Sonntag, 22. Januar 2017

DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER (La casa dalle finestre che ridono 1976 Pupi Avati)


Stefano soll in einer kleinen Stadt ein Bild in einer Kirche restaurieren, welches zufällig bei der Renovierung der heiligen Stätte entdeckt wurde, die bis vor kurzem noch eine Ruine war. Es zeigt einen abscheulichen Mord. Es heißt der einst in diesem Ort lebende Maler habe wirklich sterbende Menschen gemalt, aber wenn man mit irgendwem darüber redet, hüllt sich jeder in Schweigen, und man wird anonym bedroht. Stefano hält dies nicht ab die Hintergründe zu erforschen...


Wenn ein Säufer dein einziger Zeuge ist...

„Das Haus der lachenden Fenster“ gehört zu jenen Filmen, die extrem langsam, zunächst gar ereignislos scheinend, erzählt sind, immer alles sachlich und nüchtern betrachtend, und selbst im Finale nicht laut und turbulent werdend. Es ist ein Film für den man Geduld aufbringen muss, ein Werk der leisen Töne, und somit ein Genre-Beitrag der nichts mehr mit den heutigen Sehgewohnheiten zu tun hat. Wer sich damit schwer tut sollte sich abwenden, aber wer damit kein Problem hat wird ein Liebhaberstück des Horror-angehauchten italienischen Thrillers sichten, bietet der Film doch von Anfang an eine stimmige Atmosphäre, und der langsam aufkeimende Spannungsbogen entsteht beim Fortschreiten der Geschichte von ganz alleine, ohne dass in die Trickkiste gegriffen werden muss, um mit irgendwelchen stilistischen Hilfsmitteln oder inhaltlichem Hokuspokus dem Ganzen nachzuhelfen.

Pupi Avati hat „The House with Laughing Windows“ (Alternativtitel) ebenso stilsicher inszeniert wie seinen von mir sehr geschätzten „Zeder - Terror der Untoten“. Hier wie dort arbeitet der gute Mann mit leisen Tönen, ruhiger Kameraführung, wunderschönen Aufnahmen und erzählt dabei eine stets in sachlichem Ton gehaltene Geschichte, in der es ein Geheimnis aufzudecken gilt. Der Unterschied liegt zum einen darin, dass das hier besprochene Werk im Gegensatz zum Vergleichsfilm kein übernatürliches Szenario benötigt, zum anderen aber auch darin, dass der Protagonist erst über das Hörensagen Anderer neugierig wird, während der Held in „Zeder“ von selbst auf etwas gestoßen ist, was ihm keiner glauben will.

Zu Beginn und gegen Ende gibt es einige harte Bilder zu sehen, die im Gegensatz zu heutigen Werken zwar schlichter ausgefallen sind, in ihrer Detailtreue dennoch manch zarten Magen aufwühlen könnten. So oder so weiß Avati diese gekonnt einzuarbeiten, ohne dass sie all zu reißerisch wirken, somit werden sie auch nicht zu Fremdkörpern in einem ansonsten so zurückhaltend erzähltem Film. Avati lässt uns bis zum Schluss warten. Erst dann wird das Geheimnis gelüftet. Und dank der Geräuschuntermalung zum Schlussbild erfährt man auch nicht ob es ein Happy End für Stefano gibt oder nicht. So oder so, das entscheidende Puzzlestück zum Schluss führt in kein längeres Finalszenario, es beendet den Film, dies aber auf eine recht morbide und bizarre Art und Weise, mit einem inhaltlichen Kniff, an dem sich später auch der amerikanische „Sleepaway Camp“ bedient hat.sehenswert


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