Donnerstag, 9. Februar 2017

DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE (Passi di danza su una lama di rasoio 1972 Maurizio Pradeaux)


Kitty beobachtet durch ein öffentliches Fernglas den Mord an einer Frau. Kurz darauf stirbt jeglicher Zeuge der Tat, nur von Kittys Beobachtung ahnt der Killer nichts. Als ihr Verlobter unter Mordverdacht steht, ermittelt dieser auf eigene Faust...


Bei Münzeinwurf Mord...

So originell der Titel „Die Nacht der rollenden Köpfe“ auch klingen mag, hinter dem reißerischen Titel steckt lediglich ein routinierter Giallo, der thematisch freilich nichts mit der Namensgebung zu tun hat, auch wenn in einer Szene unsinniger Weise erwähnt wird der Mörder habe mit dem Rasiermesser so tief in die Kehle geschnitzt, dass der Kopf fast abgefallen wäre. Ob solch ein Blödsinn auch in der Originalfassung gesprochen wird, weiß ich nicht, lag auf der von mir erstandenen DVD doch leider nur die Deutschvertonung vor, und die ist definitiv ungewöhnlich zu nennen, so oft wie die Figuren aneinander vorbei zu reden scheinen. Interessanter Weise beschert dies dem Streifen einen gewissen Charme, gerade immer dann wenn der so verpeilt wirkende und gar nicht sachlisch denkende Kommissar auftaucht.

„Trauma“ (Alternativtitel) mag nicht so hübsch fotografiert sein wie vergleichbare Beiträge von Argento oder Bava, und sein etwas zu orientierungsloser Plot verhindert dass man die ganze Chose sachlisch mitverfolgen und nachvollziehen kann, einen guten Unterhaltungswert besitzt das Werk von Regisseur Maurizio Pradeaux aber durchaus, ist es doch flott inszeniert und bietet nach ruhigeren Phasen stets quantitative Schauwerte, mal nackter, mal mörderischer Natur. Die Auflösung ist so egal wie so oft im Genre des harten italienischen Kriminalfilmes. Die finale Begründung der Taten ist in ihrer psychologischen Erklärung arg bemüht und eher unsinnig ausgefallen, aber auch das ist keine Seltenheit in dieser Filmgattung. Und dass die Darsteller eher solide als wirklich talentiert agieren, ebenso.

Aber auch ohne das atmosphärisch dichte Meisterwerk zu werden, weiß die routinierte Rezeptur zu gefallen, zumal sich die Verdachtsfälle in der letzten halben Stunde häufen und gerade dort die Ermittlungen manch spannende Sequenz hervorbringen. Freilich sollte man Dauergast oder Gelegenheitszuschauer des Giallo sein, um mit „Death Carries a Cane“ (Alternativtitel) etwas anfangen zu können, lebt der Streifen doch geradezu von dessen klassischer Rezeptur und hat ansonsten keine Qualitäten zu bieten. Wer auf Logik und technische Perfektion hofft, ist schlichtweg im falschen Film. Aber in seiner unaufgeregten Art, welche immer wieder von gelegentlichen, hart inszenierten Morden aufgebrochen wird, und untermalt mit einer fast unauffällig mitschwingenden Musik, trifft „The Tormenter“ (Alternativtitel) den richtigen Ton, um dem Stammzuschauer zu gefallen. Ob das Werk im Gedächtnis hängen bleibt, darf jedoch zu Recht angezweifelt werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen