Montag, 13. März 2017

XX - UNBEKANNT (X: The Unknown 1956 Leslie Norman)


Ein aus dem Erdinneren kommender radioaktiver Schlamm wird immer größer und bedroht die Menschheit...


Schlamm - Schrecken ohne Namen...

Zwei Jahre nach „Shock“ und ein Jahr vor „Feinde aus dem Nichts“, den beiden 50er Jahre Quatermass-Filmen der Hammerstudios, erschien von selbigen Studios produziert ein Film, der aufgrund seiner Thematik und seines älteren Wissenschaftlers in der Heldenrolle wunderbar in die Quatermass-Reihe gepasst hätte. Ob das ursprünglich einmal so geplant war und kurzfristig zu einem eigenen Projekt umgetextet wurde, weiß ich nicht, aber der Erfolg des ersten Teils wird so oder so Einfluss auf das Vorankommen der Dreharbeiten zu „XX - Unbekannt“ gehabt haben.

Zwei Jahre bevor die Amerikaner den berühmteren „Blob - Schrecken ohne Namen“ auf die Menschheit losließen, kamen die Briten mit etwas Vergleichbarem daher. Hier wie dort terrorisiert ein größer werdendes, breiartiges Monster die Menschheit. Aufgrund der fehlenden Radioaktivität konnte der Blob seinen Feinden jedoch erstaunlich nahe kommen, das Schlammmonster aus dem hier besprochenen Film sehen wir, wenn überhaupt, nur aus der Ferne, und dies aufgrund seines späten Erscheinens auch erst ab einer Größe, die in etwa dem Finale des amerikanischen Vergleichsfilmes entspricht.

Nicht nur durch die Körpernähe ist der amerikanische Science Fiction mit Steve McQueen näher am Zuschauer dran als der radioaktive Schleim aus „X - The Unknown“ (Originaltitel), auch die Identifikationsfiguren Teenager und Polizist boten dem Publikum mehr Identifikation als der über allen Dingen stehende Wissenschaftler hier, unterstützt durch Militär und Regierung. Kaum zu glauben, aber dieser britische Monsterfilm schaut sich amerikanischer, als es der US-Vergleichsfilm tut. Würden die Soldaten nicht ständig Tee schlürfen, könnte man meinen sich in einem der Propaganda-Science Fiction-Werke aus Übersee zu befinden, die zu dieser Zeit inflationär auf das Kinopublikum losgelassen wurden.

Für den Freund des frühen Monsterfilms ist „XX... Unbekannt“ (Alternativtitel) trotzdem ein kleiner Leckerbissen. Nicht nur dass er für seine Zeit recht harte Effekte zerschmelzender Menschen bietet, auch die völlig schwachsinnige Story weiß zu gefallen, die extrem ernst vorgetragen wird, wenn auch als Blödsinn getadelt von einem Wissenschaftskollegen, der zu Recht von der Hauptfigur behauptet, sie würde nur dämliche Fantastereien liefern, anstatt Fakten zu nennen. Ein 50er Jahre-Monsterfilm gibt dem Spinner freilich trotzdem recht, sonst gäbe es keine zu bekämpfende Kreatur, und der konkurrierende Wissenschaftler nimmt gegen Ende zurück, was er zuvor kritisiert hat.

Zwar wird das Militär aufgrund seiner schlichen Problemlösungsversuche kritisiert, aber an sich erleben wir hier einen Film, indem Wissenschaft, Militär und Regierung vorbildlich miteinander kooperieren, um die Menschheit vor dem Schlimmsten (oder in diesem Falle Schlammsten?) zu bewahren. In einer kurzen Sequenz wird sogar noch die vierte für seine Zeit wichtige Institution vorbildlich eingebaut, wenn ein Pfarrer ein kleines Mädchen heldenhaft vor dem radioaktiven Schleim rettet. Ansonsten ist es in „XX unbekannt“ (Alternativtitel) still um das Thema Kirche.

Inmitten einer selten dämlichen, aber charmant vorgetragenen, Geschichte erwartet niemand eine sinnvolle, nachvollziehbare Lösung des Problems. Trotzdem wirkt es selbst in solch einem Trivialfilm wie dem hier besprochenen etwas zu billig, dass der Held der Geschichte ohnehin seit Jahren an einer Lösung genau jenem Problems arbeitet, mit welchem man die Kreatur schließlich aufhalten kann. Gut dass er 30 Minuten bevor das Monster zu groß wird um es noch aufhalten zu können, genau jenes Problem behebt, welches er all die Jahre nicht lösen konnte.

Man muss also schon ein paar Augen mehr zudrücken, als bei solch einem Streifen dieser Dekade und dieser Art ohnehin schon, um mit „X the Unknown“ (Alternativtitel) etwas anfangen zu können. Gibt man sich aber großzügig und offen für solchen Unsinn, bietet sich ein fairer Blick auf den Unterhaltungswert des Streifens, und der ist gut genug um zumindest Stammzuschauern des Genres zu raten einen Blick zu riskieren. Als Vorlage zu „Blob - Schrecken ohne Namen“ ist er filmhistorisch eigentlich sogar eine Pflichtsichtung für das Zielpublikum.


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