Sonntag, 25. Dezember 2016

STAR WARS: EPISODE 7 - DAS ERWACHEN DER MACHT (Star Wars: The Force Awakens 2015 J.J. Abrams)


Das Schicksal führt die Schrottsammlerin Rey und den ehemaligen Sturmtruppler Finn mit dem Roboter BB-8 zusammen, in dessen Speicher sich eine Karte befindet, die zum im Exil lebenden Luke Skywalker führen soll, eine Information an der sowohl die Rebellen als auch die aus dem toten Imperium erwachsene erste Ordnung interessiert sind. Han Solo hilft den Dreien dabei, dass die Karte in die richtigen Hände gelangt...


Das Laserschwert der Skywalkers...

Als J.J. Abrams der schon seit langer Zeit lahm gewordenen „Star Trek“-Reihe neues Leben einhauchte, erschuf er damit ein sehenswertes Werk, welches den Start einer neuen Reihe einleitete. Als Selbiger danach versuchte mit „Super 8“ das Familienkino Steven Spielbergs aus den 80er Jahren wiederzubeleben, da scheiterte der gute Mann trotz anfänglicher Sympathien. Das Werk war zu sehr in Spezialeffekten getränkt, als dass es Chancen hatte genügend Retro-Charme zu versprühen. Und nun versuchte sich Abrams an der Wiederbelebung der von Schöpfer George Lucas mit seiner zweiten Trilogie in die Belanglosigkeit gerittenen „Star Wars“-Reihe, die in ihren letzten drei Regiearbeiten Lucas‘ u.a. am selbigen Problem krankte wie „Super 8“.

Unter solchen Voraussetzungen durfte man trotz des tollen Ergebnisses des 2009er „Star Trek“ kritisch sein, ob Abrams es erneut schaffen würde eine totgerittene Science Fiction-Reihe wiederzubeleben. Wie die Einspielergebnisse und die fleißige Weiterproduktion der Reihe samt Nebenprodukten zeigt, ist ihm dies wirtschaftlich gelungen, solch ein großes Ergebnis wie die Wiederbelebung um Spock und Co ist ihm meiner Meinung nach allerdings nicht geglückt, was, wie das Ergebnis von „Star Wars: Episode 7 - Das Erwachen der Macht“ zeigt, auch gar nicht nötig ist.

Der Retro-Charme, den „Star Wars - Das Erwachen der Macht“ (Alternativtitel) ausstrahlt, ist das Einschalten bereits wert. Endlich wird die Geschichte der Ur-Reihe weiter erzählt, so dass man nebenbei erfährt was aus den drei Helden wurde und welchen Einfluss sie auf die aktuellen Geschehnisse haben. Die alten Mimen sind wieder mit an Bord, die neuen Charaktere sind sympathisch ausgefallen, und an allen Ecken und Enden gibt es Wiedersehwerte die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Einfallsreich sieht anders aus, dafür kopiert die Geschichte viel zu sehr ihr Vorbild und dafür fehlt es an innovativen Momenten, welche die Figuren aus ihren Stereotypen herausreißen, so wie es die Müllpresse-Szene im allerersten „Krieg der Sterne“ vorgemacht hat. Allerdings funktioniert die Kopie einer bereits bekannten Geschichte besser als ich vermutete, allein schon weil Abrams mit allerhand Ablenkung alles versucht die Geschichte nicht wie eine Blaupause aussehen zu lassen.

Etwas ärgerlich ist der Handlungsablauf an sich ausgefallen, lebt die Zusammenkunft der Helden doch von zu vielen Zufällen, als dass sie zu gefallen wüsste, was dann am meisten nervt, wenn eine ausweglose Situation mehr als einmal dadurch gelöst wird, dass sie mit der Einführung eines Charakters aus der Ur-Serie blauäugig gelöst wird. Und dass es das ganze Universum interessiert Luke Skywalker wiederzufinden, ist schon ein etwas schwacher Auslöser eines kompletten Filmes um Rebellion, Verrat, Sternenschlachten und zerstörte Planeten. Zumal man sich unweigerlich fragt ob Luke entdeckt werden möchte, wenn er doch freiwillig ins Exil gegangen ist.

Diese Frage muss zwar erst die Fortsetzung beantworten, aber da das Schicksal der „Star Wars“-Reihe nicht mehr bei George Lucas liegt, kann die Antwort auf diese Frage nicht ganz so plump ausfallen wie die Mittel-Trilogie. Was die Frage um den CGI-Overkill betrifft, den Abrams im hier besprochenen Film hätte wiederholen können: hier kann man Entwarnung geben. Trotz etlicher Computereffekte und unzähligen Schlachten sind die Actionszenen und Fights nie überfrachtet ausgefallen. Das geübte Auge kann zuschauen, die Effekte sind erste Sahne, und so manches Mal fühlt es sich so an, als ob man sich tatsächlich mitten in einer Sternenschlacht befindet.

Der einzige Minuspunkt in Sachen Optik besteht leider im Aussehen des neuen Anführers des Bösen. Zwar versuchte man nicht den Imperator zu immitieren, aber leider setzt man uns als Master des Bösen diesmal ein komplett am Computer entstandenes CGI-Wesen vor, welches Echtheit nicht vorgaukeln kann und somit wie ein Zeichentrickelement inmitten eines Realfilmes wirkt. Seine Wirkung ist weder mystisch noch unheimlich, letztendlich ist er das einzige Element in Episode 7, welches das Werk kurzfristig zu einem Kinderfilm degradiert. Da seine Auftritte noch höchst rar gesät sind, schaden diese Ausrutscher dem Film nur minimal. Schnell ist man mit einem neuen Retro-Aspekt wieder wohlgestimmt.

Mit solchen allein wird sich eine Episode 8 jedoch nicht gucken lassen, so dass man für den Weiterverlauf der Story nur hoffen kann, dass nicht weiterhin nur noch die bewährte Kuh per Ideendiebstahl aus eigenen Reihen gemolken wird. Das funktionierte einmal, eben weil es den Zuschauer, ähnlich wie bei „Rocky 6“ nach einem Wiedersehen dürstete. Die Mitteltrilogie riss große Wunden in das Fanherz mit seiner leblosen, kindischen Art. Da ist „Das Erwachen der Macht“ eine wundervolle Medizin, um den enttäuschten Fan wieder glücklich zu machen. Aber nun muss es mutig weitergehen, und da bin ich trotz des sympathischen Ergebnisses des hier besprochenen Filmes bei Episode 8 wieder ebenso kritisch, wie ich es vor der Sichtung von Episode 7 war. Aber ich lasse mich gerne erneut eines Besseren belehren.


Weitere Reviews zum Film: 

Kommentare:

  1. Jepp, der Teil hier war tatsächlich eine Hommage an die Ur-Trilogie und Fanservice par excellence. Und ich hoffe stark, das die so gut eingeführten neuen Figuren dann in Teil 8 auch ausreichend Eigenleben entwickeln können, um sich von den Legenden alter Zeit loszusagen.

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    1. Ich habe gestern auf Blockbuster Entertainment gelesen, dass Letztgenanntes nicht einmal der für sich stehende, stilistisch andere "Rogue One" geschafft haben soll. Man darf also misstrauig bleiben.

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