Montag, 29. Februar 2016

INVASION DER BLUTFARMER (Invasion of the Blood Farmers 1972 Ed Adlum)


Ein Pathologe gelangt aufgrund eines Todesfalles in der Kleinstadt in welcher er lebt und arbeitet an eine ungewöhnliche Blutprobe. Das Blut reproduziert sich fortlaufend von selbst. Was er nicht ahnt: eine uralte Druidensekte versucht mittels dieses ungewöhnlichen Blutes seine Königin wiederzuerwecken, damit ihr Kult nicht austirbt und die Weltherrschaft erlangen kann. Um an dieses Ziel zu gelangen ist ihnen jegliches Opfer recht...


Blut wie ein Blob, Schurken wie der letzte Mob...

„Invasion der Blutfarmer“ ist für mich jene Art Trash, die auf der einen Seite auf charmante Art in ihrem Anliegen scheitert, auf der anderen Seite aber auch immer deutlich macht, dass die Verantwortlichen zu wissen scheinen wo der Großteil ihrer Schwierigkeiten bei der Umsetzung lag. Das hat sie glücklicher Weise nicht davon abgehalten den Streifen trotzdem weiterzudrehen, sonst würde heute keiner dieses wunderschöne Stück Horrorfilm kennen, welches nur eine kleine Gruppe Filmliebhaber begeistern dürfte.

Gore-Fans werden enttäuscht von den harmlosen Bluteffekten, dabei ist die Art mit der man tolpatschig versucht harte Bilder mit den allerbilligsten Methoden zu kreieren so unglaublich charmant ausgefallen, dass man als Freund des alternativen Kinos niemals böse drum wäre oder gar beleidigt. Gewalttaten werden in ihrer Ausführung stets angedeutet bis es zum Schnitt kommt. Und nach diesem Schnitt wurde ordentlich unecht aussehendes Kunstblut auf die Stelle geschmiert die angeblich verletzt wurde.

Ein Overacting der Opfer und Täter erweitert den Sehwert dieser Mordsequenzen, und diese Momente sind nicht die einzigen Szenen in denen überforderte Mimen das beste aus ihren (Un)Möglichkeiten herauszuholen versuchen. Ebenso wie in der Art der Inszenierung so hat man trotz aller Ernsthaftigkeit auch im Spiel der Darsteller stets das Gefühl dass jeder seine Arbeit mit einem versteckten Schmunzeln angeht. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein um zu verdrängen, dass es derart naive Menschen geben dürfte, die glauben dass das was sie da bewerkstelligen mehr wäre als es ist.

Die unfreiwillige Komik sprudelt jedenfalls an so ziemlich allen Ecken und Enden. Ein Wissenschaftler entdeckt ein Blut, dessen Menge aufgrund der Eigenschaft, dass es sich pausenlos reproduzieren kann, immer mehr und mehr wird. Und trotz seiner Genialität ist er nur wenige Tage später völlig überrascht, dass das Gefäß in welchem sich das ominöse Blut befindet, nicht mehr groß genug für die entstandene Menge ist, so als könne sich dies nicht jeder Grundschüler aufgrund der vorgegebenen Informationen von alleine ausmalen. Stattdessen regiert das gnadenlos irrsinnige Gegenteil. Mit den Worten „du glaubst nicht was passiert ist“ ruft der Forscher seinen Assistenten zu sich, um ihm zu zeigen wie der Lebenssaft aus dem überfülltem Behältniss überschwappt. Nein was eine unvorhersehbare Überraschung! Herrlich!

Es ist das Glück für uns alle, dass die Gegenseite ebenso dämlich agiert, würden wir ansonsten doch heute von einer Druidensekte beherrscht werden. Aber diese darf in einem Film mit extremst konservativen Weltbild schließlich nicht siegen. Ein Happy End gehört zur Pflicht, und wer es mit eigenen Augen gesehen hat erinnert sich sicherlich mit einem Lächeln an die finale Sequenz, die ebenso aus einer Folge „Unsere kleine Farm“ hätte entspringen können, wenn die Tochter des Wissenschaftlers vom Papa einen neuen Hund geschenkt bekommt. Der alte ist im Laufe der Zeit zum Opfer der Sekte geworden.

Dies ist er übrigens nicht für das Ziel der Sekte selbst. Die Mitglieder bestehen (von ihren Anführern einmal abgesehen) aus degenerierten Vollspacken, und einer von denen hatte mal wieder Lust seiner blutigen Perversion nachzugehen. Wie in so vielen anderen Momenten erkannte Regisseur Ed Adlum in dieser Tat eine Unlogik für die eigentlich erzählte Geschichte, und solche Momente versucht er stets mit einfachen Erklärungen abzuschwächen, so als würde er nicht bemerken dass er gegen Windmühlen kämpft, so Banane wie allein schon der Haupt-Storystrang ausgefallen ist.

Um so lustiger ist es dann vom Sheriff gesagt zu bekommen, dass sein Gehilfe nicht bei einer Rettungsaktion dabei sein kann, weil er zu besoffen für den Dienst wäre. Ebenso holprig kommt die Erklärung daher warum der Sheriff überhaupt so lange Zeit keine Nachforschungen anstellen kann. Krampfhaft versucht Adlum, der bis auf „Invasion der Tollwütigen“ (Alternativtitel) keinen weiteren Film mehr gedreht hat, dem kompletten Nonsens eine glaubwürdige Stütze zu bieten, und dabei scheitert er so charmant wie beim restlichen Vorhaben.

Eine sympathische Synchronisation, deren Sprecher ebenfalls so klingen als wären sie aus einer heilen Welt-Serie entlaufen, unterstreicht diesen stets auf ungewöhnliche Art hervorstechenden Charme, den manche Filmfreunde scheinbar nicht zu spüren vermögen, was ich nicht verstehen kann bei einem solch liebevoll dämlichen Film.

Interessanter Weise wird „Invasion of the Blood Farmers“ (Originaltitel) keineswegs zur großen Lachorgie. Die unfreiwillige Komik kommt eher still daher und läd zum Schmunzeln ein, während der Streifen ansonsten eine gekonnte Schundstimmung zu vermitteln weiß, allein aufgrund seiner veralteten ungeschliffenen Optik, die wie in so vielen Independentfilmen der 70er Jahre, den Sehwert zu stärken weiß, ohne dass man deshalb gleich von Kunst sprechen müsste oder gar könnte.

Es ist der Retro-Look, die trockene Atmosphäre und der theoretisch alberne Versuch die dämliche Story ernst umzusetzen was den Streifen zu einem solch liebenswerten Stück Film macht. Diesbezüglich wäre er in seiner Art ein wenig mit „Invasion der Bienenmädchen“ vergleichbar, auch wenn dort eher die aufkeimende Erotikwelle verarbeitet wurde, was im hier besprochenen Film nicht einmal im Ansatz der Fall ist. Ganz im Gegenteil: „Invasion der Blutfarmer“ ist ziemlich verklemmt erzählt. unterhaltsam


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Sonntag, 28. Februar 2016

SADOMANIA - HÖLLE DER LUST (1981 Jess Franco)


Eine Frau gerät in ihren Flitterwochen in ein Frauengefängnis, geleitet von einer sadistischen Direktorin, oft besucht von einem lüsternen Gouverneur, der sich dort Sklavinnen für Sexspielchen besorgt. Der Gatte der Gefangenen befreit seine Holde aus der Hölle, und zusammen mit weiteren Opfern nehmen sie Rache an den Peinigern...


Ein Täubchen auf der Flucht...

Jess Franco, kaum ein anderer schafft es eine solch reine, ehrliche Form des Schmuddelkinos abzuliefern wie er. Und dies beweist er mit „Sadomania“ erneut, welchen Oliver Nöding in seinem Blog „Remember it for later“ als Fiebertraum bezeichnet, und diese Formulierung passt sehr gut, so surreal anmutend sich der Film anschaut. Eine Geschichte gibt es so gut wie gar nicht. Nach logischen Zusammenhängen muss man nicht suchen, die sind auch für den Regisseur nicht von Interesse. Wie der Gatte jeweils auf die geheimen Verstecke stößt um Frauen zu befreien wird nie thematisiert. Das würde wertvolle Fummelzeit rauben. Und dass er einen kompletten Menschenhändlerring allein mit einem Gewehr bewaffnet sprengt, spricht auch nicht gerade für eine glaubwürdige und durchdachte Geschichte.

Aber dank außufernder Sexszenen im Mix mit gewalttätigen Phantasien ist man abgelenkt genug um sich daran nicht zu stören. „Sadomani“ muss man erleben, und die ungewöhnliche Kameraführung, die immer wieder spannende Perspektiven sucht, z.B. wenn sie nah herangezoomt ziellos über die nackten Körper umherwandert, hilft einem dabei den Film einzig als Rausch mit ausgeschaltetem Kopf zu erleben. Abartigkeiten unterbrechen Sinnlichkeiten, Geschmacklosigkeiten reihen sich aneinander, sollen provozieren, werden jedoch nicht in explizit harte Bilder getaucht. Ihre Andeutungen reichen bereits.

Kämpfe auf Leben und Tod, eine abgebissene Brust, dahinsterbend von einem Krokodil verspeist zu werden, eine Menschenjagd im Stile eines „Graf Zaroff“, den Franco bereits 1974 mit „La comtesse perverse“ wesentlich direkter ehrte, an üblen Ideen mangelt es hier nicht. Selbst vor einer deutlich angedeuteten Sodomieszene macht Franco nicht Halt, der selbst in einer kleinen Rolle als schwuler Bordellbesitzer vor der Kamera agiert und dies ebenfalls u.a. mit einer Sexszene. Schwule kommen in diesem frauenverachtendem Werk menschlich gesehen so schlecht weg wie Schwarze, Politiker und Menschenhändler. Es hagelt Schund von jeder Seite, inhaltlich wie mental. Aber „Hellhole Women“ (Alternativtitel) ist darin sehr ehrlich, spielt nicht vor etwas anderes zu sein, so dass es für den Zuschauer keine plumpen Ausreden gibt zu begründen warum man den Film mag, falls man ihn denn mag.

Ich weiß selbst nicht so genau ob ich das tue. Eine Punktebewertung zeigt ihre Grenzen bei Werken wie diesen, die Schund in Reinform sind, aufgrund ihrer Schmuddelkunst aber auch nie langweilig oder uninteressant. „Sadomania - Hölle der Lust“ strahl eine eigene Faszination aus, die man dem Normal-Kinogänger nicht erklären kann. Und der wird es nicht versuchen wollen, muss man doch nicht gerade ein konservativ veranlagter Mensch sein um diesen Streifen als fragwürdig zu empfinden. Es vergeht keine Minute ohne Nacktszenen. Vergewaltigte Frauen bitten um mehr, Minderjährige werden verführt, Menschen gefoltert, an Geschmacklosigkeiten mangelt es nicht. Und Franco untermalt diese Abartigkeiten in ästhetisch gehaltenen Bildern mit einem laut Vorspann von ihm stammendem Soundtrack, der zwar nicht immer auf die Situationen passt auf die er gelegt wurde, der aber zumindest abwechslungsreich und melodisch interessant ausgefallen ist.

Um mit Francos „Sadomania“ etwas anfangen zu können muss man schon tief im Schundfilm zu Hause sein. Die sonst so humoristisch verspielte Art Francos wird hier arg zurückgeschraubt. Das Zentrum Abenteuerfilm anderer Werke wird hier nur zum Beigeschmack, zu zentral widmet sich der Regisseur den quantitativen Schauwerten, als dass man von einem halbwegs entspannten Stück Abenteuer sprechen könnte. Zu sehr gehen vorgetäuschte Kritik und der Voyeurismus an der Pein Hand in Hand, um sich nicht ständig während des Schauens zu fragen warum einem dieser aus niederen Trieben zusammengeschusterte Stoff so fasziniert. So genau kann ich es selbst nicht beschreiben. Die Antwort liegt aber sowohl in dem anfänglich erwähnten Fiebertraum-Feeling, als auch in der schonungslosen Ehrlichkeit des Filmes genau das sein zu wollen, was wir unverfälscht und ungeschönt vors Auge geknallt bekommen. interessant


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DAS SPIELZEUG (Le jouet 1976 Francis Veber)


Nach Jahren der Arbeitslosigkeit hat Francois Perrin wieder einen Job als Journalist erhalten. Bei seiner ersten innerbetrieblichen Reportage wird er vom verwöhnten Sohn seines reichen und sehr mächtigen Chefs in einem Kaufhaus als Geschenk ausgesucht, als dieser sich etwas frei gewähltes kaufen darf. Unter Druck spielt Francois die Posse mit, da er denkt alles sei vorbei, wenn der Junge aufgrund dieser Aktion Ärger vom Herrn Papa bekommen hat. Aber alles läuft anders als erwartet, und um nicht arbeitslos zu werden muss Perrin widerwillig das Spielzeug des Bengels mimen - jedoch nicht ohne Hintergedanken...


Menschen kaufen, Befehle ausführen...

Neben „Eine Wolke zwischen den Zähnen“ dürfte „Das Spielzeug“ das wohl ernsteste damalige Werk mit Pierre Richard in der Hauptrolle gewesen sein. Zwar ist diese erste Zusammenarbeit mit Regisseur Francis Veber, der noch drei Richard/Depardieu Komödien folgen sollten (u.a. „Ein Tolpatsch kommt selten allein“), ebenfalls komödiantisch inszeniert, aber ihr liegt ein ernstes, gesellschaftskritisches Thema zu Grunde, mehrere sogar, und Richards allseits beliebter Klamaukpart wird arg eingegrenzt, was jedoch nicht zum Schaden des Streifens wird.

Ganz im Gegenteil! Obwohl ich Pierre Richard im Bereich des Slapsticks für einen der talentiertesten Schauspieler halte, tut es dem Film nicht nur gut dass sich der gute Mann der Geschichte unterzuordnen hat und somit nicht so oft herumkaspern darf wie gewohnt, er wurde sogar zu meinem Lieblingsfilm des langbeinigen Blonden und übertrumpft damit sogar das tolle Ergebnis des legendären „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“, mit welchem der Komiker schließlich auch in Deutschland berühmt wurde.

Bis in die kleinste Rolle perfekt besetzt taucht Veber die groteske Idee in ein realistisches Gewand und spielt die Folgen dieses Auslösers wohldurchdacht durch. Mag gerade der Firmenchef als Bösewicht auch etwas arg Klischee-haft wirken, so funktioniert doch durch seine Extreme trotzdem die Geschichte. Zumal er nicht die einzig unsympathische Figur des Streifens ist. So ziemlich jeder andere ist typisch menschlich gezeichnet und damit auch nicht gerade die Verkörperung einer Vorzeigeperson, und auch seine comicartige Übertreibung spiegelt sich in vielen anderen Charakteren wieder, bis Francois und der kleine Eric die einzig normalen innerhalb einer völlig sinnentleerten Gesellschaft zu sein scheinen.

Francois Verhalten ist stets nachvollziehbar, nie überspannt Veber den Bogen ins Unglaubwürdige, es geht ihm aber auch nie darum dass man als Zuschauer stets zu Francois Taten steht. Dieser ist nun einmal eine Figur mit Ecken und Kanten, und gute Absichten vermischen sich mit persönlichen Rachegefühlen. Aus einer Abhängigkeit wird eine politische Strategie für die er den Sohn des Chefs gewissenlos einspannt. Seine Beziehung zu dem Jungen ist nicht frei von Sympathie. Es entsteht, ganz im Gegenteil, ansonsten sogar eine richtig respektvolle Vater-Sohn-Beziehung zwischen den beiden (und dies emotional nachvollziehbar wachsend ohne manipulierenden Kitsch zu benötigen). Somit spiegelt sich auch in der Hauptfigur das Leben wieder, in all ihrer facettenhaften Reichhaltigkeit. Mitgefühl und das Ausnutzen der Person für die man echte Gefühle hegt stehen in einer erwachsenen Welt nun einmal nicht im Widerspruch.

Und „Das Spielzeug“ ist in seiner Ehrlichkeit und in seiner Konsequenz ein erwachsenes Werk, welches unsere Gesellschaft kritisch unter die Lupe nimmt und dabei zwar hauptsächlich auf die reiche Oberschicht einprügelt, jedoch nicht einzig auf sie allein. Was als albern klingende Posse beginnt und in einer vor Kitsch nur so triefenden Soße hätte enden können, wird zu einer gut beobachtenden Satire, in welcher auf ganz typisch unverkrampfte französische Art auch die Gefühle nicht zu kurz kommen, in einer Inszenierung die sowohl für ihre ernsten Anliegen als auch für den Humorbereich genügend Platz findet, in einem harmonisch einander beeinflussendem Gleichgewicht, welches nicht nur nicht von Pierre Richards gelegentlich eingestreuten Klamaukeinlagen gestört wird, sondern förderlich für die Grundhaltung des kompletten Streifens wird. sehenswert

P.S.: Von der Ami-Neuverfilmung „Der Spielgefährte“ sollte man übrigens unbedingt die Finger lassen, ertrinkt es doch in Kitsch und unpassendem Klamauk, und wurde der eigentliche Kern der Geschichte von den Remake-Verantwortlichen doch überhaupt nicht erkannt.


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Z NATION - STAFFEL 1 (2014 John Hyams u.a.)


Vor drei Jahren wurde die Menschheit von einem Zombievirus überrannt, kaum wer lebt noch. Eine Gruppe Überlebender erhält den Auftrag jemanden von New York nach Kalifornien zu eskortieren, der acht Zombiebisse überlebt hat. Er ist die Chance für die Menschheit auf ein Gegenmittel...


The Ayslum Goes Serie...

Wenn eine TV-Serie im Fahrwasser von „The Walking Dead“ schwimmt und von der berüchtigten Firma The Asylum umgesetzt wurde, dann darf man zu Recht erst einmal Bedenken anmelden. Eine Pilotfolge in einem solch schlechten Farbfilter wie er mittlerweile üblich für billigst produzierte Zombiestreifen für den DVD-Markt ist, bestätigt zunächst den ersten Eindruck. Flache Charaktere mit denen man sich nicht identifizieren kann erleichtern den Einstieg nicht gerade. Zwar weiß bereits die erste Folge mit kleinen nerdigen Ideen zu überraschen, so z.B. mit jener, dass einer der Überlebenden im ewigen Eis, dort völlig allein lebend, in einer ehemaligen NSA-Station die nötige Technik besitzt ganz Amerika zu überwachen, aber so wirklich zünden will der Pilot nicht.

Aufgrund der stark zurückgeschraubten Political Correctness guckt er sich allerdings zumindest besser als die darin badende Erfolgsserie von deren Erfolg man ein Stückchen abhaben wollte. An dessen Piloten, der einsame Höhepunkt der ersten Staffel „The Walking Dead“, kommt dieses mittelmäßige Stück Horror-Standard jedoch nicht ansatzweise heran. Dies soll sich auch in der zweiten Folge nicht wirklich ändern, allerdings wird hier schon deutlicher, dass es den Autoren nicht an abgedrehten Ideen mangelt. In der dritten Folge angekommen wurde ich endlich warm mit „Z Nation“. So langsam fand ich Gefallen an den Charakteren, auch wenn sie mir noch immer zu distanziert präsentiert wurden, und die immer wieder eingestreuten individuellen Ideen wussten die übliche Zombiesoße zu verzuckern, zumal die Serie nicht gerade zahm daher kommt.

Was sich anfangs nur gelegentlich abzeichnet wird im Laufe der Zeit immer dominanter. Schräge Ideen schaukeln sich hoch. Manche für eine Folge, andere innerhalb eines roten Fadens, und je mehr die erste Staffel sich dem Ende neigt, um so mehr distanziert man sich vom populären Vorbild und um so eigenständiger wird die Geschichte, die einiges vom Zuschauer fordert. „Z Nation“ mag nicht so großartig ausgefallen sein wie die erste Zombieserie „Dead Set“, in ihrer abgedrehten Art bereitet sie jedoch genügend Freude dem immer wieder überraschenden Treiben der Truppe zu folgen.

Selbst der Tiefpunkt der ersten Staffel, eine Folge die fast einzig aus Traumsequenzen besteht, besitzt zumindest in der Theorie ihren Reiz, so dass man trotz eines eher mittelmäßig bis schlechten Ergebnisses zumindest dem Mut diese ungewöhnliche Idee überhaupt angegangen zu sein Respekt zollen kann. Eine andere Folge orientiert sich augenzwinkernd an The Asylums bislang größten Erfolg „Sharknado“, und die Finalfolge muss man selbst erlebt haben um zu glauben was dort abgeht. Selten war ich so neugierig in welche Richtung die kommende Staffel einer Serie schlagen wird, wie nach diesem völlig unerwarteten Cliffhanger.

Die anfangs so blass wirkende Serie „Z Nation“ jongliert nach einiger Anlaufzeit mit schrägen bis grotesken Ideen, macht es sich in der Figurenzeichnung vielleicht ein wenig zu einfach, trotzdem dürfte für jeden so etwas wie eine blasse Sympathiefigur dabei sein. Einzig der Antiheld, der acht Zombiebisse überlebt hat, sticht charakterlich aus der Masse heraus und wird nach langer Zeit zu einer richtigen Kultfigur, an welcher die Autoren ihrer Fantasie freien Lauf lassen konnten.

In „Z Nation“ ist nichts wie es scheint. Da enden Folgen unverhofft anders als erwartet, da gibt es ungewöhnliche Schwerpunkte und Sichtweisen auf die Geschehnisse, da werden Hauptfiguren auch mal komplett ausgeblendet um sich auf andere Figuren zu konzentrieren, manche Charaktere fallen sogar aus den unterschiedlichsten Gründen überraschend komplett weg. Der Zuschauer muss sich bei dem wilden Trip namens „Z Nation“ auf einiges einstellen. Ohne den blöden Farbfilter und mit besser herausgearbeiteten Figuren könnte die Serie noch richtig gut werden. Kult ist sie auf jeden Fall. Und unterhaltsam genug um auch die kommende Staffel zu sichten ist Season 1 auch. Ich bleibe neugierig... unterhaltsam


KILLER ANTS - SIE KOMMEN UM DICH ZU FRESSEN (Invictia 2014 Carolyn Banks)


Ein junges Pärchen stößt nach seinem Umzug nach Texas auf eine aggressive Ameisenform...


Phase Blöd...

Die Gattung des Ameisenfilms innerhalb des Sub-Genres Tier-Horror hat noch nie sonderlich gute Werke hervor gebracht. Ob nun „Marabunta“, „Killerameisen“ oder „Ameisen - Die Rache der schwarzen Königin“, all diese Filme sind eher lahm als unterhaltsam ausgefallen. „Ants on a Plane“ wusste zumindest in seiner Schlechtigkeit zu unterhalten, war aber auch nicht der Partybrüller den man sich von Trash erhofft. Interessanter Weise war es der Science Fiction-Bereich der recht früh den einzig mir bislang bekannten brauchbaren Film zu dieser Thematik hervorgebracht hat und das war der geniale „Phase 4“.

Wer nun glaubt die Billigproduktion „Killer Ants - Sie kommen um dich zu fressen“, die mit ihren schlechten, arg ruckeligen Aufnahmen und dilettantischen Darstellern mehr Amateurfilm als Independentfilm ist, handle ebenfalls von einer gefährlich mutierten Ameisengattung die in Massen ausschwärmt um Menschen zu töten, der irrt. Fast sind die kleinen, schlecht am Computer animierten, Krabbler Statisten in ihrem eigenen Film, so selten wie sie auftauchen. Letztendlich bedient man sich bei der hier erzählten Kriminalgeschichte beim ersten Killerbienen-Film „Die tödlichen Bienen“ und lässt die roten Feuerameisen mittels einer Chemikalie auf die Opfer los. Mord durch fremdbeeinflusste Tiere könnte man dies nennen, womit auch ein Vergleich zur Sat 1-Produktion „Die Krähen“ legitim wird.

Bereits das war ein ziemlich öder Film, aber „Invicta“ (Originaltitel) ist noch schlechter als dieser, ist er doch so untalentiert zusammengeschustert dass sein Makel nicht die Langeweile ist (obwohl er wahrlich nicht interessant ausgefallen ist), sondern die Dreistigkeit einen solchen Film überhaupt auf die Menschheit losgelassen zu haben. Selten fühlte ich mich von der Stümperhaftigkeit eines Streifens derart beleidigt wie im hier vorliegenden Werk, wird doch gar nicht erst versucht den Film halbwegs professionell aussehen zu lassen. Eine miese Kameraführung, uninspiriert eingefangene Bilder, ein hanebüchenes Drehbuch, schlechte Schnitte, überforderte Mimen - bei dieser Aufzählung fügt sich die hundsmieserable deutsche Pornosynchro nahtlos ein, die es in ihrer brutal schlechten Art einfach nicht schafft den Film noch weiter herunter zu ziehen, als er es bereits von sich aus tut.

Also um Himmels Willen, lasst bloß die Finger von diesem nicht einmal auf Trash-Basis lustigen Schund, der Werke des Syfy-Senders wie hochwertige Kunstfilme aussehen lässt und einem lediglich Lebenszeit und Geld raubt. Das hier zelebrierte Weltbild, die Lustlosigkeit an der Umsetzung und der Dilettantismus der uns von allen Seiten anweht sind mehr als ausreichende Gründe „Killer Ants“ (Alternativtitel) aus dem Weg zu gehen, zumal er nicht einmal die Art Geschichte erzählt die sein Cover verspricht. schlecht


Samstag, 27. Februar 2016

IT FOLLOWS (2014 David Robert Mitchell)


Nachdem die Teenagerin Jay bei einem Date Sex mit ihrer Verabredung hat, lastet auf ihr ein Fluch. Ein Wesen, welches seine Gestalt verändern kann, ist stets in ihrer Nähe und möchte ihren Tod. Nur der Geschlechtsverkehr mit einer anderen Person würde Jay vorerst vor dem Fluch befreien...


Das langsame Grauen...

David Robert Mitchell macht in seinem zweiten Langfilm alles richtig um einen guten Horrorfilm zu kreieren. Er präsentiert uns eine interessante Bedrohung, hält ihre Mystik hoch, indem er uns nur das nach und nach verrät was für die Geschichte von Bedeutung ist, taucht dies in stimmige Bilder, untermauert die vordergründige Erzählung mit einer analytischen Hintergrundstory (die Sexualität bricht in die Wohlfühlwelt der Teenager ein) und schenkt jeder Szene genau jene Akustik die zu ihr passt. Von Stille, über Brummtöne bis hin zur peppigen Synthesizermusik reicht sein Repertoir.

Nicht nur der Synthesizer erinnert an John Carpenter und seinen legendären „Halloween“. Zitiert wird der Film auch in Bild und Geschichte, so z.B. in der allerersten Aufnahme, in welcher wir eine Blätter-bedeckte Allee im Herbst zu sehen bekommen. Das Wann im Film wirkt fast zeitlos. Die Technik samt Autos wirkt als ob wir uns in den 80er Jahren befinden, lediglich das elektrische Lesebuch von Jays Freundin und das sterbende Detroit, welches Mitchell erst sehr spät erkennen lässt, machen deutlich dass „It Follows“ in der Gegenwart spielt. Somit erschafft er nostalgisches Flair und vermittelt gleichzeitig, ohne wahre Gesellschaftskritik zu äußern, unter welchen Problemen die Jugendlichen bewusst oder auch unbewusst leiden, noch bevor sie mit dem Fluch konfrontiert werden.

Die Armut könnte auch erklären warum es der Jugend an der üblichen Technik seiner Zeit fehlt. Das wäre zwar nicht wirklich glaubwürdig bei der Kostengünstigkeit in diesem Sektor, erlaubt es Mitchell jedoch Teenager so unverfälscht zu zeigen wie sie sind. Noch nicht jeder aus der Gruppe hat seine sexuelle Seite entdeckt, die Figuren wissen nicht mehr und nicht weniger was man ohne Lebenserfahrung weiß, und ihre Naivität ist immer präsent in einer Phase, in welcher man glaubt diese nach der Kindheit hinter sich zu haben. Die Kids im Film scherzen, lästern und grübeln authentisch. Mitchell erschafft eine völlig realistische Wiedergabe des Teenagerlebens in einem Vorort, und auf dieser Basis weiß auch das übernatürliche Grauen glaubwürdig zu wirken, so dass „It Follows“ nicht nur ein theoretisches Erlebnis wird, sondern auch ein spannendes Mitfühlen für den Zuschauer, selbst Tage nach dem Sichten noch.

Denn was auf dem ersten Blick aufgrund seiner langsamen Geschwindigkeit und seines alltäglich wirkenden Äußeren nicht zu gruseln vermag, wird zu einem Nervenkitzel sondergleichen wenn Mitchell uns mit allerhand psychologischen Mitteln und Tricks das Gefühl spürbar macht verfolgt zu werden und nichts dagegen tun zu können. Wer den Fluch hat wird nie wissen ob er wirklich vorbei ist. Das Gefühl der Verfolgung wird einen ein Leben lang verfolgen. Und genau durch diesen Fakt zieht das unauffällig menschliche Äußere des Wesens seine Kraft. Langsam gehende Menschen, die sieht man immer im wirklichen Leben, im Film gerne auch von der Kamera scheinbar ungeachtet im Hintergrund erkennbar. Manchmal erklärt sich mit der Zeit von selbst ob es das Wesen ist, manchmal erfahren wir es nie.

Die Geschichte könnte man als einen Mix aus „Final Destination“, „The Grudge - Der Fluch“ und „Halloween“ bezeichnen. Letztgenannter steht wie erwähnt auch inszenatorisch Pate, jedoch wandelt sich der Film im Finale hin vom 70er Jahre Stil zu jenem aus den 80er Jahren, wenn man sich eher in einem „Nightmare on Elm Street“-Film fühlt als in Carpenters Werk. So oder so verbeugt sich Mitchell immer wieder vor den großen Werken und Zeiten des Genres im Bereich der modernen Klassiker, biedert sich denen aber nie an, kopiert sie auch nie, sondern kommt im eigenen individuellen Gewand daher und wird damit ein ebenso selbstständiges Werk wie die Vorbilder und damit ein ähnlich großer Film unserer Zeit wie es die Vorbilder für ihre waren.

Das Geschick des psychologischen und soziologischen Verständnisses, das Verstehen der verschiedenen Blickwinkel auf die Geschichte und die technische Professionalität mit der alles eingefangen wird, erschafft uns mit Hilfe glaubwürdiger Darsteller und einer interessanten Geschichte mit nachvollziehbaren Ängsten einen solch dichten und wirksamen Horrorfilm, den man einfach auf sich wirken lassen kann, der seine Glaubwürdigkeit aber auch bei eingeschaltetem Kopf nicht verliert. Unglaubwürdigkeiten lassen sich durch das uns Unbekannte der Geschichte stets anderweitig erklären, bekannte geradezu fürs Kino typische Fehler werden umgangen oder bewusst frontal attackiert, indem man sie gegen die Wirklichkeit eintauscht. „It Follows“ sollte man sich nicht entgehen lassen. Allerdings benötigt man ein Faible für langsam erzählte Filme. Aber wer „It Follows“ versteht würde nie die Langsamkeit des Streifens kritisieren, ist doch jegliche noch so lange Kameraeinstellung durchdacht und für die Wirkung des Streifens unverzichtbar. sehenswert


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Dienstag, 23. Februar 2016

WILLKOMMEN BEI DEN SCH'TIS (Bienvenue chez les Ch'tis 2008 Dany Boon)


Weil er sich bei einem Versetzungantrag, um sich einen Vorteil zu verschaffen, als behindert ausgab ohne dies zu sein, wird der Postbeamte Philippe in den tiefsten Norden Frankreichs strafversetzt, eine Gegend von der er nur die übelsten Dinge gehört hat. Zu seiner Überraschung stößt er dort auf ein freundliches Volk, welches lediglich aufgrund seines merkwürdigen Dialektes ungewöhnlich auffällt. Während seine in der Heimat zurück gebliebene Frau glaubt Philippe erlebe die Hölle auf Erden, schließt der gutherzige Beamte neue Freundschaften und genießt das Leben mehr denn je - zumal auch seine Ehe aufgrund der Lüge besser funktioniert als zuvor...


Dasch isch ein herzlisser Film, hääää?...

Viele Jahre versuchten mir diverse Lehrer die französische Sprache ins Hirn zu hauen, und hätten sie es geschafft hätte ich „Willkommen bei den Sch‘tis“ im Originalton sichten können, was sicherlich die vorzuziehende Variante ist, wenn sich ein Großteil der Handlung um einen ungewöhnlichen Dialekt aus Nord-Frankreich dreht. Man sollte meinen, dass es kaum möglich ist die Komik auf eine andere Sprache umgemünzt zu bekommen. Aber auch wenn ich von diversen Quellen vernommen habe, dass der Deutschton nicht komplett die Qualität des französischen Originaltons erreicht, so kann man bei der Synchronisation doch trotzdem von einem überraschend gelungenem Ergebnis sprechen, welches u.a. dadurch erzielt wurde, dass man sich für keinen wirklichen deutschen Dialekt entschied, sondern einen eigens für den Film erfunden hat.

Es funktioniert wunderbar, auch wenn man als Zuschauer die Sch‘tis besser versteht als die Hauptfigur selbst. Ich wage es zu behaupten, dass Dany Boons Film sogar dann noch eine Empfehlung wäre, wenn der künstlische Dialekt nicht funktioniert hätte, gehen die Sympathien welche der Streifen ausstrahlt doch weit über die Sprachenkomik hinaus, zumal sie sich das Zentrum der Komik mit den Vorurteilen über Nord-Franzosen teilt, ein menschlischer Aspekt, der glücklicher Weise ohne erhobenen Zeigefinger aufgefangen wird. Anstatt moralisch zu werden zeigt uns Boon die Freuden des Lebens auf, die man erlebt wenn Fremde zu Freunden werden.

Aufgrund einer kitschfreien Umsetzung diesbezüglich innerhalb eines angenehm humorvollen Rahmens, der nie in irgend eine Form von umstrittener Extremkomik abgleitet, erschafft Boon mit seinem Rezept einen herzlichen Wohlfühlfilm, der durch gute Beobachtungen des Alltäglichen und trotz comicartiger Übertreibungen stets realistisch und gefühlsecht bleibt, so dass der Zuschauer sich schnell von der guten Laune und der seichten Dramatik anstecken lässt. „Bienvenue chez les Ch‘tis“ (Originaltitel) schafft dies ohne den Zuschauer trivial zu unterfordern. Es sind die stillen Töne, die das fertige Werk so liebenswert machen. Und dank gut aufgelegter und sehr talentierter Darsteller und einer wunderschönen Optik  schaut sich das auch alles so toll wie es klingt. sehenswert


Sonntag, 21. Februar 2016

PERSONA - DIE MACHT HINTER DEN MASKEN (Kamen gakuen 2001 Takashi Komatsu)


Gemobbte Teenager kommen maskiert zur Schule. Es werden immer mehr, und es entbrennen Bandenkriege zwischen Masken- und Nichtmaskenträgern. Als es zu zwei Todesfällen kommt versucht Yuki zusammen mit ihrem für eine Zeitung arbeitenden Onkel herauszufinden wer die Masken herstellt und wer Interesse daran haben könnte, dass zwei Menschen gestorben sind...


Freiheit durch Angleichung?...

Sehr fix geht es los. Plötzlich tragen sehr viele Schüler Masken. So plötzlich, dass sich der Zuschauer fragt warum überhaupt und warum sich so viele so schnell von der Bewegung anstecken lassen, einer Bewegung die keine wirklich erkennbare Lösung und keine wirklich erkennbaren Ziele besitzt. Die Maskenträger sind einfach da, protestieren auf ihre Art gegen Ungerechtigkeiten und werden durch Anonymität selbst zu Tätern von Ungerechtigkeiten. Gut und Böse kippt. Ein mit „Die Welle“ verwandter, auf bizarrer Ebene erzählter Stoff, nicht wirklich nachvollziehbar, die gebundenen Hände der Lehrer und Polizisten gegen das Tragen von Masken erst recht, aber doch eine gewisse Faszination ausstrahlend.

Einige Zeit kann „Persona“ (Alternativtitel) aufgrund dieser Faszination funktionieren, und dies obwohl er den Zuschauer nicht wirklich ins Geschehen einschließt. Zu unsentimental kommt der Streifen daher, zu groß ist die Distanz zum Geschehen, zu wenig Vorbereitung findet statt, als dass der Zuschauer sich in die seltsame Protestwelt der Maskenträger einfinden könnte. Und doch sind da viele interessante Fragen, die diese Bewegung auslöst: Wer nutzt den Trend aus? Wer hat ihn warum gestartet? Kann Anpassung zu Freiheit führen wenn Anonymität zum Vorteil in einer Gesellschaft wird, in der man zu viel voneinander weiß? Wo hört Gerechtigkeit auf, wo fängt Ungerechtigkeit an? Ist die Maske Schutz und psychologisch hilfreich, oder eine Flucht und damit psychologisch schadend? Und aufgrund einiger weniger eingefügter Spezialeffekte: steckt eine fremde Macht hinter den Masken? Und wenn ja: werde ich fremdgesteuert oder bin ich als Maskenträger noch Herr meiner eigenen Taten?

Wer die Auflösung kennt, der weiß nicht warum besagte Spezialeffekte eingefügt wurden. Andererseits: wer weiß worum es im Film überhaupt geht, der darf sich fragen warum anfangs von dieser gesellschaftlichen Entwicklung und ihrer Problematik erzählt wird, ist sie für den eigentlichen Plot doch nur wenig von Belang. Denn was sich anfangs wie eine Gesellschaftskritik guckt, welche sich auf die Rebellion der Maskenträger konzentriert, wird zu einem ollen Kriminalstreifen mit „Scream“-Touch, bei dem es um die Frage geht wer ist der Betreiber der Internetseite der Maskenbewegung, der sich selbst D. nennt, und warum hat er zwei Menschen umgebracht?

Je mehr Yoki forscht, desto mehr wird sie selbst Zielscheibe des Mörders und damit mögliches nächstes Opfer. Ein Rätselraten um die Identität von D. findet statt. Um die Rivalitäten, die mittlerweile weit über das Geschehen auf den Schulhof hinausgehen, wird immer weniger berichtet. Gesucht wird ein Mörder, und der findet sich entweder in der Modebranche, im psychologischen Bereich, oder beim Maskenhersteller selbst, einem wunderlichen Mann mit ebenso wunderlicher Schwester. „Persona - Die Macht hinter den Masken“ arbeitet auf die Lösung dieses Rätsels hin, und ist es gelüftet endet auch der Film. Ist die Bewegung zerstört? Keine Ahnung! Das erfahren wir nicht. Aber wir durften ja auch nie erfahren warum sie wirklich entstand, warum sie so viel Anklang fand und warum man sie nie bekämpfen konnte.

Was inhaltlich recht mager und irreführend ausgefallen ist, ist auch in seiner Umsetzung mager zu nennen, schaut sich „Kamen gakuen“ (Originaltitel) bis auf einige traditionelle Schrulligkeiten eher wie ein lieblos zusammengeschusterter US-Film, oder noch eher wie eine Serie aus Amerika, als wie ein Produkt aus dem einfallsreichen Japan, das sich in der Regel nicht an die Gesetzmäßigkeiten routinierter Erzählungen hält. „Persona“ ist weder clever noch verzweigt, nicht tiefgründig oder blendend, er ist schlicht und stumpf erzählt, fern jeglicher psychologischer Raffinesse, ein halbgares Durchschnittsprodukt gemünzt auf Teenager als Zielgruppe, untermalt mit jeglichem Musikstil von Rap bis hin zu Techno, um auch wirklich jedem gefallen zu wollen und gleichzeitig suggerierend: Wir verstehen Euch!

Sicherlich ist das mysteriöse Treiben der Maskengesellschaft und das Lüften ihrer Hintergründe recht reizvoll zu verfolgen. Wie wenig sich am Ende als sinnvoll erweist erkennt man schließlich erst recht spät. „Persona“ lässt sich als schnell vergessener Zwischendurchverzehr also durchaus schauen, aber am Ende ist er nicht mehr als ein typischer Film der einer Mörderaufdeckung nachgeht, ein Film der sich zuvor mit einem interessanten Mantel bedeckt hat und diesen am Ende beim Herausgehen in der Gaderobe liegen lässt. Und verarscht bleibt der Zuschauer zurück, der sich noch Tage später fragt: was wollte der Film überhaupt? Von daher: Gut dass man Komatsus Werk so schnell vergisst. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film: 

TERMINATOR 5 - GENISYS (Terminator: Genisys 2015 Alan Taylor)


Reese landet wie geplant im Jahre 1984, um Sarah Connor vor dem Terminator 800 zu beschützen, da stößt er auf sie als eine bereits erfahrene Kampfamazone, beschützt von einem Terminator 800 und bedroht von einem Terminator 1000. Irgendwer hat den Ablauf der Zeit verändert. Und Skynet droht nun im Jahr 2017 als Betriebssystem Genisys neu aufzuerstehen. Also reisen die drei ins besagte Jahr um Skynet aufzuhalten und werden dort überraschend vom totgeglaubten John Connor in Empfang genommen...


Dem Tod in der Vergangenheit entgehen wollen...

Das Franchise um die „Terminator“-Reihe hatte es nicht leicht. Ewig gebunden an den Figuren des ersten und zweiten Teiles, zwei Fortsetzungen von Camerons Kino-Hits die finanziell nicht die Erwartungen der Produzenten erreichten, so dass sogar der als Drei-Teiler konzipierte vierte Teil (zu Recht) ein Einteiler blieb, und Fernsehserien die ebenfalls unter den gehofften Erwartungen blieben - die „Terminator“-Reihe brachte genug Geld ein um es immer wieder zu versuchen, aber ewig am selben Szenario gebunden hatte man nicht viele Freiheiten um das bislang bekannte Geschehen auszuweiten.

Das hat sich selbstverständlich auch bei „Terminator 5 - Genisys“ nicht verändert, der nun versucht die vorhandenen Möglichkeiten in sofern zu nutzen, als dass er das uns bislang bekannte Szenario umwirft, um eine alternative Vergangengheit und damit eine alternative Zukunft zu erschaffen. Reese landet wie geplant im Jahr 1984, kurz nachdem Skynet in der Zukunft vermeintlich besiegt wurde. Doch wer Fremdes hat der jungen Sarah Connor bereits in den 70er Jahren einen Terminator 800 geschickt, der sie beschützt und ausgebildet hat, so dass nach einem Kampf mit einem T-1000 im Jahre 1984 das Szenario im Jahr 2017 fortgesetzt wird, wo Skynet sich eine Wiedergeburt (bzw. Erstgeburt) als Betriebssystem Genisys erhofft, welches mit allen Maschinen der Welt vernetzt sein wird. Neue Ausgangslage, gleiche Personen, gleicher Auftrag: Skynet aufhalten, damit die Maschinen gar nicht erst die Menschen beherrschen können.

„Terminator 5“ besitzt zwei Mankos unter denen er eigentlich nicht funktionieren könnte. Das erste sind die schlecht gecasteten Darsteller. John Connor stört mit überzogenem Make Up und geht gerade noch als akzeptabel in Ordnung, ist jedoch ein Vielschwätzer in einer von Drehbuchautoren nicht sinnvoll durchdachten Maschinenwelt, der sich wie ein König feiern lässt, in der Hauptstory aber dann doch zu einer interessanten Figur wird, in welcher ich aber einfach nicht den kleinen Jungen und den erwachsenen Rebellen erkennen kann, wie er einst gedacht war. Reese ist noch unangenehmer besetzt. Zwar meistert Jai Courtney manche Szene souverän, meist schreitet er jedoch viel zu blass durchs Szenario ohne wahre Ausstrahlung zu besitzen.

Am ärgerlichsten ist jedoch Sarah Connor mit dem „Game of Thrones“-Nackedei Emilia Clarke besetzt, die weder wie eine Kampfamazone wirkt, noch in irgendeiner Szene gekonnt zu schauspielern weiß. Die einfachsten Momente bekommt sie nicht glaubwürdig gemeistert, ihr schmächtiger Körper mit ein paar ollen antrainierten Muskeln ist nicht glaubwürdig, ihre deutsche Synchronstimme unterstützt diese Unglaubwürdigkeit mit einem zarten, niedlichen Stimmchen, und das Gesicht ist sanft und zart, anstatt vom Leben gezeichnet, womit die Besetzung ähnliche Schwächen aufweist wie die Hauptrolle in „Mad Max 4 - Fury Road“, die jedoch durch gekonntes Spiel einiges zu retten vermochte. Clarke kann nicht gegen ihre Glaubwürdigkeit lenken. Sie kann nicht mehr als süß auszusehen, und die Rolle der Sarah Connor ist die falsche für solche Vorteile.

Neben dem mehr als ärgerlichen Cast ist die Logik des Streifens ein Nachteil. Bereits die Erfolgsfilme unter James Cameron hatten ihre Lücken diesbezüglich im Bereich des Themas Zeitreisen, aber zumindest versuchte man trotzdem, meiner Meinung nach erfolgreich, eine innereigene Logik mit innereigenen Gesetzmäßigkeiten zu erschaffen, so dass die Denkfehler nicht dominant auffielen. „Terminator 5“ versucht gar nicht mehr irgend etwas auszubügeln und badet mitten in Zeitreise-und anderweitigen Denkfehlern, ohne auch nur kurzfristig den Eindruck zu machen sich dessen bewusst zu sein.

Zwar versucht man sich herauszureden, dass aufgrund der verschiedenen Zeitlinien die Helden des Filmes nur noch eine Art Gestrandete der Zeit sind, die mit ihrem Verhalten keinen Einfluss mehr aufs Zeitgeschehen der nicht mehr vorhandenen Zeitlinien haben, so dass Reese und Connor sich scheinbar auch nicht mehr paaren müssen um einen John zu zeugen, allerdings wird selbst diese Ausrede nicht durchdacht, fragt man sich doch unweigerlich warum ein egoistischer, da emotionsloser, Skynet in solch losgelösten Zeitebenen dann so bemüht ist sein alternatives Ich im Jahr 2017 stark zu machen, anstatt sein tatsächliches Ich wieder stark zu machen in der weiter entfernten Zukunft, in welcher er doch nicht wie erwartet vernichtet wurde. In dieser scheint er schließlich weiter leben zu können, da seine Zeitlinie mit dem Auftauchen der alternativen Zeitlinien scheinbar nicht vernichtet wird. Was hat er davon einem alternativen Skynet zu helfen, welches er selbst nicht ist und mit dem er nie in Berührung kommen wird?

Natürlich ist dies nur eines von vielen Beispielen, in der Story wimmelt es nur so von Widersprüchen. Da darf man nicht einmal kurzfristig nach links und rechts gucken, da man ansonsten sofort wieder neue Denkfehler entdeckt. Aber das ist das unglaublich faszinierende an Alan Tylors Regiearbeit. Wenn man sich einzig auf das beschränkt was der Film uns erzählen möchte, ohne eigene Gedanken mit einfließen zu lassen, dann funktioniert „Terminator 5 - Genisys“ trotz dieser zwei dominanten Makel überraschend gut, so gut sogar, dass er zum kurzweiligen Zwischendurchverzehr wie „Terminator 3“ wird, und damit zu mehr als zu einem fehlgeschlagenem, enttäuschenden Versuch, wie es „Terminator 4“ war.

Dem fehlte mit der Abwesenheit Arnold Schwarzeneggers ein wichtiger Grundpfeiler zum Funktionieren des Filmes, und die schwache Besetzung des fünften Teiles macht deutlich, wieviel ein charismatischer Schwarzenegger trotz Einschränkungen im Schauspieltalent auffangen kann wenn man ihn nur lässt. Schwarzenegger stemmt die Szenen die er spielt, und man erkennt dass er sogar Freude hatte zurück in jene Rolle zu kehren, die ihn einst entdültig zum Superstar machte. Er inmitten eines vor Überraschungen nur so wimmelnden Drehbuchs, innerhalb einer Inszenierung die Langeweile perfekt zu umschiffen weiß, indem die Geschichte einerseits nie auf der Stelle tritt, andererseits aber auch die lähmenden Nonstop-Actionorgien heutiger Blockbuster wie „Man of Steel“ unterlässt, dies zusammen ergibt einen sehenswerten Film, dem man seine dominanten Schwächen verzeihen kann.

„Terminator 5“ ist zwar modernes Actionkino und spätestens aufgrund seines nicht durchdachten Drehbuchs ein typisches Kind seiner Zeit. Aber er weiß auch das Flair der vergangenen „Terminator“-Filme zu versprühen, allein schon weil die Charaktere keine blassen seelenlosen Abziehbilder sind wie im Vorgänger, was ihn zu einem liebenswerten Zeiten-Cocktail macht und zu einem waschechten Bestandteil der Reihe.

„Terminator 5 - Genisys“ ist keiner dieser vielen Fehlversuche an alte Erfolge anzuknüpfen, er fühlt sich wie eine wirkliche Weiterführung der bekannten Geschichte an und hat mit seinem Schluss-Szenario nun die Chance neue Weichen für die Reihe zu stellen, welche die drei übrig gebliebenen Protagonisten, die noch wichtig für eine Fortsetzung wären, über kurz oder lang austauschbar macht, damit das Franchise nicht mehr zwingend an sie gebunden ist und „Terminator“ endlich losgelöst von ihnen weiter erzählt werden kann, womit freie Bahn für sprudelnde, einfallsreiche Ideen bestünde. Wollen wir mal das beste für kommende Beiträge hoffen. unterhaltsam


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Donnerstag, 18. Februar 2016

MÄNNERHORT (2014 Franziska Meyer Price)


Drei Männer haben sich in einem Heizungskeller ihres Wohnblocks einen Zufluchtsort eingerichtet, in dem sie frei von Frauen einfach ungezügelt Mann sein dürfen. Als der Männerhort vom Hausmeister entdeckt wird ist Schluss mit lustig. Der Keller soll so schnell wie möglich geräumt werden. Eine Gegenstrategie muss her...


Weicheier-Hort...

In unserer nach weiblichem Moralbild orientierten Gesellschaft, in welcher der Mann sein Geschlechterbild immer mehr verweichlicht, wäre es schön gewesen eine intelligente Komödie zu sichten, die sich dieses Themas ernsthaft annimmt, um die Problematik zu beleuchten die automatisch aufkommt, wenn Selbstlüge und Untergebenheit zur besseren Überlebenstechnik im Alltag wird als das offene Austragen von Konflikten zweier Geschlechter unterschiedlicher Auffassung. Die Geschichte zu „Männerhort“ könnte die Grundlage für einen solch diskussionswürdigen Stoff bereithalten, aber wirklich erwartet habe ich dies bei einem deutschen Kommerzfilm aus dem Jahre 2014 freilich nicht.

Franziska Meyer Prices Film ist aber leider im Gegenzug auch nicht die locker flockige Alternative geworden, die sich dieses schwierigen Themas mit Schwerpunkt auf den Unterhaltungswert des Stoffes nähert. Wo das Spiel mit Geschlechterklischees, ihrer Entlarvung und ihrer Unterdrückung hätte lauern können, da serviert uns „Männerhort“ das selbe peinliche Gesellschaftsbild, welches uns auch die Privatfernsehsender stets andrehen wollen, so dass der Film nicht nur extremst in Geschlechterklischees badet, sondern diese trotz absichtlicher Überzeichnung ernst genug nimmt, um sogar die Dramatik des Stoffes auf diesen zu stützen.

Price scheint sich mehr an ihren Anfängen zu orientieren, als sie für Serien wie „Ritas Welt“ und „Berlin, Berlin“ gearbeitet hat, anstatt zu der unverkrampften, sympathischen Handschrift zurück zu finden, mit welcher sie uns die locker flockige Unterhaltung „Ich bin ein Berliner“ beschert hat. Orientiert an den einfachsten Sehgewohnheiten des Proleten- und Hausfrauenpublikums wird im hier besprochenen Werk eine Idee regelrecht ruiniert, die das Potential zu wesentlich mehr gehabt hätte. Weder Christoph Maria Herbst noch Detlev Buck können dem Desaster trotz ihrer Talente positive Züge verleihen. „Männerhort“ ist für ein Dummvolk konzipiert und verweigert sich in seiner verkrampften Art jeglichem realistischen und intelligentem Aspekt.

Hirnloses Herumgeblödel auf dem Rücken veralteter Klischees zum Fremdschämen ist das Zentrum dieser Komödie, der es an Mut und Denkanstößen fehlt, um zumindest als alberne Protest-Komödie zu funktionieren. Somit wurde mit dieser interessanten Ausgangssituation nicht einmal das simpelste zu funktionierende Ergebnis erreicht, welches ein komödiantischer Stoff bieten könnte. Über „Männerhort“ können sicherlich die Freunde schrecklicher, deutscher TV-Comedy lachen und jene die Mario Barths „Männersache“ zum Schreien komisch fanden. Aber jeder der auch im Herumalbern zumindest einen Hauch Niveau und Selbstachtung erwartet wird mit diesem Schundfilm nicht glücklich werden. schlecht


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Montag, 15. Februar 2016

OUR IDIOT BROTHER (2011 Jesse Peretz)


Weil er einem Polizisten Gras verkauft hat, landete Ned im Gefängnis. Wegen guter Führung wird er 8 Monate später entlassen, und kaum zu Hause angekommen setzt ihn seine Lebensgefährtin vor die Tür. Nun kommt Ned abwechselnd bei seinen drei Schwestern unter und wirbelt deren Leben aufgrund seiner höchst naiven Art derart durcheinander, dass keine von ihnen mehr gut auf ihn zu sprechen ist...


Ein guter Kerl...

Es ist schade dass die sentimentale Komödie vom „Dein Ex - Mein Alptraum“-Regisseur Jesse Peretz solch einen missverständlichen Namen erhalten hat. Und ausnahmsweise ist einmal nicht der deutsche Titelgeber Schuld, denn den dämlichen Namen „Our Idiot Brother“ trägt der Streifen leider auch im Original. Dabei geht es gar nicht um einen Idioten, sondern lediglich um einen äußerst naiven Menschen, der an das Gute in seinen Mitmenschen und an die Ehrlichkeit glaubt. Er ist die einzige Person im Film, die sich selbst treu bleibt und, komme was wolle, zu dem steht was sie tut. Die Idioten sind die anderen. Sie sind Selbsttäuscher, Lügner und verkrampfte Idealisten. Zwar sehen sie in ihrem Bruder einen Idioten, so dass der Titel nach dem Sichten durchaus Sinn ergeben kann, aber letztendlich lockt er den Nichtkenner des Streifens mit falschen Erwartungen.

In diesem Falle zum Glück, würde das Einfangen von Erwartungen diesmal doch bedeuten, dass man eine dieser Volltrottel-Komödien zu sichten bekäme für die Adam Sandler einst berühmt und Pauly Shore einst berüchtigt waren. Peretz jedoch setzt uns eine gefühlvolle, kleine Komödie vor, die zwar durchaus austauschbar ist, da sie einzig von den Charakteren lebt und nicht mit einer besonders interessanten oder gar einfallsreichen Geschichte trumpfen kann, aber wer wie ich gut herausgearbeitete Figuren aufdringlichen Oberflächlichkeiten, welche die meisten Kinobesucher anlockt, vorzieht, der wird von „My Idiot Brother“ (Alternativtitel) sicherlich nicht enttäuscht werden.

Das Ergebnis ist recht simpler Natur, da gibt es auch in diesem Filmbereich besseres zu entdecken, aber als kurzweiliger Zwischendurchverzehr geht diese liebenswerte Produktion durchaus als unterhaltsam, okay und amüsant durch, und ist mit diesem Ergebnis ein wenig mit „The Weather Man“ mit Nicolas Cage vergleichbar. Die bessere Hauptrollen-Besetzung erwartet uns jedoch im hier besprochenen Streifen, steckt hinter dem Vollbart und der Langhaar-Perrücke doch Paul Rudd, der auf seichte Rollen abonniert ist und eine solche trotz völlig anderer Optik auch hier verkörpert - aber genau das kann er einfach unglaublich gut. Auch die Schwestern wissen alle zu überzeugen und die deutschen Synchronstimmen ebenso, so dass „Our Idiot Brother“ sowohl im Originalton als auch in der Deutschvertonung zu gefallen weiß.

Die unaufgeregte Geschichte braucht sicherlich ein wenig um in die Gänge zu kommen, zu ziellos wirkt das Treiben vor der Kamera zunächst, aber wie so oft beim Medium Film zahlt sich die Geduld aus, und wenn man erst einmal begriffen hat worum es geht, kommt einem auch der Anfang nicht mehr so orientierungslos vor. Deswegen dürfte ein zweites Sichten sicherlich besser ausfallen als das kritische erste. Dann kann man sich entspannter auf all die Familien- und Gesellschaftsfallen einstellen, in welche Ned tritt, wissendlich dass am Ende alles für alle gut ausgehen wird. Wem das zu naiv ist: bitte sehr, schaut lediglich gesellschaftskritische Werke ohne Happy End. Aber wer sich in dieser gefühllosen Welt ein wenig mit Ned identifizieren kann, wird mit dem Film und seinen schlicht ausgefallenen, aber nie moralisch daherkommenden, Botschaften sicherlich zufrieden sein. unterhaltsam


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Samstag, 13. Februar 2016

DER SCHÄDEL DES MARQUIS DE SADE (The Skull 1965 Freddie Francis)


Dank seines zwielichtigen Zulieferers seltener Relikte gelangt der Antiquitätensammler Dr. Maitland in den Besitz jenen Totenschädels der einst auf dem Körper des Marquis de Sade thronte. Der ehemalige Besitzer dieses Fundstückes eines Grabraubes, der mit Maitland befreundete Sir Phillips, warnt den Sammler vor dem kostbaren Stück. Es habe einen negativen Einfluss auf jene Menschen die ihn besitzen. Maitland hält Phillips für abergläubisch, hört nicht auf dessen mahnende Worte und bereut dies recht bald...


Wer keine Füßchen besitzt muss eben fliegen...

Freddie Francis, der in seiner Karriere recht unterschiedliche Horrorwerke gedreht hat, lieferte mit „Der Schädel des Marquis de Sade“ einen Film zu einer Thematik ab, die er in „Craze - Dämon des Grauens“ meiner Meinung nach später noch einmal wirkungsreicher umgesetzt hat. In beiden Genre-Beiträgen steht der Besitzer eines Relikts unter dessen unheimlichen Einfluss. Während in dem Werk mit Jack Palance aus dem Jahr 1974 die beeinflussende Macht dämonischer Natur war, bleibt der Hintergrund des Eigenlebens des Schädels eher rätselhaft, weiß man doch nur dass der Marquis ein bösartiger Mensch war, der sich für schwarze Magie interessierte. Warum sein Geist noch immer im Schädel seines damaligen Körpers schlummert weiß man nicht. Und es interessiert Francis auch nicht. Die Antwort auf diese Frage ist für die Geschichte nicht von Bedeutung.

Diese Entscheidung empfinde ich als die richtige, würde zu viel Bodenständigkeit dem Film doch sicherlich schaden, einem Werk welches aufgrund seiner fast schon uninteressanten Thematik ohnehin auf wackeligen Beinen steht. „The Skull“ (Originaltitel) ist sicherlich solide umgesetzt, und ein Peter Cushing in einer Hauptrolle ist grundsätzlich ein Pluspunkt, erst recht wenn er Unterstützung von Christopher Lee erhält, der in dem hier besprochenen Streifen jedoch nur als Nebenfigur dabei ist. Aber trotz aller handwerklichen Professionalität vor und hinter der Kamera fehlt es dem eigentlichen Werk meiner Meinung nach an dem gewissen Etwas welches einen austauschbaren Horrorfilm zu einem besonderen macht.

Francis arbeitet eher mit Psychoterror als mit dem Versuch Spannung oder gar Grusel zu erzeugen. Die schrillen Töne des Soundtracks treffen Nerven im Gehirn des Zuschauers, die zu leiden beginnen. Es werden uns Szenen vorgesetzt die Traumsequenzen ähneln oder gar welche sind, das weiß man meist erst hinterher. Im gesunden Zustand misstraut Maitland dem Schädel, unter seinem Einfluss wird er zur Marionette. Zwischen diesen Bewusstseinszuständen springt er stets hin und her. Und doch weiß Francis nicht wirklich mehr aus diesem interessanten Zustand aus Selbstbestimmtheit, Fremdlenkung, Realität und Scheinrealität herauszuholen als ein olles Katz- und Mausspiel zwischen Cushing und dem Schädel, dem es am nötigen augenzwinkernden Grundton mangelt um auf diese Art zu funktionieren.

„Der Schädel des Marquis de Sade“ ist auf der einen Seite zu trocken und auf der anderen Seite zu nervenzerrend erzählt um wirklich zu gefallen. Und das ist schade, ist er doch in seinen guten Momenten nostalgisch nett erzählt, putzig getrickst, gut gespielt und in Räumlichkeiten spielend, in welchen der Verantwortliche für die Dekorationen sich einmal ordentlich austoben durfte. Aber was nutzt das lobenswert umgesetzte Gewandt, wenn die eigentliche Stimmung des Streifens fehlt, welche wahres Interesse für das was geschieht beim Zuschauer entfacht? Francis Film bleibt zu theoretisch interessant, ist damit zwar immer noch ein gefundenes Fressen für neugierige Cineasten, nicht aber für Freunde entspannter Abendunterhaltung. mittelmäßig


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Donnerstag, 11. Februar 2016

NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT (El conde Drácula 1970 Jess Franco)


Mit Hilfe des Anwalts Harker organisiert sich Graf Dracula ein Haus in London. Noch in Transsylvanien bemächtigt er sich seiner. Und in London steht auch recht bald Harkers Verlobte unter dem Bann des Vampirs. Als Harker in der Nervenheilanstalt von Dr. Van Helsing landet, kommt dieser Dracula auf die Spur, hat sich der Gelehrte doch schon lange Zeit mit der schwarzen Magie vertraut gemacht, welche der Graf zu nutzen im Stande ist...


Mal was ganz Neues: Christopher Lee als Dracula...

Jess Franco, Klaus Kinski, Herbert Lom und Christopher Lee - welcher Film-Freund würde bei dieser ungewöhnlichen Zusammenkunft an cineastischen Berühmtheiten nicht neugierig werden? Ist das Talent der drei Mimen Perlen vor die Säue für einen eher improvisiert und schlicht arbeitenden Regisseur wie Vieldreher Jess Franco? Die Antwort auf diese ohnehin ungerecht gestellte Frage lautet nein, denn egal wie man zu dem berüchtigten spanischen Filmemacher auch stehen mag, „Nachts, wenn Dracula erwacht“ ist keineswegs eines seiner Standard-Werke. Wer sich hier die üblich wirren, wilden und skurrilen Welten Jess Francos erhofft wird gar enttäuscht werden, liefert der gute Mann doch solide Arbeit ab und sein mir bislang klassischstes Werk im Sinne eines herkömmlich konservativ abgedrehten Streifens.

Die innereigene Logik stolpert nur selten. Fehler in der technischen Umsetzung halten sich für einen Franco-Film in Grenzen. Angeblich soll der Streifen sogar recht nah am Original-Roman orientiert sein, was ich als Nichtkenner der Printmedie jedoch nicht einschätzen kann. Aber so oder so ist ihm ein stimmiges Stück Horrorfilm geglückt, wie es klassischer kaum ausfallen könnte. Die Musik untermalt die allseits bekannte Geschichte atmosphärisch, an der Kameraarbeit gibt es nichts zu meckern, ganz im Gegenteil, und das Erzähltempo ist typisch Franco langsam ausgefallen, jedoch nie zu zäh als dass es wie so manch andere seiner Werke langweilen würde. Dennoch tritt „Elconde Drácula“ (Originaltitel) aufgrund seiner konservativen, brav ausgerichteten sturgerade ohne Umwege erzählten Geschichte ein wenig auf der Stelle. Etwas mehr Elahn hätte dem Film durchaus gut getan.

Allerdings weiß die ruhige Art großteils zu gefallen, erschafft Franco mit seiner üblich schlichten Art doch genau jene Stimmung, die man sich bei einem klassischen 70er Jahre Horrorbeitrag erhofft. Sein Hang zum Zoomen, besonders gern in flotter Bewegung auf die Augen der Darsteller angewendet, ist auch in diesem Werk zu bemerken. Oftmals umgehen gerade diese Zooms die blutigen Momente. „Dracula 71" (Alternativtitel) ist diesbezüglich recht zahm ausgefallen, selbst in der ungekürzten Fassung.

So manche optische Idee will Franco nicht ganz gelingen, so z.B. der Schwenk in der Oper auf den im Dunkeln lauernden Vampir. Aber die Szene weiß trotzdem zu wirken, eben weil man weiß was Franco bezwecken wollte. Schön ist auch die erste Aufnahme der Burg anzusehen, wenn die Kamera uns zunächst die Zweige eines leicht nassen Baumes zeigt, und erst ein Zoom zurück uns den Blick auf das dahinter liegende Schloss offenbart. Zudem gibt es eine hervorhebenswerte Aufnahme zu sichten (leider eine für deren Gelingen Franco einen unnötigen, zusätzlichen Schnitt benötigte), in welcher Renfield aus dem Fenster seiner Zelle blickt und ein sehr langsamer Zoom vom Fenster aus bis hin zum Gebäude gegenüber fährt, wo im dunklen Schatten der Eingangstür erst kurz vor Ende des Zooms Dracula zu sehen ist. Dies ist wohl eine der stimmigsten Aufnahmen die Franco eingefangen hat innerhalb eines Filmes der sogar für kurze Augenblicke, völlig untypisch Franco, Gruselmomente besitzt.

Interessanter Weise spielen die berühmten Mimen eher nur mit halber Backe mit. Lee wirkt nicht ansatzweise so düster wie in dem Hammer-“Dracula“, was zwar auch daran liegt dass er mit der hier gewählten Frisur und dem Schnäuzer weder gealtert noch verjüngt mystisch wirkt, aber es ist auch seinem Zutun anzulasten dass dem Grafen diesmal nicht die unheimliche Aura umweht, wie wir sie von dem großartigen Mimen gewohnt sind. Zumindest ist sein Dracula hier anders angelegt als in der britischen Produktion, ist der Graf doch diesmal das edle Wesen der Nacht wie in den meisten Verfilmungen des Stoffes, wohingegen er in der 1958er Verfilmung überraschender Weise einer wilden Bestie glich.

Der Szenen von Kinski gibt es zu viele. Selbstgefällig spielt er fast ausschließlich stumm den Psychopathen in seiner Zelle, was aber nicht wirklich zu wirken weiß und die Geschichte auch keinen Deu vorwärts bringt. Ein zurückgeschraubt spielender Kinski ist noch immer ein guter Kinski, aber man merkt einfach dass er sich in dieser Rolle zu wohl fühlt, und das hat Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit seiner Szenen. Herbert Lom reißt sich ebenfalls kein Bein aus, spielt von den großen Namen die der Streifen zu bieten hat aber noch am besten. Sein Van Helsing ist solide verkörpert. Er ist so gestaltet, dass es nichts zu meckern gibt, aber eben auch so, dass damit keine Höchstleistung erzielt werden kann. Selbiges kann man abschließend auch über den Film an sich sagen. unterhaltsam


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Dienstag, 9. Februar 2016

DAS ALTE FINSTERE HAUS (The Old Dark House 1932 James Whale)


Fremde Durchreisende landen aufgrund eines Unwetters in dem einsam gelegenen Haus der Familie Fenn und bitten dort um eine Unterkunft für die Nacht. Sie werden zwar nicht abgewiesen, aber Gastfreundschaft sieht anders aus. Das hier wohnende Geschwisterpaar verhält sich wunderlich, der Diener wirkt auf die Fremden unheimlich, und ein paar Stockwerke über den Gästen lebt ein Mann eingeschlossen in einem Raum, von dem es heißt er sei geisteskrank und gefährlich...


Das auf hartem Fels gebaute Haus...

Neu verfilmt in den 60er Jahren und in der Erstverfilmung besetzt mit Horrorlegende Boris Karloff schien „Das alte finstere Haus“ ein kleiner Klassiker zu sein der mir bisher entgangen ist. Obwohl der Covertext nicht viel über den Inhalt hergab ging ich neugierig heran und fand es anfangs ganz putzig wie die Fahrt durch das Unwetter umgesetzt wurde, mit flotten Dialogen im Auto und niedlichen Aufnahmen von außen, die inszenatorisch nie zu den Innenaufnahmen passten.

Am Haus angekommen enttäuscht zunächst ein äußerlich haarig zurecht gemachter Boris Karloff, der peinlich anstatt unheimlich stumm vor sich hin grummelt und damit nicht die von Regisseur James Whale erhoffte Wirkung besitzt. Da darf man fast schon schadenfroh sein, so stolz wie uns vor dem Beginn des Filmes ein Schriftzug darauf hinwies, dass „Frankenstein“-Star Karloff Teil der Besetzung jenen Filmes sei, den man nun sichten werde. Wesentlich positiver fällt da schon der Gastgeber auf, der ein paar Jahrzehnte später sicherlich mit Peter Cushing gecastet worden wäre, so hager und blass wie der lang gewachsene Mann kränklich aussehend in dem großen alten Haus wirkt. Seine stets schimpfende Schwester steht ihm eher zur Belustigung bei Seite und verbreitet somit im Gegensatz zu den anderen Bewohnern auf nicht skurrile Art für ein Unwohlsein bei den Gästen.

Sie ist nicht das einzig lustige Element des Filmes. Bereits die Dialoge im Auto waren pointiert geschrieben, und eine gewisse Lustigkeit schwebt stets im Raum und erklärt auch warum die Ereignisse im Haus lange Zeit nicht konsequent angegangen werden. Als Zuschauer weiß man jedoch gar nicht worauf die Geschichte hinaus will. Und ehrlich gesagt weiß ich dies nach dem Gucken ebenso wenig. Da ängstigen sich Fremde in einem einsam abgelegenen Haus, bekommen es mit einer Gruppe wunderlicher Menschen zu tun, aber so wirklich Horrorfilm-gerecht wirken will da nichts. Gruselig wird es nie. Und selbst aufgrund der absichtlich eingestreuten Witzigkeit: als Parodie auf das Genre will „Das Haus des Grauens“ (Alternativtitel) ebenfalls nicht funktionieren, kommt die Geschichte dafür doch zu uninspiriert und wirr daher. Die Geschichte tritt zu lang auf der Stelle, ewig besitzt sie Widersprüche in der Logik und fast jegliches Verhalten der Gäste wirkt nicht nachvollziehbar.

Wenn in einem Horrorfilm, und sei er auch humoristisch angelegt, einzig die Romantikmomente zu funktionieren wissen, dann ist das ein recht trauriges Ergebnis. Und trotz dieses einzigen wunderbaren Pluspunktes, der mir aufgrund seiner individuellen Umsetzung gefallen hat, komme ich mir von „Das Haus des Schreckens“ (Alternativtitel) einfach nur verarscht vor. Ein 102jähriger, der in seinem einsamen Zimmer hoch oben viel zu agil anstatt unheimlich wirkt, erst recht mit der völlig unpassenden Synchronstimme die er verpasst bekommen hat, enttäuscht ebenso wie ein zwar absichtlich aber unpassend viel zu verspielter Psychopath am Schluss, dessen Schauspieler zwar als einziges erkennbar Talent in seinem Spiel aufblitzen lässt, aber bei all der Erwartungshaltung die um seine Anwesenheit herum aufgebaut wurde in der Art seiner Performance nicht zu gefallen weiß.

Ob als Komödie oder als Horrorfilm, einen solch schlechten Film aus den 30er Jahren habe ich noch selten gesehen. „The Old Dark House“ (Originaltitel) enttäuscht auf der ganzen Linie da er weder zu erschrecken weiß noch humoristisch gekonnt mit Gruselelementen umzugehen weiß. Der Plot ist wirr, widersprüchlich und uninteressant ausgefallen, und die Darsteller spielen zu penetrant und aufgedreht, als dass sich ihre Figuren positiv auf den Film auswirken könnten. Und ehrlich gesagt ist mir nicht ganz klar was James Whale, der auch für den großartigen „Der Unsichtbare“ mit Claude Rains und den ersten beiden „Frankenstein“-Filmen aus den 30er Jahren verantwortlich war, mit „Das alte finstere Haus“ bezwecken wollte. Und warum man von diesem Nichts an Story eine Neuverfilmung gedreht hat, obwohl bereits die erste nicht nötig gewesen wäre, verstehe ich erst recht nicht. schlecht


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Montag, 8. Februar 2016

OCULUS - DAS BÖSE IN DIR (Oculus 2013 Mike Flanagan)


Tim, der als Kind einst seinen Vater erschossen hat, wird aus der Nervenheilanstalt entlassen und von seiner Schwester Kaylie in Empfang genommen, die an das glaubt woran die Geschwister schon als Kinder glaubten: ein antiker Spiegel habe einen unheimlichen Einfluss auf ihre Eltern genommen und trieb sie in den Wahnsinn. Tim sieht die Dinge aufgrund seiner Therapie distanzierter und hält den alten Kinderglauben für einen Selbstschutz um die Dinge der Vergangenheit besser verarbeiten zu können. Als Kaylie den Spiegel auftreibt um ihn zu zerstören versucht Tim sie zu überzeugen, dass auch sie in Therapie gehört. Doch mit der Zeit kommen ihm Zweifel darüber ob der Spiegel eine unheimliche Macht auf Menschen ausüben kann oder nicht...


Wahrheit spiegeln, Unwahrheit vorspielen...

Die Ausgangslage von Mike Flanagans Film ist ein hoch interessanter Stoff aus dem man viel hätte ernten können. Da gibt es die Frage darüber wer von beiden Geschwistern sich eine falsche Realität zusammenspinnt, eine Thematik die für meinen Geschmack ruhig länger im Raum hätte schweben können, bevor sich die Geschichte für eine von beiden Versionen entscheiden muss. Gleichzeitig wissen die Vorbereitungen des auf Video aufgezeichneten Experimentes zu gefallen, in welcher Kaylie beweisen möchte, dass der Spiegel Einfluss auf seine Besitzer hat.

Der an „Final Destination“ erinnernde an Wahnsinn grenzende Versuch sich möglichst exakt gegen das Böse abzusichern lässt die Schwester erst recht irre erscheinen, so dass die Geschichte sowohl mit der Möglichkeit ihres Irrsinns interessant ausgefallen wäre, als auch mit der Möglichkeit eines übernatürlichen Gegenstandes. In dieser Vorbereitungsphase, die mehr als ein Drittel des kompletten Filmes ausmacht, ist die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf einem Hoch, der Spannungsbogen aufgrund der Forschungsthematik auf intellektuelle Art gespannt und selbst die Dramatik des Stoffes intensiv spürbar, immerhin kann einem einer von beiden Charakteren leid tun das zu glauben was er glaubt. Sollte Tim sich irren fasst es Kaylie recht passend mit dem Satz zusammen, an den ich mich nicht als exaktes Zitat erinnere: „Du wurdest gesund eingeliefert und musstest krank werden um wieder entlassen zu werden.“

Irgendwann ist es so weit, und der auf Mike Flanagans Kurzfilm „Oculus 3 - The Man with the Plan“ basierende Horrorstreifen entscheidet sich für eine Seite. Nun könnte es im Forschungsbereich hoch interessant weiter gehen, aber anstatt im Übernatürlichen eine Rationalität finden zu wollen, die es zu begreifen gilt, verkommt der Streifen zu einem wirren Plot in welchem Wahn und Wirklichkeit zusammengeworfen werden und derart intensiv miteinander verschmelzen, dass man sie nicht mehr auseinander gehalten bekommt.

Das ist durchaus gewollt, es ist nicht so dass Flanagan die Übersicht der Ereignisse seiner eigenen Geschichte verliert, aber in diesem Zustand soll nun nichts mehr Sinn ergeben. Der Zuschauer soll ebenso verwirrt werden wie die Protagonisten, und so ungewöhnlich viele Situationen in der zweiten Filmhälfte auch ausfallen mögen, sie sind kaum mehr von Bedeutung, und je mehr der Zuschauer dies spürt, desto uninteressanter werden die möglichen Hinweise auf die Realität.

Es ist das Glück von „Oculus - Das Böse in dir“ dass er dicht genug erzählt ist um auch in dieser schwachen Phase noch halbwegs zu wirken. Aber das Potential all der nicht genutzten Möglichkeiten kann nur eine Enttäuschung beim Zuschauer hinterlassen, zumal man sich unweigerlich fragt warum überhaupt von einem Experiment erzählt wurde, wenn dieser Storystrang am Ende ohne jegliche Bedeutung ist. Dann hätte man den Kampf gegen den Spiegel auch ohne Beweisführung angehen können.

Wenn es einzig darum ginge aufzuzeigen, dass es in der Macht des Spiegels keine Rationalität zu entdecken gibt, wäre der Entschluss Wahn und Wirklichkeit zusammenfließen zu lassen durchaus lobenswert gewesen. Aber dann hätte die Geschichte versuchen müssen dies die Protagonisten erkennen zu lassen. Stattdessen spielt Ideengeber und „Somnia“-Regisseur Flanagan mit vorgegaukelten Realitäten, so dass man sich zugegebener Maßen als Zuschauer nie auf der sicheren Seite fühlt, was ein durchaus lobenswertes Ergebnis ist. Aber mit dieser Spielerei hätte irgendwann einmal Schluss sein müssen um am Ende kein wackeliges Gerüst von Rätsel zurückzulassen.

Unterhaltsam bleibt „Oculus“ (Originaltitel) immer, auch wenn die Geschichte mit der Zeit ihre Magie verliert. Damit ist er zumindest besser ausgefallen als der mit gleichen Krankheiten zu kämpfen habende „The Abandoned - Die Verlassenen“, aber auch schlechter als „Blair Witch 2“, dem es gut tat ein lückenhaftes Puzzel zu hinterlassen, welches sich der Zuschauer selbst zusammenreimen sollte (was das Publikum wohl überforderte, so negativ wie meist über den Film berichtet wird). Das ganze Wirrwarr von „Oculus“ wirkt unentschlossen und wie eine Ausrede alles irgendwie zu Ende zu erzählen, weil einem nichts Konsequenteres eingefallen ist. Und dabei ist es unwichtig ob dem so ist oder ob der Zuschauer es nur so empfindet. Denn er empfindet es nun einmal so, und Flanagan hält nicht dagegen. Und das würde er in einer Fortsetzung, das glaube ich, sicherlich ebenso wenig. unterhaltsam


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Sonntag, 7. Februar 2016

DISASTER! - THE MOVIE (Disaster! 2005 Roy T. Wood)


Ein Asteroid rast auf die Erde zu und droht sie zu zerstören. Ein Team lebensmutiger Experten fliegt mit einer Rakete ins All um den Asteroiden in die Luft zu sprengen...


Armer Geddon...

Bereits das Aussehen der Figuren in diesem Knetgummi-Stop Motion-Film deutet den Anarchogehalt dieses wilden Streifens an. Mühevoll umgesetzte, aber absichtlich auf krumm und hässlich getrimmte, Püppchen werden einem hier vor die Nase gesetzt, und keine wirkt geklont wie in manchem Trickfilmbeitrag aus den Computerschmieden. Jede Figur ist äußerlich individuell gestaltet und versprüht dabei Charakter und Witz. Das ist viel wert in einem Trickfilm für Erwachsene der auf Provokationskomik setzt, ein Rezept das meist nach hinten los geht und eher peinlich ausfällt.

Warum dies bei „Disaster! - The Movie“ nicht passiert ist, weiß ich auch nicht so genau. Er hätte zwar eine gehörige Portion weniger sexuell provozierende Witze und vor allen Dingen weniger Fäkalhumor vertragen können (der furzende Franzose geht schon ziemlich auf die Nerven nachdem er zuvor für eine nette „Alien“-Parodie positiv zu wirken wusste), aber bei dem hohen Gag-Kaliber das uns hier geboten wird ist einfach noch genug funktionierendes Material dabei das zu belustigen weiß.

Irgendwo angesiedelt zwischen „Scary Movie", „Happy Tree Friends“, „South Park“ und den Beiträgen der Troma-Studios, weiß „Disaster!“ (Originaltitel) mit dem nötigen Charme im Gepäck zu jener Art Anarcho-Trickfilm zu werden, der zu funktionieren weiß. Ihm geht nicht wie „Free Jimmy“ zu schnell die Puste aus, hält ein kurzweiliges Tempo bereit und verkommt somit nicht zum Langeweiler a la „Fritz the Cat“, und der erwachsene Stil geht nicht nach hinten los mit infantilem Ergebnis wie es z.B. bei „Killer Bean Forever“ oder „Bat Thumb" der Fall war.

„Disaster!“ besitzt das richtige Tempo und den richtigen Witz um zu funktionieren, verlässt sich dabei nicht einzig auf die vielen schnellen Flachköpper, sondern sorgt mit Kenntnissen dessen was man parodiert und dem charmanten Spiel mit Stereotypen und einem bewussten Blick auf Charaktere dafür dass er mehr ist als der seelenlose Versuch lieblos mit Provokomik dem Teenagerpublikum auf die Schnelle die Kohlen aus der Tasche zu ziehen. Der Humor reicht von billigen Wortspielen, über brutale Splatterkomik bis hin zu parodierenden Szenen, Gesellschaftskritik und Promi-Verarsche, ist angereichert mit Sex- und Furzwitzchen sicherlich eher für das Jugendpublikum ausgelegt als für den erwachsenen Zuschauer, aber selbst der kann seinen Spaß haben wenn er auch gerne mal unter Niveau lacht.

Parodiert wird hauptsächlich der themengleiche „Armageddon“, so dass man es als Glücksgriff betrachten darf, dass in der Hauptrolle die deutsche Synchronstimme von Bruce Willis gewonnen werden konnte, während der echte Bruce Willis nicht am Originalton beteiligt war. Passend zum Thema werden nebenbei auch „Meteor“ mit Sean Connery und „Deep Impact“ parodiert, und auch „Terminator“, „Alien“ und einige weitere von mir entdeckte und nicht entdeckte Filmchen bekommen ihr Fett weg. Als Gaststars schauen Mötley Crüe vorbei, was ganz gut zum Gesamtton des Streifens passt und natürlich auch zu dessen Tempo.

Inhaltlich kloppt man jede Menge Material in die 80 Minuten Laufzeit, womit „Disaster!“ zwar nicht überfrachtet wird, aber doch eine hohe Aufmerksamspanne vom Zuschauer abfordert aufgrund der schnell aufeinander folgenden Situationen und Witzchen, vergleichbar mit dem Tempo der Serie „Futurama“. Von Weltraumaffen über tobende Winde und Flutwellen mit Haien an Bord ist allerhand an Problemen zur Bewältigung der Lage gegeben, ganz zu schweigen vom Unvermögen der Crew, die es immer wieder schafft sich selbst Steine in den Weg zu legen, manchmal durch banalste Fehler wie das Vergessen die Handbremse eines Fahrzeuges anzuziehen.

„Disaster - The Movie!“ ist von Anfang bis Ende politisch völlig unkorrekt erzählt, macht sich lustig über Körperfunktionen, Nacktheiten, kotzende Modells, Schwule, Schwarze, Proleten und Behinderte, nutzt dies aber nicht nur für den asozialen schnellen Gag, sondern entlarvt damit manche Fehler im System, in der Gesellschaft und im amerikanischen Kino. Wie erwähnt hätten es ruhig ein paar weniger Fick- und Fäkalwitzchen sein können, diese drücken das Niveau des ansonsten liebenswerten Filmes weit nach unten. Spaßig bleibt das Ergebnis dennoch bei all dem Einfallsreichtum und dem Spaß an der Freude, den man den Machern dieses Animationsfilmes deutlich ansieht. Auf eine Fortsetzung hätte ich mich gefreut, aber die wäre sicherlich längst erschienen nach nunmehr 11 Jahren. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film: 

KILLER BEAN FOREVER (2009 Jeff Lew)


Als Killerbohne die Gang von Cappuccino wegen Ruhestörung tötet, hat er den mächtigen Gangsterboss an den Fersen, was den eigentlichen Auftrag des Killers nicht gerade einfacher macht, denn nun machen die Gejagten Jagd auf Killerbohne...


Kalter Kaffee...

Bereits die Eingangssequenz macht schnell deutlich welcher Wind durch diesen computernanimierten Zeichentrickfilm weht. Da werden Kaffeebohnen mit Ärmchen und Beinchen als Sinnbild für schwarze Amerikaner eingesetzt, und sie tanzen in äußerst billiger Animation obercool zu schlechter, lässiger Musik. Kurz darauf werden sie vom Helden des Streifens massakriert, was deutlich macht dass hier das Action-Genre aufs Korn genommen werden soll.

Echter Komik steht jedoch der endlose Drang nach Coolness im Weg, und so wird „Killer Bean Forever“ eher zum Spiegelbild als zur Parodie des Genres, denn was verarscht gehört wird anbetend zelebriert. Das wäre ohnehin schon ein plumper Ansatz, aber da die Schauwerte amerikanischer Actionfilme immitiert werden, steht dem Streifen die schlechte Animation um so mehr im Weg, ein Zeichenstil der sich einzig bei Autos Mühe gibt, während Figuren und Hintergründe schlicht und langweilig ausgefallen sind. Die Münder, die auf dicke Lippe machen wollen, sehen eher aus wie Schnäbel, so dass die ollen Killerbohnen eher wie hässliche Angry Birds aussehen.

So vergeht einem schnell die Lust bei diesem uninspirierten Stück Zeichentrickfilm. Zwar konnte man in der deutschen Fassung die Synchronstimmen von Bruce Willis, Til Schweiger und andere berühmte Sprechern gewinnen, aber selbst die lassen keine wahre Ironie beim Aufsagen ihrer Texte aufkommen und fügen sich stattdessen feige in das sich viel zu ernst nehmende Gesamtbild ein, das viel zu mutlos ist um wahre Lacher zu ernten.

Den Jüngsten könnte dieses schlechte Stück Film aufgrund des ungeschulten Blickes noch gefallen, aber für die ist das Werk viel zu brutal und fragwürdig ausgefallen. Die FSK ordnete den Streifen schließlich gerechter Weise der FSK 16 zu. Nur dass 16jährige, die auch nur halbwegs etwas auf dem Kasten haben, dem coolen Treiben der harten Schwarzen sicherlich auch nur ein müdes Achselzucken entgegensetzen können und den Streifen bereits in ihren jungen Jahren als Kinderkacke empfinden müssten. Müde und bemühte Wortspiele wie „Es interessiert ihn nicht die Bohne“ unterstreichen diesen Eindruck.

Einfallsreich sieht anders aus. „Killer Bean Forever“ ist ein schlecht animierter, lahmer Zeichentrickfilm der seine Vorbilder zwar fleißig studiert hat, letztendlich aber keine Parodie sondern ein animierter Actionfilm ist. Das ginge jedoch nur bei guter Animation, einfallsreichen Sprüchen und wesentlich mehr Talent in Ordnung. „Killer Bean Forever“, den man fast schon als Soloarbeit von Regisseur Jeff Lew bezeichnen kann, ist verschenkte Lebenszeit und lädt lediglich zum Fremdschämen ein.

Der Film basiert übrigens auf den Kurzfilm „Killer Bean 2 - The Party“, der ebenfalls von Jeff Lew inszeniert wurde und so wie der hier besprochene Streifen mit einem Massaker aufgrund von Ruhestörung beginnt. Ob es einen Teil 1 gibt oder die 2 im Titel bereits als Gag gedacht ist, weiß ich nicht. Ich kenne den Kurzfilm nicht, und nach der Langfassung werde ich mir diesen auch garantiert nicht antun. schlecht