Sonntag, 1. Januar 2017

VERRÜCKT NACH MARY (There's Something About Mary 1998 Peter Farrelly u.a.)


Ted kann seine alte Liebe aus Schulzeiten einfach nicht vergessen, deswegen engagiert er den Detektiv Healy herauszufinden was aus Mary geworden ist. Dieser verliebt sich selbst in Mary, tischt Ted allerhand Lügen auf, die dieser per Zufall lüftet, und so buhlen schließlich er und Hiley in Konkurrenz um das Herz der herzensguten Mary - und sind dabei beileibe nicht die einzigen Interessierten...


Ein Film voll von Stelzböcken...

Laute grenzwertige Albereien machten die Farrelly-Brüder mit ihren Werken wie „Kingpin“, „Dumm und dümmer“ und „Ich, beide und sie“ berühmt, trafen sie in den 90er Jahren doch scheinbar den richtigen Nerv beim Publikum, so dass sich der Zuschauer kaum daran störte, dass die gerne Starbesetzten Filme eigentlich so gut wie keine Geschichte erzählten, eher sogar Nummerncharakter besaßen, die von einer Idee zur nächsten hüpften, gern als Road Movie versehen. Doch so sympathisch sich diese Werke guckten, sie zogen auch immer ein wenig an den Nerven des Zuschauers, besaßen ihre Durststrecken, und je nach Werk konnte der treffsichere Humor mal genügend dagegenhalten und manchmal nicht. Nur ein einziges Mal ist es den Farellys in ihren ur-typischen Komödien geglückt ein Sahnestück hervorzubringen, welches sich flott wie aus einem Guss schaut, und das ist „Verrückt nach Mary“, ihr bester Film bevor sie u.a. mit „Schwer verliebt“ humoristische Werke auch auf andere Art umsetzten.

„Verrückt nach Mary“ hat nach all den Jahren nichts von seiner Wirkungskraft verloren. Cameron Diaz spielt verführerisch rein, Ben Stiller agierte selten so gut wie hier, Matt Dillons Interpretation eines ungebildeten Unsensiblen ist eine wahre Wucht, und jegliche Nebenfigur weiß humoristisch mit den Hauptfiguren mitzuhalten, erleben wir hier doch nicht nur ein Meer episodenhaft aneinandergereihter schräger Ideen, die Charakterzeichnungen stehen den Situationen in ihrer individuellen Art in nichts nach. Das Faszinierende am Ergebnis des Streifens: „Verrückt nach Mary“ schaut sich wie eine Geschichte, gerade wenn gegen Ende manche Fäden zusammenkommen die bislang parallel liefen, und diese Täuschung schafft es, im Gegensatz zu vergleichbaren Farrelly-Werken, dass zu keinem Zeitpunkt ein Hauch von Langeweile aufkommt.

Allerdings haben die beiden Autoren und Regisseure auch selten solch einen wirksamen Humorcocktail zusammengestellt, wie im hier besprochenen Werk, verlässt sich „Verrückt nach mehr Mary“ (Alternativtitel) doch nicht einzig auf den lauten Humor (der anbei selten so treffsicher und fast schon niveauvoll eingesetzt wurde wie hier), trotz lauter Gangart wehen stets auch subtile Seitenhiebe mit einher. Es fällt kaum ein Satz der nicht vor Humor sprüht, stets wird ein Witz eingebaut, ob zur Unterstreichung von Chatrakteren, als Querverweis oder als sinnfreier Mumpitz.

Die Geschichte geht währenddessen lockerleicht von der Hand, fängt trotz seiner provokativen Querschläge mit Witzchen über Behinderte und anderweitig Benachteiligten eigentlich ziemlich harmlos und optimistisch an und legt erst im Laufe der Spielzeit offen wie hinterhältig die Welt ist und welche Wahrheiten hinter der scheinbar lügenfreien Fassade stecken. Einzig Mary bleibt rein und lieb, und das muss auch so sein, damit die Geschichte so funktionieren kann wie sie es tut. Zumal Cameron Diaz trotz dieser Einschränkung so wunderbar mitblödeln darf wie der Rest der Crew. Dass so ziemlich jeder mit viel Freude am Projekt dabei gewesen zu sein scheint, bestärkt noch einmal der Abspann, der zu einem gemeinsam mitgesungenem Lied einen Blick hinter die Kulissen wirft, ein Standard in den Arbeiten der Farrellys.

„Verrückt nach Mary“ besitzt einen Humor der cleverer ausgefallen ist als seine Lautstärke zunächst suggeriert (meine Lieblingsszene ist jene, in der es um die 7-Minuten-Übung geht), die Geschichte ist einfallsreicher ausgefallen, als sie in ihrer zunächst wilkürlich scheinenden Art vermuten lässt, und die Gagdichte gleicht jener der Werke des Zucker/Abrahams/Zucker-Gespanns, zumindest wenn man erst einmal bemerkt hat, dass neutral scheinende Äußerungen bereits einen Witz beherbergen. Wie gesagt fällt kaum ein Satz ohne Humorgehalt. „There‘s Something About Mary“ (Originaltitel) ist ein charmantes Liebhaberstück für jene Freunde humoristischer Werke, die verstanden haben dass Klamauk und Intelligenz sich nicht widersprechen. Bei der x-ten Sichtung muss ich noch immer laut lachen, selbst dann wenn man nichts Neues für sich entdeckt hat. Letztendlich lebt der Film davon, dass er sich wie ein zu Fleisch gewordener Comicstrip guckt. sehenswert


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