Samstag, 28. Januar 2017

BLUTIGE SEIDE (Sei donne per l'assassino 1964 Mario Bava)


Mehrere Models, die für ein und das selbe Modehaus arbeiten, werden von einem Unbekannten getötet. Der Polizei fällt es schwer ein Tatmotiv zu erkennen, um die Identität des Killers lüften zu können...


Die Alarmanlage im Handschuhfach...

„Blutige Seide“ wird seinem hohen Ruf gerecht ein bedeutender Film des italienischen Thriller-Kinos zu sein, hat er mich bei meiner ersten Sichtung doch schnell in seinen Bann gezogen, innerhalb einer Geschichte die zunächst einmal eine geradezu klassische Kriminalfilm-Handlung bietet. Während zeitgleich in Deutschland augenzwinkernde Wallace-Filme und in England humoristisch angehauchte Miss Marple-Fälle gedreht wurden, da besann sich Mario Bava auf den ernsthaften Ursprung des Genres und verpasste ihm eine zusätzliche düstere Aura, die ihn nahe an die Grenze zum Horrorfilm bringt.

Nicht nur dass er mit dieser Methode das Ur-Werk der hauptsächlich in den 70er Jahren aufkommenden Giallo-Welle darstellt, auch amerikanische Werke wie „Halloween“ wurden von „Der Würger mit der Maske“ (Alternativtitel) beeinflusst, stellvertretend hierfür sei das plötzliche Verschwinden des Killers nach einer kurzen Sichtunterbrechung genannt, eine Methode Unbehagen zu erzeugen, die geradezu klassisch für das Verhalten von Michael Myers werden sollte. Selbstverständlich sind auch viele Herangehensweisen des Killers für spätere Slasher und Giallos von Einfluss gewesen, wirkt der oft menschlich handelnde Täter in manchen Sequenzen doch regelrecht wie ein Phantom.

Übernatürliches hat in „Fashion House of Death“ (Alternativtitel) nichts zu suchen. Bavas Werk ist ein bodenständiges, an die Realität gebundenes Stück Faktenkino, das in seiner Glaubwürdigkeit nur winzige, kaum nennenswerte Risse besitzt, bevor der Film Richtung Finale in einer überraschend frühen Täteraufdeckung zum klassischen Kino der Intrigen wird, ein Wandel der ihn nicht minder sympathisch erscheinen lässt als zuvor. Um eine wahrlich überraschende Auflösung geht es nicht, das ging es ohnehin nie im Sub-Genre des Giallos. Es erfreut jedoch, dass die Täteraufdeckung nicht unsinniger Natur ist und zudem keinen Schlussstrich setzt. Stattdessen setzt sie ein auf den bisherigen Ereignissen aufbauendes Geschehniss in Bewegung, womit sie zu mehr als zur reinen Rätselauflösung wird.

Mario Bava wird in „Blutige Seide“ seinem Ruf gerecht optische Leckerbissen zu komponieren. War es noch die Stärke seines „Die Stunde, wenn Dracula kommt“, dass er in klassischem Schwarz/Weiß gedreht wurde, so zelebriert der Künstler hier sein Spiel mit den Farben, macht aus jeder Einstellung ein optisches Meisterwerk und beweist, dass das Spiel mit Licht und Schatten auch im Farbfilm eine Brillanz erreichen kann und zudem Teilmotor der angenehm angespannten Atmosphäre wird.

„Six Women for the Murderer“ (Alternativtitel) ist wahrlich das Liebhaberstück gewesen, das ich mir von ihm erhofft hatte. Seine nüchterne Art, die zu einem mitfiebernden Spannungsbogen wird, eingetaucht in stimmige Bilder, umweht von einer düsteren Atmosphäre, machen aus „Blutige Seide“ ein packendes Produkt, dem man sich nicht entziehen kann. Dass der Streifen derart intensiv zu schauen ist ohne das Vorhandensein einer Identifikationsfigur (ständig wechselt Bava die Perspektive, aus welcher der Film erzählt wird) ist das wirkliche Wunder daran, wirkt „Sei donne per l'assassino“ (Originaltitel) deswegen doch nie sprunghaft oder zu theoretisch. Dennoch ist er eher objektiv erzählt, lässt den Zuschauer aber trotzdem manches Mal mit dem Mörder mitfiebern, auch hin und wieder mit Opfern, gelegentlich sogar mit dem Kommissar, der, Giallo-typisch, für die Geschichte weit weniger von Bedeutung ist als man beim Genre des Kriminalfilmes meinen sollte. sehenswert


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