Samstag, 13. August 2016

AKIRA (1988 Katsuhiro Ôtomo)


Neo-Tokyo ist aus den Trümmern der vor 30 Jahren zerstörten Stadt Tokyo entstanden. Politische Rebellen und infantile Rockerbanden prägen das Stadtbild in einem negativen Licht. Als Tetsuo sich bei einer der Motorradtouren mit seinen Kumpels in einen Polizeieinsatz verläuft und mit einem merkwürdig gealterten Menschen in Kontakt kommt, erwachen in ihm kurz darauf ungewöhnliche Kräfte. Er wird vom Militär in einem Krankenhaus zur Beobachtung gefangen gehalten, kann sich aber durch seine neuen Kräfte befreien. Kaneda, der Tetsuo eigentlich retten wollte, muss feststellen dass sein Kumpel größenwahnsinnig geworden ist und muss sich mit den Rebellen verbünden um ihn stoppen zu können. Das Militär und die ungewöhnlich gealterten Mutanten wollen selbiges, da ansonsten Akira erwachen könnte, jener Mutant, der einst Tokyo mit seinen Kräften zerstörte...


Außer Kontrolle geratenes Fleisch...

„Akira“ müsste im Bereich der Science Fiction wohl der legendärste Klassiker des Anime-Films sein, prägte er dieses Sub-Genre doch deutlich mit, auch wenn er im Gegensatz zu vielen seiner Nachfolger auf die Themenbereiche Cyborgs und künstliche Intelligenz verzichtet. Fast schon ist seine Thematik eher dem Fantasybereich zuzuordnen, er schwankt also irgendwo zwischen beiden Genres, während er sich zudem dem Bereich des Actionkinos bedient und in erster Linie logischer Weise ein Animationsfilm ist.

Dass er speziell aus den 80er Jahren stammt sieht man ihm nicht an. Dass er älter ist jedoch schon, ist die Animation im direkten Vergleich doch noch relativ schlicht ausgefallen und die zu erzählende Geschichte noch nicht ganz so komplex geraten wie in manch anderem anspruchsvollen Anime-Stoff der letzten 20 Jahre. Zu seiner Zeit sah das jedoch noch völlig anders aus, da war „Akira“ das Nonplus-Ultra dessen was möglich war, und für eine Zeit, in der zumindest in Deutschland das Genre Zeichentrickfilm gerne mit dem des Kinderfilms in einen Topf geschmissen wurde, bot auch die Geschichte innovatives und tiefgehendes, erfordert doch auch sie ein Mitdenken des Zuschauers und damit mehr als mancher Science Fiction-Stoff heutiger Zeiten im Kino.

Von Anfang an liegt eine gelungene Atmosphäre über dem Streifen, die man zwar nicht als Endzeitatmosphäre bezeichnen kann, dafür geht es den Menschen in der wieder aufgebauten Zivilisation zu gut, aber als mental kaputte Zukunftswelt, in der andere Probleme und Zustände herrschen als in unserer Gegenwart, auch wenn einige, gesellschaftskritisch wie solche Filme in der Regel nun einmal ausfallen, von Problemen der Entstehungszeit abgeleitet wurden.

Der erhobene, warnende Zeigefinger taucht dennoch nie auf, fühlt sich „Akira“ doch seiner Geschichte und dem Unterhaltungsgehalt verpflichtet und nicht der Erziehung seiner mündigen, da erwachsenen, Zuschauer. Und diesem wird nach einer kurzen fast noch (zumindest für einen Actionfilm) alltäglich anzusehenden Einführung eine recht interessante Geschichte geboten, die anfangs nicht mit offenen Karten spielt. Man soll sich fragen was das alles soll, muss gut aufpassen, da nicht alles so lange erklärt wird bis es auch der letzte Zuschauer verstanden hat, und so vergeht einiges an Laufzeit von dem auf 2 Stunden laufenden Streifen, bis man sich klar darüber geworden ist was „Akira“ nun wirklich erzählen will. Wer oder was Akira ist und ob dieser nun wieder aufersteht oder nicht, wird sogar erst kurz vor Schluss gelüftet.

Animationstechnisch ist „Akira“ zwar flott ausgefallen, musste zu seiner Zeit bei Verfolgungsjagden jedoch noch auf die Beschleunigungsstriche aus Comicheften zurückgreifen, um das erforderliche Tempo einhalten zu können. Zwar geht die eigentliche Geschichte eher langsam und atmosphärisch dicht vonstatten, teilweise sogar recht verkopft umgesetzt, auf der anderen Seite bekommen wir aber auch immer wieder besagte Verfolgungsjagden und Actionszenen präsentiert, die den sympathisch trockenen Bereich durchbrechen. Da dies nicht zu inflationär eingearbeitet wurde, lässt dies „Akira“ auch nichts von seinem für damalige Zeiten hohem Anspruch verlieren, und was sich heute nicht mehr ganz so Up to Date guckt, egal ob inhaltlich oder inszenatorisch, wird zumindest durch einen angenehmen Retro-Charme ersetzt.

Unterschätzen darf man „Akira“ trotzdem nicht, sowohl visuell wie auch inhaltlich bringt er einen gelegentlich zum Staunen. Gerade was die Zeichner Richtung Finale an bizarrer Fleischmutation gezaubert haben, ist nicht von schlechten Eltern und setzt jedem grotesken Bild ein nicht minder groteskes nach. Am Schluss entlässt Regisseur Katsuhiro Ôtomo den Zuschauer zwar mit kleinen offenen Rätseln und Gedankenspielen, aber doch mit einer zu Genüge beantworteten Geschichte, die sich mit ihren offenen Faktoren nicht heimlich und unintelligent aus dem Staub macht, sondern dem Zuschauer bescherte was er ihm versprach, so dass die offen gebliebenen Fragen eher wie eine Hausaufgabe an das Publikum verstanden werden kann, anstatt als ein für eine Fortsetzung schuldig bleibendes Szenario. Ein Sequel gab es ohnehin nie, ebenso wie ein Remake, und das ist auch gut so, hat „Akira“ so etwas doch gar nicht nötig, so gut wie er ausgefallen ist. sehenswert


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