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Montag, 13. Februar 2017

FROSTY KEHRT ZURÜCK (Frosty Returns 1992 Evert Brown u.a.)


Der Zauberzylinder eines kleinen Mädchens lässt Frosty den Schneemann zum Leben erwachen. Doch für den Kälte benötigenden Frosty scheint es keinen Platz mehr zu geben, hat doch ein windiger Geschäftsmann ein Spray erfunden, welches jeglichen Schnee vernichtet, und die ganze schneeverhasste Stadt ist begeistert von diesem teuflischen Produkt...


Sei nicht so engstirnig, Schlombie Brown...

23 Jahre nach der Entstehung des auf einem Kinderlied basierenden Kurzfilmes „Frosty der Schneemann“ entschied man sich für eine Fortsetzung. Bis auf Frosty sollte keine der im Klassiker verwendeten Figuren wieder auftauchen, und auch stilistisch ging man andere Wege. Ich hätte es als ehrbare Verbeugung vor dem Original empfunden, wenn die Fortsetzung auf die damaligen Figuren aufgebaut hätte und den selben Zeichenstil erhalten hätte. Aber da man Bill Melendez als Produzenten und Mitregisseur an Bord hatte, verwandelte sich die Optik in eine Art Charlie Brown-Film, was aus Produzentensicht sicher kein dummer Kniff ist, so beliebt wie die Festagskurzfilme der Peanuts von Melendez sind, was sie selbst zu Klassikern neben dem Original Frosty werden ließ.

Den Stil der Peanuts-Cartoons mag ich, dennoch wurde ich mit ihm hier in diesem Nicht-Peanuts-Film nicht warm. Erwachsene, die wie wir wissen in einem Charlie Brown-Cartoon niemals optisch in Erscheinung treten, wurden den kindlichen Figuren nicht angeglichen. Sie werden recht bizarr als Karrikatur verkörpert. Der böse Erfinder besitzt gar äußerliche Züge zur klassischen Mr. Magoo-Figur, während man ihn in Begleitung mit einer bösen Katze eher Richtung Bond-Bösewicht treten will. Letztendlich geht das alles in Ordnung, ohne wahrlich zu beeindrucken, lediglich Frosty selbst weiß diesmal so gar nicht zu gefallen. Zwar konnte man John Goodman als Sprecher für diese liebevolle Rolle gewinnen, aber was nutzt eine gute Stimme, wenn die Animatoren am Rest der Figur scheitern?

Am ärgerlichsten ist es wohl, dass man ihm die Pfeife gestrichen hat, wahrscheinlich aus den selben selten dämlichen Gründen weshalb Lucky Luke im Laufe der Zeit um seine Zigarette beraubt wurde. Viel zu rund geraten und mit einer kitschigen Fliege versehen, fehlt dem neuen Frosty der Charme des alten, und dass er kleiner als das Original ausgefallen ist, stielt ihm seine Wirkung. Nun ist er nur noch ein fröhlicher, kugelrunder Spaßmacher, den man so gar nicht ernst nehmen kann. Das fällt ganz besonders immer dann auf, wenn er ohne Zylinder auftaucht. Ja, richtig gelesen, Frosty benötigt den Zylinder nicht mehr um zum leben, ein weiterer Tiefschlag Richtung Original. Die Autoren machten einfach worauf sie Lust hatten, so als hätte es einen Teil 1 nie gegeben.

Mag sein, dass das auch okay ist, wenn man eine klassische Cartoonfigur nach all den Jahren wieder zum Leben erweckt. Aber die optischen Veränderungen an Frosty und, noch schlimmer, der neu eingebrachte Erzähler, eine widerlich unsympathisch gezeichnete Rahmenfigur, stellen den Tiefpunkt kreativen Schaffens in diesem Werk da und bilden damit noch nicht einmal den übelsten Part des Streifens. Der findet sich in der Mentalität der Geschichte wieder. Zwar ist es schön den Kindern das Zauberhafte dieser Welt vermitteln zu wollen, gerade bei einer Generation die Kreativität und das Nutzen der eigenen Fantasie immer mehr verlernt hat, warum die Wissenschaft aber dafür zum Buhmann gemacht werden muss, verstehe ich nicht. Denn dadurch wird aus einer fröhlichen Botschaft eine fragwürdige, eine die wir aus diversen Disney-Filmen kenne: denke nicht über alles nach, sei einfach fröhlich und lebe in deiner Fantasiewelt.

Wie gewollt solche Fragwürdigkeit nun eingebaut wurde oder nicht lässt sich nur schwer erschließen, zeigt sich aber auch darin, dass in einer Umweltthematik jeglicher sachlische Prozess ausgegrenzt wird. Zwar wird thematisiert dass die Erfindung des Schneezerstörungssprays umweltschädlich ist, aber wie sich das auswirkt wird dabei ebenso wenig beleuchtet, wie dass es relevant für die Geschichte wäre. Anstatt durch Fakten lassen sich die Menschen der Stadt durch Frostys Fröhlichkeit anstecken den Winter nun doch zu mögen, was selbst für einen Kinderfilm recht mager daher kommt, zumindest in der zu banalen Form, in der dies hier angegangen wird.

Ein frecherer, aber immerhin unaufdringlicher Humor (mit Ausnahme eines unnötigen Popkultur-Verweises auf „Big Brother“) und die etwas interessanter geratene Geschichte im Vergleich zum Original machen aus „Frosty kehrt zurück" trotzdem ein annehmbares Stück Kinderunterhaltung, findet doch jegliche Fragwürdigkeit aus meiner Korintenkackersicht auf einer anderen Ebene statt, als dass es Kinder bemerken, geschweige denn negativ beeinflussen könnte. Es ist zwar der Trumpf des Originals gewesen lediglich Trivialunterhaltung zu sein ohne pädagogisch zu wirken, aber wenn das Thema der Fortsetzung sich schon so toll für das vom Ami gerne verdrängte Thema des Umweltschutzes anbietet, dann hätte man den Film meiner Meinung nach auch für eine Aufklärung in diesem Bereich nutzen können, ohne dass der fröhliche und weihnachtliche Gedanke deshalb gleich verloren gehen würde. Aber ach, was soll‘s! Kinder werden es mögen, Erwachsene werden darüber lächeln, und ein eigener Klassiker wird das hier besprochene Werk ohnehin nie werden. „Frosty der Schneemann 2“ (Alternativtitel) soll nur kurzfristig unterhalten, und das kann er auf banaler Ebene ganz gut, also sei nicht so engstirnig, Schlombie Brown!


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