Freitag, 17. Februar 2017

ZWEI IRRE SPASSVÖGEL (Les Compères 1983 Francis Veber )


Die Mutter des mit einem Mädchen ausgerissenen, 17 jährigen Tristan ist verzweifelt, glaubt sie doch nicht, dass die Polizei ernsthaft nach ihrem Sohn sucht. Also erzählt sie zwei Verflossenen dass es sich bei dem Kind um das Ihrige handeln würde, damit sie als Vater motiviert den Jungen suchen...


Der Junge mit den drei Vätern...

Zwischen ihren gemeinsamen Filmen „Ein Tolpatsch kommt selten allein“ und „Zwei irre Typen auf der Flucht“ ließ Francis Veber Pierre Richard und Gèrard Depardieu auch in „Zwei irre Spaßvögel“ miteinander agieren, den einen als selbstmordgefährdeten Sensiblen eingesetzt, den anderen als schlagfertigen Schnüffler. Letzteren als Journalist zu fragen, der es selbst mit den größten Ganoven der Welt aufnimmt, macht Sinn. Warum Tristans Mutter nach dessen Verweigerung auf den labilen Francois zurückgreift, bleibt die grundlegende Unlogik der Geschichte, ohne welche sie jedoch nicht funktionieren würde, so dass dieser Schwachpunkt damit verziehen sei.

Wo sonst der von mir so geschätzte Pierre Richard in diesem Duo die Nase vorn hat, da ist es, unterfordert wie Richard mangels Trottelmomente diesmal ist, Gèrard Depardieu der dieses eine Mal positiver hervorragt. Generell stehen sie sich sowieso in nichts nach und harmonieren bzw. disharmonieren wunderbar zusammen, weswegen ich mir mehr als diese drei gemeinsamen Projekte mit ihnen gewünscht hätte, es ist quasi eine subjektive Sympathie die mich stets Richard bevorzugen lässt. Aber die leisen Zwischentöne, mit denen Depardieu zwischen verärgert und beleidigt diesmal den stolzen Papa mimt, bzw. das stille Wachsen dieser Position innerhalb seines ruppigen Charakters, ist herzzereißend gespielt und schenkt der Komödie, gerade gegen Ende, jene sensiblen Momente, von denen später „Mein Vater, der Held“ einen großen Teil seiner Kraft zehren sollte.

Im direkten Vergleich ist „Zwei irre Spaßvögel“ der schwächeste der drei Filme geworden. Er guckt sich nicht so sprudelnd komisch wie der erste und nicht so grundlegend emotional wie der dritte, aber er zieht die Stärke aus seiner Geschichte und aus dem gern unterschätzten Gefühl des Vaterstolzes und schafft es, trotz der wenigen gemeinsamen Momente, aus dem männlichen Trio eine glaubwürdige Einheit zu bilden, was nach der langen Dauer des aneinander vorbei Suchens und der ewigen Teenagerbockigkeit weit weniger Laufzeit in Anspruch nimmt, als normaler Weise mötig gewesen wäre, um glaubwürdig zu sein. Hieran erkennt man Vebers enormes Können.

Auch das Drehbuch ist bemerkenswert zu nennen, schafft es doch das arg konstruierte Grundszenario möglichst natürlich umzusetzen, ohne lediglich auf die Ausrede Komödie bauen zu müssen, und arbeitet es doch parallele Stoffe stets gekonnt mit ein, sei es die recht kurze Phase, in welcher beide Väter zusammen arbeiten, ohne zu wissen den selben Sohn zu suchen, oder sei es die Kriminalgeschichte gegen Ende, welche die Rolle Pierre Richards in einer völlig anderen Wahrnehmung erlebt als die Rolle Gèrard Depardieus. Mag es also auch nicht so urkomisch oder hochemotional hergehen wie in den Vergleichsfilmen, „Les Compères“ (Originaltitel) besitzt von beidem genug um zu funktionieren, so dass einer Empfehlung auch diesmal nichts im Weg steht.


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