Freitag, 3. März 2017

OTTO - DIE SERIE (1994 Otto Waalkes)


Als Show gestaltet präsentiert Otto Waalkes Sketche, die er mittels Filmmaterial aus den deutschen Edgar Wallace-Filmen der Rialto-Reihe zusammengezimmert hat...


Baby Otto trifft auf Klaus Kinski...

Nicht nur die halbe Filmwelt war begeistert von Carl Reiners Geniestreich „Tote tragen keine Karos“ mit Steve Martin in der Hauptrolle besetzt. Auch Otto Waalkes sympathisierte mit der dort umgesetzten Idee moderne Schauspieler auf Personen klassischer Filme treffen zu lassen. Inspiriert vom großen Vorbild drehte er über 10 Jahre später „Otto - Die Serie“, ein TV-Produkt, und baute sich in diverse Szenen der Rialto-Wallace-Reihe ein, die mit „Der Frosch mit der Maske“ 1959 ihren Anfang nahm.

Allein dass Otto Waalkes derjenige war, der sich an solch ein Projekt heranwagte, verursacht im Vorfeld bereits Bauchschmerzen, gehört der ostfriesische Komiker doch nicht gerade zu den einfallsreichen Männern seines Fachs. Bereits in Komödien wie „Otto - Der neue Film“ und Co bewies er, dass er sich immer wieder auf alte Lacher verließ, die ihm einst den Ruhm bescherten - und selbst mit denen kann ich wenig bis gar nichts anfangen.

Mit dieser Meinung mag ich vorbelastet sein, aber es tut mir leid, an „Otto - Die Serie“ gibt es nun wirklich nichts schön zu reden. Aus einer sympathisch klingenden Idee wurde ein verflixt mieses Werk. Nicht nur dass mich die typische Otto-Komik in ihrer alten, unkreativen Leier nervte, ihr würdeloser, inflationärer Umgang ließ es erst gar nicht zu, sich offen der innovativ klingenden Idee zu öffnen. Denn wo bleibt auf diese Art der Respekt vor der Vorlage? Otto bezieht sich meist nicht auf irgendwelche Wallace-Themen, er hat nicht vor diese in ihren Stärken oder Schwächen am Schopf zu packen und damit im Kern zu parodieren, nicht einmal in der Ausnahme. Sie dienen einzig der Pointenunterstützung für Ottos Kalauer.

Auch dies ginge noch halbwegs in Ordnung, wenn Mühe hinter dem Projekt zu erkennen wäre. Aber wenn fast jede klassische Szene neu synchronisiert wird, damit sie erst zur Pointenvorlge der Dialoge werden kann, dann ist das schon eine sehr dünne Nummer, die man mit jeder Art Füllstoff hätte umsetzen können. Dann hätte man z.B. nicht Ottos peinlichste Rolle, jene des Baby Otto, ausgerechnet frei jedweder Würde auf Klaus Kinski loslassen müssen, der bereits Probleme mit der Wallace-Reihe selbst hatte, so sehr wie er sich immer als Künstler der Schauspielerei sah. Was würde der sich wütend schnaubend im Grab umdrehen, wenn er sehen müsste, wie nach seinem Tod ehemaliges Filmmaterial dafür hergegeben wird, damit ein peinlich, herumkaspernder Mann in Babyklamotten seine dünnen Witzchen auf seine Kosten reißen kann?

Was lieblos mit jeglicher Neuvertonung der klassischen Wallace-Vorlagen beginnt, zeigt sich ebenso enttäuschend billig umgesetzt in dem Einsatz der Doubels, beispielsweise wenn Schauspieler der Wallace-Reihe mit neuen Personen bei Aufnahmen von hinten ersetzt werden müssen, damit Otto vor ihrer Nase herumkaspern darf. Ich will es mal so ausdrücken: selbst die 70er Jahre Schnellschuss-Produktion „Wir hau‘n die Pauker in die Pfanne“, die sich im selbigen Punkt ebenfalls keine große Mühe gab als sie Theo Lingen in einer Doppelrolle doubeln musste, hat bessere Doppelgänger vorzuweisen als Otto Waalkes mit all seinem vielen Geld bereit ist in seine TV-Sendung einzubauen.

In einem Projekt, in welchem die Liebe nur an sich selbst gerichtet ist, anstatt an die Vorbilder, die Leidenschaft vorhandene Idee umzusetzen oder die Freude den Zuschauer zu belustigen, da kann Komik nicht fruchten, erst Recht nicht wenn man eine wundervolle Filmreihe mit Füßen tritt anstatt sie zu ehren. Ich habe von Otto Waalkes nun nie viel gehalten, aber ich war naiv genug zu glauben, Otto hätte zumindest dieses Produkt nicht der schnellen Mark wegen gedreht. Wie man sieht habe ich mich diesbezüglich geirrt, so dass sich „Otto - Die Serie“ in die Schlange Ottos cineastischer Gehversuche einreihen kann, von der ebenfalls keines aufgrund einer guten Idee, einer erzählenswerten Geschichte oder dem Einbringen frischer Gags entstanden ist. Ob TV-Produkt oder Kino - das Ergebnis bleibt gleichermaßen enttäuschend.


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