Dienstag, 14. Februar 2017

THE FOG - NEBEL DES GRAUENS (The Fog 2005 Rupert Wainwright)


Die Gründungsväter eines Küstendorfes betrogen einst Leprakranke um ihr Recht, raubten deren Vermögen und verbrannten die Kranken auf offener See, um mit dem geraubten Geld ihre Stadt aufzubauen. 100 Jahre später kommen die Toten auf einem Geisterschiff im dichten Nebel angereist, um Rache an den Nachfahren ihrer Mörder zu nehmen...


Geisterrache mit lautem Tamtam...

Dass John Carpenter als Produzent mit an Bord war, ebenso wie die damalige Produzentin Deborah Hill, schien nicht viel Einfluss auf das Remake von „The Fog - Nebel des Grauens“ gehabt zu haben, ist er doch das typisch blankpolierte, aufgepeppte Produkt geworden, wovor es jedem Horror-Fan bei dem Begriff Neuverfilmung fröstelt. Ich bin nun keiner jener Cineasten, die grundsätzlich gegen Remakes und Fortsetzungen schimpfen, kann ein Original doch nie geschädigt werden und ist es doch meist zumindest einen Versuch etwas Altes anders aufleben zu lassen. Ich gehe da immer recht offen heran, auch wenn es sich um neue Versionen besonders kultisch verehrter Stoffe handelt. Rupert Wainwrights „The Fog - Nebel des Grauens“ will in meinen Augen aber so gar nichts Besonderes werden, egal wie sehr er sich dafür auch abstrampelt. Es ist ein Produkt voll von Fehlentscheidungen, falschen Schwerpunkten und vergeigter Möglichkeiten.

Wenn ich mir das so wundervoll wirkende Geisterschiff im Nebel anschaue (ein leider viel zu kurzer Moment) und wenn ich auf die für den eigentlichen Film unpassende, aber dennoch recht hübsch geratene, Szene zurückblicke, in welcher eine Frau nach einem Autounfall mit unheimlich wirkenden Seegeistern unter Wasser konfrontiert wird, dann wird mir bewusst welche Möglichkeiten es mit der heutigen Technik gegeben hätte etwas Besonderes aus der Zweitverfilmung von Carpenters Ur-Grusler zu zaubern. Doch „Fog“ (Alternativtitel) ist ein typisches Produkt von Produzentenentscheidungen, die den sichersten Weg gehen wollen es jeder Form von Zielpublikum recht zu machen, und das schadet dem Film ungemein, zumal es ihn wirr und sinnlos erscheinen lässt, bei all den Kompromissen die gemacht werden mussten.

Auch das Original wurde von Produzentenseite mit Nachdrehs beordert, Szenen die durch Carpenters gekonnt stimmige Umsetzung dem Werk jedoch nicht schaden konnten. Wainwrights Film scheint jedoch ein Produzentenfilm von Anfang an zu sein, ist doch so ziemlich alles verwässert was es zu verwässern gibt. Der Quotenschwarze mit seiner lockeren, leicht Gangster angereicherten Art will trotz aller Moderne die den Film umgibt weder in den Ort noch ins Szenario passen. Die unheilbringenden, vorwarnenden Omen werden nun bereichert durch Visionen, welche nur unsinnig und zufällig erscheinen und einzig dem Zweck dienen, es dem Drehbuch einfacher zu machen den Protagonisten beim Begreifen der Dinge zu helfen.

Das Einbringen der Visionen steht jedoch noch für eine weitere Fehlentscheidung der Neuverfilmung. Das vorwarnende Unheilvolle im Original, wurde von allen Figuren des Filmes als solches begriffen. Es gab keine Zweifel am Übernatürlichen, und das war einer der wirkungsreichen Grusel-Grundeckpfeiler, welches einem solch ein Unbehagen bescherte. Die Figuren im Remake sind im Gegensatz dazu so ziemlich alle ahnungslos, großteils bis zum Schluss, vertrauen den Visionen der Frau nicht, stolpern dementsprechend unvorbereitet durch ein Szenario, welches in seiner Abfolge dennoch den Geschehnissen des Originalfilmes in seiner Reihenfolge gleicht, was gar keinen Sinn ergibt, da hier niemand überlegt handelt. Jeder folgt seiner Intuition.

Dementsprechend ist es oftmals unsinnig Szenen aus dem Original zu entnehmen, weil diese in der Neuversion keinen Sinn ergeben. Die Moderatorin des Originalfilmes konnte ihren Leuchtturm nicht verlassen und flehte deswegen um Hilfe für ihren Sohn per Radiosendung. Die Parallelfigur im Remake macht selbiges, obwohl sie kurz danach mit dem Auto selbst losfährt. So als hätte sie zuvor geahnt, dass sie einen Autounfall bauen wird und deswegen ihren Sohn nicht erreichen kann. Der wird stattdessen ohne wahre Beweggründe und ohne zur zweifelhaften Charakterisierung der männlichen Hauptfigur zu passen, von dem Heldenpaar aufgegabelt. Und wem das an Unsinn noch nicht reicht: die Radiomoderatorin hatte, im Gegensatz zur Parallelfigur im Original, gar keinen Grund Angst um ihren Sohn zu haben. Auch hier war lediglich weibliche Intuition im Spiel. Ein Freudenfilm für Esoteriker, die keinerlei logische Zusammenhänge benötigen, um sich unterhalten zu lassen.

Leider besteht der komplette Film aus solchen Unsinnigkeiten. Einzelszenen in einem sonst halbwegs nachvollziehbarem Komplettpaket hätte man ihre wackelige, unsinnige Art sicher verzeihen können. Aber „The Fog - Nebel des Grauens“ ist ein Produkt das bereits logisch ins Wanken gerät, noch bevor man nachzudenken beginnt. Stets werden einem die Widersprüche und Unsinnigkeiten regelrecht auf die Nase gedrückt. Und das einzige was Wainwright im Kampf gegen sie unternimmt, ist mit wuchtigen Spezialeffekten dagegen zu halten. Alles was im Original still und ruhig angegangen wurde, und da sprechen wir von keinem subtilen Film, kommt im Remake mit einem lauten Karacho daher.

Morde werden regelrecht zelebriert, die Geschichte der Vergangenheit von einem hinterlistigen Trick auf ein riesiges Massaker aufgeschaukelt. Und der Nebel, der in seiner schleichenden Art wie ein fremdes Wesen im Original wirkte, bekommt hier Eigenschaften des „Blob“ zugeschrieben, verdünnisiert sich sogar einmal schurkisch, kurz nachdem er unten durch die Türritze hindurchgewandert ist, als sich jemand unverhofft besagter Tür nähert. Der Nebel greift nach Opfern, zieht sie in seinen Sog, während er an anderer Stelle wie ein ätzender, chemischer Stoff agiert. Ohnehin sterben die Menschen auf unterschiedlichste Art, ohne dass ein Muster zu erkennen wäre.

Pflichtopfer der Rache wegen und zufällig Ermorderte werden bunt durcheinander gewirbelt, so dass die Frage nach Schuld oder Unschuld kaum noch gestellt wird. Ein kitschiger Überraschungsmoment stößt den Zuschauer im Finale gerade bei der Schuldfrage nun komplett vor den Kopf. Es ist nicht so dass die Heldin, die ebenfalls Nachfahre eines Mörders war, verschont bliebe, aber sie regelt die Dinge auf ihre Art, und das wird dann auch gleich zum Tiefpunkt eines Filmes, den man in seiner kompletten Laufzeit ohnehin nie ernst nehmen konnte.

Man muss schon viel Unsinniges ignorieren können, oder Zusammenhänge grundsätzlich nicht verstehen können, um von „The Fog - Nebel des Grauens“ unterhalten werden zu können. Würde der Film lediglich aus Momentaufnahmen bestehen, so als hätte es die drei Minuten vor und nach jeglicher Szene nie gegeben, dann könnte das Remake funktionieren. Wainwrights „Stigmata“ war nun kein Vorzeige-Horrorwerk und hat ebenfalls gerne mit Schauwerten gespielt, aber er war zumindest ein gelungenes Stück Routinekost. Das kann man vom hier besprochenen Remake Carpenters Klassiker jedoch so gar nicht behaupten. Was Wainwright dazu prädestiniert haben mag Regisseur der Neuverfilmung zu werden, wird mir ohnehin nicht klar. Seinen besten Film hat er meiner Meinung nach mit „Mac Millionär“ abgeliefert, und das war eine Komödie, die halbwegs angenehm im Fahrwasser von „Kevin - Allein zu Haus“ mitgeschwommen ist. Wahrscheinlich war es aber ohnehin egal wer Regisseur dieses missglückten, aufgebauschten Remakes wird, schaut er sich doch, wie eingangs bereits erwähnt, ohnehin wie ein Produzentenfilm.


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