Montag, 13. Februar 2017

COME OUT AND PLAY - KINDER DES TODES (Come Out and Play 2012 Makinov)


Francis macht zusammen mit seiner schwangeren Frau Beth Urlaub in Mexiko. Sie mieten ein Boot um eine Insel aufzusuchen, stoßen dort angekommen im Dorf jedoch nur auf Kinder. Erwachsene scheint es nicht zu geben. Erst als sie sehen wie ein Mädchen einen alten Mann angreift und sie zusammen mit ihren Freunden auf ihr Opfer lachend einstechen, beginnen die Urlauber zu begreifen was auf dieser Insel Schreckliches vorgeht...


Fremde Kinder leichter als die eigenen...

An sich kann man über Makinovs Verfilmung des Buches „El juego de los niños“ nicht meckern, ist sie doch mit Bedacht erzählt, nutzt das Geheimnisvolle / Unerklärliche der Geschichte vorteilhaft und ist direkt ohne große Umschweife in aller Seelenruhe erzählt. Es ist allerdings die zweite Verfilmung des Stoffes. 1976 drehte      Narciso Ibáñez Serrador den Film „Ein Kind zu töten“, und der hatte es in sich, hat es dies mit Augen von heute noch immer, und da sich Makinovs Umsetzung kaum von der des Originalfilms unterscheidet, ist „Come Out and Play“ ein ziemlich unnötiges Werk. Es ist trotzdem spannend geraten und weiß zu gefallen, so dass Nichtkenner der Erstverfilmung gut unterhalten werden. Dennoch würde ich jedem das Original empfehlen. Dies nicht rein aus Prinzip, sondern weil es tatsächlich der bessere Film ist.

„The Child“ (Alternativtitel) ist in keinem Punkt wirklich schlecht, schwächelt aber stets im Vergleich zum Original. Das Paar ist gut besetzt, das Paar der Erstverfilmung jedoch besser. Das Remake ist langsam erzählt, die Erstverfilmung jedoch langsamer und stimmiger. Änderungen die Makinov vornimmt sind meist nachteiliger Natur. Während das Original einzig aus der Perspektive des Helden erzählt ist, gönnt sich der Regisseur des hier besprochenen Streifens einige wenige Abstecher in die Welt der Kinder. Er zeigt uns was sie so mit den Körperteilen ihrer Opfer treiben. Doch das bietet nur Ekelbilder, quantitativen Sehwert und ist somit den Erzählbruch nicht wert.

Ein Kind zu töten“ ist subtiler und sinniger ausgefallen, geduldiger, und auch die Kinder wissen dort viel eher zu wirken, eben weil ihnen Serrador keine grimmigen Gesichter beschert wie Makinov, sondern sie sich einfach wie Kinder verhalten lässt. Das weiß im Kontext zur Story zu beunruhigen. Ein kindliches Lachen klingt plötzlich psychotisch, von ganz allein. Nicht aber in „Come Out and Play“, in dem, wie typisch für den Film, die Kinder zwar zu wirken wissen, aber eben nicht so intensiv wie im Original.

Zwei Pluspunkte hat das Remake jedoch zu bieten. Zum einen ist der Finalkampf gegen die Kinder auf dem Steg sehr packend erzählt und hätte meiner Meinung nach noch eine Spur ausführlicher angegangen werden können. Zum anderen fehlt die nervige politische Einleitung des Originals, die mit den Aussagen des Hauptfilms nichts wirklich zu tun hatte und uns unter einer Pseudo-ethischen Begründung Gräueltaten aus vergangenen Kriegen zeigte, die einem den Spaß am Schauen eines Kinofilmes kurzfristig nehmen. Nun kann man diesen Tiefpunkt des Originals aber auslassen, indem man zum nächsten Kapitel weiter drückt und ist somit nicht gezwungen sich diesen anzugucken, womit der zweite Pluspunkt der Neuverfilmung eigentlich schon irrelevant zu nennen ist.

So oder so, beide Filme erzählen ziemlich genau Schritt für Schritt die selbe Geschichte, fast in allen Einzelheiten. Nur Kleinigkeiten wurden ausgetauscht, im Remake weggelassen oder ihm zusätzlich beschert. Das ist in sofern interessant, als dass die Buchvorlage einen Grund für das Fehlverhalten der Kinder nennen soll, wohingegen beide Verfilmungen sich diesbezüglich in Schweigen hüllen. Man erzählt uns dass es nachts geschah und die Kinder sich zur selben Uhrzeit wandelten. Und man zeigt uns eine beunruhigende Szene, in der normale Kinder aus dem weniger bewohnten Innenbereich der Insel unter dem Einfluss der sich mörderisch verhaltenden Dorfkinder in nur wenigen Minuten ebenfalls mörderische Kinder werden. Makinov schien also bewusst eine Neuverfilmung von „Ein Kind zu töten“ zu kreieren anstatt eine Neuinterpretation des Romans vorzunehmen oder aber einfach dessen Geschichte exakter nachzuerzählen. Makinov setzt auf keine anderweitige Deutung des Stoffes, er erzählt einfach was die Erstverfilmung auch erzählte. Es ist somit definitiv ein unnötiges Remake. Aber das macht es inszenatorisch noch zu keinem schlechten Film. unterhaltsam


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