Sonntag, 23. Juli 2017

NIGHTMARE - MÖRDERISCHE TRÄUME (A Nightmare on Elm Street 1984 Wes Craven)


Die Jugendlichen der Elm Street träumen alle von dem selben unheimlichen Mann. Bereits nach dem ersten Todesfall vermutet Nancy, dass besagte Alpträume mörderisch sind. Als es zu einem weiteren kommt, ist sie sich absolut sicher. Da ihr niemand ihre wirr klingende Theorie glauben will, will sie sich dem Traummonster stellen...


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„Nightmare - Mörderische Träume“ muss man einfach lieben. Nicht nur dass er die typische Teenager-Besetzung eines Slashers dafür nutzt in der Durchschnittsgesellschaft psychologisch tiefer zu bohren als im Teenie-Horror üblich, insbesondere die Eltern-Kind-Verbindung und die Position zwischen Kindsein und Erwachsensein betreffend, auch ruht sich Wes Craven, der auch das Drehbuch zum Film schrieb, nicht nur auf eine schlichte „ein Killer geht um“-Geschichte aus, sondern präsentiert uns einen einfallsreichen Grundplot, der als Grundlage vieler guter Ideen herhält - auch für die vielen Fortsetzungen.

Bevor es diese gab war Freddy Krueger noch eine düstere Schreckensgestalt, die nur höchst selten einen lockeren Spruch über ihre Lippen brachte. Er ist in ein unheimliches Szenario eingebettet und dabei meist nicht zu sehen. Craven geht es um die Suspense, und da tut es gut Robert Englund kurz zu halten. Denn wenn die meisten auch behaupten ein „Nightmare“-Film ginge nicht ohne ihn, so fand ich ihn doch schon immer eher störend besetzt, weiß er seine Körperhaltung doch nicht unheimlich einzusetzen. Bereits hier wirkt er in manchen Momenten wie der Horror-Zirkusclown zu dem er später fast wurde, und das passt nicht in die Stimmung des ersten Teiles, die trotz diverser Seitenhiebe auf die Gesellschaft und das Horror-Genre gewollt düster und ernsthaft gezeichnet ist.

Der missglückten Momente diesbezüglich gibt es nur zwei oder drei, das beraubt Wes Cravens Kultfilm glücklicher Weise nicht seiner Qualität, denn starke positive Faktoren lassen geringe Schwachpunkte, die es auch in der Traumlogik zu finden gibt, regelrecht verschwinden, ist die düstere Grundstimmung doch regelrecht unheimlich zu nennen, wissen die Traumsettings und die Kameraarbeit in diesen doch hervorragend zu wirken und ist der Plot doch durchdacht auf allen drei Ebenen: der erzählten Geschichte, der Traumwelt und ihre Überschneidungen zur Realität, sowie der analytisch erzählten Geschichte in zweiter Reihe.

Nebenbei darf mal mehr, mal weniger sinnig über Träume philosophiert werden, und da sich Craven nicht nur auf den einfachen Grundplot ausruht, bekommen wir auch noch eine toll inszenierte Szene präsentiert, in welcher Nancys Träume von Fachärzten beobachtet werden, ein Abstecher von der Grundgeschichte, den diese nicht nötig gehabt hätte - mit Ausnahme ihres entscheidenden Hinweises für den Endkampf. Und auch hier kann man Craven als Autor nur beglückwünschen, schrieb er doch die beste und konsequenteste Methode der Reihe auf, wie Krueger möglicher Weise zu besiegen ist. Dementsprechend temporeich, spannend und unterhaltsam findet auch das Finale statt, dass nicht nur den Vater Nancys zum Staunen bringen wird.

In dieser Phase des Films befindet sich „A Nightmare on Elm Street“ (Originaltitel) jedoch bereits derart zwischen den Fronten Traum und Realität, dass es dem Zuschauer überlassen bleibt, wie er die finalen Geschehnisse inklusive Schluss-Gag zu verstehen hat. Der "angehangene" Schluss mag auf manch einen unnötig wirken, letztendlich ist er jedoch die entscheidene Konsequenz, die aus dem zuvor Gesehenen entsteht und ist wichtig, damit auch der Letzte begreift, dass das Finale nie auf der Wahrnehmungsebene stattgefunden hat, unter welcher man es zunächst vermutet. Zwar weist darauf bereits eine Todesszene im Elternschlafzimmer hin, aber es braucht nicht zu wundern, dass bei all dem Spektakel, welches Craven uns um die Ohren haut, der Zuschauer verwirrt wird und die Orientierung diesbezüglich verliert, schließlich schafft Craven es den empathischen Teil der Zuschauer streckenweise selbst in eine Art Alptraumzustand zu versetzen.

"Nightmare - Mörderische Träume" ist ein überdurchschnittlich ausgefallener Horrorfilm, der mit heute noch beeindruckenden Spezialeffekten aufwartet und mit Heather Langenkamp und John Saxon auch überzeugend besetzt ist. Lediglich der noch sehr junge Johnny Depp spielt blasser als erwartet, hat aber ohnehin nur die Rolle des begleitenden Sidekicks Nancys erwicht, also was soll‘s. Was bleibt ist ein Horror-Kultfilm der sich heute noch so spannend schaut wie zur Entstehungszeit und der rein von seiner Geschichte her gar nicht hätte fortgesetzt werden müssen, so vielschichtig wie Craven das Thema hier bereits ausarbeitet. Freilich bin ich trotzdem nicht böse drum, dass es zu weiteren Filmen mit Freddy Krueger kam.


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