Sonntag, 12. Februar 2017

MEIN ONKEL THEODOR (1975 Gustav Ehmck)


Die achtköpfige Familie Wurster lebt bescheiden aber lebensfroh nah an der Armutsgrenze. Eines Tages schläft der Vater ein und keiner bekommt ihn mehr wach. Da dieser Zustand Geld kostet, soll der älteste Sohn einige Zeit bei dem reicheren Onkel Theodor und dessen Frau wohnen. Der Onkel war bisher dafür bekannt kleinkariert und geizig zu sein, aber nun wo seine Frau selbst ein Kind erwartet, testet er mit dem Jung-Teenager im Haus die Wohngegend auf ihre Kinderfreundlichkeit und wird zu einem überzeugten Kämpfer für Kinderinteressen - was ihm mehr Unglück als Glück beschert, während Mutter Wurster daheim einen Weg gefunden hat mit dem Schlafzustand ihres Mannes viel Geld zu verdienen...


Der Kämpfer und die Schlafmütze...

„Onkel Theodor“ ist nach einem Kinderbuch gedreht, dementsprechend lebenslustig ist der Grundton seiner Geschichte, dementsprechend verschiebt sich der Blick von Recht und Unrecht in die kindlische Perspektive, und vieles was im Leben so kompliziert ist, wird vereinfacht. Dies diesmal nicht zur Vereinfachung der Thematik, sondern auch als Thema selbst. Verkompliziert nicht euer Leben! Arbeitet euch nicht krank! Macht euch nicht um mehr einen Kopf als nötig! Diese Aussagen sind alle recht gesellschaftskritisch, und das wird die etwas ungewöhnlich ausgefallene Geschichte noch um einiges mehr, wenn es diversen Stadträten, Lehrern und anderen Institutionen, die eigentlich für den Bürger arbeiten sollten, an den Kragen geht.

Ungewöhnlich ist die Geschichte deshalb zu nennen, weil Onkel Theodor nicht klassisch, wie zunächst erwartet, von dem Kind mit der Zeit seiner Anwesenheit zum besseren Menschen geläutert wird, so wie wir es aus „Der kleine Lord" kennen, sondern Onkel Theodor sich stattdessen bei der zweiten Ankunft des Jung-Teenagers von ganz allein um 180 Grad gedreht hat. Zwar ist er noch immer ein Korintenkacker, aber er ist es für die Kinderseite geworden, mit verspielten Anwandlungen versehen. Erst wenn aus einem politisch engagierten Mitbürger ein Politiker wird, wandelt er sich wieder Richtung alter Onkel Theodor, dies aber eher leicht angedeutet als tatsächlich thematisiert.

Dass die Familie bestens und gut gelaunt vom Schlafzustand ihres kranken Familienoberhauptes lebt und dessen Bruder, der viel Geld locker macht damit es dem ältesten Neffen gut geht, nichts davon erfährt, ist wie erwähnt dem Richtig/Falsch-Blick eines Kinderbuches geschult, in welchem sich am Ende alles zum Guten entwickelt hat, auch wenn es vorher an jeglicher Empathie mangelte. Zwar sind zwei rote Fäden zu erkennen, dennoch zerfällt „Mein Onkel Theodor“ zu sehr in kleine Einzelepisoden, die nacheinander abgearbeitet werden. Nach einem charmanten Einstieg, der lange Zeit zu gefallen weiß, macht sich dann doch Ernüchterung breit, da man merkt dass die Geschichte längst nicht so gut ist wie Gert Fröbe, der das ganze Treiben am Leben hält.

Zwar sind auch jegliche Nebenfiguren gut besetzt, auch die Kinderrollen betreffend, aber es ist Gert Fröbe, der aus einer mittelmäßigen Sache etwas halbwegs Sehenswertes zaubert. Er ist eine Schau, ist nicht minder sehenswert als seine Leistung als „Räuber Hotzenplotz“, den er zuvor ebenfalls in einem Kinderfilm von Gustav Ehmck mimte. Aber während daraus ein erfolgreicher Kinderfilm-Klassiker wurde, der nicht einzig vom Titelhelden lebte, bewundert man im hier besprochenen Kinofilm lediglich den Einsatz Fröbes und seine Wirkung in den so verspielt angegangenen beiden Rollen, die er mit leichter Hand bewältigt. Fröbe ist charmant wie eh und je, kindlisch verspielt, wie man es später von ihm auch als Geyermeier aus der Serie „Der kleine Vampir“ kennt, und er hält den Film lange Zeit im Griff.

Irgendwann kommt er aber doch, der Moment, bei dem einem bewusst wird, dass man sich nicht weiter für das Fortlaufen der sich immer im Kreis drehenden und in alle Richtungen als unempathisch herausstellenden Geschichte interessiert. Was hätten „Mein Onkel Theodor“ 60 Minuten Laufzeit gut getan, stattdessen läuft er über 100 Minuten, was für Kinder ohnehin eine zu lange Laufzeit ist um vor dem Fernseher zu sitzen. Sicher ist es ein großer Pluspunkt, dass der Film einen Erwachsenen überhaupt so lange interessieren konnte, zumal ich ihn nicht nostalgisch aus der eigenen Kindheit kenne, sondern ihn jetzt zum ersten Mal sichtete. Aber gerade mit dem politischen Hintergrund versehen musste ich immer an den wesentlich geglückteren, allerdings auch nicht auf Fröhlich getrimmten, „Die Vorstadtkrokodile“ aus der gleichen Entstehungszeit denken, der es schaffte Gesellschaftsprobleme in eine packende Geschichte zu kleiden, die Kinder wie Erwachsene bis zum Schluss gleichermaßen interessierte. „Mein Onkel Theodor“ fährt zu oft im Leerlauf und besitzt in diesen Momenten nur Fröbe als Trumpf. Es braucht also nicht verwundern, dass er trotz der prominenten Besetzung in Vergessenheit geriet. mittelmäßig


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