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Dienstag, 28. Februar 2017

PREDATORS (2010 Nimród Antal)


Mehrere kampferfahrene Menschen erwachen auf einem fremden Planeten und merken recht bald, dass sie hier sind um gejagt zu werden. Der Überlebenskampf beginnt gegen einen Gegner, über den man nichts weiß...


Predator vs. Predator...

Warum sich „Predators“ der Einstiegssituation von „Cube“ bedient, verstehe ich nicht, beginnt der Film doch allein damit sehr konstruiert und unsinnig. Da es ohnehin nur um den Überlebenskampf in einem Dschungel geht, der zudem fast nur aus Pflanzen besteht, wie es sie auch auf der Erde gibt, hätte der dritte Teil der „Predator“-Reihe auch gleich auf unserem Planeten spielen können. Ich kann zwar aus Produzentensicht verstehen, dass mehr Menschen ins Kino laufen, wenn die Fortsetzung den Aufhänger besitzt auf einem fremden Planeten zu spielen, oder, wie oft falsch angekündigt, auf dem Planeten der Predatoren, aber da hätte es viele andere inhaltliche Ansätze gegeben eine Geschichte über des „Alien“-Fan zweitliebste Kreatur außerhalb der Erde spielen zu lassen, und von denen, das wage ich zu behaupten, wären die meisten kreativer ausgefallen.

Kreativ war man bereits in „Predator 2“ nicht, der ziemlich lahm auf den Erfolg des Schwarzenegger-Filmes aufstieg, ohne dessen Reiz verstanden zu haben. So braucht es trotz der Begeisterung um die titelgebende Kreatur auch nicht verwundern, dass das Kino-Franchise, von den Spin-Offs „Alien vs. Predator“ und „Aliens vs. Predator 2“ einmal abgesehen, erst 20 Jahre später eine weitere Fortsetzung beschert bekommen hat. Nun ist „Predators“ leider zu einer Zeit entstanden, in welcher die großen Blockbuster unkreativer denn je ausfallen. Gerade wenn alte Erfolge neu aufploiert werden, dann setzt man auf Nummer Sicher und erzählt selbst angebliche Fortsetzungen eher als Remakes.

Und so sehr „Predators“ mit seiner anderen Welt und dem ungewöhnlichen Aufhänger, ja sogar mit einem deutlichen Benennen der Ereignisse aus Teil 1 (Teil 2 wird ignoriert), auch davon ablenken will, eigentlich stielt er das Szenario des ersten Teils, den Überlebenskampf im Dschungel gegen einen außerirdischen Jäger, auch wenn die Geschichte aufgrund des anderen Spielortes und der veränderten Situation nicht so minimalistisch ausfällt wie im Original. Gerade dies ist schade. Wenn schon Teil 1 kopieren, dann hätte man doch gerade das Minimalistische mitkopieren sollen, was dem Film erst den letzten Schliff bescherte. Aber das ist im Mainstream-Kino großer Blockbuster-Werke heutiger Zeiten nicht möglich, das stets von größer, lauter, schneller lebt.

Vielleicht kann man sich deswegen glücklich schätzen, dass „Predator 3“ (Alternativtitel) zumindest letztgenannte Pflicht ignoriert, ist er doch recht langsam erzählt, zumindest für einen Blockbuster aus den 10er Jahren des laufenden Jahrhunderts. Wer Spaß mit der zweiten Fortsetzung haben will, der muss einiges an Unsinn ignorieren können, strotzt die Geschichte doch nur so von nicht durchdachten Geschehnissen und Handlungsweisen, von Widersprüchen in der Geschichte und von grundlegendem mangelndem psychologischem Verständnis.

Den größten Bock schießt man gleich zu Beginn, wenn eine Person nach einem Feuerangriff von einer anderen Person wegläuft, um sich zu verstecken, und die selbe Person, von der er sich entfernt hat, sich bereits im Versteck befindet. Wie kann einem solch ein grober Schnitzer nicht auffallen bevor der Film dem breiten Publikum zugänglich gemacht wird? Solche Szenen wären eher typisch für Komödien wie „Die nackte Kanone“, sind dort aber zumindest beabsichtigt um sich über das Medium Kino lustig zu machen. In „Predators“ kann man das nur noch als peinlich bezeichnen.

Kann man über die vielen Idiotien hinweg sehen, was mir persönlich sehr schwer fällt, dann kann man jedoch recht okay unterhalten werden. Regisseur Nimród Antal bewies bereits mit „Motel“ das er Stoffen mit wackelnder Logik einen spannenden Stempel aufdrücken kann. Zwar erschafft er hier nicht solch eine dichte Atmosphäre wie dort, was aber auch daran liegt dass die „Predator“-Reihe stets mit dem Genre der Action verbunden war, aber zumindest ist das Ganze recht stimmig inszeniert. Professioneller würde die ganze Chose sicher wirken, wenn man das hohe Talent, welches die beiden Schauspieler Topher Grace und Adrien Brody besitzen, ebenfalls zu den Vorteilen des Filmes zählen könnte, aber wer sie nur aus „Predators“ kennt, würde nie erkennen, dass diese beiden Mimen mehr können als ihre Sätze aufzusagen.

Somit ist es eigentlich egal ob hier wer talentiert oder weniger talentiert ist, andererseits zieht hier zumindest niemand mangelnden Talents das Niveau nach unten, ein Aspekt unter dem „Terminator 5 - Genysis“ gelitten hat bei all seinen mauen bis schlechten Schauspielern. Die Akteure in „Predators“ sind alles Profis ihres Fachs und verkörpern ihre Figuren zumindest so glaubwürdig wie das Drehbuch es zulässt. Die wahren Schwächen sind dort zu suchen. Ein Charakter, der am Ende des Filmes nicht das ist, was er zu Anfang zu sein schien, ergibt aufgrund der Motivation seines Überlebenswillen rückblickend strategisch zu Beginn des Filmes keinen Sinn, so dass diese Randerscheinung, wie so oft im modernen Blockbuster, sich einzig auf den Überraschungeffekt am Ende konzentriert, für ein Publikum, das nicht zurückschaut und hinterfragt ob die Aufdeckung der Wahrheit auch kompatibel mit den Geschehnissen zuvor war.

Auch sonst lässt das Drehbuch die Glaubwürdigkeit seiner Figuren oft wanken. Da besitzten Kriegserfahrene Strategien um an Informationen zu gelangen, durchschauen Fallen und wissen wie man den Predatoren die Jagd erschwert, aber auf wichtige Hinweise, wie dem sehr entscheidenden leise zu flüstern, um von einer Schwäche des Gegners zu profitieren, um nicht entdeckt zu werden, scheißt man, selbst eine Minute nachdem man diesen Tipp erhalten hat. Dem Blockbuster-Publikum hätte man scheinbar einen geflüsterten Restfilm nicht zutrauen können, das würde mehr Konzentration vom Zuschauer erfordern.

So reiht sich allerlei Unsinn innerhalb eines gedankenlosen Plots aneinander, dass man sich tatsächlich wundern darf, wie es Antal trotzdem schaffte den großen Crash zu umgehen und trotzdem etwas halbwegs Unterhaltsames auf die Beine zu stellen. Trotz fehlender Sympathie sind einem die Figuren schließlich nicht egal. Stets ist man mittendrin im Geschehen, und von einer Phase kurz nach dem Ausstieg des Gastauftritts von Laurence Fishburne einmal abgesehen, in welcher die Story kurz ereignislos actionreich auf der Stelle tritt, kommt auch nie Langeweile oder Stillstand auf. Das liegt meiner Meinung daran, dass man, ähnlich wie bei „Outpost - Zum Kämpfen geboren“, stets an der Strategie und den Diskussionen der Truppe teilnimmt. Probleme werden gelöst, und wir sind nicht erst bei der Ausführung dabei, sondern bereits bei der Planung. Das verbindet einen mit den Protagonisten und macht aus einem theoretisch eintönigen Szenario eine Geschichte zum Miterleben.

Dass dies bei „Predators“ funktioniert, verwundert schon, bei all den Unsinnigkeiten, die uns hier als Strategie und Diskussion vorgesetzt werden, aber dem ist so. Daraus erntet man zwar keine Empfehlung oder einen astrein laufenden Unterhaltungsfilm, aber man reitet den Film damit trotz übler Produzentenentscheidungen zumindest nicht in die Scheiße. Auch Quantitäten wissen zu helfen. So kann man z.B. nicht über die Kreaturen- und Spezialeffekte meckern, die bei einem Blockbuster dieses Kalibers freilich neben den Schauspielerkosten das meiste Geld verschlungen haben. Aber das sind alles keine Aspekte die einen guten Film ausmachen, so dass „Predators“ aufgrund seiner Schwächen trotzdem nur ein austauschbares Filmchen geworden ist, welches nur Denkverweigerer als kompromisslos unterhaltsam bezeichnen können. Aufgrund seiner Kurzweile hat mir die zweite Fortsetzung jedoch besser gefallen als die erste.


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