Sonntag, 13. August 2017

SHERLOCK 12 - DER LÜGENDE DETEKTIV (Sherlock: The Lying Detective 2017 Nick Hurran)


Durch seine Heroinsucht gesellschaftlich endgültig völlig abgedriftet, behauptet Sherlock eine bestimmte Berühmtheit aus dem öffentlichen Leben sei ein Serienkiller. Nicht einmal Watson glaubt dem kurz vor dem Tod stehenden Meisterdetektiv...


Es ist wie es ist...

Nachdem der Vorgänger „Die sechs Thatchers“ sehr zurückhaltend in der Dosierung seines Soap-Gehaltes war, sprudelt dieser im zweiten Film der vierten Staffel nun regelrecht über. Wut, Frust, Trauer, Ignoranz schwebt über der Beziehung zwischen Holmes und Watson, und dass das weder stört noch die Geschichte hemmt liegt daran, dass die Geschehnisse der Episode 11 nichts anderes zugelassen haben. Die Figuren der Serie müssen nun erst einmal verarbeiten was dort passiert ist, und da ist die Situation mit einmal kurz drüber schlafen nicht gelöst.

Vielleicht hätte der eigentliche Hauptfall deswegen nicht derart an den Rand gedrängt werden müssen. Endlich hat es Sherlock einmal mit einem klassischen Psycho-Serienkiller zu tun, und über diesen hätten wir charakterlich sicher alle gerne mehr erfahren, als uns „Der lügende Detektiv“ bereit ist zu bieten. Dieses Zukurzkommen liegt aber auch an der umständlichen Erzählform, mit welcher die Geschehnisse von Episode 12 ins Rollen gebracht werden. Diese wiederum ist nötig, um das übliche Zuschauertäuschungsspiel, an welchem die Autoren so viel Freude besitzen, aufrecht zu erhalten.

So hegt man zwar keinerlei Zweifel an der Schuld des Psychokillers, auch trotz des verunsichern wollenden Beititels, aber andere Fragen die im Raum stehen, und natürlich der soziale Aspekt zwischen Holmes und Watson, und der Gedanke, dass Holmes eigentlich einen Auftrag im Namen von Watsons Gattin zu erfüllen hat, sorgen für anderweitige Rätsel, welche man als Zuschauer inmitten eines absichtlich wirr erzählten Plotes zu lösen versucht. Ist Sherlock aus emotionalen Gründen, die er scheinbar nie hat, Richtung Drogen gerutscht? Oder gehört diese Selbstzerstörung zu seinem Weg seinen für ihn fast unmöglich auszuführenden Auftrag zu erfüllen?

Das mag für Außenstehende lahm klingen, und wer sich ausgerechnet mit dieser Folge erstmals in die Serie einklinkt, wird wohl kaum angesteckt werden, aber es macht einen ungeheuren Spaß dem manchmal etwas zu gewollten Treiben in „Der lügende Detektiv“ zu folgen, zumal Drama, Thrill und Komik wie gewohnt harmonieren, einander zuspielen, in ihrer jeweiligen Gewichtung die Emotionen des Zuschauers hin und her zu wirbeln wissen. Gerade Watsons Dialoge mit einer imaginären Person berühren mehr, als man es der Serie zugetraut hätte.

Weitaus ernster als lustig schließt die Episode, die nun den Übergang zum längst fälligen Spiel Moriartys bereit stellt. Sicherlich ist der hier besprochene Film in vielerlei Hinsicht nur das Übergangswerk zwischen Episode 11 und 13, eben weil es so viele Dinge zuvor zu klären gab, den Verantwortlichen der Serie ist jedoch ein wirklich gelungener Teil geglückt, der trotz des ein wenig zu kurz kommenden Serienkillers locker mit den besseren Teilen der Reihe mithalten kann. Es ist schade, dass ausgerechnet die lang ersehnte Moriarty-Folge, die der hier besprochenen Episode folgen sollte, das bisherige Niveau der vierten Staffel nicht ebenfalls zu erfüllen wusste.


SHERLOCK 11 - DIE SECHS THATCHERS (Sherlock: The Six Thatchers 2017 Rachel Talalay)


In der Zerstörung diverser Thatcher-Skulpturen, die alle vom selben Künstler angefertigt wurden, glaubt Sherlock Moriartys angekündigtes Spiel entdeckt zu haben. Doch hinter diesem mysteriösen Muster steckt etwas völlig anderes...


Der Stick, der gegenseitiges Vertrauen schenkt...

Dass ich von der dritten Staffel nicht sonderlich begeistert war, wird mancher Stammleser eventuell noch in Erinnerung haben, zu sehr konzentrierte man sich auf die Agententhematik, zu kurz kamen die klassischen Kriminalgeschichten. „Die Braut des Grauens“, ein Special zwischen Staffel 3 und 4 angesiedelt, welches inhaltlich dazwischen spielend geguckt werden kann aber nicht muss, beschritt wieder bessere Wege und machte somit Hoffnung auf die neuen Episoden, die mit einem Jahr Verspätung nun drei Jahre nach der Vorgängerstaffel erschienen, womit auch genügend Zeit für die Autoren gegeben war, sich wieder auf die guten Seiten der Serie zu besinnen.

Zwar interessiert sich auch die vierte Staffel, und ganz besonders ihr erster Spielfilm „Die sechs Thatchers“, erneut für den großen Agentenwirbel anstatt für einen klassischen Kriminalfall, aber das Ergebnis spricht für sich. Der Einstieg in die Staffel ist gewohnt flott, pointiert und stilsicher umgesetzt, immer zwischen poppig modern und besonnenem Grundton mit der nötigen Würde ausbalanciert und intelligent genug erzählt, so dass der Held der Geschichte glaubwürdig zu funktionieren weiß. Die Figuren stehen wie gehabt im Mittelpunkt, und in diesem ersten Teil der vierten Staffel arbeitet dieser Grundsatz einzig für das im Vordergrund stehende Ereignis, sprich der Soap-Gehalt hält sich in Grenzen.

„Die drei Thatchers“ ist im Vergleich zum Rest der Reihe recht Action-lastig ausgefallen, zumindest suggeriert er dies in seinem flotten Erzähltempo, dabei kommen die gewitzten Dialoge und eine möglichst logische Erzählung nicht zu kurz. Aufgrund der Fixierung Sherlocks auf den toten Moriarty gibt es relativ früh erste Überraschungen zu erleben, weitere folgen, inklusive der Täteraufdeckung am Schluss, die es trotz fehlender Kriminalhandlung diesmal zu erleben gibt. Zwar ergibt die Szene, in welcher die Person gestellt wird und redefreudig alles gesteht, wenig Sinn und bildet damit den Tiefpunkt des ansonsten geglückten Filmes, dennoch weiß die Auflösung zu gefallen, auch wenn sie weit mehr Nebensache dieser Folge ist, als man meinen sollte.

Der Schluss der eigentlichen Handlung wird Freunden der Reihe keine Ruhe lassen. Nicht nur dass die Episode der sechs Thatcher-Skulpturen äußerst dramatisch endet, sie lässt auch viele Fragen und Türchen für den Nachfolger offen, so dass Neugierde für die kommenden Teile geweckt wird. Als Stammzuschauer weiß man allerdings, dass von nun an nichts mehr so sein wird, wie es einmal war, dementsprechend geht man mit etwas Wehmut an die Nachfolger heran, während man sich gleichzeitig als Kenner der Serie fragt, wie Sherlock die Aufgabe, die ihm am Ende gestellt wird, bei seinen sozialen Defiziten lösen kann.


Samstag, 12. August 2017

ADEL VERPFLICHTET (Kind Hearts and Coronets 1949 Robert Hamer)


Seine Mutter gehört der adligen Familie D‘Ascoynes an, aber als sie einen Italiener heiratet, und damit jemandem unter dem Niveau der Familientradition, entscheidet sie sich für das bescheidenere Leben außerhalb des Adels. Als sie stirbt und von den D‘Ascoynes den letzten Wunsch verwehrt bekommt in der Familiengruft beerdigt zu werden, wächst in dem mittlerweile erwachsen gewordenen Sohnemann Louis Mazzini der Plan aus Rache jegliche Familienmitglieder zu töten, bis er laut Rangfolge den Herzogentitel erhält...


Der Ausgestoßene mittendrin...

Ich habe „Adel verpflichtet“ zum ersten Mal gesichtet und wusste von ihm nur, dass er Dieter Hallervorden zu seinem „Didi und die Rache der Enterbten“ inspirierte, da Alec Guiness acht Figuren aus ein und der selben Familie mimte und Hallervorden dies ebenfalls tun wollte. Um so überraschter war ich, wie sehr die Familie vergleichsweise in den Hintergrund rückt und wie stark sich die Geschichte auf Louis konzentriert, was mit dieser Reduktion jedoch die Stilsicherheit des Filmes unterstützt, vermeidet man damit doch all zu zotig auszufallen, was wohl auch erklärt warum der weibliche Part, den Guinnes ebenfalls übernahm, ganz besonders kurz ausfällt. Denn man kann sagen was man will: schwarze Komödien mit Würde und Stilempfinden umzusetzen ist ein Talent, welches den Engländern so schnell niemand erfolgreich nachahmt.

So lebt die Komödie nur selten von eingeworfenen Witzchen, sondern setzt auf die unterschwellige Komik, welche die morbide Geschichte und die in ihr enthaltenen Figuren fast schon automatisch mit sich ziehen. Treffsicher werden kurze Momente der Albernheit gekonnt und gut getarnt eingebracht, und gesellschaftliche Witzeleien, wie diverse Ansichten über Alkohol, Adel und die Treue in der Ehe, werden auf solch natürliche und oftmals subtile Art eingestreut, dass sich alles wie aus einem Guss schaut, vorgetragen mit einem gewissen Ernst, wenn auch nur um den Adel und dessen Schrullen zu veralbern, dennoch in beide Richtungen funktionierend.

Allein die Hauptfigur strahlt von ihrem Charakter her eine unglaublich gut funktionierende Komik aus. Louis‘ Denken, welches uns durch seine Off-Kommentare stets vor Augen geführt wird, outet ihn stets als weniger rational, als er es von sich glaubt zu sein. Seine Rechtfertigung zu Morden schiebt er auf seine Mutter, dabei tragen seine Phantasien erst Früchte, wenn ein persönlicheres Motiv aufkommt. Und das Ziel seines Hasses, die Arroganz des Adels, verliert er immer mehr aus den Augen, nicht bemerkend wie sehr er sich selbst immer mehr in das verwandelt was er einst verabscheute.

Der Kampf um den Herzogtitel wird ihm immer wichtiger. Die ursprüngliche Rache bleibt nur noch Ausrede, eine Phrase um der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Und wie es sich für eine gute Geschichte gehört, orientiert sich die Handlung an anderen Schwerpunkten. Louis Wandel und Selbstlügen dienen lediglich der unterschwelligen Belustigung, eben weil „Kind Hearts and Coronets“ (Originaltitel) eine schwarze Komödie ist, und Louis gegen Ende nicht mehr morden müsste, um den Herzogentitel zeitnah zu erhalten. Der Weg zum Ziel und die Überraschung, die alles zum wanken bringt, sind dem Autor vordergründig wichtiger.

Das Drehbuch gönnt sich nach einer längeren Einleitung die Möglichkeit zu Beginn von Louis‘ Taten fast wie ein Episodenfilm zu wirken. Erst nach und nach besinnt sich die Geschichte konsequenter dem durchgehenden roten Faden, der zwar nie verloren ging, nun aber erst die einzelnen Morde in die zentrale Geschichte von Louis Leben mit einspielen lässt. Die Fassade der Würde, die Louis nach außen spielt und an die er mit der Zeit immer mehr selbst glaubt, verleiht dem Film selbige Maske. In stilvoller Inszenierung tobt er sich humoristisch ordentlich aus, verteilt Ohrfeigen in sämtliche gesellschaftlische Nischen, meidet dabei aber jeglichen Klamauk, selbst wenn manche Idee geradezu danach schreit. Ich habe selten einen vor Humor sprühenden Film gesehen, der sich nach Außen so würdevoll tarnt, so dass manch einer, der subtilen Humor nicht gut erkennt, sich sicherlich wundern dürfte was daran nun Komödie sein soll.


Weitere Besprechungen zu Adel verpflichtet: 


EXTINGUISHED (2017 Ashley Anderson, u.a.)


Gerade noch traurig, da die Frau die er liebt seine Gefühle nicht erwidert, zieht eine junge Frau kurzfristig nebenan ein, welche die Flamme des Herzens eines einsamen, aber schüchternen Mannes wieder lodern lässt. Doch genau jene Flamme ist es, die den guten Mann bei jeder Begegnung mit ihr in Schwierigkeiten bringt...


Flammenstärke...

Vom Figurentyp her erinnert der Animationsstil ein wenig an „Die Unglaublichen“ und Co, da braucht man bei „Extinguished“ nicht mit irgendwelchen Experimenten rechnen. Optisch schaut er sich schön, aber keineswegs gewagt, innovativ oder alternativ. Für ein von Studenten umgesetztes Werk guckt sich das Ganze jedoch professionell, ein Amateurfilm ist der unter fünf Minuten laufende Film nicht geworden. Man könnte gar meinen er wäre als offizieller Vorfilm eines größeren Kinowerkes konzipiert, so wie es bei Kurzfilmen wie „Lifted“ und „Gone Nutty“ der Fall war.

Letztendlich stützt sich „Extinguished" auf eine einzige Idee, und dies ist der Gedanke dass das flammende Herz eines Verliebten wörtlich gemeint ist und mit der unkontrollierten Flamme die da lodert allerlei Wirbel verursacht wird, zumindest so lange bis der Verliebte zu seinen Gefühlen steht, und eine zweite Gegenflamme im Herzen der Angebeteten für das nötige Gleichgewicht sorgt - oder für ein gemeinsames Chaos. Was von beidem bleibt den Gedanken des Zuschauers überlassen, der Streifen der Regisseure Ashley Anderson und Jacob Mann schließt mit der Zusammenkunft der beiden und interessiert sich nicht für das danach. Da dieser Moment jedoch so süß eingefangen ist wie der Rest, geht das auch in Ordnung.

Dass diese Erzählung im Prinzip ein wenig zu schlicht ausgefallen ist, liest man sicherlich bereits heraus. Aber „Extinguished“ will keine große Welle machen, will nichts lautes und wildes innerhalb seines Genres sein. Ganz im Gegenteil wird die Romantik nicht nur, wie sonst im Genre, nur thematisiert. Sie wird zum eigentlichen Sub-Genre welches man mitfühlen soll, so dass die leise und schlichte Gangart des Streifens Sinn ergibt, was jedoch nichts daran ändert, dass er nach süßlichen und sympathischen 3 1/2 Minuten auch schnell wieder vergessen sein wird.


Freitag, 11. August 2017

STIRB LANGSAM (Die Hard 1988 John McTiernan)


Deutsche Terroristen nehmen das hochmoderne und riesengroße Nakatomihochhaus unter ihre Kontrolle und die Menschen der dort Weihnachten feiernden Belegschaft als Geisel. Der New Yorker Polizist McClane ist eher zufällig mit vor Ort und nimmt losgelöst von Geiseln und Verbrechern in dem großen Gebäudekomplex allein den Kampf gegen die Terroristen auf...


Terroristen, die keine sind, mit kleinen Füßchen...

Es gibt Menschen, die schauen sich den oft kopierten „Stirb langsam“ zu jedem Weihnachtsfest an. Ich könnte ihn nicht so oft sichten, zumal ich mich in Filme wie diese ohnehin nicht mehr so gut hineinfühlen kann, wie noch in jüngeren Jahren, und mein Favorit gegenüber des hier besprochenen Filmes war ohnehin immer „The Last Boy Scout“, der sprach mich ganz persönlich mehr an. Aber ganz unabhängig davon ist John McTiernans Action-Kracher, der das Genre für kommende Jahre maßgeblich mit beeinflussen sollte, eine rundum gelungene Sache, mit Klischees versehen, selbstverständlich, aber ohne diese würde ein Actionfilm, der grundsätzlich im Kino und nicht in der Realität zu Hause ist, ohnehin nicht funktionieren.

Das wirklich tolle am Drehbuch von „Stirb langsam“ ist, dass es immer weiß wann ein Klischee dick aufgetragen zu wirken weiß (Gut-Böse-Zeichnung, die Actionszenen allgemein) und wann es in einer reduzierten Form besser funktioniert (emotionaler Bereich). Dies zusammen mit einer Erzählung, die so viel wie möglich in die zu erzählende Geschichte an Ideen hereinzupacken weiß, und dies ohne den Radius der eigentlich erzählten Geschichte unnötig zu erweitern, macht aus „Die Hard“ (Originaltitel) dank menschlicher Helden, unmenschlicher Verbrecher, einem würdevollen Terroristenanführer, einer Geschichte in der nicht alles ist wie es scheint und einer meist großartigen Besetzung jenen Film, den die Freunde des Genres heute noch zu loben wissen. Im schnelllebigen Genre des Actionfilms und bei dem dazugehörenden Publikum, das sich nur selten für Filmklassiker interessiert, ist dies keine Selbstverständlichkeit.

Während ich kürzlich bei „Lethal Weapon“ feststellen musste, dass er nur noch mit einem Augenzwinkern und viel Wohlwollen bei einem erwachsenen Publikum zu funktionieren weiß, bin ich positiv überrascht, dass „Stirb langsam“ nach wie vor auf hohem Niveau zu unterhalten weiß. Das liegt mitunter daran, dass dem Zuschauer nicht nur auf Actionbasis immer etwas geboten wird (ganz im Gegenteil gibt es diebezüglich auch Ruhephasen und einen langsam Einstieg in die Geschichte), sondern inhaltlich werden immer wieder Leckerlies eingestreut, die das Interesse des Zuschauers aufrecht erhalten.

So setzt man nicht einzig auf das stupide Feuerwerk in Dauerberieselung, sondern auch auf Drama und Thrill, führt hierfür einige Figuren recht spät ein oder lässt welche in anderer Konstellation als bisher gewohnt aufeinander stoßen. Der einseitige Plot wird stets zusätzlich gefüttert, und selbst dieser wirkt in der Ein-Mann-Perspektive bedrohlich, eben weil die Kriminellen die gefährlichen Suspekte sind und nicht McClane als der Beschützer der braven Bürger. Die Gegner strahlen noch eine echte Bedrohung aus, und McClane ist trotz einiger Ausnahmeszenen nicht derart übermächtig gezeichnet, als dass man nicht mehr mit ihm mitfiebern könnte.

Er blutet und leidet, er stößt an seine Grenzen zu wissen was der nächste Schritt sein soll, und dank des Klischees untauglicher Polizisten und FBIs vor der Tür, ist er tatsächlich meist auf sich allein gestellt. Damit machen seine ironischen und sarkastischen Sprüche mehr Sinn als die Oneliner vergleichbarer Actionfilme. Dort wie hier würde der Film jedoch besser ohne sie funktionieren. Wirklich förderlich waren für die Stimmung des Streifens lediglich ein Kommentar zur Schuhgröße von Terroristen, diverse Selbstbeschimpfungen, wenn McClane wieder kaum wahrhaben will auf was er sich als nächstes einlässt, und ein weiterer treffsicherer Kommentar, den ich leider wieder vergessen habe.

Dank einer für Actionverhältnisse bodenständigen Geschichte und wenig infantilem Getue, kann man „Stirb langsam“ tatsächlich noch ernst nehmen und mit Würde gucken, zumal die Verantwortlichen des Streifens das ideale Gleichgewicht schufen zwischen der Perspektive dass ohnehin alles nur Kino sein soll und dem Blickwinkel, dass sich die Chose an den richtigen Stellen trotzdem echt genug anfühlen soll, um mit dem Einzelkämpfer mitfiebern zu können. Ernst, Ironie und kurz durchschimmernde Komik, wie Dramatik wissen in ihrer eingebauten Dosis zu funktionieren, und da Bruce Willis zur Entstehungszeit noch nicht der alt eingesessene Actionheld war, bereitet es Freude ihm im Laufe der Geschichte dabei zuzusehen, wie aus ihm die coole Sau wird, die er daraufhin in diesem Genre fast immer von Anfang an mimen musste.


Weitere Besprechungen zu Stirb langsam:


Trailer,   OFDb

DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN (El ataque de los muertos sin ojos 1973 Amando de Ossorio)


Vor 500 Jahren tat sich eine Dorfbevölkerung zusammen, um Frauen folternde Tempelritter ins Jenseits zu befördern. Am Tag der 500-Jahrsfeier dieses Ereignisses erstehen die Templer aus ihren Gräbern auf, reiten ins Dorf und nehmen Rache für das was ihnen einst angetan wurde...


Pyrotechniker sind die wahren Helden...

Der Titel „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ steht für eine Rückkehr der Schreckgestalten aus „Die Nacht der reitenden Leichen“, er steht für die Rückkehrer nach 500 Jahren, er steht aber nicht, wie der Titel bei anderer Auslegung suggerieren kann, für eine direkte Fortsetzung von Amando de Ossorios ein Jahr zuvor entstandenem Originalfilm. Aufgrund dessen apokalyptisch angedeutetem Ende hätte dies auch wenig Sinn gemacht. Viel mehr schuf de Ossorio mit der Fortsetzung, und ebenso mit den zwei weiteren die noch folgen sollten, ein alternatives Szenario mit abgeänderten Regeln und parallelen Ereignissen, die sich nur in der Vergangenheit der Templer auf das beziehen, was uns auch im Vorgänger über sie berichtet wurde.

Wie ein Mischwesen aus Vampir und Zombie wirken sie in Teil 2 nun nicht mehr, was gerade aufgrund der finalen Situation verwundern darf. Das Klischee klassischer Zombies erfüllen sie aber weiterhin recht wenig, reiten unsere Untoten doch nicht nur, so wie es auch der Titel bereits erwähnt, getötet wird zudem mittels der Schwerter und dies rein aufgrund von Rache und nicht, wie üblich bei einer Zombiethematik, zur Nahrungsaufnahme. So wie sie einst durch okkulte Rituale ihr zukünftiges Leben nach dem Tod vorbereiteten, so müssen sie diesmal auch, zumindest in der Langfassung, erst über eine Opfergabe wiedererweckt werden. Warum das nötig ist, wenn die Überlieferungen ohnehin ihre Rückkehr nach 500 Jahren prophezeien, sei einmal dahin gestellt, würde es doch bedeuten sich mit der Logik des Streifens auseinanderzusetzen, und da kann der Film nur verlieren.

Aufgrund seiner widersprüchlichen, wie simplen Story und aufgrund von Filmrollen, die alle tief in Stereotype feststecken, ist „Attack of the Blind Dead“ (Alternativtitel) ein willkommenes Fest für Trash-Fans, die in Werken wie diesen nur die unfreiwillige Komik erkennen wollen. Mir ging es damals genauso, und Teil 2 war diesbezüglich mein liebster Teil der Reihe, allein schon wegen dem taffen Helden im Zentrum, der auf Robert Wagner-Art gerne Kinnhaken verteilt und diesbezüglich auch nicht vor auferstandenen Templern Halt macht. Eine fragwürdige Alte, um die sich Bösewicht und Held streiten, sowie ein Kinder opfernder Bürgermeister als Rundum-Arschloch runden das Gesamtbild billigster Schwarz/Weiß-Zeichnungen inmitten einer oftmals unsinnigen Handlung ab.

Aber man kann „Die Auferstehung der reitenden Leichen“ (Alternativtitel) auch als sympathischen Retro-Film genießen, der anerkennungswerter Weise gar nicht erst versucht den erfolgreichen Vorgänger zu kopieren. Dank einer flotteren Umsetzung erstehen die Filmmonster bereits nach 20 Minuten auf. In der 50. Minute findet bereits das Massaker innerhalb des Dorfes statt. Es gibt mehr Templerszenen, blutigere Szenarien, einen flotteren Ablauf und veränderte Erkenntnisse und Handlungsweisen der Templer. Für diese völlig andere Herangehensweise an den Stoff wurde zwar die dichte Atmosphäre der langsamen Erzählung des Vorgängers geopfert, den Templern bei ihrem tatkräftigen Rachefeldzug zuzusehen entschädigt dafür aber recht gut, vorausgesetzt man erwartet keine solch guten Spezialeffekte und solch brutale Bilder wie sie im Horrorfilm heutzutage üblich sind. Gerade das Dorfmassakrer ist überraschend zahm ausgefallen, was aufgrund diverser Detailaufnahmen von Säbelstichen in anderen Szenen um so mehr verwundern darf.

Aber den zweiten Teil der reitenden Leichen-Reihe schaut man nicht aufgrund glaubwürdiger Goreszenen oder gar aufgrund einer gruseligen Stimmung. Es ist der morbide Look von Templerkleidung, Ruinen und Friedhof der zu gefallen weiß. Es ist die Geisterbahnatmosphäre, welche die ungruseligen, aber unglaublich charmant aussehenden Totenkopf-Templer auszustrahlen wissen. Und es ist freilich auch der wundervolle Soundtrack, der „Mark of the Devil 5“ (Alternativtitel) oftmals stimmiger wirken lässt, als er eigentlich ausgefallen ist. Es sind einzelne Szenen, die de Ossorio im Gegensatz zum Komplettfilm ausgezeichnet gelungen sind. In solchen kommt kurzfristig stets echte Horrorstimmung auf. Und ein (in Horrorfilmen oft nicht gern gesehenes) Kind gleich zwei Mal spannungsfördernd einzusetzen, ohne dass das Gör gleich nervt, ist schon eine Leistung für sich.

Wer sich über „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ lustig machen will, hat es nicht schwer den nötigen Stoff dafür zu finden, den bietet das brüchige Drehbuch alle Nase lang. Aber wer sich auf das Feeling einlassen kann, welches dem Erschaffer der Reihe vorschwebte, der wird mit dieser anderen Betrachtung nicht nur auf naive Art unterhalten, der darf zudem in eine alternative Filmwelt eintauchen, welche den Blickwinkel dessen was das Mainstream-Publikum für gut oder schlecht hält weit hinter sich zurücklässt, und dies nicht nur aufgrund verständnisvollem Augenzudrückens, sondern hauptsächlich aufgrund der Stimmung, die dieser Film dann zu versprühen vermag. Allein die Schlussszene, über die nur all zu gerne hämisch gelästert wird, erscheint dann gleich viel stimmungsvoller und rundet das Seherlebnis, gerade in Bezug auf die Alternativerzählung zu Teil 1, interessant ab.


Weitere Besprechungen zu Die Rückkehr der reitenden Leichen: 


Mittwoch, 9. August 2017

FROZEN GROUND (The Frozen Ground 2013 Scott Walker)


Polizist Jack stößt bei einer Mordermittlung auf das Muster eines Frauenmörders, der bislang unentdeckt seinen perversen Neigungen nachgehen konnte...


Parallelereignisse...

Um im Meer an Psycho-Thrillern zum Thema Massenmörder/Frauenmörder herauszuragen braucht man eine besondere Idee. In „Frozen Ground“ setzt man deshalb nicht nur auf die prominente Besetzung mit John Cusack und Nicolas Cage, man gönnt sich zudem die Idee beide ihre jeweiligen Erlebnisse parallel geschehen zu lassen, inklusive Überschneidungen, die nur selten damit enden, dass beide Darsteller gleichzeitig in den selben Szenen zu sehen sind. Cage als Jack ermittelt gegen Cusack als Robert, Robert versteckt sich, während er gleichzeitig die erste Zeugin, die er versehentlich hinterlassen hat, finden muss, eine Prostituierte, die fast sein Opfer geworden wäre, und der fast niemand ihre Schreckensgeschichte geglaubt hätte, wenn Polizist Jack nicht gewesen wäre.

Robert ist nicht nur Mörder, er spielt perverse Spiele mit seinen Opfern. Er hält sie gefangen, foltert sie, schläft mit ihnen und macht in der Einöde schließlich Jagd auf sie, wie man es mit Tieren macht. Ähnlich wirr wie diese Aufzählung klingt, wirkt das komplette Täterprofil, zumal Robert seine Taten „Dexter“- und „Mr. Brooks“-ähnlich durch sein nach außen hin harmloses Familienleben verschleiert, im Gegensatz zu denen aber nicht nach außen glaubwürdig den Normalo mimen kann, so dass dieser Aspekt bereits unglaubwürdig erscheint. Da Cusack in extremeren Szenen wiederum viel zu brav dreinschaut, kauft man ihm auch den Rest seines Charakters nicht ab, was nicht weiter wild ist, da die zähen Szenen der Gefangenschaft ohnehin eher reißerisch anstatt empathisch oder bedrohlich wirken.

Jacks Untersuchungen fallen auf der anderen Seite auch nicht prickelnd aus. Stets versucht er die Prostituierte zur Vernunft zu bringen. Dabei verzichtet man auch nicht auf das alte Klischee, dass sich der Polizist der Zeugin gegenüber öffnen muss, damit sie dies umgekehrt ebenfalls tut. Dementsprechend bekommt Jack einen tragischen Hintergrund beschert, den Cage dafür nutzt den schon oft verwendeten Dackelblick aufzusetzen, der in „Stadt der Engel“ und „Peggy Sue hat geheiratet“ zwar zu funktionieren wusste, hier jedoch erfolglos aufgesetzt wirkt, sich damit also zu den Negativpunkten des Streifens einreihen darf.

„Frozen Ground - Eisiges Grab“ (Alternativtitel) will aufgrund von Spannungsarmut, uninteressant erzählter Story und wegen seiner lustlos spielenden Stars nicht ansatzweise funktionieren. Er holt zwar optisch einige wunderschön fotografierte, triste Bilder heraus, die zu der Demotivation der Protagonisten passen, aber das ist auch das einzig nennenswerte an Scott Walkers Regiedebut, dem bislang keine weitere Regiearbeit nachgefolgt ist. Ich habe keine Ahnung ob der Mann mehr kann, als er hier zu leisten fähig war, aber immerhin ist das Drehbuch bereits so schlecht ausgefallen, dass auch wer Erfahrenes sich an dem Projekt sicherlich die Zähne ausgebissen hätte. Cusack legte im selben Jahr mit „Numbers Station“ zumindest noch einen besseren Film nach.


Weitere Besprechungen zu Frozen Ground: 


Dienstag, 8. August 2017

DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN (La noche del terror ciego 1972 Amando de Ossorio)


Weil sie sich über ihre Reisebegleiter ärgert springt Virginia mitten im Nirgendwo aus dem fahrenden Zug und läuft zu den Burgruinen, die sie aus der Fernse sah. In der Nacht erstehen auf deren Friedhof verstorbene Tempelritter wieder auf und töten Virginia. Als ihre Reisebegleiter von ihrem Tod erfahren, wollen sie herausfinden was passiert ist...


Blinde Bestien...

Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich Ende des letzten Jahrzehnts im Gemeinschaftsforum der OFDb eine intensive Diskussion über das Genre Trash ins Leben rief, als ich besagtes Genre bei „Die Nacht der reitenden Leichen“ einführen wollte und nicht den Widerstand verstand, den Liebhaber des Filmes dagegen einwendeten. Seit meiner Jugend stand Amando de Ossorios Film für unfreiwillig komischen Trash, und als etwas anderes wollte ich ihn nicht wahrhaben.

Heutzutage schäme ich mich für dieses ignorante Verhalten, verwende ich den Begriff des Trash-Films doch nur noch höchst selten und kann ihn in seiner verachtenden Form auch nicht mehr leiden. In meinem 2012 gegründeten Blog finden sich noch allerlei Filmbesprechungen, die ich im vorangegangenen Jahrzehnt geschrieben habe und die jenen Respekt vermissen lassen, den ich mir sogar erst recht kürzlich vor einigen Jahren erst viel zu spät angeeignet habe. Glücklicher Weise habe ich „Die Nacht der reitenden Leichen“ bisher nie besprochen und nur hin und wieder herablassend erwähnt, so dass ich heute frei Schnauze vom Film berichten kann, ohne eine ehemalige Besprechung komplett umschreiben zu müssen, habe ich doch erstmals das Potential erkannt, welches der Film zu entfalten weiß.

Denn auch wenn ich größte Angsthasen kenne, die sich vor den Templern Ossorios nie gruseln würden, und auch wenn man mit ihren dürren Ärmchen und dem Schockgeräusch beim Zeigen eines Totenschädels auf äußerst naivem Grusel aufbaut, so sind dies doch keine Gründe „The Blind Dead“ (Alternativtitel) der Lächerlichkeit Preis zu geben. Der vier Jahre nach Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ entstandene Mix aus Zombiefilm, Vampirfilm und Templer-Legende ist ein Liebhaberstück des europäischen Horrorfilms, äußerst naiv ausgefallen, zugegeben, aber auch sehr charmant umgesetzt.

Die kultige Musik weiß genügend Unbehagen über das klassische Szenario zu legen, damit „Night of the Blind Dead“ (Alternativtitel) zu funktionieren weiß. Das Outfit der Templer weiß zu gefallen, ihr Ritt in Zeitlupe mit dem dazugehörenden Geräusch verfehlt seine Wirkung ebenso wenig. Ossorios Film mag nicht gruseln, aber er vermittelt das Retro-Flair eines Gruselfilms, lässt einen glauben das Grusel-Flair emotional nur knapp verpasst zu haben, bei all seinem morbiden Reiz, gerade innerhalb der stimmigen Kulisse der Burgruinen.

Überzeugende Schauspieler und ein Gefühl für wohlig unwohlige Atmosphäre hauchen in Kombination mit den bereits erwähnten Pluspunkten „Tombs of the Blind Dead“ (Alternativtitel) genau jenes Leben ein, das ihn mit ehrlichen, ehrfürchtigen Augen betrachtet zu jenem sehenswerten Kultfilm macht, den manch einer aus zu arroganter Perspektive in ihm nicht sehen will. Da das Szenario im Gegensatz zu den drei Fortsetzungen (die alles eher eigenständige Variationen des Stoffes für sich darstellen) zudem mit einem zusätzlichen Zombie trumpft, der als Opfer der Templerrituale entstanden ist, weiß Teil 1 über das Templer-Thema hinaus einige Aspekte mehr zu bieten - bis hin zur wunderbaren Schlussszene, deren Auswirkungen wir für die Menschheit nur erahnen können.

Sicherlich kann man sich zu recht fragen warum erwähnte ehemalige Opfer von einst nicht bereits den Fortbestand der Menschheit bedroht haben. Und wie sieht es bitte aus, wenn die Templer sich nach erledigter Arbeit morgens wieder brav in ihre Gräber legen? Und ist diese Art nach dem Tod zu leben den ganzen Aufwand im 13. Jahrhundert wert gewesen? „La noche del terror ciego“ (Originaltitel) ist sicherlich nicht frei von Unsinnigkeiten und Lücken in der Logik. Die stimmige Umsetzung und der versprühte Retro-Look machen dies jedoch alles wieder wett. Mich hat „Die Nacht der reitenden Leichen“ erstmals rundum und kompromisslos unterhalten.

Selbst in die lesbisch angehauchte Rückblickszene konnte ich mich diesmal bestens einfühlen, was aber auch am wundervollen Soundtrack lag, wie er typisch für Erotikfilme dieser Zeit wurde. Zudem habe ich den Streifen erstmals im Original mit deutschen Untertiteln geschaut, das hat ihn atmosphärisch auch noch eine Spur besser gucken lassen. Unfreiwillige Komik nahm ich dadurch zu verstehen, was Ossorio mit Fertigstellung des Films vorschwebte, nicht mehr intensiv wahr. Ich bin froh, dass ich mittlerweile von dieser Arroganz geheilt bin und in der Lage bin Filmen auch dann eine echte Chance zu geben, wenn sie höchst naiv umgesetzt wurden.


Weitere Besprechungen zu Die Nacht der reitenden Leichen: 


FREDDY'S NEW NIGHTMARE (New Nightmare 1994 Wes Craven)


Als Heather Langenkamp ähnlich bedrohliche Träume hat, wie ihre Rolle der Nancy in Nightmare on Elm Street, forscht sie nach und erfährt, dass Wes Craven an einem neuen Nightmare-Film schreibt. Als ihr Sohn Kontakt zu Freddy Krueger aufnimmt, muss sie erkennen, dass es die Filmfigur von einst irgendwie geschafft hat ins reale Leben einzudringen...


Eine Kralle mehr als üblich...

Als man 1991 mit Teil 6 der Nightmare-Reihe das Ende Freddy Kruegers inszenierte, war Erfinder Wes Craven in keinster Weise an dem Projekt beteiligt. Wenn hier irgendwer Krueger sterben lässt, dann ich, soll der Kult-Regisseur geäußert haben und ließ den mordenden Kinderschänder-Traumdämon zurückkehren, ohne eine direkte Fortsetzung abzuliefern. Die wichtigsten Protagonisten der Teile 1 und 3, also aus genau jenen Filmen, an denen Craven beteiligt war, erleben als sie selbst gespielt das neue Grauen in Hollywood, also quasi in der realen Welt. Für dieses interessant klingende Projekt konnte Craven von Robert Englund, über Heather Langenkamp, bishin zu John Saxon alle wichtigen Originaldarsteller zurückgewinnen, so dass einem guten Ergebnis eigentlich nichts im Weg stehen sollte.

Damals empfand ich den Streifen dann auch als Highlight der Reihe, mochte ich doch das Spiel mit den Metaebenen, die Erklärung warum Freddy in die Realität gelangt und das immer größer werdende Verschwimmen zwischen Privatperson und Filmrolle. Heute sichte ich ihn eher mit müdem Blick und betrachte ihn als Übung für die „Scream“-Reihe, in der ebenfalls ordentlich mit Metaebenen gespielt wird, denn so reizvoll die Idee von Teil 7 auch klingen mag, sie wurde nicht lange genug überdacht, bevor man sich an die Verfilmung dieses Stoffes heranwagte.

Langenkamp wirkt in ihrer aufgebretzelten Hollywood-Diva-Art längst nicht mehr so sympathisch wie in jüngeren Jahren, was von Craven eventuell noch gewollt sein kann. Warum die Geschichte jedoch weit weniger verwirrend ausgefallen ist als man vermuten würde, das Kind der Langenkamp so extrem im Zentrum steht, bis es stark zu nerven beginnt und das ganze Spektakel viel Specialeffect-lastiger ausgefallen ist anstatt spannend zu geraten, will mir nicht in den Sinn kommen. Kurz gesagt: wie konnte man nur solch eine sympathische Geschichte derart verwursten und fast schon familientauglich umsetzen, bis nur noch das Grundgerüst zu interessieren weiß?

Die einzelnen Randideen wissen alle in der Theorie zu gefallen (das Höllenfinale, der Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit Langenkamps und damit der Kampf um das Sorgerecht ihres Kindes, das geträumte Drehbuch, der Budenzauber am Set des Filmes, stark erinnernd an manche Szene aus dem 10 Jahre später erschienenden und wesentlich besser ausgefallenen „Chuckys Baby“), die Umsetzung will jedoch meist nicht funktionieren, was schon verwundert wenn man bedenkt welche Horrorfilm-prägenden Perlen Craven allein mit „Hügel der blutigen Augen“, „Nightmare - Mörderische Träume“ und „Scream“ geschaffen hat (Buch und Regie!!!), drei völlig unterschiedliche Geschichten in völlig unterschiedlichen Horror-Kategorien. Aber Cravens Qualität seiner Arbeiten schwankte stets, und „New Nightmare“ (Originaltitel) gehört leider zu den weniger geglückten Werken.

Die Maske Freddys und der mittlerweile fünf Krallen besitzende Handschuh wissen leider nicht so gut zu wirken, wie von Craven gewollt. Er wollte sich vom Sprüche-klopfenden Clown der letzten drei Nightmare-Filme entfernen, aber gruselig ist Freddy auch hier nicht ausgefallen. In einem penetrant aufgezwängtem „Hänsel und Gretel“-angelehnten Finale hat er hierfür ohnehin keine Chance mehr. Aber inmitten des Höllenspektakels, das optisch nicht zu überzeugen weiß und in seiner wuchtigen Art eher nervt anstatt zu packen, bleibt er die Clownsfigur die er gegen Ende immer war, u.a. auch weil Englund die Rolle meiner Meinung nach ohnehin nie gelungen ausgefüllt hat.

Der Spaß der Beteiligten und die wirklich großartigen Drehbuchideen sorgen zumindest dafür, dass Freddys kurzes filmisches Aufbaumen nach dem Tod, wie es im Slasher-Genre bei den Killern zur Regel werden sollte, mittelmäßig ausfällt und den ein oder anderen schlechten Moment aufgefangen bekommt. Bedenkt man jedoch was mit der Grundidee möglich gewesen wäre, wenn man sich nur etwas intensiver und konsequenter mit ihr auseinandergesetzt hätte, darf man zurecht über den Versuch, den Craven hier kreativ unternimmt, schimpfen. Aber wer weiß, vielleicht wäre ohne diese Vorübung „Scream“ zwei Jahre später nie so gut geworden wie geschehen. Diese Starthilfe gäbe „A Nightmare on Elm Street 7“ (Alternativtitel) zumindest eine Daseinsberechtigung.


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Montag, 7. August 2017

WOLFSZIEGEL (La tuile à loups 1972 Jacques Ertaud)


Der härteste Winter seit langem schottet ein Dorf nicht nur von der Außenwelt ab, auch die Wölfe aus der Ferne haben nichts zu beißen mehr und nähern sich besagtem Wohnort...


Nicht jeder hört das Wolfsziegelpfeifen...

„Wolfsziegel“ wird auf der DVD so falsch beworben, wie er im Internet oftmals falsch beschrieben wird. Von einem Gruselfilm klassichster Machart, frei von Schockeffekten, ist die Rede. Aber der auf einen vier Jahre vor der TV-Verfilmung erschienenden Roman basierende Streifen ist eher ein Mix aus Drama und Abenteuerfilm, angereichert mit Fantasyelementen, die jedoch eher angedeutet als bestätigt werden. Obwohl sie nie direkt benannt werden, wird ihr Einfluss Richtung Finale immer wichtiger, und doch liegt das Hauptaugenmerk auf den anderen beiden Genres.

Die Geschichte wird aus der Perspektive mehrerer Figuren erzählt, eine der dominantesten ist jene aus dem Blickwinkel eines Jugendlichen, weshalb die halbwegs schlichte Bedrohung sich intensiver wie ein Abenteuer aus dem Alltag anfühlt. Der kurze Anflug einer romantischen Geschichte kommt ebenso auf, ist in seiner leicht angestriffenen Art aber kaum von Bedeutung in einem Film, der sich ohnehin stets den stillen Tönen und den scheinbaren Nebensächlichkeiten zuwendet. Man konzentriert sich auf das Gefühlsleben der auf sich gestellten Dorfmenschen und zeigt auf wie sie sich teilweise solidarisch, aber doch nicht perfekt als Einheit funktionierend, der (kommenden) Bedrohung zur Wehr stellen.

Diese Bedrohung ist eine recht kurzfristige. Bis sie auftritt muss der Zuschauer viel Geduld aufwenden, zumindest dann, wenn er dem Rest der Geschichte nichts abgewinnen kann. Diese plätschert in all ihren Schwerpunkten nur leicht vor sich hin, weiß mit der Authentizität von Zeit und Raum in welchem „Wenn der Wolfsziegel heult“ (Alternativtitel) spielt, Freunden ruhigerer, unaufgeregter Stoffe aber definitiv zu gefallen. In einer späten Phase wird es dank simpel, wie atmosphärisch abgefilmter Schneebilder bei Nacht kurzfristig recht spannend. Die Situation ist angespannt, denn nun nähern sich nach langer Zeit die Wölfe. Aber die Nacht ist schneller überstanden, als es dem falsch herangelockten Horror-Fan schmecken dürfte, und „La tuile à loups“ (Originaltitel) konzentriert sich wieder auf jene Themen, die ihm tatsächlich wichtig sind: Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt.

Den erfahren Wolf und Mensch zum Schluss hin ebenfalls. Der Zuschauer wird mit dem Warum dieses Umstandes allein gelassen, hat zuvor, wenn er denn aufmerksam genug war, aber genug Material sammeln können, um sich diverse Erklärungen auszumalen warum „Wolfsziegel“ endet wie er endet. Aufgrund seiner vielen Andeutungen, nicht nur am Schluss, wird Jacques Ertauds Streifen nicht nur dem Horrorfreak nicht schmecken, sondern auch jenem Publikum, welches jegliche Information offen ausgesprochen vorgekaut kriegen muss. Der sensible und konzentrierte Zuschauerpart jedoch kann sich an den stillen Tönen eines Streifens erfreuen, der sicherlich eine Spur zu schlicht ausgefallen ist, als dass er zwingend zu empfehlen wäre, einen aber durchaus 90 Minuten anspruchsvoll zu unterhalten weiß.


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Freitag, 4. August 2017

NIGHTMARE ON ELM STREET 5 - DAS TRAUMA (A Nightmare on Elm Street 5 - The Dream Child 1989 Stephen Hopkins)


Das Leben von Alice hat sich halbwegs normalisiert, als Freddy plötzlich einen Weg findet ihre Freunde zu töten, während sie sich im Wachzustand befindet...


Der Mann im Kinde...

„Nightmare on Elm Street 5“ schmeckte einigen Zuschauern nicht. Nicht nur dass die Morde noch schriller und bunter ausfallen und Freddy so gut wie gar nichts mehr von seiner ursprünglichen Boogeyman-Rolle besitzt, auch die Kills selbst sind weniger blutig geartet und wirken fast schon harmlos in ihrer verspielten Umgebung, in der sie stattfinden. Aber ich muss sagen, seit die Reihe mit Teil 3 den Wandel zum esoterischen Fantasy-Horror erfahren hat, fühlte ich mich von keinem Teil derart kompromisslos gut unterhalten wie von diesem hier. Klar, die Ärgernisse, die auch in dieser vierten Fortsetzung noch immer enthalten sind, gehören mittlerweile zum Grundlagenprogramm und werden damit mehr oder weniger automatisch akzeptiert. Das ist ein Vorteil für eine solch späte Fortsetzung. Aber „A Nightmare on Elm Street 5 - The Dream Child“ (Originaltitel) besitzt Stärken die das bisherige wankende Spinnereien-Gerüst seit Teil 3 weniger belanglos wirken lassen.

Nach dem Massensterben in Teil 4 wirken die Figuren nun nicht mehr wie reines Kanonenfutter für den Traumdämon. Sie bekommen echte Chancen das Filmende lebend zu erreichen, helfen der Hauptfigur, wirken sogar glaubwürdig in jener verflixten Phase für jeden Drehbuchautor der Reihe, in welcher sie die Wahrheit um Freddy und seine Macht begreifen. Nachdem im Vorgänger manche Figur aus Teil 3 fremdbesetzt wurde, tut es gut die Charaktere aus „Nightmare on Elm Street 4“ in Teil 5 von den selben Darstellern gespielt zu erleben. Das erfreut gerade mit Blick auf Lisa Wilcox in der Rolle der Alice, die glücklicher Weise nicht zu Beginn verfeuert wird, sondern als stärkste Gegnerin der Reihe Freddy erneut als Hauptrolle Paroli bieten muss.

Bereits die veränderte Haarfarbe deutet den charakterlichen Wandel von Alice an. Vorbei sind die Tage der Tagträumerei. Ihre Erlebnisse mit Freddy haben sie zu einem taffen Charakter gemacht, der sich zu wehren weiß. Ihre sensible Ader hat sie beibehalten. Sie ist also somit glaubwürdig gezeichnet im Hinblick auf das was sie erlebte und einmal war. Nun wirkt ihr Charakter zwar nicht mehr so prägend für den Film wie zuvor, ihr Typ ist austauschbar und weit weniger tragisch ausgefallen, aber hier setzt nun die Filmidee überraschender Weise als überzeugender Ergänzungspart ein, ist Alice doch nun schwanger, so dass Freddy aufgrund der Träume des Säuglings Alices Freunde umbringen kann, während sie sich selbst im Wachzustand befindet.

Damit wird nicht nur eine interessante Idee geboten, sie wirkt zudem nicht willkürlich wenn man bedenkt, dass Alice im Vorgänger die Kontrolle ihrer Traumtürwächter übernommen hatte. Freddy hatte keine andere Wahl, und da die Kids der Elm Street längst nicht mehr die Erben seiner einstigen Mörder sind, benötigt er Alice nach wie vor um an zukünftige Opfer heranzukommen. Zwar beweist Teil 5 mit dem Zusatzaspekt um Freddys Mutter nicht gerade Einfallsreichtum, was um so mehr ägert, da dieser Aspekt für das Finale immer wichtiger wird, aber da man nach den eher bescheidenen Ergebnissen von Teil 3 und 4 ohnehin mit wenig Erwartungen an einen Teil 5 herangeht und nicht mehr erwartet, als jene oberflächliche Unterhaltung, die er schließlich auch bietet, überraschen eher die Pluspunkte, als dass die einfallsloseren Bereiche zu verärgern wüssten.

Zudem hat es selten so viel Spaß gemacht Freddy bei seinen verspielten Morden zuzuschauen, wie im hier besprochenen Teil. Vom Horror-Genre fast gänzlich losgelöst klopft er Sprüche als mutiertes Motorrad und nimmt als Super-Freddy den Kampf gegen eine Comicfigur auf, bis er dessen Zeichner wie Papier zerreißt. Freddy wächst wie ein deformierter siamesischer Zwilling aus dem Körper von Alice heraus. Und wenn das ehemalige Schreckgespenst Freddy alberne Babylaute von sich gibt, wie Erwachsene dies üblicher Weise zur Bespaßung von Babys machen, dann weiß das tatsächlich zu belustigen, anstatt peinlich zu berühren, was man vom Freddy-Rap im Abspann leider nicht behaupten kann.

Ich kann auf der einen Seite verstehen, wenn man mit Teil 5 wenig anzufangen weiß, aber in meinen Augen ist er trotz seiner schrillen Momente zurückhaltender ausgefallen als der überladene dritte Teil, das Schicksal der Kids erscheint nicht so gleichgültig wie in Teil 4, und zudem erzählt Teil 5 tatsächlich wieder eine Geschichte, auch wenn diese zum Finale hin weit weniger wichtig wird als es zunächst scheint. Was Kind und Nonne gegen Ende immer weiter herunterziehen, machen interessante Spezialeffekte und widerliche Ideen wieder wett. Und die Arbeit der Set-Designer hat mir diesmal sehr gefallen.


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NIGHTMARE ON ELM STREET 4 (A Nightmare on Elm Street 4 - The Dream Master 1988 Renny Harlin)


Freddy ist zurück. Kurz vor ihrem Tod überträgt Kristen ihrer Freundin Alice die Fähigkeit Menschen in ihre Träume ziehen zu können...


Eine Tagträumerin stellt sich ihren Träumen...

„Nightmare on Elm Street 4“ baut direkt auf den finanziell erfolgreichen Teil 3 auf, nimmt dessen neu eingeführten Ideen an und schwimmt somit weiter auf der fantasylastigen Variante des Horror-Stoffes. Der Grundton fällt sogar noch eine Spur esoterischer aus, so dass man die Geschichte überhaupt nicht mehr ernst nehmen kann. Aber das ist den Verantwortlichen des Streifens ohnehin bewusst, der Film, an dem Wes Craven nun nicht mehr beteiligt ist, soll ein Stück Fun-Film sein, ein Werk welches die einstige Schreckgestalt Freddy endgültig zum Sprüche klopfenden Kasper degradiert, und obwohl dieser nun lauter wird und in bunteren, Humor orientierten Situationen und Kulissen agiert ist Teil 4 der Reihe angenehm unaufgeregter erzählt als ihr Vorgänger.

Neue Ideen entwickelte man nicht, und „A Nightmare on Elm Street 4 - The Dream Master“ (Originaltitel) spielt nicht mehr auf mehreren Handlungsebenen. An die zu fantastischen Ideen, die wenig Sinn ergeben sobald man sie auch nur im Ansatz hinterfragt, hat man sich gewöhnt, so dass man mit Teil 4 nicht so streng umgehen muss wie mit dem Vorgänger. Und rein analytisch steht Freddy nur noch für den Aggressor, der in einer Welt ignorierender Eltern der Auslöser wird verwöhnte Teenager aufgrund einer Zwangssituation selbstständig und erwachsen werden zu lassen. Tiefer geht die Chose nicht.

Als positiv kann man dem Film die Idee anrechnen ins Zentrum eine Tagträumerin zu setzen, und dies ohne daraus ein Hintertürchen für Freddy zu machen, so wie die Schwangerschaft in Teil 5, um auch im Wachzustand Terror zu verbreiten. Man sieht also, selbst diese sympathische Idee kommt unaufgeregt daher, ohne gleich das bekannte System über Bord zu werfen. Und da man Alice unglaublich glaubwürdig mit der naiv dreinschauenden Lisa Wilcox besetzt hat, die mit ihrem verträumten Blick und der roten Haarfarbe wie eine realitätsferne Esoterikerin wirkt, weiß dies einiges vom Unsinn des Drehbuchs aufzufangen. Allein die Schnellgläubigkeit der neu eingeführten Figur wird damit bereits zu keinem Ärgernis. Und dank ihres Erscheinungsbildes einer sensiblen Außenseiterin geht einem ihr Gefühlsleben wesentlich näher, als es dem Drehbuch eigentlich wichtig ist.

Alices Trauer kann man nachempfinden. Wenn sie ihren toten Bruder zurück in den Sarg schickt, als dieser ihr während der Beerdigung in einem Tagtraum seinen Tod als Scherz verkaufen will, spürt man den inneren Kampf diesen Schritt zu gehen, fühlt sich die Flucht in diesen Traum doch viel geborgener und angenehmer an, anstatt sich der Realität zu stellen, dass nun auch der letzte liebgewonnene Mensch im Leben gegangen ist. Da Alice zudem Mitschuld am Teenagersterben trägt, eben weil sie die schwere Bürde übertragen bekommen hat Freunde in ihren Traum zu ziehen (danke Kristen, ohne Deine Schnappsidee würden von Alice abgesehen die Kids der Elm Street alle noch leben), fällt ihre Rolle um so tragischer aus. Und auch wenn die Autoren sich dafür nicht wirklich interessieren, so ist diese Empathie zur Hauptfigur doch einer der Hauptaspekte, der Teil 4 der Reihe überhaupt erst funktionieren lässt.

Wie ich in meiner Besprechung zu Wes Cravens Original bereits äußerte besaß dessen Drehbuch die einzig sinnvolle Idee wie Freddy final zu bekämpfen wäre (wenn ironischer Weise auch nie tatsächlich umgesetzt). Das finale Gegenmittel in Teil 4 kommt nicht nur urplötzlich daher und wirkt arg austauschbar gegen jede andere unreflektierte 08/15-Idee zum Vertreiben böser Geister, ich habe die Methode von Alice auch ehrlich gesagt nicht verstanden. Gerne kann mir mal wer erklären was da passiert, nachdem Freddy die Seelen seiner Opfer frei lassen musste und was es mit der Scherbe des Kirchenfensters auf sich hat. Viel Sinn wird aber sicherlich auch dann nicht dahinter stecken, wenn man es verstanden hat. Nun hinterlässt ein Nightmare 4 damit keine Lücke, die es zwingend zu füllen gilt, ich habe kein Problem diesbezüglich dumm zu sterben. Etwas verwirrt lässt einen dieses verständnislose Treiben aber schon zurück, wenn damit eine Geschichte endet, der man fast 90 Minuten Aufmerksamkeit geschenkt hat.


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Donnerstag, 3. August 2017

ALLES LÜGE (1992 Heiko Schier)


Früher waren sie ein gemeinsames Komiker-Duo in der DDR, heute, drei Jahre nach dem Mauerfall, ist Portmann ein erfolgreicher Geschäftsmann im Westen und Kasulke mimt immer würdeloser den Clown auf billigsten Veranstaltungen. Als Kasulke von seiner Frau betrogen wird, zieht er nach West-Berlin auf der Suche nach seiner Tochter. Sein alter Freund Portmann besorgt ihm einen Job und bereut dies schnell...


Champagner für Hunde...

Dieter Hallervorden nur ganz leicht blödelnd in einer Satire zu sichten hätte 1992 keinen Kinozuschauer mehr negativ überraschen dürfen. Während er 1986 in „Didi auf vollen Touren“ den klassischen Didi-Humor versuchte in eine dominant gesellschaftskritische Satirehandlung zu integrieren, ging er mit „Der Experte“ 1988 einen Schritt weiter Richtung tragikomisch angehauchter Polit-Satire. Es wurde zwar einer seiner besten Filme, dem Publikum schien dieser andere Hallervorden jedoch nicht sonderlich zu schmecken. Mit „Bei mir liegen sie richtig“ erneut einen Schritt zurück setzend zwischen klassischem Didi-Geblödel und Gesellschaftskritik, sollte der einzig ernstzunehmende Schritt nach „Der Experte“ im Bereich der Kinofilm-Satire „Alles Lüge“ werden, die Hallervorden in einer zurückhaltend gespielten, tragikomischen Rolle zeigt, was aber auch für viele Jahre das Ende für Hauptrollen für die große Leinwand für Hallervorden bedeutete.

Vielleicht mag es dran liegen, dass mancher Spätzünder noch immer auf den blödelnden,klassischen Didi hoffte, aber auch ich muss nach aktueller Sichtung dieses unbeliebten Stück Ostalgieverarbeitung vorwegnehmen, dass mir „Alles Lüge“ im Kino sicherlich ebenfalls nicht geschmeckt hätte. Dafür ist die Geschichte zu beliebig ausgefallen, sie dümpelt seicht vor sich hin, ohne eine Orientierung erkennen zu lassen. Diverse negative Situationen regnen auf den erfolglosen Kasulke nieder, die Situation scheint hoffnungslos, und ebenso wie diverse Episoden in kurzen Zeitabständen für sich auf den Antihelden der Geschichte einwirken, so schnell und ohne Vorwarnung löst sich alles mit allerhand Löchern in der Glaubwürdigkeit urplötzlich in Wohlgefallen für alle auf.

Klingt schrecklich? Ist es aber nicht, es ist lediglich zu gewöhnlich erzählt, um im Kino mit solch einem Stoff glücklich zu werden. Die hohe Qualität, die das Genre Tragikomödie ermöglicht, wird nicht ereicht. Aber dank eines wie immer glaubwürdig agierenden Hallervorden, sympathischen und absichtlich unsympathischen Stars und Figuren an seiner Seite und einer emotionalen Nähe zur Hauptfigur weiß „Alles Lüge“ auf simpler Ebene doch noch zu gefallen. Mag der Plot auch Episoden-haft anmuten und der Schluss für solch einen pessimistischen Blick auf das Zusammenwirken von Ost und West zu wohlwollend ausgefallen sein, es bereitet einerseits Freude Kasulke ins Fettnäpfchen treten zu sehen, in geringerem Maße bewegt es teilweise auch.

Großes Plus ist neben Hauptdarsteller Hallervorden Peter Fitz in der Rolle Hartmanns. Billy Zöckler als dessen Frau kann trotz ähnlichem Spiel ihren Erfolg aus „Im Himmel ist die Hölle los“ jedoch nicht wiederholen. Das ist etwas schade, wirkt sie doch wie die erwachsen gewordene Mimi, so wirklich bereichern will das die Geschichte von Kasulke jedoch nicht, was aber auch daran liegt, dass das Drehbuch nichts aus ihrer an sich interessanten Situation herauszuholen weiß.

Mag „Alles Lüge“ auch etwas desorientiert vor sich hinplätschern, ohne wirklich erkennbar zu machen was er eigentlich erzählen will, so weiß der Film doch überraschender Weise zumindest von Moment zu Moment zu gefallen, und dies ohne erkennbare Längen oder missglückter Zwischenmomente. Hart an der Grenze ist der etwas zu zotige Auftritt auf der Feier eines Zahnarztes ausgefallen. Wüsste man wie Kasulkes Job danach genau aussieht, wäre diese Szene aber zumindest wichtig für die Karriere, die er daraufhin aufzubauen versucht. Andeutungen lassen jedoch nicht genau erkennen, ob die eher anspruchslosen Mitmenschentäuschungen, denen sich Kasulke beruflisch in einer Szene hergibt und die ein wenig an den Kaufhausjob aus „Mein Gott, Willi“ erinnern, Hauptaspekt seiner neuen Karriere sind oder nicht.

Ich erwähne dies, um deutlich zu machen, wie sehr „Alles Lüge“ diverse, gar nicht mal uninteressante Bereiche, zu oberflächlich behandelt, oder sogar nur andeutet, obwohl sie über mehr Potential verfügt hätten. So plätschert der Streifen auf einer interessanten Oberfläche treibend seicht vor sich her ohne zu tief einzutauchen und unterhält somit solide, so dass man zwar verstehen kann, dass „Alles Lüge“ kein zu unrecht übersehenes Glanzstück geworden ist (man bedenke nur einmal wieviel bissiger „Schtonk“ im selben Jahr ausgefallen ist), er Zuschauern mit einfachem Gemüt und wenigen Erwartungen aber zumindest einen unterhaltsamen Abend bescheren kann.