Mittwoch, 15. Februar 2017

MEPHISTO-WALZER (The Mephisto Waltz 1971 Paul Wendkos)


Als der Musikjournalist Myles eine Freundschaft mit dem weltberühmten Pianisten Duncan Ely eingeht, ahnt er nicht, dass er von dem Okkultisten für einen teuflischen Plan auserkoren wurde, nach dessen Tod sein neuer Körper zu werden...


Wenn Menschen zu freundlich sind...

„Mephisto-Walzer“ ist ein stilvoll und sehr stimmig erzählter Horrorfilm, der es schafft die oft so lasch angegangene okkulte Thematik interessant und spannend verpackt einzufangen. Gerade der Aspekt um Träume die wahr werden, ein Bereich von dem ich in anderen Werken meist genervt werde, so gerne wie er lediglich zum Strecken von Laufzeit verwendet wird, wird von Regisseur Paul Wendkos derart packend inszeniert, dass die optisch verschleiert eingefangenen Aufnahmen wie ein wahrer Alptraum wirken, den man als Zuschauer mit der Heldin mitempfinden muss.

Es ist etwas schade, dass die Rolle Curd Jürgens konsequenter Weise recht früh aus der Geschichte gestrichen wird, ist seine Besetzung in der Rolle des Duncan Ely doch der Pluspunkt des Streifens schlechthin. Aber zum einen darf er in Traumsequenzen gelegentlich noch einmal vorbei schauen, und zum anderen ist die Geschichte selbst in ihrer vorhersehbaren Phase so atmosphärisch stark erzählt, dass „Null Uhr fünf - Frauenleiche in der Badewanne“ (Alternativtitel) auch ansonsten an Sehwert nicht verliert. Das liegt neben dem gekonnten Spiel der anderen Darsteller zudem recht stark am Drehbuch, welches es schafft den Zuschauer stark an die Heldin zu binden, stellen die Figuren doch mehr als lose Hülsen dar, auch wenn die Geschichte sie gerade als solche benutzt.

Die Geschichte von „Der lebende Tote“ (Alternativtitel) ist eine gehaltvolle, wenn auch nicht zwingend eine neue. Und die stilvoll eingefangenen Bilder, sowie der langsam aufbrodelnde Spannungsaufbau machen aus einer zunächst routinierten Erzählung einen sehenswerten Genrebeitrag, selbst dann wenn dieser zur zweiten Hälfte hin, wenn der Exmann von Elys Tochter ins Spiel kommt, nicht immer nachvollziehbar erzählt wird. Ohnehin ist es eigentlich eine Schwäche des Drehbuches wie Paula hinter die Wahrheit kommt. Und auch wie sie es schafft den unerwarteten Schluss einzuleiten, bleibt ein ungeklärtes Geheimnis.

Da der sich zunächst so vorhersehbar schauende Film aber gerade in der Schlussphase eine unerwartete Wende erlaubt, mit welcher man den Zuschauer vor den Kopf schlägt, denkt man nicht weiter über diesen Schwachpunkt nach, wird das Finale doch ein Erlebnis der Täuschung, das sich den Gefallen tut diese dem Gegenüber nicht zu enthüllen. Ob der Preis dafür nachvollziehbar ist, gerade wenn man bedenkt wie die dort agierende Figur zunächst charakterisiert wurde, bleibt Einschätzungssache des jeweiligen Zuschauers. Von einem klaren Verstand konnte man im letzten Drittel des Filmes aber ohnehin nicht mehr sprechen. Da muss jeder für sich wissen für wie nachvollziehbar er das Geschehen betrachtet oder nicht.

Über Sinn oder Unsinn kann man streiten. Die Kraft der Erzählung beweist, dass es so oder so funktioniert. Ein leise beginnender Film, der im Mittelteil seine enorme Kraft beweist, um eher tückisch und augenzwinkernd zu schließen, das ist eine Methode, gerade in der kultivierten Form seiner Umsetzung, mit welcher der Stammzuschauer des Horror-Genres in der Regel nicht zu überzeugen ist. Der wird nur dann herzlich eingeladen an „The Mephisto Waltz“ (Originaltitel) seine Freude zu haben, wenn er nicht auf die quantitativen Schauwerte üblicher Horrorware hofft. Blutige Bilder, psychotische Übertreibungen, Spuk und Terror wird er hier alles nicht vorfinden, ebenso wie Schockeffekte und theatralische Momente. Die Spannung wird eigens aus der Kraft der Geschichte und ihrer Bilder eingefangen. „Mephisto-Walzer“ ist eine Besonderheit für Cineasten und kein Horrorfilm in Form eines typischen Genre-Vertreters.


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