Samstag, 4. Februar 2017

EROBERUNG VOM PLANET DER AFFEN (Conquest of the Planet of the Apes 1972 J. Lee Thompson)


Die 90er Jahre: Affen werden als Sklaven gehalten. Der Nachkomme der intelligenten Affen aus den 70er Jahren, Caesar, ist heimlich in einem Zirkus groß geworden, befindet sich nun erstmals in der Großstadt und kann die Gräueltaten an seiner Gattung, die er dort sichtet, kaum glauben. Als sein einziger menschlicher Freund stirbt, reicht es ihm endgültig. Er zettelt eine Affenrevolution gegen die Menschen an...


Nein!...

Konnte das geringe Budget dem Vorgänger „Flucht vom Planet der Affen“ aufgrund der relativ unaufgeregten Geschichte, der alltäglichen Großstadt-Settings und der wenigen benötigten Affenmasken nicht schaden, so leidet „Eroberung vom Planet der Affen“ doch um so mehr am erneut rapide heruntergefahrenen zur Verfügung stehendem Geld. Wie soll man eine weltweite Übernahme der Erde durch Affen glaubwürdig darstellen, und von nichts anderem erzählt der hier besprochene Teil 4, wenn es an den Möglichkeiten mangelt große Schlachten und Verwüstungen zu inszenieren? Aufgrund der fehlenden Finanzen wurde sogar auf den Einsatz nuklearer Waffen verzichtet, so wie es einst geplant war, was allein deshalb ärgerlich ist, weil wir allerspätestens durch „Rückkehr zum Planet der Affen“ wissen, wie wichtig dieser Aspekt der Geschichte für das Gesamtprodukt der „Planet der Affen“-Reihe ist.

Aber das ist nicht das einzige Ärgerniss das Widersprüche zu den Vorgängern aufwirft. Zwar hätte man erstmals in der Geschichte der in den 60er Jahren gestarteten Reihe einen Vorgänger sinnvoll fortsetzen können, ohne zur Weitererzählung einen komplett idiotischen Vorwand nennen zu müssen, so sehr wie Teil 3 zur hier erzählten Geschichte einlädt, aber die Verantwortlichen der Reihe haben es erneut geschafft an der Glaubwürdigkeit zur Restreihe herumzukratzen. Nun passieren die Geschehnisse nach Teil 3 nicht wie (wesentlich sinnvoller) prophezeit erst 300 Jahre später (und noch viele Jahrhunderte später bis die Affen sich gegen die Tyrannei des Menschen erheben), es vergehen stattdessen gerade einmal 20 Jahre seit damals, was nicht gerade von Realismus geprägt ist.

Nun könnte man meinen auch dies wäre eine finanzielle Entscheidung, kostet das Kreieren einer Zukunftswelt doch einiges an Geld, aber die Welt Amerikas hat sich in den popeligen 20 Jahren trotzdem stark verändert, ist doch ein totalitärer Staat aus der einstigen Demokratie geworden, in welcher nicht nur Affen unterdrückt werden, sondern auch arme Menschen protestieren, dass Affen ihnen die Jobs wegnehmen. Innerhalb seiner geringen Möglichkeiten gelingt es Regisseur J. Lee Thompson ganz gut das Amerika der Zukunft glaubwürdig darzustellen, was einen großen Pluspunkt für das bröckelnde Projekt darstellt. Dennoch funktioniert der Komplettfilm nur dann, wenn man als Zuschauer begreift, dass uns hier symbolisch ein Mikro-Kosmos dessen dargestellt wird, was auf der gesamten Erde geschieht.

Eingegrenzt auf engem Raum in einem geringen Zeitrahmen wirkt „Eroberung vom Planet der Affen“ wie eine vereinfachte Zusammenfassung dessen, was in Wirklichkeit über viele Jahrhunderte verteilt auf der ganzen Erde stattgefunden hat. Verzweifelt erwähnt Caesar gegen Ende, Affen könnten in kurzer Zeit weltweit über den Globus miteinander kommunizieren, um irgendwie deutlich zu machen, dass wir nicht nur eine kleine Stadtrevolte miterlebt haben, sondern dem Untergang der menschlichen Zivilisation beigewohnt haben. Das wirkt zu Recht lächerlich, ist aber tatsächlich nötig zu erwähnen, da die Ereignisse des Filmes eben nicht nach dem großen Ende der Menschheit aussehen.

Nervige Propaganda-Sprüche, bei denen sich das Drehbuch nicht von Kriegstreiber Caesar distanziert, sondern ihn in seiner fragwürdigen Art zum Helden der Affen erklärt, nagen zusätzlich am Gesamtbild des Streifens. Mancher Pathos wirkt wie klassisches Sandalenkino, da weht noch ein Hauch Nostalgie mit. An anderer Stelle jedoch wohnen wir einer Propaganda bei, die auch nur ein Militärstaat wie die USA als ehrenhaft und gerechtfertigt ansehen kann, ganz im Gegensatz zu den europäischen Zuschauern. Das verwundert ein wenig, ist „Conquest of the Planet of the Apes“ (Originaltitel) doch an sich sehr düster und amerika-kritisch gezeichnet. Was im Vorgänger leicht anklang, wird hier gnadenlos ausgeschlachtet: die Gewalttätigkeit des Menschen, die fehlende Empathie anderen Lebewesen gegenüber, der Drang des Beherrschens und Unterdrückens, all dies liefert uns der Film ungeschönt auf dem Silbertablett.

Wer sich wundert warum „Eroberung vom Planet der Affen“ so unausgegoren ausgefallen ist, der sollte nicht nur von den mangelnden Finanzen wissen, der sollte auch wissen, dass Produzenten am fertigen Produkt herumgefuscht haben und aus einem besonders zynischem Blickwinkel ein humaneres Geschehen gestaltet haben. So wie im Endprodukt zu sehen, erleben wir nicht die Härte, die der Regisseur und der Autor im Sinn hatten. Kann man sich mit all diesen extremen Einschlägen im Unterhaltungswert arrangieren und den Film als symbolischen Mikrokosmos dessen betrachten, was tatsächlich passiert ist, wird man aufgrund der interessanten Ereignisse aber zumindest passabel unterhalten. Wer die drei Filme zuvor sah, ist einfach scharf darauf zu sehen wie die Erde zum Planet der Affen wird, und da nimmt man als Fan auch all die hier aufgezählten Schwächen in Kauf, die sicher nicht die einzigen des Streifens sind.


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