Montag, 13. Februar 2017

FROSTY DER SCHNEEMANN (Frosty the Snowman 1969 Jules Bass u.a.)


Schulkinder bauen aus dem ersten Schnee des Jahres, der einen Tag vor Weihnachten fiel, einen Schneemann. Als der Wind den Zylinder eines schlechten Zauberers auf den Kopf des Schneemannes weht, erwacht dieser zum Leben. Aber weil Frosty, wie er von den Kindern liebevoll genannt wird, bei den Temperaturen schnell droht zu schmilzen, hilft ein kleines Mädchen ihm dabei zum Nordpol zu kommen. Das wäre alles viel leichter, wäre nicht der böse Zauberer hinter ihnen her, der um jeden Preis seinen Zylinder zurück haben möchte...


Warmherzig frostig...

In den 60er Jahren schuf man aus einem berühmten amerikanischen Kinderlied einen Zeichentrick-Kurzfilm, der im Laufe der Jahre in den USA zum Klassiker werden sollte, während er hier in Deutschland eigentlich recht unbekannt ist. Wer seinen Kindern zu Weihnachten eine kleine 25minütige Freude machen möchte, der kann mit „Frosty der Schneemann“ nicht viel falsch machen, ist er doch bedenkenloses Kinderprogramm, fröhlich und emotional, vielleicht eine Spur zu banal und ohne eine wirklich pfiffige Geschichte versehen, aber auch nicht unnötig schmalzig und dümmlich ausgefallen.

„Frosty the Snowman“ (Originaltitel) ist ein unschuldiges Stück Kinderunterhaltung, dessen 25 Minuten wie im Flug vergehen, so liebevoll wie er umgesetzt ist. Während die Kinder und der Schneemann auf klassisch Zeichentrickfilm getrimmt sind, wird der Bösewicht des Streifens, der böse Zauberer, eher im klassischen Cartoon-Stil umgesetzt. In seiner tolpatschigen Form wirkt er wie die harmlose Variante eines Road Runner Cartoons, stilistisch erinnert die Figur jedoch eher an einen „Clever & Smart“-Cartoon als tatsächlich an die Looney Tunes.

Durch seine klassisch durch einen Erzähler vorgetragene Form, wie man es auch von Hörspielkassetten für Kinder kennt, erhält die Geschichte eine warmherzige Darbietung. Für die Erwachsenen und größeren Kinder werden kleine Witzchen eingebaut, welche die eigentliche Geschichte veralbern. So wird augenzwinkernd erzählt, dass der Weihnachtsmann selbstverständlich die Kaninchensprache beherrscht, und dass der Zylinder nun nicht mehr dem Zauberer gehöre, sondern Frosty, nur weil der Wind ihn auf seinen Kopf geweht hat, wird ebenfalls augenzwinkernd als kindlische Logik endschuldigt.

Die Geschichte mixt sich schlicht aus einer Fantasy- und einer Freundschaftsthematik, wird angereichert mit kleinen Blödeleien am Rande, und immer wieder wird zwischendurch gesungen. Die Lieder fallen dabei immer kurz und zurückhaltend aus, bleiben stets fröhlicher Natur, hätten in der Deutschfassung aber gern eingedeutscht werden können. Was haben KInder bitte schön davon englischen Gesang zu hören und je nach Alter einen Untertitel zu lesen, dem sie vom Tempo gar nicht folgen können?

Das wäre aber auch der einzige Kritikpunkt an einem Film, der so kinderlieb und brav daher kommt, dass selbst der Bösewicht auf kindlichste Art geläutert wird, bekommt der doch vom Weihnachtsmann nie mehr etwas geschenkt, wenn er nicht damit aufhört Frosty den Zylinder wegnehmen zu wollen. Nur eine Trillionen Mal schreiben dass es ihm leid tut, und der Weihnachtsmann wird ihm verzeihen. Ebenso brav fällt eine kurz gehaltene traurige Passage aus, in der Frosty geschmolzen ist. Diesen Prozess müssen die Kinder nicht mit ansehen. Abgelenkt durch Zwischengeschehnissen bekommen wir direkt das Resultat der Pfütze präsentiert, die einst Frosty war. Und das Trostpflaster des wieder zum Leben erweckten Frostys folgt schon eine Minute danach, noch lange bevor irgendwem sein Herzchen wirklich weh tut.

Manch einem mag das alles zu banal sein. Aber ich mag den Film aufgrund seiner schlichten und liebevollen Art. Pädagogisches vermisst man hier ebenso wie Fragwürdigkeiten. „Frosty der Schneemann“ soll das kleine erheiternde, Trivialwerk für Kinder für zwischendurch sein, und das sei der jüngsten Generation ebenso gegönnt wie den Erwachsenen. Wir Große wollen auch nicht immer nur schwere, bedeutsame Kost schauen, auch wir brauchen unseren geistlosen Zwischendurchverzehr um einfach einmal abzuschalten.

Das Werk von Jules Bass und Arthur Rankin, Jr. ist zumindest die harmlose Variante für Kinder, ein Werk das dem Kindeswohl keinerlei Schaden zufügen kann und das Herz am richtigen Fleck besitzt. Dümmlich und langweilig sieht anders aus. 7 Jahre später folgte die gleichnamige Neuverfilmung, ebenfalls in Kurzfilm-Form, und das Original erhielt erst 23 Jahre später eine Fortsetzung mit dem Titel „Frosty kehrt zurück“. Ob der 2005 erschienende „The Legend of Frosty the Snowman“ eine weitere Verfilmung oder eine weitere Fortsetzung ist, ist mir nicht bekannt.


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