Montag, 27. November 2017

WAGONS EAST (1994 Peter Markle)


Diverse Leute halten es im Wilden Westen nicht mehr aus und organisieren einen Trek gen Osten. Als Trekführer beauftragen sie einen wenig vertrauenswürdigen Säufer. Da Politiker das Immage des Westens leiden sehen, wenn der Trek publik wird, engagieren sie einen Profi, der die Gruppe Auswanderer aufhalten soll...


Trotz kalten Wassers erregt...

Die Idee der Geschichte weiß zu gefallen, und dass Candy den chaotischen Organisator mimen kann, wusste man theoretisch schon lange vor „Cool Runnings“. Dessen Umgang mit seinen Figuren und die Pointensetzung waren aber auch besser zu nennen. „Wagons East“ besitzt seine Sympathien, stets wollte ich ihn mehr mögen, eben weil so vieles theoretisch funktionieren müsste und einiges andere dies auch tatsächlich tut. Am Ende war ich aber doch eher enttäuscht als beglückt, zu flickenhaft wirken mir die aneinander gereihten Szenen, zu wenig Substanz besaß die Story, zu wenig Tiefe die Figuren.

Ob manches so wurde, wie es wurde, weil John Candy noch während der Dreharbeiten verstarb (oder zumindest sehr kurz darauf), weiß ich nicht. Vielleicht mussten Füllszenen her, das würde einiges erklären. Schaut man sich die Art der Pointensetzung jedoch an, muss dies nicht unbedingt der Fall gewesen sein, hangelt man sich teilweise doch auch absichtlich von Nonsens zu Nonsens für den schnellen flachen Gag, z.B. dann wenn ursympathisch lediglich für ein paar Lacher urplötzlich der Winter über die Gruppe Aussiedler einbricht, nur um nach Vollendung der Witzchen, wieder bei normalen Wetterbedingungen, fern jeden Schnees und Eis, unterwegs zu sein.

Das würde alles mehr gefallen als es dies tatsächlich im Ansatz tut, wenn entweder die Gags zeitlich besser pointiert wären, oder zumindest die durchaus Potential besitzenden Figuren funktionieren würden. „Wagons East“ badet in einer sympathischen Comic-Welt, die sich mal auf „Police Academy“-Art, dann wieder im „Road Runner“-Flair, ungehemmt austobt. Zündende Flachwitze (allein zu Beginn beim Benennen der Einwohnerzahl, oder bei Candys erstem Fopa, wenn er die Gruppe Richtung Westen führt anstatt Richtung Osten) gibt es zu genüge, andere, wie der Running Gag eine große Bande unangenehmer Hinterwäldler nach und nach durch diverse Unglücke sterben zu lassen, sind mäßig bis schlecht inszeniert. Man weiß was gemeint ist, es wäre anders umgesetzt auch tatsächlich witzig, aber es zündet nicht in der Form wie angegangen.

Der verspielte Umgang mit den Klischees des Wilden Westens, die Leichtigkeit im Umgang mit seinen Figuren, die comicartige Regelsetzung fern tatsächlicher Realitäten und auch manch köstlicher Dialog, wie jener gegen Ende, ob man dem Trekführer tatsächlich stets vertraut hätte, das alles weiß zu gefallen. Aber ohne Bezug zu den Figuren und ohne eine Möglichkeit des Mitempfindens, schaut sich alles eine Spur zu steril und distanziert. Man taucht nicht genügend ein, zumal dem Trek zustoßen kann was will, billigste Drehbuchausreden reißen alles wieder raus. Wissen diese anfangs aufgrund ihrer augenzwinkernden Dreistigkeit noch zu funktionieren, öden sie zum Ende hin immer mehr an, innerhalb eines zu hochgeschaukelten Szenarios.

Ab da wo sich die Artillerie mit ins Geschehen einmischt, wird der Plot nur noch unangenehm und viele gut gemeinte Gags stinken aufgrund fehlerhafter Inszenierung ab. Allein die Idee, dass sich Candy mit seinem Erzfeind so lange prügelt, bis aus einem jubelnden Publikum ein angeödetes wird, hätte in den Händen anderer Regisseure zu einer zum Lachen anregenden Szene geführt. Peter Markle schafft es selbige völlig uninspiriert umzusetzen, dass man als Zuschauer gelangweilt mit den Achseln zuckt. Mit ernsteren Stoffen wie „Bodycheck“ erzielte er im Laufe seiner Karriere bessere Ergebnisse, wahrscheinlich war das Genre der Komödie einfach nicht sein Fall. „Wagons East“ ist zumindest durchschnittlich ausgefallen und somit nicht wirklich schlecht zu nennen, es ist nur insofern schade, als dass der Stoff und die enthaltenden, zahlreichen Witzchen und Figuren Potential zu mehr besaßen. Einige Ideen gefallen mir teilweise richtig gut.


Sonntag, 26. November 2017

COMTESSE DES GRAUENS (Countess Dracula 1971 Peter Sasdy)


Im 16. Jahrhundert entdeckt eine alte Gräfin durch einen Zufall, dass das Blut junger Frauen ihr jugendliche Schönheit zurückbeschert. Sie muss jedoch feststellen, dass die Wirkung nur von kurzer Dauer ist. Aus Eitelkeit müssen etliche junge Frauen sterben...


Das einfachste Blutritual der Welt...

Was 17 Jahre später bereits augenzwinkernd als Horror-Groteske mit der Videoproduktion „Rejuvenator - Das Serum des Schreckens“ thematisiert wurde, bekam 1971 bezogen auf eine damals real existierende adligen Massenmörderin noch eine ernsthafte Verfilmung beschert, entstanden zu einer Zeit, in welcher die legendären Hammer-Studios anfingen verzweifelt zu experimentieren, um mit dem Umschwung im Horrorfilmgeschäft noch mithalten zu können. Ihre „Dracula“-Reihe war noch immer ein erfolgreiches Zugpferd, also griff man aufgrund der nach Blutdurst verlangenden Gräfin im Originaltitel auf den Namen des berühmten Vampirfürsten zurück, obwohl „Countess Dracula“ (Originaltitel) in keinster Weise mit dessen Thematik zu tun hatte. Zudem bescherte man dem Film allerhand nackte Frauenbrüste, und fertig war der verzweifelte Versuch massentaugliche Aspekte zur „Modernisierung“ in einen ansonsten klassischen Gruselstoff einzubinden.

Das Ergebnis ist nicht gerade überragend ausgefallen, allenfalls angenehm routiniert zu nennen, was mit Blick auf Regisseur Peter Sasdy jedoch schon besser ist als zu erwarten war, immerhin hat er mit seinem mäßigen „Hände voller Blut“ und dem völlig misslungenem „Doomwatch“ nicht gerade tolle Arbeiten abgeliefert. Von den Filmen, die ich bislang von ihm sah, war „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ noch sein bester Streifen, und der war ein Stück angenehme Routine innerhalb einer mal mehr, mal weniger gelungenen, langlebigen Horrorfilmreihe.

„Comtesse des Grauens“ kann mit ihm nicht mithalten, einfach weil der hier besprochene Film einzig aus schundigen Gründen zu funktionieren weiß, nicht aber aufgrund beeindruckender Aspekte. Die Geschichte und ihre Figuren sind schlicht gehalten und die Dosis gesellschaftliche Kritik auf das mindeste, was die Story automatisch zu bieten hat, reduziert. Der Blutgehalt ist gegen alle Erwartungen zu diesem Thema in dieser Krisenzeit Hammers überraschend zurückgeschraubt, und zu viele naive Aspekte belustigen das Szenario mehr, als der Grundplot tragen kann.

Da begeht eine dümmliche, junge Frau die tolpatschigsten Fluchtversuche aus einer Gefangenschaft, die man wohl je in einem ernst gemeinten Klassiker zu sehen bekam. Die körperliche Verwandlung der Gräfin geschieht von einem Moment auf den anderen, wird beim Wegwenden des Gesichtes vom Liebhaber aber selbst trotz der grauen Haare nicht wahrgenommen. Männer folgen auf verzweifelste Art ihrem Herzen, obwohl aus dem Scheitern ihrer Ziele nie ein Geheimnis gemacht wird. Die Gräfin terrorisiert strategisch völlig falsch Verbündete von denen sie abhängig ist, was ihr aber nie zum Nachteil werden wird. Und die Tochter verliert nach ihrer Ankunft im heimatlichen Schloss nie wieder ein Wort über ihre Gefangenschaft, läuft fröhlich umher und vertraut sich jedem sofort an.

Gepaart mit den üblichen Naivitäten derartiger Filmstoffe (zeitliche Ungereimtheiten, das Erstrahlen eines ganzen Raumes aufgrund einer kleinen Kerze, ...) ergibt das etwas zu viel Nonsens um „Comtesse des Grauens“ eine Chance als ernsthaften Genre-Beitrag zu geben. Zu unterhalten weiß er aber sehr wohl, wird er trotz seiner reißerischen und monotonen Geschichte doch nie langweilig und geben die Schauspieler sich doch wahrlich Mühe dem ganzen Unsinn ein Restniveau zu verleihen. Ansehnliche Kulissen und Kostüme unterstützen diesen Eindruck, so dass wohlwollende Stammzuschauer klassischer Hammer-Filme durchaus trotzdem einen Blick riskieren können. Sasdys Werk ist weder öde noch beleidigend. Das nur zwei Jahre später in Italien und Spanien als „Ceremonia sangrienta“ neuverfilmte britische Original ist lediglich unglaublich naiv erzählt.


Weitere Besprechungen zu Comtesse des Grauens: 
 


DAS SCHRECKENSHAUS DES DR. DEATH (Madhouse 1974 Jim Clark)


Horrorfilm-Star Paul Toombes wurde durch die Filmreihe „Dr. Death“ berühmt. Auf einer Veranstaltung ihm zu Ehren wird seine Verlobte umgebracht, scheinbar von ihm selbst im Irrzustand begangen tatsächlich Dr. Death zu sein. Selbst nach einer eindringlichen Therapie fühlt sich Toombes noch immer unwohl mit der Dr. Death-Rolle konfrontiert zu werden, nimmt viele Jahre nach dem schrecklichen Vorfall jedoch trotzdem das Angebot an seine berühmte Rolle erneut für eine TV-Produktion zu spielen. Kurz nach Beginn der Dreharbeiten kommt es erneut zu Leichen, die im Stile der alten Dr. Death-Filme begangen wurden...


Die letzte Rolle seines Lebens...

Hinter dem oftmals verwendeten Filmtitel „Madhouse“ (Originaltitel) verbrigt sich zwar erneut kein großer Filmklassiker den man als Fan des Genres gesehen haben muss, aber ein kleines, ungewöhnliches Werk, welches trotz seiner unbeholfenen Ausstrahlung aus verschiedensten Gründen einen Blick wert ist. Besetzt mit Vincent Price und Peter Cushing in den wichtigsten Rollen mag manch einer mehr vom Streifen erwartet haben als manch anderer, Fachkundige erkennen jedoch bereits bei der Namenseinblendung Samuel Z. Arkoffs als Produzent im Vorspann, dass hier eine schnell heruntergekurbelte Billigproduktion auf den Zuschauer wartet und sind somit vorgewarnt.

Zeit nahm man sich scheinbar wahrlich nicht für die Vorbereitungen auf „Das Schreckenshaus des Dr. Death“, wird beim Schauen doch nie seine Orientierung deutlich, was er eigentlich sein möchte. Irgendwo zwischen Grusel-Krimi, Horrorfilm und einem Hauch Horror-Parodie pendelnd weiß zumindest sein Spiel mit der Horrorszene innerhalb des Horrorfilms zu gefallen, handelt Jim Clarks Werk doch von Schauspielern, Autoren und Produzenten dieses Genres, sowie von den Dreharbeiten und dem Kult um die entstandenen Werke. Diesbezüglich versuchte sich Arkoff bereits in den 50er Jahren mit „Der Satan mit den 1000 Masken“, „Der Dämon“ (Alternativtitel) geht jedoch noch einen Schritt weiter und nimmt die Idee von „Scream 3“ und „Nightmare on Elm Street 7“ vorweg, um durch die gegebenen Mittel mit den Metaebenen zu spielen. „Deathday“ (Alternativtitel) ist dabei ebenso wenig gewitzt ausgefallen wie die später entstandenen prominenten Vergleichsfilme, aber allein Vincent Price bei seinem augenzwinkernden, spielfreudigen Agieren zuzusehen, beweist wie richtig es war sich an dieser Art der Thematik zu versuchen.

Wie für eine Arkoff-Produktion typisch wurde nicht gerade viel Geld in den Streifen investiert. Dies bescherte aber immerhin den Schauspiellegenden Boris Karloff und Basil Rathbone eine spezielle Nennung im Vorspann aufgrund von Gastauftritten, verkauft uns der Film doch ehemalige, real existierende Werke mit Vincent Price (u.a. „Das Pendel des Todes“ und „Der Rabe - Duell der Zauberer“) als damalige Dr. Death-Filme, um für diese nicht zusätzliche Szenen drehen zu müssen. Und in diesen treten besagte ehemalige Filmstars innerhalb von „Das Schreckenshaus des Dr. Death“ auf.

Geiz hat sich selten so gelohnt, denn das Verwenden alter Price-Filmszenen unterstreicht den augenzwinkernden Grundton des Filmes und lässt ihn an Sympathie gewinnen, gerade weil gewählte Szenen offensichtlich auf das Ur-Werk verweisen, im Gegensatz zu dem wie es bei neutraler entliehenen Momenten der Fall gewesen wäre. Zudem existiert im Film eine Interviewszene mit Paul Toombes, die mit einem echten Showmaster vor einem tatsächlichen Livepublikum aufgenommen wurde, so dass man davon ausgehen kann, dass hier Dreharbeiten mit der Möglichkeit ein echtes Interview mit Vincent Price aufzuzeichnen, vermischt wurden. Diverse von Toombies geäußerte Sätze schein gar vom realen Price-Interview entliehen worden zu sein und wirken dementsprechend authentisch.

Da durch diesen Umgang mit realen Aufnahmen diverser Medien und der dazugehörenden augenzwinkernden Darstellung Prices der Großteil des Filmes wie ein verschmitztes Spiel aller Beteiligten wirkt, verzeiht man dem Gesamtwerk seine etwas orientierungslose und vorhersehbare Chose, guckt sich das alles doch unterhaltsam, ohne je zum Retrozirkus, zu groben Albernheiten oder zum Selbstzweck zu verkommen. Subtil sieht anders aus, aber der dezente Umgang mit diesen Mitteln nicht zu übertreiben sorgt für den richtigen Grundton, und da jede Szenen, die das Ganze nicht betrifft, ohnehin zu spannungsarm ausgefallen sind, bereichert dieses Vorgehen, anstatt eine möglicher Weise vorhandene düstere Grundatmosphäre unangenehm aufzubrechen.

Von einem großen Wurf braucht man wie eingangs erwähnt nicht sprechen. Dafür ist „The Madhouse of Dr. Fear“ (Alternativtitel) zu banal und vordergründig ausgefallen. Diverse Handlungselemente kommen ebenso wie diverse Figuren zu kurz, die Auflösung steht zu vorhersehbar im Raum, und die Tricks sind zu erkennbar umgesetzt, als dass sich eine wahre Illusion auftun würde. All dies verzeiht man dem Film aufgrund seiner sympathischen Ausstrahlung jedoch all zu gerne. Einzig die Schlussszene, die es verfehlt das finale Geschehen freudianisch zu erklären, wirkt in ihrem Realitätsbruch ärgerlich und billig angehangen, und dies obwohl sie eine reizvolle zentrale Idee von „Dance of the Demons 2“ und „Ring“ vorwegnimmt.


Weitere Besprechungen zu Das Schreckenshaus des Dr. Death: 


Donnerstag, 23. November 2017

MAMA, ICH UND WIR ZWEI (Only the Lonely 1991 Chris Columbus)


Polizist Danny verliebt sich in die schüchterne Leichenkosmetikerin Theresa. Die hätte gern eine Beziehung mit Danny, wenn dieser nicht unter der Fuchtel seiner dominanten und zu Beleidigungen neigenden Mutter stehen würde, die einer glücklichen Partnerschaft im Weg steht. Mit seinem Versuch es allen recht zu machen, scheitert Danny, also muss er sich entscheiden wen er an erster Stelle setzt...


Manchmal ist es gut ein Bulle zu sein...

Nachdem Chris Columbus seinem Produzent John Hughes mit „Kevin - Allein zu Haus“ einen riesen Hit beschert hat, schien er mit „Mama, ich und wir zwei" von diesem einen Freifahrtsschein erhalten zu haben zu drehen was immer er möchte, immerhin baut die Romantikkomödie weder auf den typischen Hughes-Formeln auf, noch garantiert sein eigenwilliges Erscheinungsbild einen Erfolg bei einer bestimmten Gruppe Filmfreund.

Die von Chris Columbus selbst verfasste Geschichte um ein fast 40jähriges Muttersöhnchen, das sich in eine ähnlich alte, schüchterne Frau verliebt, wurde geradezu untypisch mit dem sonst eher auf charmanten Trottel abonnierten John Candy besetzt, den man aufgrund seiner körperlichen Proportionen wohl nie in einer Romantikkomödie erwartet hätte - zumindest nie in einer, in welcher das Körpergewicht nicht zum Thema werden würde. Aber genau dies ist hier der Fall, und so darf Candy seine stillen Töne und schauspielerischen Fähigkeiten beweisen, die in anderen Filmen sonst inmitten von chaotischen Handlungssträngen unterzugehen drohen.

Besetzungstechnisch agiert viel mit, was zu dieser und anderer Zeit im Hause Hughes unterwegs war. John Candy spielte bereits zwei Jahre zuvor die Hauptrolle in „Allein mit Onkel Buck“ (was längst nicht seine erste Rolle in einem Hughes-Film war), Kevin-Darsteller Macaulay Culkin taucht zusamen mit seinem Bruder Kieran in einer Minirolle als Sohn von Dannys Bruder auf, James Belushi, der im selben Jahr von „Only the Lonely“ (Originaltitel) in Hughes hauseigenem Kevin-Nachzügler „Curly Sue - Ein Lockenkopf sorgt für Wirbel“ die Hauptrolle mimte, ist in einer Nebenrolle als Dannys Partner vertreten, und Ally Sheedy durfte bereits in Hughes legendärem „Der Frühstücksclub“ mitspielen und hat seither nichts von ihrer Niedlichkeit und ihrem Schauspieltalent verloren.

Trotz amerikanischer Handschrift in der Inszenierung und einem kanadischen Iren, sowie einem amerikanischen Italiener, wirkt das Milieu, in welchem der Film spielt, treffsicher. Mit irischer Hintergrundmusik versucht man auf Nummer Sicher zu gehen, und auch wenn dem eigentlichen Film das typisch irische Flair fehlt, welches beispielsweise „The Guard“ so wundervoll zu versprühen weiß, so wissen die Figuren mit ihrer Bissigkeit doch den Ton des jeweiligen Herkunftlandes zu treffen, so dass „Mama, ich und wir zwei“ keineswegs nur als blauäugiges Stück Kinofilm funktioniert, welches versucht andere Kulturen zu imitieren.

Ohnehin ist es Columbus geglückt ein sehr gelungenes Stück tragikomische RomCom gepaart mit Familienthematik abzuliefern. Die Dialoge sind treffsicher und interessant geraten, trotz aller überzogener Comicartigkeit wirken sie gar oftmals authentisch. Die Geschichte weiß zu bewegen, da sie es versteht die Figuren individuell und menschlich wirken zu lassen, so als würden sie tatsächlich existieren - gleichzeitig verlässt Columbus immer wieder den nötigen Realitätsgehalt, um uns auf Kino-art zu verzaubern. Er weiß wann er welche von beiden Seiten abliefern muss, und ein sensibler Grundton, sowie eine oftmals überraschend großartige Besetzung, hilft ihm dabei „Mama, ich und wir zwei“ zu einem kleinen Geheim-Tipp werden zu lassen, der leider nie genügend Beachtung geschenkt bekommen hat, was man spätestens John Candy gewünscht hätte, der teilweise atemberaubend spielt, wenn man einen Blick dafür hat auf winzige Details zu achten.

Leider wirkt er in der ansonsten sehr geglückten deutschen Synchronisation manches Mal eine Spur zu soft, z.B. bei seiner Reaktion darauf, dass Theresa ihn heiraten möchte. Auch die Verantwortlichen für Candys Make-Up arbeiten ein wenig gegen die nennenswerte Arbeit, die der Komiker hier leistet, ist er, gerade gegen Ende, oftmals doch etwas zu dick aufgetragen geschminkt und verliert dadurch seine authentische Ausstrahlung. Die gefühlvolle Geschichte weiß solche kleinen Fehler jedoch sowohl durch ihre ehrliche Fröhlichkeit, ihren stimmigen schwarzen Humor, als auch über die romantischen und tragischen Gefühlsmomente bestens aufzufangen, ein sympathisch schwermütiger Soundtrack hilft in besagten Gefühlsmomenten dabei ungemein.


THE WALKING DEAD - STAFFEL 7 (The Walking Dead Season 7 2016 Greg Nicotero u.a.)


Die Bewohner von Alexandria unterstehen von nun an Negan und seiner Armee. Zunächst beugen Rick und seine Truppe sich den Begebenheiten, aber als sie verstehen, dass dies nicht ihr Leben sein kann, versuchen sie sich mit den anderen gegründeten Städten zu verbünden, um in den Kampf gegen den übermächtigen Gegner zu ziehen...


Ein Königreich, ein Schrottplatz, ein Imperium...

Dass sich die Geschehnisse in „The Walking Dead“ mittlerweile immer weniger zentral mit der Zombiethematik beschäftigen, sondern stattdessen mehr denn je mit zwischenmenschlichen Konflikten, gefällt manch frühem Anhänger der Serie nicht und wird gerne als Missstand bezeichnet, den es zu beheben gäbe. Ich kann mich diesem Denken nicht anschließen, finde ich es doch beeindruckend, dass die Verantwortlichen der Serie den Mut besitzen das Szenario diesbezüglich konsequent weiterzudenken, in einer Welt, die nun seit Jahren zerstört ist. Selbstverständlich muss es wieder zu einzelnen Zivilisationen kommen, und geradezu typisch Mensch muss es in solch einer Zeit wieder zu Kriegen und Unterdrückungen kommen.

Ich kann das Bedauern vieler Fans insofern verstehen, als dass in der siebten Staffel die Welt oftmals den Eindruck macht, wieder ein sicherer Ort zu sein. Da wird zwischen den Orten gependelt, ohne Angst davor zu haben ob man überhaupt lebend ankommt. Ein Pfarrer kann schmollend mitten in der Einöde aus einem Fahrzeug steigen und alleine zu Fuß zurück nach Hause laufen. Und die langlebigen Helden der Serie sehen im Kampf gegen eine Horde Zombies keinerlei Probleme mehr, so alltäglich ist das Niedermetzeln der Toten geworden. Die Gefahr, die von den Zombies ausgeht, wird nicht mehr wahrgenommen. Ach, heute sind es nur acht, die es niederzustrecken gilt. Da fehlt der Respekt vor der Gefahr, eben jene Thematik, die Romeros „Zombie“ u.a. so hervorragend zu thematisieren wusste: der Fall nach der Überheblichkeit, das Verkennen der Gefahr aufgrund der Gewöhnung nach einigen Siegen. Hier kann man nur hoffen, dass eine der kommenden Staffeln diesbezüglich Aufräumarbeit leistet, so wie es die zweite Staffel damals mit all dem schöngemalten Übel der ersten Staffel tat.

Es ist diesmal nicht so wie dort, dass „The Walking Dead“ zu einer sehenswerten Serie gerettet werden muss. Denn trotz dieses Kritikpunktes und manch anderer Trivialitäten, welche die Serie in ihrer Seifenopern-Art und dem romantisierten Ehrenblick auf Kampf, Krieg und Opfergabe zu einer verträumten Version eines düsteren Stoffes macht, weiß auch die siebte Staffel von „The Walking Dead“ für einen Mainstreamstoff gut zu unterhalten. Mag es an vielen Stellen auch an Mut fehlen dem Geschehen glaubwürdige Konsequenzen zu bescheren, die der Stammzuschauer nur schwer verarbeiten würde (das ständige Verschonen diverser Hauptfiguren, trotz der anfänglichen Härte Negans), auf versimpelter Ebene verstören die Entscheidungen der Autoren in härteren Momenten aber noch immer. Und auch die nicht zu knapp ausgefallenen zwischenmenschlichen Szenen sind weiterhin emotional genug ausgefallen, um mit den Figuren mitfühlen zu können, anstatt im stumpfen Sumpf theoretischer Theatralik zu versinken.

Zugegeben, bedeutende Zombieszenen gibt es wenige, aber sie sind für die zu erzählende Geschichte in größerer Menge auch nicht vordergründig wichtig, und es ist gut, dass die Autoren sich dessen bewusst sind. Kommt es hin und wieder zu einem erzählenswerten Kampf gegen die Untoten, sind die Szenen zumindest beeindruckend ausgefallen, anstatt zu einer Standardprozedur zu werden, die auf Dauer langweilen könnte. Ansonsten liefert Staffel 7 eine aufwühlende Geschichte erzählt aus einer hoffnungslosen Perspektive und beeindruckt wieder einmal mit dem Mut zur detailreichen Langsamkeit seines Szenarios, so dass man sich am gelungenen Schluss der Staffel wundern darf, auf welch halbem Wege, wenn überhaupt, die zu erwartende Geschichte überhaupt erst stattgefunden hat, nach diversen Überraschungen nicht wissend, ob es überhaupt weiter geht wie vermutet.

Erneut lässt man sich Zeit für die Entwicklung von Nebenfiguren und jenen, die nun zwischendurch zu solchen werden, erneut gewährt man scheinbar zweitrangigen Figuren ganze Episoden, so dass Rick und seine Haupttruppe hin und wieder für ganze Folgen weggeblendet werden, und erneut wird unser Blick auf die Endzeitwelt und ihre Bewohner erweitert und um weitere interessante Figuren ergänzt. Mag die letzte Folge der vorangegangenen Staffel auch etwas geschwächelt haben und die Einstiegsfolge der hier besprochenen Staffel als Fortführung beagter letzter ebenso, ab Episode 2 gewinnt die Erzählung wieder an Kraft, besitzt zwar einige Schwächen mehr als Staffel 6, aber allein die Geschichte um den mir zu schwätzig ausgefallenen, sonst aber überzeugenden, Negan und seiner Armee ist ein Selbstläufer für sich, eben weil ein Imperium hinter allem steht, das nur schwer aufzubrechen sein wird.


Mittwoch, 15. November 2017

ZWEI UNTER VOLLDAMPF (Armed and Dangerous 1986 Mark L. Lester)


Ein Ex-Polizist und ein Ex-Anwalt arbeiten für den Sicherheitsdienst, finden aber bald heraus dass ihr Arbeitgeber die Mafia ist. Als die Firma sich selbst um 11 Millionen Dollar berauben will, um Geld von der Versicherung abzukassieren, schreiten die beiden Störenfriede ein...


Der erste von zwei Cowboys in einem Meg Ryan-Film...

So richtig wusste man in der Mitte der 80er Jahre noch nicht wie man den talentierten Komiker John Candy in den Kinobereich einbinden könnte. Eine alleinige Hauptrolle traute man ihm nicht zu, meist durfte er Randfiguren verkörpern wie in „Alles hört auf mein Kommando“ oder in „Zum Teufel mit den Kohlen“. Wenn er dann mal eine Haupfigur mimen durfte, dann stets im Partnergewand, wie in „Ein Ticket für zwei“ mit Steve Martin an der Seite, oder wie in dem hier besprochenen, weit weniger bekannten „Zwei unter Volldampf“, in dem er Eugene Levy zur Seite gestellt bekommt, der hierzulande erst spät durch die Rolle des Vaters in der „American Pie“-Reihe berühmt werden sollte.

Beide machen nicht gerade den Eindruck die Idealbesetzung für eine Buddy-Actionkomödie zu sein, und tatsächlich wirken sie in den härteren Szenen wie die Waschlappen-Variante von „Lethal Weapon“. Allerdings kommt es „Zwei unter Volldampf“ zu Gute, dass trotz der Regie Mark L. Lesters, der eher für harte Stoffe wie „Die Klasse von 1984“ steht, der Komödienfaktor weit mehr in den Fokus rückte als der Bereich der Action, was die Mitarbeit von Harold Ramis am Drehbuch verdeutlicht, der in den 80er Jahren für so manchen Komödienerfolg zuständig war. Lesters Film konzentriert sich auf das Losersein seiner beiden Hauptfiguren und fährt damit, gerade mit Blick auf die Ausbildung zum Sicherheitsbeamten und der damit verbundenen trotteligen Gruppe Mitauszubildenden, im Fahrwasser der zur Entstehungszeit erfolgreich laufenden „Police Academy“-Welle mit.

Candys Figur wirkt ein wenig unausgegoren, womit ich auf die Einleitung dieses Artikels zurückkomme. In der ersten Szene ist er ein Feigling ohne Selbstbewusstsein, im Rest des Filmes ist er der zwielichtige, aber mit dem Herz am rechten Fleck agierende, Sprücheklopfer, der für einen erfolgreichen Einsatz alles geben würde, selbst wenn er dafür, wie die LKW-Szene im Stau verdeutlicht, mehr Leben riskiert als es zu retten gilt. Hin und wieder darf Candy etwas zotiger agieren, z.B. wenn er als dicke Tunte getarnt herumschwulen darf. Meist aber bleibt er der unnütz wirkende Angeber, der schlechte Umgang der Rolle Eugene Levys, wie die Rolle Meg Ryans an einer Stelle des Films zu früh anmerkt, lange bevor der Charakter Candys tatsächlich so wirkt wie er abgestempelt wird. Der gutmütige Trottel, die Paraderolle Candys, bleibt diesmal fast gänzlich zu Hause, was zur Abwechslung aber auch einmal okay ist.

Eugene Levy bleibt überraschend blass, obwohl er doch schon lange vor „American Pie“, z.B. in seiner kleinen Rolle in „Ein Geschenk des Himmels“, beweisen durfte wie lustig er sein kann. Tatsächlich mimt er hier nur den Ängstlichen, der vom Sprücheklopfer stets zu Heldentaten verführt werden muss, auch wenn diese, mit ehrlichem Blick auf das Ablenkungsmanöver der vielen chaotischen Füllszenen, recht rar gesät sind und selbst im Finale, wenn er über sich hinaus wächst, noch immer nicht ganz überzeugen wollen. Meg Ryan ist hier eigentlich nur unnötiger Anhang. Aufgrund ihrer wenigen Szenen und der vergessenen Vertiefung ihres Charakters versteht man nie so ganz, warum sie irgendwann anfängt den beiden Unglücksraben zu helfen. Und selbst wenn sie dies tut, erlangt ihre Rolle nie eine wirkliche Bedeutung. In „Die Reise ins Ich“ durfte sie kurz darauf bei ähnlicher Rollenposition weit mehr Einfluss auf eine Handlung nehmen als hier noch.

Wenn man nun noch bedenkt dass die Actionszenen in ihrer Extreme nicht wirklich mit der Leichtigkeit der Restszenen harmonieren und der billige, austauschbare 80er Jahre-Soundtrack endgültig die härteren Szenen nur routiniert umgesetzt erscheinen lässt, darf man sich schon wundern, dass „Armed and Dangerous“ (Originaltitel) eigentlich ein recht sympathischer, wenn auch austauschbarer und nicht lange im Gedächtnis heften bleibender, Film ist, der gerade in der ersten Hälfte mit manch schlichter, aber humorvollen Idee zu punkten weiß. Glücklicher Weise macht bereits die Einstiegsszene mit der Katze auf dem Baum recht deutlich was man vom Restfilm zu erwarten hat. Man sichtet dort einen lustigen Candy in einer Szene, aus der man in einer guten Komödie weit mehr geerntet hätte. Es reicht um simpel zu unterhalten, aber eben nicht für eine wahre Empfehlung. In schwächeren Szenen zuckt man mit den Achseln, in besseren grinst man vor sich hin, trotz aller Einfältigkeit und dem Fehlen wahrer zum Lachen einladender Pointensetzung.

Mark L. Lester inszeniert das unbeholfene Stück Action-Komödie recht solide, lässt die Klischees und Stereotype für sich selber wirken und lässt mittendrin die Sprüche klopfende Naturgewalt John Candy auf das Szenario los, in der Deutschfassung ein wenig gewöhnungsbedürftig synchronisiert, aber das passt ja recht gut zur ungewöhnlich ausgefallenen Rolle des kanadischen Komikers, der sonst eher die sympathische Art Loser-Typ mimen durfte. Zwar fragt man sich hinterher bei so viel dünner Luft warum „Zwei unter Volldampf“ trotz dem Fehlen großer Ideen und Gags und trotz seiner enorm klingenden Makel so unterhaltsam zu schauen war, aber das war er nun einmal, warum sollte ich es ihm nun abstreiten, nur weil theoretisch alles dagegen spricht?


Montag, 13. November 2017

WER IST HARRY CRUMB? (Who's Harry Crumb? 1989 Paul Flaherty)


Als eine Millionärstochter entführt wird und der Vater zur Lösung dieses Falles eine große Detektei aufsucht, empfielt Direktor Draison Harry Crumb als Ermittler. Dieser ist dämlich und tolpatschig, und damit ideal für Draisons Zwecke, der selbst der Entführer des reichen Mädchens ist...


Der kriminelle Körper und der kriminelle Geist...

Das Konzept von „Wer ist Harry Crumb?“ ist einfach gestrickt. Ein chaotischer Detektiv soll einen simplen Fall lösen, in dessen Hintergründe wir als Publikum bereits eingeweiht sind. Durch die daraus für den Zuschauer ersichtlichen Verwicklungen entsteht ein ähnliches Schurkenchaos, wie im etwas besser pointierten „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“. Durch das Zentrum des Tolpatsches erhält Paul Flahertys Werk jedoch eine etwas andere Gewichtung als dieser, kommt jedoch ähnlich hemmungslos albern daher wie der Vergleichsfilm.

Mag mancher Slapstick auch eine Spur zu verkrampft erscheinen, weil auf eine gute Choreographie verzichtet wurde und stattdessen helfende Schnitte eingesetzt wurden, letztendlich wissen diese Szenen aber noch immer zu trumpfen, haben sie doch den unermüdlichen, mit vollem Körpereinsatz agierenden, John Candy als Star, und der macht seine Arbeit so gut wie man es von ihm gewohnt ist. Wer sich wundert dass Candy bereits in den 80er Jahren eine Hauptrolle beschert bekommen hat, obwohl Hollywood ihn lange Zeit nur als Co-Star präsentierte, dem sei gesagt, dass „“Who‘s Harry Crumb?“ (Originaltitel) von Candy mitproduziert wurde, was zu dieser Zeit wohl seine einzige Chance auf eine Hauptrolle war, so traurig und ungerecht dies bei seinem Talent auch sein mag.

Bezahlt hat es sich sicherlich nicht gemacht, hat der Film doch nie einen nennenswerten Bekanntheitsstatus erreicht und dürfte er doch finanziell untergegangen sein in einer Phase Hollywoods, in der amerikanische Komödien durch Erfolge wie „Die nackte Kanone“ auf eine andere Ebene katapultiert wurden, während der hier besprochene Film die ganz klassische 80er Jahre-Komödie präsentiert. Durch eine etwas zu identische Parallelszene aus der moderneren Konkurrenz von Zucker/Abrahams/Zucker entsteht gar unweigerlich ein direkter Vergleich beider Komödien, und da kann John Candys Produktion gegen das dauerpointierte Lachfeuerwerk mit Leslie Nielsen nur abstinken.

Mit Abstand und etwas fairer betrachtet ist aber auch „Wer ist Harry Crumb?“ ein spaßiges Ereignis, zwar mehr von der Sympathie der Darsteller John Candy und Jeffrey Jones lebend als von seinen tatsächlich funktionierenden Gags, aber Crumb als chaotisches Gesamtbild weiß zu funktionieren, auch wenn nicht jede Slapstickszene zu überzeugen weiß. Da der Aspekt seiner Verkleidungskunst zu kurz kommt, hätte man diesen billigen Versuch von „Fletch - Der Troublemaker“ zu klauen ruhig unter den Tisch fallen lassen können, bereichert doch keine dieser Tarnszenen den Humorgehalt des Filmes. Das zeigt aber auch wie verzweifelt man unbedingt einen Hit erzielen wollte, ein Vorhaben das scheiterte.

„Wer ist Harry Crumb?“ mag nicht das Zeug zum großen Erfolgsfilm haben, als sympathische, kleine Komödie für zwischendurch weiß er aber gut zu funktionieren, einfach weil Personen und Situationen interessant und witzig genug geschrieben sind, um aus einem austauschbaren Verwirrspiel eine kurzweilige Komödie mit Charme zu zaubern. Letztendlich macht es immer wieder Spaß John Candy in Komödien zu sehen, in denen er den Chaoten und/oder die Nervensäge spielen darf. So abwechslungsreich sein Talent auch geartet war, diese klassische Charakterzeichnung kleidete ihn stets am besten.


Weitere Besprechungen zu Wer ist Harry Crumb?: 


Sonntag, 12. November 2017

FERIEN ZU DRITT (The Greaut Outdoors 1988 Howard Deutch)


Chet möchte mit seiner Familie einen traditionellen Urlaub in den Wäldern am See machen, aber als sein Schwager mit seiner Familie überraschend auftaucht ändert sich alles. Der Geschäftsmann setzt auf moderne Unterhaltung und komfortable Speisen und wirft damit Chets Pläne über Bord...


Der kahlköpfige Bär...

In der Erfolgswelle der Griswold-Filme sind einige weitere Urlaubskomödien mitgeschwommen. „Ferien zu dritt“ kommt aus dem Hause Hughes, von dem die Originalreihe stammt. Der Produzent schrieb das Drehbuch höchst persönlich, und anstatt Chevy Chase dürfen hier seine Komikerkollegen John Candy und Dan Aykroyd im Zentrum der abenteuerlichen Geschehnisse stehen. Während ich mit den Griswold-Filmen nie wirklich warm wurde, auch mit dem recht unterhaltsamen Erstling namens „Die schrillen Vier auf Achse“, hat mir „Ferien zu dritt“ eigentlich schon immer recht gut gefallen. Als Aykroyd-Fan seit frühen Jahren war es ohnehin eine Pflicht den Steifen zu sichten, auch wenn ich allgemein den familientauglichen Urlaubsfilmen nur bedingt etwas abgewinnen kann. Aber mag auch hier manches Gefühl zu weichgespült und die Tristessen des Spießeralltags zu sehr gefeiert werden, „The Great Outdoors“ (Originaltitel) hat das Herz am rechten Fleck und besitzt einen stimmigen, humorvollen Unterton, der manche Entgleisung vergessen macht.

So sei es einmal dahin gestellt, ob es tatsächlich für irgendein Teenager-Publikum den Sehwert erhöht hat eine Teenager-Love Story zu integrieren, welche den Sohn Chets zwar diesbezüglich in den Mittelpunkt stellt, dieser aber innerhalb der Gesamtgeschichte jedoch so unnötig ist wie die peinlich untertitelten Waschbär-Sequenzen, die „Ist sie nicht wunderbar?“-Regisseur Howard Deutch stets zwischendurch einstreut, um einen Übergang vom Vor- zum Folgetag herzuleiten. Tatsächlich stehen aber nun einmal Chet und Roman und ihr unterschiedlicher Blick auf die Welt im Zentrum. Die Familie ist lediglich Beiwerk. Chet hat unter Roman zu leiden, was John Candy allerhand Möglichkeiten bietet sein humoristisches Können mit komplettem Körpereinsatz unter Beweis zu stellen. Aykroyd darf sich erst im Finale während eines Kampfes mit einem Bären austoben, sein Humor als arroganter Kaufmann ist ansonsten stiller ausgelegt, hindert Aykroyd aber freilich nicht daran gekonnt Grimassen zu ziehen.

Sicherlich ist die grundlegende Geschichte Banane, die Botschaft urkonservativ und typisch Hughes auch voller Vorurteile der reichen Gesellschaftsschicht gegenüber, aber die Pointensetzung innerhalb dieses bieder angehauchten Szenarios weiß zu stimmen. Die Episodenhaftigkeit des Filmes wird nicht zum Nachteil, wie man eigentlich meinen sollte, sondern wird ganz im Gegenteil zum Vorteil, um von einer chaotischen Situation zur nächsten zu springen. Ob da klassisch beim Wasserskifahren herumgeblödelt wird oder etwas mutiger pointiert mit einem toten alten Mann oder einem Riesensteak, meist trifft Deutch den richtigen Ton der zum Schmunzeln anregt, ohne große Lacher am Stück zu benötigen.

„Big Country“ (Alternativtitel) mag in seinem Herzen recht bieder und konservativ sein, das muss er letzten Endes aber auch, immerhin geht es um das Thema Familienurlaub und Zusammenhalt der Familie. Und während die Firma Disney zu dieser Zeit damit ein unerträglich triefendes Stück Kitsch abgeliefert hätte, beherrscht Hughes den Kunstgriff daraus ein spaßiges Happening zu zaubern, ohne die anvisierten Grundprinzipien zu verraten. Dass er sein Fach auch selbst dann beherrscht, wenn es tatsächlich einmal kitschiger wird, bewies er später mit seiner Produktion „Der Giftzwerg“. Hughes mag mit „The Great Outdoors“ keine mutigen Wege beschreiten, immerhin kopiert er lediglich seine eigenen Griswold-Filme, während Dan Aykroyd seine Rolle aus „Die verrückten Nachbarn“ für die gegnerische Seite ummodelliert und John Candy seine Rolle aus dem themenähnlichen „Ein total verrückter Urlaub“ wiederholen kann, aber das Ergebnis gibt den Komödienprofis schließlich recht.


DAS ROTE PHANTOM SCHLÄGT ZU (Superargo cobtro Diabolikus 1966 Nick Nostro)


Ein körperlich fast unzerstörbarer Wrestler wird zum Geheimagenten und bekämpft einen Wissenschaftler, der die Weltherrschaft an sich reißen möchte, indem er Gold täuschend echt fälschen kann...


Dir. K...

Das rote Phantom sieht wie ein Superheld ohne Umhang aus. Durch die Entstehungszeit und die schlicht inszenierten Kampfsequenzen, sowie durch die naive Handlung erinnert sein Abenteuer ein wenig an die „Spider-Man“-Serie der 70er Jahre, die es im Gegensatz zum hier besprochenen Film in Deutschland noch immer nicht auf DVD geschafft hat. Dabei guckt sie sich weit unterhaltsamer als dieser unentschlossene Mix aus Superhelden-und Agentenfilm. Zwar macht nur das wenigste Sinn und immer wieder gerät der hirnlose, unkaputtbare Muskelmann in Schwierigkeiten, so richtig Spaß machen will die ganze Chose jedoch nicht, nicht einmal auf unfreiwillig komischer Basis.

Das darf verwundern, immerhin hagelt es hier reihenweise Idiotien. Ein schnelleres Vorankommen einer Untersuchung will man erreichen, indem man besagte Untersuchung vertagt, an der Identität des roten Phantoms zweifeln die Oberverbrecher selbst dann noch, wenn er tausende Grad Hitze reibungslos übersteht, und dass das Phantom selbst in den aberwitzigsten Situationen die Maske anbehält, ist freilich Nonsens den „Das rote Phantom schlägt zu“ mit allerlei vergleichbaren Werken teilt. In anderen Filmen ähnlicher Thematik erfährt man aber zumindest warum der Held übernatürliche Eigenschaften besitzt. Im hier besprochenen Film werden lediglich die Fähigkeiten aufgezählt, von Ursachen erfahren wir nichts.

Das Phantom darf weder einen aufregenden Fall lösen, noch gelingt es Regisseur Nick Nostro das zu schlichte Geschehen halbwegs aufregend zu erzählen. „Superargo contro Diabolikus“ (Originaltitel) ist weder schundiger „Daredevil“ noch spaßiger „Super Sonic Man“. Er ist nicht billig genug inszeniert um auf dem Niveau eines „The Deathless Devil“ zu unterhalten, aber auch nicht professionell genug umgesetzt um mit wertvolleren Mitläufern der Agentenfilmwelle mitzuhalten. „Das rote Phantom schlägt zu“ ist einfach nur ein austauschbares Billigprodukt unter vielen, bei einem geduldigeren Publikum mit noch weniger Erwartungen vieleicht lieber gesehen als von mir, wahrlich schlecht sieht immerhin anders aus, aber er ist in meinen Augen eben jene Art Routine, die sich schlechter schaut als ein missglückter Film. Ob ich jemals der Fortsetzung „Frankensteins Teufelsmaske“ eine Chance gebe, wage ich zur Zeit zu bezweifeln.


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STITCHES - BÖSER CLOWN (Stitches 2012 Conor McMahon)


Auf der Geburtstagsfeier des 10jährigen Tom kommt der Clown Stitches aufgrund eines Kinderstreiches um. Sechs Jahre später, just zu jenem Zeitpunkt, an dem der noch immer verstörte Tom erstmals wieder eine Geburtstagsparty schmeißt, kehrt Stitches aus seinem Grab zurück um blutige Rache zu nehmen...


Das Ei eines Clowns...

Ob Jon Watts‘ „Clown“, „Killer Clowns from Outer Space“, die drei „Camp Blood"-Teile oder der 90er Jahre „Es“, so wirklich Gutes will im Filmbereich zum Thema Killerclown einfach nicht erscheinen. Nett sind sie, diese Beispiele, aber bislang bilden sie für mich die Highlights dieses Sub-Genres des Horrors, und für ein solches ist das Ergebnis streng genommen doch eher mager zu nennen. Meist sind Werke zu diesem Thema gar noch enttäuschender Natur, so wie bei „Clownhouse“, „A Clown at Midnight“ und „100 Tears“ (ganz unterirdisch gar „Gingerclown“, wenn man ihn aufgrund des Titels dazu zählen will), so dass ich mit dem angenehmen Ergebnis von „Stitches - Böser Clown“, wenn auch erneut kein großes Ereignis damit gesichtet, wohl zufrieden sein kann.

Runter machen braucht man McMahons Werk ohnehin nicht, macht er für den kleinen netten Horrorfilme-Abend für zwischendurch doch ordentlich Party, denn Stitches geht nicht gerade sanft vor, wenn er auf sehr verspielte Art gnadenlos zuschlägt. Für manch perverse Idee braucht man gar einen harten Magen, sind die aufs Clownverhalten gemünzten blutigen Aktionen doch vergleichbar mit den Missetaten des durchgeknallten Cartoon-Professors aus „Terror Toons“ und dabei auf den Beruf des Psychopathen angepasst, vergleichbar mit den Mordmethoden in „Santa‘s Slay“ oder eben erwähntem „Killer Clowns from Outer Space“, so dass eine große Portion schwarzer Humor mit einfließt, ohne dass „Stitches“ (Originaltitel) dadurch gleich zur Komödie verkommt.

Die Autoren und Spezialeffektverantwortlichen haben sich kreativ ausgetobt, und ein gut besetzter Killerclown weiß mit böser Stimme und manch clownereskem Blick (gerade dann lustig wenn er selbst einmal etwas einstecken muss) die Taten ins richtige Licht zu rücken, so dass aus Stitches wirklich eine Kultfigur des Horrorfilms werden könnte, wenn der Streifen mehr Beachtung erhalten würde. Mit Freddy, Chucky und Co kann er locker mithalten, so treffsicher und optisch geglückt wie er vorgeht und eingesetzt wird. Ich würde mich diesbezüglich sehr auf eine Fortsetzung freuen, zumal die irische Herkunft des Films den Streifen trotz zu gradliniger Erzählweise und dem Abgrasen des üblichen Handlungsverlaufes weit weniger versteift daher kommen lässt, als jene US-Beiträge, die ebenfalls nur das bereits Bekannte abgrasen.

„Stitches - Bad Clown“ (Originaltitel) schafft es zumindest seine Stereotypen trotzdem lebensecht wirken zu lassen, zumindest Hauptfigur Tom und die Teenagerin, in die er verliebt ist, lassen einen mitfühlen, so dass sich inmitten von Irrsinn auch der nötige Hauch Gefühlsleben eingemischt hat, der im Gegensatz zum oftmals theoretische Treiben der Konkurrenz das Rahmenszenario lebendiger wirken lässt, und dies in der nötigen Dosis eingebracht, ohne dabei einen Kitsch- oder Seifenoperbereich zu streifen. Zudem wirkt es erfrischend, wenn besagte Stereotype für kurze Momente einmal aufgebrochen werden.

Dass des Rätsels Lösung zu offensichtlich und zu leicht zu erreichen ist, ist in einem Plot, der eigentlich schon mehrere hundert Male ähnlich variiert erzählt wurde, nicht gerade hilfreich, um ein besseres Ergebnis zu erzielen, als den netten kleinen Horrorfilm für zwischendurch geschaffen zu haben. Aber zumindest dies ist McMahon geglückt. Es bereitet Freude Stitches bei einem Rachefeldzug zu begleiten, der im Bereich des Killerclownfilms längst einmal in dieser direkten, unverfälschten Art fällig war, zumal es der Story gut tut, dass Stitches dem Grab entstiegen ist, anstatt einfach erneut einen menschlichen Psychopathen zur Erinnerung an „Gacy“ auf die Opfer loszulassen.

Stitches ist ein übernatürliches Wesen, weder eine Geistererscheinung noch ein klassischer Zombie, dafür jedoch fast unzerstörbar, gehässig, makaber und (auf angenehme Art) nicht aufs Maul gefallen. Zudem ist er mit übernatürlichen Eigenarten versehen, die es ihm möglich machen Menschen auf jene Art ins Jenseits zu befördern, wie es eben nur ein geisteskranker Clown kann. Eine selbstständig umherschlendernde, nach den Opfern schnüffelnde rote Nase ist ihm dabei sehr hilfreich, um nur mal eine der schrägen Ideen seines Könnens genannt zu haben.


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Freitag, 10. November 2017

KAHLSCHLAG (1993 Hanno Brühl)


Teenager Robin reißt von zu Hause aus und schließt sich der rechten Szene seiner Stadt an. Anfangs fasziniert ihn der Team-Geist, aber mit der Zeit lernt Robin auch die Schattenseite des Lebens kennen, das er gewählt hat...


Das Leben ist ein Handschuh...

Es war interessant „Kahlschlag“ nach all den Jahren wieder zu sichten. Damals zu einer Zeit gesehen, als ich selbst noch im Rahmen einer jugendorientierten Mentalität lebte und dachte, reizte mich eine Neusichtung im Erwachsenenalter enorm. Zwar mochte ich Hanno Brühls Jugend-Drama zum Thema Rechtsradikalismus schon damals, im direkten Vergleich bevorzugte ich jedoch den ein Jahr später entstandenen (und leider noch nicht auf DVD erschienenden) „Hass im Kopf“, da sich die Hauptfigur dort gar nicht als Rechtsradikaler empfand, wohingegen mir die Orientierung von „Kahlschlag“ etwas zu glatt im Klischee badend erschien.

Zwar empfinde ich das immer noch ein wenig so, die mittlerweile erreichte Lebenserfahrung machte mir aber deutlich, dass vieles was ich einst als zu aalglatt empfand bei schlichten Gemütern tatsächlich Realität ist, so dass ich mit manchen zu dick aufgetragenen Momenten im Film, die eher der Dramaturgie wegen und um das jugendliche Zielpublikum zu warnen auf diese zu schlichte Art eingebunden wurden anstatt auf Authentizität zu setzen, nicht mehr so streng ins Gericht gehe wie einst, zumal diese Punkte erzählerisch ihren Zweck erfüllen. Manch anderen als Klischee empfundenen Aspekt würde ich mittlerweile gar überhaupt nicht mehr dieser Kategorie zuordnen.

Interessant wird „Kahlschlag“ gerade in Hinsicht heutiger Sorgendebatten zum Thema Ausländerfeindlichkeit, ist der Film doch weit weniger prinzipiell idealistisch orientiert wie heutige Debatten zu dem Thema, die mir oftmals an der Realität vorbei geführt scheinen, wohingegen Hanno Brühls Werk den richtigen Ton trifft, dort ansetzt wo Aufklärung von Nöten ist und dabei ehrlich erscheint, großteils auch deswegen, weil die nicht komplett von der Szene zerfressenen Figuren des Streifens menschlich gezeichnet sind, was ein wichtiges Element für das Genre Drama ist.

Der Mensch steht über dem zu warnenenden Ideal. Der Einsteiger in der Szene wird nicht verteufelt, selbst manche Randfigur, die weiter Teil der Szene bleibt, ebenso wenig. Inwieweit es gut ist die erwachsenen Drahtzieher und ihre jugendlichen Vorzeigenazis zu monströs zu charakterisieren, sei hingegen in Frage gestellt. Hier wäre es gerade der Warnung ans jugendliche Zielpublikum wegen ratsamer gewesen realistischer vorzugehen, eben weil man in der Wirklichkeit auf Menschen hereinfällt und nicht auf in Filmklischees badende Stereotype-Monster.

Insgesamt ist „Kahlschlag“ jedoch sauber inszeniert, lebt mehr von den Vorteilen als von den Nachteilen beim Einsatz von Amateurmimen und fast dokumentarischen Aufnahmen zu Beginn, und auch die Musik von Piet Klocke weiß den vorgegebenen Ton bestens zu unterstützen. Die Schlussszene weiß zu berühren, ebenso wie die Momente Robins mit seiner kleinen Schwester, die zwar immer wieder die Gutmütigkeit des rechten Skinheads hervorhebt, seinen Einstieg und das Mitwirken in der Szene jedoch deswegen noch lange nicht unglaubwürdig erscheinen lässt.

Ganz im Gegenteil wird gerade hier das an anderer Stelle vermisste Gleichgewicht von Gut und Böse in einer Person, wenn man es überhaupt derart plump trennen will, vereint. Kein Mensch ist nur gut und nur böse, nur Opfer und nur Täter, und auch wenn Brühl den etwas zu dominant eingesetzten Hauptaspekt gelegentlich durchbricht, indem er subtil Ursachen oder indirekt beteiligte Mitaspekte der Thematik aufblitzen lässt, so wären diese Grauabstufungen doch auch beim Feindbild rechte Szene nötig gewesen, um noch eine Spur ehrlicher und weit weniger idealistischer zu wirken.

Aber wie gesagt kommt „Kahlschlag“ im Gegensatz zur derzeitigen medialen Debatte zu dem leider wieder aufgekommenen Thema wesentlich sachlicher, geistreicher, reflektierter und menschlicher daher, mit dem richtigen Ziel und dem tatsächlichen Problem vor Augen, im Gegensatz zur Wut des einfachen, linken Mobs von heute, welches erzkonservative Meinungen zum Feindbild erklärt und diesem dem Stempel Nazi aufdrücken möchte.


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Sonntag, 5. November 2017

VALKENVANIA - DIE WUNDERBARE WELT DES WAHNSINNS (Nothing But Trouble 1991 Dan Aykroyd)


Zwei Yuppie-Pärchen landen mit dem Auto während eines Umweges über die Landstraße in dem Hinterwäldlerkaff Valkenvania, wo sie nach Übersehen eines Stop-Schildes einem Banker-hassenden Richter vorgeführt werden und in dessen Gefangenschaft geraten. Wie übel ihre Lage tatsächlich ist, bemerken sie erst als sie einen Blick hinter die morbiden Kulissen Valkenvanias erhaschen...


Richter Pimmelnase...

Das Regiedebut Dan Aykroyds sollte auch gleich seine einzige Regiearbeit bleiben. Basierend auf der Idee eines Verwandten und dem darauf aufbauenden Drehbuch von Aykroyd höchstpersönlich konnte er zwar zwei befreundete Comedystars, Chevy Chase und John Candy, für die Besetzung gewinnen, und zudem die damals schon nicht unbekannte Demi Moore, dem Publikum schien der schrille Monsterspaß Aykroyds jedoch nicht zu schmecken, floppte das Projekt doch an den Kinokassen und ist bereits nach wenigen Jahren in Vergessenheit geraten.

Zugegeben unterliegt Aykroyd auch in „Valkenvania“, wie schon in „Ghostbusters“ und Co, der Versuchung äußerer Schauwerte auf Kosten einer gehaltvolleren Geschichte. Insbesondere die beiden degenerierten Baby-Zwillinge, von denen Aykroyd ebenfalls eins mimt, sind definitiv zu viel des Guten darin Valkenvania und den Hintergründen des Richters einen grotesken Touch zu bescheren. Doch von diesem zu extremen Ausrutscher einmal abgesehen geht die Sache, ebenso wie bei den Geisterjägern, doch noch gut, zumindest wenn man kein großes Komödienhighlight erwartet.

Interessanter Weise ist „Nothing But Trouble“ (Originaltitel) immer dann am besten, wenn die schrägen Momente pausieren, was höchst selten der Fall ist. Die Einführung in die Geschichte bildet somit den besten, wenn auch nicht gerade humorvoll übersprudelnden, Part, was viel am versprühenden Charme von Chevy Chase liegt, der stilvoll seine Rolle ausfüllt und die damals sehr attraktive Demi Moore zur Seite gestellt bekam. Die charakterlichen Eigenarten, auch jene der dicker aufgetragenen Charaktere zweier Brasilianer, trafen viel sicherer mein Humorempfinden als all die grotesken Eigenarten, die Aykroyd uns frei jeder Subtilität um die Augen und Ohren schmeißt, sobald sich die vier Personen auf dem Grundstück des Richters befinden.

Zwar lässt das Niveau und die Treffsicherheit des bis dahin stillen Humors damit schlagartig nach, wer sich jedoch umorientieren kann und in dem ganzen Nonsens nicht nach irgendeinem Sinn sucht, kann Aykroyds lautes Schreckenskabinett trotzdem etwas abgewinnen, sind es doch nicht nur die Stars die genügend Charme versprühen, auch die detailverliebten Settings, ob innen oder außen, wissen zu gefallen, und manch verspielt morbides Gimmick, eine Art Funversion der Einrichtung von Leatherfaces Elternhaus, lassen den erzählerischen Stillstand nie zu dröge wirken. Wenn dann noch John Candy als stumme, ewig albern vor sich hinkichernde Enkelin des Richters auftaucht, und damit seine vorherige Rolle als Sheriff mehr oder weniger ablöst, weiß das teilweise zu gewollte Chaos trotzdem zu belustigen.

Dass es an nötigem Gehalt für einen Mehrwert fehlt, lässt sich jedoch nie übersehen. Und ein angehangener Schlussgag vor der kompletten Zerstörung Valkenvanias erweist sich als so unnötig, wie der tatsächliche Schluss-Gag. Aber bereits das Niederbrennen des Tatortes beweist, wie verzweifelt man war das zum Selbstzweck groteske Treiben zu einem sinnvollen Ende bringen zu können. Aykroyd geht es lediglich ums Feuerwerk, um seine lauten Attraktionen, und dafür sind die zuvor so detailiert eingeführten Charaktere viel zu schade, eigentlich sogar die namhafte Besetzung, der man ebenfalls einen qualitativeren Spielplatz gewünscht hätte, um Aykroyd einen Gefallen zu tun.

Dass ich dennoch so sanft mit „Valkenvania - Die wunderbare Welt des Wahnsinns“ ins Gericht gehe, liegt sicherlich daran, dass dies nicht meine erste Sichtung war und ich somit auf die Ernüchterung nach der Einleitung vorbereitet war. Den Stillstand und das viel zu laute Spektakel skuriler Gimmicks hatte ich als weit weniger funktionierend in Erinnerung. Mit viel Wohlwollen, und nur so bin ich an diese bislang letzte Sichtung heran gegangen, kann man dem sinnlosen Spektakel aber durchaus seine sympathischen Seiten zugestehen, wenn man sich, ähnlich wie bei Aykroyds Frühwerk „Die verrückten Nachbarn“, einfach Szene für Szene auf den wilden Zirkus einlässt, ohne dabei das wackelige Gesamtbild zu beachten. Denn erst mit Blick auf dieses beginnt der ganze Nonsens zu wackeln.


DIE VERRÜCKTEN NACHBARN (Neighbors 1981 John G. Avildsen)


Earl Keese führt ein routiniertes Leben, bis eines Tages neue Leute ins Haus nebenan einziehen und seinen Alltag innerhalb weniger Stunden gehörig durcheinander bringen...


Der Wendepunkt seines Lebens...

Es ist nicht so dass Dan Aykroyd eine schüchterne Person wäre, aber neben dem wilden John Belushi wirkte er doch stets viel normaler als sein Partner, der Publikumsliebling, und da weiß die Idee zu gefallen den Spieß einmal umzudrehen und Belushi den Normalo mimen zu lassen, während Aykroyd einen abgedrehten Charakter spielen darf. Die Ironie an „Die verrückten Nachbarn“ ist, dass Belushi mit dieser Verringerung um so mehr auffällt und erneut der Hingucker des Streifens wird, während Aykroyd ein wenig zu bemüht den undurchschaubaren Chaoten spielt, wenn auch nicht ohne Sympathie ausgefallen.

Das Anliegen des Films wird eigentlich schnell klar. Spießertum stößt auf alternatives Leben, Keese muss aus seinem Alltagstrott befreit werden. Die Methoden, mit denen dies geschieht haben mit der Wirklichkeit jedoch so wenig zu tun, wie die gezeigte Filmrealität, die, wie so oft, eine Art überzogene Alternative zu unserer tatsächlichen Wirklichkeit darstellt. Wer den comichaften Ausgangspunkt, den Keeses Leben bereits ohne schräge Nachbarschaft besitzt, ignoriert oder übersieht, könnte somit über die fragwürdigen Methoden klagen, mit denen der Spießer geläutert wird. Immerhin ist er die eigentliche Sympathiefigur, ihm wird übel mitgespielt, und die Nachbarn sind das wahre Übel.

Dass Keese seinen ewigen Mobbern am Ende dankbar ist, und man nicht weiß ob er ihnen mit der finalen Situation nicht wieder in die Falle geht, fragt sich nur jener Zuschauer, der zu sehr in unserer Welt zu Hause ist. „Neighbors“, als überzogener, comicartiger Mikrokosmos unserer Welt meint das was er erzählt jedoch ehrlich. Keese wird befreit und beginnt das Leben zu genießen. Auf die Personen, auf die er zuvor gesetzt hat, kann er in Zukunft bestens verzichten. Entstanden in einer abklingenden Zeit des anarchischen Kinos wirkt die Botschaft trotzdem ein wenig verzweifelt und blauäugig. Zu stark wird das Spießertum kritisiert, zu gut kommt der alternative Lebensstil weg, der sich an keinerlei Werten außer der persönlichen Freiheit zu orientieren scheint. Und so schafft es John G. Avildsens Ausnahmefilm trotz der Verlagerung in ein schräges Alternativuniversum nicht den Zuschauer wirklich zu überzeugen.

Mit heruntergeschraubten Erwartungen muss er das jedoch auch gar nicht. „Die verrückten Nachbarn“ ist eine dieser wenigen Ausnahmen, in welcher das Gesamtprodukt keine wirkliche Rolle spielt. Man genießt das Geschehen von Moment zu Moment, eben weil die Darsteller ursympathisch sind und das Drehbuch den Zuschauer ohnehin stets mit skurrilen Chosen auf Trab hält. Bei diesen wechselhaften Nachbarn weiß man tatsächlich nie was im nächsten Moment passiert, behauptet und gefühlt wird. Mag man von Keese Läuterung und der Methoden mit denen dies geschieht also auch dann nichts halten, wenn man das komplette Geschehen als Groteske versteht, so kann man doch zumindest die spielfreudig dargebotene Wechselwirkung, das permanente Durcheinanderwühlen der Wohlfühlzone eines Spießers und die Achterbahnfahrt trivialer und provokativer Nichtigkeiten genießen, welche uns der Autor des Stoffs in flotter Dauerschleife vor die Nase setzt.


MEINE TEUFLISCHEN NACHBARN (The Burbs 1989 Joe Dante)


In einer Vorortsiedlung wundern sich Spießer über das eigenbrödlerische Verhalten ihrer neuen Nachbarn, den Klopeks. Aus dem Haus kommen komische Geräusche, nachts wird im Garten gegraben und der Rasen wird auch nicht regelmäßig gemäht. Langsam wächst in der Nachbarschaft der Verdacht, dass die Klopeks einem mörderischen Treiben nachgehen...


Elektrizität ist unser Freund...

„Meine teuflischen Nachbarn“ ist einer dieser seltenen Glücksgriffe, bei denen fast alles zu stimmen scheint. Das beginnt mit der beeindruckenden, herangezoomten Überleitung von der Universal-Kugel zur Vorstadtsiedlung, zu einer Zeit in der es noch unüblich war mit den Firmenlogos der Filmstudios zu spielen, und das endet bei einer überraschenden Auflösung nach einem Milschshake-gleichem Durchrütteln des Glaubens des Zuschauers darüber, ob die Klopeks nun Dreck am Stecken haben oder nicht. Letztendlich präsentiert uns Joe Dante einen Film des ewigen Hinhaltens. Schließlich geht es eigentlich um nichts anderes, als um die Schuld- oder Unschuldfrage der Klopeks. Und selten war es derart kurzweilig und amüsant hingehalten zu werden wie hier.

Das liegt an einem stilsicheren, pointenreichen Drehbuch, an der detailverliebten Umsetzung Dantes und seinem Team (allein die Vorortsiedlung im Kontrast zum Haus der Klopeks ist eine Wucht) und selbstverständlich auch an der wundervollen Besetzung. Tom Hanks macht sich sichtbar spielfreudig zum Kasper, ohne dabei an Würde zu verlieren. Ernste wie schräge Töne beherrscht er gleicher Maßen, immer passend zur jeweiligen Phase der Geschichte. Corey Feldman ist für einen sprücheklopfenden Teenie-Sidekick, also eigentlich für etwas Minderwertiges, überraschend spaßig eingesetzt (zumal seine Figur von den erwachsenen Erwachsenen ohnehin nie ernst genommen wird). Und Rick Docummun ist als dümmlicher, gefräßiger Nachbar, welcher der Hauptfigur stehts Flausen in den Kopf setzt, der heimliche Star des Films. Seine Rolle könnte die eines Dan Aykroyd sein, um so passender ist es, dass er in der Deutschfassung dessen Synchronstimme erwischt hat.

Joe Dante pendelt stets zwischen harmloser Horrorparodie und treffsicherer Kritik am Spießertum innerhalb eines verspielten Filmes, der es weiß mit verschiedensten Komikelementen, vom subtilen Ton bis hin zum hemmungslosen Slapstick, zu jonglieren und dabei stets Figuren und Entwicklungsprozess der Geschichte das wichtigste Element sein zu lassen.

So ergibt sich ein niveauvoller, unverkrampfter Komödienspaß, der die grundlegende Situation immer weiter eskalieren lässt, was auch in größter Übertreibung nicht schlimm ist, da „The Burbs“ (Originaltitel) selbst in seiner ruhigeren Anfangsphase bereits überdeutlich die Charakterzüge eines Comicstrips in sich trägt. „Life in the Burbs“ (Alternativtitel) spielt in einer eigenen Kinowelt, der unseren nicht unähnlich, aber dicker aufgetragen. Da passt es um so mehr, dass diese Welt auch von manch schräger Randfigur bevölkert wird, wie beispielsweise dem möchtegernschlauen Müllmann, der von pseudowissenschaftlichen Dingen wie dem Pendeln zu begeistern ist.

Das Sahnehäubchen auf dieser großartigen Rezeptur bildet aber freilich die Besetzung der Klopeks, die wir erst nach und nach zu Gesicht bekommen. Dante ist es wichtig einen hohen Spannungsbogen und Erwartungsgehalt über deren Existenz zu schaffen. Und bekommt man sie erst einmal zu Gesicht, bildet jeder eine andere Art wundervollen Außenseiter, der Täter wie Opfer zugleich sein kann. Dante beherrscht es wie kaum ein anderer eine kleine Gruppe Menschen allein durch ihre Eigenarten zur Hauptattraktion, bzw. zum funktionierenden Motor einer urkomischen Geschichte zu machen. In Sachen harmlose Horror-Parodie steht er mit diesem großartigen Ergebnis Steve Martins „Der Mann mit zwei Gehirnen“ in kaum etwas nach.


Weitere Besprechungen zu Meine teuflischen Nachbarn: 


Samstag, 4. November 2017

DER HARTE UND DER ZARTE (Loose Cannons 1990 Bob Clark)


Ein knallharter Cop bekommt bei einer neuen Mordermittlung einen Partner zur Seite gestellt, der seit einer überlebten Folter multible TV-Persönlichkeiten entwickelt hat, die er nach seiner Therapie im Kloster nicht so gut unter Kontrolle hat wie erhofft...


Den Mond anheulen kann vereinen...

Deutlich vom Erfolg der „Lethal Weapon“-Welle inspiriert, macht „Der Harte und der Zarte“ von Anfang an deutlich, dass er nicht so gut funktioniert, wie das Rezept des erfolgreichen Vorbildes einst. Wenn zu einer Actionszene erstmals das billige, uninspirierte 80er Jahre-Gedudel beginnt, ist man bereits zum ersten Mal herausgeworfen aus einem Film, der sich viel zu bemüht schaut und einfach nicht funktionieren will. Das beginnt bei der nicht überzeugenden, viel zu lahm ausgefallenen Actionchoreographie, das Integrieren dieser Szenen in eine viel zu verblödete Story und krankt allerspätestens bei der nicht vorhandenen Chemie zwischen Gene Hackman und Dan Aykroyd.

Aber wie hätten selbst zwei Profis wie diese beiden etwas retten können an einem Plot, dessen Motivation man bei dieser Charakterisierung überhaupt nicht versteht? Improvisations-Profi Dan Aykroyd ist ein höchst lustiger Mime, aber seine Grimassenschneiderei will hier einfach nicht funktionieren, verkörpert er doch eine Rolle, die man fünf Jahre später Jim Carrey erfolgreich auf den Leib geschrieben hätte. Mag manch kranker Blick noch funktionieren, so will ich trotzdem nicht begreifen was daran lustig ist, wenn er in gefährlichen Situationen plötzlich zum Road Runner, zur halben „Raumschiff Enterprise“-Besetzung oder zu Woody Woodpecker wird. Nicht einmal sein nächtlicher Streifzug als Dracula, den man nur akustisch aus der Perspektive des verstörten Kollegen mitbekommt, will ins Schwarze treffen, obwohl diese Idee in der Theorie doch recht reizvoll klingt.

Aber auch die Figur Hackmans will nicht überzeugen, versteht man doch nicht was sie ausmachen soll. Auf der einen Seite soll sie die typisch harte, abgefuckte Stereotype sein, die ein Bruce Willis so wunderbar geprägt hat, nur eine Spur asozialer ausgefallen, dafür ist sie nur wenige Momente später allerdings viel zu soft und sozial geprägt. Und selbst noch als Wackelkandidat, dessen Charakterschwerpunktsetzung nie ganz deutlich wird, versteht man auch nicht seinen Beweggrund sich dem Verrückten schließlich freundschaftlich zu nähern. Dies überzeugt erst, wenn es so weit ist und die beiden schließlich in einem zu Action-dominanten letzten Drittel glaubwürdig an einem Strang ziehen.

Dom DeLuise ist als Sidekick a la Joe Pesci aus den Fortsetzungen des Vorbildes gedacht, darf aber einfach nur dick und gelegentlich auch mal nervig sein und weiß nur einmal halbwegs zu belustigen, wenn er sich Sorgen darüber macht, dass nun auch die Hackman-Rolle in den Wahnsinn abrutscht, wenn diese gemeinsam mit der Aykroyd-Rolle den Mond anheult. Und warum man ausgerechnet „Porky‘s“-Regisseur Bob Clark an einen Actionstoff heranlässt, bleibt wohl ein ewiges Rätsel. „Loose Cannons“ (Originaltitel) bleibt um Weiten hinter der Teenie-Trilogie, dem sympathischen „Karriere mit links“ und erst recht hinter seinen grandiosen Horrorfilmen „Jessy - Die Treppe in den Tod“ und „Dead of Night“ zurück. Was wirklich Gutes sollte nach „Der Harte und der Zarte“ aber ohnehin nicht mehr von ihm kommen. Aykroyd erging es ähnlich, und Hackman sieht man zumindest an, dass er sich im hier besprochenen Film fremdschämt.


COLOSSUS (Colossus: The Forbin Project 1970 Joseph Sargent)


Ein Computer namens Colossus übernimmt eigenverantwortlich, frei von Emotionen, die Verteidigung der USA. Kurz nach seinem Start entdeckt er ein Schwesterprogramm in Russland, zu dem er Kontakt aufnehmen möchte. Als ihm dies aufgrund fehlender Kontrollmöglichkeiten keine Staatsgeheimnisse zu übermitteln nach einiger Zeit untersagt wird, greift Colossus zu Gegenmaßnahmen und beginnt, weit besser funktionierend als gedacht, nach und nach die Kontrolle über seinen Schöpfer zu gewinnen...


In der Gefangenschaft einer Maschine...

„Colossus“ ist weit weniger bekannt, als er es verdient hätte, entstanden in einer Zeit in der mit „Rollerball“, „Soylent Green“, „Phase IV“ und vielen anderen Filmen das Science Fiction-Genre viele der gelungensten Werke ihres Fachs hervorbrachten, zu dem sich zweifelsohne auch Joseph Sargents Beitrag über einen Riesencomputer, der eine künstliche Intelligenz entwickelt, dazuzählen darf. Trügerisch beginnt er eher amüsant anstatt bedrohlich, was auch einige Zeit, unterstützt von verspielter Musik, so bleiben wird.

Erst nach und nach wird dem Zuschauer klar wie böse die Situation tatsächlich ist und welch ernste Töne der Film beginnt anzusprechen. In der Zwischenphase wechseln sich Bedrohung und Belustigung innerhalb eines faszinierenden, sich stets weiterentwickelnden, Szenarios ab, bis die bittere Pille, meist durch Symbolik bekannter Verbrechen an der Menschheit, schließlich nicht mehr zu ignorieren ist und den Zuschauer, gerade mit den damaligen Sehgewohnheiten, schlichtweg überrumpelt.

Ein verschmitzt agierender Eric Braeden hilft ungemein förderlich bei dieser Täuschung, was um so mehr zu gefallen weiß, wenn man ihn gegenteilig besetzt als Schurken aus „Flucht zum Planet der Affen“ in Erinnerung hat. Die restliche Besetzung ist kaum von Bedeutung und fällt auch nicht sonderlich nennenswert auf. Braeden fängt gemeinsam mit einem einfallsreichen Drehbuch alles auf. Antiquierte Vorstellungen eines Supercomputers, vergangene Prüderie und die Thematik des kalten Krieges mögen „Colossus 1980“ (Alternativtitel) überholt oder nostalgisch erscheinen lassen, aber dieser Effekt hilft beim überschnell reagierenden, schmunzelnden Zuschauer um so mehr bei besagter Täuschung vor der wahren Bitterness des Stoffes, freilich ein Zubrot welches die Verantwortlichen des Streifens einst nicht ahnen konnten.

Mag sich „The Day the World Changed Hands“ (Alternativtitel) mit seiner Trickserei zunächst ein wenig wie damaliger Mainstream anschauen, eben weil der Zuschauer zunächst eher belustigt unterhalten wird, so versteckt sich in Wirklichkeit doch ein recht verkopfter und intellektueller Stoff hinter so viel Kurzweile, geht die Geschichte doch vorder- wie hintergründig raffiniert und wohldurchdacht Schritt für Schritt vorwärts, zwar versehen mit Täuschungen und Weiterentwicklungen die man aufgrund heutiger Erfahrungen zu der Thematik erahnen kann, aber nicht zwingend muss. Zu was die Maschine alles fähig ist und wie konsequent sie welchen Weg geht wird auch heute noch viele Zuschauer überrumpeln und begeistern. Und selten wurde ein solches Thema derart geistreich und kurzweilig zugleich eingefangen, vorausgesetzt man kann mit den ruhig erzählten Werken von damals etwas anfangen.

Auf anderer Ebene ist „The Forbin Project“ (Alternativtitel), gerade für Sehgewohnheiten von heute, recht trocken erzählt und lebt viel vom Dialog zwischen Forbin und seiner Erfindung. Aber die verspielt hervorgehobene, fast schon kindlische Bockigkeit von Colossus und später auch jene von Forbin, brechen mit solch sympathischem Charakterzug und solch augenzwinkerndem Umgang jegliche staubige Atmosphäre auf, so dass Verweigerer verkopfter Stoffe trotzdem Zugang zu diesem Meilenstein des Science Fiction-Films gewinnen müssten. Ohnehin wird die eigentliche (versteckt erwachsene) Brillanz des Stoffes und der Umsetzung immer wieder aufgebrochen durch das Erwecken der Abenteuerlust Forschung beim Zuschauer (die Mathematik der Zukunft, die gemeinsame Computersprache, das Erforschen ferner Weltallregionen, ...) und wie bereits erwähnt durch die Bockigkeit der beiden Hauptfiguren, ein Aspekt der gerade in der deutschen Fassung durch die „Stimme“ Colossus‘, bevor dieser tatsächlich eine erhält, positiv verstärkt wird.

Interessant ist, dass der private Aspekt Forbins relativ klein gehalten wird. Das mag widersprüchlich klingen, lehnt sich die Geschichte gerade ihm betreffend doch deutlich an „1984“ an und zeigt in verstörender, wie belustigender Art wie Colossus Forbin schrittchenweise immer intensiver überwacht und somit seiner Freiheit und Privatsphäre beraubt. Dem Film tut diese Reduzierung jedoch gut, da man sich so dem eigentlichen Hauptthema besser zuwenden kann. Die wenigen privater ausgefallenen Szenen, kurze Augenblicke von Romantik, zeigen in ihrer überholten, unfreiwillig belustigenden Art schließlich auch, dass „Colossus - The Forbin Project“ (Originaltitel) niemals so zeitlos intensiv zu gucken wäre, wenn dieser Aspekt einen größeren Raum eingenommen hätte.

So aber bleibt ein beeindruckender Film, dem seine Entstehungszeit ihm zunächst ein Beinchen zu stellen scheint, bevor sich auch dies als hervorragende Ablenkung vor einem wahrlich großen und beunruhigenden Stoff herausstellt. „Colossus“ muss sich vor den oben genannten Science Fiction-Werken ebenso wenig verstecken, wie vor „Westworld“, „Der Omega Mann“, „Die Frauen von Stepford“, „Die Delegation“ und all den anderen großen Science Fiction-Filmen dieser Zeit. Er ist ein Film zum Immerwiedergucken und beeindruckt mich mit jeder Sichtung immer wieder aufs Neue. Mit seinem unterhaltsam funktionierenden Mix aus intellektueller Brillanz und verspielt versprühendem Charme ist er ein Meisterwerk für sich, welches Popkornkino und Autorenfilm perfekt vereint.


EIN PRÄSIDENT FÜR ALLE FÄLLE (My Fellow Americans 1996 Peter Segal)


Haney, der Präsident der USA, sorgt dafür, dass eine Schmiergeldaffäre, an welcher er beteiligt war, auf den ehemaligen Präsidenten Kramer zurückfällt. Darüber freut sich dessen Erzfeind, der ehemalige Präsident Douglas. Als jedoch beide gemeinsam per Zufall einem Mordanschlag der NSA entkommen können, müssen sie sich zusammenraufen, um Beweise für die Verschwörung aus dem Weißen Haus zu finden. Auch mit ihren Mördern im Rücken können sie es nicht lassen sich gegenseitig zu bekriegen...


Der Pfennigfuchser und der Schwerenöter...

Ähnlich wie in „Hallo, Mr. Präsident“ wird das Thema um das höchste politische Amt der USA nicht für eine politische Satire genutzt. Zugegeben, in „Ein Präsident für alle Fälle“ gibt es deutlich mehr Seitenhiebe auf die Politik als im Vergleichsfilm, gerade auf den Egoismus der Regierenden bezogen, im Mittelpunkt steht jedoch hier wie dort der private Aspekt, und das wäre in Peter Segals Film das Gekabbel der beiden Streithähne. Diese beiden setzt man als Opfer in eine Verschwörung, und da diese nicht auffliegen darf, müssen sie sterben. Hierfür steht den Verantwortlichen der Menschenjagd die geballte Macht der NSA zur Verfügung, so dass die Situation unglaublich brenzlig wird.

Wer nun einen Thriller mit gelegentlichen pointierten Dialogen erwartet, so wie es im Actionbereich bei „Lethal Weapon“ der Fall war, irrt. Mag die Geschichte auch danach klingen, „My Fellow Americans“ (Originaltitel) ist eine lupenreine Komödie, einzig darauf aus die beiden Widersacher in mal brenzligen, mal dramatischen Situationen aneinander geraten zu lassen, und dies so harmlos umgesetzt, dass Freunde ernsterer Genres oder jene, die sich einen bissigen Umgang mit dem Thema gewünscht haben, enttäuscht werden können. Müssen sie aber nicht, denn als simple, kurzweilige Unterhaltung weiß die manchmal etwas zu brav ausgefallene Komödie durchaus zu wirken, sind die Charaktere doch schrullig genug ausgefallen, um sie zu lieben und zu hassen. Nie würde man für einen von beiden Partei ergreifen, beide haben Recht und Unrecht, und es bereitet viel Freude den ständigen Schlagabtauschen der beiden beizuwohnen.

Es ist nicht so, dass das Drehbuch äußerst gewitzt vorginge, das arbeitet eher brav mit den Sehgewohnheiten des Stammpublikums des Genres und überfordert deren Wunsch auf leichte Unterhaltung nicht. Aber die Sprüche und die Schwächen der beiden zentralen Figuren stimmen, und mit James Garner und Jack Lemmon sind die beiden auch nahezu perfekt besetzt. Dan Aykroyd weiß in einer kleineren Rolle zu belustigen (so wie es Jack Lemmon im selben Jahr in der Dan Aykroyd-Komödie „Schwer verdächtig“ tat), und viele bekannte und gern gesehene Gesichter, deren Namen man in der Regel oft nicht kennt, runden die sympathische Besetzung ab, die den Großteil am Funktionieren des eigentlich zu routiniert ausgefallenen Streifen ausmachen.

„Ein Präsident für alle Fälle“ wird selbst dann nie zu moralinsauer, wenn die Helden on the Road auf den kleinen Mann von nebenan stoßen, sind solche Momente doch kurz gehalten und baden nie so tief in Kitsch und erhobenem Zeigefinger, wie es in einer typischen Disneyproduktion der Fall wäre. Dass das Ganze jedoch trotzdem nur ein Zugeständnis an das Mainstreampublikum ist, braucht man eigentlich schon nicht mehr betonen. Ehrlich oder wirklich reflektiert wirkt solch ein Blick auf die Politik im eigenen Land nicht, viel mehr streift der Film in solchen Momenten den Bereich der Seifenoper.

Eine weitere Drehbuchkrankheit ist das Spiel mit den Zufälligkeiten. Immer wieder glaubt der Autor Randfiguren wichtiger Erlebnisse noch einmal einbauen zu müssen, so dass aus dem eigentlich demonstrativ dargestellten Land der großen Weiten ein Mikrokosmos wird, in dem sich alle irgendwann einmal wiedersehen. Der Einwanderer hat freilich sein großes Glück gefunden, ein Homosexueller, den man auf einer Schwulenparade traf, muss sogleich für die Staatssicherheit arbeiten, all diese und weitere Anbiederungen an ein Publikum, welches unbedingt emotionale Bestätigung auf völlig realitätsfernem Weg braucht, wissen den positiven Gesamteindruck ein wenig zu schmälern.

„Ein Präsident für alle Fälle“ hat also durchaus seine Schwachpunkte, die man zu Recht kritisieren kann. Und wenn man bedenkt, dass die Reibereien der beiden zentralen Rivalen stets wichtiger waren als all das abenteuerliche, nicht all zu schlicht gestaltete, Drumherum, welches überhaupt die Grundsituation der ganzen Chose ausmacht, versteht man auch nicht, warum die Geschichte sich gegen Ende trotzdem mit immer neuen Wendungen immer wichtiger nimmt als nötig, anstatt es bei dem eigentlichen Hauptaugenmerk zu belassen. Auch dieser Fehler verhindert kein fröhliches Happening mit dem Film, aber er zeichnet sich doch als unnötiger Drang von Autor und Produzenten ab, unbedingt mehr bieten zu müssen als die Geschichte nötig hat und tragen kann. Zumindest beweist das schwächelnde Drehbuch, dass die Besetzung ein wahrer Glückstreffer für den Zuschauer ist, bei all dem was der sympathische Cast zu retten vermag.