Dienstag, 28. Februar 2017

DAS INDISCHE TUCH (1963 Alfred Vohrer)


Als Lord Lebanon stirbt, findet sich die Familie drei Wochen später zur Testamentsverkündung in dessen Schloss ein. Sechs Tage soll man dort gemeinsam verbringen, ehe der letzte Wille verkündet wird. Wer vorher geht ist nicht mehr erbberechtigt. In der ersten Nacht geschieht ein Mord. Da die Halbinsel auf der man sich befindet durch einen heftigen Sturm von der Außenwelt abgekapselt wurde, kann man nicht die Polizei rufen. Der Anwalt übernimmt den Part des Ermittlers, während nach und nach immer mehr Erbberechtigte mit einem Tuch erwürgt werden...


Tote sind nicht erbberechtigt...

„Das indische Tuch“ ist zweifelsohne mein liebster und am meisten gesichtester Wallace-Film. Wie könnte man ihn bei seiner klassischen Ausgangslage auch nicht mögen? Eine Testamentsverkündung, ein Ort abgeschottet vom Rest der Welt, ein 10 kleine-Negerlein-Szenario, der Handlungsort ein Schloss - das alles weiß zu wirken. Die Creme de la Creme die Alfred Vohrers Werk aber überhaupt erst zu einer solch unterhaltsamen Größe macht ist die hoch interessante Figurenkonstellation und ein Drehbuch, welches vorzügliche Dialoge und Monolge zauberte.

Es ist erstaunlich wie wenig konstruiert die gewitzten Worte wirken, selbst dann wenn sie ein wenig zu aufgesagt klingen. Aber im hier besprochenen Kammerspiel-artigen Kriminalfilm weht immer auch ein Hauch Theateratmosphäre mit, so dass man diese Art des Spiels nie als mangelndes Schauspieltalent abtun könnte, zumal die Wirkung ihren Zweck erfüllt. Eddi Arent mimt den höchst skurrilen Butler, dessen Humor auch gerne mal morbider Art ist, die Hausherrin ist ein eiskaltes Biest und eine übervorsorgliche Mutter, ihr Sohn ein in einer eigenen Welt lebender Wunderling, dessen erstes Klavierkonzert kurz bevor steht. Kinski mimt den Bastard der Familie, Schürenberg einen stets auf Safaris reisenden Engländer, und der amerikanische Ehemann einer Verwandten der Familie Lebanon sorgt für die ersten Höhepunkte des Streifens.

Wenn nach einer Mordanschuldigung dem Amerikaner gegenüber ein Gespräch unter vier Augen zwischen den Eheleuten stattfindet, dann ist die Dramaturgie und die Charaktertiefe auf einem Hoch. Auch hier erweisen sich die Dialoge als des Zitierens wert, und Alfred Vohrer beweist, dass er auch in seiner überspitzten Inszenierung, die stets Augenzwinkern und Humor zulässt, bittere Momente kompatibel einbauen kann - erstaunlicher Weise ohne den augenzwinkernden Aspekt zu pausieren. Ihm gelingt eine Meisterleistung, die selbst der höher geschätzte, ebenfalls von Vohrer inszenierte, „Der Hexer“ trotz seiner gelungenen Art nicht zu erreichen weiß.

Vohrer ist bekannt dafür die Reihe spätestens in der Buntphase durch seine immer drastischeren Überspitzungen in eine andere Richtung gelenkt zu haben. Das schmeckte vielen Fans der Schwarz/Weiß-Phase nicht, führte aber schließlich zum zweiten Höhepunkt der Reihe, den völlig in Komik badenden „Der Mann mit dem Glasauge“. Ob man diese Entgleisung einer halbwegs ernster gestarteten Krimireihe nun mag oder nicht, bereits in „The Indian Scarf“ (Alternativtitel) schwingen die Experimente Vohrers stark mit, noch jedoch ohne das Geschehen vollends zu dominieren.

Dennoch fallen solch schräge Ideen wie der selbstfahrende Wagen des Butlers, oder dessen Ritual des Gedeckabdeckens eines jeden Verstorbenen als lustige Besonderheiten auf, ebenso wie besagte lustige Dialoge, wie z.B. der Kommentar darüber, dass das Telefon in den kommenden Tagen aufgrund einer Funktionsstörung nur noch als Zimmerschmuck dienen wird. „Das indische Tuch“ könnte von diesen schrägen Stärken alleine leben, was ihn jedoch nicht zu einem der Höhepunkte der über 30 Filme beinhaltenden Reihe werden lassen würde. Was an Vohrers Beitrag neben all der verspielten Art und der gut gelaunten Schauspieler so viel am brillanten Ergebnis ausmacht, ist zudem das Spiel des Mörderratens für den Zuschauer.

Nicht nur dass die Auflösung sich sehen lassen kann, so toll wie sie selbst dann in ihrer Konsequenz zu wirken weiß, wenn man den Braten bereits zuvor gerochen hat, die Motivation bei solch einer Gruppe interessanter Figuren mitzuraten, ist enorm groß, wahrscheinlich größer als bei jedem anderen Wallace-Beitrag der Rialto-Reihe. Zwar muss man faier Weise sagen, dass das Mörderraten nie zu den Haupttrümpfen der Reihe gehörte und damit kein Pflichtrezept war, aber „Das indische Tuch“ atmet diesbezüglich Agatha Christie-Flair, und das kann auch in der komödiantisch angehauchten Form kein Fehler sein, wie auch der legendäre „16 Uhr 50 ab Paddington“ mit Margaret Rutherford beweist.

Wallace-Stars auf einem Hoch ihrer Spielfreude, alle klassisch besetzt und damit ihre Stärke voll einbringen könnend, ein augenzwinkernder Grundton der auch Dramaturgie und einen Spannungsbogen zulässt, an „Das indische Tuch“ gibt es bishin zum flotten Titellied und der ewig im Hintergrund ertönenden Klaviermusik des Sohnes nichts zu meckern. Alles greift perfekt ineinander, so dass der Film wahrlich ein Liebhaberstück der Reihe, aber auch seines Genres geworden ist. Sicher lohnt sich aufgrund vieler geglückter Beiträge ein intensiver Blick auf Rialtos Wallace-Filme, wer aus welchem Grund auch immer diese jedoch meidet, sollte zumindest beim hier besprochenen Film eine Ausnahme machen. Man verpasst sonst einen wahrhaften Schatz des deutschen 60er Jahre-Kinos.


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ZIMMER 13 (1963 Harald Reinl)


Während eine Diebesbande einen großen Eisenbahnraub plant und hierfür einen Abgeordneten des Oberhauses erpresst, geht ein Mörder um, der mit einem Rasiermesser jungen Frauen die Kehle durchschlitzt...


Ocean‘s 11 in Zimmer 13 ab Paddington...

„Zimmer 13“ schaut sich wie ein Mix aus den klassischen und den Ausnahme-Rialto-Wallace Filmen a la „Das Verrätertor“. Auf der einen Seite wird klassisch ermittelt, angeleitet von Sir John und Begleitet von einem von Joachim Fuchsberger verkörperten Privatschnüffler, der allerdings behandelt wird als sei er fester Angestelter des Scotland Yard, auf der anderen Seite werden wir jedoch auch ausführlich Zeuge der Pläne der Diebesbande. Zu erraten wer schuldig oder unschuldig ist, gibt es da nichts. Mit Ausnahme des zusätzlich eingefügten Elements des unbekannten Frauenmörders, das sich nie ins Zentrum drängt, sogar so wenig Beachtung geschenkt bekommt, dass man Harald Reinl keinen Einfluss auf das kommende Giallo-Genre zusprechen kann.

Die Auflösung erklärt dann auch warum das Thema kürzer trat als zunächst angenommen, und trotz der dort anzutreffenden Hausfrauen-Psychologie, die anbei typisch für die italienischen Gialli der 70er Jahre werden sollte, beweist „Zimmer 13“ hier eine Ernsthaftigkeit, die ohnehin den kompletten Film umgibt. So hemmungslos hier auch teilweise herumgealbert wird, meist durch Eddi Arent, der eine Rolle erwischt hat mit der er sichtlich Spaß hatte, „Room 13“ (Alternativtitel) ist ein düsteres, ernstes Werk. Das zeigt sich auch im Agieren Fuchsbergers Rolle, die den Standard des kühnen Helden erfüllen könnte, also jene Rolle die er sonst oft verkörpert hat, mit dieser aber nur verwand ist.

Johnny Gray geht viel überlegter und sorgfältiger vor, als es die typischen Fuchsberger-Figuren in ihrem Elan je taten. Und der ständige Kontakt mit der Rolle Karin Dors (die eine pseudo-taffe Frau spielt, die doch nur ständig gerettet werden muss) wird keinesfalls genutzt um hemmungslos zu flirten, die Sorge um die Frau steht Fuchsberger ins Gesicht geschrieben. Seine flaxigen Anmachen lässt er nur zu Beginn heraus. Wenn die Situation ernst wird, dann ist es damit vorbei. Passend zu diesem ernsteren Grundton darf man auch über einen Rasiermessermord überrascht sein, in welchem für Wallace-Verhältnisse dieser Dekade überraschend viel Blut spritzt. Das wiederholt sich nicht, „Zimmer 13“ bleibt ansonsten relativ bieder und zugeknöpft, abgesehen von einer kurzen Nackedeiszene, die vorbei ist ehe sie begann.

Amourös hätte auch die schräge Thematik ausfallen können, wie der von Arent gespielte Dr. Higgins (welch herrliche Anspielung) mit seiner Versuchspuppe umgeht. Sein etwas arg persönliches Interesse für diesen weiblich geformten Gegenstand wird stets nur angedeutet, fällt wie gesagt nie amourös aus, und doch schwebt da was in der Luft. Arent überspielt es klamaukhaft, so will er sie z.B. zum Puppendoktor bringen, als sie leicht zerstört wird, und er bedauert dass sie sich in diesem Zustand befindet und damit die frisch erlangte Beförderung Higgins nicht mitbekommt. Allein hierdurch wird der Ehefrau-Ersatz überdeutlich. Mehr war in den 60er Jahren zu diesem Thema in einem Film für den einfachen Bürger jedoch nicht drin.

Zwar ist Reinl kein großer Wurf gelungen, gerade im Mittelteil schwächelt der Plot ein wenig, aber er versucht mit möglichst vielen lauteren und schnelleren Szenen dagegen zu halten, was ihm recht passabel gelingt. Das erste und das letzte Drittel schauen sich hingegen tatsächlich flott und unterhaltsam, so dass die Tendenz zur Mittelmäßigkeit noch umgangen werden konnte. „Zimmer 13“ mag nur etwas für Stammgäste im deutschen Wallace-Universum sein, aber als zwischen den Stühlen sitzendes Werk ist er für eben jenes Publikum auch recht interessant ausgefallen. Die französische Ausnahmebeteiligung an diesem Rialto-Wallacefilm merkt man meiner Meinung nach dem Werk nicht an.


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DICK UND DOOF (A Laurel and Hardy Cartoon 1966 William Hanna u.a.)


Laurel und Hardy stiften in diversen Berufen allerhand Chaos an...


Irgend und wer...

Im ersten Moment verdreht man die Augen bei dem Gedanken an einer Zeichentrickversion der Figuren Laurel und Hardy, die von der Stummfilmzeit bishin zum Tonfilm, vom Kurzfilm bis hin zum Langfilm über mehrere Jahrzehnte Freude bereiteten und dabei Maßstäbe setzten, Methoden erarbeiteten und Elemente einbauten, die noch heute zum Repertoir einer guten Komödie gehören. Die beiden waren mehr als zwei erfolgreiche Komiker zur richtigen Zeit, es waren Künstler, deren Werke stets tiefer gingen als der oberflächliche Klamauk vermuten ließ, der dominant das Geschehen beherrschte.

Beim zweiten Anlauf über die Idee einer Cartoon-Version von Laurel und Hardy nachzudenken, gefiel mir die Idee schon ein wenig besser, vorausgesetzt Animatoren und Autoren würden begreifen was die Komik der beiden Künstler ausgemacht hat und könnten diese auf das andere Medium übertragen. Nicht nur dass damit eine Komik fortgesetzt werden könnte, die aufgrund der Lebenszeit auf Erden mit der Originalbesetzung nicht ewig weitergehen konnte (zumal ausgetauschte Schauspieler keine Alternative gewesen wären), der Bereich des Animationsfilmes könnte zudem Situationen herbeiführen, die tricktechnisch im Realfilm nur schwierig bis gar nicht zu bewerkstelligen sind - bei allem vorausgesetzt, dass das Niveau, und damit das intensive Auseinandersetzen mit dem Funktionieren der Komik des Duos, so hoch gehalten würde wie in den Originalwerken.

Weiß man jedoch, dass die Produktionsschmiede Hanna Barbera hinter dem Projekt steckt, wenn auch von Joseph Barbera und William Hanna höchst persönlich umgesetzt, kann man sich von all diesen Gedanken verabschieden, war diese Firma, die auch für die Zeichentrickserien „Familie Feuerstein“, „Die Jetsons“ und „Yogi Bär“ verantwortlich war, trotz aller Sympathie ihrer Werke nicht dafür bekannt möglichst kreativ an ihre Projekte heranzugehen. Ihre Ideen trafen den jeweiligen Zeitgeist, und darauf basierend wurden im Schnellverfahren möglichst viele Episoden zum jeweiligen Projekt abgeliefert. Feinarbeit sieht anders aus.

Zwar verstand man, dass „A Laurel and Hardy Cartoon“ (Originaltitel) nur funktionieren könne, wenn man einer Folge 5 anstatt 25 Minuten widmet, ansonsten serviert man jedoch ein Produkt, dessen Sinn außerhalb des schnellen Geldverdienens sich mir nicht erschließen will. Da setzt man Laurel und Hardy in mehrere konfuse Situationen, je nach Episode einen anderen Beruf ausübend, manches Mal gar als Agenten agierend, und der Zuschauer darf sich dabei zurecht fragen warum für diese Geschichten Stan und Olli gewählt wurden. Sie haben bis auf das Aussehen der Stars nichts mit den beiden gemein, weder ihren Humor, ihre Eigenarten, noch ihre Handschrift in Sachen Handlungsverlauf.

Stan und Olli werden austauschbar, hätten von jeder anderen berühmten oder nicht berühmten Comicfigur ersetzt werden können, und damit ist der mögliche Sinn eines solchen Projektes weder erfüllt, noch gestriffen worden. Vielleicht hätte man herabsteigend von den großen Erwartungen und fernab jedes Vergleiches zum Original-Duo trotzdem alternativ mit der Serie leben können, aber einfallslose Drehbücher, billigste Animationen und maue Lacher degradieren „Dick & Doof“ schließlich zu dem, was man dem Projekt am wenigsten gewünscht hätte, insgeheim aber im Vorfeld bereits vermutet hat: die Serie ist schlecht ausgefallen. Sie weiß maximal junge Schulkinder zum Lachen zu bringen, was aber auch nicht schwierig ist. Die Serie ist ein uninteressantes, unterhaltungsfeindliches Produkt für den schnellen Dollar und leider nicht einmal das was es behauptet zu sein: eine Zeichentrickversion der Abenteuer von Laurel und Hardy.


PREDATORS (2010 Nimród Antal)


Mehrere kampferfahrene Menschen erwachen auf einem fremden Planeten und merken recht bald, dass sie hier sind um gejagt zu werden. Der Überlebenskampf beginnt gegen einen Gegner, über den man nichts weiß...


Predator vs. Predator...

Warum sich „Predators“ der Einstiegssituation von „Cube“ bedient, verstehe ich nicht, beginnt der Film doch allein damit sehr konstruiert und unsinnig. Da es ohnehin nur um den Überlebenskampf in einem Dschungel geht, der zudem fast nur aus Pflanzen besteht, wie es sie auch auf der Erde gibt, hätte der dritte Teil der „Predator“-Reihe auch gleich auf unserem Planeten spielen können. Ich kann zwar aus Produzentensicht verstehen, dass mehr Menschen ins Kino laufen, wenn die Fortsetzung den Aufhänger besitzt auf einem fremden Planeten zu spielen, oder, wie oft falsch angekündigt, auf dem Planeten der Predatoren, aber da hätte es viele andere inhaltliche Ansätze gegeben eine Geschichte über des „Alien“-Fan zweitliebste Kreatur außerhalb der Erde spielen zu lassen, und von denen, das wage ich zu behaupten, wären die meisten kreativer ausgefallen.

Kreativ war man bereits in „Predator 2“ nicht, der ziemlich lahm auf den Erfolg des Schwarzenegger-Filmes aufstieg, ohne dessen Reiz verstanden zu haben. So braucht es trotz der Begeisterung um die titelgebende Kreatur auch nicht verwundern, dass das Kino-Franchise, von den Spin-Offs „Alien vs. Predator“ und „Aliens vs. Predator 2“ einmal abgesehen, erst 20 Jahre später eine weitere Fortsetzung beschert bekommen hat. Nun ist „Predators“ leider zu einer Zeit entstanden, in welcher die großen Blockbuster unkreativer denn je ausfallen. Gerade wenn alte Erfolge neu aufploiert werden, dann setzt man auf Nummer Sicher und erzählt selbst angebliche Fortsetzungen eher als Remakes.

Und so sehr „Predators“ mit seiner anderen Welt und dem ungewöhnlichen Aufhänger, ja sogar mit einem deutlichen Benennen der Ereignisse aus Teil 1 (Teil 2 wird ignoriert), auch davon ablenken will, eigentlich stielt er das Szenario des ersten Teils, den Überlebenskampf im Dschungel gegen einen außerirdischen Jäger, auch wenn die Geschichte aufgrund des anderen Spielortes und der veränderten Situation nicht so minimalistisch ausfällt wie im Original. Gerade dies ist schade. Wenn schon Teil 1 kopieren, dann hätte man doch gerade das Minimalistische mitkopieren sollen, was dem Film erst den letzten Schliff bescherte. Aber das ist im Mainstream-Kino großer Blockbuster-Werke heutiger Zeiten nicht möglich, das stets von größer, lauter, schneller lebt.

Vielleicht kann man sich deswegen glücklich schätzen, dass „Predator 3“ (Alternativtitel) zumindest letztgenannte Pflicht ignoriert, ist er doch recht langsam erzählt, zumindest für einen Blockbuster aus den 10er Jahren des laufenden Jahrhunderts. Wer Spaß mit der zweiten Fortsetzung haben will, der muss einiges an Unsinn ignorieren können, strotzt die Geschichte doch nur so von nicht durchdachten Geschehnissen und Handlungsweisen, von Widersprüchen in der Geschichte und von grundlegendem mangelndem psychologischem Verständnis.

Den größten Bock schießt man gleich zu Beginn, wenn eine Person nach einem Feuerangriff von einer anderen Person wegläuft, um sich zu verstecken, und die selbe Person, von der er sich entfernt hat, sich bereits im Versteck befindet. Wie kann einem solch ein grober Schnitzer nicht auffallen bevor der Film dem breiten Publikum zugänglich gemacht wird? Solche Szenen wären eher typisch für Komödien wie „Die nackte Kanone“, sind dort aber zumindest beabsichtigt um sich über das Medium Kino lustig zu machen. In „Predators“ kann man das nur noch als peinlich bezeichnen.

Kann man über die vielen Idiotien hinweg sehen, was mir persönlich sehr schwer fällt, dann kann man jedoch recht okay unterhalten werden. Regisseur Nimród Antal bewies bereits mit „Motel“ das er Stoffen mit wackelnder Logik einen spannenden Stempel aufdrücken kann. Zwar erschafft er hier nicht solch eine dichte Atmosphäre wie dort, was aber auch daran liegt dass die „Predator“-Reihe stets mit dem Genre der Action verbunden war, aber zumindest ist das Ganze recht stimmig inszeniert. Professioneller würde die ganze Chose sicher wirken, wenn man das hohe Talent, welches die beiden Schauspieler Topher Grace und Adrien Brody besitzen, ebenfalls zu den Vorteilen des Filmes zählen könnte, aber wer sie nur aus „Predators“ kennt, würde nie erkennen, dass diese beiden Mimen mehr können als ihre Sätze aufzusagen.

Somit ist es eigentlich egal ob hier wer talentiert oder weniger talentiert ist, andererseits zieht hier zumindest niemand mangelnden Talents das Niveau nach unten, ein Aspekt unter dem „Terminator 5 - Genysis“ gelitten hat bei all seinen mauen bis schlechten Schauspielern. Die Akteure in „Predators“ sind alles Profis ihres Fachs und verkörpern ihre Figuren zumindest so glaubwürdig wie das Drehbuch es zulässt. Die wahren Schwächen sind dort zu suchen. Ein Charakter, der am Ende des Filmes nicht das ist, was er zu Anfang zu sein schien, ergibt aufgrund der Motivation seines Überlebenswillen rückblickend strategisch zu Beginn des Filmes keinen Sinn, so dass diese Randerscheinung, wie so oft im modernen Blockbuster, sich einzig auf den Überraschungeffekt am Ende konzentriert, für ein Publikum, das nicht zurückschaut und hinterfragt ob die Aufdeckung der Wahrheit auch kompatibel mit den Geschehnissen zuvor war.

Auch sonst lässt das Drehbuch die Glaubwürdigkeit seiner Figuren oft wanken. Da besitzten Kriegserfahrene Strategien um an Informationen zu gelangen, durchschauen Fallen und wissen wie man den Predatoren die Jagd erschwert, aber auf wichtige Hinweise, wie dem sehr entscheidenden leise zu flüstern, um von einer Schwäche des Gegners zu profitieren, um nicht entdeckt zu werden, scheißt man, selbst eine Minute nachdem man diesen Tipp erhalten hat. Dem Blockbuster-Publikum hätte man scheinbar einen geflüsterten Restfilm nicht zutrauen können, das würde mehr Konzentration vom Zuschauer erfordern.

So reiht sich allerlei Unsinn innerhalb eines gedankenlosen Plots aneinander, dass man sich tatsächlich wundern darf, wie es Antal trotzdem schaffte den großen Crash zu umgehen und trotzdem etwas halbwegs Unterhaltsames auf die Beine zu stellen. Trotz fehlender Sympathie sind einem die Figuren schließlich nicht egal. Stets ist man mittendrin im Geschehen, und von einer Phase kurz nach dem Ausstieg des Gastauftritts von Laurence Fishburne einmal abgesehen, in welcher die Story kurz ereignislos actionreich auf der Stelle tritt, kommt auch nie Langeweile oder Stillstand auf. Das liegt meiner Meinung daran, dass man, ähnlich wie bei „Outpost - Zum Kämpfen geboren“, stets an der Strategie und den Diskussionen der Truppe teilnimmt. Probleme werden gelöst, und wir sind nicht erst bei der Ausführung dabei, sondern bereits bei der Planung. Das verbindet einen mit den Protagonisten und macht aus einem theoretisch eintönigen Szenario eine Geschichte zum Miterleben.

Dass dies bei „Predators“ funktioniert, verwundert schon, bei all den Unsinnigkeiten, die uns hier als Strategie und Diskussion vorgesetzt werden, aber dem ist so. Daraus erntet man zwar keine Empfehlung oder einen astrein laufenden Unterhaltungsfilm, aber man reitet den Film damit trotz übler Produzentenentscheidungen zumindest nicht in die Scheiße. Auch Quantitäten wissen zu helfen. So kann man z.B. nicht über die Kreaturen- und Spezialeffekte meckern, die bei einem Blockbuster dieses Kalibers freilich neben den Schauspielerkosten das meiste Geld verschlungen haben. Aber das sind alles keine Aspekte die einen guten Film ausmachen, so dass „Predators“ aufgrund seiner Schwächen trotzdem nur ein austauschbares Filmchen geworden ist, welches nur Denkverweigerer als kompromisslos unterhaltsam bezeichnen können. Aufgrund seiner Kurzweile hat mir die zweite Fortsetzung jedoch besser gefallen als die erste.


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Montag, 27. Februar 2017

DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE (The Legend of the 7 Golden Vampires 1974 Roy Ward Baker u.a.)



Ein Dorf in Hongkong wird von sieben Vampiren terrorisiert. Ein Kämpfer sucht Hilfe bei Van Helsing, der sich gerade in Asien aufhält...


Die zwei Gesichter des Dracula...

Auch wenn er im deutschen Titel des neunten und letzten Teiles der Hammer-“Dracula“-Reihe nicht genannt wird, Dracula ist stets zugegen, wenn auch nicht dargestellt durch Christopher Lee. Sein Nachfolger wird zwar optisch auf Lee getrimmt, kann ihm aber nicht das Wasser reichen. Wirklich schlimm ist das nicht, steckt der Blutsauger doch erstens die meiste Zeit des Filmes über in einem anderen, asiatischen Körper, und zweitens ist er nur eines von vielen Ungeheuern in diesem Film. Dass sich die Hammer-Studios nach moderneren Wegen umsehen mussten, als der klassische Horror nicht mehr gefragt war, ist bekannt. Und von all den Versuchen neue Themen und Methoden zu entwickeln, kann man „7 Brothers Versus Dracula“ (Alternativtitel) wohl als den ungewöhnlichsten und gewagtesten nennen, ohne lange nachdenken zu müssen.

Die Hammer-Studios arbeiteten für den neunten Teil ihrer Vampir-Saga mit den nicht minder legendären Shaw Brother-Studios zusammen und präsentieren somit einen Mix aus Horror und Handkantenfilm. „7 Brothers and a Sister Meet Dracula“ (Alternativtitel) ist längst nicht so ausgeflippt ausgefallen wie solche Shaw Brother-Produktionen wie „Invasion aus dem Innern der Erde“ oder „Das Blut der roten Python“. Für einen Hammerfilm ist das Ergebnis jedoch extremst wild und wüst ausgefallen. Gedreht wurde vor Ort in Hongkong, und da hielt man sich in vielerlei Hinsicht an das Motto „andere Länder, andere Sitten“. Nicht nur die Kampfmethode der Vampire steht für eine andere Art Gefahr, auch ist sich Van Helsing nicht sicher welche Tötungsmethoden in einer solch anderen Kultur notwendig sind.

Und er soll mit seinen Zweifeln recht behalten, kann Feuer dem Vampir doch diesmal schaden, und eine Buddha-Figur ersetzt das in Großbritannien so wirksame Kreuz, wird aber weniger angewendet, da es nicht so handlich wie das Symbol der Christen ist. Interessant ist, dass inmitten der asiatischen Regeln und des hier regierenden Chaos‘ Peter Cushing eine gute Figur macht. Er sorgt nicht nur für das nötige Niveau des Streifens, er fällt auch in Kampfsequenzen nicht all zu stark zurück. Zudem wird er nicht zu einer Randfigur, die an alte Werke erinnern soll, sondern er wird würdig in die Story als eine der Hauptfiguren integriert. Man sieht Cushing nicht an was er von dem Treiben hält. Gekonnt spielt er wie in jedem Hammer-Produkt mit dem nötigen Ernst und der nötigen Würde.

Der Sohn Van Helsings, der seinem Vater zur Seite steht, kann mit seinem langhaarigen 70er Jahre-Stil Peter Cushing nicht unterstützen. Er dient ohnehin nur als Love Interest einer Asiatin, sieht in seinen schlimmsten Momenten jedoch wie Ilja Richter aus, was nicht ganz zur Rolle passen will. Auch an den asiatischen Dracula muss man sich erst einmal gewöhnen. Warum auch er, kaum im Körper eines Asiaten gelandet, deren Bräuche übernimmt weiß der Geier, aber wer hinterfragt das schon bei einem solch banalen Werk wie „7 Brothers of Dracula“ (Alternativtitel), in dem sich zum Thema Dracula einfach auf Hongkong-Action-Art ausgetobt wird?

Positiv fallen als Horror-Zusatzelement die Knochenmänner auf, welche Helfer, bzw. Sklaven der Vampire sind und nicht nur Zombie-ähnlich aussehen, sie entsteigen auch dem Erdboden wie es Zombies tun. Das verleiht „The Last Warning“ (Alternativtitel) einen gewissen Touch, eine zusätzliche Stärke, und solche Quantitäten benötigt der Streifen bei seinem dünnen Plot dringend. Dementsprechend ist man auch froh um jeden Sehwert, mögen es die Monster sein, die Fledermäuse, die Nacktaufnahmen oder manch härtere Gore-Szenen. Irgendwie hält sich „Dracula and the Seven Golden Vampires“ (Alternativtitel) wacker über Wasser. Damit gehört er zwar bei weitem nicht zu den besten Teilen der Reihe, der ungewöhnlichste ist er jedoch auf jeden Fall geworden.


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Sonntag, 26. Februar 2017

DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT (The Satanic Rites of Dracula 1973 Alan Gibson)


Eine Gruppe mächtiger Herren nimmt an okkulten Riten einer Geheimorganisation teil. Van Helsing hilft den Ermittlern und findet heraus, dass Dracula hinter allem steckt und diesmal größere Ziele verfolgt als üblicherweise...


Der Konzern des Grafen Dracula...

Als man mit dem Vorgänger „Dracula jagt Mini-Mädchen“ der totgelaufenen klassischen Reihe um „Dracula“ neuen Pepp verlieh, sorgte dies für genügend Kasse, dass sich eine schnell nachgereichte weitere Fortsetzung lohnte. Erneut engagierte man Regisseur Alan Gibson, erneut ließ man Van Helsing gegen Dracula im England der 70er Jahre gegeneinander antreten, und da laut Film gerade einmal drei Jahre zwischen den Ereignissen liegen, konnte man auch sonst manche aus dem direkten Vorgänger bekannte Figur wieder mit einbauen. Aus der Rezeptur von Teil 7 hatte man jedoch nicht gelernt.

Es braucht nicht verwundern, dass Christopher Lee hier ein letztes Mal den Dracula mimt und auch für einen Kurzauftritt in der letzten Fortsetzung „Die 7 goldenen Vampire“ nicht mehr zu haben war. Ebenso braucht es nicht verwundern, dass man mit dem letzten Teil der Reihe erneut neue Wege suchte die Reihe fortzusetzen, fehlt „Dracula braucht frisches Blut“ doch der Charme und die Klasse des Vorgängers und macht trotz des Erfolges der Mini-Mädchen alles anders als dieser. So klassisch der deutsche Titel klingen mag, so wenig hat die Art der Inszenierung mit der Rest-Reihe gemein. Der Vorgänger gab sich modern, im Kern klassisch und kam so verspielt daher wie noch jeder Teil der Reihe. „The Satanic Rites of Dracula“ (Originaltitel) lässt jedoch jeglichen verspielten Charme und jegliches Augenzwinkern vermissen, dabei hätte ihm dies bei seiner hochgradig unsinnig ausgefallen Geschichte sehr gut getan.

Zwar erhöht man den Blut- und nackte Haut-Pegel im Vergleich zum Vorgänger nur minimal, aber „Rites of Dracula“ (Alternativtitel) ist sehr reißerisch erzählt, nimmt sich viel zu ernst und erscheint einem eher wie eine Agentengeschichte, in welcher ein okkulter Orden die Weltherrschaft an sich reißen möchte, als wie eine Vampirgeschichte. Die Vampirrezeptur wirkt so krampfhaft ins Restgeschehen eingebracht, dass die Vermutung nahe liegt, dass hier ein Drehbuch zu einem ursprünglich anders gedachten Thema auf die Schnelle in einen „Dracula"-Film umfunktioniert wurde.

Dieser Verdacht verdichtet sich, wenn man sich die Rolle des kaum auftauchenden Grafen Dracula einmal näher ansieht. Der hat nun völlig blödsinniger Weise einen Konzern errichtet, von dessen Chefetage aus er unentdeckt vom Rest der Welt das Ende eben dieser einleitet. Ohne die Vampirthematik hätten wir hier den klassischen James Bond-Bösewicht. Und dass Lee, bis auf seine Vampirzähnchen und seinen Umhang, gerade in der sehr langen Büroszene, so gar nicht wie der Graf wirken mag, lässt darauf schließen dass sein einziger Auftritt außerhalb des Finales, das klassische vampirische Verführen eines weiblichen Opfers, nachgedreht wurde, um „Count Dracula and his Vampire Bride“ (Alternativtitel) wenigstens einen Hauch klassisches Dracula-Feeling zu verleihen, zum Zweck die Figur mit dieser eingefügten, nicht zum Restgeschehen passenden, Szene auch wie Dracula wirken zu lassen.

Was auch immer die Hintergründe waren, die Geschichte ist reiner Nonsens, geht es doch um einen okkulten Club, der mittels eines neu gezüchteten, aggressiveren Pest-Virus die Menschheit ausrotten möchte. Van Helsing vermutet darin eine Todessehnsucht des Vampirs, der vor seinem Untergang noch die komplette Menschheit, vielleicht sogar das komplette Universum in den Untergang reißen möchte. Als pulpiger 70er Jahre-Streifen weiß „Dracula Is Alive and Well and Living in London“ (Alternativtitel) auch tatsächlich zu funktionieren, eben weil er all diesen Unsinn bierernst erzählt. Da sich das alles aber so gar nicht wie ein Teil der „Dracula“-Reihe anfühlt, werden Stammzuschauer der Hammer-Reihe verprellt, sofern sie nicht auch moderneren Horrorstoffen gegenüber aufgeschlossen sind.

Man kann also behaupten, dass Christopher Lee seinen letzten Auftritt als Dracula in „Dracula jagt Mini-Mädchen“ absolviert hat. Nicht nur dass er trotz Erstnennung in Vor- und Abspann nur ein Gast in seinem eigenen Film ist, er wirkt auch nicht wie Dracula, so wie der komplette Film mit seiner reißerischen Agentengeschichte nicht wie ein „Dracula"-Film wirkt. „Dracula braucht frisches Blut“ wäre ohne die Vampirthematik noch eine Spur sympathischer ausgefallen. Dann hätte man ihn vielleicht sogar einen Hauch ernster nehmen können.

Man hätte die Figur des Van Helsing lediglich als Berater okkulter Ermittlungen einbauen können, „Akte X“-like, anstatt ständig auf der Dracula-Masche herumzureiten. Dann hätte daraus eine eigene Reihe innerhalb der klassischen Reihe werden können. Aber mit der nicht wirklich kompatiblen Vampirthematik vermengt, und mit der unsinnigen Ergänzung Draculas als Großunternehmer (und einem noch viel dämlicheren, viel zu früh genannten Verdacht Van Hellsings, Dracula könne hinter all diesen Ereignissen stecken), wird aus Gibsons zweiten Ausflug der Hammer-Reihe lediglich ein unfreiwillig komischer, wahnwitziger, reißerischer und pulpig sympathischer Streifen für Freunde ungewöhnlicher, schundiger 70er Jahre-Produktionen. Aber das ist immerhin noch um einiges besser als ein mittelmäßiges oder schlechtes Ergebnis.


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DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN (Dracula A.D. 1972 Alan Gibson)


Die Clique von Jessica Van Helsing feiert so zum Spaß auf unheiligem Boden eine schwarze Messe, nichts ahnend dass einer ihrer Freunde ein Diener Draculas ist, der mittels dieser Messe seinen Meister zum Leben erweckt. Graf Dracula sinnt auf Rache, seit Jessicas Urgroßvater ihn einst besiegte...


Van Helsing ist tot, es lebe Van Helsing!...

Erstmals seit dem 1958er „Dracula“ treffen Peter Cushing als Van Helsing und Christopher Lee als Dracula in der Hammer-Reihe um den mächtigsten Vampir wieder aufeinander. Das wurde aber auch Zeit! Diese ist nicht stehen geblieben, was den Hammer-Studios, die eher auf klassischen Horror abonniert waren, nicht gut tat. Das Genre wurde vom Terrorkino beeinflusst immer härter. Wer mit Dracula Menschen ins Kino locken wollte, der musste sich etwas einfallen lassen, und da reichte es nicht zwei Horrorikonen aufeinander treffen zu lassen. Um der ganzen Chose den nötigen Schwung zu verleihen, versetzt man die Handlung nach einem Einstieg im 19. Jahrundert in das Entstehungsjahr des Filmes, was dem Werk einen modernen und entfremdenden Touch beschert.

Die 70er Jahre sprechen für sich. Das beginnt mit der ersten Aufnahme im Jahr 1972, die von einer Musik begleitet wird, wie man sie in einem Kriminalfilm vermuten würde. Doch das passt ganz gut, allein schon weil die Polizei in den von Dracula verursachten Morden ermittelt, auch wenn sie dabei einen weitaus geringeren Part neben Peter Cushing einnimmt, der einen Nachfahren seiner eigenen Rolle aus den Teilen 1 und 2 verkörpert. Die peppige Musik verleiht dem Film einen angenehmen sleazy Touch, der zu der Zeit häufig im Kino neue Akzente setzte und selbst Schmuddelwerke dieser Tage interessant erscheinen lässt.

Mit den Teens im Zentrum hatte man die nötigen Identifikationsfiguren der neuen Generation, und in den Hochzeiten von Drogen und freier Liebe war genügend Platz für Esotherik und damit für Okkultismus, so dass die Geschichte nicht zu konstruiert wirkt, wenn nicht an den Satan glaubende Jugendliche eine schwarze Messe veranstalten. Als Mutprobe angesetzt bleibt sie in der Geschichte nicht nur glaubwürdig, ihre düstere Inszenierung reißt gar richtig mit. Wo „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (welch dämlicher Titel) an mancher Stelle schräg und flott inszeniert ist, da ist er es an anderer, richtiger Stelle düster und ernsthaft.

Die Messe gehört wie erwähnt zu diesen Momenten und kann sich wahrlich sehen lassen, was aber auch am überzeugenden Spiel Christopher Neames liegt, der hier den Diener Draculas Johnny Alucard spielt. Seine Szenen gehören ihm, und mit seinem jungen, düsteren, leicht schelmischen Erscheinungsbild ist er eine bereichernde Ergänzung neben Christopher Lee als Dracula, der zwar sehr wenige Auftritte beschert bekommen hat, dafür aber endlich wieder so düster wie unter Terence Fisher spielen darf.

So modern sich das Ganze auch ins 20. Jahrhundert verfrachtet, in der Großstadt spielend unter Jugendlichen mit flotter Musikuntermalung guckt, die eigentliche Geschichte verläuft innerhalb dieser Rahmenbedingungen trotzdem überraschend klassisch. Da wird nichts mit nackter Haut aufgepuscht, da gibt es nur ein, zwei Tröpfchen mehr Blut als bislang zu sehen, und wenn Dracula erst einmal auferstanden ist folgt auch der Handlungsverlauf dem typischen Muster, wie er auch im 19. Jahrhundert hätte erzählt werden können. Würde im Finale nicht zeitgenössische Musik im Stile der Soundtracks der Rialto-Wallace-Reihe im Hintergrund spielen, man würde glatt vergessen in welchem Jahrhundert wir uns befinden, findet der Endkampf doch in einer alten, verfallenen Kische statt.

Ein klassisches Happy End muss es geben, auch hier verweigert sich „Dracula Chases the Mini Girls“ (Alternativtitel) der Moderne. Der Tod Draculas kann sich diesmal glücklicher Weise sehen lassen, so dass es auch in diesem Punkt nichts zu meckern gibt. Trotz des trashigen Titels und der eher gewagt als vielversprechend klingenden Idee Van Helsing und Dracula im 20. Jahrhundert aufeinander treffen zu lassen, ist „Dracula A.D. 1972“ (Originaltitel) eine der gelungensten Fortsetzungen des Originalfilmes mit Christopher Lee, und dies gerade einmal zwei Jahre nach dem missglückten sechsten Teil „Dracula - Nächte des Entsetzens“.


Weitere Reviews zum Film: 


Samstag, 25. Februar 2017

LAUREL UND HARDY IN OXFORD (A Chump at Oxford 1940 Alfred J. Goulding)


Stan und Olli bemerken nach einem erneut angerichteten Chaos, dass sie zu dumm sind und beschließen zur Schule zu gehen. Da sie durch Zufall einen Bankräuber aufhalten, bezahlt ihnen der Bankdirektor aus Dank eine Schulausbildung in Oxford...


Das andere Kinn auch...

In ihrem letzten kreativ freien Jahr unter Hal Roach, bevor das Komiker-Duo für FOX ohne Mitspracherecht Filme drehte, entstand neben „Dick und Doof auf hoher See“ auch „Laurel und Hardy in Oxford“, beides zugegebener Maßen wundervoll anzuschauende Komödien, aber die meisten Besonderheiten, die ein solches Werk zum Leckerbissen machen, findet man eher im hier besprochenen Film. Wie so ziemlich alles was die beiden zusammen an Langfilmen gedreht haben, so besteht auch „Das Fenster im Nacken“ (Alternativtitel) lediglich aus einzelnen Episoden, die mehr bemüht als rund aneinandergereiht werden, um so etwas wie eine Geschichte zu suggerieren. Aber wie so oft bei Laurel und Hardy haben es diese Episoden in sich.

Sich zunächst als Butler-Ehepaar ausgebend richten sie das typische Chaos an, wie man es seit ihrer Kurzfilmzeit von ihnen gewohnt ist. Dies wird weiter fortgeführt in einer nicht minder witzigen Szene als Straßenkehrer, die zu einer zufälligen Überführung eines Bankräubers führt. Und erst jetzt findet die Reise nach England statt, die übersprungen wird um direkt in Oxford weiter zu blödeln. Hier beginnt nun die beste Phase von „Dick und Doof als Studenten“ (Alternativtitel), stolpern die beiden aufgrund eines Studentenjuxes doch nun Stunden lang in einem Labyrinth umher, welches zu dem Höhepunkt führt, in welchem Stan Laurel mit einer Zweitperson ein perfekt choreographiertes Hand- und Fingerspiel mit drei Händen durchführt. Da will man gar nicht wissen wie lange allein an dieser Szene geprobt wurde.

Wer gut aufpasst kann nun, rausgekommen aus dem Labyrinth und weiteren Studentenstreichen ausgesetzt, passend britisch besetzt den zukünftigen Horrorstar Peter Cushing entdecken, der in halbwegs jungen Jahren einen der Studenten mimen darf, wenn auch keinen der wirklich im Vordergrund stehenden. Das ist aber auch egal, die Show gehört ohnehin Stan Laurel und Oliver Hardy, und wenn diese nach einer herrlich absurden Auseinandersetzung mit dem Dekan nun ihr letztes Kapitel in „Dick und Doof in der Schule“ (Alternativtitel) beschreiten, wagt man inhaltlich etwas, das auch nach hinten hätte losgehen können. Wir erfahren Hintergründe über Stan, wer er einst war und wie er so dumm wurde wie wir ihn kennen.

Wenn Laurel nach einem Schlag auf dem Hinterkopf an Dummheit verliert und Arroganz gewinnt, darf der gute Mann einmal anders spielen als sonst, was keineswegs einen heruntergeschraubten Grad an Komik bedeutet. Ganz im Gegenteil, allein was in geschätzten 3 - 5 Minuten gegen Ende von „Genies in Oxford" (Alternativtitel) nun an Dicken-Witzen fällt, lässt sich kaum zählen und gehört, trotz des beleidigenden Charakters, zu den großen Lachern des Filmes. Selbstverständlich muss Stan im Laufe der Geschichte wieder der Alte werden, denn ein Erfolgspaar wie Dick und Doof reißt man nicht auseinander. Und mit der „Heilung“ Laurels schließt „Sprung ins Glück“ (Alternativtitel) - ein Happy End für Olli, nicht aber für Stan, aber der weiß ja nicht welches Leben ihm gerade entgangen ist.


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DIE KLOTZKÖPFE (Block-Heads 1938 John G. Blystone)


Stan Laurel hält 20 Jahre nach Kriegsende noch immer brav die Stellung im Schützengraben, da ihm niemand mitgeteilt hat, dass längst kein Krieg mehr tobt. Als er Heim gebracht wird, sucht ihn sein ehemaliger Freund Oliver Hardy auf. Da dieser Laurel zunächst für einen Invaliden hält, bietet er ihm an bei sich und seiner Frau zu wohnen...


Weder Steak noch siebenschichtige Torte...

Wenn man einem Film von Laurel und Hardy Episodenhaftigkeit und das Fehlen einer echten Geschichte vorwerfen darf, dann ist es „Die Klotzköpfe“, der fast ständig nur von Nebensächlichkeiten erzählt. Zunächst erleben wir Stan im Schützengraben, der 20 Jahre lang das Kriegsende verpennt hat, dann, zumindest noch auf diese Idee aufbauend, sucht Olli ihn im Heim für Soldaten auf und glaubt sein Freund würde nur noch ein Bein besitzen. Dann erweist sich die Heimfahrt mit einem Auto als tückisch, schließlich auch der Gang 13 Stockwerke nach oben, da der Fahrstuhl kaputt ist. Eine Schlägerei, Schattenspiele und das Anlegen mit einem Vater und seinem Sohn sorgen dafür, dass es immer wieder rauf und runter geht, man in der Wohnung so schnell also nicht ankommt. Doch mal dort angekommen gibt es zunächst Ärger mit der Ehefrau, dann mit der Küche und schließlich auch mit der Eifersucht eines Mannes von nebenan, der Großwildjäger ist.

Selten war mir der Zustand keine echte Geschichte erzählt zu bekommen so egal wie im hier vorliegenden Fall, ist „Blockheads“ (Alternativtitel) doch einer meiner absoluten Lieblingsfilme des berühmten Komiker-Duos, so sehr wie hier der Wahnsinn herrscht und eine gute Idee an die nächste gereiht wird. Im Schützengraben bei Stan lauern Witze, die einem über 50 Jahre später in „Die nackte Kanone“ unglaublich modern vorkamen. Kleine Ideen, wie ein viel zu schnell nach unten rasender Fahrstuhl, und große choreographische Szenarien, wie Hardys Hilfe Laurel gegenüber, der fälschlicher Weise für einen Invaliden gehalten wird, wechseln sich gut ineinander greifend ab und lassen dem Zuschauer kaum Zeit zum Luftholen, so viel wie es hier zu lachen gibt.

Und wenn man glaubt man hat alles gesehen, dann darf die Nachbarin sich aufgrund mangelnder Verstecke gegen Ende noch als Sessel tarnen, der stets auf Laurel einschlägt, wenn dieser, nicht eingeweiht, versucht sich auf den angeblichen Sessel zu setzen. Typische Laurel-Spinnereien wie das Rauchen einer Pfeife, bei welcher die eigene Hand zur Pfeife wird, oder das Herunterziehen des Schattens einer hochstehenden Jalousie, dürfen ebenso wenig fehlen wie seine Tolpatschigkeit, Ollis Neigung aufgrund von Überheblichkeit im Chaos zu landen und jeglichen weiteren Running Gags, die sich aus etlichen (Kurzfilm)-Jahren Dick und Doof entwickelt haben.

Die beiden Komiker agieren in bester Laune, blödeln hemmungslos albern und gekonnt vor sich hin und beweisen einmal mehr ihre Grenzenlosigkeit in Bezug auf ihre Themenvielfalt. Bittere Themen wie der Krieg umgehen sie nicht. Und auch die Beobachtungsgabe aktueller Geschehnisse fehlt nie. Diesmal veralbern sie eine damals frisch aufgekommene Umgangssprache, was für einige Wortspielereien sorgt, die man ohne diese Kenntnis heutzutage meist nicht mehr versteht. Dem Film tut dies freilich keinen Abbruch, wird dieser Bereich unter vielen in „Lange Leitung“ (Alternativtitel) doch nur nebenbei eingebaut, während um Stan und Olli herum das gewohnte Chaos tobt.

Das Fehlen einer Geschichte sollte neugierige Zuschauer nicht davon abhalten „Block-Heads“ (Originaltitel) einmal zu sichten, bietet er doch wahre Höhepunkte im Schaffen von Oliver Hardy und Stan Laurel, also von zwei Schauspielern, die ohnehin durch ihr enormes Können zu Humorlegenden wurden. „Die Klotzköpfe“ schaut sich wie eine Aneinanderreihung diverser Kurzfilme mit leichtem Bezug zueinander, und irgendwann ist er auf diese Art auch ganz plötzlich vorbei, ohne dass es tatsächlich eine Art von Schlussstrich gibt. Darüber kann sich aber nur jener ärgern, der mit der Komik des Duos nichts anzufangen weiß. Das sind dann aber meistens Menschen, welche die Komik der beiden ohnehin nur als albern und substanzlos empfinden, und die Meinung von Leuten mit solchem Mangel an Beobachtungsgabe ist mir ohnehin ziemlich egal.


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DIE WÜSTENSÖHNE (Sons of the Desert 1933 William A. Seiter u.a.)


Laurel und Hardy wollen an einem landesweiten Treffen ihres Clubs „Die Wüstensöhne“ teilnehmen, aber Hardys Frau ist dagegen. Also stellt Hardy sich krank und lässt sich von einem bestochenen Arzt untersuchen, damit dieser ihm rät sich in Honululu auszukurieren. In Wirklichkeit reist er selbstverständlich mit seinem Kumpel zu besagtem Treffen, nichts ahnend dass es auf dem Schiff nach Honululu eine große Katastrophe gab und die Frauen nun vermuten, dass ihre Männer die Reise nicht überlebt haben...


Die Wahrheit währt am längsten...

Dass „Die Wüstensöhne“ zur Bestzeit des Komiker-Duos Stan Laurel und Oliver Hardy entstand, merkt man sofort. Die Geschichte und der in ihr zelebrierte Slapstick könnte klassischer kaum ausfallen, so professionell wie hier herumgealbert wird, so als würde man einem Best Of ihrer Kurzfilme beiwohnen. Direkt in der ersten Szene dürfen die beiden ein ernstes Szenario mit ihrem Chaos aufbrechen, so wie sie es in der Operettenverfilmung „Hände hoch - oder nicht" noch im selben Jahr perfektioniert haben. Danach folgt schließlich klassischer Slapstick mit fliegendem Geschirr, dem Hineinplumpsen in einen Behälter voll Wasser und ähnliches. Wenn die Heimat endlich verlassen wird dürfen sich noch andere Spaßmacher um das Duo herum gesellen und ebenfalls Lustigkeit verbreiten.

Wer die Filme, und somit auch das hier besprochene Werk, einzig auf seinen Klamaukgehalt reduziert, tut den Komikern Unrecht. Nicht nur dass wir hier gut einstudierte Choreographien präsentiert bekommen, auch das Spiel mit den Klischees um Männer und Frauen und der stets zeitgenössische Blick, diesmal zentral in der Parodie auf Geheimbünde vorzufinden, die zu besagter Zeit hoch modern waren, zeigen durchaus dass hier per Übertreibung das Leben reflektiert wird und man das Chaos in sehr überlegtem Rahmen ansiedelt, im Gegensatz zu geistlosen Konkurrenzprodukten. Dick und Doof werden ihren deutschen Kosenamen nicht gerecht, so vereinfacht wie durch sie dargestellt findet die Komik der beiden Filmstars eben nicht statt, auch wenn es oberflächlich zunächst so wirken mag.

Wie so ziemlich jeder Langfilm der Beiden, so kann auch „Sons of the Desert“ (Originaltitel) nicht verheimlichen, dass Laurel und Hardy ihre Karrieren im Kurzfilmbereich begonnen haben. Zwar wird hier im Vergleich zu „Die Klotzköpfe“ und Co noch relativ gekonnt eine längere, zusammenhängende Geschichte vorgetäuscht, aber letztendlich drittelt auch diese sich in einzelne Episoden, die eher dünn beieinander gehalten werden.

Schaden tut dies den Filmen nicht, die mit 50 - 60 Minuten stets leicht verdaulich bleiben, und da „Fraternally Yours“ (Alternativtitel) ein flottes Tempo mit nur wenigen winzigen Durchhängern bietet, ist für beste Stimmung gesorgt, so sehr wie die beiden Schauspieler in Hochform agieren. „Die Wüstensöhne“ gehört zu den Pflichtfilmen des Komiker-Duos, die man gesehen haben muss, um zum Thema Dick und Doof sinnvoll mitreden zu können.


Donnerstag, 23. Februar 2017

DRACULA - NÄCHTE DES ENTSETZENS (Scars of Dracula 1970 Roy Ward Baker)


Auf der Suche nach seinem Bruder stößt der junge Simon gemeinsam mit seiner Herzensdame Sarah auf das Schloss des Grafen Dracula, der sogleich versucht Sarah in seinen Bann zu ziehen...


Der dritte Paul in Folge...

Noch im selben Jahr von „Wie schmeckt das Blut von Dracula“ entstand auch der sechste Teil der Hammer-“Dracula“-Reihe namens „Dracula - Nächte des Entsetzens“. Zwar versucht man auch hier anhand moderner Elemente sich des Staubs von einst zu entledigen, doch zum einen wäre dies nicht nötig gewesen, so gut wie sich die Klassiker, auf welche der Film basiert, noch heute gucken, und zum anderen guckt sich Christopher Lees fünfter Auftritt des legendären Vampirs trotzdem ziemlich altbacken. Da gibt es zu Beginn eine kleine harmlose Nackedeiaufnahme zu sehen, und auch Hauptdarstellerin Jenny Hanley füllt ihr Dekolleté besser aus als ihre Rolle, vor allem immer dann wenn sie die Kreuzkette zwischen ihren Brüsten hervorholt, von diesen modernen amourösen Anzüglichkeiten einmal abgesehen wird ansonsten aber eigentlich das immergleiche Szenario erzählt, wenn auch diesmal einfallsloser denn je.

Um Draculas Auferstehung wird diesmal kein großer Wirbel gemacht. Der findet direkt zu Beginn statt, verursacht durch eine Fledermaus. Das ist eine ziemlich lahme Idee, wird im weiteren Verlauf mit Vertiefung jener Thematik, dass Dracula Tiere der Nacht kontrollieren kann, trotzdem zu einem halbwegs reizvollen Tierhorror-Zusatzelement, bzw. das würde theoretisch so sein, wenn die albernen Fledermäuse nicht eher niedlich anstatt erschreckend wirken würden. Sieben Jahre nach Hitchcocks „Die Vögel“ wissen diese albernen Szenen nichts zu reißen. Und doch ist ihr Einbringen das einzig Einfallsreiche was „Draculas Blutrausch“ (Alternativtitel) zu bieten hat.

Dracula wird menschlicher verkörpert als eh und je, ist jetzt ein guter Gastgeber geworden, der das Tier in sich erst im entscheidenden Moment zum Vorschein bringt. Halb frustriert, zumindest überraschend und wenig wirkend von Christopher Lee recht melancholisch verkörpert, verbringt der Graf seinen Lebensabend auf dem vom Dorfvolk heruntergefackelten Schloss. Auf die Jagd scheint er nicht mehr zu gehen, dennoch verbarrikadieren die Dorfbewohner jede Nacht ihre Türen, auch wenn es seit der letzten großen Tragik, welche in der selben Nacht des Schlossanzündens stattfand, keinen Vorfall mehr gegeben zu haben scheint.

Ein Stubenhocker von Dracula - das wirkt nicht nur langweilig und einfallslos, es wirkt auch innerhalb des eigenen Dracula-Universums nicht sonderlich glaubwürdig. Die öde Geschichte reiht einen lahmen Charakter nach dem anderen um den müde wirkenden Grafen herum, einzig die tragische Rolle des Gehilfen Draculas versprüht ein wenig Charaktertiefe, zumindest tut der Sarah anbetende Lakaie dem Zuschauer leid, auch wenn man sich darüber wundern darf warum der olle Typ so viel eigenen Willen besitzt.

Wahrscheinlich hat es mit der Kraft der Liebe zu tun, was auch immer. Sinn macht hier ohnehin wenig, und damit habe ich dann wohl, zumindest den bisherigen, Tiefpunkt der Reihe erlebt, denn so anders die einzelnen Teile bislang auch immer ausgefallen sind, unterhaltsam waren sie noch immer. „Brutale Bisse“ (Alternativtitel) wird erst im letzten Drittel halbwegs interessanter, und selbst dann ist er nicht das Gelbe vom Ei bei solch einem blassen Gegenspieler und solch einer idiotischen Art wie Dracula diesmal das Zeitliche segnet.


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BLUT FÜR DRACULA (Dracula: Prince of Darkness 1966 Terence Fisher)


Eine herrenlose Kutsche fährt vier britische Touristen auf das Schloss des verstorbenen Grafen Dracula, in welchem dessen Diener die Auferstehung seines Meisters vorbereitet...


Das eisige Grab des Grafen Dracula...

Während Christopher Lee und mit ihm die Figur des Dracula in der ersten Fortsetzung von „Dracula“, „Dracula und seine Bräute“, pausierte, kehrt er nun in Teil 3 der Reihe zurück. Dafür müssen wir diesmal auf Dr. van Helsing und somit auf Peter Cushing verzichten, der uns nur zu Beginn in Rückblicken aus dem Finale des Originalfilms über den Weg läuft. Inklusive des hier besprochenen Teils blieb Regisseur Terence Fisher bis zu diesem Zeitpunkt der Reihe treu, und es ist gut dass er die Wiedererweckung des titelgebenden Grafen umsetzen durfte, scheint er doch der einzige zu sein, der Christopher Lee zu jener schrecklichen Bestie animiert bekommt, die er auch in seinem ersten Auftritt 1958 verkörperte.

Aufgrund ungünstiger Umstände habe ich zunächst die beiden Fortsetzungen des hier besprochenen Streifens gesichtet bevor ich einen Blick auf "Blut für Dracula" werfen konnte, und musste in diesen ein wenig enttäuscht feststellen, dass die Filme zwar durchaus passabel ausgefallen sind, Lee in der Rolle des Grafen Dracula jedoch nicht mehr halbwegs den unheimlichen Eindruck machte, der ihm in Teil 1 so hervorragend gelang. Mag sein Treiben auch in „The Bloody Scream of Dracula" (Alternativtitel) nicht mit dieser Leistung mithalten können, so ist sie doch trotzdem nah dran, so unmenschlich wie Christopher Lee die Figur des Dracula anlegt, und so legendär mystisch wie die Rolle bei einem zweiten Auftritt noch wirken darf.

In den noch folgenden Fortsetzungen sind Worte wie die in Teil 3 eingangs erwähnten längst vergessen, die betonen Dracula habe über ein Jahrhundert über sein Land geherrscht und viele hätten versucht ihn zu töten, ohne dies zu schaffen. Dracula ist ein mächtiges Wesen und konnte erst mit Hilfe der Forschung endlich besiegt werden. Während die immer leichter zu bewerkstelligenden Mordmethoden der zukünftigen Helden immer mehr an die späteren Finalkämpfe gegen Freddy Krueger und Jason Vorhees erinnerten, was an der Glaubwürdigkeit der Unbesiegbarkeit Draculas nagte, darf hier noch das nur einmal besiegte Grauen auferstehen. Aber schon das Finale von „Dracula 3“ (Alternativtitel) wird zeigen, dass es hiermit zu Ende ist, wird der Graf doch bereits hier auf recht schlichte und etwas zu unspektakuläre Art getötet, zudem eher dem Zufall geschuldet als der Heldenhaftigkeit seiner Gegner.

Dies ist aber dann auch der einzige nennenswerte Schwachpunkt von „Revenge of Dracula“ (Alternativtitel), der seine Geschichte von Beginn an sehr stimmig erzählt. Als Zuschauer taucht man dank interessanter und schnell liebgewonnener Charaktere schnell ins Geschehen ein und vermisst aufgrund der versprühenden Kurzweile auch den Grafen nicht wirklich, der erst sehr spät ins Geschehen tritt. Aber das Warten lohnt sich, spielt Lee, wie erwähnt, den Vampir doch noch mit Herzblut, zumindest in den meisten seiner Szenen, so dass diese Momente tatsächlich ihm allein gehören, so stark wie er seine Präsenz in diesen entfaltet.

Dennoch muss angemerkt werden, dass Lee nicht der einzige Trumpf dieser wundervollen Fortsetzung ist. Die Art wie heimtückisch seine Gehilfen agieren, weiß zu gefallen. Die Schloss-Location ist so beeindruckend ausgefallen wie man es von den Hammer-Studios gewohnt ist, und der Aufbau der Geschichte, in all seinen einzelnen Phasen, ist professionell ausgefallen. Durch die dichte Atmosphäre, die der Film trotz aller nostalgischen Leichtigkeit versprüht, lässt es Terence Fisher nie zu, dass so etwas wie Langeweile oder Stillstand Einzug halten könnte, dafür sind die einzelnen Szenarien viel zu gut ausgearbeitet und die Geschehnisse zu abwechslungsreich konzipiert.

Zwar darf es aus der Sicht sonst typisch angegangener Horror-Klischees ein wenig verwundern, dass schwarze Pferde nur von den Guten geritten werden, während Dracula braune, manchmal gar weiße bevorzugt, und auch manche zu deutlich bei Tageslicht abgefilmte Nachtszene sorgt für leichte Abstriche, schaden können diese winzigen Kritikpunkte dem stark inszenierten Streifen jedoch nicht. Die Harmlosigkeit seines direkten Vorgängers fehlt dem dritten Teil völlig. Fisher baut diesmal nicht mehr auf dessen naivem Charme. Dracula soll ein ehrfürchtiger Gegner sein, und dafür war eine ernstere und düstere Fortsetzung auch zwingend nötig. So sehr mir Teil 2 auch gerade wegen seiner braven, klassischen Art gefallen hat, so sehr begrüße ich es andererseits auch diesmal, dass mit der Wiederkehr Draculas die Naivität großteils über Bord geworfen wurde.


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Mittwoch, 22. Februar 2017

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? (Taste the Blood of Dracula 1970 Peter Sasdy)


Ein Geheimclub dreier Männer das Unfassbare zu erforschen, erweist sich als ermüdender als gedacht. Als die Herren an einen Satansanbeter geraten, wird die Sache interessanter für sie. Man organisiert sich gemeinsam Draculas Blut, verwendet es für eine schwarze Messe und macht schließlich doch noch einen Rückzieher bevor man es trinkt. Im Eifer der unausweichlichen Auseinandersetzung mit dem Satanisten, der von Draculas Blut gekostet hat, töten die drei diesen und verlassen den unheiligen Ort. Aus der Leiche des Teufelsanbeters ersteht Dracula wieder auf und nimmt Rache an den drei Menschen, die seinen Diener töteten...


Der Erste, der Zweite und der Dritte...

Da die Sterbeszene Draculas im Vorgänger „Draculas Rückkehr“ sehr schön umgesetzt war, tut es gut diese zu Beginn von „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ noch einmal erleben zu dürfen. Eingebracht wird sie deshalb, weil damals jemand Zeuge dieser Prozedur wurde, von dem wir im Vorgänger keine Ahnung hatten. Es handelt sich um einen Geschäftsmann, der sich sehr wohl darüber bewusst ist welch wertvollen Fund er mit dem Mantel, dem Blut und dem Emblem Draculas gemacht hat. Bis die eigentliche Geschichte ihren Bogen zu diesen Ereignissen zu Beginn des Filmes wieder aufnimmt dauert ein wenig, dürfen wir doch nun das verlogene Spießbürgertum in der Hauptgeschichte angekommen kennen lernen, welches dem Glück eines jungen Paares im Wege steht.

Was zunächst nach klassischem Spießbürgertum klingt, entpuppt sich als ein Geheimclub dreier Männer, welche Grenzgebiete menschlichen Tuns ausloten wollen. Das gibt der Geschichte nicht nur einen modernen Touch, sondern auch einen sehr interessanten, gerade dann wenn die Herren auf einen abtrünnigen Adligen stoßen, der schwarze Messen abhält und weiß wie und wo man an das Blut von Dracula herankommt. Ob im dramatischen Bereich der jungen Liebe, oder im düsteren Bereich des alte Herren-Club, „Das Blut von Dracula“ (Alternativtitel) ist hoch unterhaltsam erzählt, und so konstruiert die Geschichte auch klingen mag, sie funktioniert und wird von Regisseur Peter Sasdy in einem solch düsteren Ton erzählt, dass man sich endlich wieder in einen richtigen Horrorfilm hineinversetzt fühlt, im Gegensatz zu den meist naiv ausgefallenen bisherigen Fortsetzungen des legendären „Dracula“ mit Christopher Lee.

Der verkörpert auch in dieser mittlerweile vierten von insgesamt acht Fortsetzungen den untoten Grafen, kann mit seinem zu zurückhaltendem Spiel jedoch nicht mit der Kraft der Geschichte mithalten. Die von ihm unter seine Kontrolle gebrachten Helfer wirken aufgrund ihrer tückischen Herangehensweise mehr als der Obervampir selbst, und im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist diesmal auch der Tod Draculas mau umgesetzt, zumal er innerhalb eines Szenarios geschieht, welches ich nicht verstanden habe.

Aber der häufige Handlungsort einer düsteren Kirche, die Art welche Wege die Geschichte geht und was sie an tolle Ideen mit an Bord bringt, und auch so mancher Spezialeffekt, wie das Wiederbeleben Draculas Blutes in der schwarzen Messe, sind alles Pluspunkte die gegen die kleinen Schwachpunkte des Streifens steuern, so dass man trotz des erneut blassen Einbringens Christopher Lees, der den Vampir im Original so genial verkörperte, es mit einem der besseren Filme der Reihe zu tun hat, so anders wie er sich schaut, bei all den Bemühungen der immergleichen Rahmenstory zusätzliche Sehwerte bescheren zu wollen.


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Dienstag, 21. Februar 2017

DRACULAS RÜCKKEHR (Dracula Has Risen from the Grave 1968 Freddie Francis)


Weil er die Eingangstür des Schlosses mit einem Kreuz für den Blutsauger unbewohnbar gemacht hat, nimmt Graf Dracula Rache an Monsignore Müller, indem er dessen Nichte unter seine Gewalt bringt. Da er selbst zu sehr schwächelt um den Kampf gegen seinen Erzfeind aufzunehmen, benötigt der Monsignore Hilfe vom Geliebten seiner Nichte. Da ist es nicht gerade hilfreich, dass dieser ein Atheist ist...


Der Mann mit den blutroten Augen...

Draculas zweite Rückkehr, in der dritten Fortsetzung der Hammerstudio-Version von „Dracula“, ist erstmals nicht von Terence Fisher inszeniert. Ihn ersetzt Freddie Francis, der ebenfalls Stammregiseur besagter britischer Filmschmiede war. Da ich „Blut für Dracula“, den Vorgänger des hier besprochenen Filmes, noch nicht sehen konnte, kann ich nicht beurteilen wie Draculas erste Rückkehr ausgefallen ist. Die Art wie der Graf in „Draculas Rückkehr“ in Szene gesetzt wird, ist zumindest leider nicht mehr halb so wirkungsreich wie im Originalfilm aus dem Jahre 1958.

Dracula ist nicht mehr dieses gierige Monster, dessen Menschlichkeit wie eine Verkleidung wirkte. Die Kamera fängt weder ihn noch seine blutroten Augen in Nahaufnahme erschreckend ein. Spielt Christopher Lee mit halber Backe? Ich weiß es nicht. Aber wahre Wirkung entfaltet der Vampir ironischer Weise erst dann, wenn er stirbt. Dann ist er mit dem Blut um die Augen toll zurecht gemacht, während Lee mit einem bitteren Blick den sterbenden Grafen mimt. Zuvor gab es gar Szenen, in denen er lächerlich wirkte, machte es doch den Eindruck man würde sich in einem Klamaukfilm befinden, sobald Dracula wie irre eine Kutsche lenkt, was immerhin zwei Mal im Film geschieht.

Aber das sind die Tiefpunkte in einem sonst recht unterhaltsamen Film, dem die Intensität des Originals fehlt und der harmlose Charme der ersten Fortsetzung „Dracula und seine Bräute“, der mir im Vergleich besser gefiel. Aber „Dracula‘s Revenge“ (Alternativtitel) besitzt eigene Stärken, wenn auch nicht beim Blutsauger selbst. Während bereits die eigentliche, harmlose Lovestory inklusive eifersüchtigem Sidekick zu gefallen weiß, wird die Story um zwei Asse im Ärmel bereichert. Zum einen tritt ein Atheist den Kampf gegen den Blutsauger an, was die Sache extrem erschwert, zum anderen ist es ein Priester, den Dracula zu seinem Lakaien macht, was von Francis recht reichhaltig ausgekostet wird, so oft wie der Abtrünnige den Wolf im Schafspelz verkörpern darf.

Zwar ist seine Rolle wahrlich tragisch angelegt, immerhin besitzt der Priester im Gegensatz zu vielen anderen Vampirfilm-Gehilfen Momente der eigenen Gedanken (was schließlich auch hilfreich für den Finalkampf wird), aber unter der Macht von Dracula stehend muss er quasi am eigenen Leib darunter leiden, wie er seinen eigenen Glauben mit Füßen tritt und Menschen schadet denen er nicht schaden will. So bleibt er eine traurige Figur selbst dann, wenn er den Willen des Grafen erfüllt, weiß umgekehrt aber auch durch diese durch Reue harmlose Außenwirkung in der Schurkenrolle zu gefallen, wenn alle anderen glauben sie hätten mit dem Priester wen Hilfreiches an ihrer Seite.

Dies plus einige kleine Gimmicks, wie dem Treiben auf den Dächern der Stadt, welches zu einem wichtigen Element des Filmes wird, macht aus „Draculas Rückkehr“, trotz des eher schwachen Einsatzes von Christopher Lee, einen angenehmen Film, der zwar etwas Zeit benötigt um in Fahrt zu kommen und aufgrund unnötiger Fehler, wie einer tageshellen Nachtszene, in welcher Dracula der Dorfschlampe auflauert, sich auch an anderer Stelle schwer tut, aber letztendlich doch ein angenehmer Vertreter der Gattung Horrorfilm ist, vorausgesetzt man mag auch die harmlos ausgefallenen Varianten von einst, die heutzutage niemanden mehr erschrecken und auch für ihre Zeit recht zahm ausgefallen sind.


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Montag, 20. Februar 2017

DRACULA UND SEINE BRÄUTE (The Brides of Dracula 1960 Terence Fisher)


Auf ihrer Reise in ein Mädcheninternat landet die junge Lehrerin Marianne aufgrund veränderter Umstände im Schloss der Gräfin Meinster. Dort stößt sie nachts in einem anderen Teil des Schlosses auf den heimlich weggesperrten Sohn der Gräfin. Sie befreit ihn, ohne zu ahnen dass sie damit einen Vampir auf die Menschen in der Umgebung losgelassen hat. Denen kann nun nur noch Dr. van Helsing helfen, der seinerzeit bereits Dracula ins Jenseits befördert hat...


Graf Meinster und seine Bräute...

Die erste von insgesamt acht Fortsetzungen des legendären Hammer-Erfolges „Dracula“ mit Christopher Lee sollte ebenfalls wieder, ebenso wie die zweite Fortsetzung „Blut für Dracula“, von Terence Fisher umgesetzt werden, der bereits das Original von 1958 schuf. Auch wenn sowohl der deutsche, als auch der englische Originaltitel „The Brides of Dracula“ den getöteten Grafen des ersten Filmes im Titel erwähnen, so taucht dieser in der ersten Fortsetzung doch gar nicht auf. Er ist nicht einmal relevant für die weiblichen Nachkommen im Titel, werden diese doch durch den bereits viele Jahre als Vampir infizierten jungen Grafen Meinster zu Geschöpfen der Nacht, womit sie seine Bräute sind und nicht die seiner berühmteren Konkurrenz.

Ein wirklicher Konkurrent ist David Peel als Meinster freilich nicht, legt er seine Rolle doch weit weniger düster an als es Christopher Lee tat. Ob das eine Entscheidung von ihm oder von Terence Fisher war, lässt sich schwer feststellen, zumindest passt sein Stil der Darbietung zur Restinszenierung, die sich sehr dem klassischen, fast schon naiven, Vampirstoff hergibt. Modern ist es nicht, was man hier zu sehen bekommt. Wie die Vampire erwachen, mit ihren spitzen Zähnchen die Menschen anzischen, wie Meinster per Hypnose verführt, vor Kreuzen zurückschreckt und die Vampire in ihren Särgen hausen, „Dracula und seine Bräute“ ist höchst klassisch und harmlos ausgefallen, keinesfalls gruselig oder zumindest so düster ausgefallen wie der Vorgänger, zieht meiner Meinung nach aber gerade daraus seinen eigenen Reiz.

Einzig jene Szene ist etwas moderner ausgefallen, in welcher Dr. van Helsing völlig unerwartet selbst von einem Vampir gebissen wird, und er daraufhin zu drastischen Mitteln der Selbstheilung greift. Ohnehin hat es diese Phase kurz vor Schluss in sich, ist doch auch die Methode mit welcher es der gebildete Vampirjäger schließlich schafft Meinster endgültig ins Jenseits zu befördern eine sehr interessante, und besonders schön für unvorbereitete Menschen wie mich zu schauen, die sich bei dem Handlungsort einer Windmühle nichts weiter gedacht haben.

Wie auch immer, so naiv der Plot dieses wunderschönen Vampirfilmes auch ausgefallen ist, die Optik dieser etwas schlichter angegangenen Fortsetzung bietet das was man sich von einem Genrebeitrag der legendären Hammer-Studios grundsätzlich erhofft: stimmige Studioaufnahmen, reichhaltige Dekorationen, und klassische Handlungsorte wie Schloss, Friedhof, Kutschfahrt durch den Wald und final wie erwähnt eine Windmühle. Das kann sich alles sehen lassen, sorgt für eine stimmige Umsetzung, wie bereits betont zwar frei von Grusel, aber durchaus mit gothischem Charme umgesetzt. Wem das reicht und wer auf die Härte des Vorgängers verzichten kann, der wird auf klassische Art bestens unterhalten.


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Sonntag, 19. Februar 2017

MAREBITO (2004 Takashi Shimizu)


Der Kameramann Masukoa ist fasziniert vom Erschreckendem im Leben, sammelt Aufnahmen verstörter Menschen, während er selbst fast lethargisch gefühlsarm durchs Leben geht. Von der Aufnahme eines Selbstmörders fasziniert, stößt er in den Tiefen der U-Bahn-Station, wo der Suizid stattfand, auf eine unheimliche Welt unter der Stadt. Dort trifft er auf eine angekettete, nackte, junge Frau, die er von der Unterwelt hoch in die seine nimmt. Zu Hause erforscht er die Befreite, von der er nicht weiß ob sie Mensch oder Kreatur ist...


Unter Wasser waren wir klüger...

Beim Sichten des hier besprochenen Werkes, das eine Art Mix aus Geisterhorror und Psychopathenfilm sein soll, sind mir mehrere (teilweise erst nach „Marebito" entstandene) Parallelstoffe eingefallen, die phasenweise immer Pate für den jeweiligen Schwerpunkt der Geschichte sind. Da sind Elemente aus „Baby Blood“, „Deadgirl“, „Der kleine Horrorladen“, „Alice im Wunderland“, „Nell", „Freeze Frame“, „Silk“ sowie diverse Filme über Wahnsinnige und Geisterwelten enthalten, quasi ein Mix der es in sich hat, aber trotzdem keinen großen Film hervorbringt. Je nach Phase schaut sich das Werk des Regisseurs Takashi Shimizu, der auch „Shock Labyrinth“, sowie „Ju-on“ im Original, im Remake und in diversen Fortsetzungen gedreht hat, stets unterschiedlich interessant.

Den nüchtern erzählten Part erfährt man zu Beginn, wenn wir den dokumentatorischen Worten der Hauptfigur lauschen, viele Aufnahmen aus der Perspektive seiner Videokamera vorgesetzt bekommen und etwas zu schwerfällig in den Stoff eingeleitet werden. Umständlich, ja geradezu wunderlich und verwirrend wird die Geschichte beim Abstieg in die Phantomwelt, bei der man nie weiß wie der gute Mann nun darauf kommt es mit einer Geisterwelt zu tun zu haben. Erst als er auf den quicklebendigen Selbstmörder trifft, scheint es dafür einen Beweis zu geben. Aber bereits hier stellt sich die Frage ob Masukoa etwas Ungewöhnliches erlebt, oder ob aus dem nah an einer Geisteskrankheit angesiedelten Sonderling ein wahrhaft Wahnsinniger geworden ist.

Wirklich interessant wird „Stranger from Afar“ (Alternativtitel) erst in seiner bodenständigeren Phase, wenn der Film sich in einen Forscherfilm a la „Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All“ wandelt, dürfen wir doch nun das Wesen kennen lernen, welches Masukoa schlicht F nennt und mittels moderner Technik stets unter Beobachtung hält. Ist F eine Frau, der Schreckliches zugestoßen ist? Oder ist sie ein fremdes Wesen? Hat sie ihr merkwürdiges Verhalten deswegen weil sie von etwas Unmenschlichem großgezogen wurde, oder ist nur ihr Aussehen menschlich?

Dass dieser an Fakten gekettete Part nicht das ist was er zu sein scheint, erfährt man erst mit der Zeit. Zumindest stößt der Protagonist nun auf einige wertvolle Informationen über das Wesen, u.a. auch darauf wovon sie sich ernährt, und da beginnt nun die Phase der Selbstzerstörung und endgültig die des Wahnsinns, wird Masukoa doch für F zum Mörder, bis er aus diesem Teufelskreis als Ernährer einer Kreatur schließlich die Flucht ergreift und weit von daheim als Einsiedler unter lauter Obdachlosen versucht sich selbst zu finden.

Erst hier erfahren wir die Wahrheit über die miterlebten Geschehnisse, dessen Masukoa sich im Gegensatz zu uns stets bewusst war. Einige Momenten flammten zuvor auf, in welchen sich Vermutungen auftaten, die nun bestätigt werden, und das komplette Geschehen steht damit final in einem anderen Licht als zuvor. Allerdings ist es, wie erwähnt, weder eine schockierend unerwartete Überraschung, noch sorgt der andere Blick auf die Dinge für einen intelligenten Wandel. Die Sachlage ist einfach eine andere. Punkt und aus. Das kann man so annehmen und sich für gedankenlose, wandlungsreiche 90 Minuten der Unterhaltung bedanken, oder man bleibt enttäuscht zurück, nicht wissend was uns Shimizu mit dem Film überhaupt sagen wollte. Vielleicht verrät er es in dem ebenfalls auf der DVD enthaltendem Interview. Auf dieses hatte ich trotz solider Unterhaltung allerdings keine Lust mehr, dafür ist mir „Marebito“ dann doch zu austauschbar ausgefallen.


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DIE RÜCKKEHR DER ZEITMASCHINE (1984 Jürgen Klauß)


Ein Arzt entdeckt in den 20er Jahren im Hinterzimmer eines Trödelladens eine Zeitmaschine und ersteht diese. Herzkrank wie er ist kann der Internist die Reise nicht persönlich angehen, also sucht er gemeinsam mit Freunden nach einer Person, die sie 100 Jahre in die Zukunft schicken können. Nach kurzer Suche ist jemand relativ Unentschlossenes gefunden, aber man bekommt ihn schließlich doch noch überredet auf Reisen zu gehen. Zurückgeblieben im Jahr 1925 warten die Herren nun auf die Rückkehr ihres Zeitreisenden...


Ein Fremder kehrt zurück...

Leicht angelehnt an H.G. Wells‘ berühmten Roman und George Pals Verfilmung „Die Zeitmaschine“, erschien in den 80er Jahren ein recht interessant klingendes Produkt aus Deutschland, welches mittlerweile sogar den Weg auf den DVD-Markt gefunden hat. „Die Rückkehr der Zeitmaschine“, wie das Stück so reizvoll heißt, entpuppte sich schnell als etwas völlig anderes als von mir erwartet, handelt es sich doch um keinen Film, sondern um ein kostengünstig produziertes Fernsehspiel, so wie z.B. auch „Tagebuch eines Frauenmörders“ eines war.

Bei dem aufgedrehten Spiel der beiden zuerst auftauchenden Figuren, hätte man noch eine Komödie vermutet, werden die Charaktere doch überdreht agierend präsentiert, einen Hang zum Klamauk in sich tragend. Die später hinzugestoßenen Figuren bringen aufgrund des ruhiger werdenden Szenarios diese Eigenschaft auf reduzierte Art mit, aber sie schwebt noch immer im Raum, die affige, realitätsferne Übertreibung eines jeden Mitwirkenden. Jeder Darsteller soll eine Parodie des von ihm verkörperten Figurentyps darstellen, was in seiner zu gestellten Art bereits nicht funktioniert. Im Kontext mit der auf Drama orientierten Geschichte macht dieser Ansatz zusätzlich jedoch gar keinen Sinn, so dass sich eine Ernüchterung über das Produkt bereits breit macht, noch bevor das Interesse der Geschichte schwindet.

Dieses wird nie ganz hoch gehalten, so penetrant wie man Zeit schindet. Eine Erwartungshaltung aufbauen wollen, ein Thema vertiefen und Figuren intensiv vorstellen wollen sind alles positive Eigenschaften, aber wenn der Erzählfluss darunter so intensiv leidet, wie hier geschehen, dann ist das nur noch ärgerlich zu nennen. Mit einer Laufzeit von über 110 Minuten überfordert dies die Aufnehmungskraft jener Zuschauer, die auf leichte Unterhaltung hoffen. Wer eher etwas Philosophisches erwartert, bekommt aber ebenfalls eine Geduldsprobe präsentiert, dauert es doch eine gefühlte Ewigkeit bis endlich über das Reisen in die Zeit etwas tiefgründiger gesprochen wird.

Da warten sie nun auf die Rückkehr ihres Zeitreisenden und kommen ins Gespräch. Ich wurde endlich neugierig und hoffte gar darauf, dass sich „Die Rückkehr der Zeitmaschine“ zumindest den Kniff gönnt es bei diesem Szenario zu belassen und den Rest von den Dialogen und somit der Vorstellungskraft der Zurückgebliebenen zu zehren - was zugegebener Maßen bei der uninteressanten Charakterzeichnung der Gruppe selbst bei besserem Ergebnis eine wackelige Angelegenheit gewesen wäre. Aber diese erhoffte Phase der Erzählung ist nur von kurzer Dauer, kehrt die Zeitmaschine kurz darauf doch noch zurück - jedoch mit einer fremden Person an Bord.

Mit diesem unerwarteten Kniff gewann das müde Projekt endlich mein Interesse zurück, aber nun muss man leider warten bis der Rückkehrer auch endlich erzählen kann wer er ist, warum er die Zeitmaschine bedient hat und wie die Welt in 100 Jahren aussieht. Redet er endlich, kommen die Antworten zaghaft aus ihm heraus. Dass manches von ihm Gesprochene den Ohren der Menschen aus dem Jahr 1925, und auch jenen des Zuschauers von heute, rätselhaft klingt und mehr Fragen anstatt Antworten aufwirft, gehört zu einer der wenigen Stärken von „Die Rückkehr der Zeitmaschine“, findet jedoch zu einem Zeitpunkt statt, in welchem der Geduldsfaden des Zuschauers hauchdünn geworden ist, so dass diese Eigenschaft eher eine theoretische Stärke ist, anstatt eine die nun den Unterhaltungswert tatsächlich bereichern würde.

Über den Einfallsreichtum dessen was die Leute mit ihren unterschiedlichen Fachrichtungen nun aus dem Zeitreisenden herauskitzeln, vergleichbar mit dem Szenario aus „Man From Earth“, kann man nun unterschiedlicher Meinung sein. Ich persönlich fand das aufgezeichnete Zukunftsbild zu konstruiert darauf gesetzt pseudo-philosophisch über den Verlust von Freiheit und Individuum debatieren zu wollen, wahrer Tiefsinn sieht anders aus, aber das wird manch Anderer sicher anders sehen können/wollen. Wie auch immer: auch diese interessanteste Phase des Stoffes ist nicht das Gelbe vom Ei, so dass ich bis zum Schluss von „Die Rückkehr der Zeitmaschine“ enttäuscht wurde, so sehr sogar, dass mir die Vorstellung dessen, was man mit diesem Fernsehspiel versucht hat, nicht einmal theoretisch gefallen oder imponiert hat.


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