Donnerstag, 30. Juni 2016

MONSTER (2005 Jennifer Kent)


Ein kleiner Junge behauptet ein Monster würde ihn fressen wollen. Recht schnell muss seine Mutter feststellen, dass der Knabe nicht phantasiert, und so legt sie sich ins Zeug ihr Kind zu retten...


So schlicht fing alles an...

Der Babadook“ ist ein Film der bei seinem Erscheinen recht schnell von vielen Seiten als großartiges Horrorerlebnis hochgejubelt wurde. Nicht jeder weiß, dass er auf dem Kurzfilm „Monster“ der selben Regisseurin beruht, ein Streifen der ganze neun Jahre auf seine Langversion warten musste. Woran das liegt weiß ich nicht, aber die Kurzfilmvariante ist um einiges schlichter und kindlisch verspielter ausgefallen.

Wo „Der Babadook“ tatsächlich gruseln soll, da nimmt „Monster“ das übliche Treiben von Filmen ähnlicher Geschichten bzw. das Klischee des von einem Monster bedrohten Kindes generell aufs Korn. Ein wenig vergleichbar mit „Larger Than Life“, der in der Langfilmfassung zu „Arac Attack“ wurde, ist der in Schwarz/Weiß gehaltene Kurzfilm eine Hommage an den Monsterfilm, komödiantisch gehalten aufgrund seines Umgangs mit den für das Thema typischen Klischees, nie aber einen albernen Ton anschlagend.

Während die Zeichnungen im Buch im Gegensatz zur Kinoversion noch eher langweilig ausgefallen sind, weiß das Monster selbst, sichtlich verkörpert von einem Schauspieler, zu gefallen. Die Puppe die alles auslöst, und die deutlich macht dass hier inhaltlich noch einiges anders läuft als im populären Nachfolger, besitzt ebenfalls ihren Reiz und wäre durchaus ein Gegenstand, den auch ich mir in die Wohnung setzen würde.

Während der Schluss von „Der Barbadook“ eine augenzwinkernde Überraschung ist, die auf den analytischen Teil der Geschichte bezogen ein zwingend nötiges Element ist, so ist selbiger in der Kurzfilmfassung die Pointe auf die alles Erzählte konsequent hinauslaufen muss. In diesem speziellen Falle empfehle ich allen den Langfilm vor der Erstverfilmung zu gucken, würde es doch einiges vom Überraschungseffekt kaputt machen und zu vieles zuvor bereits erahnen lassen, wenn man den Schluss kennt, wohingegen er beim augenzwinkernden Originalfilm lediglich eine Vollendung in Form eines schließenden Gags ist.

„Monster“ weiß zu unterhalten und ist auch liebevoll umgesetzt, besitzt aber keine nennenswerte Stärke, die ihn von vielen anderen pointierten Horrorfilm-Verbeugungen abhebt. Ähnlich wie die ihm folgende Langfilmversion muss man das Werk nicht über den grünen Klee loben. Wer aber mal kurzweilig unterhalten werden möchte auf einer schlichten Laufzeit von 10 Minuten, der kann beim Reinschalten nicht viel falsch machen, egal ob wir hier von Horror-Fans, gestressten Müttern, oder jeglichem anderen filminteressierten Publikum sprechen.

Montag, 27. Juni 2016

DIE BLAUE HAND (1967 Alfred Vohrer)


Der vermeintliche Mörder Dave Emmerson kommt nach einem psychologischen Gutachten in die Nervenheilanstalt Dr. Mangroves, wo ihm kurz darauf die Flucht gelingt. Von den Männern Scotland Yards eingefangen, kann er die Kriminalisten überzeugen nicht der Täter zu sein. Während ein Mörder mit einer blauen, tödlichen Metallhand weitere Bluttaten begeht, nimmt Dave im Elternhaus die Rolle seines Zwillingsbruders Richards ein um herauszufinden wer ihn als Mörder bezichtigen will. Inspektor Craigs Spuren führen inzwischen immer wieder in die Nervenheilanstalt von Dr. Mangrove...


Das doppelte Kläuschen...

Wenn man bedenkt wie schon lange vor der Rialto-Buntfilm-Phase die Grenzen zwischen normal und gesund im Edgar Wallace-Universum vertauscht, verdreht, vereint oder wild durcheinander gewirbelt wurden, klingt es nur konsequent dass gerade in Zeiten der schrilleren Verfilmungen dieser Zustand einmal näher in den Fokus rückt. „Die blaue Hand“ erzählt innerhalb seiner wie immer weit verzweigten, unübersehbaren Kriminalgeschichte von Missständen in einer Nervenheilanstalt, davon wie schnell aus einem Ort der Heilung bei solch schwer zu beurteilenden Faktoren wie geistig gesund und geistig krank ein totalitäres System werden kann, in welcher ein Arzt zum Gott erklärt wird, während Unwissenden nur daneben stehen können und Diagnosen akzeptieren müssen.

Schön ist die Idee des Streifens, dass ein solcher Arzt zum Verbrecherischen neigt und sich von Menschen bezahlen lässt, die wen Störendes aus ihren Familien entfernt haben möchten. Aber selbstverständlich steht hinter dieser bösen Masche in einem Wallace-Film mehr als eine olle betrügerische Aktion. Da gibt es Henker und Strippenzieher eines viel größeren Anliegens, welches sich im Hintergrund abspielt und für welches Dave Emmerson die ungewollte Marionette sein soll.

Ebenso wie sein Zwillingsbruder Richard, der jedoch relativ wenige Auftritte beschert bekommt, wird Dave gespielt von Klaus Kinski, der hier zum letzten Mal in einem klassischen Wallace-Stoff auftaucht und nur noch einmal gegen Ende, als die Rialto-Reihe in die Hände italienischer Filmschaffender fiel, für „Das Gesicht im Dunkeln“ zurückkehrte. Wie Heinz Drache einige Filme nach ihm, bekommt Kinski zum Abschied eine besonders schöne Rolle beschert, die der gute Mann auch hervorragend zum Besten gibt.

Sein Spiel und der Spielort der Nervenheilanstalt entschuldigen für den etwas zu vorhersehbaren Hintergrund der Aktionen. Wenn die selbe Generation Familienmitglieder ermordet wird, von der einer für verrückt erklärt wird, wenn der Verrückte einen Zwillingsbruder hat, und die Frau des Hauses lediglich die Stiefmutter der Kinder ihres Mannes ist, der nur 6 Monate nach der Hochzeit spurlos verschwand, dann weiß zumindest der Wallace-erfahrene Zuschauer was gespielt wird, auch wenn die üblichen Wendungen und Verzwickungen im Finale trotzdem noch für eine Zusatzüberraschung gut sind.

„Die blaue Hand“ ist ein wahrlich gelungener Streifen der Reihe, stilsicherer umgesetzt als der am Schluss mit lobenden Worten angekündigte Nachfolger „Der Mönch mit der Peitsche“, was an dem gekonnteren Mix aus Ernsthaftigkeit, Humor und übertriebener Comic-Elemente liegt, die wesentlich feiner aufeinander abgestimmt sind. Das zeigt sich sehr deutlich in der Rolle Sir Johns, die noch nicht völlig verblödet ist wie später und seinen Adelsstand noch in den Vordergrund setzt, so dass allein seine Ankunft auf dem Rücksitz eines Motorrades für ein treffsicheres Schmunzeln sorgt, wenn der gute Mann steif sitzend wie ein Ritter in strahlender Rüstung zur Rettung Inspektor Craigs und einer vermissten Frau herbei eilt.

Kam mir Harald Lepnitz, der aufgrund meiner Rückwärtssichtung der Reihe nun zum ersten Mal auftauchte und damit zum letzten Mal für die Reihe, zunächst etwas anonym und blass vor, so liegt ein erheblicher Anteil dass „The Bloody Dead“ (Alternativtitel) trotz seiner Vorhersehbarkeit so gut funktioniert, doch bei ihm, der mit nötiger Zurückhaltung und in den richtigen Momenten aktiv agierend aufgrund seiner Glaubwürdigkeit zu den besten Kommissaren gehört welche die Rialto-Reihe je hervorgebracht hat, und das muss schon was heißen bei all den sympathischen Gesichtern, die Wallace-Kommissare spielen durften.

Manches Mal wird selbst für Rialto-Verhältnisse mit dem Nebel übertrieben, aber ansonsten übertreibt Vohrer nie und stimmt den Mix aus Spaß und Ernst gekonnt ab. Mag ich den albernen, späteren Buntfilmen der Reihe auch mit Sympathie gegenüber stehen, so tut es gerade der in „Die blaue Hand“ erzählten Geschichte gut noch in einer Phase der Serie entstanden zu sein, wo man noch versuchte echtes Grusel-Flair einzufangen, wenn auch bereits verdünnt mit peppigen, grellen Momenten. Der Ernst der Geschichte tut dem Film gerade immer dann gut, wenn es um die Schicksale der Unfreiwilligen in der Nervenheilanstalt geht.

Hier würde jeglicher Klamauk an der Wirkung nagen. Das hat Regisseur Vohrer scheinbar bemerkt, so dass er gerade in diesen Szenen jeglichen Humor ausblendet und lediglich mit einigen reißerischen Elementen, wie dem Einsatz von Schlangen, arbeitet. Die humoristischen Anspielungen auf besonders bescheuert konstruierte Geisteskrankheiten oder den Wortspielereien zwischen Inspektor und Vorgesetztem spielen entweder in der frühen Phase des Films in der Anstalt oder kurz vor Schluss. Ab da wo es um die Schicksale hinter Gittern geht, pausiert die Komik. Sind alle in Sicherheit darf sie wieder einsetzen.

Dass Vohrer dennoch bereits hier den Nonsens-Spielereien verfällt, wie der Einsatz eines ganz besonders ausgeflippten Mechanismusses zur Aktivierung einer Geheimtür zeigt, oder allen voran der Einsatz der grellblauen Mörderkralle, geht aufgrund seiner Dosierung in Ordnung und bereitet mit dem noch vergleichsweise zaghaften Einstreuen dieser Elemente den Weg für zukünftige Stoffe schriller und lustiger ausgelegt sein zu dürfen, was den Spätfilmen der Reihe auch sichtlich gut tat. „Die blaue Hand“ hingegen dürfte aufgrund dieser Zurückhaltung eventuell sogar den Befürwortern der Schwarz/Weiß-Filme gefallen, die in der Regel mit der schrilleren Buntphase der Reihe nichts anzufangen wissen. Allein Kinskis gekonntes Spiel sollte zum Einschalten einladen.


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Sonntag, 26. Juni 2016

STUDENTIN, 19, SUCHT... (Mes chères études 2010 Emmanuelle Bercot)


Bereits im ersten Semester merkt die Studentin Laura, dass sie trotz ihres Nebenjobs die angefallenen Rechnungen nicht bezahlen kann. Zögernd antwortet sie auf eine Anzeige im Internet, bei welcher sie sich gegen Geld auf relativ harmlose Art prostituieren muss. Was als einmalige Sache gedacht war wird für Laura zu einem ständigen Ausweg an Geld zu kommen. Die Hemmschwelle wird immer geringer...


Kein seltener Fall...

Filme über Frauen, die ins Prostitutionsgewerbe gelangen, gibt es immer wieder. Manches Mal wird uns das Thema auf die erotische Art gezeigt, manches mal auf die dramatische Art, hin und wieder auch auf eine rein reißerische explizite Folter-Art. „Studentin, 19, sucht...“ geht das Thema überraschend nüchtern und sachlich an, beleuchtet eher die stillen bis gravierenden Abgründe einer Branche die bei Regisseurin und Autorin Emmanuelle Bercot nicht gut weg kommt. Und doch kann man nicht gerade behaupten, dass das Thema dämonisiert wird. Der Film orientiert sich an schlechten Erfahrungen. Am Rand der Geschichte treffen wir auf sich prostituierende Studentinnen, die mit ihrer Arbeit kein Problem haben. Aber die sind für die Geschichte nicht wirklich von Bedeutung.

Zumindest verharmlost Bercot die Situation nicht. Sie lässt uns eintauchen in eine wirre Welt aus Gewalt und Zärtlichkeiten, in der aus einem Schaf schnell ein Wolf wird, und eine auf sich gestellte Prostituierte manche Erniedrigung und Verbrechen über sich ergehen lassen muss, ohne sich wirklich wehren zu können. Dass das Ganze außerhalb der üblichen Klischees funktioniert, liegt in einem bedeutenden Maße an dem Charakter der von Deborah Francois recht gut gespielten Laura. Die gar nicht mal positiv oder naiv charakterisierte Laura fühlt sich nicht wohl in ihrem Job als Prostituierte, steigt aber doch nie aus, kehrt Stammfreiern nicht einmal nach derben Ausrutschern den Rücken. Der Grund Geld zu verdienen klingt immer mehr wie eine Ausrede, so als ob eine Abhängigkeit entstanden wäre für etwas was der jungen Frau keine Lust bereitet.

Selbst als soziale Bindungen wie ihre Liebschaft zu dem arbeitslosen Benjamin in die Brüche gehen, und dies weniger aufgrund des fragwürdigen Jobs, sondern vielmehr deshalb weil auch Benjamin Lauras Motivation nicht nachvollziehen kann, kann sich die Studentin nicht aus dem Kreis der Perversion befreien. Sie versucht es flüchtig, doch ihr Engagement die Sache zu beenden wird nie von einer großen Überzeugungskraft begleitet. Das Abstoßende an ihrem Job motiviert sie auszusteigen, doch die Gewöhnung lässt sie bleiben.

Ihr Verhalten wirkt so schitzophren wie das ihres Hauptfreiers Joe, der auf dem ersten Blick ein lieber Kerl sein könnte, hinter dessen weicher Schale jedoch ein harter Kern steckt, dies immer gut getarnt, selbst dann wenn er zum gnadenlosen Tier wird. Die Selbstlüge und eine gewisse Arroganz machen ihn zum Heuchler auf der Freierseite, und damit bildet er den Gegenpol zu Laura auf der Prostituiertenseite, die ähnliche Charakterzüge aufweist, wenn auch in der wesentlich devoteren Rolle aufgrund der Machtverhältnisse.

Die Macht die das amouröse Geldverdienen in Laura auslöst, die Schattenseiten die sie schluckt, obwohl sie keine Nebensächlichkeiten sind, sondern schlichte Gemüter kaputt zu machen drohen, sind keine Themen für die schnell urteilende Küchenpsychologie für das RTL-Publikum. „Mes chères études“ (Originaltitel) zeigt die Parallelwelt am Rande der Gesellschaft unverschönt, direkt und widersprüchlich. Trotz des anklagenden Blickwinkels wird die Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht, nie mit dem erhobenen Zeigefinger erzählt. Die Welt ist widersprüchlich. Die Menschen sind es auch. Oft ergibt nichts Sinn. Und dieser Eindruck verstärkt sich nach dem Sichten von Bercots Film. Dies nicht etwa weil er schlecht erzählt wäre, sondern ganz im Gegenteil, weil er recht gut erzählt ist.

Mit seinem amourösen DVD-Cover wird er sicherlich manch falsches Publikum locken und manch richtiges wegstoßen, könnte man „Studentin, 19, sucht...“ doch aufgrund der Nackedeibildchen und der provokativen Frontaufnahme mit einem Erotikfilm verwechseln. Doch prickelnd wird das Gezeigte nie, dafür demonstriert uns Francois mimisch zu sehr wie sehr sie unter der Situation leidet. Keine Nacktaufnahme von ihr mag zu bezaubern. Das Leid und der Widerwille stehen ihr stets ins Gesicht geschrieben. Nach einer gewissen Phase wird es ausgetauscht gegen Gleichgültigkeit und Arroganz. Damit vollzieht sich auch in Laura ein Wandel, der jedoch nicht von Unbehagen ins Wohlfühlen stattfindet. In ihr stirbt lediglich ein Teil, und diesen Zustand bemerkt sie zu spät.

„Studentin, 19, sucht...“ endet nicht pessimistisch. Er lässt Laura einen Weg aus ihrer Misere finden. Allerdings lügt er kein Happy End vor. Die Wunden bleiben, und zwar jene dessen was Laura sich selbst antat, nicht vordergründig aufgrund dessen was sie körperlich erdulden musste - auch wenn sie manches Mal wie menschlicher Müll behandelt wurde. Der Film macht deutlich dass Laura stets eine Mitverschuldung ihrer unangenehmen Erlebnisse zu verzeichnen hat, allerdings ohne die andere Seite zu verharmlosen. Laura hatte Alternativen und Chancen, und doch kann man sie in ihrer Opferrolle nicht dafür tadeln nicht ausgestiegen zu sein. Die eigene Psyche macht einen auf manch rätselhafte Weise gerne zu einem Gefangenen seiner selbst, sei es aus Gewohnheit, Selbsthass oder anderweitiger Gründe.

„Studentin, 19, sucht...“ zeigt wie das Leben funktioniert. Er zeigt es uns inhaltlich und psychisch auf eine Art mit der wir ungern konfrontriert werden wollen. Er verurteilt nicht, auch wenn er deutlich macht wie gefährlich es sein kann sein Studium auf diese Art zu finanzieren. Er zeigt uns das was passieren kann, wenn man diesen Weg wählt. Er zeigt uns dass das was Laura passiert ist in dieser Branche schnell passieren kann. Aber auch wenn er mit dem finalen Interview die Prostitution in den Vordergrund rückt, so täuscht dies doch über das eigentliche Anliegen des Filmes hinweg. Der interessiert sich schließlich viel mehr für das was Prostitution seelisch aus einem macht und zeigt uns dies dank der Rolle Joes auch von der anderen Seite aus, die Opfer und Täter zugleich ist.

Bercots Werk weiß zu faszinieren, eben weil er so verstörend, sachlich und widersprüchlich erzählt ist. Es ist ein Film den ich gerne mehr mögen würde als ich es tue. Allerdings ist er mir zu distanziert erzählt um für mich ein wahrlich großer Film zu sein. Ich wäre gerne tiefer in die Seele Lauras eingetaucht, eben weil sie kein Sympathiecharakter ist und bereits vor der Prostitution ein auf sich bezogener, oberflächlicher Mensch ist. Ich weiß aber auch, dass „Studentin, 19, sucht...“ diesen nüchternen, distanzierten Blickwinkel benötigt, um nicht etwas anderes zu sein als er will. Da bin ich in meinem Urteil ebenso widersprüchlich wie es die Figuren aus dem Film sind. Wie er zeigt muss das nicht bedeuten, dass ein Fehler vorliegt. Oftmals existieren zwei Wahrheiten zur selben Zeit.


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SYNGENOR - DAS SYNTHETISCHE GEN-EXPERIMENT (Syngenor 1990 George Elanjian Jr.)


Cyberdine stellt Waffen her, und ihr neuestes Produkt ist der synthetische Supersoldat Syngenor. Aufgrund einer firmeninternen Intrige können sich die Monster aus ihrem Gefängnis befreien und töten alles was sich ihnen in die Quere stellt...


Wasserlösliche Supersoldaten...

„Syngenor“ ist so unterhaltsam wie unsinnig. Mit diesen wenigen Worten lässt sich der Film recht gut zusammen fassen. In dem Werk von George Elanjian Jr. gibt es kaum Atempausen. Nach einem schnellen Einstieg in die Geschehnisse springt „Syngenor“ von einem Showdown zum nächsten, nicht damit geizend seine Kreaturen zu zeigen und dank eines charmanten Grundtons damit auch nicht all zu monoton wirkend. Die Laufzeit hätte zwar um etwa 20 Minuten gekürzt werden können, um das Ergebnis kurzweiliger zu halten, aber selbst in der etwas anstrengenderen 95-Minuten-Version bereitet der Streifen noch genügend Freude für den kleinen Nonsens zwischendurch.

Freilich muss man mit unsinnigen Genre-Beiträgen etwas anfangen können. Wer aber Werken wie „Evolver“, „Shopping“ und „Metal Beast“ nicht abgeneigt ist, der wird sicherlich auch mit „Syngenor - Das synthetische Gen-Experiment“ etwas anfangen können, der auch über seine unfreiwillige Komik hinaus zu unterhalten weiß. Dennoch ist sein hanebüchener Plot der Hauptgrund weshalb man reinschalten sollte.

Die Unsinnigkeiten beginnen mit dem Gen-Experiment an sich: der Entwickler der ganzen Sache wird als harmloser, liebenswerter Forscher dargestellt. Die Wesen werden im Keller des Hauptsitzes der Firma gehalten. Sie können sich alle 24 Stunden selbst reproduzieren (wie lange wohl Platz im Keller für die Viecher wäre?). Und ein guter Teil der Storyentwicklung hängt von der Laune des Firmenchefs ab, der die Syngenors mal vernichten will und dann doch wieder behalten. Irgendwie muss man als Autor halt dafür sorgen, dass immer wieder die Post abgeht.

Also wird auch mal der firmeneigene Sicherheitsdienst auf die Monster angesetzt, nur um nach deren Versagen das Projekt doch weiter laufen lassen zu wollen. Zusätzliche Komik erhält diese Phase durch den völlig überzeichneten Sicherheitsdienst, der sich wie Soldaten der amerikanischen Armee verhält und trotz uneingeschränkter Einweihung in die Hintergründe der Kreaturen (trotz ansonsten hoher Geheimhaltungsstufe), hoch optimistisch sind mit ihren ollen Wummen den Viechern den Garaus zu machen.

Ebenso sinnlos werden die beiden Hauptfiguren in die Geschichte geschuppst. Diese tappsen unfähig zu kämpfen mitten durch das actionlastige Szenario, werden zwar immer wieder von Syngenors attackiert, aber irgendwie schaffen sie es dann doch jedes Mal mit simplen Gegenmethoden sich der Angreifer zu entledigen. Wow! Was für Supersoldaten! Die Methode mit der sich die Syngenors dann tatsächlich ausschalten lassen, lässt sich durchaus mit der ähnlich verblödelten Zombiekiller-Methode aus „Schreckensmacht der Zombies“ vergleichen. Die Syngenors sterben auf die selbe Art wie die Hexe aus „Das zauberhafte Land“, und wenn sie von Wasser berührt dahinschmelzen, könnte man glauben sie bestünden aus Wasserfarbe, so plump wird ihr Tod optisch inszeniert.

Dabei sind die Spezialeffekte an sich gar nicht übel ausgefallen für solch ein simples Filmchen. Da stecken unübersehbar sichtbar Menschen in Gummikostümen, aber so lächerlich wie seinerzeit in „Der Schrecken vom Amazonas“ und Co sieht das gar nicht aus. Viel mehr hat es die Qualität des Monsters aus dem ersten „Alien“. Zudem sind manche Tode recht hart inszeniert. Da gibt es zwar nichts zu sehen was einen heutzutage noch ernsthaft vom Hocker reißt, damals hat es aber zumindest noch gereicht um in der Deutschfassung gekürzt zu werden. Dementsprechend ist es schön dass die deutschen DVD-Veröffentlichungen alle ungekürzt herausgebracht wurden.

„Soldat Cyborg“ (Alternativtitel) ist leider der einzige Film des Regisseurs Elanjian Jr. Er hat zwar keinen Geniestreich fertiggestellt, aber seine Art das immergleiche Thema umzusetzen weiß zu gefallen, allein schon weil er auf manch abgedrehte Idee setzt. Die durchgeknallteste dürfte wohl der Drogenkonsum des Firmenchefs sein, der vom „Re-Animator“-Bösling David Gale verkörpert wird. Erst wenn die Drogen ihn in den letzten 20 Minuten komplett geisteskrank werden lassen, wäre weniger mehr gewesen. Dann fängt er an zu nerven, auch wenn es nach wie vor toll gespielt ist.

„Scared to Death 2“ (Alternativtitel) erfindet das Rad nicht neu, ist höchst unsinnig ausgefallen und nimmt sich viel ernster als man meinen sollte. Das fällt auch in seiner kurz angerissenen, aber dafür völlig unsinnigen Liebessequenz auf, in welcher die im Zentrum stehenden Helden kurz vor dem letzten Akt emotional wie situativ unpassend rumknutschen und miteinander schlafen, obwohl sie gerade ganz andere Probleme haben. Da weder Buch noch Regie einen auf eine emotionale Zusammenkunft zwischen den beiden vorbereiten, allein schon weil die Chemie zwischen den beiden so gar nicht stimmen will, kommt die Szene so überraschend wie hanebüchen daher und wirkt damit unglaublich skurril. Eine solche Szene würde man eher in einer Komödie erwarten.

Aufgrund seiner flotten Erzählweise weiß „Syngenor“ aber auch nicht nur auf unfreiwillig komischer Basis zu unterhalten, zumindest für Vielseher mit schlichten Erwartungen. Immerhin hält der Streifen das ein was die schlechten Vertreter dieser Art Story a la „Bio-Force“ und „Warriors of Terra“ lediglich nur versprechen und vortäuschen. Am Ende zählt das was ich bereits zu Beginn schrieb: Der Film ist so unterhaltsam wie unsinnig.


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BIO-FORCE - DIE KILLER-BESTIE AUS DEM GEN-LABOR (Mutant Species 1995 David A. Prior)


Ein zu gefährlicher Bio-Kampfstoff sollte eigentlich auf dem Mond entsorgt werden, stattdessen kracht es irgendwo in Amerika runter. Ohne in das Geheimprojekt eingeweiht zu sein soll ein Trupp Soldaten die Absturzstelle sichern und den Behälter mit dem Kampfstoff bergen. Der Ranghöchste infiziert sich mit dem Stoff und mutiert zu einer mörderischen Bestie mit messerscharfen Sinnen...


Checkmate an Shadow Leader...

In den 90er Jahren konnten meine Freunde und ich die unterkühlten modernen B-Film-Werke dieser Zeit nur bedingt leiden. Rückwirkend schauen sie sich mittlerweile oftmals recht nett, befand sich der Horrorfilm doch in seiner letzten Phase der handgemachten Spezialeffekte, was die mittelmäßige Ware von einst zur besseren Alternative zur billig hingeschluderten CGI-Attacke der Gegenwart macht. Doch handgemachte Effekte sind keine uneingeschränkte Garantie für einen unterhaltsamen Monsterfilm, selbst dann wenn man auch Werke mit eher lächerlichen Effekten mag. „Bio-Force“ ist das klassische Beispiel dafür, dass es auch in besseren Zeiten Gurken gab.

Ein zäher Anfang, bei dem man sich fragt warum der Film so penetrant auf ereignislos und langsam getrimmt ist, ohne Vorteile daraus zu ziehen, muss nicht gleich den Anfang vom Ende bedeuten. Stereotype ist man in einem schnell heruntergedrehten Werk seines Lieblings-Genres auch immer wieder gewohnt. Allerdings tut sich „Bio-Force“ bereits mit den trockenen, typischen Proll-Sprüchen der Soldaten schwer, die zu lang und bemüht ausfallen um als klassisches Soldaten-Geschwätz durchzugehen. Ein Fallschirmabsprung, der so umständlich kostengünstig inszeniert ist um auch bloß keinen Stuntman zu benötigen, macht einem schnell klar wie wenig Geld der Film tatsächlich gekostet hat. Aber selbst das entmutigt den Dauergast dieser Art Film noch immer nicht.

Kritischer wird man schon, wenn man auf dem Boden angekommen ein Treiben sichten darf welches löchrig wie ein Schweizer Käse ausgefallen ist. Soldaten verhalten sich nicht wie Soldaten, frontal Erschossene hatten das Glück nicht getroffen zu werden, ein taffes Bübchen versteckt sich so perfekt dass selbst eine Eliteeinheit ihn nicht bemerkt, „beste Männer“ werden als Köder benutzt, und der eigentliche Handlungsaufbau macht inmitten dieses Nonsens ebenfalls keinen Sinn.

Heute, in Zeiten in denen ein solcher Streifen eine billige Porno-Synchro erhalten würde, darf man sich über die professionelle Deutschvertonung wundern, welche die Synchronstimmen von Lee Majors, Clint Eastwood, Danny DeVito und einigen weiteren bekannten Persönlichkeiten verwendet. Dementsprechend enttäuschend ist es festzustellen, dass dies „Mutant Species“ (Originaltitel) nichts nutzt, ist er doch zu innovations- und lustlos erzählt als dass er von ihnen profitieren könnte. Man interessiert sich weder für Personen noch für Situationen, und der theoretisch vorhandene Spannungsbogen will nicht mitreißen, auch wenn die Hintergrundmusik ganz bemüht und wild darauf setzt.

Man könnte nun meinen, dass die zweite Hälfte mehr hermacht, schließlich darf der Mutant dann endlich zur fertig ausgewachsenen Bestie werden und einen Haufen Soldaten killen. Aber da „Bio Force 1 - Mörderische Gene“ (Alternativtitel) fast ausschließlich im Dunkeln spielt, hat man nicht viel davon. Lächerliche Effekte inmitten der Dunkelheit verarschen den Zuschauer zudem. So wurde beispielsweise nach einer Attacke der Bestie eine Hand durch die Luft geworfen, um den Tod des Opfers zu verdeutlichen. Allerdings sieht die Szene danach aus was sie ist: da wirft einer eine Hand ins Bild.

Zu all den unangenehmen Eigenschaften von „Bio-Force - Die Killer-Bestie aus dem Gen-Labor“ gesellt sich noch eine gehörige Dosis Sozialkitsch hinzu, die zwar erst in der finalen Ansprache zum Monster penetrant in den Vordergrund rückt, aber auch in der zurückhaltenden Variante die viel zu brav gewordenen 90er Jahre verdeutlicht. Ob es sich um die Freundschaft zwischen Mutant und dem Helden des Streifens handelt oder um den völlig umständlich eingebrachten Zusammenhalt zur Mitte hin zwischen Soldat, Mutter und Sohn, Regisseur David A. Prior möchte eine Solidarität präsentieren, die nie nachvollziehbar ist, da sie einen emotional ausschließt.

Bevor er früh verstarb schaffte es Prior immerhin auf 31 Filme, drehte noch bis kurz vor seinem Tod und hinterließ uns Werke wie „Aerobicide“, „Nightwars“, „War of the Living Dead“ und „Night Claws“. Gesehen habe ich bislang keinen weiteren seiner Filme, kann also nicht beurteilen ob er ansonsten zu mehr in der Lage ist, seinen „Bio-Force“ kann man aber zumindest getrost vergessen. Der dürfte kaum wen vom Hocker reißen. Selbst genügsame Freunde des Genres werden unterfordert.


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SHADOW CREATURE (1995 James Gribbins)


Die Polizei untersucht vermeintliche Serienmorde. In Wirklichkeit tötet ein Monster die Menschen...


Das Monster aus dem Glas...

Wieder einmal hat die Wissenschaft eine schreckliche und vor allen Dingen mörderische Kreatur geschaffen, welche der Menschheit gefährlich wird. Und während recht viele Beiträge dieser Art unterhalten oder zumindest als okay durchgehen, gibt es auch immer viel Schrott diesbezüglich zu sichten, und zu dieser Variante zählt leider auch „Shadow Creature“, der in Deutschland allein schon aufgrund seiner unterirdisch schlechten Synchronisation nie die Chance gehabt hätte sein Publikum zu finden. Es ist eine Beleidigung, dass so viele Werke auf DVD solch eine ungenießbare Deutschvertonung beschert bekommen, dies aus Kostengründen, so dass man beim Originalton leider nicht auf einen deutschen Untertitel ausweichen kann, denn der hätte schließlich auch Geld gekostet.

„Armageddon der Seelen“ (Alternativtitel) gehört zu jenen Opfern dieser Vertonung, die auch mit einer besseren nicht sonderlich genießbarer geworden wären, ist er doch so unglaublich langsam und verkrampft erzählt, dass man kaum glauben kann was man da sieht. Hier waren keine Profis am Werk, ein Amateurfilm ist „Shadow Creature“ jedoch leider auch nicht, dort findet man in der Regel engagierte Menschen vor, die aus wenig viel schaffen wollen. Was man hier sehen darf sind lustlos agierende Darsteller in einer Inszenierung welcher jegliches Gefühl für ein anständiges Tempo, dem Einfangen eines bestimmten Feelings und dem Aufbau von Atmosphäre und einem stimmigen Spannungsbogen fehlt.

Hin und wieder schafft es ein Horrorfilm auch ohne düstere Stimmung und Nervenkitzel zu unterhalten, einfach weil die Geschichte stimmt, oder die Stimmung, oder die Figurenzeichnung. Dies sucht man bei James Gribbins einziger Regiearbeit alles vergebens, so dass sich früh Ernüchterung einstellt und der Wunsch frühzeitig auszuschalten. Ich kann es jedem nachempfinden der diesem Wunsch nachgegeben hat - und ja, ich gebe es zu: auch ich war ein solcher Zuschauer. Ich werde auch nicht jünger. Und wo kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, da brauche ich auch nicht naivst hoffen dass sich die Lage verbessert. Schade eigentlich, denn in der Kreatur steckte noch ein Mensch. Gribbins Film war noch keines dieser CGI-Monster-Filmchen.


PSYCH - STAFFEL 1 (Psych - Season 1 2006 Steve Franks)


Der Nichtstuer Shawn wurde von der frühen Kindheit an von seinem Vater, dem Polizisten Henry, darauf getrimmt sich Details im Umfeld genauestens merken zu können, so dass er als Erwachsener zu einer hilfreichen Ergänzung für die Polizei wird...


Der übersinnliche Detektiv...

Was in seiner Mixtur aus „Dexter“ und „Sherlock“ zunächst recht reizvoll klingt, entpuppt sich als schnell zusammengezimmerte Massenunterhaltung, in der weder die Psychologie der Figuren zu überzeugen weiß, noch deren Umstände und Situationen in denen sie sich befinden. Anstatt auf den intellektuellen Reiz seiner Geschichte zu setzen, wählt das Drehbuch den hanebüchenen Weg eine Übersinnlichkeits-Lüge ins Zentrum zu setzen, was der kompletten Grundgeschichte nicht nur ihre Würde nimmt, sondern dem Umfeld in dem Shawn agiert ebenso. Denn wenn man nach „Psych“ geht leben in den USA nur Esoteriker oder anderweitig leichtgläubige Menschen, zumindest Leute die stets an das Übersinnliche glauben, und dies in einem solch alltäglichem Ausmaß, dass die Polizei ganz selbstverständlich ohne zu zögern oder Zweifel zu hegen Hellseher zu ihren Kriminalfällen hinzuzieht.

Als Lightversion dessen was möglich wäre könnte das Ganze eventuell noch funktionieren, wenn nicht alles so absichtlich albern, vorhersehbar und durchschnittlich umgesetzt wäre. Vom austauschbaren, peppigen, Massen-anbiederndem Titellied, bis hin zu seinen blassen Helden in lahmer stereotypischer Rollenverteilung will sich so gar nichts Einfallsreiches erkennen lassen. Die Fälle fallen lahm aus, Zufälle häufen sich zu sehr, der ohnehin schon nervige und unnötige Hellsehermumpitz wird mit zotigem Herumalbern auf die Spitze getrieben, und nie holt man wirklich etwas aus der zentralen Begabung Shawns heraus.

Psychologisch gesehen will auch der ganze zwischenmenschliche Bereich wenig bis keinen Sinn ergeben. Allein Shawns Beziehung zum Vater will nie einleuchten. Da wird man einfach mit einer Tatsache abgespeist, ohne sie zu begründen oder einen Sinn herzuleiten. Selbiges betrifft Shawns Position innerhalb der Serie. Warum macht er einen auf übernatürlichen Detektiv anstatt anderweitig zu helfen - eventuell gar als Polizist? Die Basis auf die alles aufbaut will so gar keinen Sinn ergeben.

Der absichtlich spießig, lahme und kritische Softie-Sidekick Gus will in den wenigen Folgen die ich „Psych“ eher gelangweilt als interessiert durchgezogen habe so gar nichts nützliches zum Ermittler-Duo beitragen, ist also lediglich dafür gedacht Shawn besser aussehen zu lassen, und dies teilweise mit Eigenschaften die gar nicht so lobenswert sind wie es die immergeile Spaßgesellschaft Amerikas gerne hätte. Wozu Ernsthaftigkeit ins Leben bringen, über etwas nachdenken oder einen gewissen Grad Sicherheit wollen, wenn man doch auch der gedankenlose Partymensch sein kann, für den sich auf gut Glück immer doch noch alles zum Guten wendet?

Von daher: weder die Mentalität, noch der psychologische wie inhaltliche Anspruch an den Stoff entspricht dem was für mich eine gute Serie ausmacht. „Psych“ kommt plump, einfallslos und viel zu massentauglich daher, als dass einen die 08/15-Kriminalfälle irgendwie reizen könnten. Selbst als denkfaule Feierabendunterhaltung kommt die Serie viel zu dümmlich und belanglos daher, als dass ich sie zumindest noch als Trivialverzehr ernst nehmen könnte.

Donnerstag, 23. Juni 2016

DER TEUFEL IN MISS JONAS (1974 Erwin C. Dietrich)


Von einem Männergericht aufgrund ihres sexuell ausschweifenden Lebens zum Tode verurteilt, landet Miss Jonas in der Hölle, wo der Teufel zu seinem Bedauern feststellt, dass die Verstorbene einen Tag zu früh dran ist. So schickt er sie noch einmal für einen Tag zurück auf Erden, so dass Miss Jonas noch einmal all ihren Trieben nachgeben kann...


Trockene Pflaumen und schlaffe Nudeln...

„Der Teufel in Miss Jonas“ ist die zweite Verfilmung eines relativ oft umgesetzten Stoffes, dessen Original laut der OFDb im Bereich des Pornofilms verankert ist. Diese Information habe ich erst nach meiner Sichtung von Erwin C. Dietrichs Werk erhalten, und so wundert es mich im nachhinein nicht, dass sich die komplette Geschichte wie jene eines schlechten Pornos geguckt hat. Welchen Sinn es haben soll einen solchen neuzuverfilmen und lediglich einen harmlosen Sexfilm daraus zu machen mit sichtlich sexuell desinteressierten Mitwirkenden will sich mir nicht erschließen, ist die Schweizer Version dieses Stoffes, der noch im selben Jahr mit „Was geschah wirklich mit Miss Jonas?“ fortgesetzt wurde, doch arg plump ausgefallen, selbst für einen ollen Sexfilm.

Gelangweilt reibt sich die nur in wenigen Momenten nicht nackt agierende Hauptdarstellerin sehr zeigefreudig eingefangen ihre trockene Vagina und lässt hin und wieder für vorgetäuschte Sexszenen wahlweise hässliche Typen mit nicht erigiertem Pimmel auf sich drauf oder hin und wieder auch mal das Dienstmädchen, der einzig tatsächlich erotische Aspekt in diesem Film. Die Geschichte ist währenddessen wirr zusammengeschustert, was allein aufgrund dessen dass sich am Ende alles nur als Traum entpuppt, nicht weiter schlimm wäre. Aber der bizarren Traumwelt aus Hölle, Foltergericht, sexuellen Phantasien und einer zu wörtlich genommenen Darstellung des einäugigen Monsters, ist stets nur Alibihandlung für lustloses und billig abgefilmtes Herumgefummel, so dass dem aufgeschlossenen Cineasten da weder ein Kunstaspekt anlächelt oder zumindest inhaltliche Kurzweile.

„Der Teufel in Miss Jonas“ ist ein Hardcore-freier Porno, und deshalb nichts Halbes und nichts Ganzes. Seine Geschichte ist des Erzählens nicht wert, seine Bilder plump, die Darsteller lustlos, der Plot langweilig und stets bemüht sexuell zu provozieren und somit beileibe nicht das was ich mir noch unter einem sympathischen 70er Jahre Schmuddelfilm erhofft hatte. Dietrichs Werk erfüllt jedes Klischee eines schlechten Sexfilmes und kann somit nur vom Stammzuschauer des Genres genossen werden. Ich gebe zu, dass ich mich im Bereich des Erotik- und Sexfilmes schon immer schwer getan habe, habe in letzter Zeit aber auch den ein oder anderen gelungenen Film dieser Art sichten dürfen, so dass ich mich diesen Genres ein wenig geöffnet habe. Der hier besprochene Film hat allerdings nur wieder all jene Vorurteile geweckt, die ich zum Thema Sexfilm seit je her hatte.


Weitere Reviews zum Film: 

BATTLEDOGS (2013 Alexander Yellen)


Eine Naturfotografin wird auf einer ihrer Expeditionen von einem Schwarzwolf gebissen. Zu Hause am Flughafen von New York angekommen verwandelt sie sich in einen Werwolf und steckt dort viele Menschen mit dem Virus an, den sie sich durch den Biss geholt hat. Das Militär hält die Befallenen in Quarantäne. Während ein Seuchenexperte die Erstgebissene sucht um ein Gegenmittel zu erstellen, hat das Militär ganz andere Pläne mit den Infizierten...


Das Werwolfsein ist auch nur eine Krankheit...

Es kommt inmitten der schnellproduzierten, absichtlich schlecht erzählten Filme der Firma The Asylum relativ selten vor, aber ab und zu kreieren auch sie tatsächlich unterhaltsamen Unsinn, wovon der populärste wohl „Sharknado“ sein dürfte. „BattleDogs“ mag nicht ganz so kurzweilig ausgefallen sein wie der Vergleichsfilm, er ist etwas zu penetrant auf 90 Minuten getrimmt, ein Ärgernis welches auch den sehr lustigen „Mega Piranha“ in seine Schranken wies, aber Spaß bereitet der Streifen von Regisseur Alexander Yellen durchaus.

Die Idee aus Werwölfen Infizierte zu machen, deren Population derart dramatisch steigt, dass die Krankheit zu einer Epidemie wird, ist freilich aus dem Zombie-Genre entliehen. Der dreiste Klau, der den Werwölfen jegliche ihrer sonst üblichen Eigenschaften raubt, besitzt im Meer der immergleichen Zombiefilmwelle tatsächlich einen gewissen Reiz, und da man sich nicht auf der einen Idee ausruht, sondern diese stattdessen lediglich als Ausgangslage für die eigentliche Hauptgeschichte nutzt, wird es auch nicht so schnell langweilig wie in den enttäuschenden Werken der Billigfirma Asylum.

Freilich wird nach einem für Asylum-Verhältnissen recht einfallsreichen und nett erzählten Beginn die Hauptgeschichte zum üblichen Plot, der im Bereich der Billigproduktionen recht häufig erzählt wird, aber Yellen hält uns mit einem flotten Ablauf der Geschehnisse bei Laune. Unterstützt wird er von für eine kostengünstige TV-Produktion akzeptablen Computereffekten, die zwar nicht ansatzweise natürlich wirken, aber erst im Ganzkörpereinsatz der Bestien tatsächlich enttäuschen. Nahaufnahmen auf das Gesicht (der manchmal gar nicht so furchterregend aussehenden) Viecher kann man als geglückt bezeichnen, Nebensächlichkeiten wie am Computer animierte Hubschrauber wirken schon echter animiert als zu Beginn der CGI-Billig-Horror-Phase a la „Megalodon“, und auch manche Einstellungen der Verwandlungssequenzen sind recht ordentlich umgesetzt, auch wenn der fertig mutierte Werwolf in der Regel zu plötzlich erscheint.

Da zudem noch die Goreschraube für solch eine olle TV-Produktion recht ordentlich aufgedreht wird, steht einem unsinnigen Spaß für ein aufgeschlossenes Publikum für immergleiche Geschichten nicht viel im Weg - am ehesten noch die Laufzeit, die wie so viele andere Asylum-Werke 75 Minuten hätte vertragen können anstatt der ewig bemühten 90 Minuten. Asylum erfindet sich nicht neu, setzt auf das bewährte Rezept und leider auch auf die immergleiche schlechte Hintergrundmusik. Wer aber hin und wieder geistfreien Fast Food konsumiert, der sich nach außen ernster gibt als er gemeint ist, der kann mit „BattleDogs“ recht anständig unterhalten werden. Der übliche Durchschnttszuschauer wird sich hingegen augenverdrehend von solchem Mist abwenden, und da kann man ihm wirklich keinen Vorwurf draus machen.


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WOLF TOWN (2010 John Rebel)


Kyle überredet seinen Kumpel Ben zu einem Studien-Scheinausflug in eine Geisterstadt mit Jess, in die Kyle schon seit acht Monaten verliebt ist ohne einen Annäherungsversuch gewagt zu haben. Zu dumm nur, dass Jess ihren Freund Rob überraschend mit zum Ausflug mitbringt. Aber viel Zeit bleibt Kyle ohnehin nicht zum Schmollen, denn am Zielort angekommen werden die vier Studenten von einem Rudel Wölfe bedroht und in der Stadt von ihnen gefangen gehalten...


Wölfe im Paradies...

„Wolf Town“ ist einer dieser Horrorfilme, die einen unglaublichen Unsinn erzählen, nicht weil die Ausgangslage so unglaublich unsinnig wäre, da gab es ganz andere unterirdische Ideen innerhalb des Genres, die trotzdem zu einem guten Ergebnis führten. Das Problem des Streifens ist, dass es Regisseur John Rebel nie schafft sich in die gezeigten Situationen hineinzufühlen, und dementsprechend egal ist dem Zuschauer jegliches Ereignis, zumal ohne ein Einfühlen in die Geschehnisse einiges was man in anderen Filmen dieser Art großzügig schluckt zu lächerlich daher kommt.

Das beste Beispiel für eine völlig fehlinszenierte Szene die Spannung erzeugen soll, ist das mit Trommelwirbel untermalte Rennen des Helden Kyle, nachdem er erstmals einem Wolf begegnet ist. Der Zuschauer weiß längst dass er von ihm abgelassen hat, Rebel jedoch inszeniert diese Szene als ob sich Kyle noch immer in Lebensgefahr befinden würde. Es ist okay dass Kyle dies glaubt, aber wofür der bemühte Spannungsbogen innerhalb einer entspannten Situation?

Aber von Spannungsaufbau versteht Rebel, der im selben Jahr von „Wolf Town“ auch „Bear“ inszeniert hat, ohnehin nichts, glaubt er doch einzelne knurrende Wölfe in Großaufnahme ins Bild zu setzen würden bereits für ein ungeheures Spannungspotential sorgen. Und natürlich benehmen sich die Teens nach ersten unangenehmen Ereignissen gleich so, als ob sie wüssten dass sie sich in einem Horrorfilm befinden. Noch bevor es eine nachvollziehbare Bedrohung gibt, werden bereits Türen und Fenster verbarrikadiert. Die Situations wird voreilig als aussichtslos bezeichnet, Wölfe schneller als intelligenter als der Durchschnitt bewertet als es einen Beweis dafür gäbe.

Zu allem Überfluss ist Kyle unsympathischer charakterisiert als sein Gegenspieler Rob. Was ich anfangs für eine interessante Variante, da absichtliche Idee, hielt, erweist sich im Laufe der Zeit jedoch als ein vom Regisseur unbeachteter Fehler des Streifens, denn der dramaturgische Aufbau macht dann doch früh klar, dass man zu dem schüchternen, selbstgerechten Helden halten soll, anstatt zu einem (zugegebener Maßen etwas oberflächlichen) Mann, der zumindest ungefragt und ohne Vorteile daraus zu ziehen in Notsituationen sofort hilft (im Gegensatz zu Kyle) und Ideen zur Problemlösung vorschlägt.

Der müde Ablauf, der sich mit Selbstgesprächen und anderweitiger öder Szenen, wie Kaugummi zieht, lässt einen jedes Interesse darüber verlieren was es mit dieser Wolfsmeute auf sich hat, die bereits Bewohner einer kompletten Goldgräberstadt vergrault und getötet hat, obwohl die Suche nach dem Edelmetall erfolgreich verlaufen ist. Filme wie der schlichte „The Breed“ zeigen dass eine ähnliche Geschichte durchaus zu einem sympathischen Ergebnis führen kann, selbst mit dämlichen Teens im Zentrum. Aber „Wolf Town“ ist einfach nur ein nerviges Stück Untalent, dem es an jeglichem Unterhaltungswert fehlt. Ich habe nicht viel erwartet und wurde dennoch enttäuscht. Und ein Blick auf die Punkte-Bewertung auf der OFDb zeigt, dass Rebels anderer Genrebeitrag „Bear“ eher schlechter als besser ausgefallen ist.


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Mittwoch, 22. Juni 2016

DOG SOLDIERS (2002 Neil Marshall)


Eigentlich sollte der Trupp Soldaten in den schottischen Wäldern lediglich eine Übung abhalten, aber inmitten der Wildnis sind sie nicht allein. Ein Rudel Werwölfe trachtet ihnen nach dem Leben...


Ein Gegner mit Biss...

Da ich es nicht so mit Werwolf-Filmen habe, da sie mir nur in der Ausnahme gefallen, so wie z.B. in „American Werewolf“, „Wolf“ und „Ginger Snaps“, kenne ich vergleichsweise nicht all zu viele Stoffe zu diesem Thema. Aber eigentlich traten die Viecher in den von mir gesehenen Werken immer nur allein auf. Da fragt man sich doch, warum das so oft im Horror-Genre auftretende Monster so selten oder bis „Dog Soldiers“ gar nie (?) im Rudel aufgetreten ist, was doch nur naheliegt aufgrund seiner ungewollt tierischen Verwandschaft. Es ist schön dass mal wer das Kaliber dieser Ausgangssituation erkannt hat, und es ist schön dass die Bedrohung tief in den Wäldern in einer stimmigen Umgebung eingesetzt wird.

Mit Soldaten als Helden in Horrorfilmen habe ich oftmals meine Probleme. Dies nicht weil ich ein Idealist bin und Fiktion nicht von meiner persönlichen Meinung unterscheiden könnte, sondern einfach deshalb weil es in dieser Berufsgruppe nicht auf das Individuum ankommt. Und als austauschbare Figürchen fehlt mir da in Werken wie „The Hills Have Eyes 2“ und Co die Auseinandersetzung und Identifizierung mit ihnen als Person mit Charakter. Werke wie „Predator“ und „Outpost“, die in der Ausnahme funktionieren, lassen einen, wenn schon nicht all zu sehr am Charakter, zumindest an der Strategie der Truppe teilhaben, und schon ist man drin, kann mitfiebern, sich orientieren und die Bedrohung mitempfinden. Und ein solcher Ausnahmefilm ist „Dog Soldiers“, der uns näher an die Soldaten und ihr Denken und Empfinden heranlässt, als die austauschbaren Horrorfilme diesbezüglich.

Zwar kann man bei „Night of the Werewolves“ (Alternativtitel) nun nicht von einer sonderlich innovativen Geschichte sprechen, immerhin sind wichtige, für längere Zeit ausgeborgte, Elemente aus „Predator“ und „Die Nacht der lebenden Toten“ vorhanden, sowie diverse Zutaten aus den üblichen Tierhorror- und Werwolffilmen, aber Regisseur Neil Marshall hat ein Gefühl dafür die schlichte Geschichte stimmig umzusetzen. Nicht nur dass es pausenlos kracht, was den Action-Fan erfreuen wird, Marshall vernachlässigt es bei all dem Krawumm auch nicht die Bedrohung spürbar werden zu lassen und sorgt somit für einen Spannungsbogen, der das ewige Herumgeballer nicht zu einer monotonen Orgie der Langeweile verkommen lässt.

Ein großer Vorteil im Gegensatz zu solch vielen misslungenen Beiträgen der Werwolf-Thematik ist die wirklich hervorragend ausgefallene Gestaltung der Werwölfe selbst, die nicht wie groteske, plumpe Monster wirken, die einen mehr zum Lachen als zum Gruseln bringen. Die Effekt-Designer schaffen es tatsächlich dass die Viecher selbst dann toll aussehen, wenn sie sich länger im Bild befinden. Dennoch weiß Marshall auch hier, dass es Sinn macht die Monster nicht all zu oft zu zeigen, aber wohldosiert genug um den Zuschauer auch nicht zu enttäuschen. Einen längeren Blick auf die Viecher erhaschen wir nicht erst im Finale. Als Rudel greifen sie stets zusammen an, und in der Hütte im Wald angekommen, in welcher der Hauptteil der Geschichte spielt, bekommen wir sie mit jeder Attacke zu Gesicht.

Es erstaunt mich ein wenig, dass „Dog Soldiers“ Marshalls Debutfilm vor „The Desenct“ ist, ist letztgenannter Streifen doch sicherlich kostengünstiger ausgefallen als das hier besprochene Werk. Dank der schlichten Location dürfte auch „Dog Soldiers“ nicht all zu viel gekostet haben, aber das Kreaturendesign und die Investitionen in die nicht zu knapp ausgefallenen Actionszenen haben die Kosten dennoch ein gutes Stück angehoben im Vergleich zum Überlebenskampf in der Höhle.

„Dog Soldiers“ mag nicht immer logisch und nachvollziehbar ausgefallen sein, aber er versteckt seine Idiotien recht gut. Zudem wimmelt es nicht an jeder Ecke vor Unsinnigkeiten, so dass man über den geringen Teil dessen was an Blödsinn vorhanden ist großzügig hinwegsehen kann. Etwas zu aufdringlich ist mir die Filmmusik aufgefallen, die das schlichte, kleine Werk fast schon zum großen Epos aufblasen will. Das will so gar nicht zum gezeigten Szenario passen und ist zudem auch viel zu banal komponiert für seine aufgeblasene Art.

Ansonsten weiß Marshalls Langfilm-Debut jedoch zu gefallen. Luft nach oben gibt es noch genug, sein Streifen ist kein Meisterwerk geworden. Aber wenn man bedenkt wie selten es im überfluteten Markt der Werwolffilme brauchbare Beiträge gibt, darf man doch erfreut sein mit „Dog Soldiers“ nicht nur annehmbare Dutzendware gesichtet zu haben, sondern einen Film mit Gespür für Atmosphäre, Spannungsbogen, dem richtigen Mix aus Action und Atempausen, sowie einen trockenen, sachlischen Grundton. Kurzum: Marshall dosiert die einzelnen Zutaten recht gekonnt, um aus einem Minimum an Story einen maximalen Unterhaltungswert zu ernten.


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Dienstag, 21. Juni 2016

DAS GEHEIMNIS HINTER DER TÜR (Secret Beyond the Door... 1948 Fritz Lang)


Als Celia den Architekten Mark heiratet kennt sie ihn kaum. Erst bei ihrem Einzug in sein großes Haus erfährt sie, dass er bereits einmal verheiratet war und seine erste Ehefrau früh verstarb. Mit seinem ungewöhnlichen Hobby Zimmer zu sammeln, in denen einst ein Mord passierte, kann sie so gar nichts anfangen. Und als Mark ihr auch noch verbietet einen bestimmten Raum im Haus zu betreten, wächst in ihr der Verdacht dass ihr Mann ein Mörder sein könnte und sie sein nächstes Opfer...


Zimmer sammeln geht nur in einem Haus mit vielen Zimmern...

Mit „Das Geheimnis hinter der Tür“ versuchte man dem damaligen Publikum die Thematik der Psychoanalyse auf schlichte und unterhaltsame Art näher zu bringen, ein Unterfangen welches den Deutschen 22 Jahre zuvor mit „Geheimnisse einer Seele“ wesentlich besser gelungen ist, so konstruiert und banal hier die Holzhammer-Psychologie vorgetragen wird. Man bekommt bei solch undurchdachter und wackeliger Umsetzung zumindest das Gefühl, dass Fritz Lang nicht viel Einfluss auf sein eigenes Werk gehabt haben dürfte. Wenn da mal nicht amerikanische Produzenten ordentlich mit reingefuscht haben, weiß ich es auch nicht.

Langs Einfluss beschränkte sich scheinbar auf manch fantastisch umgesetzte Szenen, allen voran der fiktive Gerichtsprozess im Kopf von Mark und das Fehlen der typischen Gut-, Bösetrennung amerikanischer Filme. Aufgrund der Auflösung auf die alles ausgerichtet ist, kann der Film sich eine Schwarz/Weiß-Malerei diesbezüglich ohnehin nicht erlauben, eine Auflösung die einem Filmexperiment gleicht und tatsächlich eine großartige Idee ist, der man eine psychologisch feinfühligere Umsetzung und einen besser erzählten Weg zum Ziel gewünscht hätte. Denn Fritz Lang als Regisseur hin oder her, „Das Tor ins Verderben“ (Alternativtitel) ist ein ziemlich schlechter Film und gehört zu Recht zu den eher unbekannten Werken jenen Mannes, der ansonsten zu den Größen des frühen Kinos gehört.

Leider stört nicht nur die unsinnige Küchenpsychologie, die man großzügig noch bezogen auf das Herkunftsjahr und das seit je her naive Kino des Herkunftslandes halbwegs übersehen könnte. „Secret Beyond the Door...“ (Originaltitel) ist zudem viel zu konstruiert erzählt, um Wohlgefallen beim Publikum auslösen zu können. Die Geschichte beginnt höchst umständlich und schlägt einige unnötige Bögen, bevor sie endlich am eigentlichen Handlungsort ankommt. Diese Phase dient lediglich der psychologischen Vertiefung des weiblichen Hauptcharakters, der es uns theoretisch schwer machen dürfte zu wissen ob sie sich in ihrem leicht verwirrten Zustand, der uns immer wieder über emotional hysterische Off-Kommentare deutlich gemacht wird, einredet ihr Mann sei ein Mörder, oder ob sie sich wirklich in einer Falle befindet.

Die Art wie Mark uns präsentiert wird und so manche gar nicht subtilen Hinweise am Rande verraten Mark jedoch zu früh als unzurechnungsfähig, was dem Streifen in dieser Phase, in der wir noch nichts von der finalen Idee wissen können, einiges von seinem möglichen Potential raubt und die an sich lobenswerte Vertiefung Celias unnötig macht. Wenn wir Mark, angekommen in der Hauptgeschichte, endlich einmal besser kennen lernen, liegt der zu holprig und unnötig inszenierte Teil des Films zwar endlich hinter einem, aber noch immer kommt das Drehbuch zu bemüht und umständlich daher, als dass das Gesehene wirklich packen könnte. Zu weltfremd kommt einem das ganze Szenario vor, und das zeigt sich allein schon in dem für die Story so wichtigen Element des Zimmersammelns. Wer kommt auf solch einen Blödsinn, der einem hier fast schon als völlig normal präsentiert wird, so als gehöre Zimmer sammeln neben dem Ansammeln von Briefmarken und Schallplatten zur üblichen Form dieser Art Hobby?

Da „Das Geheimnis hinter der Tür“ nicht nur unsinnig, zu bemüht und zu konstruiert ausgefallen ist, sondern zudem auch noch äußerst spannungsarm, gibt es kaum mehr etwas Positives über den Film zu berichten, einmal abgesehen von den bereits erwähnten Einflüssen Langs und dem finalen Kniff, Einflüsse die das fertige Werk zwar aufzuwerten wissen, den Streifen aber nicht gerettet bekommen. Ich will gar nicht hinter die Kulissen gucken, Lang hat sicherlich gegen Windmühlen kämpfen müssen, bis sich die Produzenten schließlich durchgesetzt haben. Oder er hat von Anfang an nicht gegen sie angekämpft. Ich kenne mich nicht gut genug mit Langs Leben und Arbeiten in seiner Amerikaphase aus, um dies wirklich beurteilen zu können. Aber nach all den Meisterwerken die er uns hinterlassen hat, kann „Geheimnis hinter der Tür“ nur ein Produzentenfilm sein, schließlich dürfte selbst ein Ausrutscher, den sich jeder Künstler leisten darf, nicht so unterirdisch ausfallen wie der hier besprochene Film.


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EIN WIRKLICH JUNGES MÄDCHEN (Une vraie jeune fille 1976 Catherine Breillat)


Die 14 jährige Internatsschülerin Alice kommt in den Sommerferien zu ihren langweiligen Eltern in die dörfliche Einöde nach Hause. Die erste Lust verspürend versucht sie auf ihre unbeholfene Art irgendwie den jungen, attraktiven Mitarbeiter des Sägewerks zu verführen. Der springt nicht an, und so sucht sie sich, unerfahren wie sie ist, Ersatzbefriedigung...


Kerzenwachs, Ohrenschmalz, rohe Eier...

Während David Hamilton Anfang der 80er Jahre mit „Erste Sehnsucht“ das sexuelle Erwachen einer jungen Frau als sinnliche, erotische Suche nach der Erfüllung sexueller Wunschträume verfilmte, da versuchte „Meine Schwester“-Regisseurin Catherine Breillat Mitte der 70er Jahre mit ihrem Debutfilm „Ein wirklich junges Mädchen“ das Thema aus einem völlig anderen Blickwinkel zu verarbeiten. Wir werden im Laufe der 90 Minuten Laufzeit Haupdarstellerin Charlotte Alexandra hin und wieder nackt erleben, mit intimen Detailaufnahmen welche der übliche Erotikfilm umgeht. Und doch wird sie nie zum Lustobjekt für den Zuschauer werden. „Ein Mädchen“ (Alternativtitel) ist inhaltlich ein Sexfilm, aber er ist kein Erotikfilm.

Ganz im Gegenteil erleben wir eher abstoßende anstatt sinnliche Bilder. Ein auf einer Vagina zerteilter Wurm, Nahaufnahmen eines pinkelnden Unterleibs, Alice wie sie mit allerhand schmierigen Zutaten einen Weg der Befriedigung sucht, so als befinde sie sich gerade erst in der analen Phase - bei all den schonungslosen Bildern die uns Breillat hier zumutet, kann man nur dankbar sein, dass die anal eingeführte Flasche nicht auch noch im Detail eingefangen wird. „A Real Young Girl“ (Alternativtitel) soll provozieren, was er meiner Meinung nach ein wenig zu gewollt versucht, da er die Provokationen zu detailiert und extrem ausgefallen in den Fokus setzt. Aber letztendlich will Breillat uns lediglich den verstörenden Blickwinkel einer jungen Frau klar machen, die mit ihren neuen Gefühlen von allen allein gelassen wird und herausfinden will wie sie sich Befriedigung verschaffen kann.

Männlich verträumte Erotikfantasien darf hier suchen wer will, Alice ist verzweifelt, notgeil und gelangweilt. Ihre Versuche einen jungen Mann aus der Ferne zu verführen sind tolpatschiger Natur, ihre Suche nach eigener sexuellen Befriedigung experimentell, gerne auch mal unsinnig. Alice Sexualität eröffnet ihr eine neue Welt, die sie nicht kennt, und in der nicht nur Freuden warten, sondern auch Gefahren lauern. Alice ist aufgeklärt, da stellt der Film sie keineswegs als ahnungsloses Dummchen dar, aber der Weg zur Erfüllung ihrer Wünsche ist ihr fremd, und ihr soziales Umfeld ist bevölkert von schlichten, fast schon lethargischen Menschen, deren Kommunikationsbereitschaft sehr mau ausgefallen ist und deren (wie Alice im Laufe der Zeit feststellen muss: geheuchelte) Moral es ohnehin nie zulassen würde über amouröse Dinge zu sprechen.

Auf sich allein gestellt macht Alice erste Erfahrungen mit sich selbst, dem schrumpeligen Pimmel eines Mannes den sie auf der Kirmes verführt hat und es hinterher bereut, dem Sperma ihres Schwarms und manchem mehr. Breillat erzählt dies alles ziemlich distanziert, ist selbst gefühlsmäßig nie wirklich nah an Alice dran, und das ist es auch was mir an „Ein wirklich junges Mädchen“ fehlt, trotz seines lobenswerten Anliegens das sexuelle Erwachen einmal möglichst ehrlich, fern der Erotikfilmwelt zu erzählen. Der Streifen ist nett abgefilmt, weiß auch aufgrund seiner nüchternen Art zu gefallen, etwas mehr an die Hand genommen worden, um Alices Innenleben zu verstehen, wäre man trotzdem gern.

Dennoch weiß der oftmals den Zuschauer vor den Kopf stoßende Film zu gefallen. Und das völlig überraschende Ende der Geschichte, so unnötig es auch ausgefallen ist, sieht man wahrlich nicht kommen und lässt einen schockiert zurück. „Ein wirklich junges Mädchen" ist trotz seiner bizarren Methoden niemals wirklich surreal ausgefallen, wie mancher Filmfan es von ihm behauptet. Es ist der Ruf der Regisseurin ihre Filme häufig ins Surreale zu tauchen. Im Gegensatz zur Schlussszene aus bereits genanntem „Meine Schwester“, von dem man nicht weiß ob er Tagtraum oder Realität sein soll, ist der schockierende Schluss von „A Real Young Lady“ (Alternativtitel) eine bösartige Pointe, die definitiv in der Realität verankert ist, so wie der komplette Film, der trotz verträumter, drastischer und verstörender Bilder doch nur den Ist-Zustand zeigt.

Wer Erotik erhofft, dem wird noch eher übel werden als dem Restpublikum, das sich ebenso wenig über manch gezeigte Aufnahmen freuen wird. Und mit weniger Provokationen an Bord könnte man „Ein Mädchen“ auch sicherlich eine Spur ernster nehmen in seinem Anliegen das sexuelle Erwachen aus der beängstigenden und verstörenden Perspektive zu betrachten. In seiner zu reißerischen und emotional zu distanzierten Art bleibt aber zumindest trotzdem noch ein interessanter Film zurück, den viele als langweilig und unsinnig abtun werden, wohingegen der Kunstfreund unter den Cineasten das Sehen dieses ungewöhnlichen Streifens sicherlich nicht als Zeitverschwendung abtun wird. Wer nur eine Geschichte erzählt kriegen möchte ist hier im falschen Film. „Ein wirklich junges Mädchen“ ist mit seinen Tabubrüchen gnadenlos ehrlich, er übertreibt es damit allerdings manches Mal zum Selbstzweck.


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Sonntag, 19. Juni 2016

GELEGENHEIT MACHT LIEBE (A Guy Thing 2003 Chris Koch)


Auf seinem Junggesellenabend landet Paul mit Becky im Bett, die sich kurz darauf als die Cousine seiner Verlobten Karen entpuppt. Nachdem Becky sein Leben unbeabsichtigt ordentlich durcheinander wirbelt, entdeckt Paul dass eigentlich sie die Richtige für ihn wäre...


Das gute Gefühl von Angst...

„Gelegenheit macht Liebe“ ist das Paradebeispiel dafür, dass eine hinreißende Besetzung noch keine Garantie für eine gelungene romantische Komödie ist. Julia Stiles ist süß wie eh und je, und ihre Konkurrentin Selma Blair, die damals so wunderbar tolpatschig in „Eiskalte Engel“ agierte, steht ihr in diesem Punkt in nichts nach. Zugegeben, Jason Lee, der eigentliche Star des Streifens, bleibt blass, aber selbst seine Sympathie steigert sich im Laufe des Filmes, ein Zustand mit dem ich nach einigen peinlichen und unangenehmen Momenten nicht mehr gerechnet hätte, charakterisiert das Drehbuch ihn doch nicht gerade charmant und fragt man sich doch die ganze Zeit, ob man solch einem Typen ein Happy End wünscht.

Zugegeben, genau diesen Kniff bekommt besagtes Buch gut hin, ansonsten jedoch ist es alles andere als gelungen ausgefallen, zeigt es uns doch eine Welt aus einer mir nicht zugänglichen Spießersicht, in welcher Haschisch sich als eine LSD-artige Droge entpuppt, Menschen alternativer Kulturen den Durchschnittstyp mit Verachtung anschauen wenn der es wagt den Plattenladen ihres Vertrauens zu betreten und in welcher es für jeden im Leben den einen idealen Partner gibt, nicht nur das im Zentrum stehende Paar betreffend.

Mal ist die Geschichte höchst blauäugig und arg zufällig ausgefallen, dann wieder aus einer unangenehmen Perspektive heraus erzählt. Am meisten ärgert jedoch ihr anbiedernder Grundton, der sich innovationslos an alles klammert was theoretisch zu einer RomCom gehören muss, inklusive des peinlichen Rituals am Schluss eine Reuerede an die Gemeinschaft halten zu müssen oder seiner Geliebten, die im Taxi sitzt, zu Fuß hinterher laufen zu müssen.

Würde das Buch sich auch nur ansatzweise auch darin so viel Mühe geben den Figuren Persönlichkeit einzuhauchen, damit man mit den sich Verliebenden mitfiebern kann, könnte man noch über jegliches Klischee hinwegsehen, immerhin lebt ein solcher Stoff von dem romantischen Element, während der Humorpart nur still vor sich hinplätschern muss, im besten Falle gut pointiert. Aber „Gelegenheit macht Liebe“ ist so sehr damit beschäftigt es jedem Recht machen zu wollen, dass er diesen wichtigsten Punkt ignoriert und es somit leider nie zwischen dem finalen Liebespaar knistern lässt.

Die typischen schrägen Randfiguren sorgen eher für Fremdschämen anstatt für lustige Momente, und die finale Lösung des Problems zeigt sich bereits nach etwa 5 - 10 Minuten Laufzeit, da macht der Film kein Geheimnis draus. Dementsprechend sorgen nicht einmal die zwischenmenschlichen Verzwickungen dafür, dass man als Zuschauer wissen möchte wie der Problemknoten sich am Ende löst. „Gelegenheit macht Liebe“ ist so penetrant auf vorhersehbar und einfallslos getrimmt, dass man sich am Ende fragt warum man es mit viel Wohlwollen doch noch bis zum Ende geschafft hat, und dies auch noch ohne von dem Gesehenen angewidert zu sein.

Klar, diese Einfallslosigkeit hat mich enttäuscht, und weder Romantik noch Witz haben mich mitgerissen, aber Chris Kochs Werk schaute sich trotz allem okay. Keine Ahnung wie es Koch geschafft hat, höchst wahrscheinlich haben die talentierten Mimen einen guten Einfluss auf den Streifen gehabt. So ganz genau will ich es aber auch gar nicht wissen warum man sich den Film angucken konnte ohne sich zu langeweilen oder loskotzen zu müssen. Wahrscheinlich muss ich mir einfach selbst eingestehen, dass ich grundsätzlich zu leicht in diesem Genre zufriedenzustellen bin. Ich gucke einfach gerne Romantikkomödien.


DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE (1967 Alfred Vohrer)


Mittels einer neuentwickelten, kaum nachweisbaren Chemikalie wird auf einer Mädchenschule eine Teenagerin vergiftet. Einige weitere tote Schülerinnen folgen. Da es keine erkennbaren Motive für die Morde gibt vermutet Inspektor Higgins ein Ablenkungsmanöver...


Ein Mönch kommt selten allein...

So wie später auch „Die toten Augen von London“ in der Buntphase als „Der Gorilla von Soho“ neu verfilmt wurde, so geschah selbiges mit „Der unheimliche Mönch“, der im Original von Regisseur Harald Reinl umgesetzt wurde. Wie in allen späten Beiträgen der klassischen Wallace-Filme übernahm diesmal Alfred Vohrer die Regie und besetzte von Siegfried Schürenberg als Sir John und Rudolf Schündler in einer Nebenrolle einmal abgesehen andere Schauspieler für die Geschichte, die gerade erst zwei Jahre zuvor schon einmal erzählt wurde. Zwar verweist Sir John nebenbei darauf, dass es einmal einen ähnlichen Fall gab und verrät auch gleich dazu den Filmtitel, ansonsten versteht sich „Der Mönch mit der Peitsche“ jedoch tatsächlich als Remake.

Lediglich die Farbsetzung im Vergleich zum vorher typischen Schwarz/Weiß legitimiert halbwegs eine solch frühe Neuverfilmung. Denn von der Farbe einmal abgesehen besitzt „Der Mönch mit der Peitsche“ nur recht wenige Eigenschaften die später geradezu typisch für die Buntphase wurden. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern ist die Geschichte um vergiftete Mädchen auf einer Mädchenschule noch nicht sonderlich schrill ausgefallen und mit abgefahrenen Bonbons verzuckert. Da fällt lediglich das in knalligem Rot gehaltene Kostüm des Mönchs als besonders greller Sehwert auf und der Drahtzieher der Untaten, der anonym wie ein Dr.Mabuse zu seinen Hilfstätern spricht, lebt in einem Haus in dem u.a. auch Krokodile gehalten werden.

Der Humor kommt noch ziemlich subtil daher, so grob herumalbern wie in seinem letzten Fall in „Im Banne des Unheimlichen“ darf Inspektor Higgins noch nicht. Und auch Sir John hält sich als der witzige Sidekick noch zurück wenn es um amouröse Anspielungen seiner Sekretärin gegenüber geht. Er darf hier noch harmlos herumalbern, wenn er sich nach einem mehr oder weniger erfolgreich absolviertem Studium als Hobby-Psychologe versucht, freilich nach ganz eigenen Vorstellungen und für die Ermittlungen so gar nicht nützlich.

Der Rest des Streifens tut jedoch so, als wäre all das was passiert völlig normal, so als ob jeglicher Kriminalfall in etwa so gestrickt wäre wie die wirre Story die uns hier vor die Nase gesetzt wird. Auf die Wallace-Welt bezogen stimmt dies prinzipiell sogar, und dem Film tut seine unnötige Ernsthaftigkeit sogar gut, aber ebenso sinnvoll war es später nach dem hier besprochenen Werk die Reihe ironischer aufzubrechen als auf dem bislang eher subtil gehaltenen Weg.

Bizarre Figuren treffen auf zwielichtige Gestalten, junge Mädchen hausen in einer Schule umgeben von einer Nebellandschaft, und mittendrin stampft ein Mönch mit Peitsche umher. Das sind die Zutaten die „The College Girl Murders“ (Alternativtitel) zum Funktionieren bringen. Für den eigentlichen Mordfall interessiert man sich nicht wirklich, der Zuschauer ebenso wie die Verantwortlichen der Geschichte. Joachim Fuchsberger agiert souverän wie immer, Schürenbergs Auftritte bereiten Freude, auch wenn der gute Mann schon die ein oder andere bessere Vorstellung abgegeben hat, lediglich Uschi Glas ist mal wieder ein Dorn im Auge. Zwar wird ihre Rolle relativ klein gehalten, aber so ziemlich jede Szene mit ihr will nicht funktionieren. Dass sie von Sir John als besonders hübsch bezeichnet wird, kann man zumindest noch seiner geistigen Verwirrtheit zuschreiben, denn bezaubern will das Hohlbrot in Wirklichkeit so gar nicht.

„The Monk with the Whip“ (Alternativtitel) erzählt seine Geschichte noch so ernst wie zu den guten alten Schwarz/Weiß-Zeiten der Reihe, und als Film für sich funktioniert er auch recht gut. Das mag anders sein wenn man erst kurz vorher die Rialto-Erstverfilmung des Stoffes gesichtet hat. Da ich aber die Buntphase der Wallace-Serie zur Zeit rückwärts sichte, kann ich davon unvoreingenommen über die Qualität des Streifens berichten, und der ist angenehm routiniert inszeniert und sehr unterhaltsam ausgefallen, wenn auch nicht sonderlich innovativ umgesetzt. Im Vergleich zum „Gorilla von Soho“ hat „The Prussic Factor“ (Alternativtitel) in Sachen Farb-Remakes für mich aber definitiv die Nase vorn.


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IM BANNE DES UNHEIMLICHEN (1968 Alfred Vohrer)


Auf der Beerdigung von Sir Ramsey ertönt sein Lachen aus dem Totenreich. Fortan geschieht eine Reihe von Morden, bei welchen der Bruder des Verstorbenen beschwört er habe den Toten umherwandeln sehen. Inspektor Higgins ermittelt...


Fast so viele Leichen wie im Hamlet...

Während Sir Arthur ganz offiziell als Nachfolger des pensionierten Sir John eingeführt wird, und dabei bereits mit seinem Humor punkten kann, der noch nicht so zotig ausgefallen ist wie bei seinen zwei weiteren Auftritten in „Der Gorilla von Soho“ und „Der Mann mit dem Glasauge“, ermittelt Inspektor Higgins das letzte Mal für die Rialto-Wallace-Reihe. Zwar kehrte Joachim Fuchsberger im vorletzten Teil der Serie noch einmal für den deutsch-italienischen Giallo „Das Geheimnis der grünen Stecknadel" zurück, dies jedoch in einer anderen Rolle und zu einer Zeit, in welcher die Filme nichts mehr mit der eigentlichen Kriminalfilm-Reihe zu tun hatten.

Alfred Vohrer, der  für alle der letzten klassischen Wallace-Filme verantwortlich war, dreht die Schraube der abgedrehten Elemente erneut ein wenig auf. War der Vorgänger „Der Hund von Blackwood Castle“ noch der Versuch die stimmigen Schwarz/Weiß-Grusel-Krimis der Reihe mit dem schrilleren Stil der Buntphase zu vereinen, so kommt „Im Banne des Unheimlichen“ bereits viel eher wie eine absichtlich alberne Jahrmarktsattraktion daher, zwar noch weit entfernt von der Komödienvariante eines „Der Mann mit dem Glasauge“, aber schon wesentlich irrsinniger inszeniert als sein eigener Nachfolger „Der Gorilla von Soho“.

Higgins selbst wird comichafter dargestellt als üblicher Weise, pustet sinnlos in Trillerpfeifen und hübsche Damen, kann keinem weiblichen Arsch optisch widerstehen und bringt herrlich dämliche Sprüche, z.B. dann wenn er endlich sein Versprechen einhält mit der Sekretärin Sir Arthurs auszugehen, sie ihn im Restaurant bittet er möge nicht ans Telefon gehen, und Higgins flappsig damit kontert es könne sich ja eine attraktivere Frau am anderen Ende der Leitung befinden.

Zum alberneren Grundton gesellt sich zudem eine zentrale Mördermaskerade, die selbst in der Rialto Reihe, welche vor Fröschen, Bogenschützen, Gorillas und Mönchen mit Peitschen nicht Halt machte, ihresgleichen sucht. Das Totenkopfgesicht, welches mit Hut und langen Haaren so aussieht wie es sicherlich auch Udo Lindenberg bald tut, zumindest mit Blick auf das Cover dessen aktuell erschienender CD, wirkt in Nahaufnahmen tatsächlich trotz aller comichafter Verspieltheit noch halbwegs mystisch, selbst dann wenn es schwer ausatmend den Mund weit öffnet. Um so lächerlicher wirkt diese Maskerade wenn der Totenkopfmann reichlich agil hinfort laufen darf, was er öfter macht als es für eine Gruselwirkung gut für ihn wäre.

Erstaunlicher Weise wird dies gar nicht zum Nachteil des Streifens, eben weil der Grundton viel augenzwinkernder ausgefallen ist als ohnehin schon und Vohrer inszenatorisch deutlich macht, dass der Spaßfaktor im Vordergrund steht. Ein ernstzunehmender Grusel-Krimi soll „The Zombie Walks“ (Alternativtitel) gar nicht sein. Er ist als Parodie eines solchen gedacht, wenn auch noch nicht als lupenreine Komödie ausgelegt wie Vohrers letzter Streich der Reihe.

Ein souverän spielender Joachim Fuchsberger und ein wie immer gut agierender, wenn auch etwas unterforderter, Wolfgang Kieling sorgen dafür, dass das Niveau trotz alledem nicht ganz nach unten rutscht. Das Drehbuch hingegen puzzelt zum Finale hin einen scheinbar in der Not geborenen Erklärungsversuch der ganzen Umstände zusammen, die halbwegs erklären sollen was die ganze Geisterbahn-Parade nun eigentlich sollte. Es braucht also nicht verwundern, dass gerade Befürworter der Schwarz/Weiß-Phase mit „Hand of Power“ (Alternativtitel) so gar nichts anfangen können.

Was diese als Schwächen von „Im Banne des Unheimlichen“ ansehen, erkenne ich als Stärke innerhalb eines Streifens, der mir im direkten Vergleich mit seinem affigen Nachfolger besser gefällt, u.a. weil er innovativer und verspielter ausgefallen ist als dieser. Der Gorilla wirkte eher wie der Versuch mit kleinen Spielereien einen solchen Touch vorgaukeln zu wollen, der hier besprochene Film befindet sich jedoch mitten drin im provokativ anarchistischen, augenzwinkerndem Umgang mit sämtlichen Wallace-Elementen.

Was „Der Hund von Blackwood Castle“ mit seinen herrlich skurrilen Gimmicks bereits vorbereitet hat, nimmt „Im Banne des Unheimlichen“ auf und erweitert diesen Stil durch das Entfernen jeglicher ernsthaft stimmigen Gruselszenen. Damit ist er ein ehrlicher und selbstreflektierender Beitrag der Wallace-Reihe, ein Mut der den Anfang vom Ende bedeuten sollte, denn die Kinogänger von einst waren Innovationen gegenüber längst nicht so aufgeschlossen wie es Regisseur Alfred Vohrer war.


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EIN ALIBI ZERBRICHT (1963 Alfred Vohrer)


Als die Anwältin Rohm sich dem Fall eines Lastwagenfahrers annimmt, der beschwört jemand habe ihm einen Menschen vor den LKW geworfen, wohingegen ihm vorgeworfen wird einen Menschen selbstverschuldet überfahren zu haben, reagiert ihr Mann recht merkwürdig. Als Dr. Rohm näher in die Materie eintaucht wird ihr schließlich klar warum ihr eigener Gatte es gerne gesehen hätte, dass sie den Fall an wen anders abgibt...


So sehen also Mörder aus...

Nicht nur dass der LKW-Fahrer die Wahrheit sagt ist bereits von Anfang an klar. Auch wohin sich die Ermittlungen bewegen macht schnell deutlich was Fakt ist. Recht schnell weiß der Zuschauer dass sich Dr. Rohm in keine wirren Mutmaßungen verstrickt. Und Vohrer ist bewusst, dass unter all diesen Voraussetzungen der Stempel des Kriminalfilms nur bedingt auf „Ein Alibi zerbricht“ zutrifft. Wer einige Werke Vohrers kennt, der weiß aber auch dass den guten Mann stets die Psychologie zwischen den Dingen interessiert, sprich die Auslöser, die Folgen, der Pingpong-Effekt, das Verräterische, die Fehler, das soziale Dilemma, das Gewissen, die Gefühle.

„Ein Alibi zerbricht“ spielt deswegen so überraschend schnell mit offenen Karten, da er als eine Art Psycho-Drama angelegt ist. Ein Hauch Krimi weht von der einen Seite, ein Hauch Thriller von der anderen, aber die Dramatik der Situation in welche Dr. Rohm aufgrund ihrer Ideale ausweglos hineinschliddert ist der tatsächliche Kern der Geschichte. Nur will das nicht so gut funktionieren wie es Vohrer sicherlich gewollt hat. Nicht nur dass Dr. Rohm an den ungünstigsten Stellen schwer von Begriff ist, sie ist zudem mit Ruth Leuwerik nicht ideal besetzt. Über ihren Charakter darf man streiten, der ist wie alle weiteren Charaktere im Film weder gut noch böse angelegt. Jeder hat seine Beweggründe für das was er tut oder denkt. Aber wirklich glaubwürdig agiert Leuwerik nicht immer.

Mir wäre es persönlich lieber gewesen, wenn „An Alibi for Death“ (Alternativtitel) in seiner Art etwas düsterer ausgefallen wäre, eine tatsächlich spürbare Bedrohlichkeit kommt selbst dann nicht auf, wenn sich Dr. Rohm im Finale in Lebensgefahr befindet. Der etwas zu lückenhafte zwischenmenschliche Faktor, der die Dramatik hätte stärken können, mit einem blass spielenden Peter van Eyck aber ohnehin nicht erreicht werden kann, hätte mit einer düsteren Atmosphäre eine gute Stütze erhalten um mehr zu sein als die Lightversion dessen was mit dem hier vorliegenden Stoff möglich wäre. Aber „Ein Alibi zerbricht“ entfaltet sich hierfür nie genug.

Allerdings schwächelt auch das Drehbuch hin und wieder, z.B. dann wenn man sich im nachhinein fragen darf, warum der Mitarbeiter des Hotels den Mann auf dem Phantombild erkannt hat, obwohl dieser kein Brillenträger war. Zumindest hätte er zu seiner Aussage hinzufügen können, dass der Gast nie eine Brille trug. An solchen Beispielen bemerkt man, dass die Geschichte nicht zu Ende gedacht wurde, immer nur Schritt für Schritt funktioniert, es aber nicht erlaubt währenddessen und hinterher einen Blick zurück zu werfen.

Trotz aller Kritik ist Vohrer jedoch an einen wirklich guten Stoff geraten. Mag die Ausgangslage auch etwas zu zufällig ausgefallen sein, so ist das Netz in welches sich Dr. Rohm aufgrund ihrer Ideale verstrickt, doch recht interessant zu nennen. Wenn es um Schuldzuweisungen geht, dann stehen sich unterschiedlichste Blickwinkel gegenüber. Kann man den Selbsterhalt verurteilen oder ist er nur billige Rechtfertigung für eine bestialische Tat? Ist man gleich unsolidarisch und kalt wenn man in schlimmen Zeiten nicht zu seinem Ehegatten hält? Wann ist ein Mord eine kaltblütige Angelegenheit, und wann, falls überhaupt, ist ein Mord gerechtfertigt?

Gerade weil sich „Ein Alibi zerbricht“ zentral mit diesen Fragen beschäftigt, hätte es dem Film gut getan wenn die letzten 10 Minuten fehlen würden und der Film mit den Worten enden würde „So sehen also Mörder aus“. Meiner Meinung nach hätte der Film gar nicht besser enden können, hätten diese Worte in Kombination mit den drei Gesichtern die wir uns dazu ansehen dürfen, bevor die Optik verschwimmt, doch zu einem nachdenklichen Schluss geführt, der zur munteren Diskussionsrunde einlädt.

In den 60er Jahren, inmitten erfolgreicher James Bond- und Edgar Wallace-Filme, brauchte man im Finale aber dann doch scheinbar so manchen Paukenschlag, und aus verzweifelten Menschen werden doch noch gnadenlose Täter, die kurz vor Schluss leider doch noch den Bösestempel aufgedrückt bekommen, zumindest stärker als zuvor, auch wenn kleine Reaktionen im Spiel das Ganze wieder abschwächen sollen. Nötig hätte der Film das nicht gehabt, er wäre wie gesagt besser mit dem von mir gewünschten Schluss ausgefallen, charmant inszeniert ist aber auch die komplette Schlusschose. Allein das Schlussbild, bevor auf fast schon verspielte Art das Wort Ende ins Bild tritt, zeigt schon wie gelungen der Inszenierungsstils Vohrers ist. Aus der Grundlage eines wackeligen Drehbuch in Kombination mit ebenso wackelig talentierten Stars holt er mehr heraus als es manch anderer Regisseur geschafft hätte. Das macht aus „Ein Alibi zerbricht“ zwar keinen Geheim-Tipp, aber immerhin sympathische Unterhaltung für zwischendurch.


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