Sonntag, 9. April 2017

CHARADE (1963 Stanley Donen)


Regina Lampert dachte eben noch an Scheidung, als sie kurz darauf ihr Haus ausgeräumt vorfindet und vom Tod ihres Gatten erfährt. Der führte ein Doppelleben und verfügte über 250.000 Dollar, die er aus einem gemeinsamen Diebstahl mit drei Kameraden aus dem Krieg ergattert hatte, freilich indem er die anderen hinterging. Nun vermuten diverse Interessengemeinschaften, dass Regina über das Vermögen verfügt, und schon bald trachtet man der jungen Witwe nach dem Leben. Sie weiß nicht mehr wem sie trauen kann...


Der Tod im Pyjama...

Stanley Donen war mit seinen 30 Spielfilmen die er schuf in diversen Genres zu Hause. Ob Kinderfilm, Komödie, Romantik, Science Fiction oder Musikfilm, Donen schuf allerhand Klassiker, darunter „Arabeske“, „Saturn City“, „Du sollst mein Glücksstern sein“ und den hier besprochenen „Charade“. Der ist ein kunterbunter Genre-Mix, so dass Donen der richtige Mann für den Job war, vernachlässigt er doch keine der Filmrichtungen, die in „Charade“ enthalten sind, als da wären Thriller, Komödie, Romantik und Kriminalfilm. Stets schwankt das Werk zwischen Spannungsbogen und Komik, während parallel die sich anbahnende Liebesgeschichte zu interessieren weiß.

Sie hat es am schwersten inmitten all der Zweifel und Verdächtigungen, weiß der Zuschauer doch nicht wem er trauen darf, noch mehr als es die Rolle Audrey Hepburns tut, schließlich könnte auch sie der überraschend verräterische Trumpf am Schluss sein. Dementsprechend verspielt irrational findet die Liebesgeschichte inmitten des mörderischen Plots statt, entwickelt der Love Interesst mit jedem Auffliegen einer Lüge doch einen weiteren angeblichen Charakter und ist Regina trotz dieses pflegelhaften, vielleicht sogar mordsgefährlichen, Verhaltens doch unglaublich in den älteren Herren verschossen, der öfter seine Namen als seine Hemden wechselt und trotzdem noch am ehesten das Vertrauen der verwirrten Witwe gewinnen kann.

In „Charade“ wimmeltes nur so vor Schurken und möglichen Mördern. Tote gibt es reichlich, falsche Fährten noch mehr. Manche davon ahnt der geschulte Zuschauer von heute sicherlich bereits bevor sie offiziell aufgedeckt werden, letztendlich kann man dem Streifen diesbezüglich aber einen einfallsreich wendungsreichen Plot athestieren, dessen Schlussauflösung zu gefallen weiß. Von einem großen Filmereignis würde ich persönlich trotzdem nicht sprechen. Ich fand „Charade“ lediglich amüsant und kurzweilig, und empfand ihn als ein angenehmes Vergnügen für zwischendurch.

Überrascht war ich vom oftmals schwachen Spiel Audrey Hepburns, die teilweise eher Grimassen schneidet anstatt tatsächliche Gefühlsregungen zu simulieren. Da kommt es ihrer schwachen Darbietung sehr gelegen, dass der Stoff humoristisch angereichert wurde. Andererseits schien Donen viel von ihr zu halten, war „Charade“ doch schließlich nicht das einzige Werk welches beide zusammen drehten. Im Gegensatz dazu spielt der in „Arsen und Spitzenhäubschen“ von mir noch kritisch beäugelte Cary Grant sowohl die humoristischen Seiten, als auch die bösartigen recht gekonnt. Gealtert weiß er meiner Meinung nach ohnehin mehr Charisma zu versprühen als 20 Jahre zuvor, das kommt ihm in dieser Rolle freilich zugute.

Mit George Kennedy und Walter Matthau sind noch zwei weitere bekannte Gesichter mit an Bord. Zwar liefert keiner von ihnen eine Glanzleistung ab (Grant anbei trotz allem Lobes auch nicht), aber das ist nicht weiter wild, da „Charade“ hauptsächlich von seinem guten Plot lebt und von der flotten Umsetzung, die das Geschehen nie auf der Stelle treten lässt. „Charade“, der bislang noch drei mal unter anderen Titeln neu verfilmt wurde, ist die typisch sympathische Sonntagnachmittagsunterhaltung für zwischendurch, nicht mehr und nicht weniger.


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