Mittwoch, 26. August 2015

UNGEHEUER OHNE GESICHT (Fiend Without a Face 1958 Arthur Crabtree)


In der Nähe eines Atomkraftwerkes kommt es immer wieder zu mysteriösen Todesfällen. Den Leichen wurde durch zwei Öffnungen am Kopf das Gehirn entnommen. Das Militär versucht hinter das Geheimnis der scheinbar unsichtbaren Gehirnvampire zu kommen...


Grüner Hund an Pyramide...

Schaut man sich einen dieser 50er Jahre Monsterfilme an, stößt man meist auf Produktionen von Roger Corman und/oder Samuel Z. Arkoff. Freilich wurde auch ohne besagte Prominenz der Markt des damals so beliebten übernatürlichen Autokino-Films mit Beiträgen überschüttet, aber nur die wenigsten davon sind so liebevoll ausgefallen wie der britische „Ungeheuer ohne Gesicht“, der eigentlich als Anhängsel zu einem Karloff-Film produziert wurde und schlußendlich aufgrund der Spezialeffekte teurer ausfiel als das eigentliche Haupt-Event.

Die Idee der Gehirnvampire ist selbst für die damalige Zeit recht bizarr zu nennen, so gewalttätig wie ihre Taten zu nennen sind. Und die fast schon groteske Auflösung wie sie auf unsere Welt kamen, gehört auch nicht gerade zum Standard vergleichbarer Werke, hat Robert Zemeckis aber sicher für seine „Zurück in die Zukunft“-Szene inspiriert, in welcher Marty in den 50er Jahren das erste Mal auf Dr. Brown stößt.

Eigentlich ist „Fiend Without a Face“ (Originaltitel) ziemlich geschwätzig ausgefallen. Lange Zeit passiert optisch recht wenig, erst nach einiger Zeit dürfen Spezialeffekte auf die Unsichtbarkeit des Angreifers verweisen. Im Finale werden diese dann sichtbar und sind ein wahrer Augenschmauß, wissen die Stop Motion-Effekte, die seinerzeit in Deutschland ausgetüftelt wurden, doch noch immer zu gefallen und sind in ihrer Professionalität nicht weit entfernt von der Knetgummi-Stop Motion eines „Tanz der Teufel“, der immerhin erst ein viertel Jahrhundert später auf der Bildfläche erschien.

Regisseur Crabtree drehte Filme seit der 40er Jahre, war in den verschiedensten Genres zu Hause und inszenierte mit „Ungeheuer ohne Gesicht“ seinen vorletzten Film. Mit dem ein Jahr später folgenden „Das schwarze Museum“ endete seine Regietätigkeit für das Medium Film, ein Streifen der ebenfalls dem Horror-Genre angehört. Was den hier besprochenen Streifen um die Monster betrifft, die man optisch als Gehirnschnecken bezeichnen könnte, so hat er routinierte Arbeit geleistet, jene Art Durchschnitt die nicht langweilt, da sie charmant genug umgesetzt ist.

Denn mag die erste Hälfte auch recht Dialog-lastig sein, die Bedrohung steht zumindest immer im Raum, und der Umgang mit der damaligen Atom-Thematik weiß dem Film seinen kleinen Hauch unfreiwilliger Komik zu bescheren. Ihn aufgrund dessen den Bereich des Trashs zuzuordnen wäre jedoch unfair, so treffsicher wie er seine Nische auszufüllen weiß und so einfallsreich wie die Geschichte ausgefallen ist dafür, dass sie eigentlich dem üblichen Erzählmuster folgt.

Ist man ganz ehrlich so entschädigt das ereignisreiche und toll getrickste Finale für viel unaufgeregtes Herumgeplänkel im Restfilm. Der Schluss, der in der damaligen Super 8-Fassung aufgrund der für dieses Medium üblichen starken Kürzungen zum Mittelpunkt des Steifens wurde, bereitet so viel Freude, dass man manches Makel vom Restfilm verzeiht. Aber „Ungeheuer ohne Gesicht“ tritt zuvor zumindest nie auf der Stelle. Immer gibt es Ereignisse, welche die Geschichte vorwärts bringen, was wohl auch der Hauptgrund dafür ist, dass er sich im Gegensatz zu vielen anderen Monsterfilmen dieser Zeit nicht langweilig guckt.

Die Darsteller sind freilich austauschbar und ohne wahres erkennbares Talent gesegnet, so wie üblich in einer Autokino-Produktion. Stolz schien man jedoch auf die Freizügigkeit des Streifens zu sein, denn die in einer Szene lediglich mit einem Handtuch bekleidete weibliche Hauptrolle wird nicht nur zur Hauptattraktion diverser Plakatmotive, sondern auch zu einem Highlight der Trailer. Heutzutage schaut sich das zahm und bieder, aber damals hat man mit dieser Erotikszene scheinbar noch einen reißen können.

„Fiend Without a Face“ ist ein typisches Produkt seiner Zeit geworden, glücklicher Weise eines der charmanten und sympathischen Art, das zwar einige ungewöhnliche Ideen mit an Bord bringt, prinzipiell aber eigentlich dem üblichen Erzählmuster folgt. Mit dem veralteten Blick auf die Atomkraft im Zentrum besitzt er zwar ein unfreiwillig komisches Element, in seiner liebevollen Art und mit seinen sehenswerten Spezialeffekten ist er jedoch ein wertvoller Beitrag dieser vergangenen Filmepoche geworden und keineswegs eine nicht ernstzunehmende Lachnummer.


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Sonntag, 23. August 2015

GODZILLA (2014 Gareth Edwards)


15 Jahre nachdem ein Junge seine in einem Atomkraftwerk arbeitende Mutter bei einem Erdbeben in Japan verloren hat, kehrt er zum Ort der schrecklichen Erinnerungen zurück, da sein Vater festgenommen wurde. Der glaubte nie die offizielle Version von einst und will nun beweisen dass etwas anderes hinter dem Unglück von damals steckte. Wie Recht er doch hat: ein vor 15 Jahren entdeckter Riesenkokon schlüpft. Eine übergroße Kreatur bedroht die Menschheit und nimmt Kontakt zu einer weiteren auf. Und eine Riesenechse aus dem Meer, genannt Godzilla, erscheint um die Monster zu bekämpfen...


Godzilla die Weltpolizei...

Zwar ist Gareth Edwards Film um die berühmte Riesenechse nicht ansatzweise so peinlich und schlecht ausgefallen wie der schreckliche „Godzilla“ von Roland Emmerich, an das sympathische japanische Original von 1954 kommt er jedoch auch nicht heran. Edwards, der einige Jahre zuvor mit „Monsters“ üben und beweisen durfte wie ein Monsterfilm funktioniert, setzt die Kreaturen für einen übernatürlichen Katastrophenfilm zwar nicht inflationär ein, was definitiv ein Pluspunkt ist, ein schlechtes Drehbuch dankt ihm diesen Kniff jedoch nicht, hält es doch nur leblose Charaktere bereit, die von Bryan Cranston einmal abgesehen, auch alle arg durchschnittlich, teilweise sogar unsympathisch besetzt sind. Und Cranstons Rolle selbst darf nach einer halben Stunde sterben. Na toll...!

Zwar sind die Spezialeffekte so beeindruckend wie man erwarten durfte, und die optischen wie inhaltlichen Parallelen und einige versteckte Hinweise auf das Original erweisen Hondas Werk aus den 50er Jahren Respekt. Leider wurde das ganze Getöse aber viel zu steril umgesetzt, so dass sich das Ergebnis bös gesagt ähnlich gewollt und gestreckt guckt wie die schrecklich öden Asylum-Filme. Zwar fällt der Plot nicht ganz so sinnfrei aus wie die Werke besagter Billigschmiede, aber glaubwürdig ist die Erklärung der Viecher, ihrer Herkunft, ihrer Fähigkeiten und ihrer Anliegen nicht. Damit guckt sich „Godzilla“ wesentlich infantiler als es nötig wäre.

Letztendlich erwartet man dies aber sogar bei einem Streifen, der sich auf ein naives 50er Jahre-Filmchen stützt. Und der kindliche Kern ist auch keineswegs jener Faktor, der Edwards Werk seiner Sympathie beraubt. Der neue „Godzilla“ nimmt sich trotz der idiotischen filmeigenen Fakten viel zu ernst. Grimmig gucken all die Menschen drein, Ironie wird nie versprüht, die Hintergrundmusik dudelt gelangweilt vor sich hin - es fehlte nur noch ein Übermaß an Patriotismus um in diesen Punkten auf einem Niveau mit den Langeweiler-Produkten von The Asylum zu sein. In Zeiten großartiger Drehbücher für das TV ist es eine Schande welche Ideenarmut und welch mangelndes Gefühl für Charme und Empathie hier dominiert. Effekte sind nun einmal nicht alles. Und dass der so talentierte Cranston sich so kurz nach „Breaking Bad“ für diesen Mist verheizen lässt, ist ein Ärgernis für sich.


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WORLD WAR Z (2013 Marc Forster)


Überall auf der Erde verbreitet sich eine Zombie-Epidemie. Gerry macht sich auf die Suche nach dem Ursprung des Virus...


Der zehnte Mann...

Als Wolfgang Petersen sich 1995 mit „Outbreak" für eine große Hollywood-Produktion eines Themas annahm, welches zuvor mit Cronenbergs „Rabid“ und Romeros „Crazies“ im harten Horrorbereich zu Hause war, kam ein blauäugiges Filmchen dabei heraus, das man aufgrund seiner Scheu sich großer Probleme innerhalb des Plots anzunehmen im Gegensatz zu den Vergleichsfilmen nicht ernst nehmen konnte. Der Streifen war Mainstream mit all den dazugehörenden Krankheiten, was aufgrund des Themas, welches eine aktuelle Angst des Publikums realisierte, trotzdem kein Hinderniss war dem Streifen einen Erfolg zu bescheren, den er eigentlich nicht verdient hatte.

Mit dem Thema den Ursprung einer Seuche zu finden und der Tatsache sich einer Geschichte aus dem harten Horrorbereich zu bedienen um einen Mainstream-Film zu drehen, besteht eine Verwandschaft zwischen „World War Z“ und „Outbreak - Lautlose Killer“. Und in einer Kino-Welt voll naiver und gehaltloser Werke wie „Transformers“ und Co durfte man sicherlich misstrauig sein, ob ein Mainstream-Zomiefilm außerhalb eines humoristischen Ansatzes in einer Großproduktion funktionieren kann. Glücklicher Weise kommt „World War Z“ keinesfalls so naiv daher wie Petersens Film aus den 90er Jahren, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass das Publikum trotz immer dümmlicher Popkornstreifen mittlerweile höhere Erwartungen auf die Komplexität einer Handlung setzt.

Sicherlich läuft immer noch vieles zu aalglatt und die Geschichte gewinnt sicherlich keinen Innovationspreis, so oft wie sie ähnlich schon erzählt wurde. Aber innerhalb des Mainstream-Bereichs wird es dem von Pitt gespielten Gerry schon sehr schwer gemacht seine Mission zu erfüllen. Und die Ausweglosigkeit der Ursprungsidee die Ursache des Virus zu finden, wird kompromisslos erkannt und thematisiert, weswegen die Geschiche cleverer Weise irgendwann umschwenkt, um an einen anderen Punkt anzusetzen.

All zu deutlich fehlt „World War Z“ die Härte und zwischenmenschliche Realitätsnähe der großen Zombiefilme „Zombie“, „Die Nacht der lebenden Toten“, „Pontypool“, „Return of the Living Dead“ und „28 Days Later“, aber er weiß dank seines enormen Budgets das Szenario in Bilder zu tauchen, wie man sie bislang nicht sehen konnte.

Danny Boyles Werk um Infizierte spielte in einem relativ kleinen Umfeld, Snyders Romero-Remake zeigte große Bilder einer sich in Grenzen haltenden Schlacht. Erst Marc Fosters auf einem Roman basierender „World War Z“ gibt uns Einblick auf den globalen Effekt einer Zombie/Infizierten-Seuche. Da klingt es zwar etwas ironisch dass die Zombies in einem solchen Film relativ selten zu sehen sind, das ändert aber nichts an der Wirkung welche die Bilder der über die komplette Welt verteilten Katastrophe entfachen.

Wenn die Zombies sich in ihrem Wahn erstmals zusammen tun, um eher zufällig eine Körperpyramide zu bauen, mit der auch höchste Mauern eingenommen werden können, dann schafft man es sogar der seit der 60er Jahre bestehenden Thematik etwas fürs Auge zu bieten, das bislang nicht da war. Hut ab, kann ich da nur sagen. Wenn die Zombies einmal los sind, dann sind sie hier auch gleich richtig los, und genau diese Gewichtung aus Zombie-Action und Zombie-Pause hat der Regisseur bestens im Griff, was mitunter aber auch daran liegt, dass wir stets eng an Gerry gekettet sind und wir ernsthaft mit ihm und um ihn bangen dürfen.

Ein etwas zu blauäugiges Finale und die vielen Zufälle die zum Ergebnis führen schwächen sicherlich das Gesamtbild des Streifens. Aber in Sachen Tempo, Dramatik und Spezialeffekte gibt es wahrlich nichts zu meckern. Die Zombies sind toll animiert, die Action auf einem für die Thematik ungewohntem Niveau, die Hoffnungslosigkeit der Situation wird gnadenlos demonstriert, am schönsten in jener Szene, in welche in Jerusalem eine große Menschenmasse anfängt zu beten, und der Mission Gerrys werden immer wieder Steine in den Weg gelegt, Steine die erst gegen Ende, wenn man auf eine reguläre Laufzeit abzielt, immer kleiner werden. In einem richtig hoffnungslosen Werk hätten sie gegen Ende größer werden müssen. Schade, dass man nicht lieber 20 Minuten mehr in Kauf genommen hat.

„World War Z“ bleibt bei allem was er präsentiert Mainstream. Da muss man sich nichts vormachen. Vergleicht man ihn aber mit dem anderen, wesentlich beliebteren Mainstream zu diesem Thema, der Serie „The Walking Dead“, dann darf man doch erleichtert feststellen, dass er viele Fehler der TV-Serie umgeht, deren Political Correctness fallen lässt, um sich näher an der Realität zu orientieren und die Möglichkeiten der Thematik wesentlich besser auskostet als der überschätzte Quotenrenner. Es tat einfach gut das immer wieder gern gesehene Thema der Untoten einmal in einem finanziellen Umfang zu sehen, der optisch keine Wünsche offen lässt.


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Samstag, 22. August 2015

PATRICKS HÖLLENTRIP (Patrick 1978 Richard Franklin)


Der seit drei Jahren im Koma liegende Patrick wird von der neu eingestellten Krankenschwester Kathy betreut. Im Gegensatz zu allen anderen glaubt sie, dass in Patrick durchaus noch Hirnfunktionen vorhanden sind. Merkwürdige Vorkommnisse bestärken sie in diesem Glauben. Eines Tages findet sie einen Weg mit Patrick zu kommunizieren...


Das war also Patrick...

Ehrlich gesagt bin ich ohne große Erwartungen an „Patricks Höllentrip“ herangegangen, einfach mal naiv hineinschnuppernd ob er etwas taugt oder nicht. Und siehe da, Regisseur Richard Franklin, der später auch den großartigen „Psycho 2“ abliefern sollte, hat einen stimmungsvollen Horrorbeitrag gezaubert, der zu packen weiß. Von einer unnötig mörderischen Einleitung einmal abgesehen weiß der Film vom Bewerbungsgespräch Kathys bis hin zur Überraschung am Schluss durchweg zu interessieren. Und ein stimmiger Grundton verleiht dem trocken inszenierten Film eine Dichte, die in ihren besten Momenten ein immenses Spannungshoch erzeugt.

Kathy reagiert sachlich auf das was passiert. Sie ist keine hysterische Nervensäge mit Vorahnungen wie die Heldinnen vieler anderer Horrorfilme, welche meist zufällig recht haben. „Patrick“ (Alternativ- und Originaltitel) ist trotz seiner übernatürlichen Thematik, deren Hintergrund glücklicher Weise nie erklärt wird, rational erzählt. Kathy hat einen Grund an ein Innenleben von Patrick zu glauben und ist damit die einzige Person im Film die sinnig handelt. Die Oberschwester hat eine grundlegende, irrationale Angst vor Patrick. Für den Arzt ist er nur Spielball für Versuche. Auch er hat keinen Grund an ein Mehr hinter den Dingen zu glauben. Diese bodenständige Positionierung Kathys ist für das Genre außergewöhnlich zu nennen und verleiht dem Streifen eine gesellschaftskritische Aussage, die ihn von oberflächlichen Unterhaltungsfilmen trennt.

Im selben Jahr wie „Der Schrecken der Medusa“ erschienen, geht er das Thema eines Komapatienten, der mit Hilfe von Telekinese handelt, völlig anders an. Schaukelt sich die Situation im Vergleichsfilm immer weiter hoch bis er gar zum Karastrophenfilm wird, so bleibt der Grundton bei „Patrick‘s Höllentrip“ doch immer bei gleichem Level. Wenn gegen Ende die Attacken auf Kathy und den Arzt ausschreiten, dann geht ein bisschen mehr die Post ab als zuvor, aber die trockene Grundatmosphäre bleibt erhalten. Franklin inszeniert stilsicher und voller Vertrauen in den Stoff.

Patrick ist Täter und Opfer in einem, und dem Zuschauer bleibt es selbst überlassen was für ihn überwiegt. Sicherlich ist Patrick ein Egomane, der bockig auf die Männer reagiert die an Kathy interessiert sind. Zudem ist er ein Mörder, der nach seiner begangenen Tat ins Koma gefallen ist. Er ist aber auch eine körperlich wehrlose Person, welche den Begebenheiten des Krankenhauses ausgeliefert ist, ein Mensch dem keine Nettigkeit entgegen gebracht wird, ein Mensch der als Versuchsobjekt betrachtet wird.

Dass die Bedrohung jedoch in ihm lauert, irrational brodelnd vor Eifersucht, gibt der Geschichte neben all der Geheimnisse die sie umgibt den nötigen Stoff um immer angespannt den Erlebnissen Kathys zu folgen. Dass sie liebevoll jenen Mann pflegt, der ihr Ärger bereitet und noch viel Ärger bereiten wird, ist ihr zunächst nicht klar. Aber sie wird nicht naiv gezeichnet. Wie erwähnt ist sie die einzige, die rational ihren Beobachtungen nachgeht. Und die Tatsache dass sie einen Mörder pflegt, ist ihr bewusst und beeinflusst sie keineswegs in ihrer sozialen Art - ein weiterer Unterschied zu den restlichen Angestellten, allen voran ihren Vorgesetzten.

„Patricks Höllentrip“ ist ein spannungsgeladener Horrorfilm der ruhigen 70er Jahre Art, der nie auch nur einen Anflug an Langeweile versprüht, fortlaufend zu packen weiß und immer dann am effektivsten ist, wenn Kathy forscht und man nicht weiß welche Tür sie damit als nächstes aufstößt. Die Forschung mit dem Unbekannten und Rätselhaften, wissend in einem Horrorfilm zu sitzen und die Quelle des Bösen, Patrick, bereits kennend, sind für den Zuschauer wunderbare Grundlagen für einen funktionierenden Genre-Beitrag. Kathys Unternehmungen, auch wenn sie sozial gesteuert sind, sind ein Spiel mit dem Feuer. Und das Publikum darf hilflos zuschauen ohne eingreifen zu können, immer nah an Kathys Beweggründen gebunden. So weiß Horror zu funktionieren.


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Donnerstag, 20. August 2015

MEUTEREI AM SCHLANGENFLUSS (Bend of the River 1952 Anthony Mann)


McLyntock führt einen Treck nach Oregon an. In Portland kauft man Lebensmittel, die im September geliefert werden sollen wenn die ersten Häuser in der neuen Heimat stehen. Als im Oktober noch immer nichts geliefert wird und die Vorräte knapp werden reitet McLyntock nach Portland, wo ein Goldrausch ausgebrochen ist. Die vom Treck erworbenen Lebensmittel sollen anderweitig für mehr Geld verkauft werden. Darauf lässt sich McLyntock nicht ein. Er schnappt sich die Lebensmittel und sucht sich auf dem Heimweg einen Weg über die Berge, um sich einen Vorteil vor seinen Verfolgern zu verschaffen...


Wären wir doch auf dem Mississippi geblieben...

Ich habe erst vor kurzem meine Leidenschaft für das Western-Genre festgestellt und merke bislang, dass mir die klassischen braven Western a la „Rio Bravo“ besser gefallen als die härteren Beiträge. Deswegen hatte ich eigentlich auch ein gutes Gefühl was „Meuterei am Schlangenfluss“ betrifft. Nun nach dem Sichten kann ich zwar von einem handwerklich gut gemachten Genre-Beitrag berichten, hübsch fotografiert, professionell geschauspielert und eine Geschichte erzählend, die von keinerlei reißerischem Element getrieben wird, letztendlich ist der Film jedoch alles andere als aufregend erzählt.

Die Geschichte grast gemütlich wirkend relativ flott eine Station nach der nächsten ab. Jegliche Hindernisse sind schnell überwunden, brave Menschen treffen auf brave Menschen, die einander helfen, so dass der Spannungsbogen ebenso flach liegt wie der dramatische Aspekt. Erst kurz vor Schluss, wenn ein Verbündeter sein wahres Gesicht zeigt, wird es ein wenig interessanter, zerbricht doch eine Freundschaft und steht doch ein finaler Konflikt bevor, wie er sich für einen guten Western-Stoff gehört.

Aber das gibt „Bend of the River“ (Originaltitel) so spät auch nicht mehr den nötigen Zunder um aus ihm mehr zu machen als ein gut inszeniertes Stück unaufgeregtes Western-Abenteuer. Ein peinlich synchronisierter Schwarzer und die Verteufelung der Indianer helfen nicht gerade dabei dem Werk von Anthony Mann mehr Sympathie entgegenzubringen. Glücklicher Weise sind diese Tiefpunkte jedoch zu nebensächlich in die Gesamtstory integriert, als dass sie mehr als lästige Randerscheinungen sein könnten. Geduldigere und sanftere Filmfreunde mögen dem Werk eines erfolgreichen Film-Teams (Stewart, Mann und Chase) eventuell mehr abgewinnen als ich, es würde mich freuen so liebevoll die Mühe hinter diesem Projekt wirkt. Aber für mich war das insgesamt zu lahm was mir hier geboten wurde - auch für einen Freund des sanfteren Westerns.

Mittwoch, 19. August 2015

YELLOWBRICKROAD (2010 Jesse Holland u.a.)


1940 marschieren alle Bürger von Friar einen Pfad in die Wildnis entlang. Mehrere hundert Personen verschwinden spurlos, die anderen sind unter mysteriösen Umständen umgekommen. Ein Team neugieriger Amerikaner macht sich auf die Route von einst zu begehen, in der Hoffnung etwas über die Rätsel von damals auflösen zu können...


Weg des Wahnsinns...

Was wie der klassische Found Footage-Stoff klingt, eine Vermutung die durch die Vergleiche mit „Paranormal Activity“ und „Blair Witch Project“ auf dem DVD-Cover bestärkt wird, entpuppt sich als klassisch heruntergedrehter Horrorstreifen ohne Handkamera-Feeling. Das ist schon schade, denn solch ein dünner Plot lässt sich im Pseudo-Doku-Stil wunderbar verfilmen, in der Machart eines typisch heruntergedrehten Werkes läuft ein Film jedoch Gefahr den Zuschauer zu unterfordern. Und was soll ich sagen? Genau das ist passiert.

Die Regisseure Holland und Mitton hoffen jegliches Ereignis durch einen mysteriösen Grundton voller unerklärbarer Rätsel interessant halten und damit einen ganzen Spielfilm auffangen zu können. Aber schnell wird klar dass wir des Rätsels Lösung nie erfahren werden, zum Schluss mit weiteren Fragen konfrontriert werden und alles nicht wirklich Sinn ergibt. Muss es das wenn eine Geschichte über Menschen erzählt wird, die alle nach und nach dem Wahnsinn verfallen? Jein, anders erzählt hätte der reine Verfall des Geistes durchaus ein schmackhaftes Fest für den Horror-Fan werden können. Aber dann müsste es psychologische Bezüge geben oder das Talent eines Lucio Fulci surrealen Filmen den gewissen Touch zu bescheren.

„YellowBrickRoad“, der auch unter dem Alternativtitel „Der Pfad des Todes - Weg ohne Wiederkehr“ veröffentlicht wurde, langweilt jedoch schnell, da man den Bezug zur Erlebniswelt der Protagonisten verliert, die viel schneller dem Wahnsinn verfallen als dass es der Zuschauer nachvollziehen könnte. Die Methoden den Irrsinn des mysteriösen Pfades und dessen Entstehen in den Köpfen der Wanderer zu zeigen, sind nicht wirklich überzeugend. Und an der nervigsten Idee diesbezüglich, klassische Musikaufnahmen in schlechtem Ton mitten im Wald zu hören, hält man auch fast den kompletten Film über fest.

Manche Szene weiß zu gefallen, so z.B. ein recht fies umgesetzter Moment eines Genickbruchs, oder das mysteriöse Verstehen einer Meldung durch ein rauschendes Funkgerät, aber so wirklich gefallen will das alles nicht wirklich, trotz tauglicher Darsteller und einer Produktion, die rein technisch mal nicht dem schrottige unteren Standard der DVD-Veröffentlichungen angehört. Auf Found Footage-Art hat Renny Harlin einen ähnlichen Ausgangspunkt mit „Devil‘s Pass“ später wesentlich besser verfilmt. Schaut lieber den anstatt dieses zu bemühte Stück Mystery das so gar nicht vom Hocker reißen will.


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Dienstag, 18. August 2015

PLANET DER AFFEN - REVOLUTION (Dawn of the Planet of the Apes 2014 Matt Reeves)


Der Großteil der Menschheit ist an einem im Labor gezüchteten Virus gestorben. Die letzten Überlebenden hausen in den Ruinen der Großstadt, im Wald haben sich die intelligenten Affen ein zu Hause geschaffen. Trotz kürzlicher Konfrontation mit ihnen versucht Malcolm den Affenanführer Cäsar zu kontaktieren, um von ihm die Erlaubnis zu erhalten in ihrem Territorium ein altes Wasserkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen. Als Cäsar die Menschen unterstützt sieht ein Affe, der damals in menschlicher Gefangenschaft stark leiden musste, das als Verrat an und zettelt eine Revolution unter dem Affenvolk an...


Mentalitäten anstatt Rassen...

Als ich nach dem sehr geglückten „Planet der Affen - Prevolution“ von einem Regie-Wechsel für die Fortsetzung erfuhr, war ich schon etwas enttäuscht, erschuf Rupert Wyatt doch einen Blockbuster im klassischen Gewand, der die Krankheiten der Großproduktionen heutiger Tage weitestgehend hinter sich ließ und sich auf seine Geschichte anstatt auf Spezialeffekte konzentrierte. Nun nach Sichten von „Planet der Affen - Revolution“ bin ich positiv überrascht trotzdem eine gelungene Fortsetzung gesichtet zu haben, aber mit Blick auf die anderen Arbeiten von Matt Reeves, dessen Namen ich keinem anderen Film zuordnen konnte, wundert mich nichts mehr. Sein „Cloverfield“ ist ein besonders gelungener Found Footage-Streifen und „Let Me In“, das Remake eines europäischen Vampir-Dramas, ist sogar noch besser ausgefallen.

Eigentlich wird das Rad nicht neu erfunden. Ganz grob betrachtet erzählt der Film die typischen Probleme des Krieges. Völker glauben zusammenhalten zu müssen um gegen ein anderes zu kämpfen. Es gibt Verrat, Leid und verschenkte Möglichkeiten. Und die Ziele der Weisen sind unrealistisch, wirken zum greifen nah, werden aber doch nie erfüllt. Irgendetwas kommt immer dazwischen: die Rhetorik der Machtgeilen, der Stumpfsinn der Mitläufer, und die zu späte Erkenntnis der Intelligenten, dass Mentalitäten zusammen schweißen, nicht aber durch Raum oder Rassen zusammengeführte Gruppen.

Dass Cäsar zu dieser Erkenntnis kommt, ist das wahrlich Positive am Streifen, kann er diesen wichtigen Standpunkt doch an jene weiter tragen, die nicht intelligent genug sind dies von alleine zu begreifen. Da wird eine wichtige Botschaft vermittelt, auch wenn sie ein wenig im zu idealistischen Licht von Friede, Freude Eierkuchen verbreitet wird. Denn eine Wahrheit wird nicht thematisiert: Idealisten sind immer Extreme welche Wahrheiten ignorieren, egal ob es die machtgeilen oder die sozialorientierten Fanatiker sind.

Das soll für einen Science Fiction, der uns einen weiteren Schritt zum Planeten der Affen näher bringen soll, aber auch egal sein. Hier geht es um die Umstände, die zu der großen und entscheidenden Schlacht führen wird, die uns Teil 2 vorenthält. Und da darf es schon überraschen wer nun wirklich Schuld am Krieg ist, der mit diesem Film gerade erst begonnen hat.

„Dawn of the Planet of the Apes“ (Originaltitel) weiß alles zu vereinen was einen guten Popkorn-Film ausmacht. Er ist trotz seines schlichten Grundgerüstes einfallsreich ausgefallen, präsentiert Dramatik, Action, Komik und Abenteuer in ausgewogener Form, und die Charaktere sind einem nicht egal. Ihr Tun ist uns wichtig. Ihr Scheitern tut uns weh. Dass freilich auch die atemberaubenden Animationen, die uns so echt wirkende Affen präsentieren, dabei helfen mitzufühlen, darf nicht unerwähnt bleiben.

Animationstechnisch habe ich nur zwei Schwachpunkte festgestellt. Das ist erstens der Kampf der Affen gegen einen Bären, der zu sehr nach Zeichentrick aussieht, und noch schlimmer ist zweitens das Wegfallen der Geschlechtsteile der Affen zu nennen. Da versucht man im Zuge der Möglichkeiten eines Popkornfilmes die Geschichte möglichst erwachsen zu erzählen, und dann laufen da peinliche Affenwesen ohne Pimmel zwischen den Beinen durch die Gegend. So etwas gibt es auch nur im christlich biederen Amerika.

Somit schaut sich „Planet der Affen - Revolution“ für uns Europäer nicht ganz so ernst wie für Amerikaner. Kann man die Spielzeug-artigen Körper der sonst so lebensechten Kreaturen aber halbwegs ignorieren, steht ansonstem einem erfüllten Sehspaß wirklich nichts im Wege. Reeves nimmt sich Zeit für die Geschichte und ihre Figuren, behält immer den Überblick bei dem was er erzählt und setzt Schwerpunkte für den jeweiligen Moment immer genau richtig. Tritt die Action in den Vordergrund geht ordentlich die Post ab, dramatische Momente umschiffen gerne mal mit einem blauen Auge gerade noch den Kitsch. Und ein wenig Nostalgie an den Vorgänger wird kurz vor Schluss auch versprüht. Man kann einem Teil 3 nur wünschen, dass er so gut ausfallen wird wie seine beiden Vorgänger.


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Montag, 17. August 2015

DAYDREAM NATION (2010 Michael Goldbach)


Caroline ist 17, musste von der Großstadt in eine olle Kleinstadt ziehen und verführt dort ihren Lehrer Barry. Auch der gleichaltrige Thurston ist an Caroline interessiert, mit dem sie zunächst zur Tarnung ausgeht, damit ihr Abenteuer mit Barry nicht auffliegt...


Dreisam einsam...

Auf dem deutschen DVD-Cover wird „Daydream Nation“ mit dem kleinen großen Werk „Juno“ verglichen und mit dem wahrlich großen Werk „Donnie Darko“. Warum weiß ich nicht, weist der Film doch keinerlei Ähnlichkeiten mit einem von ihnen auf, außer vielleicht die taffe Art Carolines, die jedoch eher mit der Hauptfigur von „Einfach zu haben“ zu vergleichen wäre anstatt mit „Juno“. Solch einen Coververgleich sollte man ohnehin nicht zu ernst nehmen, und eigentlich gehe ich lediglich darauf ein, um hervorzuheben, dass Michael Goldbachs Regie-Debut keinesfalls ein so großer Film ist, wie er sein könnte und will. Es ist ein schöner Film, ein netter Film, aber die wahre Größe fehlt ihm.

Das liegt zumindest nicht an der Besetzung, die in wirklich jeder Rolle zu begeistern weiß, und es liegt auch nicht an technischen Dingen. Die Bilder sind teilweise hinreißend, manchmal morbide, aber so oder so immer hübsch fotografiert. Lediglich die Musik ist zu bemüht eine gefühlvolle Atmosphäre entstehen zu lassen, obwohl die Figuren selbst sich bis kurz vor Schluss kaum öffnen. „Daydream Nation“ ist mir emotional zu distanziert erzählt. Er hätte gefühlvoller ausfallen müssen. Viele Kitsch-genervte werden das anders sehen und das Drama vielleicht genau deshalb mögen. Aber auch ich bin kein Freund von gequältem Kitsch und hätte mir trotzdem etwas mehr Herzlichkeit gewünscht. Warum auch nicht? Der Film endet so blauäugig wie wesentlich naivere Storys. Wofür dann die Täuschung im lässigen Gewand?

Wie auch immer, nach anfänglich schwerem Start wird aus „Daydream Nation“, den Regisseur Goldbach auch selbst geschrieben hat, ein interessantes Drama, das ähnlich wie „Summer of Sam“ im Hintergrund die Geschichte um einen Serienkiller abspielen lässt, von der man nie weiß ob sie irgendwann in den Vordergrund tritt oder nicht. Auf jeden Fall hilft sie dabei die Dinge vom erzählten Sommer anders zu betrachten, ebenso wie das Feuer einen immer wieder aus den Tagträumen einer solch romantischen Geschichte herausreißt, dessen Qualm man immer wieder mal im Hintergrund erblicken darf und das in der Geschichte selbst nur so nebenbei erwähnt wird. Letztendlich geht es jedoch nur um die üblichen Irrungen und Wirrungen, die eine Dreiecks-Beziehung mit sich bringen kann, und das ist schon etwas dünn für einen solch professionell umgesetzten Film.

Wer nicht all zu viel erwartet darf gerne der kühlen Sympathie Carolines erliegen. Allein rein optisch ist sie mit ihrem wohlgeformten Gesicht und ihrem verführerischem Blick ein Augenschmauß. Und die männliche Teenagerrolle darf dem kühlen, beleidigenden und selbstbewusstem Charakter Carolines angenehm sanft und schüchtern gegenüber stehen, wie es seit der 80er Jahre kaum noch eine männliche Figur in einem Teenie-Stoff durfte. Entgegen dem was sonst so auf dem Markt vergleichbar erscheint ist „Daydream Nation“ übrigens keine Tragikomödie, sondern ein reines Drama, und letztendlich aufgrund der Darsteller und der restlichen Crew wesentlich genießbarer als es der dünne Plot eigentlich verdient hat. Mit dem Herz am rechten Fleck weiß der Streifen trotz seiner unterkühlten Art aber Freunden solcher Stoffe zu gefallen.


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Sonntag, 16. August 2015

DEVIL'S PASS (The Dyatlov Pass Incident 2013 Renny Harlin)


Eine Gruppe junger Menschen macht sich auf nach Russland um vor Ort einen Dokumentarfilm über das rätselhafte Sterben eines Expeditionstrupps aus den 50er Jahren am Dyatlov Pass in den Bergen zu drehen. Den Filmemachern passiert Unglaubliches...


Wie neun zu elf werden konnten...

Renny Harlin, bekannt für seine Actionfilme „Cliffhanger“, „Tödliche Weihnachten“ und „Stirb langsam 2“, macht in seinem Found Footage-Horror kein Geheimnis daraus sich stark am 90er Jahre Erfolgsfilm „The Blair Witch Project“ zu orientieren. Filmemacher machen sich auf den Weg ein Geheimnis vor Ort zu ergründen und werden nun selbst vermisst. Zu Beginn werden noch einige Berichte aus den öffentlichen Medien zu dem Thema gezeigt, angelehnt an „Blair Witch 2“, und dann können die eigentlichen getürkten Amateuraufnahmen beginnen, den Wald des Originals eingetauscht gegen die eisige Berglandschaft Russlands.

Auch wenn „Devil‘s Pass“ nicht den Grusel-Faktor des Vorbilds erreicht, was er auch gar nicht möchte, so ist die Geschichte der Filmemacher doch interessant und spannend erzählt. Lange Zeit hält man an den Stärken des Vorbilds fest. Es gibt Gerüchte, Mutmaßungen und Erklärversuche des Geschehenen zu hören, Augenzeugen von einst kommen zu Wort, unheimliche Vorzeichen wie merkwürdige Geräusche werden wahrgenommen, und die Bedrohung bleibt lange Zeit unsichtbar und auch unbekannt. Die Kamera filmt brav alles mit, was auch halbwegs glaubwürdig ausfällt, im Vergleich zu manch anderen Werken dieser Art, erst kürzlich von mir in „Paranormal Activity - Die Gezeichneten“ wieder einmal festgestellt.

Renny Harlin achtet darauf dass Kameraeinstellungen entweder Sinn machen, oder bei zu Kino-typischen Aufnahmen durch den Zusammenhang erklärt werden. Harlin versteht zudem dass eine Hintergrundmusik-Untermalung völlig unsinnig wäre, womit er sich als klüger herausstellt als Kollege George A. Romero, der u.a. damit seinen „Diary of the Dead“ der Lächerlichkeit Preis gab. Harlin weiß also worauf es ankommt um die Aufnahmen echt wirken zu lassen und einen gewissen Gehalt Suspense zu erreichen.

Der Pluspunkt von „The Blair Witch Project“ war jedoch der, dass die Bedrohung stets unsichtbar blieb, also weder gezeigt noch endlos erklärt werden musste. Diesbezüglich weicht Harlin im letzten Drittel vollkommen vom Hexen-Vorbild ab und serviert uns wirre Erklärversuche und wilde Erlebnisse, die zwar in einem sympathischen Erzählkniff am Schluss münden, jedoch etwas überfrachtet erscheinen. Zu wüst und wild werden Zusammenhänge zu einer anderen Legende verbunden, die Bedrohung wird zu Fleisch und erinnert dabei viel zu sehr an „The Descent“. Und mit dem Lüften wirklich jeden Geheimnisses verfliegt der Mythos der Geschichte, die in dieser Phase stark an „Chernobyl Diaries“ erinnert.

Interessant und gut gemacht ist das in diesem schwächeren Part noch immer, mal abgesehen von den billig zusammengepixelten Wesen aus dem Computer. „The Dyatlov Pass“ (Alternativtitel) ist trotz dieses Umbruchs jedem Freund von Found Footage-Filmen zu empfehlen. Aber so stark wie die wahrlich guten Vertreter dieser Art Film („Paranormal Activity“, „Die Delegation“, „Cloverfield“, „Die Höhle“, ...) wird er nicht. Dazu setzt er zu sehr auf Bewährtes, und dazu wirkt er etwas zu unausgegoren. Harlins Werk weist jedoch nie wirklich starke den Sehspaß einschränkende Schwächen auf wie es bei „Der letzte Exorzismus“, „Grave Encounters“ oder „Frankenstein‘s Army“ der Fall war. Und spätestens wenn man erst einmal solchen Ramschwaren-Mist wie „Paranormal Investigations 3“ gesehen hat, der dem Filmfreund reihenweise auf den DVD-Markt geschmissen wird, dann weiß man eine professionelle Fake-Doku auch wieder zu schätzen, selbst dann wenn sie nicht sonderlich innovativ ausgefallen ist.


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THE RIFFS 3 - DIE RATTEN VON MANHATTAN (Rats - Notte di terrore 1984 Bruno Mattei u.a.)


Nach einem Atomkrieg leben kaum noch Menschen. In New York des Jahres 2025 streift eine Gruppe Rocker durch das zerstörte Manhattan und stößt auf ein verlassenes Labor, in welchem sie noch essbare Lebensmittel entdecken. Hier vor Ort haben sich aber auch Ratten breit gemacht, und die mögen es gar nicht dass jemand in ihr Territorium eindringt...


Verstrahlt gegen intelligent...

Hat man „Willard“ und „Ben“ gesehen, hat man alle zwei Möglichkeiten gesehen was mit der Thematik Ratten-Horror herauszuholen ist. Alle anderen Filme zu dem Thema bedienen sich bei ihnen, mal mehr mal weniger gut, und ich bin meist dabei, machen mir diese Filme doch auch im schlichten Gewand Spaß. Dass man auch mit Blick auf die Verlagerung des Aufhängers in eine Endzeit-Welt mit keinem großen Unterschied zu den beiden populären Werken des Rattenfilms rechnen sollte, dürfte klar sein. Der Herkunftsort Italien lässt schon erahnen, dass lediglich der Gewaltpegel etwas hoch gesetzt wird. Und wer jetzt noch Regisseur Bruno Mattei kennt, der wird ohnehin nicht mehr mit einem ernstzunehmenden Beitrag rechnen.

Bruno Mattei übernahm Lucio Fulcis angefangenes „Zombie 3“-Projekt, er drehte „Die Hölle der lebenden Toten“ und in der neuen Zombiewelle auch „Zombies - The Beginning“ und dessen Vorgänger, alles hohle und reißerische Schundfilmchen, ohne großes Talent umgesetzt, oft unfreiwillig komisch ausgefallen, aber in erster Linie geistlos erzählt. Zugegeben, „The Riffs 3“ ist nun sein erster von mir gesichteter Film von ihm, in dem es einmal nicht um Zombies geht. Meine bisherige Erfahrung seiner Werke war bislang somit recht einseitig zu nennen. Aber auch ein Blick auf seinen Science Fiction-Rattenhorror bestätigt all das was ich von ihm kannte und halte.

Harte Kerle und hysterische Weiber stiefeln obercool durch eine kostengünstige, schlicht auf postapokalyptisch getrimmte Endzeitwelt, eine Location die sehr schnell gegen die des Labors eingetauscht wird, wo fast der komplette Rest des Streifens spielen soll. Die Protagonisten sind so schlau wie die Autoren, so dass sich unsere Helden nicht nur fortlaufend unsinnig und irrational benehmen, sondern dieses Tun auch aus einem keine Zusammenhänge begreifenden Blickwinkel erzählt wird. Dies alles eingekleidet in einen reißerischen und für den brutalen Effekt lebenden Stil, erweist sich als kurzweiliges Happening für den Trash-Fan.

Der amüsiert sich u.a. über die gar nicht so bedrohlichen Ratten und ihre angebliche Intelligenz von der man nichts mitbekommt. Mattei dachte sich sicher, solange nur immer wieder wer erwähnt dass sie es sind, wird man es als Zuschauer sicherlich irgendwann als Fakt annehmen. Viele Viecher standen Mattei zur Realisierung seiner Vision nicht zur Verfügung, was er erbärmlich zu kaschieren versucht, so dass von einer spürbaren Bedrohung bei „Rats - Notte di terrore“ (Originaltitel) wahrlich nicht gesprochen werden kann.

Freunde der ersten beiden „The Riffs“-Filme sollten im übrigen wissen, dass Teil 3 eine Mogelpackung ist, also keine tatsächliche Fortsetzung, was auch erklärt warum er der einzige Teil mit Horror-Thematik ist. Ob zufällig vorhanden oder nicht fällt die Spiegelung der Protagonisten mit ihrem Feind auf. Der Mensch ist nach Resten im Schmutz lauernd selbst so etwas wie eine Ratte geworden. Nun versuchen gleich und gleich intelligent einander zu bekämpfen, und ein überraschender Schluss-Gag der ganzen Chose lässt vermuten dass auch Brachial-Filmer Mattei diese Spiegelung bewusst war. Trotzdem braucht man diesbezüglich nun nicht mit intelektueller Tiefe und wahrer Gesellschaftskritik rechnen. Diese wird an anderer Stelle zu einem anderen Aspekt fast Gottesdienst-artig gepredigt. Bei Bruno ist halt alles reißerisch und aufgesetzt inszeniert, selbst die in anderen Filmen stillen Töne.

„Die Ratten von Manhattan“ (Alternativtitel) ist ein Werk der Quantitäten, irgendwie auf 90 Minuten zurecht gebastelt, dies aber auf eine recht flotte Art, bei welcher die unfreiwillige Komik sich nicht irgendwann in Langeweile verwandelt. Ein wenig nackte Haut hier, zwischenmenschliche Differenzen unter Vollidioten da, Actionszenen dort und jede Menge Ekeleffekte machen aus „Rats - Night of Terror“ (Alternativtitel) ein sympathisches Werk für den anspruchslosen Schundfilm-Fan, an dem auch jene dieser Gattung ihren Spaß haben werden, die sich nicht an unfreiwilliger Komik aufgeilen können oder wollen. Andere Schauwerte sind genügend vorhanden. Trash bleibt der olle Streifen aber so oder so.


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Samstag, 15. August 2015

CAPTAIN USA - THE IRON SOLDIER (The Iron Soldier 2010 Brett Kelly)


Ein gut organisierter Trupp Verbrecher dringt in ein geheimes Forschungslabor ein, um einen Superroboter zu entwenden: den Iron Soldier...


Tobors Enkel...

Auf dem TV- und DVD-Markt hat sich ein Geschäftsmodell durchgesetzt, welches Billigproduktionen veröffentlicht, die an Ideen und Inhalten, manchmal gar an den gleichen Stoffen wie Großproduktionen angelehnt sind, um von deren Erfolg mit zu profitieren. „Captain USA“ scheint zunächst auch ein solches Produkt zu sein, suggeriert der Titel doch Superheldenthematik und der Originaltitel „The Iron Soldier“ wirkt angelegt an die Erfolgs-Reihe um den „Iron Man“. Allerdings geht es hier gar nicht um irgendeinen Superheld, sondern um einen neu konstruierten Roboter mit erstaunlichen Fähigkeiten für militärische Aufgaben. Was man also ursprünglich als kopiert erwartete, ist nicht vorhanden.

Stattdessen darf man, sofern man überhaupt je davon gehört hat, sich an die 50er Jahre zurückerinnern, in denen „Tobor the Great“ ähnliches erleben durfte wie der Iron Soldier. Und im direkten Vergleich merkt man auch gleich den Unterschied was damals als Familienunterhaltung galt und was heute, sind die 50er Jahre-Abenteuer des Roboters doch wesentlich entspannter und augenzwinkernder erzählt als die angestrengt auf Action und Coolness angelegten Erlebnisse des Iron Soldier.

Ernsthaft darf man aber selbst diese beiden Filme nicht vergleichen, denn Tobor war eine richtige Produktion, wohingegen „Captain USA - The Iron Soldier“ noch weniger gekostet hat als ein Asylum-Film und auch im Endergebnis noch übler daher kommt als ein durchschnittlicher Vertreter dieser Billigfirma, von der viele glauben schlechter ginge es nicht. Oh doch, es geht schlechter, und Brett Kelly hat es mir bereits mit seinem unterirdisch öden „Jurassic Shark“ bewiesen. Und ob nun Killerhai oder Superroboter, egal was der Mann verfilmt wird zur Tortur, so wenig Mühe wie sich hier gegeben wird.

Nach einem quälend langen Vorspann wird man von einem besonders üblen Farbfilter erschlagen, der uns eine Waldsequenz präsentiert, die schon sehr deutlich macht, was man vom Restfilm zu erwarten hat: unterirdichste Mimen kämpfen und sterben wie in einem Amateurfilm. Musik vom Band läuft innovationslos und einschläfernd im Hintergrund. Jegliche Schüsse stammen aus dem Computer, abgefeuert aus Spielzeugwaffen von der Kirmes. Wenn dann recht schnell der Roboter erscheint, wünscht man sich die Kostüme der „Power Rangers“ zurück. Die sahen im Vergleich professioneller und weniger kindisch aus als der peinliche Iron Soldier.

Selbstverständlich kann man über all dieses Untalent lachen. Zu entdecken gibt es genügend unfreiwillige Komik, z.B. wenn ein Verbrecher sich eine Geisel nimmt, und diese anstatt sich von dem Verbrecher loszureißen an ihn schmiegt, während der Geiselnehmer mit seinen Bewegungen suggeriert, er wolle die Frau mit aller Kraft bei sich halten. Allerdings ist „Captain USA“ (der anbei nichts mit dem 2013er Film „Captain USA vs. Nazifighters“ zu tun hat) derart uninspiriert und heruntergerotzt inszeniert, dass einem das Lachen schnell vergeht und nur noch die reine Langeweile regiert.

Sollte es da draußen in der Welt irgendwo einen Menschen geben, dem „Jurassic Shark“ gefallen hat, der sollte ruhig bei Roboter-Interesse zum „Iron Soldier“ greifen. Aber ich habe bislang (von Jochen Taubert-Werken einmal abgesehen) nur einen Film gesehen, der noch übler inszeniert war als der Brett Kelly-Schrott, und das war „Rise of the Black Bat“, der aber zumindest ein Amateurfilm war. So oder so ist es eine Frechheit dem Zuschauer für solche Produkte Geld aus der Tasche zu ziehen. Selbst am Wühltisch für zwei Euro erhalten weint man dem ausgegebenen Geld hinterher.

LIGHTSPEED (2006 Don E. FauntLeRoy)


Der ehemalige Wissenschaftler Edward, der seit einem Unglück im Labor versehentlich mit Schlangenhaut überzogen ist, verbreitet Terror. Bei einem seiner Anschläge setzt er seinen ehemaligen Freund Daniel Strahlen aus, die außergewöhnliche Nachwirkungen besitzen. Fortan kann sich Daniel übernatürlich schnell bewegen...


Marvel-TV...

SyFy ist ein TV-Sender, der im Horror-, Fantasy- und Science Fiction-Bereich Filme am Fließband produziert, wobei nur selten so etwas unterhaltsames wie die TV-Serie „Eureka - Die geheime Stadt“ bei herum kommt. Was passiert wenn solch ein TV-Sender sich mit Marvel-Gründer Stan Lee zusammen tut, um die überflutete Superheldenwelle, in welcher Stan Lees weltberühmte Figuren ordentlich erfolgreich mitmischen, mit einem weiteren Beitrag zu segnen? Der Gedanke macht neugierig, also habe ich mir „Lightspeed“ angeguckt, einen Film über einen Helden, welcher sich wie Flash übernatürlich schnell bewegen kann, im Gegensatz zu ihm jedoch nie in einem Comicheft erschien.

Mit Blick auf den Gegner, der sehr früh zu erhaschen ist, scheint auf SyFy-Niveau zunächst auch alles okay sein. Der Schlangenmensch sieht recht nett aus, zumindest für Freunde typisch überzogener Marvel-Figuren, die mir mit Ausnahme von „Spider-Man“ meist zu sehr in den Fantasy-Bereich abrutschen. Ein wenig Geld schien Lee für sein TV-Projekt scheinbar durchaus locker zu machen. Spätestens der Zusammensturz eines Hochhauses in billigster CGI-Qualität zum Fremdschämen revidiert diesen Gedanken jedoch schnell, so dass „Lightspeed“ sich dann doch wie das typische Billigprodukt der TV-Schmiede um den phantastischen Film schaut.

Dies betrifft nicht nur die Spezialeffekte und das typisch einfallslose, Klischees abgrasende Drehbuch, sondern leider auch so ziemlich alles andere. Die Hintergrundmusik dudelt uninspiriert vor sich hin. Die Inszenierung ist so lahmarschig wie der Held schnell ist, und die Darsteller sind gerade mal okay zu nennen. Wenn der nicht gerade mit Schauspielfähigkeit gesegnete Lee Majors mit seinem starken Profil am positivsten wirkt, dann kann das nicht gerade für die Besetzung sprechen. Die Regie übernahm Don E. FauntLeRoy, der auch für die SyFy-Fortsetzungen des Kinoerfolgs „Anaconda“ verantwortlich war und seit der letzten im Jahr 2009 auch nichts mehr gedreht hat.

„Lightspeed“ könnte interessieren, wenn es auf der ganzen Welt noch nie einen Superhelden-Film gegeben hätte. Dann wäre er zumindest noch in Ordnung als Popkorn-Unterhaltung für die Jugend. Aber die wird aufgrund der lahmen Storyentwicklung und der lächerlichen Spezialeffekte ebenso die Augen verdrehen, wie es der erwachsene Zuschauer tut. Von daher ist „Lightspeed“ eine Nullnummer die sich selbst für den anspruchslosen Schnellverzehr des Vielsehers nicht lohnt.


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Donnerstag, 13. August 2015

PARANORMAL ACTIVITY - DIE GEZEICHNETEN (Paranormal Activity: The Marked Ones 2014 Christopher Landon)


Teenager Jesse wacht eines morgens mit einer Bisswunde am Arm auf und fühlt sich verändert. Er verfügt über wundersame Kräfte, verändert sich aber auch charakterlich und dies auf eine recht unangenehme Art. Sein Freund Hector forscht nach und stößt auf einen Hexenzirkel der etwas mit Jesses Vergangenheit zu tun hat...


Gebranntmarkte Erstgeborene...

Die „Paranormal Activity“-Reihe will einfach kein Ende nehmen. Gestartet von Olen Peri, der die Nachfolger nur noch produzierte, wurde aus einem der unheimlichsten Horrorwerke der Filmgeschichte eine Filmreihe mit qualitativ sehr unterschiedlichen Teilen, die je mehr sie am Unbekannten des Teil 1 herumgedoktort haben sich immer mehr vom reinen Spuk-Horror entfernt haben. Der (Schock-)Effekt wurde irgendwann wichtiger als das grundlegende Grusel-Feeling, und schaut man sich einmal „Paranormal Activity - Die Gezeichneten“ an, darf man sich bei all dem was man hier erzählen möchte fragen, warum die Reihe nicht endlich die Pfade des Found Footage verlässt und stattdessen eine klassisch gedrehte Geschichte erzählt.

Teil 5 der 2007 gestarteten Reihe, der eher ein Nebenableger der Hauptreihe sein soll (warum auch immer, mit seinem direkten Bezug zu den Erkenntnissen von Teil 4 schaut er sich wie eine direkte Fortsetzung), versucht verschiedene Seiten der Geschichte zu durchleuchten, lässt die einzelnen Figuren auch mal unabhängig voneinander Verschiedenes erleben, so dass eigentlich eine Horrorgeschichte erzählt wird, die den Rahmen der pseudo-selbstgedrehten Perspektive sprengt, zumal nicht einmal mehr im Ansatz hinterfragt wird, warum der ganze Mist den wir hier miterleben dürfen überhaupt noch von wem mitgefilmt wird. Je mehr sich „Paranormal Activity - The Marked Ones“ (Originaltitel) Richtung Finale bewegt, desto weniger Sinn macht das Mitschleppen der Videokamera, bzw. das Aufzeichnen mit dieser.

Found Footage, so sehr ich dieses Filmverfahren auch liebe, macht in der hier erzählten Geschichte keinen Sinn mehr und weist die gegebenen Möglichkeiten in ihre Schranken, so dass man nur begrenzt erschrecken kann und mit vielen Szenensprüngen arbeiten muss, um alles erzählt zu bekommen was erzählt werden soll. Sinn macht da wenig, zumal sich keiner im Film in der Realität zu befinden scheint, so wie man mit den einzelnen Begebenheiten, die nicht gerade alltagsnah zu nennen sind, umgeht. Dennoch weiß der Streifen zu unterhalten. Mancher Schockeffekt weiß zu wirken, immer dann wenn mit Stille gearbeitet wird entsteht auch ein zumindest leichter Spannungsbogen, und die Geschichte ist trotz einiger Vorhersehbarkeiten interessant genug erzählt um für 90 Minuten dran bleiben zu können.

Leicht orientiert am Erfolg von „Chronicles“ legt „Paranormal Activity - The Oxnard Tapes“ (Altzernativtitel) ein anderes Tempo vor als die Vorgänger und erzählt wie bereits erwähnt inhaltlich auch einiges mehr. Es gibt allerhand Verweise auf die Vorgänger, von denen ich nur noch die wenigsten nachvollziehen kann, ist die Sichtung von Teil 1 doch mittlerweile etwas her und sind die Fortsetzungen doch nicht interessant genug gewesen, als dass man sich über all die Jahre jegliche Kleinigkeit der Story merken würde. Und eine Neusichtung von vier Filmen tue ich mir bei der unterschiedlichen Qualität auch nicht an, nur um Unwichtigkeiten genauer einordnen zu können.

Wie auch immer, mit niedrigsten Erwartungen macht der Film durchaus Spaß, so lange man sich keine Antworten zu den offenen Fragen erhofft. Die Auflösung der Hintergründe geht so schleichend vonstatten wie bisher, aber zumindest konzentriert man sich stark an der Idee des in Teil 4 aufgedeckten Hexenzirkels, was den dort zunächst mau scheinenden neuen Aspekt interessanter gestaltet als erwartet. „Paranormal Activity - Die Gezeichneten“ ist das Regie-Debut des Drehbuch-Autors von „Paranormal Activity 2“ bis „Paranormal Activity 4“, und damit ist zumindest wer an Bord, der sich mit der Reihe besser auskennt als irgendwer anders.

Dass Christopher Landon, so der Name des Regisseurs, der konsequenter Weise auch das Drehbuch zur hier besprochenen Fortsetzung geschrieben hat, auch für das Drehbuch von „Disturbia“ verantwortlich war, macht deutlich was man in etwa vom Film zu erwarten hat: Kurzweile im nicht immer logisch nachvollziehbarem Gewandt. „Paranormal Activity - Die Gezeichneten“ soll nur noch ein Film fürs Teen-Publikum sein, so wie Landons Teen-Version von „Das Fenster zum Hof“. Und als solch geistloser Trivialverzehr bereitet er genügend Freude um die Reihe weiterzuverfolgen. Teil 5 kann es am ehesten mit „Paranormal Activity 3“ aufnehmen - jedoch ohne dessen Grusel-Potential zu besitzen.


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Dienstag, 11. August 2015

BLUTTHEATER (The Meateater 1979 Derek Savage)


Der ehemalige Vertreter Webster zieht mit seiner Familie in eine Kleinstadt, da er dort ein altes Kino gekauft hat. Keiner ahnt dass in dem Gebäude noch jemand aus der Vergangenheit des Lichtspielhauses wohnt...


Fleischfresser gegen Fleischfresser...

„Bluttheater“ ist sicherlich kein Film auf dessen DVD-Veröffentlichung irgendwer ernsthaft sehnsüchtig gewartet hat. Ich freue mich trotzdem über alles was den Weg auf die Silberscheiben schafft, selbst wenn die Bildqualität so unterirdisch ausgefallen ist wie bei dem hier besprochenen Streifen, der völlig unnötig reißerisch den neuen Titel „Der Menschenfleischfresser“ erhalten hat. Menschen werden hier nicht gefressen, das ist gar nicht das Thema des Films. Der Originaltitel „The Meateater“ wird der Sache doch gerechter, haust der alte Mann, der hier die Bedrohung darstellt, doch von jederman Auigen unentdeckt in der Bruchbude von Kino und ernährt sich von Ratten.

Wer einen alten Mann gruselig findet, der sich nach seiner verstorbenen Liebe zurücksehnt und glaubt diese in der Tochter des neuen Kinobesitzers gefunden zu haben, der ist hier genau richtig. Aber gibt es solche Leute wirklich? Bedrohlich ist der Tattergreis nur für Menschen, die sich vor Hauterkrankungen schrecklich ekeln. Jeden anderen dürfte bereits das ewige Gebrabbel des Bösewichts auf den Senkel gehen, womit jeglicher bedrohliche Aspekt eigentlich aus dem Weg geräumt ist - vom dramatischen Bestandteil einmal ganz zu schweigen.

Toll gespielt ist der alte Mann nicht wirklich. Das sahen die Verantwortlichen des Streifens wohl anders, denn er wird im Abspann noch vor der Hauptbesetzung genannt. Zugegeben, Arch Joboulian absolviert eine Doppelrolle (ein Fakt der das Schluss-Schlupfloch bereits erahnen lässt), aber seine Screentime ist nicht wirklich hoch genug um deswegen den Helden des Films vom Platz der Erstnennung zu vertreiben. Wobei auch alle anderen Darsteller sich schauspielerisch kein Bein ausreißen, aber wer will es ihnen verübeln? „Blood Theatre“ (Alternativtitel) ist ein biederes Stück zahmer Horror, welcher die Genre-Bezeichnung kaum verdient.

Er ist uninspiriert erzählt, braucht eine Ewigkeit um uns die Figuren vorzustellen, ohne dass diese für den Zuschauer je mehr werden als hohle Gefäße. Und die Erzählung selbst dümpelt angereichert mit routinierten Storyelementen vor sich hin, brav die üblichen Klischees einer Vorgeschichte abarbeitend, ohne irgendwann den Bogen zu wahren Ereignissen zu finden.

In seiner billig abgefilmten Art, die Kamera bei wahren Horrorelementen stets viel zu nah herangerückt, und in seinen undeutlichen Bildern und plötzlichen Sprüngen, die man wohl darauf zurückführen kann, dass nicht viel Filmmaterial vorhanden war, guckt sich „Bluttheater“ viel mehr wie eine filmische Baustelle als wie ein fertiger Film. Er wirkt wie eine Rohfassung, die noch überarbeitet werden muss, und die noch diverse Nachdrehs vertragen kann. Und in diesem Gewandt ist der einzige Streifen von Regisseur Derek Savage keine Erwähnung wert.

Überrascht war ich, dass der Film trotz seiner Makel und sehr konservativen Art nie langweilig wurde, obwohl er eigentlich nie etwas aufregendes oder zwischenmenschlich interessantes erzählt. Aber das verdankt er vielleicht auch der deutschen Synchronisation, die spätestens in den Auftritten des Sheriffs schöne Momente flacher Gags bereit hält, mit der Synchronstimme Bud Spencers versehen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich als Trash-Fan solche versagenden Geh-Versuche von Filmmachern immer einen gewissen Grad sympathisch finde, ohne genau zu wissen, was ich an dem Gesehenen gerade so mag.

„Bluttheater“ ist eher unfreiwillig komisch als in irgendeiner Art irgendwie aufregend, und mit Blick auf den neuen Titel „Der Menschenfleischfresser“ wird er es um so mehr, könnte Savages Werk doch kaum weniger reißerisch inszeniert sein als geschehen, womit er zum kompletten Gegenteil des deutschen DVD-Titels wird. Dass ich bei diesem Titel nicht widerstehen konnte, liegt in der Natur des Schundfilm-Fans. Und letztendlich bin ich, wie bereits erwähnt, am Ende ja immer froh, wenn es ein kleiner, vergessener Horrorfilm auf DVD schafft, egal ob er nun gut oder schlecht ausgefallen ist. Im hier vorliegenden Fall kenne ich jedoch niemandem, dem ich ein Sichten nahelegen könnte. „Bluttheater“ ist lediglich etwas für Komplettisten.


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Samstag, 8. August 2015

22 JUMP STREET (2014 Phil Lord u.a.)


Schmidt und Jenko ermitteln diesmal auf einem College, um einen Drogendealer dingfest zu machen...


Vom Runterziehen und Festhalten...

Wenn man nichts Großes erwartet und inhaltlich schlicht mit viel Bummbumm drumherum unterhalten werden will, dann war „21 Jump Street“, der Kinoableger zur erfolgreichen 80er Jahre Serie, der richtige Film. Und wem dieser gefallen hat, der kann mit der Fortsetzung nichts falsch machen, folgt sie doch dem bewährten Rezept, sich sichtlich darüber bewusst seiend, dass eigentlich nur der Vorgänger kopiert und mit leichten Veränderungen angereichert wird. Aber das ist nur ein Seitenhieb von vielen kleinen Insider-Gags und Metaebenen-durchbrechenden Spielereien, die der Streifen zu bieten hat.

Vieles davon geht in der viel zu flotten Umsetzung flöten, der es insgesamt am wahren Charme fehlt, auch wenn vieles für den Film spricht. Aber das waren bereits die Probleme des ersten Teils, die Teil 2 in ihrer Ähnlichkeit nun einmal ebenso in sich trägt. Meiner Meinung nach hätte man sich an manchen Stellen ruhig etwas Zeit für das Zwischenmenschliche nehmen können, gerade im halbwegs romantischen Sub-Plot um Schmidt. Hin und wieder auf die Bremse zu treten hätte beiden Streifen gut getan, dann würde nicht die Hälfte der guten Ideen durch Überreizung flöten gehen.

Mag sein dass junge Menschen den Film durch andere Sehgewohnheiten anders verfolgen können und meine Synapsen nur nicht so schnell schalten können. Vielleicht können Heavy Metal-Fans aus der schnellen Abfolge an Geschehnissen, Sprüchen und Nebenverweisen mehr herausholen als ich, der ruhige Musik bevorzugt. Aber selbst dann ist nicht alles Gold was glänzt, mangelt es doch an wahrlich innovativen Momenten oder wahrlich großen Gags. Aber letztendlich orientiert man sich ohnehin am Teen-Publikum, und das wird vieles von dem altbackenen Kram erstmals sichten und deswegen für irre einfallsreich halten.

Spaß macht „22 Jump Street“ durchaus. Im Gegensatz zu dem was die Story vorgaukelt entwickeln sich die Charaktere allerdings überhaupt kein Stück weiter, zumal es keine Probleme zwischen den beiden Helden gibt, die es nicht auch schon im Vorgänger gegeben hätte. Aus diesem absolvieren aber so manche Gesichter einen Gastauftritt, was durchaus zu gefallen weiß. Auch Jonah Hills Busenkumpel Seth Rogen lässt es sich nicht nehmen einen Gastauftritt zu absolvieren, aber dazu muss man bis zum Abspann Geduld besitzen.

Der krankt ebenfalls unter seinem Tempo wie der Restfilm, bietet aber so einige lustige Ideen bei seinem Angriff auf den Fortsetzungs- und Remake-Wahn Hollywoods und dem Product-Placement großer Blockbuster. Wirklich ehrlich schaut sich die Kritik nicht. Sie ist aber ohnehin viel eher als Party-Gag gedacht, anstatt als echte ernstzunehmende Satire, und auch damit fügt sich der Abspann perfekt zum Restfilm. Phil Lords und Christopher Millers „22 Jump Street“ soll Party im Action-Komödien-Gewandt sein, und für dieses Anliegen ist er kurzweilig genug ausgefallen. Sicher kann der Film es nicht mit großen Partystreifen wie „Das ist das Ende“ oder „Ich kann‘s kaum erwarten“ mithalten, aber eine Fete muss ja nicht immer zum größten Event werden um geistlos Spaß zu machen.


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Freitag, 7. August 2015

ANGRIFF DER RIESENSPINNE (The Giant Spider Invasion 1975 Bill Rebane)


In einem kleinen Kaff in Wisconsin kommt ein Meteor herunter, der jede Menge Geoden hinterlässt aus denen Spinnen krabbeln. Ein schwarzes Loch hat sich gebildet und wird zum Tor eines Paralleluniversums, aus dem eine 15 Meter große Riesenspinne heraustritt und die Menschheit bedroht. Auch die anderen Spinnen werden größer mit der Zeit...


Die Spinne aus dem schwarzen Loch...

Im selben Jahr wie der im Film erwähnte „Der weiße Hai“ erschienen, und damit zum Startpunkt der Tier-Horrorwelle der 70er Jahre gedreht, kommt der stockbiedere „Angriff der Riesenspinne“ noch zwei Jahre vor „Mörderspinnen“ und „Taranteln - Sie kommen um zu töten“ daher, welche mit kleineren Achtbeinern eine wesentlich größere Bedrohung zauberten als es Regisseur Bill Rebane mit der übergroßen Variation 1975 gelingt. Während in „Taranteln - Sie kommen um zu töten“ die Gefahr schnell erkannt ist und das Volk rational handelnd zusammen arbeitet, wird in „The Giant Spider Invasion“ (Originaltitel) altbacken wie in den 50er Jahren auf die Institutionen Wissenschaft, Sheriff und Presse gesetzt, die freilich vereint Hand in Hand in vollstem gegenseitigen Vertrauen handeln, so dass der Bürger beruhigt sein kann und alles der Regierung überlassen kann.

Dennoch bildet sich gegen Ende ein Mob im Film, aber der bekommt von der Riesenspinne was er verdient, kurz nachdem ein Mitarbeiter des Sheriffs versucht hat die gewaltbereite Bande von ihrem Plan abzubringen die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Zumindest tut sich an dieser Stelle etwas im Film, die meiste Zeit sind unsere Helden damit beschäftigt zu diskutieren und zu telefonieren. Viele Ereignisse erfahren wir lediglich durch den Dialog, die Ausweitung der Gefahr ebenso. Und wenn sich zwei Wissenschaftler mit einem Geigerzähler auf dem Weg zum Sheriff machen, hat das noch lange nicht zu bedeuten, dass nun das bedrohte Gebiet untersucht wird. Stattdessen sitzt man tratschend in der Dorfkneipe und untersucht die Gegend erst einen Tag später.

Eine ähnliche Ruhe legt man an den Tag, wenn die 15 Meter große Spinne endlich von den Helden entdeckt wird. Nun bleibt erst einmal Zeit die Geoden zu untersuchen, und Verletzte werden ins Krankenhaus gebracht. Dass die Spinne auch dorthin gelangen könnte scheint niemand zu glauben, nicht einmal der Autor der Geschichte. Der geht aber ohnehin ebenso wie die Regie höchst naiv vor. Dürfen die kleinen Viecher noch ein ordentliches Tempo vorlegen (da mit echten Arachniden gedreht), schleicht die Riesenspinne für ihre Verhältnisse in aller Seelenruhe daher, was zur lahmen Inszenierung wunderbar passt.

Dass „Angriff der Riesenspinne“ dennoch zu funktionieren weiß, liegt an seinem ordentlichen Trash-Gehalt. Die Ankunft aus dem All ist so billig getrickst, dass sie eine Schau für sich darstellt. Die Figurenzeichnungen sind lahm und idiotisch. Zum Hinhalten, während allerorts langweiliges Treiben gezeigt wird, schwenkt die Kamera gerne mal zu bedrohlicher Musik auf ein Spinnennetz, damit der Zuschauer sich erinnert in welcher Art Film er rein theoretisch eigentlich sitzt. Und wenn die titelgebende Riesenspinne endlich zu ihrem Einsatz kommt, steht sie der bisherigen unfreiwilligen Komik in nichts nach, so knuffig und putzig wie sie zusammengebastelt wurde. Zwei drollige Augen bilden optisch das Pünktchen auf dem I, so dass es eigentlich niemanden geben dürfte, der sich vor diesem Stück knuffigen Schrott erschrecken müsste.

Zuschauer mit Spinnenangst werden vor den kleinen, echten Vertretern wesentlich eher zusammen zucken als vor dem kuschelig-peinlichen Monstervertreter. Wenn die Spinne dann noch auf „Tarantula“- und „King Kong“-Art eine Frau im Haus bedrohen darf, immer wieder seine Ärmchen durch Fenster und Wände nach der Frau ausstreckend, dann weiß das den Freund schundiger Billigfilmchen tierichst zu unterhalten. Allerdings benötigt „Angriff der Riesen-Spinne“ eine gewisse Anlaufzeit bis es derartige Momente zu bewundern gibt, und man muss schon über die biedere Lebensart schmunzeln können oder über die verzweifelten Versuche absichtliche Komik einzubauen. Wem das nicht gelingt, dem wird die recht langwierige Monster-freie Zone nicht gefallen.

Dass Bill Rebane im Monsterfilm zu Hause ist, sieht man dem Streifen nicht an. Er guckt sich eher so, als ob eine Kleinstadt sich zusammengerauft hätte, um gemeinsam für den schnellen Dollar einen B-Movie auf die Beine zu stellen. Zumindest in der Szene auf dem Football-Feld, wenn eine etwas größere Gruppe Menschen vor der Riesenspinne davon läuft, die hinter ihnen so wirkt wie die Zusatzattraktion in der Spielpause oder wie ein übergroßes Stück Spinnenwagen beim Karnevalszug, ergibt sich dieser Eindruck sehr deutlich. Schaut man aber in die Filmographie Rebanes, muss man feststellen dass er bereits 1965 „Monster a-Go Go“ gedreht hat, dann nach einer neunjährigen Pause den Alien-Streifen „Invasion aus der Tiefe“. Sein dritter Beitrag war der hier besprochene Film, dem noch Werke folgen sollten wie „Rana - Hüter des blutigen Schatzes“, „Big Foot - Die Rache des Jägers“ und „The Alpha Incident“. Einige davon kenne ich, aber keiner war mehr so unterhaltsam wie der völlig bescheuerte „Angriff der Riesenspinne“, der es hierzulande noch immer nicht auf DVD geschafft hat.


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NACHT DER VAMPIRE (La noche de Walpurgis 1971 León Klimovsky)


Zwei Studentinnen stoßen bei ihren Nachforschungen über eine Hexe auf den zurückgezogen lebenden Daninski. Sie kommen bei ihm unter und finden mit ihm gemeinsam das Grab der gesuchten Hexe. Durch Zufall erwecken sie diese, doch auch Daninski birgt ein dunkles Geheimnis. Bei jedem Vollmond verwandelt er sich in einen Werwolf...


Walpurgisnacht der Vampire...

Mir gefiel „Ginger Snaps“, „American Werewolf“ und, falls man ihn dazu zählen kann, „Wolf“. Ansonsten konnte mich ein Film zum Thema Werwolf bislang nie wirklich überzeugen. Paul Naschy ist für seine Darbietung als Wolfsmensch relativ berühmt, doch bin ich nicht auf diesen Film gestoßen in der Hoffnung einen ernstzunehmenden Horror-Beitrag zum Thema Werwolf zu finden. Mag Naschy auch nur ein Darsteller sein und die Qualität eines Stoffes eher vom Autor und Regisseur abhängen, so kann man bei besagtem Mann doch blind davon ausgehen Trash zu sichten, wenn er an einem Horrorstreifen beteiligt ist. Mag sein dass es andere Genre-Beiträge mit ihm gibt, aber von mir gesichtete Spätwerke wie „School Killer“ und Klassiker wie „Blutmesse für den Teufel“ waren stets Filme mit hohem Anteil an unfreiwilliger Komik.

Mit Regisseur Klimovsky drehte er „Die Nacht der blutigen Werwölfe“, den ich bislang nicht gesehen habe. Aber ihre Zusammenarbeit „Blutrausch der Zombies“ ist mir sehr wohl bekannt, und auch der badete mitten im Trash. Es überraschte mich also nicht, dass Naschy, wenn von der Maske her auch toll zurecht gemacht, als Werwolf in „Nacht der Vampire“ nicht wirklich zu erschrecken wusste, sondern stattdessen belustigte. Man mag sich kaum vorstellen, dass es naive Geister gibt, die er mit seiner Performance erschrecken könnte. Aber „Nacht der Vampire“ ist ein spanischer Film aus den 70er Jahren, und da soll es ja auch Personen gegeben haben, welche „Die Nacht der reitenden Leichen“ als gruselig empfunden haben. Somit ist eigentlich alles möglich.

Ich komme deshalb auf diesen Kultfilm von Amando de Ossorio zu sprechen, weil er ähnlich auf mich wirkt wie „La noche de Walpurgis“ (Originaltitel). Ich kann beide Filme nicht ernst nehmen, und doch hege ich tiefe Sympathie zu diesen Werken, weil sie trotz aller unfreiwilligen Komik einen Charme versprühen, der zwar sehr mit ihrer Naivität zusammenhängt, aber auch über ein reines Misslingen hinausgeht, so atmosphärisch hier wie dort mit Versatzstücken des klassischen Horrorfilms hantiert wird.

In „Nacht der blutigen Hexen“ (Alternativtitel) wirft man gleich allerhand grundlegende Horror-Themen zusammen. Da geht es um Vampire, Hexen, schwarze Messen und einen Werwolf zugleich. Zwar spielen die restlichen Darsteller ähnlich amateurhaft wie Zugpferd Paul Naschy, aber das steht dem Gelingen von „Nacht der Vampire" nicht wirklich im Wege, schafft es Klimovsky im Gegensatz zu „Blutrausch der Zombies“ doch an mancher Stelle eine Atmosphäre wie aus einem Alptraum heraus zu schaffen. Wenn er Zeitlupenaufnahmen auf verwirrte Geister stoßen lässt, besitzt das durchaus mehr Wirkung, als man es diesem ollen, schlichten Stilmittel zutrauen würde. Hin und wieder schafft er es den Zuschauer zum rätseln zu bringen, ob das was gerade auf der Leinwand zu sehen ist tatsächlich passiert oder nur der Traum einer der Figuren im Film ist.

Zudem wissen die Kulissen zu gefallen. Alte Gräber, eine Burgruine, ein uriges Dorf, das weiß in seiner morbiden Romantik optisch zu wirken und greift ganz besonders bei Horror-Nostalgikern, so klassisch wie diese Orte für das Genre zu nennen sind. Dem schließt sich inhaltlich der Aberglaube der Dorfbevölkerung an, der Einsatz von Vollmond, silbernen Kugeln und Kreuzen, sowie das Auftauchen einer scheinbar geistig verwirrten Frau. Nach einiger Zeit wird auch noch die Walpurgisnacht mit zu den klassischen Elementen hinzugepackt, so dass man eigentlich nur noch an der Lederjacke des Helden erkennt, dass „Die Orgie des Horrors“ (Alternativtitel) damals eigentlich zu einer recht modernen Zeit entstand.

Ob man auch die Positionierung der beiden Frauen, mit welchen die Hauptgeschichte losgeht, als modern bezeichnen kann, bleibt anzuzweifeln. Zwar sollen sie nachforschende Studentinnen darstellen, sie handeln jedoch nie so, sind stattdessen nur, wie für den klassischen Horrorfilm typisch, verängstigte Wesen, die nie einen klaren, rationalen Gedanken fassen können, sondern stattdessen stets emotional reagieren. Zumindest macht dieser letzte Part die Geschichte etwas schmackhaft, beschert es dem Streifen gegen Ende doch eine gewisse Dramatik, wenn die Heldin zwischen zwei Männern steht und genau weiß was sie zu tun hat, um ihre Liebe zu beweisen.

Vergessen sollte man trotz meiner eher positiven Worte trotzdem nicht, dass „Werewolf Shadow“ (Alternativtitel) streng gesehen nur ein plumper Reißer ist, den man nicht wirklich ernst nehmen kann. Wer sich gruseln will ist hier falsch. Harter Horror sieht ebenfalls anders aus. Und die Geschichte ist so schlicht gestrickt wie der Zusammenwurf jeglicher Horrorkreaturen nur ausfallen kann. Ich kann auch nicht bestreiten, dass „The Werewolf vs. Vampire Woman“ (Alternativtitel) gelegentlich kleinere Längen besitzt, die dem Sehspaß ein wenig schaden. Aber er besitzt trotz allem Charme genug um Freunden abseitigen 70er Jahre-Kinos zu gefallen. Er gräbt mit seinem Nebel, den Kulissen und den oben aufgezählten Elementen einfach zu tief in klassischen Horrorzutaten, als dass man ihn als Nostalgiker nicht mögen könnte, auch wenn er die typischen Aufgaben eines Horrorfilmes nicht zu erfüllen weiß. Wenn man bedenkt dass ich aufgrund von Naschys Anwesenheit lediglich reinen unfreiwillig komischen Trash erwartet habe, bin ich um so erfreuter darüber, dass „Nacht der Vampire“ darüber hinaus auch noch einige Schauwerte mehr bietet.


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Mittwoch, 5. August 2015

ICH, DR. FU MAN CHU (The Face of Fu Manchu 1965 Don Sharp)


Der geniale totgeglaubte Meisterverbrecher Dr. Fu Man Chu entführt den Wissenschaftler Merten, der auf dem besten Weg ist ein Gift zu entwickeln, das sich ideal als Massenvernichtungswaffe eignet. Erzfeind Nayland Smith ist dem wahnsinnigen Genie zusammen mit Mertens Gehilfen auf der Spur...


Der Friedhof an der Themse...

Fu Man Chu machte schon seit der 20er Jahre die Kinoleinwand unsicher, in den 30er Jahren verkörpert von Horror-Legende Boris Karloff. Als die harte Welle der 60er Jahre in vollem Gange war, entsann man sich aufgrund der Erfolge der Dr. Mabuse-Reihe des ähnlich angelegten asiatischen Größenwahnsinnigen und startete eine Reihe, im ersten Teil besetzt mit den Wallace-Veteranen Joachim Fuchsberger und Karin Dor, sowie Christopher Lee als Dr. Fu Man Chu, was wohl der größte Clou der Produktion sein dürfte.

Über die zuvor gedrehten Fu Man Chu-Filme weiß ich nichts zu sagen, aber verglichen mit der Wallace-Reihe, welche die harte Welle überhaupt erst ins Leben gerufen hatte, schaut sich „Ich, Dr. Fu Man Chu“ schon ein wenig mager. Der sonst so taff wirkende Fuchsberger, der nie ein großer Schauspieler war, wirkt eher albern als heldenhaft und scheint nie so ganz bei der Sache zu sein. Vielleicht verblasst er aber auch nur neben dem bedacht wirkenden Partner Nigel Green, welcher den Scotland Yard-Kommissar Nayland Smith mimt, der Fu Man Chu bereits seit Jahren jagt. Fuchsberger wirkt wie ein Kasper neben ihm, eigentlich immer nur treudoof der wichtigeren Hauptrolle folgend ohne von wahrer Bedeutung für die Geschichte zu sein.

Aber auch Christopher Lee hat man schon wesentlich überzeugender erlebt. Zugegeben: die Verantwortlichen der Maske haben ihn hübsch zurecht gemacht, aber eine diabolische Magie strahlt der Superverbrecher überhaupt nicht aus. Die Wirkung des Dr. Mabuse in seinen besseren Filmen erreicht die asiatische Konkurrenz nie. Da freilich auch die Story austauschbar ist, weit davon entfernt einen Innovationspreis zu gewinnen, dümpelt „The Face of Fu Manchu“ (Originaltitel) auch für einen Trivialfilm zu seicht daher um mit den interessanteren Werken seiner Zeit mithalten zu können.

„Ich, Dr. Fu Man Chu“ ist weit davon entfernt eine reine Actiongurke wie „Sechs Pistolen jagen Professor Z“ zu sein, dafür steht der Horror- und Kriminalpart zu sehr im Zentrum. Und auch in diesem Fahrwasser bildet er keinen Tiefpunkt wie „Hotel der toten Gäste“ oder „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“. Sharps Werk befindet sich irgendwo im Mittelmaß, sich etwas besser guckend als „Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse“, aber doch nie wirklich interessant werdend.

Zwar weiß zumindest der ein oder andere Dialog zu belustigen, und die Heldenhaftigkeit der beiden Hauptfiguren wirkt selbst für einen Film dieser Art ein wenig überzogen, aber solch ein Werk möchte man eigentlich nicht aufgrund unfreiwillig komischer Peinlichkeiten sehen, ein Zustand von dem „Ich, Dr. Fu Man Chu“ glücklicher Weise auch weit entfernt ist. Aber letztendlich sind es die aus heutiger Sicht unzeitgemäßen Schrulligkeiten, die dem Film seinen einzigen Charme bescheren. Weder die eingefangenen Bilder noch die grundlegende Atmosphäre ragen über Mittelmaß hinaus. Von daher darf es verwundern, dass Regisseur Sharp auch den ein Jahr später folgenden „Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu“ inszenieren durfte. Auch sein „Fluch der Fliege“ fiel im selben Jahr nicht wesentlich origineller aus. Und Spätwerke wie „Der Frosch“ und „Das Geheimnis der Phantom-Höhlen“ sprechen mit ihrem plumpen Ergebnis auch nicht gerade für ihn.


Weitere Reviews zum Film: 

Sonntag, 2. August 2015

CREATURES FROM THE ABYSS (Plankton 1994 Al Passeri)


Bei einem Bootstrip in ein Unwetter geraten, stößt eine Gruppe junger Menschen auf offener See auf eine Yacht, auf die sie sich retten können. Das Schiff entpuppt sich als Forschungsstation für Unterwasserleben, aber von der Crew ist niemand mehr aufzufinden. Denn etwas Mörderisches lauert an Bord...


Piranhas hassen Sex...

Man nehme Joe Dantes „Piranhas“, stecke ihn in das Gewand einer typischen 90er Jahre Videotheken-Billig-Produktion und gebe eine gehörige Prise Schwachsinn hinzu, die man mit Gewalt und Sex mischt. Heraus kommt „Creatures from the Abyss“, der nicht nur von Dumpfbacken handelt, sondern scheinbar auch von solchen geschrieben ist, so dämlich wie er sich guckt. Sein Gehirn sollte man nicht einschalten, die Enttäuschung wäre groß, ist doch allein schon die Einleitung derart weit hergeholt und fern jeglichem nachvollziehbarem Verhaltens, dass man aus dem Augenverdrehen nicht mehr herauskommt.

Darf man nach der Hälfte der Laufzeit endlich Details zu den mordenden Fischen erfahren, die an Land wie im Wasser dem Menschen gefährlich werden können, dann entschuldigt das zwar so manch zuvor unnötig erscheinendes Gymmick am Rande, aber man ist endgültig angekommen im sleazy Pulp, wie ihn in dieser Stil-Richtung nur die 90er Jahre hervorbringen konnten. Das Rest-Niveau eines 70er Jahre-Films gleichen Zieles ist endgültig über Bord geworfen. „Plankton“ (Originaltitel) ist ein Film des reißerischen Effekts wegen, jegliche Qualität ist einfach nicht vorhanden. Wer sich schon schwer tut mit einem perfekt frisierten Mann, der andere ausschimpft weil er durch Lärm gerade aus dem Schlaf gerissen wurde, den werden Abgründe in der Logik erwarten, die wesentlich tiefer gehen.

Leider sind die Figuren etwas zu eindimensional ausgefallen, als dass sich „Piranha 4“ (Alternativtitel) flott genug gucken würde, um als Trash-Tipp herzuhalten. Zwar kann man wahrlich nicht über einen Mangel an Unsinnigkeiten klagen, und eigentlich passiert immer etwas, aber wirklich toll schaut sich Al Passeris Werk nicht wirklich. Selbst der sexuelle Aspekt, der zumindest ein Zugeständnis dazu ist, dass man sich bewusst war welchen Mist man da dreht, will den Sehspaß nicht all zu sehr erhöhen. Verdammt, ich hätte den Film in fröhlicher Trash-Runde schauen sollen anstatt alleine, dann würde ich an dieser Stelle vielleicht andere Töne spucken.

Von daher kann ich nur so viel über „Creatures from the Abyss“ schreiben: zum alleine gucken ist er nicht wirklich geeignet. Sehen sollten ihn ohnehin nur Trash-Fans mit Hang zum Retro-Feeling der 90er Jahre, und die sollten am besten Asylum-geschult sein, denn die popligen Spezialeffekte, auch wenn sie handgemacht sind anstatt aus dem Computer zu stammen, stehen den Filmen dieses Billigproduktionsstudios in Sachen Schund in nichts nach. Ich persönlich greife lieber zu „Piranhas“ oder dessen Remake „Piranha“ wenn ich Killerfische sehen will. Und wenn ich Viecher sehen will, die Einfluss auf das menschliche Sexualleben haben, dann greife ich lieber zu Cronenbergs „Parasiten-Mörder“.


Weitere Reviews zum Film: