Sonntag, 31. Juli 2016

HOWL (2015 Paul Hyett)


Der Zug fuhr gerade mitten durch einen großen Wald, als die Fahrt aufgrund technischer Probleme unterbrochen werden muss. Kurz darauf wird der Lockführer vermisst, und Schaffner Joe versucht die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Die fluchenden, erbosten Passagiere sind jedoch seine geringste Sorge, denn in dem Wald, in dem der Zug hängen geblieben ist, lauern Werwölfe. Und sie sind hungrig...


Nächster Halt: Wolf Town...

Nein, Paul Hyett hat mit „Howl“ das Sub-Genre des Werwolf-Films sicherlich nicht neu erfunden. Der Plot ist relativ überraschungsarm ausgefallen, es wird uns die typische Figurenkonstellation vorgesetzt, und es darf einer nach dem nächsten im 10 kleine Negerlein-Verfahren abgefrühstückt werden. Der liegengebliebene Zug mitten im Nirgendwo mag der Chose einen gewissen individuellen Reiz bescheren, wobei zumindest „Jeepers Creepers 2“ eine ähnliche Ausgangssituation vorweisen kann, aber ob nun Haus, Bus, Schloss, Zug oder was auch immer, der Spielort verändert nicht wirklich viel an dem üblichen Handlungsverfahren.

Da gibt es aufgrund dessen ein paar veränderte Variantionen der üblichen Handlungselemente, aber die sind nicht der Rede wert und verhelfen „Howl“ auch nicht dazu eine eigene Identität zu entfalten. Zeitverschwendung ist der britische Horrorfilm jedoch auch nicht, ist er für seine 08/15-Story doch recht gut inszeniert. Der dunkle Wald weiß zu gefallen, erst recht wenn rote Augen im Düsteren leuchten dürfen. Mit der Hauptfigur kann man sich aufgrund ihrer Alltagsprobleme und der sympathischen Charakterzeichnung identifizieren. Und die Werwölfe sind nett anzuschauen.

Wie es sich für einen gelungenen Beitrag des Monsterfilms gehört, werden die Kreaturen nicht all zu oft gezeigt und erst relativ spät dem Publikum vor die Augen gesetzt. Verstecken braucht sie das Special Effect-Team des Streifens jedoch nicht, wissen sie im Hellen wie im Dunkeln doch zu überzeugen, wobei ich freilich ihre Auftritte im düsteren Wald bevorzuge. Der Mut aus ihnen mehr Mensch als Wolf zu machen und sie trotzdem wie 100 %ige Bestien wüten zu lassen, macht sich bezahlt. Zwar musste ich ein wenig schmunzeln bei dem Gedanken, dass Werwölfe mit dieser enthaarten Entwicklung eine Parallele zu den Damen aus der Pornobranche aufweisen, aber lächerlich sehen die Viecher nie aus, was allein schon deswegen gut ist, da jede Form der Lächerlichkeit nicht von anderweitigem Humor hätte aufgefangen werden können, ist „Howl“, im Gegensatz zu dem was zur Zeit meist aus England an Genre-Beiträgen produziert wird, doch ein ernster Horrorfilm, der ohne komödiantische Momente, ja nicht einmal aus einem augenzwinkernden Blickwinkel, erzählt ist.

Dank einer stimmigen und kurzweiligen Umsetzung gibt es für Filmfreunde, die lediglich einen kleinen Zwischendurchverzehr ohne großen Anspruch sichten wollen, nichts zu meckern. Optisch wie inszenatorisch geht „Howl“ als gelungene 08/15-Kost durch, und das ist gerade im Bereich des Werwolf-Films eine Seltenheit. Zumindest werde ich in diesem Sub-Genre nur sehr selten mit einem unterhaltungsfreundlichen Beitrag beglückt. Um so erfreuter war ich, dass Hyetts zweiter Spielfilm drei Jahre nach seinem Debut „The Seasoning House“ eine solch angenehme Trivialerfahrung war. unterhaltsam


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HEXENJAGD (Kladivo na carodejnice 1970 Otakar Vávra)


Durch die Entweihung einer Hostie wird eine alte Frau der Hexerei beschuldigt. Man fordert für die Gegend Groß Ullersdorfs einen Inquisator an, der ermitteln soll wie weit die Hexenplage bereits um sich greift und der sie im Zuge dessen eindämmen soll. Die Wahl fällt auf Franz Boblig von Edelstadt, der 40 Jahre Berufserfahrung vorweisen kann. Dieser missbraucht die Untersuchungen jedoch für seine Zwecke und sorgt für eine Atmosphäre der Angst, in der jeder der nicht auf seiner Seite steht der Hexerei beschuldigt wird...


Wie man ein System aushebelt...

„Hexenjagd“ thematisiert das düstere Kapitel des Christentums um Hexenverfolgungen und Hexenverbrennungen im Gegensatz vieler anderer sich des Themas aneignender Filme auf die realistische Art. Otakar Vávras Werk ist weder Horrorfilm noch plakative Schwarz/Weiß-Malerei. Ganz im Gegensatz zu dem was man cineastisch von diesem Thema gewohnt ist, hat er ein Drama geschaffen, das gut reflektiert ist und auf intelligente Art nachvollzieht wie es seinerzeit gewesen sein muss, als die Kirche den Aberglauben des Volkes vor den Augen weniger Gelehrter ausnutzen konnte, um Gräueltaten zu vollziehen.

Dass dies nicht das Ziel der Kirche zu dieser Zeit war, thematisiert Vávra dabei ebenso wie die fragwürdige Gesetzgebung, mit der man der Inquisition eine Gerechtigkeit bescheren wollte. An dieser Grundlage orientiert lässt er nun eine Person in den Mittelpunkt treten, die ihre Macht ausspielt um besagte Gesetze zu missbrauchen, umgehen und auszuhebeln, dabei eine unfreie Gesellschaft schafft und somit die absolute Macht erlangt. Ganz unabhängig vom Thema Hexenjagd schaut sich „Kladivo na carodejnice“ (Originaltitel) wie ein Lehrfilm darüber mit welchen Methoden man ein funktionierendes System aushebeln kann und aus einer geordneten Situation Chaos entfachen kann, ein von Angst gesteuertes Chaos, welches nur dem Zweck dient dem Verursacher dieser Situation Macht zu verleien.

Die Methoden sind auf jedwede andere heimtückische Machtübernahme anzuwenden und Vávra lässt uns am Beispiel der Hexenjagd an jedem einzelnen Schritt teilhaben, während er in Parallelsequenzen die Fesseln der wenigen Gebildeten zeigt, die fassungslos mit ansehen müssen wie die Aufklärung um Jahrzehnte zurückgeworfen wird und Aberglaube auch das letzte Gehirn befällt. „The Witch Hunter“ (Alternativtitel) ist in aller Seelenruhe erzählt, lässt sich Zeit uns jeglichen Blickwinkel zu zeigen, bishin zu dem Versuch den obersten Machthaber über das Treiben des Inquisators zu unterichten. Insgesamt ist er aufgrund seiner Sachlichkeit sehr nüchtern erzählt, aber auch sehr interessant, da gut durchleuchtet. Und wenn die Unwahrheit erst über Foltermethoden erzwungen werden muss, müssen wir auch an diesen brutalen, gar nicht nüchtern umgesetzten, Szenen teilhaben.

Selbst hier verkommt „Witchhammer“ (Alternativtitel) nicht zu einem reißerischen Werk. Gewalt wird nicht der Ausrede wegen eingebaut um äußere Schauwerte zu bieten. Und Vávras Bilder verkommen auch nie zu den blutberauschenden Bildern des Genres welches er immer wieder gekonnt umgeht. Aber anders darf einem schon werden bei all der Unmenschlichkeit und Machtlosigkeit die einem hier vorgesetzt wird. Und sie gräbt sich um so tiefer in den Magen, als dass wir wissen dass das Thema aktuell wie eh und je ist, in einer Zeit in der Menschen sich der Religionen wegen bekriegen und mächtige Länder Kriegsverbrechen begehen dürfen, ohne dass die Außenwelt sich zu wehren weiß.

Mit seinen mal mehr mal weniger intensiv in den Fokus rückenden Themen des Wegguckens, des Mitlaufens und des Verweigerns des Wissens und der Logik, ist „Witches‘ Hammer“ (Alternativtitel) ein Film zu Problemen die nie vergehen, die an jedem Ort und zu jeder Zeit stattfinden. Und Vávra zeigt uns aufs Detail genau recherchiert auf welche Eigenschaften das einfache Volk besitzen muss und welche Methoden der Unterdrücker benötigt um eine fragwürdige Situation derart eskalieren zu lassen. In Zeiten der Betäubung durch Medien, in Zeiten des Verdummens durch den Glauben an Homöopathie, Götter und Esoterik und in Zeiten in denen wir es den Dümmeren und Gierigen überlassen uns zu regieren, tut ein Aufklärungsfilm wie „Hexenjagd“ dringend Not und sollte in allen Schulen dieser Welt gezeigt und intensiv besprochen werden. Allerdings bräuchten wir dafür eine aufgeklärte Gesellschaft, und daran hakt der Plan bereits. sehenswert


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DIE HERREN DRACULA (Dracula père et fils 1976 Èdouard Molinaro)


Dracula zeugt einen Sohn und zieht ihn auf. Als Ferdinand zum Mann heranwächst, wird er nicht gerade zum Stolz seines Vaters, tut er sich doch schwer auf die Jagd zu gehen um an Blut zu gelangen. Als in der Heimat die Revolution ausbricht, flüchten die zwei und werden auf der Reise versehentlich getrennt. Während Ferdinand eher unbeholfen allein durchs Leben stolpert, wird Dracula von einem Filmteam engagiert in einem Film den Dracula zu spielen...


Dracula mit Dracula...

Was war es doch für ein Glücksgriff, dass der Franzose Édouard Molinaro für einen humoristischen Stoff über den berühmten Vampir-Grafen den Hammerfilm-Dracula Christopher Lee gewinnen konnte. Nicht dass der gute Mann mit seiner Rollenauswahl stets wählerisch gewesen wäre, schon ein Jahr nach seiner Paraderolle in „Dracula“ spielte er in dem unterirdischen Ulk „Schlechte Zeiten für Vampire“ mit, um eben diese zu parodieren. „Die Herren Dracula“ entstand 1976, zu einer Zeit als es mit den Hammer-Studios zu Ende ging. Drei Jahre nach seinem letzten Auftritt als der größte Blutsauger aller Zeiten in „Dracula braucht frisches Blut“, der im selben Jahr gedreht wurde wie der von Lee sehr gemochte „The Wicker Man“, war der Kult um Lee als Vampir zumindest noch groß genug, um mit ihm im Gepäck einen Trumpf im Ärmel zu besitzen.

Und Molinaro kann froh sein Lee mit an Bord zu haben, ist er doch das einzige was seinen Film halbwegs gucken lässt. Was sich wie ein lustiges Unterfangen anhört Dracula dabei zuzusehen wie er von seinem Nichtsnutz von Sohn enttäuscht wird, ein Thema das in Frankreich z.B. mit „Brust oder Keule“, freilich ohne Vampire, höchst humoristisch umgesetzt wurde, wird leider zu einer orientierungslosen Zotenparade, die zwar nicht so völlig verblödelt ausgefallen ist wie der oben genannte frühe Ausflug Lees ins Komödienfach, aber doch wesentlich flacher daher kommt als das was mit dem Stoff möglich gewesen wäre.

Molinaro ist eigentlich Komödienexperte, drehte mit Louis de Funès die beliebte Komödie „Oscar“ und auch „Onkel Paul die große Pflaume“, später auch Pierre Richards letzte klassische Komödie „Der große Blonde auf Freiersfüßen“, aber was er hier fabrizierte ist mittelmäßige Kost, eher belanglos als unterhaltsam ausgefallen und aufgrund seines Episodencharakters auch eher holprig und lahm umgesetzt. Warum Christopher Lee trotzdem mit einer derartigen Begeisterung an seinem Blutsauger-Image herummanipuliert, immer mit einem verschmitzten Blick im Spiel, lässt sich nur erahnen, sorgt aber zumindest dafür dass man ihm das Nichtfunktionieren des Streifens nicht vorwerfen kann.

Sicherlich bietet „Dracula and Son“ (Alternativtitel) auch manch gelungene Momente. So weiß z.B. jene Szene zu gefallen, als aufgrund eines Jungenstreiches des noch kleinen Ferdinand das Kindermädchen durch Sonnenlicht zu Staub verfällt, und Papa schelmisch lachen muss über die typischen Flausen eines Lausebengels. Auch dass Dracula den Beischlaf verweigert und seine penetrant nach Sex lechzende Freundin als unerfahrene Vampirin raus in die Sonne schickt und damit tötet, nur um nicht mit ihr schlafen zu müssen, belustigt durchaus. Zudem mag ich die Szene, in welcher Ferdinand erfreut feststellen darf endlich ein Mensch zu sein, sich vor Fremden darüber freut dass er im Spiegel zu sehen ist und eine Femde ihn kopfschüttelnd für einen Spinner hält.

Interessanter Weise wurde gerade aus der Idee einen echten Vampir als Filmstar einzustellen, ein Storyaspekt der später in „Shadow of the Vampire“ zum Mittelpunkt allen Geschehens wurde, relativ wenig herausgeholt, ruht sich die Komödie doch diesbezüglich darauf aus, dass es allein schon lustig ist, dass Dracula den Dracula spielen soll. Aber das ist wie gesagt keine Ausnahme im eher lahm umgesetzten „Dracula père et fils“ (Originaltitel). Der Film ist eine ziemlich lustlose Nummer, anfangs durchaus charmant ausgefallen, da man sich zu Beginn noch an den Sets der klassischen Dracula-Stoffe orientierte, letztendlich aber doch eine Spur zu lahm ausgefallen um mit ihm auf die komplette Laufzeit sympathisieren zu können. Außerdem hat mir die Besetzung von Draculas Sohn nicht sonderlich gefallen. mittelmäßig


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ZEIT DER WÖLFE (The Company of Wolves 1984 Neil Jordan)


Die 14jährige Rosaleen träumt von einer Mittelalter-ähnlichen Fantasywelt, in welcher sie sich als Rotkäppchen vor dem bösen Wolfsmenschen in Acht nehmen muss...


Rotkäppchen und der böse Werwolf...

Wenn „Zeit der Wölfe“ das erste Mal in seine Fantasiewelt eintaucht, in der es vor ungewöhnlichen Einfällen, wie der riesigen Pilze die aus dem Erdboden ragen, nur so wimmelt, dann weiß das zu begeistern und bietet das was ich mir Jahre später eigentlich von dem in diesem Punkt nicht so einfallsreichen „Die Reise ins Labyrinth“ versprochen hatte. Interessant finde ich es, dass man manches Element, hauptsächlich aber die grundlegende Atmosphäre, auch in „Die unendliche Geschichte“ wiederfindet, der im selben Jahr von Neil Jordans Mix aus Horror- und Fantasyfilm erschienen ist und auf ein wesentlich jüngeres Publikum blickte.

Ebenso wie dieser ist auch „Die Nacht der Wölfe“ (Alternativtitel) humoristisch angehaucht. Der augenzwinkernde Grundton zeigt sich schon auf goldigste Art in der Geschwister-Traumverarbeitung, wenn der Traum mit der Beerdigung der Schwester beginnt. Auch das Altweibergeschwätz der Großmutter wird mit übertriebenem Aberglaube und einem extremen Umschwung von den warnenden Worten zum wieder liebevollen Umgang mit der Enkelin auf einer humoristischen Ebene eingebracht. Die Komik gibt „The Company of Wolves“ (Originaltitel) jedoch nie der Lächerlichkeit preis. Ihre gern grotesk ausgefallene Form unterstreicht lediglich die leicht ominöse Traumwelt Rosaleens.

Wirklich surreal fällt die Modernisierung des bekannten Rotkäppchen-Märchens nicht aus. „Zeit der Wölfe“ ist ein recht gerade verlaufender Traum, der fast konsequent einem roten Käppchen/Faden folgt. Einzig sein ewiges Umschwenken auf kurze Geschichten bricht diese traumuntypische Erzählung auf, und dieses „Geschichte im Traum“-Prinzip schadet dem Werk meiner Meinung nach fast so wie die stillose Art manch anderer Filme und Bücher, die mit Rückblicken in Rückblicken arbeiten. Ewig wird wieder eine neue Geschichte innerhalb eines Plots erzählt, der bereits von dem Traum der in der Wirklichkeit schlafenden Hauptfigur handelt.

Hat man erst einmal den Schluss gesehen fragt man sich warum Rosaleen überhaupt träumen muss. Hätte sie nicht einfach das Mädel sein können, welches lediglich in einer Fantasiewelt lebt? An der Thematik um das Tier im Menschen, dem bereits in der Ur-Geschichte Grimms vorkommenden Aspekt um ein Mädchen welches seine körperliche Sexualität erreicht hat und der Modernisierung mittels der Werwolfthematik hätte sich nichts geändert, das hätte nach wie vor seine analytische wie unterhaltsame Kraft beibehalten, so dass die wenigen Szenen in der Realität unnötig zu nennen sind.

Wenn in „Die Zeit der Wölfe“ eine Geschichte erzählt wird, weiß diese auch schnell zu packen. Gerade die ersten beiden Geschichten bereiten Freude und brechen das Geschehen für einige Minuten ähnlich bereichernd auf, wie es die Kurzgeschichte des jungen Autors in „Stand By Me“ tat. Aber gerade wenn die Geschehnisse sich im Hauptstrang der Geschichte zu einem interessanten Szenario entwickeln, bekommen diese Zusatzsequenzen dann doch eine unangenehme Wirkung, und das ewige Geschichtenerzählen um die Mystik der Wölfe entwickelt sich zu einem krampfhaftem Bemühen, den Streifen auf Spielfilmlänge gestreckt zu bekommen.

Was mich an Neil Jordans 10 Jahre vor „Interview mit einem Vampir“ entstandenem Film am meisten stört, ist jedoch sein zu penetrantes, selbstzweckhaftes Darstellen von Spezialeffekten. Die sind für ihre Zeit grandios ausgefallen, wissen teilweise auch heute noch zu erstaunen und zu faszinieren, und selbiges gilt auch für die Kulissen des Streifens. Oftmals ruht man sich aber auf diesem Pluspunkt aus und hofft der Rest der Atmosphäre würde einzig aus den optischen Reizen wachsen. Und da wird die Dramaturgie und die Empathie zu den Filmfiguren etwas zu sehr aus den Augen verloren, als dass sich „Zeit der Wölfe“ auf Dauer so intensiv gucken würde wie in der sehr stimmig geratenen ersten halben Stunde des Stoffes.

Irgendwann wirkt der olle Budenzauber für sich gesehen nicht mehr, so imposant Kulisse, Kostüme, Make-Up und Effektkunst auch miteinander harmonieren dürfen. Ich saß zum letzten Drittel hin eher lustlos vor dem Fernseher, ließ mich zwar weiter von den Spezialeffekten beeindrucken, wobei es mir vor allen Dingen die drei jahre nach „American Werewolf“ völlig anders angegangenen Verwandlungen des Menschen zum Wolf angetan haben, aber die Geschichte und ihre Figuren waren mir indes schon derart egal, dass nicht einmal das Gespräch über die Größe diverser Körperteile zwischen Wolf und Rotkäppchen anzustecken wusste, wohl jene Szene welche die Originalgeschichte am exaktesten zitiert und in eine düstere Atmosphäre getaucht für märchenhaftes Unbehagen hätte sorgen können.

So aber schaute sich das so vielversprechende Szenario wie pflichtbewusst aufgesagt, nicht hölzern gespielt, die Darsteller geben weiterhin ihr Bestes, aber die Stimmung wirkt zu bemüht. Was also märchenhaft düster hätte ausfallen können wie die dunkelsten Momente in „Die unendliche Geschichte“, verkommt aufgrund des Fixierens auf optische Schauwerte zu einem zu theoretisch ausgefallenem Film, so dass „Zeit der Wölfe“ zu jenen 80er Jahre-Werken wie „Lost  Boys“, „Highlander“ und „Near Dark“ gehört, die man scheinbar seinerzeit in jüngeren Jahren hätte gesehen haben müssen, um sie auch heute noch kompromisslos faszinierend zu finden. Für mich war „Zeit der Wölfe“ ein reiner Film der Spezialeffekte wegen, und für so etwas bin ich nicht zu begeistern. mittelmäßig


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Samstag, 30. Juli 2016

LESBIAN VAMPIRE KILLERS (2009 Phil Claydon)


Bevor die Obervampirin Carmilla stirbt, stößt sie einen Fluch aus, dass alle weiblichen Nachkommen der Dorfbewohner ab ihrem 18. Lebensjahr zu Vampiren und lesbisch werden, so lange bis die letzte Blutlinie ihres Mörders heimkehrt, damit sie durch dessen Blut auferstehen kann, um die Hölle auf Erden zu errichten. In der Gegenwart angekommen weiß der Nachfahre freilich nichts von seinem Schicksal, landet im Urlaub zusammen mit seinem dicken, sexgeilen Kumpel in der Nähe besagtem Dorfes in einer Waldhütte, in der auch eine Gruppe sexy Studentinnen hausen. Man macht Party, und draußen lauern bereits die Blutsauger...


Was vor dem schwulen Werwolf geschah...

Wenn uns zu Beginn des Films die Vorgeschichte gezeigt wird wie die Vampirkönigin Carmilla stirbt und zuvor ihren Fluch ausspricht, kommt so gar keine Stimmung auf. Anstatt auf gothische Klischees zu setzen, wird das Bild in grelle, leuchtende Farben versetzt, während die Darsteller recht hölzern ihren Text ablassen. Aber kaum im Heute angekommen wendet sich das Blatt und der unscheinbare „Lesbian Vampire Killers“ verwandelt sich in eine wundervolle Party von Horror-Komödie, angereichert mit allerhand flotter Sprüche, Stereotype und Horrorfilm-Klischees.

Dass das ganze zu rocken weiß liegt nicht nur an der peppigen, wenn auch austauschbaren, Musikuntermalung. Der komplette Streifen ist recht flott inszeniert, tritt nie zu lang auf der Stelle, hetzt aber auch nicht unnötig. Obwohl die Geschichte recht innovationslos daher kommt hat doch jede Szene etwas zu erzählen, Füllmaterial zum Laufzeitstrecken ist nicht vorhanden, es sei denn man zählt das Zelebrieren diverser Klischees dazu, die das Horror-Genre verarschen sollen, aber dann sind diese gut gesetzt und halten den Film zumindest nicht auf.

Auch wenn stilistisch einiges am Einfluss des angesagten amerikanischen Kinos zu bemerken ist, so pocht im Herzen des Films doch tatsächlich der Humor des Entstehungslandes England. Zwischendurch wird man immer wieder mal an Werke wie „Shaun of the Dead“ erinnert, an dessen Klasse die auf eher plumpe Komik setzende hier besprochene Horror-Komödie jedoch nicht herankommt. Thematisch erinnert der Streifen eher an den im selben Jahr erschienenden „Doghouse“, und dieses anstrengende Stück Film toppt „Lesbian Vampire Killers - Bis(s) zur Morgenlatte“ (Alternativtitel) bei seiner Kurzweile locker. Hin und wieder weht sogar ein leichter Hauch „The Office“-Komik durch den Film, das weiß die auf Flachköpper zielende Komik für kurze Momente ein wenig aufzuwerten.

Das macht den Film von Phil Clayden aber keinen Hauch tiefsinniger oder geistreicher, es hebt nur für kurze Augenblicke das Niveau, bevor wieder Sexwitzchen fallen und die Faulenzer-Single-Mentalität zelebriert wird. Da besagter anspruchsloser Humor jedoch gut getimet ist und meist treffsicher angegangen wird, kann das auf einen niedrigeren Niveau-Pegel abzielende Werk trotzdem Freude bereiten, am besten indem man ein paar Kumpels zu einem lustigen Videoabend um sich scharrt, die sich für derlei Filme nicht zu schade sind. „Lesbian Vampire Killers“ ist sicherlich keine Offenbarung, aber mir hat er Spaß bereitet. unterhaltsam


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CIRCUS DER VAMPIRE (Vampire Circus 1972 Robert Young)


Als vor 15 Jahren die Dorfbewohner vereint den Vampir Graf Mitterhaus töteten, schwor dieser Rache anhand der Kinder seiner Mörder zu nehmen. Nun kehrt ein Wanderzirkus in besagten Ort ein, den die Leute inmitten einer gerade um sich greifenden Krankheitswelle zur Ablenkung vor dem Elend willkommen heißen, nichts ahnend dass sich unter den Artisten ein Verwandter des Grafen befindet, der dessen Schwur einlösen will...


Manege frei für Budenzauber...

In den 70er Jahren, in denen sich die Hammer-Studios aufgrund zurückgehender Zuschauerzahlen und der modernen Konkurrenz umorientierten, ging es stilistisch wie inhaltlich je nach Film mal vor und mal zurück, immer zwischen der Moderne schwankend und sich auf die Wurzeln beruhend, welche das Studio für einige Zeit zur Vorzeigeschmiede des gothischen Horrorfilms machte. Inmitten dieser Wirren, in denen auch manch gutes Werk wie „Draculas Hexenjagd“ entstanden ist, erblickte „Circus der Vampire“ das Licht der Welt, der die Orientierungslosigkeit des Studios unfreiwillig recht gut wiedergibt.

Zwar orientiert man sich mit der Vampirthematik um einen Grafen, einen Fluch, umherflatternder Fledermäuse und dem Spielort einer alten Schlossruine, bzw. der geheimen Gruft dieser, an alten Zeiten, der Gewaltpegel, die Nackedeiaufnahmen diverser Damen und der Zirkus als Medium der Vampire sollen dem Ganzen jedoch trotzdem einen modernen Touch bescheren. Als Regisseur engagierte man den unverbrauchten Neuling Robert Young, der mit dem hier besprochenen Film sein Debut ablieferte. Und dass dieser später eher Erfolge mit Komödien feierte (er war u.a. für den John Cleese-Film „Wilde Kreaturen“ verantwortlich), könnte ein erster Hinweis dafür sein, warum der Streifen nicht wirklich funktionieren will, blieb er doch der einzige Horrorfilm in der langjährigen Regie-Karriere Youngs.

Ein Desaster sieht anders aus, „Vampire Circus“ (Originaltitel) kann als magerer Zwischendurchverzehr durchaus konsumiert werden, aber so wirklich begeistern tut er nicht. Der Open Air-Zirkus als Spielort gibt nicht viel her, die Pest-artige Seuche, die parallel zur Vampirthematik eingebracht wird, wird trotz ihrer reichhaltigen Nutzungsmöglichkeit kaum beachtet, und dass Vampire keinen sonderlichen Schrecken verbreiten, wenn sie direkt vor jedem Kreuz kuschen, braucht 1972 auch niemanden mehr verwundern.

Letztendlich passt der Film jedoch gekonnt zu seiner Hauptattraktion, dem Zirkus, wird doch in der Manege ebenso wie im Film selbst Durchschnittsprogramm geboten und anhand von Budenzauber versucht optisch davon abzulenken. Das funktioniert manches Mal ganz gekonnt, wenn z.B. ein unheimlicher Spiegel eine große Rolle für den Handlungsverlauf spielt, der Graf am liebsten kleine Kinder anknabbert, oder die menschlichen Gehilfen der Vampire bereits auf der Bühne nicht sonderlich friedlich agieren.

Wenn man aber schlecht aufs Bild gelegte Fledermäuse durch die Luft fliegen sieht, oder eine Wildkatze sich vor allen Leuten in einen Menschen verwandelt, was die Dorfbewohner mit ihrer Vorgeschichte eigentlich aus dem Tiefschlaf alles wäre nur Täuschung hätte herausreißen müssen, dann merkt man wieder dass alles nur Hokuspokus ist, der davon ablenken soll dass eigentlich nichts passiert, was es nicht schon einige Male besser umgesetzt gegeben hätte - gerade aus den Hammer Studios.

Süß anzuschauende Menschen beider Geschlechter, ein Hauch weibliche Erotik und für seine Zeit recht harte Spezialeffekte mögen den überraschungsfreien und etwas zu dröge geratenen Ablauf ein wenig aufpeppen, letztendlich sind dies jedoch Quantitäten, die keinen kompletten Film gerettet bekommen. Blasse Helden, blasse Bösewichter und eine Geschichte die nur so tut als ob sie modern sei, aufgrund der hippen Änderungen aber auch nicht den alten Charme vergangener Vorzeigewerke zu versprühen weiß, machen aus „Circus der Vampire“ lediglich maue Durchschnittsware und somit ein Produkt welches sich Vielseher ruhig geben können. Wer nicht einschaltet verpasst jedoch nichts Nennenswertes. mittelmäßig


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PAPRIKA (Papurika 2006 Satoshi Kon)


Sich in der Entwicklung befindende Geräte zum Aufzeichnen von Träumen, mit deren Hilfe man sogar in die Träume eingreifen kann, sollen zukünftig in der Therapie psychisch erkrankter Menschen eingesetzt werden. Doch als einige dieser Exemplare gestohlen werden, zeigt sich welche Bedrohung in der Existenz dieser Maschinen steckt. Denn der fremde Dieb dringt nun ins Bewusstsein jedes x-beliebigen Menschen ein und kann diesen somit steuern und in den Wahnsinn treiben. Traum und Wirklichkeit lassen sich kaum noch unterscheiden...


Ein Traum von einem Film...

Dass Animes nicht mit dem zu vergleichen sind, was uns Disney und Co auf dem Animationsmarkt auf die Leinwand wirft, ist allseits bekannt. Harte Action, Krimi und Science Fiction werden im asiatischen Raum gerne als Zeichentrick verarbeitet und gehen dabei weniger niedlich, dafür aber um so härter und oftmals realitätsgebundender, vor als ihre Konkurrenz aus Amerika. Selbst der durchaus erwachsene Stil vieler europäischer Animationswerke wirkt kindlisch verspielter im direkten Vergleich. Mit etwas Glück darf man beim Sichten von Animes gar an Filme geraten, die auf einem enorm guten Drehbuch aufbauen und so einiges an Aufmerksamkeit vom Zuschauer abverlangen, damit der intelligente Plot auch komplett verstanden werden kann. „Paprika“ ist ein solches Werk, welches mehr als doppelbödig und durchdacht daherkommt und das man des öfteren gesehen haben muss, bis man tatsächlich durchblickt.

Es gibt Szenen in der Realität, Traumsequenzen, Träume in Träumen, Wahn in der Wirklichkeit, der Zuschauer weiß nie ob er dem was er sieht trauen darf. Seine Wahrnehmung wird verdreht, verknotet und dann noch mal auf links gedreht. Wenn nicht gerade eine der vielen, vor phantastischen Elementen nur so sprudelnden, Wahnvorstellungen den Bildschirm beherrschen, ist man oft orientierungslos, weiß man dann doch nicht auf welcher Wahrnehmungsebene man sich gerade befindet und ob man den aktuell geschehenden Ereignissen trauen darf oder nicht. Regisseur Satoshi Kon verliert dabei erstaunlicher Weise nie die Geschichte und ihre Ziele aus den Augen, nutzt das Verwirrspiel also nicht um selbst irgendwann zu flüchten und den Irrsinn Irrsinn sein zu lassen, sondern beendet alles wohldurchdacht.

Der Film enthält, ob nun beabsichtigt oder nicht, Einflüsse von „Die Mächte des Wahnsinns“, „eXistenZ“, der „Nightmare on Elm Street“-Reihe, „Vergiss mein nicht“, „Futureworld“, "Projekt Brainstorm", „Die unendliche Geschichte“ und „Welt am Draht“, entwickelt daraus aber eine eigenständige Geschichte, die keinesfalls ein Ideencocktail aus den Vergleichswerken wird (und ein Zitatencocktail schon mal gar nicht), sondern ein individuelles Stück Film, welches die Gesellschaft, ihre Medienwelt und die menschliche Psyche gekonnt reflektiert und dies unterhaltsam wie intelligent mixt und mit philosophischen Gedankenansätzen zusätzlich bereichert.

Da das Ganze zudem in großartiger Animation mit sehenswerter und durchdachter Farbgebung optisch umgesetzt wurde, und zusätzlich durch die phantasiereichen Wahnvorstellungen, welche die vergleichbaren surrealen Sequenzen aus „Dumbo, der fliegende Elefant“ und „Die Abenteuer von Winnie Puuh“ um ein Vielfaches an kranken Ideen übersteigern, wird „Papurika“ (Originaltitel) äußerlich wie innerlich zu einem Kunstwerk und ist damit keinesfalls Teil der Anime-Fließband-Produktionen, wie wir sie alle Nase lang auf DVD und im Fernsehen vor die Nase geworfen bekommen.

Gekonnt spielt „Paprika“ aber selbst mit diesen, üblichen Klischees, die man seiner Gattung Film vorurteilsbehaftet gerne vorwirft, was aber wohl den geringsten Teil dessen ausmacht was im hier besprochenen Film so alles aus der realen Welt reflektiert wird. Während man vieles sicher erst beim x-ten Sichten bemerken wird, sticht am offensichtlichsten wohl die Kritik an unserer heutigen von Handys und Internet geprägten Medienwelt hervor, in welcher die Gesellschaft als kranke, vor sich hinträumende Gesellschaft gesehen wird, die mit der Realität um sich herum längst nichts mehr zu tun hat. Wo Filme vergleichbarer Kritik gerne die Karte des totalitären Staates, da des leicht zu unterdrückenden Bürgers, ausspielen, verzichtet „Paprika“ auf diesen Bereich, um das Augenmerk auf den Wahnsinn des Volkes zu fokussieren und damit gut getarnt eine Schuld zuzuweisen, ohne diese auf den bösen Staat (ab)zu lenken.

Böse und Gut werden im hier besprochenen Film anbei ebenso gekonnt gemixt, verdreht und verknotet, wie die Realität, ist es doch faszinierend mit anzusehen, dass die Bedenken welche die eigentlichen Bösewichter des Streifens äußern, berechtigt sind. So wird u.a. vermutet, dass der Mensch in einer Welt mit Traumaufzeichnungsgeräten nie mehr glücklich werden kann, wenn dies innerhalb einer gläsernen Gesellschaft doch der einzige Rückzugsort ist, wo man unverfälscht seine Psyche und seine Freiheiten freigibt, die das Unterbewusstsein aus den Erlebnissen des Bewusstseins und dem Charakter welches den Träumenden ausmacht, zu einem Traum zaubert. Wer das Gerät kontrolliert, kontrolliert den Menschen.

Die Täter in „Paprika“ sind somit Terroristen und Idealisten in einem, darauf bedacht die Menschheit zu retten, wenn, ja wenn sie nicht selbst der Realität entrückt wären und in ihrem Wahn das Gerät genau dafür nutzen, wofür sie es verurteilen. Wer hinter den Diebstählen und den Attentaten auf die menschliche Psyche steckt, wird über Ermittlungen nach und nach auf Kriminalfilmebene aufgedeckt, was nicht nur die Neugierde des Zuschauers kitzelt und hervorragend aufgelöst wird, sondern zudem auch noch genutzt wird um ganz nebenbei auch die Kinokultur zu reflektieren mit Filmen im Film, dem Gedanken wie Film in der Realität fortgesetzt werden kann und wie falsche Erinnerungen und Erinnerungslücken Verwandtschaft zu Filmen aufweisen können. Selbst der amerikanische Einfluss auf die eigentlich völlig eigene asiatische Kinokultur wird in dieser Verarbeitung kurz gestriffen, so dass selbst ein Nebenstrang des Hauptanliegens auf ein vielfaches beleuchtet, hinterfragt und durchdacht wird.

Interessanter Weise guckt sich „Paprika“ damit keineswegs überfrachtet. Sicherlich braucht man wie erwähnt so einige Anläufe um ihn komplett kapieren zu können, wenn überhaupt, denn nicht jede Information die man erhält entspricht der Wahrheit, wenn sich die Situation, in welcher man sie erhält, doch erst später als Illusion entpuppt. Dem Sehwert und dem Unterhaltungswert schaden diese vielen Impulse die auf den Zuschauer einregnen jedoch selbst beim ersten Sichten nicht. Und da der Autor der, angeblich auf einer Fortsetzungsromanreihe einer Zeitung basierenden, Geschichte stets den Überblick behält und damit „Paprika“ nicht einfach nur zum surrealen Erlebnis für Freunde bewusstseinserweiternder Drogen werden lässt, ist der Film tatsächlich so intelligent und fantasiereich ausgefallen wie er sich gibt, so dass der mitdenkende Zuschauer irgendwann durchblickt und man wahrlich nicht mehr von Überfrachtung im negativen Sinne reden kann. Wenn überhaupt müsste man die Überfrachtung als Teil des Rätsels sehen, welche es zu durchblicken gilt, und damit wäre sie sogar ein stilprägender Teil des Gesamtwerkes und damit mit voller Absicht aus gutem Grund so gesetzt wie geschehen. sehenswert


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Donnerstag, 28. Juli 2016

21 JUMP STREET (2012 Phil Lord u.a.)


Schmidt war ein Streber, Jenko ein Sportler, deswegen verstanden sie sich auf der Highschool nicht. Als die beiden auf der Polizeiakademie wieder zusammentreffen freunden sie sich an und helfen einander. Auch nach der Ausbildung sind beide zusammen im Einsatz unterwegs. In der 21 Jump Street erhalten sie den Auftrag als verdeckte Ermittler als Schüler auf die Highschool zu gehen. Durch ein Missverständnis muss der Sportler den Schlaukopf und der Schlaukopf den Sportler mimen. Und inmitten von Partys und neuen Freunden wird der eigentliche Auftrag, die Suche nach dem Kopf hinter einem neu gestarteten Drogenring, zur Nebensache...


Der Leistungskurs Leukämi...

Ich kenne die brühmte Serie „21 Jump Street“ mit Johnny Depp nicht und habe damals nicht einmal zufällig reingeschaltet. Aber das war kein Hinderniss mit der Kinoversion mit Jonah Hill und Channing Tatum seinen Spaß zu haben, ist diese kleine Komödie, die von ihrer Idee her ein klein wenig an „Mord in der Highschool“ erinnert, doch ein kurzweiliges Stück Nonsens, zumindest wenn man keine hohen Erwartungen an einen derartigen Stoff hegt. Ich habe den Film der Regisseure Phil Lord und Christopher Miller nun bereits zum zweiten Mal gesehen, und aufgrund seines Tempos bleibt er auch dann interessant, kann man sich doch wahrlich nicht jeden Kalauer merken, der in dieser flotten Umsetzung abgefeuert wird.

Allerdings spielt da auch die Belanglosigkeit eine Rolle mit. „21 Jump Street“ ist so schnell geguckt wie vergessen. Er ist die angenehme Art des Fast Food-Kinos welches Hollywood einem immer wieder zuwirft. Die Komödie ist wahrlich sympathisch, aber auch nicht sonderlich innovativ. Zu viele Witze sind zu platt, als dass man den Streifen irgendwem wirklich weiter empfehlen könnte, und dass die Geschichte ohnehin ein austauschbarer, nichtssagender Witz ist, ist nun wirklich keine Überraschung. Allerdings stimmt die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern, und die Idee des Rollentauschs weiß, so ausgelutscht sie eigentlich ist, zu wirken.

Gute Laune am Set, der Mut sich für keinen Witz zu schade zu sein und der Versuch Komik auf verschiedenen Ebenen zu verwenden, machen diesen Schnellverzehr interessant genug um ihn sich wirklich einmal gönnen zu können. Im direkten Vergleich hat die Fortsetzung „22 Jump Street“ jedoch die Nase vorn, wird dort die Medien-reflektierende Komik, die hier noch etwas zu bemüht ausfällt, doch pointensicherer eingebaut, und auch kurze Längen, die sich im Original trotz des hohen Tempos finden, werden in der Fortsetzung weggebügelt.

Dennoch weiß auch Teil 1 zu gefallen, allein schon weil er die Öko-Teens von heute aufs Korn nimmt, die Umweltschutz pseudo-ideologisch anstatt aus wirklichem Engagement zelebrieren. Und gerade in diesem Bereich weiß die Besetzung des Oberbösewicht-Schülers zu gefallen, der von James Francos Bruder Dave Franco unglaublich lustig verkörpert wird. Ihn zusammen neben seinem Bruder zu erleben, am besten in einer Seth Rogen-Komödie, stelle ich mir sehr humorfördernd vor. Im hier besprochenen Werk kommt er ein wenig zu kurz, aber die Nebenfiguren haben ohnehin der dominanten Präsenz ihrer beiden Helden zu weichen, und da diese auf simple Art wissen wie sie ihr Publikum belustigen, geht das auch als okay in Ordnung. Erst wenn die Originalbesetzung der Ur-Serie für einen sehr gelungenen Gastauftritt ins Geschehen tritt, müssen auch Hill und Tatum kurzfristig zur Seite treten und die Manege wem anders überlassen. unterhaltsam



Mittwoch, 27. Juli 2016

A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT (2014 Ana Lily Amirpour)


Ein junger Mann, der gerade seinen Wagen an den Dealer verloren hat, der seinen hochverschuldeten Vater mit Drogen versorgt, trifft nach einer Party eine stets in der Nacht umherschleichende, in einen Tschador gekleidete, junge Frau und freundet sich mit ihr an. Dass die Fremde eine Vampirin ist, ahnt er nicht...


Eine fremde Faszination...

Nicht nur der Look und die fast schon stillstehende langsame Inszenierung von „A Girl Walks Home Alone at Night“ ist ungewöhnlich zu nennen, auch dass ein persischer Film, Farsi gesprochen und mit iranischer Mentalität versehen, komplett unter amerikanischer Finanzierung entstand ist sonderbar. Dementsprechend ist der Film von Ana Lily Amirpour, den Elijah Woods mitproduziert hat, überall stets als amerikanischer Film gelistet. Das liest sich sonderbar, und spätestens wenn man die in einem Tschador gekleidete Frau sichtet blendet man das Herstellungsland auch komplett weg. Das hier besprochene Vampir-Drama mag ein moderner Film sein, dennoch ist er durch und durch ein persischer.

Wie einst „The Addiction“ und „Nadja“ in Schwarz/Weiß gehalten, weiß der Verzicht auf Farbe auch in diesem Vampirfilm zu wirken und kleidet „A Girl Walks Home Alone at Night“ mit seinen stilvoll fotografierten Bildern in ein künstlerisch wertvolles Gewandt. Der hypnotisch stille Inszenierungsstil sorgt für die angenehm triste Stimmung. Erzählt wird ein Drama, in welchem es fast schon egal ist ob ein Vampir in der Geschichte auftaucht oder nicht. Bis auf ihren Blutdurst und der spitzen Zähne unterscheidet sich die Blutsaugerin nicht nennenswert von den anderen hier anzutreffenden Personen. Sie ist ebenso verwirrt wie diese, feststeckend in einem Zustand zwischen Gut und Böse, desillusioniert lebend in einer kaputten und korrupten Welt, in der es mehr Elend als Freude zu geben scheint.

Während sie dies, trotz ihrer depressiv durchschimmernden Art, fast schon gleichgültig werden lässt, ist die männliche Hauptfigur schon frustrierter gezeichnet. Die versucht zwar immer ihrer Rolle als harter Mann gerecht zu werden, so wie es der heruntergekommene Wohnort von einem verlangt um hier überleben zu können, aber die seelischen Wunden brechen durch. Der junge Mann ahnt nicht, dass seine neue Bekanntschaft ein Vampir ist. Er weiß nur dass sie einiges auf dem Kerbholz hat, hat er sie doch das erste Mal gesichtet als sie aus dem Haus des frisch verstorbenen Dealers heraus kam, der anbei die einzige Figur im Film ist die komplett böse charakterisiert wird.

Vielleicht bleibt es Interpretationssache, aber ich hatte den Eindruck dass der zentrale Anti-Held bis zum Schluss nicht weiß was die junge Frau ist, zu der er sich instinktiv, ohne etwas von ihr zu wissen, hingezogen fühlt. Wahrscheinlich ist es auch nicht wichtig, der Vampir beißt nicht wahllos, handelt stets zweckmäßig, in Gefahr befindet sich ihr neuer Verbündeter somit nicht. Beide tun sich gut. Die reine Anwesenheit des jeweils anderen reicht bereits dafür aus. Zärtlichkeit braucht nur in harmloser Form aufzutreten, um der Seele in einem gefühlskalten Ort wie Bad City neue Kraft und Mut zu schenken.

Der Name der Stadt ist das einzige was dem Streifen einen kleinen Comic-Look beschert. Der sehr ernste und erwachsene Film besitzt ansonsten keine Popkorn-Elemente oder irgendwelche Übertreibungen, die ihn in eine Art Parallelwelt katapultieren. Nicht einmal das Skateboard, das im Covertext suggerieren soll es mit der Vampirin mit einer schrägen Filmfigur zu tun haben zu sollen, ist von Bedeutung und wird von der Blutsaugerin nur kurz benutzt, ohne dass der Vampir dadurch schräg oder schrill wirkt. Das ist alles in sofern interessant, als dass der Film nicht nur auf dem gleichnamigen Kurzfilm der Regisseurin beruht, sondern auch auf einem Comic. Dennoch spielt „A Girl Walks Home Alone at Night“ von der Anwesenheit eines Vampirs einmal abgesehen in der Realität. Er spielt in einer tristen Realität und ist dementsprechend aus einem solchen Blickwinkel erzählt, so dass die Wirklichkeit trotzdem fremdartig wirkt. Aber selbst das persische Flair verfremdelt das Gezeigte nicht all zu sehr für die Augen der von christlichen Ländern geprägten Zuschauer.

Interessant finde ich es wie Amirpour den Vampir in Szene setzt. Ihr Auftauchen nachts, gekleidet in diesem Tschador, verleiht ihr eine düstere Mystik. Bedrohlich sieht sie aus und nicht unterdrückt, wie europäische Augen eine so gekleidete Frau gerne interpretieren. In Nahaufnahmen wirkt sie jedoch lediglich wie eine frustrierte, strenge Frau, hübsch anzuschauen, glaubwürdig in Szene gesetzt, so dass man versteht dass Männer ihr verfallen können. Dass sie in diesen Momenten keine unheimliche Aura ausstrahlt ist egal. Es gibt dem vorherigen Erscheinungsbild aus der Ferne keinen Abbruch. Der Vampir ist optisch beides was der Film und die in ihm enthaltenen Figuren ohnehin verkörpern und auch das was der Verzicht auf Farbe uns deutlich machen soll. Das Schwarz und Weiß steckt in uns allen. Frust, Wut und Trauer beherrschen den Alltag. Ein Streicheln über die Wange kann da schon einiges ändern. Diese Zärtlichkeit haben Menschen auch dann verdient, wenn sie hin und wieder schlimme Dinge tun. „A Girl Walks Home Alone at Night“ ist Horror und Drama, seine Helden sind gut und böse, sein Bild ist schwarz und weiß. sehenswert


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INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR (Interview with the Vampire: The Vampire Chronicles 1994 Neil Jordan)


Nachdem er Frau und Kind verloren hat, ist der im 18. Jahrhundert lebende Louis des Lebens überdrüssig und sehnt sich nach dem Tod. Der Blutsauger Lestat macht ihn zu Seinesgleichen und leitet ihn an Vampir zu sein. Im Gegensatz zu ihm bleiben Louis jedoch Gewissen und Mitgefühl, so dass er eher Tiere tötet, bevor seinetwegen ein Mensch geopfert werden muss...


Eine ewige Strafe...

„Interview mit einem Vampir“ ist ein pompös inszenierter Kostümfilm, der so eine Art Vampir-Oper ohne Musik sein möchte, ein großes Epos der großen Gefühle, ganz großes Kino eben. Das macht ihn interessant und gut, während es ihm gleichzeitig seiner Möglichkeiten beraubt, ist die von Anne Rice selbstgeschriebene Filmversion ihrer eigenen Literaturvorlage doch derart laut und aufgesetzt in ihrer Art, dass dies nur bedingt mitreißt. Alles wird höchst theatralisch präsentiert, das Schauspiel besteht fast einzig aus dem Überagieren seiner Stars, während epochale Klänge die Hintergrundmusik bilden in einem Werk, für dessen Kulissen man keine Kosten und Mühen scheute.

Dank einer interessanten Geschichte und der emotionalen Art der Hauptfigur weiß das trotz aller Übertreibungen zu gefallen, was allein schon aufgrund der schlechten Performance der Stars verwundern darf. Brad Pitts Ruf lediglich der untalentierte Schönling zu sein, dürfte mit „Interview mit einem Vampir“ entstanden sein, spielt er doch hölzern und stumpf drein blickend, und damit gar nicht so gut wie er es zumindest wenige Jahre später schon besser konnte und besagtem Ruf überhaupt nicht mehr gerecht wurde.

In den lässigen und faszinierten Szenen weiß Christian Slater mit seiner üblichen Schurkenvisage zu überzeugen, aber wenn es um wahre Emotionen geht, gerade dann wenn er bemerkt dass sein Gegenüber tatsächlich ein Vampir ist, verkommt sein Blick zur überforderten Fratze eines Neulings seines Berufes, und der in „Heathers“, „Hart auf Sendung“ und Co so stark spielende Slater wirkt nur noch peinlich.

Passend zu diesen mageren Schauspielleistungen gesellt sich die hier noch sehr junge Kirsten Dunst hinzu, die im Gegensatz zu Brad Pitt tatsächlich nur aufgrund ihres Aussehens berühmt wurde und hier lediglich aufgrund ihres morbiden Charakters und wegen ihres theatralischen Spieles zu wirken weiß. Meist darf sie hierfür jemand Älteres anschreien. Eine wirklich gute Kinderleistung wie wir sie von Chloë Grace Moretz in „Let Me In“ sehen durften oder von Natalie Portman in „Léon - Der Profi“ ist das hier Dargebotene jedoch nicht.

Erstaunlicher Weise ist es der sonst so blass und versteift agierende Tom Cruise, der von den anwesenden Stars am ehesten zu wirken weiß, allerdings hilft die sehr gut umgesetze Maske da auch ordentlich nach, und ansonsten darf er (überagierend wie jeder hier) den Oberfiesling spielen, was nicht zwingend feine schauspielerische Facetten erfordert. Dem Film tut sein Drang zum Sadismus jedoch gut, auch wenn man immer das Gefühl hat, dass da ein Stück privater Tom Cruise mitspielt. Daran sieht man einmal wie beeinflusst man von der Yellow Press sein kann, selbst dann wenn man sie recht erfolgreich meidet.

Neben dem Ausflug in verschiedene Zeitepochen und diverse Länder, ist es die Geschichte um das junge Mädchen herum, welches dem Stoff den nötigen Zunder beschert mehr zu werden als ein olles Affentheater in tuntigen Kostümen. Nicht nur die unterschwellig mitschwingende pädophile Thematik, wie wir sie im selben Jahr auch ähnlich subtil angedeutet in „Léon - Der Profi“ miterleben durften, besitzt ihren Reiz. Allein dass die Kleine eine ähnliche Bestie wie ihr Mentor Lestrat ist weiß zu gefallen. Und wenn das Mädchen erkennen muss, dass es bis in alle Ewigkeit ein Mädchen bleiben muss, ergänzt dies gekonnt die Tragik um Louis Charakter.

Dass es unter Vampiren eigentlich verboten ist einen Menschen so jung zu verwandeln, ist nur ein Einblick von wirklich vielen Ideen wie Vampire denken und was das Vampisein so mit sich bringt. Auch die Phase die dieser voraus geht, die große Sinnsuche eines Blutsaugers, der von seinem Mentor keine Hintergründe erklärt bekommen hat, besitzt erzählenswerte Kraft, so dass es genug Pluspunkte gibt dem eigentlich sich selbst viel zu geil findenden Film genug abzugewinnen um mit ihm seinen Frieden zu schließen. „Interview mit einem Vampir“ mag sich einem erwachsenen Publikum nicht ohne Kompromisse erschließen, geht man diese ein erlebt man jedoch einen mitreißenden Film. sehenswert


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Dienstag, 26. Juli 2016

SO FINSTER DIE NACHT (Låt den rätte komma in 2008 Thomas Alfredson)


Als in die Nachbarschaft die fast gleichaltige Eli zieht, freundet sich der von den Erwachsenen nicht beachtete Außenseiter Oskar mit ihr an, nichts ahnend dass die Kleine ein Vampir ist...


Oskar, der Nachfolger...

Da mir die Leistung von Chloë Grace Moretz in „Kick-Ass“ damals sehr gut gefiel, griff ich seinerzeit ausnahmsweise erst zum Remake des hier besprochenen Filmes, anstatt direkt das Original zu sichten. Ich habe mich direkt in die sehr sensibel erzählte Geschichte verliebt und den Film einige Male geschaut, mich nicht an das Original trauend, da das Remake „So finster die Nacht“ sehr detailgetreu nachempfunden sein sollte und ich mir Sorgen machte, ob die Kinder aus der Erstverfilmung so gut agieren würden wie in der US-Version. Auch ob die Erstverfilmung ebenso emotional sensibel mit dem Stoff umzugehen wusste ließ mich zweifeln, stammt sie doch aus Europa, wo Filme oft realitätsnäher und damit emotional weniger dick aufgetragen ausfallen. Was eigentlich eine positive Eigenschaft des Europakinos für mich ist, wurde hier ausnahmsweise zu einer Befürchtung, so zart, sanft und lieblich sich das Remake schaute.

Jetzt wo ich „Let Me In“ einige Zeit nicht mehr gesehen habe und ohnehin gerade einen Streifzug durch das Sub-Genres des Vampirfilms mache, war die Zeit endlich reif dem Original die Beachtung zu schenken, die er als Ideengeber und Vorreiter des Remakes ohnehin längst verdient hatte. Und ich freue mich, dass er mir ebenso gut gefällt wie die zuerst von mir gesichtete Fassung. Generell würde ich keine der anderen vorziehen, allerdings bleibt ein Original immer ein Original, gerade wenn so direkt kopiert wurde wie hier. Das was „Let Me In“ verändert hat, hat er gut verändert, zumindest für ein einfühlsames, glatt geschliffeneres Kinoerlebnis.

Wer es jedoch realistischer, subtiler und rauer mag, dem wird freilich die schwedische Version wesentlich besser gefallen, ist sie doch noch mehr in der Kinderwelt zu Hause als das in diesem Punkt gar nicht so schlechte Remake. „So finster die Nacht“ fühlt sich echter an und ist zudem nicht wie befürchtet gefühlskälter als die Neuverfilmung ausgefallen. Bereits hier in der Originalversion wird eine herzliche Geschichte erzählt, in welcher der Junge im Zentrum nicht ganz so sozial abgeschottet lebt wie er es im Vergleichsfilm tut, die Beziehung zu seiner Mutter ist hier schließlich noch recht liebevoll dargestellt, so dass bereits die Erstverfilmung ein gefühlsintensives Vampir-Drama ist und dem Zuschauer damit das beschert, was der Kinoerfolg „Twilight“ in seiner dümmlichen Art nur vorgaukelte zu sein.

Trotz der Kinder im Zentrum wird hier im Gegensatz zur besagten Vampirschnulze ein erwachsener Stoff erzählt, nicht nur was die Horrorthematik und ihre teilweise harten Bilder betrifft, sondern gerade was das soziale Verständnis und die Gefühlswelt der Protagonisten betrifft schaut sich „Let the Right One In" (Alternativtitel) sehr reif und durchdacht.

Zudem ist „Låt den rätte komma in“ (Originaltitel) so wunderschön fotografiert wie das Remake, schaut sich auch hier im Vergleich rauer und düsterer, und das weiß sehr zu gefallen. Dass „So finster die Nacht“ kein guter Film sein könnte, hatte ich nie befürchtet, es konnte nur ein hervorragendes Werk sein, wenn der sich so gefühlsintensiv schauende „Let Me In“ sogar noch als Blaupause so gut zu funktionieren wusste. Aber dass das Original keineswegs wesentlich nüchterner umgesetzt wurde und bereits hier schon großes Gefühlskino vermittelt wird, hatte ich so nicht erwartet und macht damit das Remake tatsächlich komplett austauschbar, zumal die Kinderdarsteller hier gekonnt in Szene gesetzt werden, so dass kaum auffällt dass sie eigentlich schwächer spielen als die amerikanische Besetzung. sehenswert


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Montag, 25. Juli 2016

SUCK - BIS(S) ZUM ERFOLG! (Suck 2009 Rob Stefaniuk)


Erfolglos tourt die Rock-Band „The Winners“ durch die Gegend. Erst als ihre Bassistin durch einen Biss zum Vampir wird, bekommt die Band erste Aufmerksamkeit. Der Vampir-Look kommt bei den Fans an, und so nach und nach wird jedes Bandmitglied zu einem Blutsauger um die Popularität zu steigern. Lediglich Frontmann Joey ist sich nicht sicher ob er diesen Schritt gehen soll...


Rock‘n Roll Vampire...

Wer ein Grusical wie „Der kleine Horrorladen“, „Das Phantom im Paradies“ oder „Sweeney Todd“ erwartet, muss sich während des Guckens umorientieren oder gleich die Finger von „Suck“ lassen. Auch wer eine Rock-Oper wie „Tommy“ oder „Repo! The Genetic Opera“ hinter dem von Rob Stefaniuk inszenierten Film vermutet irrt sich. „Suck - Bis(s) zum Erfolg“ ist lediglich eine mit allerhand Rockmusik angereicherte Horror-Komödie. Gesungen wird bis auf eine einzige Ausnahme lediglich auf der Bühne oder im Studio, und da die Songs sich weder mit den Erlebnissen im Film auseinandersetzen, geschweige denn diese weiterführen, sind es keine Musical-Sequenzen. Nicht einmal der fortlaufende auf der DVD enthaltene Untertitel übersetzt die Texte während die Lieder spielen.

Wer mit großen Rock-Hits rechnet oder einem überdurchschnittlichen Horrorfilm, der erwartet zu viel, bietet „Suck“ in beiden Bereichen doch lediglich angenehmen Durchschnitt, was bedeutet dass das Sichten dieses gar nicht so ungewöhnlichen Filmes zwar keine Zeitverschwendung ist, aber auch keine Offenbarung. Die Geschichte schreitet ohne große Überraschungen flott und unterhaltsam voran und wird lediglich durch sympathisch schundige Stop Motion-Effekte individueller, die zeigen wie der Tourwagen der Band zu sehen ist, wenn es von einem Gig zum nächsten geht. Wirklich mit dem Rest vereinen wollen sich diese Sequenzen stilistisch aber nicht, so dass sie eher wie ein sympathischer Fremdkörper in einem sonst ziemlich normal ausgefallenem Musikfilm wirken.

Nennenswert bleibt ansonsten lediglich die Idee die auf dem Papier animierte, voranschreitende Reiseroute, so wie wir sie z.B. aus den „Indiana Jones“-Filmen kennen, in Blut zu tauchen. Das weiß zu gefallen. Und Rock-Fans werden sich sicherlich über die überraschend groß ausgefallenen Gastauftritte der musikalischen Prominenz freuen. Alice Cooper und Iggy Pop wissen in ihren Rollen wahrlich zu wirken, die anderen Stars wie Moby machen aus ihrer Rolle nicht mehr als das was sie können und erfreuen somit den Musik-Fan ohne dabei den Ablauf der Geschichte mit ihrem gering ausgefallenem Schauspieltalent zu stören.

Als Ur-Gestein aus der Film-Szene ist Malcolm McDowell als Vampirjäger Eddie Van Helsing mit an Bord, der nicht nur herrlich schräg mit seiner ollen Augenklappe daher kommt, sondern zudem zu überraschen weiß indem ältere Filmaufnahmen von ihm für Rückblenden verwendet werden und dies für Aufnahmen, die früher einmal für einen anderen Zweck gedacht waren, gar nicht mal schlecht. Spätestens hier wird der Nichtkenner seines Namens den guten alten Alex aus „Uhrwerk Orange“ wiedererkennen, stammen die Filmschnippsel doch ungefähr aus dieser Zeit.

Der Rest besteht aus harmlosen, teilweise tatsächlich funktionierenden Witzchen, einer 08/15-Story, welche dem Rock‘n Roll-Vampire-Hype nicht die Show stielt, allerdings auch aus der etwas arg penetrant angegangenen Coolness wie toll es wäre Rock-Star oder Vampir zu sein, so dass sich „Suck“, gerade bei zu penetranter weißer Schminke der Protagonisten, eher wie der feuchte unreife Teenie-Traum nicht Erwachsengewordener guckt als wie eine ernstzunehmende Satire, wie „Suck“ es versucht an manch anderer Stelle zu sein, z.B. wenn der Band-Manager voreilig erst auf eine japanische Hip Hop-Band setzen möchte. Spaß macht dieses kleine kanadische Filmchen aber durchaus, vorausgesetzt man erwartet nicht zu viel. unterhaltsam


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5 ZIMMER, KÜCHE, SARG (What We Do in the Shadows 2014 Jemaine Clement u.a.)


Ein Dokumentarfilm-Team begleitet vier Vampire, die zusammen in einer WG leben, durch ihren Alltag...


Die Prozession der Schande...

Vampir-Komödien gibt es zu genüge, und gerade jene in denen der Horror fast auf Null zurückgeschraubt wird und das Komödien-Genre stark dominiert, gehen meist als uninteressante Werke in der Masse unter. Nur selten geschieht dies zu Unrecht, wie bei der sympathischen Teenie-Komödie „Liebe mit Biss“ oder Jim Carreys frühem Film „Einmal beißen, bitte“. Noch seltener werden Werke dieser Gattung zu Berühmtheiten so wie es „Tanz der Vampire“ schaffte. Meist sind es zu brav ausgefallene Werke wie „Mein Großvater ist ein Vampir“ oder zu blödsinnig und bemüht ausgefallene Beiträge wie „Beverly Hills Vamp“.

Die richtige Gewichtung Herumgeblödel findet sich in der Regiearbeit „5 Zimmer, Küche, Sarg" von Jemaine Clement und Taika Waiti, der auf ihrem Kurzfilm „What We Do in the Shadows“ basiert, dessen Titel auch der Originaltitel der Langfilmversion ist. Gedreht im Found Footage-Verfahren als eine Pseudo-Doku nutzt er diese oft ungern gesehene Methode in einer Vielfältigkeit, so dass dem mit allerhand Ideen versehenem Streifen nie die Luft ausgeht. Parodiert wird keine Vorlage speziell, auch wenn das Aussehen von Vampir Petyr speziell Max Schrecks Rolle aus „Nosferatu“ nachempfunden wurde.

Generell parodiert man lediglich die üblichen Vampir-Klischees, vernachlässigt es aber nicht bei der Charakterisierung jedes Einzelnen auf deren Alter und somit auf deren Herkunftszeit zu achten, so dass das Zusammentreffen verschiedener Kulturen auf die unterschiedlichste Art angegangen werden kann. Wenn später noch Werwölfe, Zombies und Hexen hinzustoßen überspannt das keinesfalls den Bogen. Der Einfluss dieser Zusatzgestalten wird klein gehalten, so dass er zwar den Bereich des Kulturzusammentreffens bereichert, aber nicht überschwemmt oder den Schwerpunkt der Komödie aus den Augen verliert.

Mit zu der besten Idee gehört der Informatiker Stu, der ein Kumpel eines erst kürzlich zum Vampir gewordenen Blutsaugers ist, und der von der Vampir-Clique toleriert wird, nach kurzer Zeit sogar richtig gemocht. Die Komik entsteht über seine zurückhaltende, fast schon langweilige Art. Dass er von Vampiren umgeben ist juckt Stu nicht, es sind halt die Kumpels seines Kumpels, und mit denen hängt man halt ab.

Dass der neu dazugestoßene Vampir hingegen ein Großmaul ist, der allen Leuten erzählen muss dass er ein Vampir ist und der seine Fähigkeiten nicht nur gut getarnt im stillen Kämmerlein nutzt, sorgt für zusätzliches Humorpotential, aber auch für eine der ärgerlichsten Fehlentscheidungen des Drehbuchs, ist besagter Neuling doch Schuld am Tod eines der WG-Bewohner, dessen Charakter bis zu seinem frühen Dahinscheiden nicht genügend ausgekostet wurde, bei all dem Potential was in der Figur leider verborgen blieb.

An sich gibt es aber nichts zu meckern an dieser unglaublich witzig, wenn auch manchmal hemmungslos albern, ausgefallenen Komödie, in der jeder Beteiligte gut aufgelegt zu sein scheint. Zumindest glaubt man zu meinen, dass die Spielfreude eines jeden Einzelnen einen geradezu anspringt, und diese Laune steckt freilich auch den Zuschauer an, der nach einer Phase des kritischen Hinsehens erleichtert feststellen darf, dass die Idee, die nach begrenztem Haltbarkeitsdatum roch, sich doch als gute Unterhaltung auf Spielfilmlänge herausstellt.

Sicherlich wirkt manches zu Episoden-haft, und einige Zeitsprünge beweisen, dass es nicht ganz einfach war fast die 90 Minuten-Grenze zu erreichen. Dem Sehspaß selbst tut dies jedoch keinen Abbruch. „5 Zimmer, Küche, Sarg“ schaut sich nie brüchig und besitzt auch keinen Leerlauf. Selten wurde Multi-Kulti so unverkrampft humorvoll und ohne erhobenen Zeigefinger zelebriert wie in der hier umgesetzten äußerst sympathischen Komödie. sehenswert


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BLUT AN DEN LIPPEN (Les lèvres rouges 1971 Harry Kümel)


Ein jung vermähltes Paar steigt in einem feinen Hotel in Belgien ab und begegnet dort den einzig weiteren Gästen außerhalb der Saison, Gräfin Bathory und ihre rechte Hand Ilona. Auf geschickte Art drängt sich die Gräfin in die Gesellschaft der beiden und bringt sie tückisch auseinander, ist sie als Vampir doch auf der Suche nach einer neuen Lebensgefährtin...


Vom Unterdrücken und Unterdrücktwerden...

Der Vampirismus ist je nach Blickwinkel Fluch und Segen zugleich, oftmals symbolisch auch in sexuellen Sinne. So könnte man „Blut an den Lippen“ trotz all seiner Freizügigkeit doch als Metapher gegen sexuelle Abnormitäten verstehen, gerät doch eine heterosexuelle Frau zwischen die Fronten von einem sadistisch veranlagten Mann und einer homosexuellen Frau, die dem armen Ding, dominant wie sie beide veranlagt sind, ihre Sexualität aufzwängen wollen. Deutet man den finalen Unfall nicht als Versehen, sondern als gut getarnte Ausflucht, so war die einzige Chance der devoten Rolle zu entkommen selbst ein dominanter Charakter zu werden, die Verzweiflungstat einer Frau die traditionelle Sexualiät nie kennen lernen durfte.

Man kann den subtilen Streifen, der meist nur mit Vampirsymbolik arbeitet, auch so betrachten, dass die andersartige Sexualität als Rettung aus dem moralisch vorgeschriebenem Beischlaf zu verstehen ist, innerhalb einer Beziehung in welcher sich traditionell gesehen die Frau dem Mann unterzuordnen hat. Aber wie auch immer man den meist angedeuteten Film deutet, in dem mehr nicht passiert als dass etwas passiert, so oder so handelt er von der Manipulation des Vampirs, der einen festen Plan verfolgt und die sich frei und selbstständig fühlenden Menschen dafür wie Marionetten benutzt. Es bleibt Deutungssache welche Taten des Pärchens oder auch der rechten Hand der Gräfin aus freien Stücken passieren und wann diese bereits fremdgelenkt sind.

„Solo für einen Vampir“ (Alternativtitel) ist sehr langsam inszeniert, in wunderschöne Bilder getaucht und weiß genau was er erzählen will. Er mag somit ein kleines Kunstwerk sein, welches zu Recht hohe Beachtung verdient, das entschuldigt jedoch nicht die zu lang gezogene erste Hälfte, die es zwar vortrefflich schafft Stimmung zu erzeugen, ein Gefühl für die grundlegende Situation zu vermitteln und mit scheinbaren Wichtigkeiten, die zu Nebensächlichkeiten verkommen, abzulenken, damit man erst spät merkt dass es die scheinbaren unbedeutenden Dinge des Films sind, die zu Wichtigkeiten werden. Ich verstehe also durchaus was Harry Kümel möchte und dass ihm nicht einzig an einem ollen Unterhaltungsfilm gelegen ist. Ich finde es jedoch nicht sehr aufregend wie Kümel vorgegangen ist und hätte mir zur Auflockerung tatsächlich einen sleazy Touch gewünscht, der „Les lèvres rouge“ (Originaltitel) zu einer Art Schundkunst anstatt zu Kunst macht. Trotz aller Faszination, die der Streifen auch in mir auslöst, fehlt mir etwas, etwas dass ich nicht beschreiben kann. Einfach ein Etwas welches die dennoch gefühlte Leere hätte ausfüllen müssen, welche der mir zu langgestreckte Film eindeutig besitzt.

Theoretisch bewundere ich dieses außergewöhnliche, mit Liebe für Feinheiten inszenierte Stück Film, praktisch wollte er sich mir emotional aber nicht erschließen. Er ließ mich außen vor, so dass ich zwar immer zu einem guten Teil erkannte was passiert, geglaubt werden soll und versteckt erzählt ist, „Daughters of Darkness“ (Alternativtitel) zog mich jedoch nicht in seinen Bann. Ich saß vor dem Bildschirm in einem Mix aus Bewunderung und Gleichgültigkeit und hätte mir gewünscht, dass dieses kultisch verehrte Werk auch mich ergriffen hätte. Aber seine Umsetzung war mir zu nüchterner Natur. Und einen gewissen Grad Unterhaltungswert benötige ich in jedem Film den ich liebe. „Blut auf den Lippen“ (Alternativtitel) liebe ich nicht. Ich mag und schätze ihn großteils nur theoretisch und intellektuell. interessant


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Sonntag, 24. Juli 2016

NEAR DARK - DIE NACHT HAT IHREN PREIS (Near Dark 1987 Kathryn Bigelow)


Caleb verguckt sich in die fremde Frau namens Mae, die in seiner Kleinstadt auftaucht. Doch als diese ihn beim ersten Rendezvous beißt wird von nun an alles anders. Die junge Frau ist ein Vampir, und Caleb ist von nun an auch einer. Gemeinsam unterwegs mit Maes höchst fragwürdigen Vampirfreunden muss er lernen sich den Gesetzmäßigkeiten des Vampirseins zu unterwerfen. Generell hätte er damit keine Probleme. Lediglich das Töten von Menschen bringt er nicht übers Herz. Die Vampire geben ihm eine Woche sich zu bewähren...


Die dunkle Seite der Macht...

In den 80er Jahren sind so einige Vampirfilme entstanden, die das alte Thema neu aufpeppen wollten, meist in Form einer Horror-Komödie. Und während es „Fright Night“ gelang dadurch eine eigene Identität zu entwickeln und zu einem sehenswerten Beitrag seiner Gattung zu werden, da kranken andere Versuche dieser Art an typischen Eigenschaften des beliebten Jahrzehnts, auch „Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis“, den man zwar durchaus einmal gesehen haben kann, seinem Ruf als Kult-Hit aber so wenig gerecht wird wie der gefeierte und dem hier besprochenen Werk gar nicht so unähnliche „The Lost Boys“.

Diese beiden Werke und auch „Fright Night 2“ setzen etwas zu arg auf die Coolness ihrer Figuren, um das Ergebnis außerhalb der Pubertät all zu ernst nehmen zu können. Dies in Kombination mit einem poppigen, emotional aber zu unterkühlten Stil, also der Musik seiner Zeit nicht unähnlich, lässt diese Werke zu theoretisch wirken, so dass sie sich heutzutage nicht mehr so entfalten können, wie sie dies scheinbar in den Augen des damaligen Publikums zu ihrer Entstehungszeit konnten.

Modernisiert wird die Vampirthematik in „Near Dark" speziell durch sein Western-Flair und der Tatsache dass Vampire nicht in Särgen schlafen, sondern stattdessen mit dem Campingwagen unterwegs sind. Auch die Idee der Bluttransfusion und die von mir sehr geschätzte Idee, dass ein Vampir einen anderen mit seinem Blut ernähren kann, daran aber auch sterben kann, peppen den altbekannten Stoff auf und verleihen dem Film einen gewissen Grad Individualität.

„Near Dark“ ist im Gegensatz zu den Vergleichsfilmen kein humoristischer Genre-Beitrag. Kathryn Bigelows Vampirstreifen ist ernst und hart erzählt und mit einer kleinen Dosis Dramatik und Romantik angereichert, ein Zusatz der durch die morbide, düstere Umsetzung zwar eine gewisse Kraft besitzt, aufgrund der Unnahbarkeit zu den Figuren aber nicht intensiv genug, um es diesbezüglich mit Werken wie „Let Me In“ oder „Maggie“ aufnehmen zu können. Coolness ist nun einmal nicht alles und versperrt einer emotional erwachsenen Umsetzung den Weg, was fatal ist für einen Streifen den man in Deutschland erst ab 18 Jahren offiziell gucken darf.

Trotz seiner unterkühlten Art funktioniert „Near Dark“ aber recht passabel. Seine Effekte sind nicht von schlechten Eltern, und selten habe ich es in diesem Sub-Genre erlebt, dass sich ein Werk so intensiv mit den Folgen von Sonneneinstrahlung auf Vampirkörpern befasst. Was die Trickkiste hier liefert, wenn Haut zu dampfen und zu brennen beginnt, ist ein Augenschmauß, sicher auch der von mir angekreideten Coolness geschuldet, Rammstein lässt grüßen, aber deswegen noch lange nicht lächerlich oder peinlich ausgefallen.

Allerdings kann man dem Drehbuch, gerade weil es auf dieses Gebiet ein spezielles Auge geworfen hat, vorwerfen, dass dies die Handlungsweisen der Vampire um so unsinniger erscheinen lässt, bereiten die sich doch scheinbar nie auf den bevorstehenden Tag vor und werden immer wieder von den ersten Sonnenstrahlen überrascht. Eine clevere Bande ist das nicht. An ein cleveres Publikum ist „Near Dark“ mit seinem Hauptaugenmerk auf äußere Schauwerte aber ohnehin nicht gerichtet, und wem es reicht eine Western-ähnliche Atmosphäre in dünnem Plot zu erleben, in der es fast nur Charaktere gibt die sich pausenlos einen Schwanzvergleich darüber liefern wer der härteste Kerl des Universums ist, der wird mit Bigelows Horrorfilm glücklich werden, in welchem sich immerhin allerhand B-Prominenz tummelt: Lance Henriksen, Bill Paxton, Jenny Wright, da sind einige Namen und Gesichter vertreten die man als Vielseher kennt. Ernst nehmen kann man dieses Stück Kurzweile jedoch nicht. unterhaltsam


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FROSTBITE (Frostbiten 2006 Anders Banke)


Die Teenagerin Saga zieht mit ihrer Mutter Annika in eine kleine Stadt. Saga wird auf eine Party eingeladen, auf der aus Mangel an Drogen unbekannte Pillen geschluckt werden, die ein Arzt des städtischen Krankenhauses entwickelt hat. Dieser untersucht unter dem Deckmantel der Gen-Forschung einen Vampir. Während Annika als neue Mitarbeiterin des Hospitals besagtem Arzt auf die Schliche kommt, verwandeln sich die Teenager auf der Party nach dem Verzehr des Medikaments langsam in Blutsauger...


Rave to the Grave...

Die atmosphärische Gegend, gerade im Winter, und die Landessprache machen es mir einfach Sympathie mit einem Horrorfilm aus Schweden aufzubauen. Das verleiht einem Werk aus diesem Land bereits ein eigenes, stimmiges Flair mit dem Optimismus und Neugierde geweckt werden. Da das ganze Szenario nun noch dauerhaft bei Nacht spielen darf, da es noch einen Monat lang dunkel bleiben wird, steht einer guten Stimmung bei guter Umsetzung nichts mehr im Weg. Und so bleibt es glücklicher Weise bei „Frostbite“ auch, der mit einer guten Besetzung, lobenswerter Kameraarbeit und einer interessanten Geschichte punkten kann und der positiven Ausgangslage somit gerecht wird.

Mit eher zurückhaltender Komik versehen gehört „Frostbiten“ (Originaltitel) zu dem Bereich der Horror-Komödie. Glücklicher Weise ist er einer jener Sorte in welcher der Horror-Part nicht zu kurz kommt. Anders Bankes Werk setzt auf eine düstere Stimmung ohne je ein wahrhaftig unheimliches oder gruseliges Werk zu inszenieren. Auch intensive Spannungsmomente sucht man vergebens, aber all dies benötigt „Frostbite“ mit seinen interessanten Charakteren und Szenarien nicht, die einen schnell und intensiv ans Geschehen binden, welches aus diversen nebeneinander her laufenden Plots bestehen, die einander beeinflussen.

Das meiste der Geheimniskrämerei erahnt man, Überraschungen gibt es nur sehr wenige. Dass es einen Monat lang Nacht bleibt verkommt zur Nebensache in einem Handlungszeitraum von einem Tag und wird somit nicht zu einer besseren Alternative zum mauen, ein Jahr später erschienenden „30 Days of Night“. Dafür wird er dies für den ebenfalls mauen "Return of the Living Dead 5", von dem man sich den Pillen-Hauptplot auf der Party entlieh.

Die einzelnen Geschichten bieten allesamt reizvolle Grundlagen und erzählen alle etwas anderes innerhalb einer in sich geschlossenen Vampirthematik. „Frostbite“ ist also kein Episodenfilm, wie man jetzt eventuell missverstehen könnte, jeder einzelne Handlungsstrang besitzt lediglich unterschiedliche Schwerpunkte innerhalb eines zusammenhängenden Geschehens. Und wenn man wie ich den langsamen Aubau einer Geschichte bevorzugt, dann wird man Freude daran haben zuzusehen wie Banke es geradezu zelebriert eine dichte Grundstimmung aufzubauen, Personen in Position zu bringen und den Spaß an der Vorfreude aufs Höchste herauszukitzeln.

Für die Explosion, zu der es zwangsweise irgendwann kommen muss, interessiert sich der gute Mann herzlich wenig, und das wird manchem Filmfreund nicht schmecken, genießt es Banke zwar drei Szenarien interessant einzuleiten und lange Zeit atmosphärisch packend in der Schwebe zu lassen, bei zwei von ihnen verpufft das Ganze jedoch in einem fast schon belanglosem Finale, einfach weil es ein Finale geben muss. Und da schließt „Frostbite“ mit eher mittelmäßigen Kämpfen, bevor er mit einer augenzwinkernden Pointe, die auch nicht wirklich vom Hocker reißt, aus dem Film entlässt.

Das liest sich negativ, und das werden auch viele Cineasten beim Sichten so empfinden, mir hat die ganze Chose jedoch so viel gute Unterhaltung beschert, dass es mir egal war, dass die letzten 20 Minuten von 97 Minuten Laufzeit nur noch Pflichtprogramm sind, und nicht mehr so einfallsreich ausfallen wie zuvor. Auch die letzte Phase ist immer noch wundervoll inszeniert, abgefilmt und gespielt. Und von der zu monströsen Gestalt des Obervampirs einmal abgesehen wissen auch die Kreaturen- und Spezialeffekte zu gefallen. „Frostbite“ verpufft jedoch inhaltlich, da muss man nichts schön reden. Ein nennenswerteres Finale wäre wünschenswert gewesen.

Jedoch nicht obligatorisch, wie sich zeigt, geht „Frostbite“ an seinem schwächelnden Finale doch nicht kaputt - höchstens für jene Zuschauer, die den sich sehr lange aufbauenden Plot als unangenehmes Zeitschinden empfunden haben. Die werden wahrscheinlich sogar das wesentlich rasantere Finale als den besten Part des Streifens empfinden. Für mich war Bankes Werk auf jeden Fall ein intensives und interessantes Erlebnis. Ich empfand die Stimmung in „Frostbite“ als düster und locker zugleich, ich mochte den zurückhaltenden Humor, empfand jeglichen Nebenplot als interessant und ebenso die Figuren. Dank einer atmosphärisch dichten Erzählung ist der Streifen somit für mich ein kleiner Geheim-Tipp geworden, auch wenn er am Schluss gar nicht so genau weiß wohin das, was er so sorgfältig aufgebaut hat, letztendlich führen soll. Einem gut inszenierten Film kann man so etwas Entscheidendes aber tatsächlich verzeihen. sehenswert


Weitere Reviews zum Film: 

THE CRAZIES - FÜRCHTE DEINEN NÄCHSTEN (The Crazies 2010 Breck Eisner)


Gerade stellt Sheriff Dutton zusammen mit seinem Deputy fest, dass ein abgestürztes Flugzeug scheinbar seit etwa einer Woche das Trinkwasser der Kleinstadt verseucht in welcher sie leben, was erklären könnte warum sich immer mehr Mitbürger merkwürdig und unberechenbar benehmen, da kreuzt auch schon das Militär auf, erklärt das Gebiet zum Quarantänegebiet und schnappt sich alle Bürger mit Gewalt und sperrt sie weg. Dutton, seine Frau, der Deputy und eine Teenagerin können dem Militär entkommen und versuchen irgendwie aus dem verseuchten Gebiet herauszukommen. Dort hat sich die Krankheit mittlerweile verstärkt und sämtliche Überlebende zu mörderischen Irren gemacht...


Die Welt dreht durch...

Bevor George A. Romero damals seinen Überraschungserfolg „Die Nacht der lebenden Toten“ mit „Zombie“ fortsetzen sollte, der das Untoten-Genre ebenso mitprägen sollte wie sein Vorgänger, da inszenierte der für seine Zombiefilme berühmte Mann einen Horrorfilm verwandten Themas. „Crazies“ war ein Infizierten-Horror, und der zusätzliche Clou zu den sich durch eine Krankheit irre benehmenden ehemaligen Durchschnittsbürgern war die zusätzliche Gefahr, die vom Militär ausging, welches die Gegend säubert, eine Idee die sich später auch „28 Weeks Later“ zu Nutze machen sollte.

In Zeiten in denen der Zombiefilm sich mit dem Infizierten-Horror immer mehr vermischte, verwundert es nicht dass es zu einem Remake des Romero Geheim-Tipps kam. Und dies kommt unerwarteter Weise wesentlich wuchtiger daher als das Original, setzt wenig auf stille Fluchtmomente, sondern lässt es wo es nur geht krachen und rumsen. Das ist gewöhnungsbedürftig und sicher nicht die beste Art eine derartige Thematik zu erzählen, aber zumindest der Unterhaltungswert gibt Regisseur Breck Eisner recht. Langweilig wird es nie.

Zudem wird die bereits bekannte Geschichte dadurch angereichert, dass die infizierten Personen eine Restpersönlichkeit ihres gesunden Ichs besitzen, was ihnen nicht nur individuelle Charakterzüge beschert, sondern es in der Anfangsphase der Erkrankung auch erschwert zu erkennen ob da wer bereits infiziert ist oder nicht. Damit einhergehend darf man über sich selber zweifeln ob man bereits irres Verhalten an den Tag legt oder nicht. Das ist ein faszinierender Stoff in einer Zeit, in welcher einem die Menschheit ohnehin recht geisteskrank vorkommt. Wesentlich besser setzte diese Idee jedoch der sehr billig produzierte und damit etwas schwerer zu konsumierende „The Signal“ drei Jahre zuvor um, der immer wieder mit der Wahrnehmung des Zuschauers spielte. „The Crazies - Fürchte deinen Nächsten“ wagt dies nicht, ist er doch am Sehverhalten des Massenpublikums orientiert und will dieses nicht überfordern.

Bei dieser Grundhaltung darf man um so überraschter sein, dass „The Crazies“ dennoch ein unterhaltsames Werk geworden ist, auch wenn ich nach den lobenden Worten im Internet, nun wo ich Ewigkeiten später das Remake zum ersten Mal gesichtet habe, mit mehr gerechnet habe. Das Tempo wird stets hoch gehalten und Spannungsmomente gibt es auch genug, aber neben dem zu altbekannten Szenario und den etwas zu durchschnittlich geratenen Charakteren, die keinerlei Tiefe besitzen, wird einem doch nie so ganz klar warum die Bande Überlebender oftmals so unerkannt durch die Gegend laufen kann, nicht gerade clever mitten auf den Straßen oder über Stoppelfelder laufend, inmitten eines Gebietes welches das Militär überwacht.

Hubschrauber und anderweitige Militärpräsenz tauchen nur dann auf wenn es dem Autor gerade passt. Und warum das Militär einen Stützpunkt verlässt, nachdem ein Autofahrer gefangene Zivilisten mit einer Amokfahrt befreit hat, erklärt sich auch nicht von selbst. Hier erwarten die Verantwortlichen des Streifens dann doch etwas zu penetrant, dass man sich als Zuschauer mit den Geschehnissen einfach abzufinden habe. Aber noch bevor man sich ernsthaft über einen derart dümmlich veranlagten Plot ärgern kann, befindet man sich schon wieder in einer anderen packenden Situation, so dass man nicht all zu streng mit der typischen Krankheit eines US-amerikanischen Unterhaltungsfilmes umgehen muss.

Ein wenig hat mich der Film aufgrund des Aussehens des Helden, aufgrund der Präsenz des Militärs während des Ausbruchs einer lebensgefährlichen Situation und aufgrund des auch hier vorhandenen Soundtracks von Mark Isham an „Der Nebel“ erinnert, den ich im Vergleich jedoch gelungener finde. Der durfte aber auch die Neugierde des Publikums lange Zeit aufrecht erhalten, wohingegen die Thematik von „The Crazies“ von Anfang an klar ist und mit weiteren Überraschungen geizt. Dank des höheren Budgets ist er vielen anderen Infizierten-Horrors jedoch vorzuziehen, ist er technisch doch auf hohem Niveau umgesetzt und der Unterhaltungswert konstant auf einem guten Level. Werke wie der etwas eigenbrödlerische, wenn auch trotzdem im Mainstream verankerte, „Carriers“ sind dem etwas zu austauschbaren „The Crazies“ jedoch vorzuziehen. unterhaltsam

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