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Samstag, 4. März 2017

LOCK THE DOORS - TRÜGERISCHE SICHERHEIT (2016 Stefan Peschmann)


Eine Babysitterin glaubt bedroht zu werden und ruft deswegen ihre Feundin an, sie möge ihr doch bitte beistehen. Zunächst glauben die beiden tatsächlich die Babysitterin hätte sich durch Nervosität alles nur eingebildet, aber recht bald merken sie, dass die Gefahr erschreckend real ist...


Der Babypuppenblutbrunnen...

Amateurfilmer ticken anders. Das meine ich nicht nur im sympathischen Sinne, wenn man diesen Leuten zugute halten muss dass sie in ihrer Freizeit einem kreativen und ungewöhnlichem Hobby nachgehen. Aus Cineastensicht ticken sie leider anders als die meisten Filmfreunde, liegen die Schwerpunkte die ihnen wichtig sind doch meist in den Quantitäten eines Filmes. Zudem gehen sie ihre Stoffe oft viel zu ernst an, anstatt den Spaß hinter der Kamera auch vor der Kamera stattfinden zu lassen. Okay, nun ist es nicht schlecht, wenn man sich auch einmal an ein ernstes Projekt heranwagt, und Stefan Peschmann, der unter dem Pseudonym Mr. Zito verantwortlich für „Lock the Doors - Trügerische Sicherheit“ ist, versucht im Gegensatz zu deutschen Amateurfilm-Gurken wie „Slasher“ und „Zombie 90 - Extreme Pestilence“ zumindest eine stimmige Atmosphäre zu schaffen, anstatt einzig auf die Schlachtplatte zu setzen.

Leider liegt ihm das Nachempfinden des Gefühlslebens seiner Protagonisten fern, was man spätestens am mangelnden Mitfühlen in mit übertrieben aufgesetzter trauriger Musik in der Szene mit dem Baby im Keller feststellen muss. Das Zelebrieren von Bluteffekten und das Einhalten von Horrorfilm-Klischees sind auch ihm wichtiger, was viel vom vorhandenen Potential der gar nicht mal schlecht eingesetzten Atmosphäre einbüßt. Auch wenn es lange dauert bis gemetzelt wird, geschieht dies hält die Kamera auf die meist schlicht und durchschaubar umgesetzten Spezialeffekte viel zu lang drauf, während Peschmann krampfhaft versucht Grenzen einzureißen und mit diesen Szenen zu provozieren.

Scheinbar gehört dies zu einem deutschen Amateur-Horror dazu, leider, aber „Lock the Doors“ hat durchaus seine Qualitäten. So ist z.B. die Musikuntermalung sehr stimmig gewählt, nur selten taucht der sonst gern so inflationär eingesetzte Hardrock auf. Meist begleitet den Film spannungsgeladene Musik, die der Regisseur zwar aufdringlicher einbaut als es eine professionelle Produktion tun würde, aufgrund der zwingend mit dem Amateurfilm-Genre einhergehenden Schwächen tut das einem selbstgedrehten Film im Gegensatz zu einer Kinoproduktion meiner Meinung nach jedoch gut.

Ohnehin liebt es Peschmann mit der Akustik zu spielen. Sein Einsatz von Telefongeräuschen oder die wundervolle Idee das Echo der Hilfeschreie eines Opfers mit in der nächsten Szene ertönen zu lassen, weiß zu gefallen. Auch kleine Nebensächlichkeiten, die das zu verkrampft geratene Grundgeschehen auflockern, tun gut, so z.B. die kurze Aufnahme, in welcher die Heldin mit den Füßen in der Luft wackelnd ihre kitschigen Pantoffeln beobachtet. Mehr solcher individuellen Ticks hätten dem Streifen gut getan.

Denn leider guckt sich „Lock the Doors“ viel zu formelhaft und gehorcht inhaltlich zu sehr den Regeln des Genres, ohne sich um die Entfaltung der Figuren zu kümmern. Das ist ein schwieriger Aspekt, und hier besprochener Film kein professionelles Werk, ich weiß, aber das abgefilmte Treiben etwas natürlicher nachzuempfinden wäre der Mühe wert, was jedoch leider keiner der hier agierenden Beteiligten vor oder hinter der Kamera erkennen lässt. So bemüht sich die zwei wichtigsten weiblichen Darstellerinnen auch geben, die vom Drehbuch vorgegebenen gestelzten Dialoge geben ihnen keine Chance. Was hier geredet wird, entspricht keinem Dialog den Menschen im wirklichen Leben aussprechen würden. Dass selbiges für manche Verhaltensweise gilt, insbesondere der des Psychokillers, geht aufgrund der Verpflichtungen sich an Horrorfilmgesetze zu halten halbwegs in Ordnung.

Dass der eigentliche Plot ziemlich unsinnig ist, je mehr man sich Richtung Ende neigt, ist ein Schwachpunkt den man bei einem mit so viel Herzblut angegangenen privaten Projekt gütigst übersieht, auch wenn es einem manches Mal, wenn es ganz besonders blödsinnig wird, doch etwas schwer fällt. Bedenklich ist, dass es eigentlich der Psychopath ist, der den logischsten Satz von allen Figuren im Film äußert: „Wann hast Du eigentlich das letzte Mal nach dem Baby gesehen?“ Das schaut sich um so witziger, als dass die Heldin einige Zeit zuvor noch betonte, wie sehr sie sich für das zu beschützende Kind im Extremfall aufopfern würde. Im Gegensatz zu kleinen selbstkritischen Bemerkungen über C-Filme am Rande, ist dies jedoch nicht freiwillig komisch gemeint. Ohnehin ist bis auf besagte Metaverweise (zu welchen auch besagter Satz des Psychopathen gehört, ich weiß) alles streng der Ernsthaftigkeit unterworfen.

Generell mag ich „Lock the Doors“ trotz aller Schwachpunkte, wenn auch eher theoretisch aufgrund der lobenswerten Bemühungen. Was aber leider komplett gegen eine bessere Bewertung arbeitet, ist der ewige Zwang ein solches Werk unbedingt auf 90 Minuten trimmen zu müssen. Das kann bereits einem abwechlungsreicheren Plot schaden, wenn aber die simple Geschichte sich immer wieder im Kreis dreht und man nur so wenige Personen ins Geschehen setzt wie hier geschehen, dann kommt man ohne dehnendes Füllmaterial nicht aus. Und so sehr Peschmann auch versucht solche Szenen nicht als solche wirken zu lassen, sie sind da und dies zuhauf, und das nervt dann doch auf Dauer etwas zu sehr. Ich weiß nicht was gegen 75 Minuten Laufzeit spricht. Charles Band hat als professioneller Billigfilmer damit auch keine Probleme und hat trotzdem genügend finanziellen Erfolg um immer so weiter zu machen.


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