Freitag, 4. August 2017

NIGHTMARE ON ELM STREET 5 - DAS TRAUMA (A Nightmare on Elm Street 5 - The Dream Child 1989 Stephen Hopkins)


Das Leben von Alice hat sich halbwegs normalisiert, als Freddy plötzlich einen Weg findet ihre Freunde zu töten, während sie sich im Wachzustand befindet...


Der Mann im Kinde...

„Nightmare on Elm Street 5“ schmeckte einigen Zuschauern nicht. Nicht nur dass die Morde noch schriller und bunter ausfallen und Freddy so gut wie gar nichts mehr von seiner ursprünglichen Boogeyman-Rolle besitzt, auch die Kills selbst sind weniger blutig geartet und wirken fast schon harmlos in ihrer verspielten Umgebung, in der sie stattfinden. Aber ich muss sagen, seit die Reihe mit Teil 3 den Wandel zum esoterischen Fantasy-Horror erfahren hat, fühlte ich mich von keinem Teil derart kompromisslos gut unterhalten wie von diesem hier. Klar, die Ärgernisse, die auch in dieser vierten Fortsetzung noch immer enthalten sind, gehören mittlerweile zum Grundlagenprogramm und werden damit mehr oder weniger automatisch akzeptiert. Das ist ein Vorteil für eine solch späte Fortsetzung. Aber „A Nightmare on Elm Street 5 - The Dream Child“ (Originaltitel) besitzt Stärken die das bisherige wankende Spinnereien-Gerüst seit Teil 3 weniger belanglos wirken lassen.

Nach dem Massensterben in Teil 4 wirken die Figuren nun nicht mehr wie reines Kanonenfutter für den Traumdämon. Sie bekommen echte Chancen das Filmende lebend zu erreichen, helfen der Hauptfigur, wirken sogar glaubwürdig in jener verflixten Phase für jeden Drehbuchautor der Reihe, in welcher sie die Wahrheit um Freddy und seine Macht begreifen. Nachdem im Vorgänger manche Figur aus Teil 3 fremdbesetzt wurde, tut es gut die Charaktere aus „Nightmare on Elm Street 4“ in Teil 5 von den selben Darstellern gespielt zu erleben. Das erfreut gerade mit Blick auf Lisa Wilcox in der Rolle der Alice, die glücklicher Weise nicht zu Beginn verfeuert wird, sondern als stärkste Gegnerin der Reihe Freddy erneut als Hauptrolle Paroli bieten muss.

Bereits die veränderte Haarfarbe deutet den charakterlichen Wandel von Alice an. Vorbei sind die Tage der Tagträumerei. Ihre Erlebnisse mit Freddy haben sie zu einem taffen Charakter gemacht, der sich zu wehren weiß. Ihre sensible Ader hat sie beibehalten. Sie ist also somit glaubwürdig gezeichnet im Hinblick auf das was sie erlebte und einmal war. Nun wirkt ihr Charakter zwar nicht mehr so prägend für den Film wie zuvor, ihr Typ ist austauschbar und weit weniger tragisch ausgefallen, aber hier setzt nun die Filmidee überraschender Weise als überzeugender Ergänzungspart ein, ist Alice doch nun schwanger, so dass Freddy aufgrund der Träume des Säuglings Alices Freunde umbringen kann, während sie sich selbst im Wachzustand befindet.

Damit wird nicht nur eine interessante Idee geboten, sie wirkt zudem nicht willkürlich wenn man bedenkt, dass Alice im Vorgänger die Kontrolle ihrer Traumtürwächter übernommen hatte. Freddy hatte keine andere Wahl, und da die Kids der Elm Street längst nicht mehr die Erben seiner einstigen Mörder sind, benötigt er Alice nach wie vor um an zukünftige Opfer heranzukommen. Zwar beweist Teil 5 mit dem Zusatzaspekt um Freddys Mutter nicht gerade Einfallsreichtum, was um so mehr ägert, da dieser Aspekt für das Finale immer wichtiger wird, aber da man nach den eher bescheidenen Ergebnissen von Teil 3 und 4 ohnehin mit wenig Erwartungen an einen Teil 5 herangeht und nicht mehr erwartet, als jene oberflächliche Unterhaltung, die er schließlich auch bietet, überraschen eher die Pluspunkte, als dass die einfallsloseren Bereiche zu verärgern wüssten.

Zudem hat es selten so viel Spaß gemacht Freddy bei seinen verspielten Morden zuzuschauen, wie im hier besprochenen Teil. Vom Horror-Genre fast gänzlich losgelöst klopft er Sprüche als mutiertes Motorrad und nimmt als Super-Freddy den Kampf gegen eine Comicfigur auf, bis er dessen Zeichner wie Papier zerreißt. Freddy wächst wie ein deformierter siamesischer Zwilling aus dem Körper von Alice heraus. Und wenn das ehemalige Schreckgespenst Freddy alberne Babylaute von sich gibt, wie Erwachsene dies üblicher Weise zur Bespaßung von Babys machen, dann weiß das tatsächlich zu belustigen, anstatt peinlich zu berühren, was man vom Freddy-Rap im Abspann leider nicht behaupten kann.

Ich kann auf der einen Seite verstehen, wenn man mit Teil 5 wenig anzufangen weiß, aber in meinen Augen ist er trotz seiner schrillen Momente zurückhaltender ausgefallen als der überladene dritte Teil, das Schicksal der Kids erscheint nicht so gleichgültig wie in Teil 4, und zudem erzählt Teil 5 tatsächlich wieder eine Geschichte, auch wenn diese zum Finale hin weit weniger wichtig wird als es zunächst scheint. Was Kind und Nonne gegen Ende immer weiter herunterziehen, machen interessante Spezialeffekte und widerliche Ideen wieder wett. Und die Arbeit der Set-Designer hat mir diesmal sehr gefallen.


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