Montag, 27. Juli 2015

THE PURGE 2 - ANARCHY (The Purge: Anarchy 2014 James DeMonaco)


Eine neue Nacht der Säuberung steht bevor. In der Purge sind 12 Stunden lang jegliche Verbrechen erlaubt. Ein Sergeant möchte die Nacht nutzen um am Mörder seines Sohnes Rache zu nehmen. Durch gewisse Umstände wird er stattdessen zum Beschützer eines Paares, dem das Auto kurz vor der Säuberung mitten in der Stadt stehen geblieben ist und einer Mutter mit ihrem Kind, welche von einer gut organisierten Säuberungselite aus ihrem Haus heraus entführt wurden...


Gesegnet seien die neuen Gründungsväter...

Die simple Idee einer Gesellschaft, die eine Nacht jeglichen Verbrechen straffrei nachgehen darf ohne mit einer gesetzlichen Konsequenz zu rechnen, um die Kriminalität den Rest des Jahres fast komplett zu eliminieren, ist so simpel wie reizvoll, steckt sie doch sowohl voller politischer Möglichkeiten, wie auch rasanter Actionmomente und Gore-Effekte. „The Purge 2 - Anarchy“ wurde ebenso wie sein Vorgänger „The Purge - Die Säuberung“, der ein Jahr zuvor erschien, von James DeMonaco gedreht und geschrieben, und der erkannte die Vielfalt der Möglichkeiten, die situativ in der Grundidee stecken, so dass Teil 2 keinesfalls eine blasse Kopie des Vorgängers wurde.

Ging es in Teil 1 um einen Feind im trügerisch sicher abgeriegelten Haus, so erleben wir in der Fortsetzung das Treiben auf den Straßen während der Purge-Nacht, was den Gewaltpegel und die Actionsequenzen stark nach oben steigen lässt, erzählt in einer selbstgerechten Mentalität und gespiekt mit reißerischen Elementen, so dass die politisch satirischen Zwischentöne in ihrer Glaubwürdigkeit zu leiden haben und der Film nur das ist, was er scheinbar aber auch nur sein will: Unterhaltungskino.

Dank so einiger Überlegungen, welche die Ideen besagter Nacht bereichern und dem an sich vorhersehbarem Ablauf zumindest die ein oder andere Überraschung beschert, fällt „American Nightmare 2 - Anarchy“ (Alternativtitel) nicht so plump aus wie ein üblicher Film des geistfreien Popkornkino heutiger Zeit. Er kommt etwas raffinierter und interessanter daher als der etwas zu routinierte Vorgänger, und ein hohes Tempo im Ablauf der Geschehnisse sorgt dafür dass einem nie langweilig wird. Mit den Hauptfiguren kann man mitfiebern, obwohl sie der Klischeekiste entsprungen sind (allen voran der unbesiegbare Anführer, der ein wenig zu sehr auf Rambo getrimmt ist), und der Spannungsbogen ist konstant auf einem hohen Niveau.

Mainstream ist der Streifen dennoch, geht man doch nicht zu hart mit dem Zuschauer und damit mit den Protagonisten um, präsentiert der Film doch, typisch moderner Mainstream-Horror, harte Bilder in einer Geschichte in welchen den Guten nichts all zu Schlimmes passieren darf. Wenn dann noch eine Frau geschminkt duscht, eine im Umgang mit Waffen unerfahrene Frau völlig ohne Rückstoß eine besonders krasse Schusswaffe abfeuert und ein Moralist als Held dargestellt wird, nur weil er die Gegenseite der Purge-Nacht vertritt, obwohl er gleichzeitig das Wort Gottes predigt und mit dieser entmündigenden Religion keinen Deu besser als die neuen Gründungsväter ist, dann merkt man wie sehr „The Purge 2" noch Massenkino ist, fern wahrer roher Werke, quasi ein Film für ein anspruchsloses Publikum.

Um so erstaunlicher ist das positive Gesamtergebnis, das mir wirklich gut gefallen hat, wenn man sich mit einem Film arrangieren kann, der clevere Ideen in stumpfer Umsetzung präsentiert. Die maskierten Mörder wissen ein ungutes Gefühl zu entfachen, die blutigen Sequenzen schauen sich glaubwürdig, die klare Trennung von Gut und Böse, wie sie leider typisch für Ami-Denken ist, wird zumindest leicht gebrochen, auch wenn sie die meiste Zeit glorifiziert wird. Es ist also definitiv nicht alles Gold was glänzt, aber spannend, actionreich, interessant und einfallsreich ist „The Purge 2“ definitiv ausgefallen, und er gehört zu jenen Werken, welche den Idealisten, die glauben eine Fortsetzung könne nur schlechter als ihr Original sein (eine Idee die keiner Gesetzmäßigkeit folgen kann) einen Strich durch die Rechnung macht. Bereits Teil 1 war nett erzählt. Teil 2 reißt einen für 90 Minuten richtig mit. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film: 

Sonntag, 26. Juli 2015

SUPER (2010 James Gunn)


Frisch von seiner Frau verlassen beschließt Frank nachdem er eine Vision empfangen hat Superheld zu werden. Kostümiert attackiert er Verbrecher, doch es bedarf einiges an Übung um die anfänglichen Fehlversuche nach und nach auszubügeln...


Zwischen den Bildern...

Im selben Jahr von „Kick-Ass“ erblickte „Super“ mit einer ziemlich identischen Idee das Licht der Welt und steht dem charmanten Spaß in nichts nach. Beide Filme verarbeiten die Geschichte auf ihre völlig eigene Art, Parallelen besitzen sie im Härtegrad der Erzählung und in den Schwerpunkten Komik, Drama und Action. Konnte man für „Kick-Ass“ Nicolas Cage und Chloe Grace Moretz gewinnen, so kann „Super“ mit deren Schauspielqualität locker mithalten, hat er doch Kevin Bacon als Bösewicht und die talentierte wie niedliche Ellen Page als psychopathische Gefährtin des Superhelden mit an Bord. Let‘s Rock!

Hauptdarsteller Rainn Wilson hatte mich mit seinem Können schon in „Hesher“ vollends überzeugt. Ihn nun in der Rolle des blutroten Blitzes zu erleben ist eine weitere Bestätigung seiner Vielseitigkeit, bei all den unterschiedlichen Facetten die in „Super“ von ihm abgefordert werden. Sein Charakter ist ein wenig vergleichbar mit Rogens Rolle aus „Shopping Center King“ (und nicht wie man meinen könnte aus „The Green Hornet“), und man ist sich ebenso wie dort neben all der Komik der dramatischen Seite seines Zustandes bewusst. „Super“ verherrlicht nichts, er ist jedoch konsequent erzählt. Damit ist er trotz all der schwarzen Komik und all seiner Brutalitäten im kritischen Betrachten des Hauptfigurencharakters tiefsinniger als es ein „Defendor“ mit Schwerpunkt Dramatik sein möchte. Gunns Werk geht diesbezüglich jedoch nicht so tief wie „Unzertrennlich“, eben weil er sich auf mehrere Bereiche konzentriert und trotz aller ernsthafter Elemente Popkornkino sein möchte.

Die politisch unkorrekte und unverkrampfte Art ist es dann auch, die „Super“ ebenso wie „Kick-Ass“ von den Blockbuster-Langeweilern von Marvel unterscheidet, die sich bierernst der immergleichen Erzählstruktur annehmen. Rasantes Actionkino, gewalttätige Komik und intelligent erzähltes Kino können entgegen dem was Tunnenblick-Denker glauben innerhalb ein und desselben Filmes koexistieren, bzw. sich gegenseitig beeinflussen um ein sympathisches Ganzes zu bilden. „Super“ ist einer dieser Glücksfälle, und er fordert mit bösen Überraschungen auch so manches vom Zuschauer ab, was der Pseudo-Cineast der Mainstream-Ware rein inhaltlich nicht gut heißen wird.

Was soll‘s, soll der lieber „Green Lantern“, „Fantastic Four“ oder „Man of Steel“ gucken, Massenware die seinen stumpfen Verstand nicht überfordern. Wer gute Unterhaltung sehen will die den Zuschauer wie einen mündigen und selbst denkenden Menschen behandelt, der sollte unbedingt einmal einen Blick auf diese kleine Perle von Superhelden-Parodie werfen. Es ist sicher so gut wie auch schade, dass es bislang nicht zu einer Fortsetzung kam. Aber eigentlich ist mit Teil 1 auch alles bereits erzählt. herausragend


Weitere Reviews zum Film: 

MAUSOLEUM (1983 Michael Dugan)


Nachdem ihre Mutter beerdigt wurde, läuft die kleine Susan auf dem Friedhof weinend weg. Ominöse Vorgänge in einem Mausoleum locken sie in das schaurige Gebäude, woraufhin ein Dämon von ihr Besitz ergreift. Jahre später hat Susan als Erwachsene diese Kindheitserinnerung verdrängt, und der Dämon übernimmt wieder die Kontrolle über ihr Tun...


Der Gärtner lässt das Vögeln nicht...

Viel gibt es über „Mausoleum“, der einzigen Regiearbeit von Michael Dugan, eigentlich nicht zu sagen. Er ist ein sehr durchschnittliches Horrorwerk der 80er Jahre, der eine eher uninteressante Geschichte erzählt, die zwar versucht wird mit diversen Spezialeffekten und Monster-Designs aufzupeppen, aber aufregend wird der Streifen damit auch nicht wirklich, zumal der häufigste Effekt, das grüne Einfärben der Augen während Susan grimmig guckt, auch gleich der billigste und unfreiwillig komischste ist.

„Grabmal des Grauens“ (Alternativtitel) dümpelt seicht vor sich hin und schaut sich trotz kleiner Brutalitäten und Nackedei-Szenen sehr konservativ. Konservative Horror-Beiträge von der Stange waren gerade in den 80er Jahren keine Seltenheit, wie Werke wie „Anthony 2“ und “Witchboard“ beweisen. In der Regel bremst der mit dieser biederen Ambiente einhergehende Stock im Arsch das mögliche Tempo aus, so auch hier, was aus einer bereits zu oft gesehenen und zu vorhersehbaren Geschichte überraschungsfreie Routine macht.

Einzig eine Sequenz bricht aus diesem Einerlei heraus, eine Szene bei der ich nicht verstehe wie sie gemeint sein soll, so belustigend wie sie sich eigentlich guckt. Der Gärtner ist scharf auf Susan, Susan jedoch nicht auf ihn, woraufhin wir den Alltag des Abgewiesenen gezeigt bekommen: Rasenmähen hier, ein Schläfchen dort, kurze aneinander gereihte Sequenzen dieser Art fassen den Tag des Gärtners zusammen, der schon wenige Filmminuten später, nachdem er seiner Arbeitgeberin doch noch an die Wäsche durfte, vom Dämon ermordet wird. Keine Ahnung was diese Schnellzusammenfassung der Arbeit eines Grünanlagenpflegers in den Augen des Regisseurs bezwecken sollte, aber dieser von den meisten Menschen wahrscheinlich übersehene Moment ist das individuellste was „Deadhouse - Die Gruft des Grauens“ (Alternativtitel) zu bieten hat.

Passable Darsteller und ein routinierter Grundton können einen gewissen Grad Desinteresse beim Zuschauer zwar nicht verhindern, sorgen aber in Kombination mit den quantitativen Schauwerten dafür, dass der Vielseher des Genres, der auch außerhalb von Grusel und Gore etwas mit Horror anfangen kann, durchschnittliche Kost zu sich nehmen kann. Aufregend ist das wie gesagt nicht, nicht einmal ansatzweise, aber ein schlechter Film sieht dann doch anders aus.

Dugans "Mausoleum" sollte man übrigens nicht mit "Sie greifen nach den Lebenden" verwechseln. Der ist u.a. auch unter dem Alternativtitel "Mausoleum" erschienen, und beide Filme sind von 1983! Also Vorsicht beim Kauf! mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film: 

Samstag, 25. Juli 2015

INSEL DES SCHRECKENS (Island of Terror 1966 Terence Fisher)


Als auf einer Insel eine Leiche aufgefunden wird, die keinerlei Knochen mehr besitzt, fliegen drei Experten vom Festland ein um den Fall vor Ort zu untersuchen. Sie entdecken Unvorstellbares...


Staubsauger aus dem Labor...

Ein Aufhänger der zu gefallen weiß in einem Film von Terence Fisher („Schlag 12 in London“) und mit Peter Cushing besetzt, was soll da schon schiefgehen? Nun, der ein Jahr nach „Insel des Schreckens“ erschienende „Brennender Tod“ wäre tatsächlich ein Beweis dafür, dass diese Grundlage nicht automatisch zu einem befriedigendem Ergebnis führen muss. Der hier besprochene Film ist jedoch wesentlich unterhaltsamer ausgefallen als das inhaltlich recht verwandte Folgewerk, das ebenfalls auf einer Insel spielt und uns putzige Monster beschert.

In „Insel des Schreckens - Todesmonster greifen an“ (Alternativtitel) sehen die Monster mit denen wir es zu tun haben wie ein Haufen grüner, fester Schleim aus, die einen Rüssel besitzen, also so eine Art glibberiger Staubsauger. Das sieht unglaublich niedlich aus, und man kann ein Schmunzeln nicht zurückhalten, wenn die Viecher über Menschen herfallen, die daraufhin brutalst schreien. Klar, der Tod den die Kreaturen bringen ist besonders fieser Natur, aber rein optisch ist das alles unfreiwillig komisch. Der Clou: Fisher schafft es dennoch eine bedrohliche Stimmung aufkommen zu lassen, und dies obwohl die Monster sogar recht häufig zu sehen sind.

Dank logisch handelnder Menschen, die in einem anregenden Dialog zueinander stehen, steht die Geschichte nie still. Neue Erkenntnisse werden geschaffen, Versuche sind gerne einmal erfolgloser Natur und steigern den Spannungsbogen aufgrund der Hilflosigkeit. Und der finale Plan hängt von zu vielen Faktoren ab, um als wirklich funktionsfähig angesehen zu werden. Selbstverständlich befinden wir uns in einem 60er Jahre-Film und müssen nicht ernsthaft um ein Happy End bangen, aber es wird den Protagonisten nicht leicht gemacht und so manche Opfer gehen dem Sieg gegen die im Labor gezüchteten Wesen voraus. Ebenso sicher wie das Happy End ist jedoch auch der angehangene Schluss einer möglichen Fortsetzung, die sich zwar zu krampfhaft zugehörig zum Rest anfühlt, aber zumindest aufgrund zuvor gesprochener Worte ein ungutes Gefühl beim Zuschauer entfacht.

Eine von der Außenwelt abgeschottete Insel, eine Stromversorgung die kurz vor dem Ende steht und viele Menschen auf engem Raum umzingelt von Wesen, welche den Menschen die Knochen aus dem Körper saugen, hier wird schon einiges aufgefahren, damit sich ein Gefühl der Bedrohung auftut, und ein paar effektive Direktaufnahmen auf die „ausgelutschten“ Leichen wissen ebenfalls zu gefallen.

Von daher ist „Island of Terror“ (Originaltitel), von dem es so herrliche Alternativtitel wie „Night of the Silicates“, „The Night the Silicates Came“ und „The Creepers“ gibt, trotz optisch nicht ernstzunehmender Angreifer jedem Freund von 60er Jahre-Monsterfilmen und Werken mit Peter Cushing zu empfehlen, ist er doch flott inszeniert, interessant erzählt und spannend ausgefallen. Welchem Horror-Nostalgiker sollte solch ein sympathischer Unfug bitteschön nicht gefallen? sehenswert


Weitere Reviews zum Film: 

Freitag, 24. Juli 2015

HAROLD UND MAUDE (Harold and Maude 1971 Hal Ashby)


Der 20jährige Harold, der oft Selbstmorde inszeniert um gegen seine bestimmerische Mutter zu rebellieren, geht gerne auf Beerdigungen und lernt auf einer solchen die 79jährige Maude kennen, die ihm lehrt das Leben zu leben...


Erhebe Dich über die Moral...

Was mit morbidem Humor beginnt, endet mit eben solchem, was jedoch kein Hinderniss dafür ist einen lebensbejahenden Film zu erzählen, der zwei unterschiedliche Personen zusammenschweißt, die wie für einander geschaffen sind. Harold stellt sich über gesellschaftliche Regeln um zu rebellieren, Maude macht selbiges um das Leben auszukosten. Gemeinsam stellen sie sich über Moral und Gesetz, provozieren auch gern, jedoch nicht des Provozierens wegen, und so nach und nach bekommt Harold Geschmack daran das Leben zu genießen und sich immer wieder neuen Erfahrungen zu stellen.

„Harold und Maude“ ist ein Lehrstück darüber wie gefangen der Mensch im allgemeinen ist, und darüber dass er dies eigentlich nicht sein müsste. Was richtig ist ist auch dann richtig wenn es gegen das Gesetz ist. Und was sich gut anfühlt und niemanden verletzt kann ebenso wenig verkehrt sein. Harold und Maude sind Freigeister. Maude ist, wie es scheint, ein solcher schon immer gewesen, Harold bricht endlich wirklich aus dem fremdbestimmten Gefängnis aus, anstatt sich dieses Gefühl mit selbstinszenierten Suizid-Täuschungen vorzugaukeln. Konsequenter Weise geht er den letzten Schritt der Loslösung genau über einen solchen vorgetäuschten Selbstmord.

Während Maude vom Alter angetrieben wird, bereit sich dem Tode zu stellen und keine Konsequenzen mit 79 mehr fürchten muss, ist es ironischer Weise der gesellschaftliche Einfluss der es Harold ermöglicht ein Freigeist zu werden. Mutter ist reich, die Familie hat Beziehungen nach oben, Harold kommt in der Regel unbestraft davon. Probleme die sich dem unterschiedlichen Paar in den Weg stellen werden mit einer großen Portion Fantasie und Spielfreude aus dem Weg geräumt, selbst wenn es um so ernste Dinge wie die Verpflichtung zum Militärdienst geht.

Regisseur Hal Ashby, der erst mit 51 Jahren begann Filme zu drehen und der mit „Harold und Maude“ sein zweites Werk ablieferte, enttarnt den Irrsinn des Normalen und die Normalität des von der genormten Gesellschaft empfundenen Irrsinns. Zwei Weltansichten werden gegenüber gestellt, und dass sich der Geschichtenerzähler auf die Seite der Außenseiter stellt weiß ein wunderschöner Soundtrack von Cat Stevens zu unterstreichen. Tu was Du willst, heißt es da im am häufigsten eingespielten Song, und das bringt die Philosophie des Filmes tatsächlich auf den Punkt.

Die Lebensweise der beiden Helden, die weit davon entfernt ist sich solch plumpen Grundlagen wie Genußsucht zu bedienen, weiß den Zuschauer anzustecken, der selbst dann gefühlsmäßig den beiden beisteht, wenn das Gesellschafts-Tabu schlechthin gebrochen wird: der junge Mann und die alte Frau verlieben sich. Maude weiß dass es für Harold noch weitere Liebschaften nach ihr geben wird, der junge Harold, der dergleichen erstmals erlebt, in einer Phase bewusstem Lebens wie nie zuvor, glaubt unerfahren an die einzig wahre Liebe. Das Zusammenkommen empfindet der Zuschauer nicht als abstoßend, den Pfarrer, der äußert was die meisten davon halten würden, schon.

Leben ist nicht das was andere einem vorschreiben. Man darf seinem Glück nicht selbst im Weg stehen. Da sind viele wundervolle Botschaften in diesem tragikomischen herzlichen, wie morbidem Film enthalten, die eine Menge Mut erfordern nach dieser Philosophie zu leben. Mir würde der Mut zur letzten Konsequenz fehlen. Ich breche Konventionen eher im Kleinen, während ich zugleich sehr angepasst lebe. Es kann nicht jeder ein Held wie Harold und Maude sein, obwohl man meinen sollte, dass das was die beiden einfordern die Selbstverständlichkeit des Lebens schlechthin sein sollte. Es ist schon eine kranke Gesellschaft in der wir leben, und ich bin ein Teil von ihr. herausragend


Weitere Reviews zum Film: 

Sonntag, 19. Juli 2015

ASTARON - BRUT DES SCHRECKENS (Contamination 1980 Luigi Cozzi)


Auf einem Schiff wird eine Ladung Alien-Eier entdeckt, deren innerer Schleim menschliche Körper zum explodieren bringt. Die Eier an Bord sind nur ein kleiner Teil einer andernorts gelagerten viel größeren Menge, welche die Menschheit vernichten soll...


Der grüne Schleim vom roten Planet...

Ein Hubschrauber fliegt über New York. Er soll ein Schiff von dort oben überprüfen. Der Vorspann läuft. Und erst mit der letzten Nennung, jener des Regisseurs, beginnt erstmals die Hintergrundmusik. Das ist ungewöhnlich. Ebenso ungewöhnlich ist die maue Qualität des Songs, denn die Band Goblin war für den Soundtrack verantwortlich, und die hat in „Zombie“, „Suspiria“ und vielen anderen Werken gezeigt, dass sie es besser kann.

Ich gehe davon aus dass die Sachlage bei Regisseur Cozzi anders liegt. Außer „Astaron - Brut des Schreckens“ kenne ich bislang nur seine unautorisierte Vollendung von Argentos Mütter Trilogie, die bei uns unter dem Titel „Dead Eyes“ erschien, und beide Werke kann man ruhigen Gewissens als mittelmäßig ansehen. Sie haben durchaus ihre Schauwerte, aber sie holen nicht genug aus ihren Möglichkeiten heraus. Und Unsinnigkeiten lassen seine Filme unnötig lächerlich erscheinen. Dies zwar nicht in einem Umfang der sie zu reinen Rohrkrepierern macht, aber dominant genug um die erzählten Geschichten nicht ernst nehmen zu können.

Wenn „Contamination“ (Originaltitel) in einem Bereich punkten kann, dann sind das die Spezialeffekte. Knallhart hält die Kamera drauf wenn die menschlichen Körper explodieren, und da darf zarten Gemütern ruhig anders werden. Die pulsierenden, leuchtenden Alien-Eier sind schlicht gemacht aber durchaus wirksam, und den Vogel abgeschossen hat man mit dem erst Richtung Finale erscheinenden Zyklopen Astaron, der in seiner naiven wie schleimigen Art noch putziger daher kommt als die Aliens aus Hoopers späterem „Invasion vom Mars“.

Mit dessen Erstverfilmung lässt sich „Die Brut des Grauens“ (Alternativtitel) anbei wesentlich besser vergleichen als der oftmals zum Vergleich herangezogene „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“. In beiden Werken wollen Außerirdische die Erde erobern, und in beiden Fällen lenken sie, ebenfalls vergleichbar mit „Puppet Masters“, „Die Dämonischen“ und „Faculty“, die Menschen, die somit zum willenlosen Werkzeug der Eroberer werden. Dass dies bei Cozzis Werk keinen solch wirksamen Effekt erzielt wie bei den Vergleichsfilmen liegt daran, dass die hier fremdgelenkten Menschen keine sozialen Bindungen zu Leuten haben, die emotional an ihnen gebunden sind. Dementsprechend sieht man in ihnen lediglich kühl die Bedrohung, die ohne großes Nachheulen aus dem Weg geschafft werden muss.

Dass die Geschichte gar nicht so aufregend wie ihre Effekte ist und die Charaktere nicht so sympathisch wie ihr Stellenwert, liegt in der Natur des B-Movies, braucht also nicht zu überraschen. Dass Cozzi jedoch jenes Feingefühl fehlt, welches einen Billigfilm zur richtig angenehmen Sorte Unterhaltung macht, fällt beispielsweise am Ende auf, wenn eine Szene die dem Film einen atmosphärischen Schluss beschert hätte, eine weitere angehangen wird, nur um die ewig gleiche „etwas hat überlebt“-Soße anzudeuten, was in Bezug auf das was man über die Aliens im Laufe des Filmes gelernt hat, jedoch nur zweitrangig bedrohlich ist. Denn der Pilz-artige Astaron entstand nicht aus einem Ei sondern aus vom Mars mitgebrachten Sporen.

Aber das dürfte inmitten einer ohnehin widersprüchlichen und unsinnigen Erzählung keine Rolle mehr spielen. Dann müsste man sich an anderer Stelle auch fragen warum Astaron urplötzlich zu brennen beginnt. Oder warum ein Bösewicht für eine Szene am eigenen Körper den Schmerz eines zerstörten Alien-Eis spüren darf, danach aber nie wieder. Und wieso schaut man zu Beginn in keinen Karton um festzustellen, ob tatsächlich überall Eier anstatt Kaffee vorhanden ist? Fragen über Fragen! Und dass die Protagonisten keine zufriedenstellenden Antworten liefern können, liegt u.a. daran, dass sie ebenso unsinnig geschrieben sind. Die auf harte Agentin getrimmte Hauptfigur Stella Holmes ist ein ideales Beispiel hierfür, darf sie doch immer dann urplötzlich die typisch wehrlose und verweichlichte Frau, wie sie typisch für das Genre bis in die 70er Jahre war, aus der sonst so harten Rolle herausbrechen lassen, wenn es gerade so gar nicht passt.

In seiner dümmlichen wie harten Art weiß „Toxic Spawn“ (Alternativtitel) auf Trivialfilm-Niveau jedoch durchaus zu unterhalten, so dass zumindest Genre-Freunde mit schlichtem Gemüt zu diesem Stück Mittelmaß unbesorgt greifen können. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film: 

CACHÉ (2005 Michael Haneke)


Ein Fremder legt der Familie Laurent alle paar Tage Videobänder vor die Tür, auf welchen über mehrere Stunden ihr Haus von außen aufgenommen wurde. Meist sind die Kassetten in kinderartige Zeichnungen eingewickelt. Georges und Anne fühlen sich bedroht, aber die Polizei sieht keinen Anlass etwas zu unternehmen. Eines Tages ist auf einem Band eine Außenaufnahme des Elternhauses von Georges Laurent zu sehen. Von da an hat er einen Verdacht wem er die Bänder verdanken könnte...


Bedrohtes Heim...

Mit den wenigen Werken, die ich bislang von Michael Haneke gesehen habe, tat ich mich schwer, kamen sie mir in ihrer intelektuellen Art doch immer irgendwie zu gewollt vor. „Wolfzeit“ war mir zu ereignislos für einen Film der so gar nichts von den Hintergründen dessen was die Zivilisation in den Abgrund riss berichtete. Und „Funny Games“, den ich vielleicht aber auch in viel zu jungen Jahren sah um heute über ihn fair berichten zu können, war mir in seiner Echtzeit eine Spur zu steril ausgefallen. Beide Werke hatten ihre Stärken, ihre Momente, meist atmosphärischer Art, aber sie wirkten mir zu bemüht auf Kunst getrimmt, um sie wirklich ernst nehmen zu können.

Theoretisch müsste man selbiges über „Caché“ sagen können, ist doch auch er sehr intellektuell und eher steril gefilmt ausgefallen, aber er weiß mir zu gefallen. Die Geschichte reißt einen in seinen Bann, und durch das nüchterne Abfilmen in nur leicht bewegten Bildern, leicht bewegt um sich von den Amateuraufnahmen des Anonymen zu unterscheiden, in nur leichter Verfremdung durch einen Farbfilter aus selbigen Grund, wirkt alles sehr echt und natürlich, und mit dieser Realitätsnähe im simplen Abfilmen ohne spannungsfördernde Musikuntermalung steht das Drama wesentlich mehr im Fokus als der Thrill-Gehalt. Und doch entfacht Haneke eine ganz eigene Art Spannungsbogen, einen nüchternen aber doch intensiven, einen theoretischen ab doch spürbaren, wenn sich die Schlinge der Hauptfigur immer enger um seinen Hals zusammenzieht.

Gewollt wirkt diesmal ironischer Weise nicht der sterile, intelektuelle Touch, sondern die einzig explizite Szene, die den Zuschauer vor den Kopf stoßen soll. Nötig war das meiner Meinung nach nicht. In der Art wie dargestellt wirkte das auf mich einfach nicht glaubwürdig, auch wenn besagte Szene nicht ohne Wirkung für den weiteren Verlauf der Geschichte bleibt, eine Geschichte über Lügen, das Vergessen, der Schuldzuweisung und der Reflexion.

Was die Ermittlungen Georges zutage fördern, sind die Taten eines gedankenlosen Kindes, so dass sich keine ernsthafte Schuldfrage aufdrängt. Haneke geht es um die Reaktion im Jetzt. Wie gehe ich mit dem Ergebnis dessen um, auf das ich als Kind einen Einfluss hatte. Die Angst Risse ins Bild des heutigen Ist-Zustandes zu bekommen, kann größer sein als die Ethik. Ein Vorwurf, egal wie still vorgebracht, kann zu einer Trotzhaltung führen, die ein Auseinandersetzen mit dem Vergangenen komplett verhindert. Das ist ein interessanter Fakt wenn man das unmoralische Verhalten Georges lediglich ihm selbst ankreiden möchte.

Es ist interessant zu sehen, dass George mit seinen Alleingängen und seinen Geheimnissen einen Keil in die Familie treibt, der wesentlich größer ist als das was die Videobänder hätten anrichten können. Und da dies sicherlich ein grundsätzliches Verhalten Georges ist, braucht einen das Schlussbild, welches dem aufmerksamen Zuschauer einen Hinweis auf die Auflösung gibt, nicht überraschen. Wem die Konsequenz irgendeiner Figur im Film fehlt, dem sei eine Bemerkung aus dem Interview zu „Caché“ von Haneke ans Herz gelegt: Das Leben steckt voller Widersprüche.

Haneke macht das auf psychologisch nachvollziehbare Art sehr deutlich. Die Realität ist nie so klar wie die Geschichten üblicher Filme. Haneke lässt uns nie in die Köpfe seiner Protagonisten hineingucken, und damit sind wir nicht schlauer als wenn selbige Ereignisse in der Realität stattfinden würden. Ob jemand das was er sagt wirklich glaubt, ob dies der Wahrheit entspricht und ob jemand seine wahren Gefühle verheimlicht bekommen wir nicht mit. Lediglich einem kleinen Zusammenbruch Georges dürfen wir kurz beiwohnen. Still für sich allein und unbeobachtet weint er. Mehr gesteht uns Haneke nicht zu. Menschen sind so widersprüchlich wie das Leben. Da kann sich keine klare Konsequenz abzeichnen die uns eine Orientierung und mit ihr einen Halt gibt, um zu verstehen warum passiert was im Film passiert. sehenswert


Weitere Reviews zum Film: 

Freitag, 17. Juli 2015

DIE LEBENDEN LEICHEN DES DR. JEKYLL (El secreto del Dr. Orloff 1964 Jess Franco)


Dr. Orloff vertraut seinem Gehilfen Dr. Jekyll das Geheimnis an wie man Menschen, egal ob lebend oder tot, mithilfe von Ultraschall unter seine Kontrolle bringen kann. Und der nutzt es aus um seine krankhafte Rachsucht zu befriedigen. Seine Nichte, die über Weihnachten zu Besuch ist, kommt ihm auf die Schliche...


Wenn die Ehefrau mit dem Bruder...

Es hat lange gedauert, aber nach etlichen Enttäuschungen, z.B. mit „Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies“, „Killer Barbys vs. Dracula“ und „Lust für Frankenstein“, habe ich nun meinen ersten geglückten Film des für seine Improvisationen berühmten Vieldrehers Jess Franco gesehen. Die lebenden Leichen im Titel sind eigentlich nur eine und wo ein Dr. Jekyll diverse Filmtitel ziert steht an dessen Stelle im Originaltitel ein Dr. Orloff, der in der Deutschfassung der Lehrer Jekylls ist (ob im Original auch weiß ich nicht), aber das ist alles letztendlich egal, denn „Die lebenden Leichen des Dr. Jekyll“ weiß trotz kleinerer Längen zu gefallen, und das ist bereits die große Überraschung schlechthin.

Jess Franco orientiert sich stark an klassischen Horrorfilmen, übernimmt deren Motive und dreht sie nur ein klein wenig auf. Schön dass Franco den Streifen in schwarz/weiß gedreht hat, das tut ihm sichtlich gut, kann aber auch in die Irre führen, denn was sich auf den ersten Blick durch die amourösen Hintergründe und dem Zuschaustellen von nackter Haut modern guckt, ist erst 1964 gedreht, wo Filme ähnlicher Bauart längst vergleichbare Luft atmeten. Ein Tabubrecher wie „Augen ohne Gesicht“ ist „Die Geliebte des Dr. Jekyll“ (Alternativtitel) nicht geworden, mal ganz davon abgesehen dass ihm auch dessen Intelligenz und Anspruch fehlt.

Einen Kunstgehalt kann man jedoch beiden Werken zugestehen, auch wenn Francos Film Lob nicht so offensichtlich ernten wird wie der unter Cineasten sehr beliebte Vergleichsfilm. Francos Werk ist sleazy, er ist Pulp, aber er schaut sich anders als andere Filme, er strahlt trotz dem Verarbeiten bekannter Motive ein eigenes Flair aus, so wie es „Frankensteins Horrorklinik“ bei ähnlicher Thematik in den 70ern wiederholen sollte. „El secreto del Dr. Orloff“ (Originaltitel) ist atmosphärisch dicht erzählt ohne je gruselig oder wahrlich spannend zu werden. Aber das Interesse des Publikums weiß Franco durchaus aufrecht zu erhalten, und das obwohl der Zuschauer in die Geheimnisse viel eher eingeweiht wird als die ahnungslosen Helden.

Franco greift das Thema nicht auf Grusel-Krimi-Art auf. Die Polizei ermittelt kaum, kommt dem Bösewicht nur durch Fremdhilfe näher und steht auch kaum im Zentrum des Streifens. Die von der damals 22jährigen Agnès Spaak so süß gespielte 17jährige Melissa ist ein naives Ding, welche die Wahrheit über ihren Vater erfahren muss, bevor sie erwachsen werden darf. Die Kühle des Haushaltes von dem sie über Weihnachten aufgenommen wird, fußt auf Intrigen und Rachegelüsten. Die einzige Person, die mit Melissa herzlich umgeht ist der Schlossdiener, der in anderen Filmen zwielichtig charakterisiert wäre. Hier ist er der liebenswerte Helfer, was ein typischer Bruch im sonst so traditionell orientierten Streifen ist.

Dass nicht jedes Geheimnis gelüftet wird und nicht jede Idee am Rande zu Ende gedacht ist, ist gar nicht schlimm. Daran erkennt man nun einmal die Arbeit eines Improvisators. „Dr. Orloffs Monster“ (Alternativtitel) ist eher ein Film der auf den Effekt schielt anstatt auf den Hintergrund. Sicherlich ist manches durchdacht, sogar freudianisch orientiert. Letztendlich wirkt der Film aber wie intuitiv abgedreht und erzählt. Und das funktioniert, eben weil der Streifen nicht zu viel sein will und nicht zu wenig erzählt.

Letzten Endes handelt der Film davon was passiert, wenn man einem Menschen zu viel Macht zugesteht, wenn er nur von naiven oder ängstlichen Menschen umgeben ist. Dass der Tote wie ein Zombie aus „Die Nacht der lebenden Toten“ herumläuft und auch auf die selbe Art außer Gefecht zu setzen ist, noch vier Jahre bevor Romeros Werk das Licht der Welt erblickte, lässt vermuten dass Francos Werk Romero ebenso inspiriert haben könnte wie „The Last Man on Earth“, dem man seinen Einfluss auf den ersten modernen Zombiefilm nicht absprechen kann.

Kleine Unsinnigkeiten am Rande, die nichts mehr mit den typischen Randerscheinung eines sleazy Trivialfilmes zu tun haben, helfen dabei dem manchmal zu trockenem und teilweise etwas monoton erzählten Film besser durchzustehen. Am besten gefällt mir die Unsinnigkeit, dass der finale Plan sowohl von Melissas Freund geplant als auch durchgeführt wird. Warum die Polizei, die offiziell von allem weiß, nicht selbst einen Schützen bereit hält der das Monster erledigt, weiß nur Franco. Aber würde „The Secret of Dr. Orloff“ (Alternativtitel) Sinn machen, wäre er auch nur noch halb so interessant ausgefallen wie geschehen. unterhaltsam


MUTANT - DAS GRAUEN AUS DEM ALL (Forbidden World 1982 Allan Holzman)


Ein Gen-Experiment gerät außer Kontrolle, also eilt ein Weltraumheld mit seinem Roboter zur Hilfe...


Protein Mensch...

Was wie ein wundervoll billig getrickstes Stück „Krieg der Sterne“ beginnt, entpuppt sich in seinem weiteren Verlauf als einer der vielen „Alien“-Klone, welche der Kultfilm von Ridley Scott nach sich zog. Während Werke wie „Targoor“ und Co maximal ein müdes Lächeln ernten, da weiß die kostengünstige Roger Corman-Produktion aus der Feder von Trash-Regisseur Jim Wynorski („Shopping“) sympathisch zu unterhalten, was mitunter wohl auch an der unter 80 Minuten laufenden Spielzeit liegt, die im Vorfeld jegliche Länge die entstehen könnte verhindert.

Kurz nach der Ankunft des Helden, von dem niemand weiß warum er eigentlich gerufen wurde bevor die Hölle herein bricht, setzt „Mutant - Das Grauen im All“ (Alternativtitel) eine kleine Pause ein. Zuvor durfte man an einer Weltraumschlacht teilnehmen, einen Roboter und den pulsierenden Kokon der zukünftigen Bedrohung sichten und herrlichem Wissenschaftsnonsens lauschen. Aber langweilig wird es dem Freund trivialer Popkorn-Unterhaltung in der kurzen Verschnaufpause danach trotzdem nicht, spart Regie-Debutant Allan Holzman doch nicht an Tittenszenen, und dank dem wundervollen Mix freiwilliger und unfreiwilliger Komik besitzen diese Erotikszenen sogar tatsächlich Reiz.

Danach greifen Drehbuch und Spezial Effekte in die Vollen, dann geht das große Geglibber los. Monsterszenen und ein sich zersetzender Mensch sorgen für einen wohligen Mix aus Ekel und naivem Charme. Manches Mal überrascht eine Szene mit wahrer Härte, zimperlich geht das Mutantenvieh nicht mit den Menschen um, nicht einmal wenn sie naiv genug sind zu glauben mit ihm kommunizieren zu können.

„Forbidden World“ (Originaltitel) ist reißerisch, aber augenzwinkernd erzählt, und mit dieser Tonlage weiß er in seinem flotten Tempo einfach zu gefallen. Ein schräg quietschender Synthesizer-Sound sorgt für den übrigen Charme, darf sich hin und wieder aber auch in Anlehnung an Kubricks „2001“ mit klassischer Musik abwechseln.

Da das Monster zu gefallen weiß und an schleimig-glibberigen Spezialeffekten nicht gespart wurde, können Freunde quantitativer B-Filme des Science Fiction-Genres bei „Subject 20 - Horror im All" (Alternativtitel) bedenkenlos zugreifen. Dem augenzwinkernden Spaß gelingt die perfekte Ballance nie zu albern und nie zu ernst zu wirken. Und wer würde nicht mit dem Helden tauschen wollen, wenn er Dawn Dunlap in der Sauna begegnet? sehenswert


Weitere Reviews zum Film: 

DIE RÜCKKEHR DES DR. PHIBES (Dr. Phibes Rises Again 1972 Robert Fuest)


Nach drei Jahren Totenschlaf erwacht der wahnsinnige Dr. Phibes, der mit seiner toten Geliebten und einer Helferin nach Ägypten reist, um seine Frau wiederzuerwecken. Doch noch jemand anders ist hinter dem Geheimnis ewigen Lebens her...


Leichenpost...

Zwar schließt „Die Rückkehr des Dr. Phibes“ in seiner ersten Szene nahtlos an die Ereignisse des Vorgängers „Das Schreckenscabinett des Dr. Phibes“ an, allerdings kommt die Fortsetzung nicht so locker verspielt daher wie das großartige Original. Zu bemüht, fast schon verkrampft, schafft man die Grundlagen der kommenden Geschichte, die viel zu viel Erklärungsnot bedarf und zu holprig erzählt ist, um alle Figuren in Grundposition zu bringen.

Auf die Morde wird erneut viel Wert gelegt, die sind so ungewöhnlich und bestialisch wie bereits jene aus dem morbiden Teil 1, allerdings war die Rachestory als Grundlage für das Zelebrieren der Morde wesentlich geeigneter als das Ausschalten eher zufälliger Widersacher. Zudem besitzt „Im Bund mit dem Teufel“ (Alternativtitel) kaum die skurrile Grundlage des Originals, und das wenige was er davon besitzt hat er meist dem Vorgänger entliehen. Manche dort schräge Ideen werden in der Fortsetzung zum zwingenden Ritual, dem auch gerne mal zu oft nachgegangen wird.

„Dr. Phibes Rises Again“ (Originaltitel) bleibt somit nur eine blasse Kopie des originellen Vorgängers, und das obwohl Produzent Samuel Z. Arkoff als auch Regisseur Robert Fuest wieder mit an Bord waren. Vincent Price spielt zwar wieder mit vollem Einsatz, aber selbst der will in meinen Augen nicht wirklich wirken, vielleicht auch weil der Grundton des Streifens nicht düster genug ausgefallen ist - komödiantische Anlehnung hin oder her. Vielleicht war der Abstand zwischen beiden Teilen auch einfach zu kurz, um erneut so kreative Arbeit leisten zu können wie zuvor. Den Fans war es egal. „Die Rückkehr des Dr. Phibes“ erfreut sich großer Beliebtheit. Allerdings verstehe ich nicht warum. Zumindest kam es nie zu einem Teil 3. schlecht


Weitere Reviews zum Film: 

Dienstag, 14. Juli 2015

WELTRAUM-BESTIEN (Chikyû bôeigun 1957 Ishirô Honda)


Eine Alienrasse möchte sich in einem kleinen Bereich auf der Erde ansiedeln. Die Erdenbevölkerung vermutet jedoch eine Invasion und sagt dem übermächtigen Gegner den Kampf an...


Fünf Frauen...

Der Aufhänger eines großen Roboters, der auf „Godzilla“-Art alles niedertrampelt was dem Menschen heilig ist, taucht überraschend früh auf, um nach seinem Niedergang nur noch einmal kurz vor Schluss vorbeizuschauen und das auch nur ganz kurz ohne etwas zu zerstören. Es ist der Roboter dessentwegen man zunächst reinschaltet und das so sympathisch gezeichnete Plakat, welches glücklicher Weise auch auf dem Front-Cover für die deutsche DVD-Veröffentlichung verwendet wurde. Aber „Weltraumbestien“ entwickelt sich in eine ganz andere Richtung, und das ist aufgrund seines Unterhaltungswertes auch gar nicht schlimm.

Aliens die ihre Heimat Atom-verseucht haben wollen ein kleines Fleckchen auf der Erde besiedeln, sagen sie kämen in friedlichen Absichten und warnen den Mensch davor seinen Planeten ebenso zu zerstören, wie sie es taten. Das klingt ein klein wenig von „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ und „Gefahr aus dem Weltall“ geklaut, aber die Paranoyer, dass der Mensch trotzdem zum Angriff bläst, ist dieses Mal nicht gesellschaftskritisch eingebracht, die Besucher sind tatsächlich böse, planen tatsächlich eine Invasion, und vielleicht wäre das nie jemandem aufgefallen, wenn sie nicht fünf Erdenfrauen zur Fortpflanzung gefordert hätten und mit ihren überlegenen Waffen zum Schwanzvergleich aufgefordert hätten.

Die Nationen der Welt tun sich zusammen, Japan, USA und die Sowjetunion kämpfen vereint gegen einen größeren Feind, und selbst in einem japanischen Film haben wir den Endsieg schließlich den Amerikanern zu verdanken, welche den Japanern die nötige Technik bereitstellten um es den Neuankömmlingen mal gehörig zu zeigen. Zwar sind die Tricks veraltet und Schüsse billig ins Bild gemalt, aber zumindest geht ordentlich die Post ab. Laserstrahlen, ein Riesenroboter, überflutete Täler, Panzer, Flugzeuge - für eine Produktion dieses Niveaus ließ man sich nicht lumpen und pumpte doch einiges an Finanzen hinein.

Das Vertrauen in den Erfolg des Projektes lag auch sicher daran, dass man Ishirô Honda, den Regisseur des allerersten „Godzilla“, mit an Bord hatte, und die Geschichte dessen Erfolgsfilmes mit dem kürzlichen US-Hit „Kampf der Welten“ kombinierte. Und siehe da: „Weltraum-Bestien“ ist eines dieser wenigen Werke, bei dem das große Tammtamm trotz Mangel interessanter, geschweige denn tief greifender, Charaktere zu funktionieren weiß. Hier geht derartig die Post ab, dass einem einfach nicht langweilig werden kann.

Zudem ist der Trash-Gehalt für einen Streifen dieser Art noch als ziemlich zurückgeschraubt zu bezeichnen, selbstverständlich nur im direkten Vergleich zu ähnlichen Werken. Wie schon kürzlich von mir in „Planet des Grauens“ bemerkt gibt es in „Phantom 7000" (Alternativtitel) mal wieder keine blinkenden Lichter zu sehen, wie sie für das Science Fiction-Genre der 50er Jahre geradezu typisch wären. Und die Miniaturbauten sind mit sehr viel Liebe zusammengezimmert worden, so dass die Katastrophenszenen noch heute zu gefallen wissen, in welchen besagte Bauten zerstört werden.

Lustig ist es trotzdem den Menschen bockig dabei zuzusehen, wie sie unbelehrbar einer höher entwickelten Rasse den Kampf ansagen. Und das Design des Roboters bringt einen ebenfalls zum schmunzeln, wirkt es doch irgendwie Vogel-artig. Seine Schnauze wäre auch vergleichbar mit der eines Maulwurfs. Unsinnigkeiten in der Geschichte, wie z.B. jene dass die letzten zwei der geforderten fünf Frauen so gar nicht überwacht werden, so dass die Aliens leichtes Spiel haben diese zu entführen, gibt es zuhauf. Aber man würde „Chikyû bôeigun“ (Originaltitel) nicht gerecht werden, wenn man ihn als reinen unfreiwillig komischen Trash abstempeln würden, weiß er zusätzlich doch auch als das zu funktionieren was er eigentlich sein möchte: ein Science Fiction-Action, in welchem sich zwei Welten ordentlich bekriegen. Und die Moral darf diesmal zu Hause bleiben! unterhaltsam


RICHY GUITAR (1985 Michael Laux)


Pleitegeier Richard versucht mit zwei Kumpels mit Müh und Not eine Band zu gründen. Doch ohne Arbeit und ohne Geld der Eltern gibt es keinen Verstärker, also sucht sich Richard einen miesen Job für die erste Rate. Doch es hagelt Probleme von allen Seiten...


Die Ärzte mit Saxophon...

Eins haben all die 80er Jahre Musikfilme wie „Spider Murphy Gang“, „Gib Gas - Ich will Spaß“ (mit Nena und Markus) und „Drei gegen drei“ (mit Trio) gemeinsam: ihre Helden waren in der Musikbranche bereits Stars. Bei „Richy Guitar“, der mit den Ärzten besetzt wurde, ist dies anders. 1984, zum Zeitpunkt des Drehs, existierte lediglich ein Album mit vier/fünf Liedern, und als er 1985 ins Kino kam war man mit dem ersten richtigen Album „Debil“ noch nicht berühmt geworden. Aber zumindest gab es schon erste Artikel in der Bravo, so dass es bereits erste Fans vor dem großen Ärzte-Hype gab, und zu denen durfte ich auch gehören.

„Richy Guitar“ erzählt keine authentischen Erlebnisse der wahren Ärzte, und der Bandname wird auch nie genannt (ein rotes Kreuz auf einer Gitarre ist der einzige Hinweis). Aber so fiktiv der Film auch ist, er fängt das Jugendleben der 80er Jahre in Berlin realitätsnah ein, und das wüsste auch ohne den späteren Bekanntheitsgrad der Ärzte zu gefallen. Mit dem Bonus dass die Musiker eine der größten Bands Deutschland wurden, schaut man trotzdem etwas interessierter hin, wissendlich dass hier alles frei erfunden ist. In die jungen Gesichter zu blicken, die selbst noch nichts von ihrem Ruhm ahnen, tut einfach gut, hinterlässt aber auch einen wehmütigen Eindruck.

Denn wenn ich von den Ärzten schwärme, dann schwärme ich von ihrer Zeit vor dem Comeback. Und ganz besonders von jener Zeit bis einschließlich zum Album „Im Schatten der Ärzte“. Nie wieder danach besaß ihre Musik diese Leichtigkeit und diesen Charme. Nie wieder wirkte sie so ehrlich auf mich. Während sie gealtert heute immer noch Musik für Teenager machen, waren sie damals selber welche, und das merkt man an ihren Songs, die noch frei von zu viel Punkeinfluss und zu dominantem E-Gitarren-Sound waren.

Ich erzähle davon an dieser Stelle nur um deutlich zu machen, dass meine Vorliebe der Sahnie-Zeit der Ärzte dafür sorgt, dass ich dem Film „Richy Guitar“ gegenüber emotional voreingenommen bin. Die Ärzte waren ein Musikerlebnis für mich noch vor meiner Teenager-Zeit, und sie waren damals meine Lieblingsband. Und auch wenn ich den Film bis vor kurzem nicht wirklich geglückt fand, so hat er für mich doch schon immer eine Faszination ausgestrahlt - eine Faszination die vielen anderen fehlen könnte mit Blick auf das fertige Werk.

Denn inhaltlich sieht es mager für Filmfreunde aus, die eine ereignisreiche Geschichte erzählt bekommen möchten. Letztendlich ist der Musikbereich vordergründig, aber nicht Hauptteil des Streifens. „Richy Guitar“ handelt von der titelgebenden Hauptfigur und nicht nur von dessen Musikerseite. Probleme mit dem anderen Geschlecht, Stress auf der Arbeit, das illegale Beziehen einer leerstehenden Abbruchbude und der ständige Stress mit den Eltern sind weitere Faktoren eines Filmes, der dem Genre des Jugend-Dramas angehört. Und nur wer sich mit deutschen Produktionen dieses Genres auskennt, weiß was einem inhaltlich bevorsteht.

In Filmen wie „Die brennende Schnecke“, „Kroko“ "Alaska.de" und „Richy Guitar“ geht es eben nicht wie in amerikanischen Beiträgen dieses Genres um eine Kino-typische Erzählung. Ebenso wie die Franzosen nutzen wir Deutschen das Genre um uns nah an der Realität zu orientieren. Der Alltag der Jugendlichen soll eingefangen werden. Und der Mehrwert der Geschichte, die wie eine Aneinanderreihung von Nichtigkeiten wirken kann, ergibt sich durch die alltäglichen Erlebnisse erst im Gesamten. Nun ist „Richy Guitar“ im Vergleich zu den meisten anderen Jugend-Dramen diesbezüglich noch eine Spur extremer ohne roten Faden ausgefallen, und so sehr mir der Film mittlerweile auch gefällt, manchmal übertreibt es Regisseur Michael Laux, der nach seinem Debut nie wieder einen Film drehte, dann doch zu sehr damit.

So werden wir als Zuschauer bei den Vorbereitungen des finalen Konzertes zu dem es nie kommt nicht genügend an die Hand genommen, obwohl es sehr interessant gewesen wäre gerade diesen Bereich zu vertiefen. Und wenn man gegen Ende der spontanen Party beiwohnen darf, auf welcher eine Bauchtänzerin einen viel zu langen Auftritt hat, dann weiß das den Erzählwert weder von der Geschichte noch von der Tiefe her zu bereichern. Diese Phase schaut sich nur unnötig angehängt. „Richy Guitar“ würde sich ohne diese Szene flotter gucken. Man versteht nicht was das nun soll.

Ansonsten wissen die schlichten Abenteuer des jungen Musikers, der mal Opfer und mal Täter ist und meist nicht unschuldig in seine Miseren stolpert, zu gefallen, eben weil der Streifen ein ungeschöntes Zeitbild einfängt, das aufgrund der kritischen Bilder nicht bloß reine Nostalgie verströmt, sondern Berlin auch von seinen unschönen Seiten zeigt. Wer hier viele Lieder der Band „Die Ärzte“ erwartet wird enttäuscht werden. Stattdessen darf Nena als Gast einen kompletten Song beisteuern und die Band „Plan B“ ist auch mit am Start. interessant


Weitere Reviews zum Film: 

Montag, 13. Juli 2015

FRENCH CONNECTION (The French Connection 1971 William Friedkin)


Die Drogenfahnder Doyle und Russo fangen in der Regel kleine Fische. Doch diesmal bekommen sie Wind von einem großen bevorstehenden Deal...


Jagd auf den Franzmann...

Doyle ist ein aggressiver Trinker mit rassistischen Tendenzen und damit alles andere als ein Vorzeige-Bulle. Sein Partner Russo ist einfach da, ist charakterlos und bekommt lediglich ein Gesicht durch Roy Scheider, der grundsätzlich eine gewisse Ausstrahlung besitzt. Er ist so flach wie man die hier erzählte Geschichte vermuten könnte, so ereignislos sie zunächst erzählt ist. Und ich muss zugeben, dass ich mich bei dieser ersten Sichtung zunächst schwer mit „French Connection“ getan habe. Er ist rau und unbequem, bringt uns die Helden nicht näher und seine Handlung wird aufs Wesentliche zurückgeschraubt: die Alltagsarbeit der Drogenfahnder, bis sie auf den großen Deal aufmerksam werden und das große Observieren losgeht, das kein Ende zu nehmen scheint.

Aber „Brennpunkt Brooklyn“ (Alternativtitel) zählt nicht zu Unrecht zu den prägendsten Action-Thrillern des 70er Jahre Kinos. Sympathisiert man zunächst eher theoretisch mit dem rohen, dreckigen und ehrlichen Flair des Streifens, so wird er mit der Zeit doch richtig interessant und weiß geradezu mitzureißen, wenn das Tempo urplötzlich auf ein Hoch gedrosselt wird, das seine Wirkung aufgrund der restlichen ruhigen Inszenierung nicht verfehlen kann. Die legendäre Autoverfolgungsjagd (bzw. „Auto jagt Bahn hinterher"-Sequenz) weiß noch heute aufzuwühlen, so gnadenlos geht man mit Auto und Fahrer um, und dank einer guten Kameraarbeit hat man das Gefühl mit am Steuer zu sitzen.

„French Connection“ auf seine wilden Momente zu reduzieren wäre jedoch unfair, ist das komplette Werk doch hochatmosphärisch abgefilmt. Meine Lieblingsaufnahme ist jene, in welcher Doyle der Bahn hinterher läuft, die Kamera die Rückenposition besagter Bahn einnimmt und Doyle erst kurz vor dem Tunnel den Wettlauf aufgibt. Und solch nennenswerten Aufnahmen gibt es zuhauf, und ich will nicht wissen wieviele ich davon übersehen habe, weil ich auf andere Dinge geachtet habe.

Nur selten verlässt Regisseur William Friedkin („Der Exorzist“) den Pfad des Realismus, z.B. dann wenn er den eigentlich unsportlichen Alkoholiker Doyle höchst fit einen Attentäter hinterher laufen lässt, so als würden wir gerade Gibsons Rolle in der comic-haften „Lethal Weapon“-Reihe wieder einmal dabei zusehen wie er zu Fuß ein Auto verfolgt. Zum ernsten und bitteren Ton von „French Connection“ passt das gar nicht. Allerdings ist solch ein Ausrutscher auch kaum der Rede wert in einem sonst so konsequenten Film wie diesem.

Die Stadt ist dreckig, Einschüsse werden ungeschönt blutig gezeigt, und die Korruption ist überall zu spüren (spätestens dann provozierend gezeigt, wenn die unterschiedlichen Mahlzeiten von Gut und Böse direkt gegenüber gestellt werden). Verbrechen lohnt sich, und auch der Schluss des Streifens macht aus den Anti-Helden dieses Kriminalfilmes keine strahlenden Helden. Letztendlich bleibt alles wie es ist. Und wo in „Dirty Harry" ein desillusionierter Harry seine Marke ins Wasser schmiss, da erfahren wir von Doyle und Russo nur durch eine Texteinblendung, dass sie das Drogendezernat kurz nach diesen Ereignissen verlassen haben und woanders hin versetzt wurden.

Was sich zu Beginn zäh wie Kaugummi guckt, entpuppt sich als gekonnter Stil, der „French Connection“ ein Gesicht beschert, wie es individueller kaum sein könnte. Zu seiner Zeit muss sich der Streifen sehr modern geguckt haben, allein schon weil er nicht das sonst so gewünschte positive Bild der Polizei und der Stadt vermittelt. „Brennpunkt Brooklyn“ muss sich zur Entstehungszeit ganz besonders unbequem geguckt haben. Dass dies heute kaum noch auffällt, da man das mittlerweile von dieser Art Film gewohnt ist, zeigt nur um so mehr wie wegweisend Friedkins fünfter Film war. Und ich weiß jetzt schon, dass ich mich bei einer Zweitsichtung gerade auf die erste halbe Stunde freuen werde, die mir bei der Erstsichtung noch nicht so ganz geheuer war. Nun wo ich weiß wie der Film gemeint ist und wo seine Stärken liegen, wird sich die erste Phase der Geschichte sicherlich wesentlich interessanter gucken. interessant


Weitere Reviews zum Film: 

GIALLO (2009 Dario Argento)


Auf der Suche nach ihrer Schwester schließt sich Linda dem wunderlichen Inspektor Enzo an, der vermutet dass die Gesuchte von einem Serienkiller gefangen gehalten wird...


Ein Mörder wie ein Simpson...

Dass es ein Argento-Film ist, der den Namen „Giallo“ tragen darf, jenes Italo-Genre, welches der Regisseur mitgeprägt hat, klingt zunächst legitim. Aber leider stimmt es was man so oft liest: der gute Mann ist längst nicht mehr solch ein begnadetes Genie wie zu Zeiten von „Phenomena“, „Profondo Rosso“ und „Suspiria“. Zwar ist „Giallo“ keinesfalls so unterirdisch ausgefallen wie Argentos Tiefpunkt „Mother of Tears“, aber der abgelieferte Thriller ist ein durchschnittliches, zu oberflächlich erzähltes Stück Genre-Kost mit der Härte eines Giallos und der Figurenzeichnung eines TV-Krimis.

Der Sonderling Enzo hätte von seiner Hintergrundgeschichte her und mit dem väterlichen Vorgesetzten im Rücken tatsächlich die Figur einer TV-Serie a la „Dexter“ werden können. Doch was theoretisch an Mystik und Tiefe vorhanden ist, wird unsensibel auf die Schnelle abgearbeitet, so dass man auch gleich von einem Durchschnitts-Kommissar hätte erzählen können. Gleiches gilt für die Geschichte selbst, die ein düsterer Alptraum hätte werden können, die aber so lustlos herunter erzählt wird, als hätten wir es hier mit einem Piloten zu tun der nie in Serie ging.

Argento unterbietet sein bereits recht maues Niveau von „Trauma“ und „Terror in der Oper“, welche trotz mittelmäßigem Ergebnis zumindest noch die Handschrift und den Kunstgehalt des Kult-Regisseurs erkennen ließen. „Giallo“ wirkt austauschbar, so als hätte ihn jeder x-beliebige Neuling inszenieren können. Psychologische Raffinesse blitzt erst in der vorletzten Szene auf, wenn sich die Wege der zwei Hauptfiguren trennen. Verzerrte Wahrnehmungen treffen aufeinander, die eine temporärer Natur, die andere hat längst Wurzeln im Gemüt geschlagen und fühlt sich um ein neues bestätigt. Nein was stecken in den Zutaten für Chancen, und man lässt sie links liegen, als wären sie gar nicht vorhanden, schade!

Im völligen Widerspruch zur schlichten Inszenierung braust uns eine musikalische Komposition um die Ohren, die in einen epischen Science Fiction viel eher hineingepasst hätte als in einen Kriminalfilm, der allein schon mit seinen zu den unpassendsten Zeitpunkten gewählten Rückblicken auf vergangene Ereignisse beweist, wie unsensibel er umgesetzt wurde. Ein Giallo wie ein TV-Film! Argento, was ist nur los mit Dir? mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film: 

PLANET DES GRAUENS (World Without End 1956 Edward Bernds)


Die Crew einer Marsmission landet aufgrund von Turbulenzen im All in der Zukunft der Erde, auf der es nach einem Atomkrieg nur noch Mutanten auf Steinzeit-Niveau und eine handvoll unterirdisch lebendener Zivilisierter gibt...


Das Geschwafel stirbt zuletzt...

„Planet des Grauens“ beginnt zunächst recht interessant, allein schon weil es an Bord eines Raumschiffes in einem Film aus dem 50er Jahren kein Meer an blinkenden Lichtern zu sehen gibt. Und die Theorie der Zeitreise wird überraschend wissenschaftlich fundiert erläutert. Dass man den Streifen trotzdem nicht all zu ernst nehmen sollten zeigen kurz nach der Landung die putzigen Riesenspinnen, die so gar nicht bedrohlich wirken wollen, so niedlich wie sie aussehen, von ihrer Größe her weit davon entfernt mit den Riesenspinnen aus „Tarantula“, „Die Rache der schwarzen Spinne“ oder „Cat Women of the Moon“ mitzuhalten.

Edward Bernds, der bis in die 50er Jahre fast nur Kurzfilme gedreht hat und u.a. auch für die Regie von „Die Rückkehr der Fliege“ verantwortlich war, liefert zunächst noch ein sympathisches Filmchen ab. Zumal der Streifen nicht nur vom Roman „Die Zeitmaschine“ klaut, sondern auch diverse Ideen aus „Teenage Caveman“ und „Planet der Affen“ vorweg nimmt. Ein gewisser Respekt ist da durchaus gerechtfertigt, zumal der Streifen nach anfänglichen Attacken durch Riesenspinnen und menschlichen Mutanten den Grad an reißerischen Schauwerten fast auf null herunter fährt, um von nun an eine Geschichte zu erzählen, die von den Problemen der letzten zivilisierten Menschen der Zukunft handeln, die den Ist-Zustand besagter Zeit gar nicht als Problem ansehen.

Spätestens wenn der Mensch der 50er Jahre ungefragt meint das Schicksal der fremden Gesellschaft beeinflussen zu müssen, sollten auch dem letzten Zuschauer die Parallelen zur späteren Science Fiction-Serie „Raumschiff Enterprise“ auffallen. Die Geschichte könnte fast eins zu eins für eine Episode übernommen werden, und das wäre für das Publikum auch sicher die angenehmere Variante gewesen, denn auf Spielfilmlänge zieht sich „Der verfluchte Planet“ (Alternativtitel) ungemein in die Länge. Und aufgrund dessen das nichts aufregendes mehr passiert und nur noch sinnleer darüber debatiert wird ob die Menschen der Zukunft gerettet werden müssen oder nicht, wird der Streifen auch penetrant langweilig.

Es ist fraglich ob der eher uninteressante Haupt-Erzählstrang der Geschichte als 45 Minuten-Episode funktioniert hätte ohne zu langweilen. Ich glaube zumindest nicht daran, denn „World Without End“ (Originaltitel) weiß ab der Ankunft im Wohnkomplex der kultivierten Menschen durch so ziemlich gar nichts mehr zu gefallen. Hin und wieder bekommen wir die Technik der Zukunft vorgesetzt. Und ab und an darf es unfreiwillig komisch werden, wenn der Amerikaner der 50er Jahre eine Gesellschaft nicht verstehen will, die sich gut begründet dem Herstellen von Waffen verweigert. Aber das ist alles was wenig um interessiert dran zu bleiben. Da haben die Quantitäten zu Beginn wesentlich mehr wach gehalten als der Pseudo-Tiefsinn der geschwätzigen Haupt-Story.

Wäre „Planet des Grauens“ intelligent erzählt, könnte man mit dem heruntergeschraubten Tempo und der Dialoglastigkeit locker mithalten. Aber ein „Alarm im Weltall“ will Bernds' Werk so gar nicht werden. Zu trivial ist das Drehbuch ausgefallen, und zu ereignislos ist der Schwerpunkt der Geschichte, der einfach nur langweilt und selbst Science-Fiction-Nostalgiker desinteressiert zurücklässt. schlecht


Weitere Reviews zum Film: 

Samstag, 11. Juli 2015

MEGA SHARK VS. MECHA SHARK (2014 Emile Edwin Smith)


Aus dem ewigen Eis befreit sich ein Megalodon, der fortan für die Menschen zur Gefahr wird. Doch diesmal ist das Militär vorbereitet. Wissenschaftler haben einen mechanischen Hai als Gegenwaffe konstruiert, der allerdings noch in der Testphase steckt...


Haie die rosten bellen nicht...

Bei Filmen der Produktionsschmiede The Asylum weiß man nie was einen erwartet. Dafür ist die Reihe um den Mega Shark, die einige Jahre vor der Erfolgs-Reihe „Sharknado“ entstand, ein gutes Beispiel. War „Mega Shark vs. Giant Octopus“ noch ein fröhlich dämliches und sehr kurzweiliges Stück Trash, so entpuppte sich die Fortsetzung „Mega Shark vs. Crocosaurus“ als zähes Etwas, in dem zu viel geschwafelt wurde und der jegliche positiven Elemente zurückschraubte, welche den Vorgänger so überraschend lustig werden ließ. Dieses Jahr erscheint die dritte Fortsetzung „Mega Shark vs. Kolossus“, was ein Grund mehr war, endlich einmal Teil 3 der Reihe zu sichten: „Mega Shark vs. Mecha Shark“.

Die Regie übernahm Neuling Emile Edwin Smith, der im selben Jahr des Mecha Shark auch den Science Fiction „Eiszeitalter - Age of Ice“ inszenierte. Aber wer Asylum-Filme kennt, der weiß dass die Regie fast egal ist. Entweder funktioniert der absichtliche Billigst-Wahnsinn oder er langweilt zu Tode. Und glücklicher Weise ist im Fall von „Mega Shark vs. Mechatronic Shark“ (Alternativtitel) erstes der Fall. Das darf eigentlich verwundern, ist das was im Titel im Vergleich wie die Thematik eines ollen japanischen „Godzilla“-Duells klingt im Wasser als solche Schlacht doch so gar nicht möglich, zumindest nicht auf die aufregende Kawumm-Art, so dass der Schrotthaufen von künstlichem Hai doch theoretisch gesehen der bis dahin uninteressanteste Gegner des Megalodon wäre.

Aber dank einer gehörigen Portion widersprüchlichem und falsch (bzw. gar nicht) durchdachtem Schwachsinn und einer temporeichen Inszenierung (trotz zwischendurch eingestreutem Leergeschwätz) macht „Mega Shark vs. Mecha Shark“ für Freunde primitiver Schundfilme tatsächlich Spaß, und da waren wir uns gestern in trauter Runde dreier Trash-Liebhaber sogar einig. Als dritten Film am Abend gesehen, jene Position in der ein schlechter Film besonders schnell nerven kann, wurde uns zu keinem Zeitpunkt langweilig, obwohl Charaktere und Handlung mal wieder so tief gehen wie eine kleine Schramme im Boden.

Was man dem Film zugute halten muss, ist sein Abwechslungsreichtum und die für Asylum-Verhältnisse bessere Computeranimation der Viecher. Natürlich steht der unfreiwillig komische Faktor an erster Stelle. Da kann ein Hai mittlerweile so hoch springen, dass er einem Flugzeug gefährlich werden kann, und selbiges gilt fast für einen Motorradfahrer, der die Schwerkraft außer Gefecht zu setzen scheint, so hoch wie der springt. Und auch die Parallelen zu berühmteren Filmvertretern geben wieder einiges an Sehspaß her. So durfte „Iron Man“ seinen elektronischen Helfer mal kurz an die steif agierende Pilotin des Mecha Shark abgeben, dessen Programm im deutschen mit ähnlicher oder gar gleicher Stimme spricht. Herrlich!

Natürlich verhält sich hier ein Programm höchst menschlich anstatt wie ein Programm, und selbst diese Verhaltensweisen orientieren sich nie an einer Norm und sind widersprüchlicher Natur. Aber genau so etwas macht einen Film dieser Art ja auch aus. Und wenn der mechanische Hai im Laufe der Story dann außer Kontrolle gerät und auch an Land wüten darf, wird es richtig lustig, denn dann strahlt das Stahlvieh keinerlei Bedrohung aus, sondern wirkt wie der Wagen eines Karnevalszuges, der zwar hin und wieder eine Häuserfront beschädigen darf, im großen und ganzen aber wenig Schaden anrichtet, damit die Chose für Asylum nicht zu teuer wird.

„Schauspieler“ die ihre Texte abzulesen scheinen, Actionsprüche der untersten Schublade und der Mangel von Darstellern und Drehbuch sich in irgendeine Lebenslage der Geschichte hineinfühlen zu können, sorgen für zusätzliche Kurzweile, so dass aus „Mega Shark vs. Mecha Shark - Monster vs. Metall“ (Alternativtitel) keine miese Filmerfahrung wie „Transmorphers“ oder „Körperfresser 2“ geworden ist, sondern jene Art leichter Stumpfsinn, den man sich bei der Firma Asylum erhofft, auf den man aber nur bei geschätzten 30% der Filme stößt. Von daher: Glück gehabt! unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film: 

Freitag, 10. Juli 2015

GIER (2010 Dieter Wedel)


Millionäre schwören auf Glanz‘ Investmentmöglichkeiten, und auch der mittelmäßig verdienende Schroth möchte etwas vom Kuchen abhaben. Ganze 500 - 1300% Gewinn verspricht Glanz den Anlegern, doch der Tag der angeblichen Auszahlung verschiebt sich immer mehr. Als das Finanzamt auf den Täuscher aufmerksam wird, seilt Glanz sich nach Afrika ab. Die Regierung dort liefert nicht wegen Steuerdelikten aus. Und um Glanz wegen Betrugs festzunehmen bedarf es eines Klägers. Aber egal wie sehr sich die Auszahlung des angeblichen Riesengewinns auch hinauszögert und so sehr die enge Finanzlage auch Notsituationen schafft, dank seiner vertrauenswürdigen Art glauben die Anleger, die sich mittlerweile bei Glanz in Afrika aufhalten, noch immer an das abgeschlossene Geschäft und wollen der Realität nicht ins Auge sehen...


Glanz oder gar nicht...

Wir leben in einer Finanzwelt. Gesetze werden für die Wirtschaft anstatt für den Menschen gemacht, die sozialen Umstände werden immer ungerechter. Und so braucht es nicht wundern dass manch einer vom großen Geld träumt, selbst wenn ihm solch ein Irrsinn von über 500% Gewinn versprochen wird. In der Regel spricht man schon bei einem Versprechen von 30% Gewinn von einem höchst zweifehalftem Geschäft. Die Gier ist zentrales Thema und Titel des hier besprochenen Filmes von Regisseur Dieter Wedel, der mit den TV-Mehrteilern „Der König von St.Pauli“ und „Der große Bellheim“ berühmt wurde.

„Gier“ war nicht mehr ganz so viel Erfolg beschert wie den Hits des Mannes, dabei kann sich der 180minütige Zweiteiler durchaus sehen lassen. Allein die Besetzung weiß zu gefallen. Devid Striesow, der für mich immer so etwas von einem Hape Kerkeling-Double hat, spielt in der Rolle des Schroth wunderbar leichtgläubig und dümmlich und damit glaubwürdig, und sein Gegenspieler Ulrich Tukur als Glanz hat trotz Negativcharakter die komplette Sympathie hinter sich. Prominent dabei sind Kai Wiesinger, der es schafft rückgratlos naiv zu spielen und sich selbst dann noch über den kommenden Riesengewinn wie ein Kleinkind zu freuen, wenn er schon so pleite ist, dass er sein Geschäft, welches seit Generationen in Familienbesitz ist, aufgeben muss. Ganz oben an der Spitze muss man aber, und das soll man gar nicht glauben, Uwe Ochsenknecht erwähnen, der solch einen wunderbaren Proleten von Anleger spielt, dass es eine wahre Freude ist mit anzusehen, wie dieser auf seine einfache Art im Gegensatz zu den restlichen Anlegern ungeduldig und roh wird.

Das interessante an „Gier - Mit Glanz und Gloria“ (Alternativtitel) ist, dass er fast seine komplette überlange Zeit lediglich davon handelt wie Glanz die Anleger im Glauben lässt es käme noch zur versprochenen Auszahlung. Monate um Monate vergehen, und der rhetorisch begabte Mann weiß den immer wieder aufkeimenden Missmut der Betrogenen immer wieder glattzubügeln. Erst kurz vor Schluss, wenn auch der letzte Anleger begriffen hat das er sich von Glanz aufs Glatteis hat führen lassen, wendet sich das Blatt, scheint das Drehbuch in Comic-hafter Übertreibung auszurutschen, aber selbst dann bleibt Wedel, der die Geschichte geschrieben hat, den Figuren treu und sorgt dafür, dass alles doch noch glaubwürdig endet.

Zugegeben, für eine Satire kommt „Gier“ recht zahm daher und seine Umsetzung ist in seiner ruhigen, geradezu trockenen Art Old School, was aufgrund der auf der Stelle zu tretenden Handlung manch einen Zuschauer überfordern wird. Für mich lag aber gerade der Reiz in der scheinbar festgefahrenen Handlung. Die Anleger dabei zu beobachten wie sie immer wieder den neuen Versprechungen von Glanz Glauben schenken, zu sehen wie sie von tiefster Depression doch immer wieder zu ihrem Lächeln mit den Dollarzeichen in den Augen zurück finden, ist ein Spaß der auch auf 180 Minuten zu funktionieren weiß, eben da für den Zuschauer von Anfang an feststeht, dass Glanz ein Hochstapler ist.

Und entgegen dem was man von der Geschichte erwartet, und im Gegensatz zu dem was der Cliffhanger am Ende von Teil 1 andeutet, bekommt Schroth nie jene Rolle als Finanzverräter zugeordnet, von der man aufgrund der vorgemischten Karten ausgeht. Wedel weiß genau wie er welchen Charakter schreibt, und so bleibt Schroth stets so unentschlossen und halbherzig, wie seine Figurenzeichnung nun einmal angelegt ist. Der laute Protest kommt von ganz anderer Seite, und Schroth liefert nur einen kleinen Anteil dessen, was zum Niedergang von Glanz Imperium führt.

Orientieren darf sich der Zuschauer interessanter Weise an beiden Hauptfiguren. Den familiären und finanziellen Niedergang Schroths erleben wir ebenso in der ersten Reihe, wie die neuen Herausforderungen Glanz‘ die Situation zu meistern, damit die Mannschaft nicht das imaginäre Schiff kentert, auf welchem er als Kaptain die Strippen zieht. Stößt Glanz etwas zu, ist es vorbei mit der Auszahlung, und damit überwacht jeder den anderen nichts Dummes zu tun - sprich eigentlich das einzig Schlaue nicht zu tun.

Ich verstehe wenn das manch einem nicht genug Stoff für 180 Minuten bietet. Kann man aber, so wie ich, etwas mit den Charakteren anfangen und mit dem wahren Kernpunkt des Erzählten, wird man gut unterhalten, zumal man dann erkennt, dass es nicht wichtig ist die Hebel hinter all dem Ganzen zu zeigen, egal ob das nun das tiefere Interesse von Glanz ist oder die staatlichen Hintergründe. Auch wer glaubt der Aufstieg des Betrügers wäre die interessantere Geschichte gewesen, der irrt meiner Meinung nach. Denn im schlichten Bereich liegt hier der Mehrwert. Das Beobachten der scheinbaren Nichtigkeiten, welche die einzelnen Charaktere in ihrer Gier und Naivität entlarven, ist der wahre Kick der Geschichte. Wer zu gierig auf mehr Handlung ist, hat mit „Mit Glanz und Gloria“ (Alternativtitel) keinen Spaß. unterhaltsam


Donnerstag, 9. Juli 2015

ZOMBIE 3 (Zombi 3 1988 Lucio Fulci u.a.)


Ein Virus der Menschen in Zombies verwandelt breitet sich rasent schnell aus...


Aschefressende Vögel...

Ich weiß nicht was in einem Produzenten vorgehen muss, der als Ersatz-Regisseur zu Bruno Mattei greift, wenn Lucio Fulci aus welchen Gründen auch immer (es gibt im Netz diverse Spekulationen) nach einem halb fertigen Film wegfällt. Sein „Die Hölle der lebenden Toten“ zählt nicht zu den besten Italo-Streifen des Zombiefilms, und auch was er in den 00er Jahren zu dem Thema so abgeliefert hat (z.B. „Zombies - The Beginning“) war nicht gerade frei von unfreiwilliger Komik inszeniert. Wieviel vom Ergebnis von „Zombie 3“ nun Mattei oder Fulci angerechnet werden kann (in der OFDb wird zudem auf Claudio Fragasso als dritter Regisseur hingewiesen, der immerhin den recht putzigen „Horror House 2“ drehte), ist unklar, eigentlich aber auch egal, denn der fertige Film funktioniert ohnehin nur als Nummern-Revue.

Inhaltlich stellt „Zombie Flesh Eaters 2“ (Alternativtitel) eine Mixtur aus „Zombie 2“, den ersten beiden „Return of the Living Dead“, Romeros „Crazies“ und „Die Hölle der lebenden Toten“ dar, bedient sich also bei allerhand Vorgängern, um am Ende doch nur eine wirr zusammen gezimmerte Story zu präsentieren, in welcher Menschen in einem Quarantäne-Gebiet zwischen die Fronten von Zombies und dem Militär gelangen, während Wissenschaftler verweifelt nach einem Gegenmittel forschen. Wirklich kennen lernen tut man keinen der vielen Charaktere, die in der Regel ohnehin nur als Futter für die Untoten dienen.

In den Zombie-Momenten, von denen es nicht gerade wenige gibt, schaut sich „Zombie 3“, der je nach Fassung manchmal auch die Beititel „Die Bakterie des Grauens“ oder „Ein neuer Anfang“ trägt, am angenehmsten. Die Untoten sehen auf billige Art sympathisch vermodert aus, ihre Attacken sind hart und mancher Auftritt (z.B. jener im Wasser) weiß inszenatorisch zu gefallen. Wer also einen Zombiefilm genießen kann, indem man sich von Zombiemoment zu Zombiemoment hangelt, und den wirren Irrsinn an Pseudo-rotem Faden der diese Szenen zusammen halten soll, ignorieren kann, der kann tatsächlich gut unterhalten werden. Da die Zombies mal schlurfen wie in „Die Nacht der lebenden Toten“ und in manchen Szenen zu der schnellen Sorte wie in „Großangriff der Zombies“ gehören, ist auch für jede Art Zombie-Fan etwas mit dabei.

Als Gesamtwerk kommt „Zombie 3“, dessen Titel sich nicht auf Romeros „Zombie 2“ bezieht, sondern auf Lucio Fulcis „Zombi 2“, der bei uns zunächst als „Woodoo - Schreckensinsel der Zombies“ heraus kam, also eher mittelmäßig daher, da es kein wahres Mitfiebern mit den austauschbaren Figuren gibt. Und das bisschen zusätzlich angehangene Umwelt- und Militärkritik ist auch nicht gerade dazu geeignet ein solches Werk aufzuwerten, zumal es den Verantwortlichen des Streifens eher um Zombie-Action als um ein stimmiges Grusels-Feeling ging, ein Schwerpunkt der Horrorfilmen nur sehr selten gut tut.

„Zombi 3“ (Originaltitel) ist austauschbare Ware, die sich als Spätwerk der 80er Jahre Zombie-Welle für Freunde dieser Dekade Film aber durchaus gucken lässt, zumal einige Ausnahmeszenen recht schräg ausgefallen sind. So darf man beispielseweise die Attacke eines fliegenden Zombiekopfes noch vor Charles Bands „Shrunken Heads“ sichten, und eine Frau wird durch den Bauch einer Schwangeren heraus von der Nabelschnur eines Zombie-Babys attackiert, noch bevor „The Suckling“ auf der Bildfläche erschien. Und wer jetzt aufgrund dessen glaubt der Film sei eine Horror-Komödie: nein, selbst in diesen Szenen gibt sich „Zombie 3“ todernst. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film: 

TRAUMA (1993 Dario Argento)


Nachdem ihre Eltern von dem schon länger gesuchten Kopfsammler getötet wurden, kommt die aus einer Klinik geflüchtete magersüchtige Aura beim Künstler David unter, der sie zu beschützen versucht. Per Zufall stoßen sie auf eine Verbindung zwischen den geköpften Opfern und kommen dem Täter damit näher als es gesund für sie wäre...


Sieben Tage, sieben Köpfe...

Dass das US-Debut des italienischen Kult-Regisseurs nicht ganz so düster ausgefallen ist wie die Vorzeige-Werke des Giallo-Experten Dario Argento, stört mich an „Trauma“ nicht wirklich, passt die Grundstimmung doch gut zum Erzählten und ergibt sie im Gesamten doch eine durchgehend konsequente Atmosphäre. Selbst in augenzwinkernden Momenten, wenn man zu belustigter Hintergrundmusik das psychische Leiden eines kleinen Nerds begleiten darf, der neben dem Killer wohnt und dessen Mutter seine Beobachtungen so wenig ernst nimmt, wie den Rest von dem was er tut ebenso, bricht diese Atmosphäre nicht ab. Dieser leichte Anflug von Humor tut dem Streifen sogar gut, auch wenn man das in einem Argento-Film zunächst nicht meinen sollte.

Was mich an „Trauma" stattdessen stört ist die etwas zu holprige inhaltliche Inszenierung. Warum ergibt erst die etwas überkonstruierte und durchs Überagieren im Schauspiel auch etwas enttäuschende Auflösung Sinn darüber, warum Auras Eltern vom Kopfsammler getötet wurden? Warum fügt sich dies nicht bereits in jenem Zusammenhang ein, auf den das zentrale Pärchen bei ihren Ermittlungen stößt, um diesem Todesfall nicht bereits im Vorfeld eine gesonderte Position zu schenken? Und warum fällt niemandem diese gesonderte Position innerhalb der sonstigen Mordopfer auf? Und warum kümmert sich die Handlung um solch wenige Personen, so dass gar nicht erst viele Menschen in Frage kommen der Köpfer zu sein. In anderen Werken Argentos ermittelten Privatpersonen zwar auch parallel zur Polizei, nur durften wir dort auch mehr von den Gesetzeshütern mitbekommen.

Zudem ist es für den Zuschauer nie wirklich nachvollziehbar warum wer glaubt Aura gehöre in die Klinik oder nicht. Warum hilft David, wenn sein Charakter doch nicht naiv gezeichnet ist, es aber keinen Grund gibt den Misshandlungsvorwürfen Auras das Klinikpersonal bezüglich zu glauben? Und warum kommen die Übergänge von Klinik und Freiheit so ruppig daher? Warum ist es so einfach aus einer solchen Klinik zu fliehen, und warum stößt die Polizei erst so spät auf David und Aura, die sich nicht nur arg verdächtig machen, sondern auch Spuren hinterlassen? Und der Zusammenhang zwischen den Opfern ist so leicht zu entdecken, dass die Polizei längst weiter mit ihren Ermittlungen sein müsste, als das junge Pärchen. Warum ist dem nicht so?

Aus dem Medienberuf Davids und dessen Kontakte zu den Mitarbeitern dort wird nichts herausgeholt, was für die Geschichte von Vorteil wäre. Widersprüche werden für den Effekt gerne in Kauf genommen und nach einer Wende der Geschehnisse nicht ins Reine gebracht (wie kamen die Köpfe in den Kofferraum?), und zu allem Überfluss beginnt „Aura - Trauma“ (Alternativtitel) mit einer noch übler getricksten Köpfungsszene als seinerzeit jene in „Fahrstuhl des Grauens“. Noch unnatürlicher konnte der Kopf nicht gestaltet werden, dem man nie glauben würde dass die schwarz aufgepinselte Schicht die Haut sein solle. Und das in einem Film, in welchem Tom Savini für die Spezialeffekte verantwortlich war? Nun ja...

Ärgernisse gibt es zu genüge, und so tut es gut, dass Argento wenigstens die Grundstimmung im Griff hat. So kann man „Aura‘s Enigma“ (Alternativtitel) zumindest trotz aller Unsinnigkeiten interessiert bis zum Schluss hin verfolgen, zumal einen freilich auch des Rätsels Lösung interessiert, welches diesmal jedoch nicht in solch interessantem psychologischem Zusammenhang vergangener Erlebnisse steht wie üblich in Argentos Filmen. Zugute kommt „Trauma“ im übrigen auch die sehr niedliche Besetzung der damals noch recht jungen Asia Argento, die sich hier schauspielerisch schon zu beweisen weiß. Hut ab! Und wenn Papa Argento dem Publikum dann noch eine kleine Nackedei-Szene mit der Teenagerin schenkt, ist zumindest der männliche Zuschauer für einen Augenblick zufrieden gestellt. mittelmäßig


Weitere Reviews zum Film: 

Dienstag, 7. Juli 2015

THE AXE IS BACK - DIE RACHE DER LIZZIE BORDEN (Lizzie Borden's Revenge 2013 Dennis Devine)


Bei einer Seance beschwört eine Gruppe Studentinnen den Geist einer Frau herauf, die im 19. Jahrhundert eine Axtmörderin war...


The 1892 Axe Massacre...

Inmitten all der mies umgesetzten Horrorfilme, die ich in meinem Leben gesehen habe, gehört „The Axe is Back“ zu den am übelsten dahingerotzten Werken, die ich je sehen durfte. Hin und wieder schafft es ein sehr billig umgesetzter, direkt für den DVD-Markt produzierter Streifen zu überraschen, so z.B. „Day X - Outbreak of the Zombies“. Schon bei solch angenehmen Ergebnis muss man dennoch in vielen Dingen ein Auge zudrücken, meist auch die deutsche Billigvertonung betreffend, die bei vielen DVDs als einzige Sprachfassung enthalten ist. Dann aber kann man einen gewissen Spaß mit solchen Produktionen haben. Meist steckt hinter einem solchen Werk jedoch ungenießbare und uninspirierte Langeweile wie z.B. bei „Mexican Werewolf“ oder „Scarred - Narben des Todes“.

Schon mit diesen Beiträgen kann ich nichts anfangen, aber ein Film wie „Lizzie Borden‘s Revenge“ (Originaltitel) lässt diese halbgaren, geradezu uninteressanten Genre-Beiträge weit hinter sich zurück. Dennis Devines Werk weiß in keinem Punkt zu überzeugen, lässt nirgendwo ein Anzeichen dafür aufblitzen, dass man sich auch nur irgendeine Mühe geben wollte, und ist lediglich als Verarsche für den Horror-Fan zu betrachten, ein plumper Versuch mit falschen Cover-Versprechen an dessen Geld zu gelangen.
„The Axe is Back - Die Rache der Lizzie Borden“ ist trauriger Weise kein Debutfilm eines nie wieder tätig werdenden Regisseurs. Devine drehte schon x weitere Billig-Horrors. Das Geschäft mit Werken wie „Nazi Dawn“, „Alice in Murderland“ und „Don‘t Look in the Cellar“ scheint sich zu rentieren. Gesehen habe ich keinen davon, aber mit Blick auf den hier besprochenen Streifen kann ich mir nicht vorstellen, dass sich jemand mit so wenig Motivation und Talent anderswo mehr Mühe gegeben haben sollte.

Selten sah ich schlechtere CGI-Effekte, und der Billigmarkt ist voll von Produktionen die üble Computer-Tricks aufweisen. Selten sah das durchs Bild spritzende Blut unechter aus, wenn es überhaupt je schlechter aussah. Und nur ganz selten sind sichtlich aus der Porno-Branche gecastete Darstellerinnen noch übler in ihrem Schauspiel als in „The Axe is Back“. Mich würde es nicht wundern, wenn parallel zum hier besprochenen Stück Dreck noch ein Porno gedreht wurde. Allerdings hält sich der Erotikanteil im abgelieferten „Horrorfilm“ noch in Grenzen, eine direkte Porno-Variante zu „The Axe is Back“ scheint es also nicht zu geben.

Viel bleibt nicht zu sagen: Finger weg von diesem unterirdischen Bockmist, der mit üblem Farbfilter, unterirdischsten Darstellern, einem Handlungsablauf der selbst Grundschul-Abbrecher in ihrer Intelligenz beleidigt, miesen CGI-Effekten und einem billig heruntergedudeltem Hintergrund-Score wenigstens die deutsche Billigst-Synchro beschert bekommen hat, die er auch verdient. Hinter vielen Filmen die ich nicht mag steckt eine ordentliche Portion Mühe, so dass ein gewisser Respekt trotz alledem meinerseits vorhanden ist. Bei „The Axe is Back“ ist das nicht der Fall. Ein Werk wie dieses fällt für mich unter Betrug, da der Zuschauer erst gar keine Chance bekommt je nach Filmgeschmack angenehm unterhalten zu werden. Selbst übler Schund wie „Wicked Lake“ ist mühevoller umgesetzt, und selbst der war schon eine arge die Intelligenz des Zuschauers tretende Geduldsprobe. schlecht


Weitere Reviews zum Film: