowell Rich)


Wylie war immer der Lieblingsneffe der todkranken Tante Danny. Ihr Ableben steht kurz bevor, und ihre Katzen sollen ihren Reichtum erben. Friseurin Kassia bekam dies alles in all den Jahren von Danny als Kundin erzählt und heckt nun den Plan aus Wylie zurückzuholen, damit dieser alles erbt, um sie am Geld zu beteiligen. Es gibt nur ein Problem an diesem Plan: Wylie hat eine Todesangst vor Katzen...


So ein Katzenjammer...

Als Katzen-Horror beworben und auf manchen Internetseiten auch als solcher bezeichnet, entpuppte sich „Grüne Augen in der Nacht“ eher als Thriller, der aufgrund einer unter Katzenangst leidenden Hauptfigur kleine Momente eines Horrorfilms aufblitzen lässt. Ansonsten geht es eigentlich um Erbschleicherei, um den miesen Plan eine schwerkranke Frau um die Ecke zu bringen, um die Gier nach Geld und um Schein und Sein. Wer also ähnliches wie „Strays - Blutige Krallen“ erwartet, ist im falschen Film. Im Gegensatz zu „Die Rache der 1000 Katzen“ und „Uninvited“ werden besagte Tiere aber zumindest, wenn auch nicht zentral, möglichst effektiv eingesetzt, so dass man an Ermangelung an Katzen-Horrorfilmen dann doch zu Richs Werk greifen kann, wenn es einen denn unbedingt in Richtung dieser Thematik zieht.

Am besten ist es aber freilich man löst sich von dem was man las und erlebt „Eye of the Cat“ (Originaltitel) einfach als das was er ist: ein verspielter, nicht ernst gemeinter Gaunerfilm. Dank absichtlich unsympathischer Figuren und dem Eingeweihtsein in die Verschwörung (mit Ausnahme einer finalen Wendung, welche die meisten jedoch schneller erahnen werden, als es dem Autor lieb war) funktioniert der Streifen fast schon eher als eine Art schwarze Komödie. Sein weltfremder Charakter unterstützt ihn dabei, wirkt alles Erzählte doch abgerückt von der unseren Realität, so unglaubwürdig der zu konstruierte Plot angegangen wird. Das stört in der ersten Hälfte des Streifens mehr, als dass es förderlich wäre, unterstützt aber immerhin die bessere zweite Hälfte darin nicht alles all zu ernst zu nehmen, allein schon weil selbst fauchende Katzen in Nahaufnahmen noch immer eine Niedlichkeit besitzen anstatt Unbehagen zu erzeugen.

Dass nur eine Hälfte von „Wylie“ (Alternativtitel) funktioniert und die Schlusspointe für einen Langfilm eher unbefriedigend daher kommt, legt die Vermutung nahe, dass der Streifen als Kurzgeschichte in einem Episodenfilm besser aufgehoben gewesen wäre. Vergleichbare Geschichten aus „Geschichten aus der Schattenwelt“ und „Der Makler“ bestätigen diese Theorie, lieferten diese beiden Werke im Gegensatz zu jeglichen Langfilmen zu diesem Thema doch die wahren Höhepunkte bisheriger cineastischer Schauergeschichten um Katzen ab.

Nun muss man sich aber damit abfinden, dass „Grüne Augen in der Nacht“ ein Langfilm geworden ist und unverständlicher Weise zudem noch einer, der über 100 Minuten läuft, so dass man sich entweder vom Film abwenden kann, oder geduldig die trotz angenehmer Schrulligkeit schwer verdauliche erste Hälfte tapfer durchsteht, um die angenehm unterhaltsame zweite Hälfte genießen zu können. So oder so ist das Werk aus dem Hause Universal nur ein Kompromiss und kein wahrliches Filmvergnügen, aufgrund seiner ungewöhnlichen Art ist er aber zumindest für interessierte Cineasten einen theoretischen Blick wert. Allein dass der Vorspann im Split-Screen-Verfahren stattfindet, Jahre bevor De Palma in „Phantom im Paradies“ und „Carrie“ mit diesem von sich reden machte, ist das Sichten des zu unausgegoren ausgefallenen Filmes für solch ein Publikum bereits wert.


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