Dienstag, 30. August 2016

THE LAST DAYS - TAGE DER PANIK (Los últimos dias 2013 Àlex Pastor u.a.)


Menschen trauen sich nicht mehr aus dem Haus und werden derart panisch wenn sie dazu gezwungen werden, dass sie vor Angst sterben. Was mit einigen Einzelfällen beginnt, wird zu einer globalen Epidemie und befällt recht bald die komplette Menschheit. Drei Monate harrte Marc auf seinem Arbeitsplatz aus, bis man es vereint geschafft hat einen Tunnel zum U-Bahn-Netz zu graben. Nun begibt sich Marc im unterirdischen Teil der Stadt auf die Suche nach seiner Frau, begleitet von einem Bekannten, mit dem er einen Pakt geschlossen hat. Immerhin sind beide aufeinander angewiesen, herrscht unter der Erde doch die reine Anarchie...


Globale Agoraphobie...

Wer „Carriers“ kennt, den zuvor von David und Àlex Pastor gedrehten Streifen, der wird vielleicht Vorurteile haben sich an ihren zweiten Endzeit-Film „The Last Days - Tage der Panik“ zu wagen, badete der vier Jahre vorher inszenierte Film doch stark im Mainstream, was mindestens ein Augenzudrücken vom Zuschauer abverlangte um zu funktionieren. Mir hat besagter Science Fiction trotz der mit dem Mainstream einhergehenden Defizite aufgrund seiner hervorragenden Grundidee gefallen, und ähnlich geht es mir mit dem hier besprochenen Film, der mit einer ungewöhnlicheren Idee daher kommt, ja sogar mit einer die zunächst ein wenig lächerlich klingt.

Für ihre Regie-Arbeit „The Last Days“ kehrten die zwei Filmemacher in ihre Heimat Spanien zurück, was bereits einige Amerika-Kino-Krankheiten im Vorfeld bereinigt. Schmecken wird der Streifen manch einem sicherlich trotzdem nicht, ist „Los últimos días“ (Originaltitel) doch recht emotional erzählt und damit nicht so düster ausgefallen wie mancher Vergleichsstoff. An manchen Stellen scheint der Film nicht einmal konsequent zu Ende gedacht zu sein. Trotzdem überrascht es wie viele Ideen die Pastors aus der einen herauszuholen wissen, so dass der Plot zwar den üblichen Verlauf von Endzeitfilmen dieser Art nutzt, kleine Gimmicks, die nur aufgrund des ungewöhnlichen Auslösers existieren können, das Ganze jedoch leicht individuell anreichern.

Manches Mal macht es das Drehbuch den Helden wahrlich schwer, so gnadenlos wie ein „28 Days Later“ fällt „The Last Days“ jedoch trotzdem nie aus, gerade in direkten Vergleichsmomenten wie der Aktion Regenwasser einzufangen um Trinkwasser zu gewinnen. Trotzdem beweist der Film auch hier Einfallsreichtum. Wie man unterirdisch auf verschiedenste Art überlebt zeigen oftmals nur kleine Blickfänge am Rande des Geschehens. Leider wirken viele Plätze zu sicher und manches Mal auch zu überraschend menschenleer, ein Eindruck der sich aber zumindest in der sich vor Romeros „Zombie“ verbeugenden Einkaufszentrum-Szene als bösartige Falle herausstellt, wenn man es bereits gewohnt ist dass der Streifen hin und wieder zu blauäugig ausfällt.

Generell ist die emotionale Umsetzung, die wie erwähnt manchen abschrecken wird, keine verkehrte Idee. Zwar ist eine Frau, und damit die große Liebe, der Auslöser für die Reise Marcs, hauptsächlich geht es jedoch, ähnlich wie in „Der weiße Hai“, um eine sich unter Extrembedingungen entwickelnde Freundschaft, eine Freundschaft die nie eine geworden wäre, wenn man nicht voneinander abhängig gewesen wäre.

Dank einer interessanten Charakterzeichnung, die erst mit der Zeit ihren Figuren Tiefe schenkt, eben dann wenn auch wir sie besser kennen lernen dürfen, begleitet man die Beiden nur all zu gerne durch einen Plot, den man ähnlich variiert schon das ein oder andere Mal als Freund des phantastischen Kinos gesichtet hat. Da auch die Dialoge trotz aller Emotionen und teilweise aufkommender Klischees nicht plumper Natur sind, sondern gerne angenehm zu überraschen wissen, und die schönsten Denkansätze als Nebensächlichkeit eingebracht werden anstatt als große theatralische Leergeschwätz-Sülze a la „Matrix 2“ oder „The Dark Knight Rises“, steht einem gelungenen Seherlebnis meiner Meinung nach nichts im Weg.

Das liegt aber auch daran, dass Sozialkitsch meist umschifft wird. „The Last Days“ vermittelt glaubwürdige Gefühle, selbst dann wenn sie manches Mal für den optischen Kino-Effekt aufpoliert werden. Erst an jener Szene, die uns aus dem Film entlässt, lässt sich nichts mehr schön reden. Da erleben wir Sozialkitsch in Reinform, durch Blauäugigkeit und halbdurchdachten Ideen tatsächlich recht unangenehm wirkend, aber immerhin eine Restfaszination hinterlassend, da wir zum einen emotional an Marc gebunden sind und zum anderen auch inmitten dieses unangenehmen Szenarios manch nette Idee miterleben dürfen.

Zumindest erlaubt sich „The Last Days“ vor diesem Tiefpunkt ein Finalszene, wie sie nur aufgrund der ungewöhnlichen Ausgangssituation der Geschichte möglich ist, nutzt also für den entscheidenden Moment noch einmal die Trumpfkarte des individuellen Auslösers des Zivilisationsendes. Und was diesen betrifft, so kann man nach Sichten zumindest behaupten dass er keinesfalls lächerlich wirkte, zu keinem Zeitpunkt, auch wenn das Massensterben aufgrund einer Extremform von Agoraphobie zunächst tatsächlich gewöhnungsbedürftig klingt.

Will man fair sein, muss man sich als Cineast aber auch eingestehen, dass man sich an manche oft erzählte Idee einfach nur zu sehr gewöhnt hat, sonst würde man vieles oft Gesehene sicherlich auch in der Theorie zunächst als unsinnig empfinden. Als Freund bewegter Bilder sollte man ohnehin immer offen für alle neuen Ideen sein, und „The Last Days“ gibt uns zumindest die Chance dies erneut zu beweisen, auch wenn nur wenig Individuelles darauf aufbaut. Damit baut er eine stille Verwandschaft zu „The Happening“ auf. sehenswert


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Montag, 29. August 2016

AFTER EDEN (2015 Hans Christian Berger)


Adam ist so vernarrt in die Pornodarstellerin Eve, dass er ihr per Videokamera nachspioniert. Als er eines Tages den Mut fasst sie für einen Privat-Dreh zu engagieren, sagt Eve überraschend zu...


Manche Fantasie sollte Fantasie bleiben...

Erotikfilm versteht sich gerne als Kunst, kann im besten Fall gar zu einem sensiblen Drama über das werden, über das öffentlich nur ungern ehrlich geredet wird. Will man den Schatten des Schundfilmes überwinden, muss ein intellektueller Touch her, und das endet gerne mal in pseudo-intellektuellem Getue, zu Kunst-getarntem Schmonsens, und auch wenn ich nicht all zu hart mit „After Eden“ ins Gericht gehen möchte, so muss ich doch trotzdem sagen dass er in diese unangenehme Richtung tendiert, holt Regisseur Hans Christian Berger, für den der hier besprochene Film sein Debut und sein bislang einziger Spielfilm ist, doch zu wenig aus der Ausgangsidee heraus.

Es reicht einfach nicht lange unterkühlte Kameraeinstellungen zu wählen, die nackte Haut ebenso zu unterkühlen um den Erotikaspekt zu minimieren und jeglichen Handlungsaspekt angedeutet zu lassen. So etwas reizt einige Zeit, hält ein solches Werk für ein interessiertes Publikum sogar länger über Wasser als man meinen sollte, aber am Ende bleibt wenig Nachhall. Hier wirkt alles eine Spur zu offen. Auch in dieser Art Film, die absichtlich nicht zu viel kommentieren will, sondern es darauf anlegt das Publikum selbst entdecken zu lassen, hätte ich mir ein deutlicheres Ende gewünscht, das zumindest kurz andeutet was es nun wirklich wollte.

Klar macht man sich als Zuschauer seine Gedanken, wenn man Adams Vorbereitungen parallel zu Eves Alltag begleitet. Sicher wird deutlich wie sehr Eve eine Rolle spielt und wie sehr Adam, trotz provozierender Fragen, in ihr nichts weiter als den lüsternen Pornostar sehen will. Das kann freilich auch nicht erfreulich für Adam enden. Und natürlich reizt auch das Nichtwissen dessen was (nicht) geschehen ist in der entscheidenden Nacht. Außerdem weiß das Finale aufzuwühlen, aufgrund der beunruhigenden Szenen Adams im Umgang mit seiner Waffe. Uns von Anfang an solche Bilder vorzusetzen ist ein berechnender wie wirksamer Kniff innerhalb eines Filmes, der in seiner digitalen Optik und der Dialog-armen Umsetzung dokumentatorisch wirkt.

Hilfreich kommt diesem Effekt zudem zu Gute, dass Hauptdarstellerin Alyssa Reece tatsächlich aus der Porno-Branche stammt. „After Eden“ ist ihr erster Nicht-Hardcore-Film. Schauspielerisch musste sie jedoch nur das bewerkstelligen, was man auch in ihren Beischlaf-Werken sichtet. Ein unentdecktes Talent ist sie nicht. Interessant ist der Kniff sie in jenen typischen Pornomomenten zu zeigen, in welchen die Darstellerinnen vor den nackten Taten zunächst pseudo-realistisch interviewt werden. Ob man sich da die Rechte aus den realen Pornofilmen von Reece gesichert hat, oder ob das Ganze sehr echt nachgestellt wurde, kann ich nicht beantworten, aber es gibt dem Streifen einen authentischen Touch.

Mag ein Kunstfilm auch nicht viel offen aussagen von dem was er aussagen will, so wirkt die Verschwiegenheit in „After Eden“ eher wie ein krampfhafter Versuch etwas simpel Abgefilmtes als intellektuell zu verkaufen. Trotz aller angedeuteten Themen und zu entdeckenden Wahrheiten, wahre Tiefgründigkeit tut sich hier nicht wirklich auf. Man bekommt den Eindruck Berger drehte den Film so, weil man das nun einmal so tut um in intellektuellen Filmkreisen bemerkt zu werden, und nicht weil er damit tatsächlich mehr bezwecken will als die oberflächliche Analyse, die ich hier lustlos angedeutet habe, um zu signalisieren dass sie mir trotz der scharfen Kritik die ich hier äußer durchaus nicht entgangen ist.

Komplett verreißen könnte ich „After Eden“ jedoch trotzdem nie, sind die Ansätze doch durchaus interessant, der Einsatz einer ollen Digi-Cam legitim, da diese Art Bilder zu anderen Aussagen fähig ist als ein mit überarbeiteten Bildern abgeliefertes Werk. Auch besaß Bergers Streifen wesentlich weniger Erotikszenen als das DVD-Cover vermuten lässt und tarnt somit keinen reinen Nackedei-Film als Pseudo-Kunst. Doch trotzdem muss ich dieses Wort verwenden. „After Eden“ ist pseudo. Nicht ohne Reiz, aber weder Hamilton, Haneke noch Franco. „After Eden“ wirkt nicht ehrlich und echt, er wirkt gewollt intellektuell, er wirkt in den tiefen Aspekten zu zufällig, und er wirkt in seinem kommentarlosem Abschluss feige anstatt tiefsinnig. Das kann wer anders aber freilich völlig anders empfinden. Anbei hätte ich „After Eve“ für den besseren Titel gehalten um das Gesehene besser nachhallen zu lassen. mittelmäßig


Sonntag, 28. August 2016

ALLES IM EIMER (1981 Ralf Gregan)


Leo Bergert hat Schulden und wurde von seiner Verlobten verlassen. Und da ihm der Selbstmord nach diversen Versuchen einfach nicht gelingen will, engagiert er eine Zufallsbekanntschaft, den Einbrecher Max, den Mord an sich innerhalb der nächsten zwei Tage zu übernehmen. Zu dumm nur dass einen Tag drauf die Welt finanziell wie auch Beziehungs-technisch wieder in Ordnung ist, und Leo dementsprechend keine Lust mehr hat zu sterben. Aber wie kontaktiert man einen Auftragskiller der nicht gefunden werden will? Da Max überraschend und schmerzlos vorgehen soll, wird Leo in den kommenden zwei Tagen zum reinsten Nervenwrack und vermutet hinter jedem Schatten seinen Mörder...


Leo und der Balkon...

Ein Jahr nach ihrem wunderbaren „Mein Gott, Willi“ drehten Regisseur Ralf Gregan und Hauptdarsteller Dieter Hallervorden zusammen mit einigen anderen Mitwirkenden besagten Streifens ihre nächste gemeinsame Komödie. „Alles im Eimer“ mag nicht eine solch ganz runde Nummer wie der Vorgänger sein, dessen Kritikpunkt etwas zu Sketch-artig ausgefallen zu sein muss sich auch der Nachfolger gefallen lassen, aber ein sympathisches Stück Unfug ist der hier besprochene Film trotzdem geworden.

Zwar darf es überraschen, dass sich die Autoren nicht auf der in der Inhaltsangabe erwähnten Idee ausgeruht haben, wie es manch andere Filmschaffende taten, sondern stattdessen immer neue Wendungen und Ereignisse das Chaos regieren lassen, womit man sich gelegentlich übernimmt und auch den Zuschauer manches Mal ein wenig aufgrund des sich auftuenden hektischen Szenarios überfordert, da man aber schnell erkennt dass hier lediglich ein Theaterstück, oder zumindest das Prinzip eines Theaterstückes, auf das Medium Spielfilm übertragen wurde, versteht man schließlich auch warum die Autoren so vorgegangen sind.

Mag „Alles im Eimer“ auch manches Mal etwas wirr wirken und kurzfristig auch mal auf der Stelle treten, so verzeiht man dem Streifen solche Schwächen doch gern, ist er doch mit einigen liebgewonnenen deutschen Schauspielern charmant besetzt, und da weiß die gut aufeinander abgespielte Bande manche Hürde gekonnt zu überwinden. Ebenso weiß Dieter Hallervordens Blödelkunst so einiges zu retten. Was er hier an mal extremen und mal subtileren Grimassen wirksam zu witzeln weiß, weiß den Liebhaber seiner frühen Stücke zu gefallen, zumal der lange Zeit unterschätzte Schauspieler, wie in all seinen Werken, dabei stets seine Würde bewahrt und sich nie komplett zum Affen macht.

Die Qualität des Vorgängers und freilich auch der drei großen Komödien Didis, „Didi - Der Doppelgänger“, „Didi und die Rache der Enterbten", sowie „Der Experte“, weiß das schlichte Lustspiel nicht zu erreichen. Während aber andere frühe Werke wie „Ach du lieber Harry“ und „Der Schnüffler“ sich der Komik Hallervordens noch nicht ganz sicher schienen und dementsprechend nicht durchgängig unterhaltsam ausgefallen sind, finden sich diese Schwachpunkte im hier besprochenen Streifen überhaupt nicht. Die Komik ist ebenso treffsicher auf Didi abgestimmt wie der hier verkörperte Personentyp, und zu unterhalten weiß diese chaotische Aneinanderreihung schräger Situationen durchaus.

Nach 95 Minuten ist man dennoch ganz froh dass doch mal Schluss ist, immerhin erfordert der Film einiges an Nerven vom Zuschauer ab, wenn man mit dem sympathischen Chaoten mitfiebert sobald sich wieder ein neuer Abgrund auftut, der überwunden werden muss. Das zeigt aber auch wie eng man am Leiden der Hauptfigur gebunden ist und wie sehr man mitfiebert, egal wie realitätsfern das ganze Szenario aufgrund immer weiterer Übertreibungen auch manches Mal scheinen mag. Was für Pierre Richard „Der große Blonde auf Freiersfüßen“ war, das war für Hallervorden „Alles im Eimer“: ein Theaterstück voller Verwechslungen, Tolpatschigkeiten und überraschender Wendungen. Manche etwas zu anstrengende Länge ist mit dem nächsten Lacher wieder wie weggebügelt. unterhaltsam


Donnerstag, 25. August 2016

BEHIND THE MASK (Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon 2006 Scott Glosserman)


Ob in Haddonfield, an der Elm Street oder am Crystal Lake, immer wieder werden Teenager in Amerika Opfer legendärer Killer, ein Phänomen dessen Hintergrund die junge Dokumentarfilmerin Taylor nachgeht, indem sie Leslie Vernon bei seinen Vorbereitungen begleitet ein ebensolcher Serienkiller wie Freddy, Michael und Jason zu werden...


Wie wirkt man mystisch?...

Es ist schön dass Regisseur und Autor Scott Glosserman seinen Film in einer Welt spielen lässt, in welcher die Ereignisse aus „Halloween - Die Nacht des Grauens“, „Nightmare on Elm Street“, „Freitag der 13.“ und Co in der Realität passiert sind. Das gibt der Geschichte mehr Faszination als der olle Gedanke ein junger Spinner wolle solche Filme Realität werden lassen. Letztendlich gibt es laut des Films eine Sub-Kultur an Legendenkillern, deren Vernetzung oder Nicht-Vernetzung nicht näher beleuchtet wird. Zumindest steht der hier ins Zentrum gesetzte zukünftige Serienkiller in Kontakt mit wem Alteingesessenem aus der Branche, eine Idee die einiges an Zusatzideen ermöglicht und ungeklärt mehr Reiz besitzt als den Ursprung der Freundschaft der beiden Killergenerationen zu beleuchten.

Wer nun glaubt aufgrund der Anwesenheit von Freddy Krueger-Darsteller Robert Englund würde dieser besagten Part des älteren Psychopathen übernehmen, der irrt, wird Englund doch die Ehre zuteil den ebenso legendären Psychopathen-Jäger zu spielen, wie Dr. Loomis jener für Michael Myers war. Man liest bereits heraus, dass „Behind the Mask“ sich an jenem Publikum orientiert, welches mit den meist amerikanischen Slasher-Filmen vertraut ist. Man muss die Regeln, den Mythos, ja selbst die Unsinnigkeiten kennen, um tatsächlich etwas mit der Geschichte anfangen zu können, zumindest kann man dann tiefer in die Materie eintauchen als völlig Unwissende.

Da bereits die Originale nicht zur hohen Filmkunst gehören, braucht man bei der hier angegangenen augenzwinkernden, parodistischen Betrachtungsweise, die zwar immer wieder den Bereich der Komödie streift, meiner Meinung nach aber nie wirklich zu einer solchen wird, auch nicht all zu pfiffige Kost erwarten. „Behind the Mask“ lebt in einer Welt, in welcher sich Abende wie die Nacht des Schreckens planen lassen und sich Menschen aufgrund bestimmter Situationen selbst dann wie vorbereitet verhalten müssen, wenn diese bereits in den Plan eingeweiht sind. Das unterstützt zwar zum einen das Klischee der eher dümmlich gearteten jugendlichen Gegenspieler, betrachtet den Handlungsort aber auch zu sehr als Set, so als sei es nicht möglich nach links oder rechts zu laufen anstatt gerade aus wie vorgesehen.

Auch deshalb ist es ganz gut, dass „Behind the Mask - The Rise of Leslie Vernon“ (Originaltitel) nicht in unserer Realität angesiedelt ist, sondern in eingangs erwähnter Alternativ-Welt zu unserer. Und da Glossermans Film ohnehin nur eine verspielte Idee mit dem bereits Bekannten ist, und durchaus eine in der Theorie reizvollere besitzt als die Vergleichsstoffe „The Cabin in the Woods“ und „Scream“ (deren Klasse „Behind the Mask" jedoch nie erreicht), sollte man auch nicht all zu streng mit ihm umgehen, will er doch weder Goethe noch Kant sein, sondern einfach ein Fun für Fans.

Selbst hierfür hätte er ruhig etwas pfiffiger ausfallen können, aber bezogen auf das was Glosserman will funktioniert „Behind the Mask“ ganz gut, schließlich outet er die junge Generation als mediengeil, morbide und oberflächlich (anbei alles Zutaten die auch „Scream 4“ so schmackhaft machten), und entlarvt bezüglich dieser fragwürdigen Geilheit selbst uns, das Publikum, welches die Mörder zu Helden erklärte und uns mit der Rolle der Dokumentarfilmerin nun den Spiegel vorhält - jedoch nicht ohne sich selbst als Fan-Produkt zu outen. Da werden sicher einige klagen: nichts Halbes und nichts Ganzes, aber solche Kritik am hier besprochenem Film hätte nur dann Hand und Fuß, wenn man tatsächlich etwas Bedrohliches im Verspieltem Umgang mit den Slasher-Filmen sehen würde. Und dann müsste man so ticken wie die konservativen Gewaltspiele-und Horrorfilm-Zensoren, welche Bluttaten gern dem Konsum abseitiger Medienbeiträge zuordnen.

Da es beim Stammzuschauer des Genres nie zu einem solch verdrehtem Weltbild kommen kann, eben weil er Gefallen an diesen Stoffen gefunden hat, sind die Voraussetzungen etwas mit „Behind the Mask“ anfangen zu können somit gegeben, so das es nun nur noch auf die Erwartungshaltung des Fans ankommt. Ist diese nicht zu hoch und erwartet man lediglich eine nette kleine Horror-Unterhaltung für zwischendurch, geht alles in Ordnung, vorausgesetzt man kann mit dem hohen Anteil des umstrittenen Found Footage-Verfahren etwas anfangen, welches mehr als die Hälfte des Filmmaterials ausmacht. Zudem sollte man sich damit abfinden müssen, dass das Finale nicht anders ausfällt als in den hier zitierten Vergleichsstoffen. Ebenso liegt die sich zu Beginn des Finales auftuende Wendung für jeden Kenner des Genres lange vor dem geistigen Erwachen der Heldin klar auf der Hand, eine Überraschung ist die Umpositionierung von Taylors Rolle in Leslies Spiel sicherlich nicht.

Es liegt also genau an diesen Punkten ob der Genre-Freund mit der hier vorliegenden Umsetzung einer tollen Idee etwas anfangen kann oder nicht. Wer nicht alles zu Ende gedacht braucht kann mit dem Ergebnis jedoch zufrieden sein, auch wenn ein guter Autor mehr aus den Möglichkeiten herausgeholt hätte als es Glosserman tat. Meiner Meinung nach findet sich das Gelingen des Stoffes jedoch in einem ganz anderen Bereich, und den hat Glosserman definitiv erreicht: er hat Leslie Vernon trotz dem Blick hinter die Kulissen nicht seiner Mystik beraubt, sondern ihm eine neue hinzugefügt. Außerdem wirkt der toll geschminkte Maskenmann selbst dann, wenn man den Menschen dahinter zuvor kennen lernen durfte. unterhaltsam


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Mittwoch, 24. August 2016

DIE NACKTEN AUGEN DER NACHT (Les cauchemars naissent la nuit 1970 Jess Franco)


Die Stripperin Anna bekommt das Angebot für Cynthia zu arbeiten, die eine Stammzuschauerin von Annas Show ist, und deren Bann sich die Tänzerin nicht entziehen kann. Sie zieht bei der dominanten Frau ein, und es entbrennt eine Liebschaft zwischen den beiden. Als Anna sich im Schlaf merkwürdig benimmt schaltet Cynthia einen befreundeten Psychiater hinzu. Der kann zunächst nichts feststellen, doch eines Nachts tötet Anna einen Mann...


Die Schmuddel-Traumwelt des Jess Franco...

„Die nackten Augen der Nacht“ ist ein lupenreiner Jess Franco-Film, entwickelt der Schundfilm-Künstler um das Nichts an Story doch eine traumartige Atmosphäre, voller Lust und Frust, eingelullt in einem hypnotisch anmutenden Soundtrack, erzählt im Zeitlupentempo, gefüllt mit allerhand Nackedeiszenen. Franco geht keine Kompromisse ein. Hier wird nur der hartgesottene Fan des Kult-Regisseurs fündig, und so sehr ich auch einige seiner Werke mag, so gehöre ich zu dieser Extremgruppe Franco-Bewunderer doch trotzdem nicht dazu. Für mich war das hier besprochene Werk, welches einige Jahre vor seiner ersten Veröffentlichung entstanden ist, ein Stück Schlafmittel sondergleichen, von dem ich selbst nicht verstehe wie ich es bis zum Schluss ohne Bildvorspul-Taste ausgehalten habe.

Es ist nicht so dass mir der Stil den Franco hier entfacht nicht kurzfristig fasziniert hätte, aber ich persönlich brauche zusätzliche sleazy Eigenschaften um mich in solch einem Plot wohl zu fühlen. Ewiges Gefummel reizt mich nicht, und wenn es so angeödet und lustlos daher kommt wie in so ziemlich jeder Sex- und Stripszene dieses Streifens, dann erst recht nicht. Mühsam erzählt Franco seinen Film über einen ellenlangen Rückblick, der freilich ebenfalls fast nur aus möchtegern-erotischen Momenten besteht. Und die Fährten die er uns für die kommende Geschichte legt, wirken verkrampft, psychologisch nicht durchdacht und outen sich zu früh als das was tatsächlich geschah, anstatt den Zuschauer von der Wahrheit abzulenken.

Aber da reden wir von etwa 10 Minuten Handlung, die hauptsächlich am Schluss stattfindet, während das restliche Füllmaterial aus besagten Fummelszenen minderer Machart besteht. Die das Publikum in eine Art Traum ziehende Atmosphäre besitzt zwischenzeitlich durchaus ihren Reiz, reißt einen jedoch nicht in den nötigen Bann um daraus einen kompletten Film zu speisen. Ganz im Gegenteil ist es schließlich das hypnotisch langsame Verfahren des Streifens, das mir irgendwann auf den Senkel ging, obwohl ich geduldig dem Film länger eine Chance gab, als es viele andere Cineasten getan hätten.

Warum Franco ausgerechnet dieses Werk noch weitere zwei Male verfilmte, einmal 1977 als „Der Ruf der blonden Göttin“ und noch einmal 1984 als „Mil sexos tiene la noche“, will sich mir nicht erschließen. Sinn würde ein Remake ohnehin nur machen, wenn Franco den meiner Meinung nach größten Fehler der hier besprochenen Version versuchen würde wett zu machen. Wir erleben hier zwar die meisten Szenen aus dem Blickwinkel einer traumatisierten Frau, deren Erinnerungen schleierhaft sind, so dass auch unser Blickwinkel getrübt wird, was ganz gut zur Auflösung passt, die wichtigsten Hintergrundinformationen erfahren wir jedoch über Dritte in normal umgesetzten Szenen.

Den Film im Trance-artigen Zustand der Hauptrolle zu erzählen würde jedoch nur dann pfiffig wirken, wenn wir wirklich alles über diesen Blickwinkel erleben würden, so dass die aufklärenden Momente den Zuschauer inmitten einer eingelullten Atmosphäre hart treffen und wie aus einem Alptraum zum Aufwachen zwingen würden. Diese Chance hat Franco leider vertan und lässt auch die Hintergrundmomente einzig über Leergeschwätz passieren, eine Eigenschaft die schon die Erotikszenen des Films nicht retten konnten, legte Franco über diese doch stets Off-Kommentare der Hauptfigur, die tiefsinnig und sinnlich klingen (sollen), letztendlich aber doch nur aufgeblasenes Blabla ohne Gehalt sind. schlecht


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Dienstag, 23. August 2016

DAS FRAUENHAUS (1977 Jess Franco)


In den geheimen Hinterzimmern des Stripclubs Blue Rita werden Männer von lesbischen Frauen im Auftrag des russischen Geheimdienstes gefoltert...


Der grüne Lustmacher der blauen Rita...

Schmuddelfilmer Jess Franco beherrscht es wie kein anderer im Schundfilmbereich ordentlich auf die Kacke zu hauen und nicht an sleazy Elementen zu sparen. Es gibt kaum eine Szene, in welcher die hier agierenden Frauen nicht nackt sind, Sexentzug wird als Foltermethode verwendet, Männer-hassende Lesben vollziehen diese Prozedur. Warum hierfür zunächst mit den Männern geschlafen wird, bevor sie mit einem Gas eingenebelt, dann eingesperrt werden und schließlich mit Sexentzug bestraft werden, bleibt das Geheimnis der unsinnigen Welten des Regisseurs, solche Widersprüche machen aber zu einem guten Teil den Reiz seiner Filme aus.

Dies macht es zumindest mehr als die schlaffe Erotik, mit welcher Franco provozieren will. Männer mit schlaffer Nudel imitieren den Beischlaf, Frauen schauen währenddessen lustlos drein. Stripszenen geschehen mit selbigem desinteressierten Blick wie in Trance, werden aber bejubelt und beklatscht als hätte man gerade eine saugeile Nummer gesichtet. Auch in anderen Bereichen darf man sich optisch verarscht fühlen. So imitiert rote Fingerfarbe Blut, während grüne, inhaltlich belustigend, zu einem sexuell stimmulierenden Mittel wird, ein Gimmick welches dem Stoff seine satirische Note nimmt, hätte ohne das Aphrodisiakum die Idee von mit Sexentzug gefolterten Männern doch eine wunderbare Antwort auf die cineastisch gesehene sexgeile Zeit sein können, in welcher „Das Frauenhaus“ entstand. An anderer Stelle bekommen auch die Schulmädchenwünsche des damaligen Kinopublikums in einer Stripnummer ihr Fett weg, von daher hätte das gepasst.

Aber so absichtlich lustig Stelzbock Franco seinen Sex-Thriller an mancher Stelle auch inszeniert, Satire ist das nicht. Es ist nicht einmal ein halbwegs intelligenter Stoff dem wir hier beiwohnen, selbst dann wenn die Finalereignisse dem Stoff so einige überraschende Wendungen bescheren. Schließlich reiht Franco zunächst nur Sex- und Erotikszenen wahllos aneinander, weiht uns zwischendurch in die Foltermethoden einer lesbischen Sekte ein, nur damit diese viel später im Film endlich bei so etwas wie einer Handlung angekommen, für irgendeinen Geheimdienst arbeiten. Wie unsinnig das ist, ist freilich in solch einem freiwilligen Schundfilm egal, wird durch einige Momente am Schluss jedoch zumindest halbwegs begradigt.

Dass „Blue Rita“ (Alternativtitel) in diesem Zustand nicht einfach nur zum Kopfschütteln animiert, sondern bis zu einem gewissen Punkt sogar zu unterhalten weiß, verdankt solch ein unterirdisch dämlicher Stoff schließlich Francos Gespür für Schundkunst. Musikalisch ist der von einer Combo begleitete Film hervorragend untermalt, mal mit Blasmusik im Zentrum der Melodie, mal mit Klaviermusik, in beiden Varianten aber edel und schlüpfrig zugleich ausfallend. Und wenn Franco uns in einer Szene den lesbischen Akt kaum erkennbar verschwommen im Hintergrund präsentiert, während gut sichtbar im Vordergrund die Fische im Aquarium schwimmen, dann zeigt das sein Gespür für das Spezielle, welches das Reinschalten in seine Werke fast immer wieder lohnt.

Für meinen Geschmack steckt „Das Frauenhaus“ für einen Franco-Film irgendwo zwischen den Stühlen fest. Dass Freunde des Mainstream-Kinos die Werke dieses improvisierenden Künstlers grundsätzlich meiden dürfte klar sein, die Hälfte der Bewunderer des sogenannten Bahnhofkinos meiden ihn schließlich ebenso. Oft zu Recht, wie ich finde. Und obwohl ich mich mittlerweile mit dem Stil des ungewöhnlichen Filmemachers angefreundet habe und einige seiner Werke mag, so kann ich mich für den 1977 in der Schweiz und in Frankreich gedrehten Streifen doch nur stellenweise begeistern, ist er mir in seiner ersten Hälfte doch eine Spur zu lahm ausgefallen.

Diese lustlosen Sexszenen die dort aneinander gereiht werden verlieren mit der Zeit ihren Schundfilmreiz. Und von einer provokativen Maschine mit Dildo-Hebeln und bunten Lichtern einmal abgesehen, sowie von interessant in Szene gesetzten Räumen, hat diese in ihrer Endloswiederholungsschleife der immergleichen Szenarien auch nur wenig zu bieten. Die zweite Hälfte gefiel mir da schon wesentlich besser, bereitete diese doch gar unterhaltsame Minuten, was den Film in seiner Gesamtheit damit jedoch auch nicht retten kann. Ich sympathisiere mit dem Streifen, kann ihm jedoch nicht genug abgewinnen, als dass ich ihn tatsächlich als gelungenen Schundfilm des Vielfilmers bezeichnen könnte. Reinschalten sollten ohnehin nur Stammzuschauer Francos. Im Gegensatz zu vielen anderen seiner Werke ist „Das Frauenhaus“ aber zumindest nicht langweilig ausgefallen. mittelmäßig


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Sonntag, 21. August 2016

UNDER THE SKIN (2013 Jonathan Glazer)


Eine Außerirdische bemächtigt sich dem Aussehen einer Menschenfrau, fährt mit dem Auto durch die Gegend um Männer anzusprechen und nimmt diese mit nach Hause, um sie in einer ominösen Flüssigkeit zu ertränken, in der sich ihre Körper zersetzen. Je mehr Einfluss das Leben auf der Erde auf das Alien hat, um so seltsamer benimmt es sich. Es lässt sich auf die Alltagssituationen des Menschenlebens ein...


Das Leben ist ein Lernprozess...

Wer schon Probleme mit dem sonderbaren aber auch höchst unterschätzten „Birth“ hatte, der wird mit Jonathan Glazers Folgefilm, der 9 Jahre auf sich warten ließ, nichts anfangen können, ist er im Gegensatz zum Vorgänger doch recht sperrig erzählt, da er auf den gängigen Erzählfluss einer Geschichte verzichtet. „Under the Skin“ ist aus einer weiten Distanz erzählt. Unterkühlte Bilder, der meist emotionslose Blick von Scarlett Johansson (der sie für eine Idealbesetzung eines weiblichen Terminators prädestiniert) und die mehr sterrile als hypnotische Musik sperren in einer dialogarmen Umsetzung den Kinofreund, den es einzig nach leichter Unterhaltung dürstet, von Anfang an aus.

Erzählt wird in einem Mix aus „Der Mann, der vom Himmel fiel“, „Big Harry“, „Meine Stiefmutter ist ein Alien“ und „Phase IV“ theoretisch lediglich die Rollenentwicklung einer Frau in unserer Gesellschaft. Kaum die eigenen Reize entdeckt werden mit dieser Männer gelockt, um sie schließlich unbefriedigt zurück zu lassen. Dann wird die eigene Sexualität erkannt und aufgrund der damit verbundenen Gefahren wird die Jägerin zum Gejagten. Und wenn sie aus der ihr zugeordneten devoten Rolle herausbricht, indem sie ihr wahres Ich entdeckt, will der Mann sich ihr entledigen. Das ist ein sehr konservativer soziologischer Blick, aber er passt auf das was uns, freilich in einem Science Fiction-Stoff verfremdet, von Glazer hier gezeigt wird.

Wer andersartige Filmmethoden mag, dürfte eigentlich Gefallen an dem sehr langsam erzählten „Under the Skin“ finden, der je nach dem was Glazer gerade vorschwebt in dokumentatorisch wirkende Bilder ohne Farbfilter getaucht ist, aber auch hin und wieder in völlig verfremdete, geradezu realitätsferne Bilder. Spezialeffekte gibt es wenige, die paar vorhandenen sind dafür aber auch gleich ein Augenschmauß, auch wenn sich Glazer anfangs begnügt eher mit optischen Spielereien zu arbeiten, wie wir sie aus diversen Science Fiction-Beiträgen der intellektuellen 70er Jahre kennen.

Glazer nutzt für seine Erzählung sowohl die Isolation der Gesellschaft, als auch die Hilfbereitschaft unserer Spezies, die selbst in einer Stadt voller Anonymer stattfindet. Über Alltagssituationen lässt er sein Alien den Körper entdecken. Wenn dieser Prozess den sexuellen Punkt erreicht, bleibt der Film und seine Bilder so verkopft und realistisch wie gehabt. Da wird der weibliche Körper dokumentarisch abgelichtet wie zuvor das Alltagsleben auf der Straße oder die Vegetation eines Waldes bei Unwetter. Erotisch ist das nicht, und das ist auch so gewollt. Dies dient ohnehin nur dem Prozess der wachsenden Selbsterkenntnis, also dem Hauptanliegen der Geschichte, und ist von dieser nur ein Teil unter vielen.

Der Zusammenprall aus Realismus und völliger Entfremdung, der sich auch im lediglich vorgegaukelten Körper des Aliens wiederspiegelt, macht den Reiz einer hauchdünnen Geschichte aus, die sich nie darum kümmert uns einen Grund für die tödlichen Aktionen der Außerirdischen zu nennen. Ebensowenig wie nie ausgesprochen wird was es mit der Existenz des Motorradfahrers auf sich hat, der hinter ihr aufräumt. Selber deuten und selbst entdecken ist die Devise dieses für Mainstreamaugen sperrigen Kunstfilmes, dem man seinen Reiz wahrlich nicht abstreiten kann. Vielleicht ist er hin und wieder eine Spur zu sterril ausgefallen, eine hypnotische Grundstimmung wäre intensiver gewesen als dieses kalte, intellektuelle Gefühlsnichts, welches das sensible Geschehen aus weiter Distanz betrachtet. Andererseits ist es genau diese Haltung, die das Interesse für den Streifen, für Menschen die mit diesem Stil etwas anfangen können, überhaupt erst weckt. interessant


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DIE WOLKEN VON SILS MARIA (Clouds of Sils Maria 2014 Olivier Assayas)


Vor 20 Jahren begann die Karriere der Schauspielerin Maria Enders in einem Film ihres Mentors, dem Autor Wilhelm Melchior. Nun kurz nach seinem Tod, soll sie in einer Theaterversion erneut im selben Stoff mitspielen, jedoch den Gegenpart verkörpernd, die mitten im Leben stehende Geliebte der jüngeren, ehemaligen Hauptrolle Enders. Maria identifiziert sich gern mit der Rolle die sie einst berühmt machte und kann den Figurentyp den sie nun darstellen soll nicht leiden. Dennoch lässt sie sich auf das Angebot ein...


Die Schlange von Sils Maria...

Wunderschöne klassische Musik, imposante Bilder, talentierte Schauspieler in tiefgehenden Charakteren und gehaltvolle Dialoge machen es dem Zuschauer einfach sich dem eigentlich recht schwermütigen Stoff hinzugeben, den Regisseur Olivier Assayas selbst verfasst hat. Schnell merkt man, dass man etwas Großem beiwohnt. „Die Wolken von Sils Maria“, so sehr der Titel auch das Klischee manch verkrampfter Kino-Kunst verkörpert, schaut sich in seiner ruhigen wie intellektuellen Art nie bemüht. Man erkennt dass Figuren und Situationen verstanden wurden, aber auch dass ihre Eigenschaften nicht fest in Stein gemeißelt sind, sondern der Interpretation des Zuschauer unterliegen.

Das ist insofern wichtig, als dass dies auch ein wichtiger Aspekt innerhalb der Geschichte ist, gerade dann wenn wir Maria Enders dabei begleiten alte Erinnerungen an den Stoff Revue passieren zu lassen, und sie es nicht zulassen möchte aus reiferer Sicht von der von ihr geliebten Figur, die sie früher spielte, loszulassen. Obwohl sie über ihre junge Assistentin einen anderen Blickwinkel auf den Stoff erhält, tut sie diesen als naiv ab, als oberflächlich, anstatt sich dieser Alternative, abgestiegen von dem hohen Sockel auf dem sie thront, einzulassen. Symbolisch für diese Haltung Enders steht auch die gerne von kultivierten Menschen gelebte Tunnelblick-Haltung Tiefe könne in einem übernatürlichen Stoff nicht existieren.

Wie Enders am Ende des Films zu ihrer Rolle steht bleibt Interpretation, liegt also an der Sichtweise des Zuschauers wie so vieles mehr. Damit schaut sich „Die Wolken von Sils Maria“ auf mehreren Ebenen. Das was der Film erzählt, erlebt auch der Zuschauer in seiner Rolle als Zuschauer. Intensiver wird dies in den Charakterzeichnungen der Figuren und ihren Einfluss aufeinander angegangen, zeigt das eingeprobte Stück doch Parallelen zu dem was in der Filmrealität stattfindet oder sich zumindest unterschwellig andeutet, was wiederum Parallelen zu der unseren Realität und den hier agierenden Darstellern aufweist.

Nicht dass die Geschichte einen solchen Zusatzaspekt nötig gehabt hätte, die Dramaturgie des Stoffes ist hervorragend ausgearbeitet und sehr sensibel und subtil eingefangen. Aber diese doppelten Böden bereichern das Werk in seiner analytischen Deutungsvielfalt und den verschiedenen Blickwinkeln unter denen wir den Stoff verstehen oder nachempfinden können. Ohne je all zu schwermütig oder zu dick aufgetragen emotional zu werden, kommt „Die Wolken von Sils Maria“ mit einer Natürlichkeit daher, die einen fast schon glauben lässt einem leichten Stoff beizuwohnen, so entspannt ist das ethisch sensible Werk ausgefallen.

Die drei ausgezeichneten Hauptdarstellerinnen agieren nicht nur in Bestleistung, der Kenner dieser Schauspielerinnen erkennt zudem das Durchbrechen der vierten Wand. Binoche arbeitete mit dem stets verkopften Michael Haneke in „Caché“ zusammen, kennt somit das Arbeiten im Kunstfilmbereich ebenso wie die Kommerzseite des Filmgewerbes, wirkte sie im selben Jahr vom hier besprochenen Film doch auch in „Godzilla“ mit. Kristen Stewart, die mir mit ihrem bewundernswerten intensivem Spiel zum ersten Mal (positiv) aufgefallen ist, nimmt hier im Film phantastische Stoffe in Schutz, befreit sich aber gleichzeitig aus dem oberflächlichem „Twilight“-Gefängnis, in welchem sie Jahre lang festsaß. Und Chloë Grace Moretz mimt die Skandalnudel, nur um schließlich seriös zu wirken und im nächsten Schritt den Zuschauer im Unklaren zu lassen was davon nun die echte Jo-Anne Ellis ist.

Das passt zu Moretz Rollenauswahl, ist sie mit „Carrie“, „Let Me In“, „Runaway Girl“ und ganz besonders mit ihrer Rolle des Hit-Girls in „Kick-Ass“ und „Kick-Ass 2“ auf provokante Charaktere abonniert, so dass die Rolle des skandalösen Hollywood-Sternchens hevorragend in ihr bisheriges Repertoire passt. Obwohl sie die kleinste der drei wichtigsten weiblichen Rollen erwicht hat, eigentlich sogar nur eine Nebenrolle, gibt ihr der Stoff die Möglichkeit sich auf vielschichtige Art schauspielerisch zu üben und zu beweisen. In einer Kino-Sequenz den Zukunftsmutanten mimend, in einem Interview die Provozicke zur Schau stellend, im realen Leben als charmante junge Dame auftretend und im Theater die kämpferische, etwas arg arrogante, zickige aber auch gleichzeitig souveräne Schauspielerin verkörpernd, Assayas gibt Moretz die Chance aus ihrem Popkornschatten zu treten, während sie ihn gleichzeitig zelebriert. Das muss sie auch, denn dem Autor ist das Loslassen von Vorurteilen in der Kunst so wichtig wie der weiter oben erwähnte Interpretationswechsel von Zuschauer zu Zuschauer.

Locker hätte man aus dem Stoff ein Psycho-Drama zaubern können, in welchem die Parallelen zwischen Realität und Theaterstück auf morbid dominante Art in den Vordergrund treten. Assayas gibt dieser Versuchung nie nach, liebt es dass solche Gedanken im Raum schweben, wissendlich dass der Zuschauer derartiges vermuten könnte, aber er belässt es die alltäglich Dramatik zu thematisieren, macht aus „Sils Maria“ (Alternativtitel) niemals Hollywood, sondern liefert vergleichbar mit „Das Mädchen, das die Seiten umblättert“ einen vordergründig schlichten Stoff ab, dessen Tiefe man erst entdeckt, wenn man sich mit den Figuren und das was sie bewegt tatsächlich auseinander setzt.

Es ist schön dass „Clouds of Sils Maria“ (Originaltitel) trotz seines künstlerichen und intellektuellen Gehalts kein stures, verkopftes Stück Pseudo-Drama geworden ist, sondern ein gleichsam unterhaltsamer wie tiefgründiger Film, sensibel, natürlich und durchdacht erzählt, von einer scheinbaren Nichtigkeit berichtend, um tiefer gehend über Kunst, Kultur, Erfahrungswerte, Vergangenheitsbewältigung, Selbstlüge, medialer Manipulation, den Gesetzen Hollywoods und verdrängten Gefühlen zu sinnieren. Schön dass Stewart und Moretz die Chance zuteil wurde sich in einem solchen Stoff zu beweisen, während die erfahrene Binoche trotz großartigem Spiels den jungen Mitmimen hierfür genügend Raum lässt, ohne dabei in den Hintergrund zu fallen. sehenswert


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DR. ZYKLOP (Dr. Cyclops 1940 Ernest B. Schoedsack)


Da er bereits zwei Jahre abgeschottet vom Rest der Welt in seinem Labor im Dschungel Perus forscht, reist eine Gruppe Kollegen zu dem Biologen Dr. Thorkel, um sich um sein Wohlbefinden und den Stand seiner Forschungen zu informieren. Gern gesehen sind die Gäste bei ihrer Ankunft nicht, und als der Besuch sich weigert zu gehen eröffnet Dr. Thorkel ihm seine Forschungsergebnisse. Er kann Lebewesen auf Mäusegröße verkleinern und tut selbiges mit seinen Gästen, die fortan miniaturisiert versuchen dem Psychopathen zu entkommen...


Nehmt dem Monster die Brillen weg...

Zu seiner Zeit müsste „Dr. Zyklop“ Up to Date gewesen sein. 1940 präsentiert in feinem Technicolor anstatt im gewohnten Schwarz/Weiß, versehen mit teilweise heute noch funktionierenden, aufwendigen Spezialeffekten und einigen netten überdimensionalen Raumgestaltungs-Gimmicks, wenn die Helden verkleinert wurden, bietet der Film so einiges fürs Auge. Ernest B. Schoedsacks Werk ist quasi der thematische Vorgänger von solchen Kinoerfolgen wie „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“, „Die phantastische Reise“ und „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ und nimmt von Letztgenanntem sogar schon die Katzensequenzen voraus, freilich ohne Puppenhaus präsentiert.

Dass er sich aufgrund seiner Thematik auf seine Effekte konzentrieren muss, ist nachvollziehbar, allerdings ist „Dr. Cyclops“ (Originaltitel) eine jener US-Produktionen, bei denen man eine ähnliche Detailliebe in anderen Bereichen vermisst. Die Schauspieler sind okay zu nennen, aber keine wirklich überzeugenden Mimen, das Drehbuch ist eher ideenarm ausgefallen bezogen darauf was mit der Veränderung der Größenverhältnisse möglich wären (zumal der Aspekt des schleichend Größerwerdens in keinster Weise ausgekostet wird), und die Inszenierung ist weniger spannend geraten als möglich wäre, auch für einen Abenteuerfilm, stilistisch wie er sich eher diesem anstatt dem zu erwartendem Horror-Genre fügt.

Es ist nicht so dass „Doctor Cyclops“ (Alternativtitel) nicht unterhalten könnte, das funktioniert durchaus, einen großen Klassiker wie Jack Arnolds Vergleichsfilm aus den 50er Jahren oder den von Schoedsack in einer Pause der Dreharbeiten zu „King Kong und die weiße Frau“ inszenierten „Graf Zaroff - Genie des Wahnsinns“ sollte man jedoch nicht erwarten. Dafür kommt der Streifen auch für seine Zeit, bezogen darauf dass Horror und Science Fiction im Amerika der 40er Jahre eher wie ein belächeltes Stiefkind behandelt wurde, viel zu naiv daher, als dass man ihn all zu ernst nehmen könnte.

Unsinnigkeiten wie Dr. Thorkels hoch komplexe Reperaturarbeiten, die sich darauf beschränken immer wieder an der selben überdimensional großen Schraube herumzudrehen bis die Maschine wieder funktioniert, belustigen die Chose unfreiwillig in einem ernst gedachten Film. Und da besagter Wissenschaftler in seiner lockeren Art mit Blick von heute eher natürlich anstatt diabolisch überheblich wirkt, so wie sein Auftreten ursprünglich gemeint war, wirkt er auch wesentlich sympathischer, ja sogar normaler als die Helden denen er gegenüber gestellt wird.

Diese besitzen die typischen Charakterkrankheiten früher amerikanischer Produktionen: Überheblichkeit, Selbstüberschätzung, fanatischen Gottesglauben und zu meinen alles zu dürfen und das Recht stets auf ihrer Seite zu haben, egal wie penetrant illegal man handelt. Würde der Biologe seinen Besuch nicht verkleinern und gefangen halten, man würde rein menschlich betrachtet zu ihm halten, anstatt zu der Bande Asozialer, die uns hier als Helden verkauft wird.

Unsere Helden dringen in den Lebensraum des friedlich forschenden Wissenschaftlers ein, durchwühlen heimlich dessen Forschungsergebnisse, um vom Erfolg dieser mitprofitieren zu können und benehmen sich als seien sie hier zu Hause. Der sie begleitende Mexikaner hingegen darf nur der trottelige Ausländer sein, dessen größte Sorge das Wohlergehen seines seit kurzem vermissten Maultieres ist, und der quasi dazu dient der weißen Herrenrasse, die intellektuell weit über ihm steht, zu dienen.

Wenn eine Filmidee so verspielt daher kommt wie die hier angegangene Miniaturisierungsidee, dann verärgern solche Zustände nicht wirklich. Ganz im Gegenteil belustigt dieses naiv verdrehte Weltbild und fördert damit gar den Unterhaltungswert solcher vergangenen Perlen. Und da sich diese unfreiwillige Komik zu einem ansonsten recht stimmig ausgefallenem Szenario dazugesellt, dominiert sie auch nicht all zu sehr, als dass „Dr. Zyklop“ lediglich zur Lachnummer verkommen würde. Dafür sind die Konflikte zwischen Riese und Zwergen, die immer wieder auf die Legenden von Odysseus verweisen, zu interessant und leidenschaftlich umgesetzt, schaffen sie es trotz vorhersehbarem Ausgang der Lage doch heute noch Neugierde zu wecken was die Mini-Menschen wohl als nächstes planen.

Wer also ohne große Ansprüche an „Dr. Zyklop“ herangeht, der für die deutsche Veröffentlichung scheinbar erst in den 70er oder späten 60er Jahren synchronisiert wurde, der kann durchaus angenehm unterhalten werden. Die Effekte wissen zu gefallen und sind auf dem Hoch seiner Zeit, die Geschichte ist naiv aber interessant ausgefallen, und manche unfreiwillig komischen Lustigkeiten lockern die zu verkrampft gedachte Grundstruktur auf, so dass Schoedsacks Werk auch heute noch für das Stammpublikum des Genres ein netter Streifen für zwischendurch ist. unterhaltsam


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Samstag, 20. August 2016

WEREWOLF IN BANGKOK (Khon hon khee ruen Nai khuen duen siaw 2005 Viroj Thongsiew)


Eigentlich hätte er das von allen gefürchtete Spukhaus im Leben nicht betreten, aber in einer Vollmondnacht, gejagt von Leuten die ihm und seiner Nichte ans Leder wollen, geht der gutmütige Frank hinein, trifft dort auf einen angeketteten, maskierten Mann, und von dem wird er auch gleich gebissen. Von nun an verwandelt sich Frank hin und wieder in einen Hund, eine Art gutmütiger Werwolf...


Lilly und der Hund...

Ich habe keine Ahnung was dem Zuschauer in der thailändischen Fassung erwartet hätte, da ich der Sprache nicht mächtig bin musste ich auf die deutsche Synchronfassung zurück greifen, und wer sich da auch immer die Linzenz zur deutschen Veröffentlichung und Nachvertonung gesichert hat, er wird ebenso wenig thailändisch sprechen und verstehen können wie ich, wirken die mühsam aufgesagten, schlecht betonten Texte doch so als habe sich wer ohne Sprachkenntnisse des Originals die Bilder des Streifens angeguckt und sich zu diesen einen Text ausgedacht. Dank unpassendster Stimmen, besagter schlechter Betonung und fehlender Motivation beschert dies „Werewolf in Bangkok“ eine Zeit lang eine unfreiwillige Komik, mit der sich der aus ernstem Blickwinkel unmöglich gucken lassende Film in spaßiger Runde vorübergehend über Wasser halten kann. Aber auch diese alternative Unterhaltung besitzt nur eine geringe Haltbarkeit.

Auf einen deutschen Untertitel konnte man bei der DVD die mir zur Verfügung stand nicht zurückgreifen, das ist vielleicht aber auch besser so, wer weiß ob man nicht selbigen Nonsens dann einfach nur per Schrifteinblendung über sich hätte ergehen lassen müssen und man damit genauso schlau geblieben wäre wie in der unsinnigen Neuvertonung. Zwar wird das Geschehen im Original nicht in eine völlig andere Richtung gehen, die Geschichte selbst scheint so gemeint zu sein wie auch wir Deutschen sie erzählt bekommen, aber jegliche Randbemerkungen und leicht vom Hauptstrang abweichenden Diskussionen u.ä. ergeben herzlich wenig Sinn. Sprechpausen, damit das Aufgesagte zu den Mundbewegungen passt, erheitern an den unpassendsten Stellen, aber zumindest hat man ein klein wenig auf die Mundbewegungen geachtet, das ist ja auch schon mehr als man unter diesen Bedingungen erwarten kann.

Ein wirklich besserer Film dürfte „Khon hon khee ruen Nai khuen duen siaw“ (Originaltitel) in seiner eigentlichen Version jedoch auch nicht sein, würde dies doch allein schon Hauptdarsteller Choosak Iamsook nie zulassen, der sicherlich ein mehr oder weniger bekannter Komiker Thailands zu sein scheint, aber definitiv kein Schauspieler ist. Mich hat der Typ mit seiner unangenehmen Mimik schon in den stinknormalen Szenen genervt, manchmal hat man halt von Anfang an ohne genauen Grund eine Antipathie gegen Fremde, richtig schlimm wird es jedoch erst wenn er herumblödelt und dabei bemüht Grimassen schneidet, denn dann ist Fremdschämen angesagt.

Wo es der Hauptdarsteller im themenverwandten „Audie und der Wolf“ schaffte aufgrund eines naiven Blicks und anderer simpler Methoden auch theoretische Peinlichkeiten in gelungene Momente zu verwandeln, da scheitert Iamsook, der wirkt wie die schlechte, asiatische und unbehaarte Version eines Bud Spencers, bereits in den grundlegendsten Momenten und macht aus „Werewolf in Bangkok“ ein Affentheater der unangenehmen Sorte, nach halber Laufzeit unterstützt von einer wahrlich unangenehmen Verwandlungsmaskerade, die ihn eher wie einen Rattenmann als wie einen Hund oder Wolf aussehen lässt.

Die ein oder andere freiwillige und theoretisch auch gelungene Lustigkeit hat das Werk von Viroj Thongsiew, der zwei Jahre zuvor „Spy Next Door“ abgedreht hat und ansonsten scheinbar für kein weiteres Werk verantwortlich war, zwar überraschender Weise auch mal zu bieten, gerade dann wenn klassische asiatische Komik aufkommt, wie wir ihr auch in japanischen oder koreanischen Filmen begegnen können, aber solche kurzen Momente haben freilich keine Chance etwas am katastrophelen Zustand der Komödie zu retten, zumal sie selbst in einem routiniert ausgefallenem Werk lediglich kurzfristig belustigt hätten, ohne zu hervorhebenswerten Momenten oder Pointen zu werden.

Wer natürliche Reflexe und Abwehrkräfte besitzt dürfte eigentlich keine schlechte Erfahrung mit „Werewolf in Bangkok“ gemacht haben, warnt das DVD-Cover doch schon vor mit seinen peinlich wirkenden Bildern und selektiert damit eigentlich schon automatisch den naiven Konsumentem von dem mit gesundem Menschenverstand aus. Mir war beim Anblick dieser Covergestaltung eigentlich im Vorfeld klar dass der Film nichts sein kann, so infantil dämlich bereits dort das Treiben des Hauptdarstellers zu bemerken war. Dass ich jedoch gleich in die tiefsten Untiefen fehlendem Talents hineingesogen werden würde, hatte ich in dieser Extreme nun doch nicht erwartet. Pornosynchro, schlechte Effekte, ein doofer Frontmann und eine bemühte Story waren zu erwarten, aber der fast schon groteske deutsche Umgang mit dem Stoff setzt dem Ganzen erst die Krone auf, sorgt aber immerhin dafür dass man als Freund missglückter Filme länger dran bleiben kann als es der Streifen eigentlich wert wäre. schlecht


ENDSTATION MARS (Mission Mars 1968 Nicholas Webster)


Drei amerikanische Astronauten landen auf dem Mars und werden dort von etwas Unbekanntem bedroht...


Schockgefroren und weggebretzelt...

Er bescherte uns vier Jahre zuvor schon den bescheuerten „Santa Claus Conquers the Martians“, dann wollte es Nicholas Webster noch einmal wissen, schnappte sich erneut eine Weltraumthematik und versuchte sich diesmal an einer erwachsenen Variante der Science Fiction. Herausgekommen ist ein herrlich schundiger Streifen, den man mit all seinen typischen Genre-Krankheiten seines Entstehungslandes als 50er Jahre-Beitrag einschätzen würde, also ein Jahrzehnt früher als tatsächlich abgedreht, würde man sich an seinen Qualitäten, seiner Naivität und an seinem Spannungsbogens orientieren.

Letzteres funktioniert ohnehin nur aus einer rein egoistischen Sicht, in welcher die Marsianer nur die Bösen sein können, auch wenn der Mensch sich wie so oft in US-Stoffen wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt und die uns unbekannte Lebensform bereits mehrfach provoziert hat. Aber diese Kritikpunkte sind ein alter Hut, waren auch Teil der charmanten „Raumschiff Enterprise“-Serie, und letztendlich guckt sich „Endstation Mars“ wie eine zu lang geratene Folge aus dieser.

Dass man sich anfangs an der Faszination Weltraumfahrt orientiert, weiß mit Blick von heute eher zu langweilen als zu interessieren, mit Sicherheit aber definitiv nicht zu faszinieren. Während Heldentum zelebriert wird, allerhand Technik den modernsten Eindruck und Staunen hinterlassen möchte und ultrawichtige, hanebüchene wissenschaftliche Gespräche geführt werden, lenkt mit Blick von heute das veraltete Bild von all den ehemaligen Schauwerten ab, und wo sonst alte Tapeten und Frisuren zu belustigen wissen, da ist es hier ein selten dämlicher Bart, der so gar nicht zu seinem Besitzer passen möchte.

Man muss aber nicht erst persönlich werden, um über „Lost in the Dark“ (Alternativtitel), der sehr frei nach Jules Verne erzählt ist, schmunzeln zu können, steckt er doch voller wissenschaftlicher wie auch alltäglicher Idiotien, von denen freilich die Weltraumkleidung den Vogel abschießt und in seiner völlig undurchdachten, wie optisch schrägen Art an die Klamotten der Astronauten aus Doris Wishmans „Nude on the Moon“ erinnern. Unsere Helden tragen verschiedenfarbige Motorradhelme, die viel frische Luft im Gesichtbereich zulassen, während sie auf den Rücken solch kleine Sauerstoffflaschen mit sich herumschleppen, dass sie eigentlich nach 100 Metern bereits nach Frischluft jappsen müssten. Eine Antenne auf dem Helm rundet das unfreiwillig komische Bild perfekt ab.

Etwas mehr Mühe hat man sich mit den Gerätschaften der Marsianer gegeben. Die olle Kugel geht als okay durch, zumal sich ihre Öffnung visuell tatsächlich bis zu ihrem plötzlichen Einsatz nicht entdecken lässt, das Herzstück bildet jedoch das mit Sonnenenergie arbeitenden Gebilde, über dessen Nutzen man lediglich spekulieren kann. Dient es dem Schutz oder dem Angriff? Soll es stiller Beobachter sein oder eine Kontaktmöglichkeit? Wir finden es nicht heraus, denn im Schießen sind die Amis am schnellsten, was zur Folge hat dass der Revolverheld von der Apparatur geröstet wird, was sich zumindest als sehr nett getrickst herausstellt.

Einen gewissen Charme weiß „Mission Mars“ (Originaltitel) somit tatsächlich zu verbreiten, aber der Anteil daran ist relativ rar gesät in einem eher anstrengend zu schauenden Film. Die unfreiwillige Komik dominiert gegenüber geglückten Schauwerten, insgesamt ist „Endstation Mars“ jedoch zu lahmarschig ausgefallen, als dass man ihn aus Schundgründen empfehlen könnte. Allerdings schafft es die völlig unpassende Krimiserien-Musik auch die lahmsten Momente in ein lustiges Gewand zu kleiden, spätestens dann wenn ein relativ flottes Lied, welches sich für eine Verfolgungsjagd eignen würde, das langsame herumtuckern der Rakete durch das Weltall untermalt. Aber bereits der Vorspann warnt uns vor was wir musikalisch zu erwarten haben, so dass man zunächst zu Recht überlegen darf, ob man den falschen Film eingelegt hat, so fehl am Platz wirkt das (durchaus sympathische) Gedudel in einem Science Fiction.

Ganz so lächerlich wie der Vorgänger um den von Marsmenschen entführten Weihnachtsmann schaut sich „Endstation Mars“ im direkten Vergleich nicht, und je mehr Werke ähnlicher Art man kennt, umso weniger Neues gibt es zu belächeln, immerhin besitzt der Streifen eigentlich nur die für sein Heimatland zu dieser Zeit üblichen Schwächen, die erst mit den Augen eines Schundfilm-Freundes zu Stärken werden können. Da gibt es aber eigentlich ganz andere Werke aus der Zeit, die wesentlich besser mit ähnlichen Fehlern unterhalten können, als diesen sich immer wieder selbst ausbremsenden Streifen. Werke wie „Notlandung im Weltraum“ zeigen jedoch auch, dass es Schlechteres in diesem Bereich zu sichten gibt. mittelmäßig


Donnerstag, 18. August 2016

RUNAWAY GIRL (Hick 2011 Derick Martini)


Kurz nach ihrem 13. Geburtstag reißt Luli von zu Hause aus, weil sie die Zustände dort satt hat. Auf ihrem Weg nach Las Vegas lernt sie den sonderbaren Eddie und die Kokserin Glenda kennen, die zwar hilfsbereit sind, aber alles andere als ein guter Einfluss für das junge Ding...


Das Weglaufmädchen...

Chloë Grace Moretz, man muss sie einfach mögen. Nicht nur dass sie ein unglaublich süßes, talentiertes und arbeitseifriges Mädchen ist, ihr Hang zu morbiden Stoffen in solch jungem Alter gibt ihr zudem den zusätzlichen Touch Sympathie, und so braucht es gar nicht verwundern, dass bevor sie mit „Die Wolken von Sils Maria“ auch einmal in einem kompromisslosen Drama gelandet ist, nach „Kick-Ass“ und „Let Me In“ zunächst ein rustikales Drama folgen musste, dreckig, düster, mit Gewalt in der Luft liegend. Und so erleben wir in „Runaway Girl“ das Schicksal der naiven, aus ätzenden Verhältnissen stammenden Luli, die an die falschen Leute gerät.

Glücklicher Weise ist das Werk von Derick Martini keines dieser „Hilfe, die Ausreißerin wird eine Prostituierte“-Drama, Luli versinkt nicht im Drogenmeer und im Prostitutionsgeschäft, rein mental verliert sie nicht einmal ihre Unschuld trotz all dem Blödsinn den sie unter schlechtem Einfluss gemacht hat. Erst gegen Ende, nach einer angedeuteten Vergewaltigung und einem Mord zum Selbstschutz, ist es tatsächlich vorbei mit den tagträumenden Kindereien. Positiv wie „Hick“ (Originaltitel) gestrickt ist, bieten sich ihr jedoch trotzdem Chancen zur Verbesserung der Lebensqualität an, so dass sich ihr optimistisches Gemüt trotz aller Fehlschläge und Traumatas nicht unterkriegen lässt.

Dies ist vielleicht die größte Kritik, die sich „Runaway Girl“ gefallen lassen muss, wirkt er doch trotz seiner rauen Geschichte, die sich aufgrund ihrer sensiblen Erzählung nur selten rau guckt, etwas arg fern der Realität. Wo andere Kinder eine Therapie nach all diesen Erlebnissen bräuchten, da fährt Luli lächelnd mit dem Bus in eine vertrauensvolle Zukunft. Ein Helfer hat ihr dies versprochen. Wieder vertraut sie wem Fremdes, nachdem sie so oft enttäuscht wurde. Glaubwürdig? Obwohl es naiv klingt: ja, Alec Baldwins hervorragend gespielte Rolle weiß diesen Umstand glücklicher Weise halbwegs echt wirken zu lassen, auch wenn der Schluss sich damit endgültig Richtung Sozial-Drama orientiert, nachdem der Film ansonsten taff und fern solcher Klischees funktionieren wollte und dies eigentlich auch tat.

Dass er sich stattdessen anderer Klischees bedient, schien die Verantwortlichen des Werkes nicht zu stören. Und so muss man trotz düsterer Themenbereiche schon einen Hang zum morbid-romantischen Bereich solcher Aussteiger-Storys haben, fern irgendwelcher Glaubwürdigkeiten. „Hick“ ist Kino und hat mit der Realität wenig zu tun. Dank der guten Schauspieler und einer verträumten Atmosphäre, da wir all das Elend aus den Augen einer naiven 13jährigen erleben, kann man sich jedoch trotzdem auf den Film einlassen. Luli und ihre Erlebnisse lullen ein. Schreckliche Dinge werden eher abenteuerlich anstatt radikal dramatisch präsentiert.

Dass das vielen nicht schmeckt, dürfte nicht überraschen. Dass das einen Film auch im positiven Zustand nicht zu einem Meisterwerk machen kann, dürfte ebenso wenig überraschen. Und dass eine solche Geschichte, auch aufgrund ihres Nostalgieblicks, damit nicht innovativ zu nennen ist, so kalkuliert wie er auf verträumte Knöpfe drückt, müssen sich die Verantwortlichen des Streifens als Kritik einfach gefallen lassen. Dass das Ganze aber auf schlichte Art funktionieren kann, grenzt schon fast an ein Wunder, schafft es Martini doch recht gekonnt uns zu manipulieren, so dass man die Abenteuer Lulis tatsächlich aus einem romantischen Blickwinkel verfolgt. So lässt sich „Runaway Girl“ überraschend schön gucken.

Trotzdem darf man sich hinterher zu Recht fragen, was das nun sollte. Warum wird solch eine Geschichte so optimistisch erzählt und üble Ereignisse durch Ausblendung verschönt, wenn Luli doch wahrlich Schreckliches miterleben muss? Was will der Film uns mitteilen? Ich weiß es nicht und habe den Verdacht, dass der Streifen tatsächlich nur unterhalten soll. Irgendeine Form von Tiefgang und analytischer Raffinesse kann ich beim besten Willen nicht in ihm entdecken. Erstaunlicher Weise wirkt der Film in dieser verschönten, manipulativen Art trotzdem nicht verantwortungslos und fragwürdig. Er schafft es, dass man ihm nicht böse ist, so gefühlvoll wie er seinen Optimismus auf den Zuschauer zu übertragen weiß. Er ist einfach Kino, nicht mehr und nicht weniger. unterhaltsam


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Dienstag, 16. August 2016

ROBOGEISHA (Robo-geisha 2009 Noboru Iguchi)


Die Schwestern Yoshie und Kikkuyama landen beide in der Ausbildungsstätte eines Großindustriellen und Waffenherstellers, der den beiden lehrt unter Extremstbedingungen zu kämpfen. Hierfür lassen sie sich diverse Waffen in ihren Körper implantieren, bis sie schließlich mehr Roboter als Mensch sind. Als sie bereits als Auftragskillerinnen für ihren Chef tätig sind, bemerkt Yoshie dass sie für fremde Zwecke missbraucht werden...


Geschwister-Krieg...

Die etwas durchgeknallteren, gerne auch sehr blutig ausgefallenen, Fantasy-Action-Werke aus der Moderne Japans wissen ihren absichtlichen Unsinn gerne durch eine unverkrampfte Art, derbem Humor und grotesker Ideen als ein positives Filmerlebnis zu verkaufen, obwohl der gesunde Menschenverstand einem sagen sollte, dass man eigentlich gerade nur aufgeblähten Bullshit sichtet. Dafür mag ich diese Werke, und „RoboGeisha“ schien ein solches zu sein, fertiggestellt von den Verantwortlichen von „The Machine Girl“, der all diese aufgezählten Zutaten vorzuweisen wusste. „RoboGeisha“ kann mit diesem nicht nur nicht mithalten, meiner Meinung nach versagt er auf der ganzen Linie.

Der Mix aus besagtem Vergleichsfilm, „RoboCop“ und „Nikita“, der teilweise auch Elemente aus „Eliminators - Cäsars Rückkehr“, „Godzilla vs. Mechagodzilla“ und „Pinocchio“ in sich trägt, kommt leider viel zu bemüht daher, um in irgendeiner Form überzeugen zu können. Der herrlich verspielte Unterleibshumor eines „Big Tits Zombies“ wird zu peinlichen Genital- und Fäkalprovokationen der Pseudo-coolen Art umfunktioniert, der emotionale Tiefgang eines „Gothic and Lolita Psycho“ wird aufgrund wirrer Beziehungssituationen und aufgeblasenem Kitsch-Pathos zu einer stumpfen Angelegenheit, die Bluteffekte finden so ziemlich alle am Computer statt und sind zudem rar gesät, und die Kampfszenen benötigen mit ihrem elektronischem Schnickschnack keine hervorhebenswerte Choreographie, so dass die wenigen, die nicht gegen billige Ballerszenen ausgetauscht wurden, so gar nicht zu überzeugen wissen.

Wenn uns im Finale nun noch ein CGI-Overkill präsentiert wird, der einen glauben lässt man befinde sich in „Die dunkle Bedrohung“ von George Lucas, dann sorgt dies für eine Ernüchterung, die man in diesem Stil so nie von einem Film dieser Art erwartet hätte. Japan-Kino der schlechten Art trifft auf den CGI-Größenwahn Amerikas, von dem man weiß dass er nicht jenen Charme besitzt, der es schaffen könnte ein asiatisches Werk aufzuwerten, und das ist schon derbe enttäuschend.

Zwar weiß „Robo-geisha“ (Originaltitel) zwischenzeitlich immer wieder kurzfristig zu überzeugen, letztendlich folgt kurz darauf aber immer wieder die Ernüchterung aufgrund besagtem Fehlermeers. Somit erweist sich der Film von Noboru Iguchi, der mit „The Machine Girl“ bewiesen hat wie man es richtig macht, als zu kühl durchkalkuliertes Stück Produzenten-Kino, dem die Leichtigkeit und die Verspieltheit dieser Art Kino fehlt, Eigenschaften die dem Ganzen überhaupt erst Leben einhauchen. „RoboGeisha“ wird in seiner emotionslosen und versteiften Art selbst zum Roboter. Er ist lediglich ein Produkt. Und als solches hat er mir kein Vergnügen bereitet. schlecht


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MEATBALL MACHINE (2005 Jun'ichi Yamamoto u.a.)


Eine bislang unbekannte Parasitenart befällt Menschen, verwandelt diese in steuerbare Kampfmaschinen und bekämpft einander, um schließlich den besiegten Parasiten zu verspeisen...


Kannibalen-Parasiten in Maschinenmenschen...

1999 als Kurzfilm entwickelt, verfilmte der Ideengeber und Regisseur Jun‘ichi Yamamoto „Meatball Machine“ gemeinsam mit Yudai Yamaguchi im gleichnamigen Langfilm-Remake neu und präsentiert uns damit einen recht gewöhnungsbedürftigen Film, der sich zwar nicht so dauerhaft durchgeknallt schaut wie ein „The Machine Girl“, in Sachen skurriler Ideen, Matscheffekte und Kampfsequenzen dem Vergleichsfilm jedoch in Nichts nachsteht. Obwohl „Meatball Machine“ für seine abgedrehte Idee eigentlich viel zu ernst umgesetzt wurde, schadet dies dem Stoff kaum, wahrscheinlich weil er sich Zeit für seine eigentlich dünne Geschichte nimmt und damit nicht sinnlos Schaueffekt an Schaueffekt reiht.

Dementsprechend muss der Zuschauer ein wenig geduldiger sein als bei manch anderen Asia-Schock-Movies. Das nimmt „Meatball Machin“ zwar ein wenig von dem Tempo, welches man sich eigentlich von einem derartigen Stoff erhofft, der Freund von Spezialeffekten und übernatürlicher Themen wird jedoch dafür mit einem Einfallsreichtum in den quantitativen Bereichen entschädigt. Es ist schade dass man dem recht billig produzierten Werk seine Kostengünstigkeit aufgrund der Videooptik und des schlechten Farbfilters immer wieder ansieht, gerade dann wenn die Bilder flotter werden und die Kamera zu ruckeln beginnt.

An anderer Stelle fällt das geringe Budget jedoch kaum auf. Die Musik wirkt nicht wie vom Fließband heruntergedudelt wie z.B. der Soundtrack von „Big Tits Zombies“ und „The Machine Girl“, die Alieneffekte sind wunderbar glibberig, schleimig und eklig ausgefallen und damit wahre Hingucker, und die Schauspieler schlagen sich für einen solchen Nonsensstreifen recht wacker. Vielleicht wirken die Maschinenmenschen ein wenig zu unfertig zurechtgemacht, sehen sie manches Mal doch einfach nur aus wie normale Menschen die mit allerhand Klimbim bekleidet sind. Die Nahaufnahmen auf ihre Gesichter wirken dafür umso mehr, allein schon wegen der fiesen Idee des per Minibohrer installierten Augenersatzes, der leicht an „Coraline“ erinnernd herrlich morbide anzusehen ist.

Was mir an „Meatball Machine“ jedoch besonders gut gefallen hat, ist die eigentliche Grundidee. Parasiten die einander bekämpfen um sich zu verspeisen und die auf „Pacific Rim“- und „Saber Rider und die Star Sheriffs“-Art wie in einem Cockpit sitzend Fremdkörper steuern, in diesem Falle uns Menschen, was entfernt ein wenig an „Mensch Dave“ erinnert, das hat schon etwas. Und aus welchem Grund auch immer mutieren die befallenen Menschen auf „Tetsuo“-Art zu Maschinenmenschen, die merkwürdige Waffen entwickeln können, die aus ihren Körpern wachsen. Das ist so unsinnig wie typisch für Japan, lässt sich keinesfalls logisch erklären, muss es aber auch nicht bei solch gewagter und einfallsreicher Grundidee.

Wo man in anderen Filmen gerne Hintergründe verschwiegen bekommt, damit die Story mystischer ausfällt, ist es in „Meatball Machine“ ganz gut, dass wir am Ende doch noch darüber aufgeklärt werden woher die Viecher kommen. Das wirft zwar zum einen weitere Fragen auf, bietet aber auch eine herrliche Schluss-Pointe, die eine tolle Basis für eine Fortsetzung bereit stellt. Leider ist es zu dieser nie gekommen. Lediglich der kleine Kurzfilm „Reject of Death“ folgte noch zwei Jahre später dem Langfilm-Remake, und ich glaube kaum dass man heutzutage noch, über 10 Jahre später, mit einer Fortsetzung rechnen muss, gerade auf dem schnelllebigen japanischen Schundfilm-Markt. unterhaltsam


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Montag, 15. August 2016

GOTHIC AND LOLITA PSYCHO (Gosurori shokeinin 2010 Gô Ohara)


Im Gothic-Look gekleidet nimmt die junge Yuki mit Hilfe ihres zur Waffe umfunktionieren schwarzen Regenschirms Rache an den Mördern ihrer Mutter...


Yuki-Mitsu gegen Dr. B...

Durfte man sich bei dem sehr bluthaltigen „The Machine Girl“ noch fragen warum die FSK 18-Fassung überhaupt geschnitten war, bei all den harten Gore-Momenten die trotzdem noch enthalten geblieben sind, da hat es in die geschnittene Fassung von „Gothic and Lolita Psycho“ kaum noch ein solcher Moment hinein geschafft. Dass trotzdem nur 3 1/2 Minuten fehlen macht jedoch deutlich wie wenig Wert Gô Ohara auf eine Blutorgie legte. Viel mehr orientiert er sich an jenen Rache-Werken, denen Tarantino mit den beiden „Kill Bill“-Filmen seine Bewunderung ausgesprochen hat. Dementsprechend fällt das Werk im Gegensatz zum Vergleichsfilm auch kaum lustig aus und beschränkt sich im Humorbereich bei einigen schrillen Gags und grotesken Charakterzeichnungen. So übertrieben überzogen wie viele andere harte Filme seiner Zeit wird „Gosurori shokeinin“ (Originaltitel) trotz diverser grotesker Überzeichnungen nur gelegentlich.

Aus einem trotzdem noch recht durchgeknallten Rachefilm wird im Laufe der Zeit ein Action-Drama, was nicht nur einen überraschenden Wandel bedeutet, sondern in einem Finale, welches besagte Rachefilme mit Werken wie „Wicked City“, „Kick-Ass“ und „Krieg der Sterne“ kreuzt, sogar Emotionen zu entfachen vermag, ist „Gothic & Lolita Girl“ gegen Ende doch tatsächlich tragisch ausgefallen und weiß Mitgefühl, wenn auch nicht in letzter Konsequenz, auch beim Zuschauer entfachen zu lassen. Das kann man kaum glauben, wenn man zuvor eine eher kühl durchkalkulierte Show miterleben durfte, die sich schaut als spiele da wer mit einem festen Charakter versehen das Computerspiel „Tekken“ durch mit mal mehr mal weniger schwierig zu bekämpfenden Gegnern.

Spätestens wenn der mit magischen Fähigkeiten versehene Universitätsprofessor im Schneidersitz Yuki attackiert, kommt einem der skurrile Charakter des Dr. B aus dem „Tekken“-Universum in den Sinn. Konzentriert auf die Coolness von Yukis Gothic-Look und stets die durchaus brutal verlaufenden Kämpfe im Zentrum würde man nie vermuten, dass der Streifen so viel reifer ausfallen würde als „The Machine Girl“, mit dem aufgrund einiger übereinstimmender Namen als relativ berühmter Vertreter der Asia Schock-Welle der hier besprochene Film beworben wird.

Auch „Psycho Gothic Lolita“ (Alternativtitel) ist kein tiefschürfender, intellektueller Film, seine Geschichte kommt ganz im Gegenteil ziemlich schlicht und auf das Wesentliche beschränkt daher. Und auch stilistisch macht er nicht viel her. Während musikalisch neben dem in Actionszenen im Hintergrund stets ertönendem billigem Standardgedudel in der Ausnahme auch hin und wieder epischere Klänge, ja passend zur Thematik sogar gothische Melodien, erklingen dürfen, bleibt die Farbgebung und die Fotografie des Streifens doch eher schlicht gehalten. Das fällt immer dann besonders unangenehm auf, wenn Ohara auf „Versus“-Art mit der Kamera um seine Protagonisten herumtänzelt und dabei nie die Atmosphäre besagtem Vergleichfilmes aufkommt. Wie soll dies auch geschehen bei solch stumpfer Farbgebung und zudem noch in den falschen Situationen eingebaut?

Andererseits wissen die Fights zu gefallen, denen man im Gegensatz zum schnell heruntergekurbelten und mit vielen hilfreichen Schnitten versehenen „The Machine Girl“ zumindest Choreographien gegönnt hat. Da sie den Löwenanteil des Filmes ausmachen und die Gegner charakterlich meist interessant gezeichnet sind, gibt es somit für die anspruchslose Unterhaltung für zwischendurch nichts zu meckern, hält „Gothik and Lolita Psycho“ sein Tempo doch durchweg durch, verzeichnet keine inhaltlichen Umwege, und lebt inhaltlich einzig von den immer wiederkehrenden kulturellen Asia-Klischees von Rache und Seelenerrettung, was ich keinesfalls negativ meine. unterhaltsam


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Sonntag, 14. August 2016

BIG TITS ZOMBIES (Kyonyû doragon: Onsen zonbi vs sutorippâ 5 2010 Takao Nakano)


Als sie das Buch der Toten aus dem 16. Jahrhundert entdecken, erwecken fünf Stripperinnen die Toten zu neuem Leben und müssen nun gegen Zombies kämpfen...


Mit Schwert und Kettensäge...

Wer hinter einem Titel wie „Big Tits Zombies“ mehr erwartet als einen mit schlechtem Geschmack spielenden Provokationsfilm, dem wird wohl nicht mehr zu helfen sein. In der Regel werden jedoch nur jene Zuschauer Takao Nakanos Werk antesten, die sich von solch herrlich albernen Filmnamen locken lassen. Wer aber nun das übliche asiatische Schock-Kino a la „The Machine Girl“ und „Vampire Girl vs. Frankenstein Girl“ erwartet, der ist zwar nicht zwingend im falschen Film, könnte aber trotzdem enttäuscht werden, wenn er einzig wegen des Gore-Gehalts eingeschaltet hat.

Es ist nicht so dass „Big Tits Zombies“ sparsam oder zahm mit blutigen Szenen umgehen würde, aber die Effekte lassen doch sehr zu wünschen übrig, wechseln zwar handgemachte mit computeranimierten ab, aber Letztgenanntes endet oft im eher uninteressanten CGI-Blutspritzen und Erstgenanntes darf auch mal roten Wackelpudding vorweisen um eine Verletzung zu imitieren. Verärgert reagiert da aber nur jener Zuschauerteil, der mit der humoristischen Leichtigkeit nicht umgehen kann, mit welcher der Film überraschend spaßig daher kommt. „The Big Tits Dragon“ (Alternativtitel) kommt humoristisch sehr verspielt und albern daher, ist sich für keine noch so infantilen Witzchen zu schade, und diese Vorgehensweise wird selbst das Stammpublikum des asiatischen Schock-Kinos in zwei Lager spalten.

Sicherlich kann nicht jeder darüber lachen, dass ein aus der Hölle erscheinender blauer Dämon sich per Visitenkarte vorstellt, der einzige Gedanke der Protagonisten, wenn sie von einer feuerspeienden Vagina angegriffen werden, jene Frage ist woher das Feuer komme, oder Zombies fast schon auf „C.H.U.D. 2“ und „Return of the Living Dead 2“-Art dämlich Tichtennis spielen dürfen, sich über eine scharfe Soße auf ihrer Monsterzunge aufregen dürfen, oder beim Wort Titten notgeil verstummen. Mir persönlich hat dieser Nonsens jedenfalls Spaß bereitet, und kann man mit dem Unsinn etwas anfangen sieht man auch die kostengünstig frechen Effekte mit anderen Augen, ganz besonders jenen, in welchem ein alter Mann, von dem unsere Heldinnen nicht wissen ob er nun Zombie oder lediglich greis ist, wie in einem veralteten Computerspiel als animierte Spielfigur per billigem CGI-Effekt mit dem Auto aus dem Bild geschuppst wird.

Während sich die erste Hälfte von „Big Tits Dragon - Hot Spring Zombies vs. Strippers 5“ (Alternativtitel) mit irrsinnigen Gore-Ideen noch halbwegs zurückhält und sich auf Asien-Niveau noch wie ein üblicher Zombiefilm guckt, wird die Nonsensschraube zur zweiten Hälfte nach und nach hochgedreht, bis wirklich nur noch der Stammzuschauer dieser Art Film zum Zielpublikum gehört. Langweilig wird es dank der richtigen Grundstimmung nie, verärgern tun lediglich kurz eingestreute 3D-Momente, die sich ohne dazugehörige Brille zwar nicht so augenaufbretzelnd schauen lassen wie man selbiges von einem Komplett-3D-Film im Kino gewohnt ist, stören tut diese Unnötigkeit jedoch trotzdem.

Langweilig wird es nie. Selbst die im direkten Vergleich zahmere erste Hälfte weiß sein Nichts an Story stets mit irgendetwas anzureichern, z.B. mit dem gelegentlichen Durchbrechen der Metaebene, oder einer in Worten wie Bildern angereicherten Zitierfreude, die sich sogar in der Maskerade der Zombies wiederspiegelt. Da dürfen grüne Romero-Zombies ebenso durchs Bild huschen wie ein auf Samedi, dem Woodoo-König, getrimmter Zylinder tragender Untoter. Ansonsten werden Filmtitel samt politischer Botschaft erwähnt, Zitate diverser Intellektueller vorgetragen und nebenbei freilich gestrippt, inklusive gelegentlicher nackter Tatsachen, wenn auch nicht so häufig präsentiert wie der Titel vermuten lassen könnte.

Freilich dient jede der aufgezählten Zutaten humoristischen Zwecken, und wer mit dieser Art Komik etwas anfangen kann, der wird erfreut feststellen, dass Nakano ein Gespür dafür besitzt wann eine Pointe treffsicher eingebracht werden muss und wie man selbst einen besonders plumpen Flachköpper noch sympathisch verkauft bekommt. Dass hier nicht alles Gold ist was glänzt und „Big Tits Zombies“ trotz seiner gelungenen Art nicht zum übergroßen Partykracher wird den man gleich jedem weiter empfehlen muss, dürfte jedoch von Anfang an klar sein, so dass der kindlisch verspielt humoristische Zuschauer zwar jede Menge toller Momente präsentiert bekommt innerhalb eines durchgehend unterhaltsamen Streifens, aufgrund dem Fehlen wahrer Innovationen aber nur im Ausnahmefall hiermit einen neuen Lieblingsfilm entdeckt haben dürfte. unterhaltsam


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Samstag, 13. August 2016

AKIRA (1988 Katsuhiro Ôtomo)


Neo-Tokyo ist aus den Trümmern der vor 30 Jahren zerstörten Stadt Tokyo entstanden. Politische Rebellen und infantile Rockerbanden prägen das Stadtbild in einem negativen Licht. Als Tetsuo sich bei einer der Motorradtouren mit seinen Kumpels in einen Polizeieinsatz verläuft und mit einem merkwürdig gealterten Menschen in Kontakt kommt, erwachen in ihm kurz darauf ungewöhnliche Kräfte. Er wird vom Militär in einem Krankenhaus zur Beobachtung gefangen gehalten, kann sich aber durch seine neuen Kräfte befreien. Kaneda, der Tetsuo eigentlich retten wollte, muss feststellen dass sein Kumpel größenwahnsinnig geworden ist und muss sich mit den Rebellen verbünden um ihn stoppen zu können. Das Militär und die ungewöhnlich gealterten Mutanten wollen selbiges, da ansonsten Akira erwachen könnte, jener Mutant, der einst Tokyo mit seinen Kräften zerstörte...


Außer Kontrolle geratenes Fleisch...

„Akira“ müsste im Bereich der Science Fiction wohl der legendärste Klassiker des Anime-Films sein, prägte er dieses Sub-Genre doch deutlich mit, auch wenn er im Gegensatz zu vielen seiner Nachfolger auf die Themenbereiche Cyborgs und künstliche Intelligenz verzichtet. Fast schon ist seine Thematik eher dem Fantasybereich zuzuordnen, er schwankt also irgendwo zwischen beiden Genres, während er sich zudem dem Bereich des Actionkinos bedient und in erster Linie logischer Weise ein Animationsfilm ist.

Dass er speziell aus den 80er Jahren stammt sieht man ihm nicht an. Dass er älter ist jedoch schon, ist die Animation im direkten Vergleich doch noch relativ schlicht ausgefallen und die zu erzählende Geschichte noch nicht ganz so komplex geraten wie in manch anderem anspruchsvollen Anime-Stoff der letzten 20 Jahre. Zu seiner Zeit sah das jedoch noch völlig anders aus, da war „Akira“ das Nonplus-Ultra dessen was möglich war, und für eine Zeit, in der zumindest in Deutschland das Genre Zeichentrickfilm gerne mit dem des Kinderfilms in einen Topf geschmissen wurde, bot auch die Geschichte innovatives und tiefgehendes, erfordert doch auch sie ein Mitdenken des Zuschauers und damit mehr als mancher Science Fiction-Stoff heutiger Zeiten im Kino.

Von Anfang an liegt eine gelungene Atmosphäre über dem Streifen, die man zwar nicht als Endzeitatmosphäre bezeichnen kann, dafür geht es den Menschen in der wieder aufgebauten Zivilisation zu gut, aber als mental kaputte Zukunftswelt, in der andere Probleme und Zustände herrschen als in unserer Gegenwart, auch wenn einige, gesellschaftskritisch wie solche Filme in der Regel nun einmal ausfallen, von Problemen der Entstehungszeit abgeleitet wurden.

Der erhobene, warnende Zeigefinger taucht dennoch nie auf, fühlt sich „Akira“ doch seiner Geschichte und dem Unterhaltungsgehalt verpflichtet und nicht der Erziehung seiner mündigen, da erwachsenen, Zuschauer. Und diesem wird nach einer kurzen fast noch (zumindest für einen Actionfilm) alltäglich anzusehenden Einführung eine recht interessante Geschichte geboten, die anfangs nicht mit offenen Karten spielt. Man soll sich fragen was das alles soll, muss gut aufpassen, da nicht alles so lange erklärt wird bis es auch der letzte Zuschauer verstanden hat, und so vergeht einiges an Laufzeit von dem auf 2 Stunden laufenden Streifen, bis man sich klar darüber geworden ist was „Akira“ nun wirklich erzählen will. Wer oder was Akira ist und ob dieser nun wieder aufersteht oder nicht, wird sogar erst kurz vor Schluss gelüftet.

Animationstechnisch ist „Akira“ zwar flott ausgefallen, musste zu seiner Zeit bei Verfolgungsjagden jedoch noch auf die Beschleunigungsstriche aus Comicheften zurückgreifen, um das erforderliche Tempo einhalten zu können. Zwar geht die eigentliche Geschichte eher langsam und atmosphärisch dicht vonstatten, teilweise sogar recht verkopft umgesetzt, auf der anderen Seite bekommen wir aber auch immer wieder besagte Verfolgungsjagden und Actionszenen präsentiert, die den sympathisch trockenen Bereich durchbrechen. Da dies nicht zu inflationär eingearbeitet wurde, lässt dies „Akira“ auch nichts von seinem für damalige Zeiten hohem Anspruch verlieren, und was sich heute nicht mehr ganz so Up to Date guckt, egal ob inhaltlich oder inszenatorisch, wird zumindest durch einen angenehmen Retro-Charme ersetzt.

Unterschätzen darf man „Akira“ trotzdem nicht, sowohl visuell wie auch inhaltlich bringt er einen gelegentlich zum Staunen. Gerade was die Zeichner Richtung Finale an bizarrer Fleischmutation gezaubert haben, ist nicht von schlechten Eltern und setzt jedem grotesken Bild ein nicht minder groteskes nach. Am Schluss entlässt Regisseur Katsuhiro Ôtomo den Zuschauer zwar mit kleinen offenen Rätseln und Gedankenspielen, aber doch mit einer zu Genüge beantworteten Geschichte, die sich mit ihren offenen Faktoren nicht heimlich und unintelligent aus dem Staub macht, sondern dem Zuschauer bescherte was er ihm versprach, so dass die offen gebliebenen Fragen eher wie eine Hausaufgabe an das Publikum verstanden werden kann, anstatt als ein für eine Fortsetzung schuldig bleibendes Szenario. Ein Sequel gab es ohnehin nie, ebenso wie ein Remake, und das ist auch gut so, hat „Akira“ so etwas doch gar nicht nötig, so gut wie er ausgefallen ist. sehenswert


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