Sonntag, 19. März 2017

FANTOMAS (Fantômas 1964 André Hunebelle)


Der Supergauner Fantomas treibt in Frankreich sein Unwesen. Keiner weiß wer hinter der Identität des maskierten und Gesichter imitierenden Schurken steckt. Deswegen erfindet der Reporter Fandor ein angebliches Interview mit ihm und landet damit einen Knüller. Damit rückt er jedoch ins Visier des Superverbrechers, der sich beleidigt fühlt. Und auch der ermittelnde Kommissar Juve wird misstrauig gegenüber Fandor und vermutet ihn als Fantomas, was der echte Fantomas geschickt auszunutzen weiß, um sich an dem Reporter zu rächen...


Der erste Darkman...

Fantomas treibt im französischen Kino bereits seit der Stummfilmzeit sein Unwesen. Dem 1913 erschienenden „Fantômas - Im Schatten der Guillotine“ folgten bis 1914 drei Fortsetzungen, 1947 gab es eine erste vertonte Umsetzung, die sich des Themas erneut auf ernstere Art näherte, bevor die dreiteilige „Fantomas“-Reihe der 60er Jahre sich des Themas komödiantisch annahm, eine Herangehensweise, welcher sich auch die in den 80er Jahren erschienende TV-Mini-Serie „Fantomas“ von Claude Chabrol bediente. In Deutschland kennt man eigentlich nur die drei Louis de Funès-Filme, die mit dem hier besprochenen „Fantomas“ ihren Anfang nahmen.

Ob man die Filme auch ohne das Mitwirken des berühmten Komikers heute noch kennen würde, ist schwer zu beurteilen, wurde man zur Erscheinungszeit doch mit allerhand James Bond-ähnlichen Stoffen und Superschurken zugeschmissen. Mit den „Dr. Mabuse“-Filmen hatte man in Deutschland gar eine Kinoreihe am Start, die deutliche Parallelen zu Fantomas aufwiesen, und deren cineastische Wurzeln ebenfalls in der Stummfilmzeit entstanden. Ob „Fantomas“ von André Hunebelle also im Meer derartiger Erscheinungen irgendwann untergegangen bzw. in Vergessenheit geraten wäre oder nicht, bleibt zwar reine Spekulation, man wird aber wohl behaupten dürfen, dass das Mitwirken de Funès‘ ihm bei seinem Bekanntheitsstatus deutlich geholfen hat.

Fans des Komikers werden glücklich mit dem Mann, obwohl er sich den Schauplatz mit dem Helden der Geschichte teilen muss und somit nicht klassisch der Alleingänger im Zentrum ist. Das macht de Funès durch sein wildes Gezappel jedoch wieder wett, womit er jegliche Aufmerksamkeit auf sich zieht. Mir war sein Spiel dieses Mal ein wenig zu viel des wilden Herumgehampels, aber mein Glück war es, dass die kühner umgesetzte Rahmenstory ihn auf andere Weise bremste, so dass ich es trotzdem mit einem sympathischen Film zu tun hatte. Freilich hat mich auch de Funès belustigt und nicht nur genervt, also bitte nicht falsch verstehen, aber ich bin glücklich, dass Hunebelle nicht einzig auf dessen Komik baute, sondern dass ihm auch die Thematik um einen anonymen, Gesichter wechselnden Superschurken wichtig war.

Dieser ist so sehr mit Rache beschäftigt, dass wir sein wahres Genie und seine theoretisch viel weitreichendere Macht und Möglichkeiten gar nicht richtig kennen lernen dürfen. Aber genau mit diesem Schachzug gelingt es Hunebelle die Geschichte an der richtigen Stelle zu packen, jene des Hochmutes eines jeden Superschurken, welches ihm fast zum Verhängnis wird. Fast, das erkennt man am Schluss, wenn die Geschichte ohne abschließendes Ergebnis beendet wird und man dadurch erfährt, dass „Fantomas“ von Beginn an als Mehrteiler geplant war. Im Abstand von jeweils einem Jahr kam es dann schließlich noch zu zwei Fortsetzungen bei gleicher Besetzung und gleichem Regisseur.

Das erste Abenteuer um den maskierten Superverbrecher kann sich sehen lassen, gerät zwar nicht zum großen Hit den man zwingend gesehen haben muss, aber er weiß mit seiner verschmitzten und verspielten Art zu amüsieren und bietet neben allerlei Slapstick und Parodiemöglichkeiten auch manchen anderweitigen Sehwert, so z.B. ein toll inszenierte Fahrt mit einem Auto ohne funktionierende Bremse, bei welcher man angespannt den Atem anhält. Zum Ende hin präsentiert man uns eine ebenso brisant umgesetzte Verfolgungsjagd, die zwar einen kleinen Touch kürzer hätte ausfallen können, aber für einen Stoff mit Hauptaugenmerk auf die Komik unerwartet aufregende Momente zu bieten hat.

Sehr angetan war ich zudem von einer Flucht Fantomas in der Maskerade des Fandor, bei welcher Schauspieler Jean Marais persönlich einen Stunt ausführte, bei welchem er von der Leiter eines in die Lüfte steigenden Hubschraubers aus seinem Verfolger zuwinkt und daraufhin die Leiter weiter hinaufsteigt, bis er schließlich in den durch den Aufstieg immer kleiner werdenden Hubschrauber hineinklettert. Die Kamerafahrt macht deutlich, dass klassische Schutzmaßnahmen auf solch großem Raum wohl kaum vorgenommen werden konnten. Hut ab!

Ob das den Aufwand wirklich wert war weiß ich nicht, für mich guckt sich „Fantomas“ eher wie der sympathische Sonntagsnachmittagsfilm für zwischendurch, die aufgezählten Szenen selbst sind in dieser aufregend umgesetzten Art aber freilich dennoch atemberaubend umgesetzt. Noch ist thematisch vieles möglich, was die hier erzählte Geschichte noch nicht hat zulassen können. Ich hoffe in den Fortsetzungen darauf, dass man mehr von der Macht und dem Spielraum Fantomas kennen lernt und seine weitreichenderen Taten, wie das Abstürzenlassen von Flugzeugen, nicht nur in Erzählungen mitgeteilt bekommt. Aber selbst wenn es nicht so weit kommen sollte: wenn die Fortsetzungen so solide umgesetzt sind wie dieser erste Teil, dann bin ich auf schlichte Art bereits damit zufrieden gestellt.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen