Dienstag, 14. Februar 2017

THE FOG - NEBEL DES GRAUENS (The Fog 1980 John Carpenter)


Kurz vor der Feier zum 100. Geburtstag der Küstenstadt Antonio Bay entdeckt der Pfarrer des Ortes ein Tagebuch seines Vorgängers zu Gründungszeiten der Stadt, und erfährt dadurch, dass einst absichtlich eine Gruppe Leprakranker, die über das Meer kamen, in den Tod geschickt wurden, damit von deren Reichtümern die Stadt erbaut werden konnte. Nun 100 Jahre später kehren die Toten zurück um sich zu rächen...


Das Buch in den Mauern...

Ich verstehe nicht, warum Carpenter seine Gruselgeschichte nach der Geisterstunde abbricht, um sie in der kommenden Nacht zu einer willkürlichen Uhrzeit wieder einzusetzen. Der Film hätte doch auch einzig in einer Nacht spielen können. Ich verstehe nicht, warum er der Geschichte um die Wiederkehrer so viele zusätzliche böse Omen in Form von Spukereignissen beschert, zumal die Rückkehrer und gerade ihre Waffen körperliche Gewalten sind und keine reinen Spukerscheinisse. Ich verstehe nicht warum aus solch eher willkürlich wirkenden Bausteinen ein solch großartiger Film werden konnte. Ist Carpenters spannungsgeladener Kultstreifen aufgrund dieser Entscheidungen so gut ausgefallen, oder konnten die guten Elemente diesen theoretischen Fehlentscheidungen trotzen? Ich weiß es nicht, ich weiß nur dass „The Fog - Nebel des Grauens“ blendend funktioniert.

Eine Spukgeschichte mit einer Gruselgeschichte am Lagerfeuer zu beginnen, und diese ganz für sich wirken zu lassen ohne Rahmengeschichte oder einem plötzlich aus dem Gebüsch hüpfendem Angstmacher, beweist bereits dass Carpenter in die richtige Richtung denkt, weiß doch bereits diese Einleitung in ihrer recht naiven Art zu gruseln, so toll vorgetragen wie sie ist, und so sehr wie sie uns den Grundstein wohligen Gruselns präsentiert. Auch die lange Vorphase die der Einleitung folgt weiß in ihrem Mix aus Figurenvorstellung/vertiefung und dem Einbringen diverser warnenden Omen zu gefallen. Die Parallelereignisse sind alle so interessant ausgefallen wie ihre recht nüchtern vorgestellten Personen. Hokuspokus mixt sich mit Sachlichkeit, und das langsame Zusammenflicken der einzelnen Situationen und Erkenntnisse geht gekonnt und glaubwürdig vonstatten, zumal vieles bis zum Schluss parallel geschieht und nicht immer am Ende eine Einheit erhält.

Die bösen Omen, die Erkenntnis dass der Nebel gegen die Windrichtung wandert, der so positiv unecht wirkende, grelle Nebel, das alles weiß zu beunruhigen, noch bevor die Rächer ihre erste Tat vollbringen. Die Grundstimmung ist gesetzt, und wenn das eigentliche Geschehen ins Zentrum tritt, bleibt „The Fog“ so stimmig wie in seiner Vorphase, nutzt Carpenter den Nebel doch wahrlich um zu gruseln und nicht einzig um kostengünstig optisch zu verschleiern. Dass die Geister der Vergangenheit im Nebel nie ganz deutlich zu sehen sind ist sogar ein Pluspunkt des Streifens. Einzig ihre Ärmchen dringen hin und wieder durch Fensterscheiben.

Dass dies weniger an „Die Nacht der lebenden Toten“ als vielmehr an Amando de Ossorios reitende Leichen erinnert, liegt u.a. daran, dass sich Carpenters zusammen mit Deborah Hill geschriebene Geschichte ohnehin wie der Zusammenschluss aus „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ und „Das Geisterschiff der reitenden Leichen“ anhört, nur dass es Carpenter im Gegensatz zu dem Spanier gelungen ist, einen wahrhaft spannenden Film zu zaubern, während die reitenden Leichen trotz stimmiger Momente stets mehr zum Schmunzeln als zum Gruseln einluden. Interessanter Weise ist Carpenters Film nicht viel weniger naiv ausgefallen als die spanischen Vergleichswerke, der Unterschied in Sachen Wirkung könnte trotzdem größer nicht sein.

Wenn die Radiomoderatorin vom Leuchtturm aus die letzten nichtbenebelten Straßen Antonio Bays durchgibt und damit zum Navi der letzten Flüchtenden wird, ist „The Fog - Nebel des Grauens“ auch in den rasanteren Szenen auf einem Spannungshoch angekommen. Auf der Zielgeraden wird immer klarer worauf es die Geschichte abgesehen hat, sie beinhaltet keine Überraschungen mehr, und diese benötigt sie auch nicht mehr, werden die Rächer, die im unheimlichen Nebel agieren, doch nun zum Selbstläufer. Und das ist wohl das beste was einem Horrorfilm geschehen kann, dass im Hoch der Geschichte einzig sein Aggressor für Interesse und blank liegende Nerven sorgt.

Wie gesagt, viele Entscheidungen John Carpenters verstehe ich nicht, ebenso die etwas ruppige Entscheidung dass der Pfarrer am Ende doch noch ein weiteres Mal von den Rächern aufgesucht wird, aber es funktioniert. „The Fog - Nebel des Grauens“ ist nun einmal zu einem Carpenter-Hoch entstanden, und da hat der gute Mann wirklich nur brillante Filme abgeliefert. Das Zusammenspiel von Dunkelheit, Musik, der bösen Omen, der Figurenkonstellation und das Puzzle dass sich mit der Zeit zusammenfügt in Kombination mit dem titelgebenden Nebel und den unheimlichen, kaum sichtbaren Wesen die in ihm mörderisch lauern und agieren, das weiß im Entfachen und Erhalten einer spannungsgeladenen Atmosphäre einfach bestens zu unterhalten.


Weitere Reviews zum Film: 

1 Kommentar:

  1. Oh ja, tatsächlich einer der richtig guten vom ollen Carpenter. Den sollte ich auch mal wieder schauen.

    AntwortenLöschen