Mittwoch, 29. April 2015

DER ALTE - DIE DIENSTREISE (1977 Johannes Schaaf)


Kommissar Köster, ein Mann für ungewöhnliche Polizeimethoden, lässt sich für drei Geiseln eintauschen und kutschiert einen Bankräuber in einem Polizeiauto wohin er will - so glaubt zumindest der Bankräuber...


Fünf Portionen Wild...

„Der Alte“ erschien auf der Bildfläche nachdem „Der Kommissar“ von selbiger verschwand. Damit wurden die Fälle des von Siegfried Lowitz verkörperten Köster zur Konkurrenz für die Krimi-Serie „Derrick“, welche „Der Kommissar“ den Gehilfen Harry Klein abwarb. Trotz des Greisen in der Titelrolle gibt sich „Der Alte“ in seinem Vorspann, der Titelmusik von Peter Thomas und der Extreme in welcher Köster ungewöhnliche Ermittlungswege geht, die gerne auch einmal den Bereich des Illegalen streifen können, moderner als die ohnehin schon moderne Serie mit Horst Tappert. Den auf Spielfilmlänge gedrehten Piloten kann man mitsamt seiner Geschichte als eigenständiges Werk sehen, welches so auch die Geschichte eines Kinofilmes hätte sein können.

Dass ich mich so kurz nach meinen ersten 15 Folgen „Derrick“ der zwei Jahre später gefolgten Serie mit Lowitz zugewendet habe, liegt an meiner „Derrick"-Lieblingsfolge „Stiftungsfest“, in welcher Lowitz schauspielerisch derart zu beeindrucken wusste, dass ich ihn unbedingt als Kommissar erleben wollte. Was nutzten mir schon meine ollen Kindheitserinnerungen, die nur ein grobes, vernebeltes Bild ergaben? Eine Neusichtung musste her, und da hat mich der Pilotfilm in seiner völlig anderen und ungewöhnlichen Art schon sehr überrascht.

Bereits der ironische Titel „Die Dienstreise“ verweist auf einen anderen Ton der hier herrschen soll. Den klasssch zu lösenden Mordfall gibt es hier nicht. Hier gibt es nur einen erfahrenen Polizisten, der sich freiwillig als Geisel für einen Bankräuber hergibt, insgeheim aber eigene Pläne verfolgt, während der Kriminelle glaubt die Fäden in der Hand zu halten. Wohin das Ganze wirklich laufen soll ist dem Zuschauer zunächst ebenfalls unklar, aber freilich wird er in einige Hintergründe mit eingeweiht, von denen der Bankräuber keine Ahnung hat.

In dieser Zwischenposition kann der Zuschauer sowohl die vom Drehbuch so großartig herausgearbeiteten Kniffe genießen, mit welchen Köster es schafft den Geiselnehmer im Glauben zu lassen alles laufe wie er es will, gleichzeitig mangelt es nicht an Überraschungen, ebenfalls von Kösters Seite aus, denn der aalglatte sich an Regeln haltende Kommissar ist der gute Mann nicht. Zumindest in der Erstausstrahlung dürfte das was Köster zum letzten Drittel hin treibt den Zuschauer sehr überrumpelt haben.

Zumindest erklärt dieser Wechsel der Tatsachen zuvor eingebaute Szenen über andere Gangster und Bekannte derer, von denen man zunächst nicht wusste wofür sie gut sein sollen. Zwischendurch eingestreut machten sie immer wieder deutlich, dass „Die Dienstreise“ kein Road Movie bleiben würde, glücklicher Weise aber ohne zu signalisieren wohin das Ganze führen soll. U.a. deswegen bleibt diese ungewöhnliche Kriminalgeschichte bis zum Schluss interessant, auch wenn sie in manchen Momenten an Tempo verliert.

Schauspielerisch stehen sich Lowitz als Kriminalist und Hans Brenner als Bankräuber in nichts nach. Und mag er auch erst spät so richtig in Erscheinung treten, auch Wolfgang Reichmann weiß seinen Part als gnadenloser Fiesling hervorragend auszufüllen. Einzig der Gehilfe Kösters bleibt in der ersten Geschichte noch sehr blass, noch blasser als Harry Klein in „Derrick", aber zumindest weiß es zu belustigen wie pampig Köster mit ihm umgeht. Diesen Drahtseilakt schafft auch nur Lowitz sich derart wie ein Arsch aufzuführen und trotzdem sympathisch zu wirken.

Ich weiß noch nicht wohin mich die Serie weiter führen wird. Neugierig bin ich nach diesem Start nun definitiv. Normalerweise hätte ich wie bei „Derrick“ das Ende der Box abgewartet bevor ich etwas schreibe, wenn ich das denn überhaupt nach kompletter Sichtung tun werde, aber die ungewöhnliche Art des Piloten, in seiner völlig eigenständigen Erscheinung, hat mich dann doch dazu getrieben die Start-Folge gesondert zu besprechen. Zu gefallen weiß sie, auch wenn es ein klein wenig gedauert hat bis der Funke bei mir übergesprungen ist. unterhaltsam


Montag, 27. April 2015

FRAU MIT HUND SUCHT... MANN MIT HERZ (Must Love Dogs 2005 Gary David Goldberg)


Die Erzieherin Sarah fühlt sich seit ihrer Scheidung so einsam, dass ihre Schwester in ihrem Namen eine Kontaktanzeige aufgibt. Über diese lernt sie den sympathischen, wenn auch etwas direkten, Bootsbauer John kennen. Gleichzeitig interessiert sich Sarah aber auch für einen frisch getrennten Vater aus dem Kindergarten. Eine Zwickmühle...


Vor dem Halbieren gut einfeuchten...

Sicherlich besitzen die meisten romantischen Komödien keine großartig tiefgehenden Geschichten. Sie leben meist von ihrem Witz und der prickelnden Romantik. Aber selten kamen mir Ereignisse in diesem leichten Genre so belanglos vor wie die aus „Frau mit Hund... sucht Mann mit Herz“, der lediglich die Frage nach Mr. Richtig stellt und erst mithilfe eines Buhmanns unter den beiden Favouriten zu einer Lösung kommt. Das wäre sicherlich nicht nötig gewesen, im Prinzip sogar interessanter und raffinierter ausgefallen, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, insgesamt ist einem die ewig jammernde Hauptfigur aber dann doch zu egal um wirklich wissen zu wollen für wen sie sich entscheidet.

Es ist nicht so, dass „Must Love Dogs“ (Originaltitel) teilweise nicht luftig leicht daher kommen würde und hin und wieder Sympathie versprühen würde, aber das sind Phasen in einem Film, der von seinen großartigen Darstellern zwar getragen aber nicht gerettet wird. Erstaunlich wieviel Mühe sich alle geben, wie angenehm Cusack daher kommt, wie kitschig aber nachvollziehbar die Beweggründe des Vaters dargestellt werden und wie dessen neue zwielichtige Freundin eine positive Wirkung im Laufe der Zeit beim Publikum erzielt. Letztendlich kommt der Streifen aber einfach eine Spur zu soft daher und suggeriert dem Zuschauer pausenlos dass ein Mensch ohne Partner nicht komplett wäre.

Wenn sich das finale Paar gegen Ende schwer damit tut endlich zueinander zu finden, dann ergibt das endlich einmal so starke Momente wie jene aus Cusacks geglückter Romantik-Komödie „Weil es Dich gibt“. Erfrischende Szenen, wie die verzweifelte Suche nach einer geöffneten Apotheke in der Nacht, oder solch frustrierende wie der von John mitbekommene Kuss eines nächtlichen Besuchers, sind einsame Höhepunkte in einer Geschichte die zwar nicht wirklich langweilt, aber doch im Laufe der Spielzeit immer wieder die Frage aufwirft: wen interessiert das nun wirklich?

Sicherlich würde es einigen Love Storys wie dieser hier ergehen, wenn sie sich nicht in irgendeinem unglaublich toll geschrieben Punkt hervorheben würden. In „Während Du schliefst“ wird die Sehnsucht von Pullmans Rolle hervorgehoben und auf den Zuschauer übertragen. „French Kiss" lebt von der frechen Art eines Kevin Klines. „So was wie Liebe" von den komplizierten Umständen der Moderne. Wo es an wahrem Wortwitz fehlt oder an intensiven Gefühlen, da schleicht sich eben einach ein gewisses Desinteresse ein, zumindest wenn die Figur im Blickpunkt zu austauschbar ist.

Sarah lernen wir eigentlich nur als jemand Einsames kennen, der gerne einen Freund hätte. Ihre Persönlichkeit, und damit die Antwort darauf ob ihre Probleme mit dem Finden von Mr. Richtig auch wirklich gelöst sind, lernen wir nicht wirklich kennen. Nur den bangenden, hoffenden und winselnden Part - überschattet von einer Familie, die zwingend möchte, dass Sarah endlich in einer Partnerschaft lebt. Fast schon will man die Heldin als Single erleben, um diesem hier vorgelebten Weltbild zuzurufen: es ist nicht schlimm allein lebend zu sein. Du bist auch etwas wert ohne einen Partner zu besitzen. Leider gibt sich der von Gary David Goldberg inszenierte Film im Abspann diesbezüglich lieber selber Recht, während er viel zu dreist von „Harry und Sally“ klaut, der durch seine Raffinesse und tiefgehenden Charaktere das exakte Gegenteil zum zu routinierten und oberflächlich ausgefallenen „Frau mit Hund... sucht Mann mit Herz“ ist. mittelmäßig


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Sonntag, 26. April 2015

STADT DER TOTEN (The City of the Dead 1960 John Llewellyn Moxey)


Eine Studentin reist zu Forschungszwecken über Hexerei auf Empfehlung ihres Professors nach Whitewood, wo vor fast 300 Jahren eine Hexe hingerichtet wurde. Als die Studentin nicht mehr auftaucht macht sich ihr Bruder auf die Suche nach ihr...


Die Hexen von Whitewood...

„Stadt der Toten“ ist ein recht naiver Horrorfilm, bei dem man ziemlich direkt weiß woher der Hase läuft, ohne dass dies genutzt wird den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Alles verläuft wie erwartet und damit höchst überraschungsfrei und zudem mit Lücken in der Glaubwürdigkeit versehen, die zu groß sind als dass man sie großzügig übersehen könnte. Mag der Film auch von 1960 sein, auch für seine Zeit kommt er altbacken daher, auch wenn ich gestehen muss dass ich mich mit Okkult-Horrors ohnehin immer etwas schwer tue und an Satansritualen nur selten etwas reizvoll finde. Somit bin ich Meinungs-technisch vorbelastet.

Zumindest ist es interessant zu sehen, dass Regisseur John Llewellyn Moxey, der bis in die 80er Jahre hinein tätig war und u.a. „Der Hauch des Bösen“ und „Nightmare - Im Lager der gequälten Frauen“ inszenierte, im selben Jahr wie Hitchcocks „Psycho“ auf dessen Kniff zurückgreift die Heldin der Geschichte zur Mitte hin sterben zu lassen. Insofern muss ich meine Behauptung der fehlenden Überraschungen zumindest auf diesen Fakt bezogen revidieren. In alles andere wird der Zuschauer jedoch eingeweiht - zumindest macht „Stadt der Toten“ den Eindruck dies zu tun bei den offensichtlichen Informationen die er einem mitgibt. Mag sein dass mich der Blick von Heute diesbezüglich täuscht und Moxey noch ernsthaft 1960 auf vollkommen naive Zuschauer gesetzt hat. Ich weiß es nicht.

Zumindest ist man bemüht einen stimmigen Film abzuliefern, wirkt die Kleinstadt doch wie eine Geisterstadt mit ihrem (etwas zu übertrieben eingesetzten) Nebel, der verfallenen Kirche, dem uralten Friedhof und den greisen Gestalten auf leerer Straße. Selbst der fast blinde Dorfpfarrer wird gruselig eingesetzt, wird rückblickend durch das Finale jedoch zur Witzfigur, wenn man miterleben darf wie die Helden des Streifens den Sieg erlangen. Wieso hat der Pfarrer selbiges nie selbst getan als er es noch konnte, zumal die Idee auf einen Hinweis seinerseits beruht?

Aber diese offene wie offensichtliche Frage ist eben nur ein Teil des großen Idiotienmeeres von dem ich sprach, ähnlich wie die Anwesenheit einer jungen Frau in Whitewood, die dort schon mehrere Wochen haust und sich erst jetzt Sorgen macht, dass mit dem Ort etwas nicht stimmen könnte. Es ist leider so viel was gegen die an sich gute Grundstimmung steuert um „Horror Hotel“ (Alternativtitel) ernst zu nehmen. Und seine arg naive Hauptstory, allen voran die höchst naive Studentin die eins und eins trotz besserem Wissens nicht zusammengezählt bekommt, ist auch nicht gerade hilfreich dabei dem Treiben in Whitewood mehr abzugewinnen als den nostalgischen Charme einer überholten Gruselfilm-Epoche.

Nimmt man „The City of the Dead“ (Originaltitel) nicht zu ernst, was wohl auch kaum möglich sein kann, weiß er genau als das zu funktionieren: als amüsantes, überholtes Gruselfilmchen mit Nostalgiefaktor. Mir persönlich sind Genre-Beiträge dieser Zeit jenseits der unfreiwilligen Komik lieber, da sie auch heute noch zu funktionieren wissen. Am hier besprochenen Werk merkt man wieder einmal, dass Christopher Lee scheinbar wirklich in allem mitgespielt hat was man ihm angeboten hat. Zu seinen großen Auftritten gehört sein Part als zwielichter Geschichts-Professor wahrlich nicht. mittelmäßig


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ICE AGE 4 - VOLL VERSCHOBEN (Ice Age: Continental Drift 2012 Steve Martino u.a.)


Durch eine Erdverschiebung gelangen Manni, Diego, Sid und dessen Oma auf einer Eisscholle treibend aufs offene Meer und müssen sich dort gegen Piraten verteidigen...


Uta der Orang...

„Ice Age 4“ beginnt mit einer zum Schreien komischen Anfangssequenz, die kaum besser hätte ausfallen können. Direkt nach dieser dürfen wir einem klassisch konstruierten Familienzwist zwischen Vater und Tochter beiwohnen, der zum Standard-Gefühlsprogramm ideenloser Trickfilme Amerikas gehört (so z.B. auch zu erleben in „Hotel Transsilvanien“), was für eine Ernüchterung sorgt. Die kleine Tochter ist niedlich animiert, keine Frage, und damit sympathischer ausgefallen als die Mutter die man seit Teil 2 nicht mehr los wird, aber mit dieser Szene zeigt „Ice Age 4“ bereits sein wahres durchschnittliches Gesicht, in welchem nur noch zur Ausnahme wahrlich geglückte Lacher auftauchen dürfen.

Mit Teil 4 ist die Reihe endgültig zum reinen Kinderfilm verkommen. Ewig gibt es actiongeladene Rutschpartien die sich zum einen, ähnlich wie der unerträglich hippe Schluss-Song, dem jungen Zielpublikum anbiedert und zum anderen darüber hinwegtäuschen sollen, dass eigentlich keine richtige Geschichte vorhanden ist. Die dünne existierende ist so schon ein paar Mal erzählt worden, auch in der Reihe selbst. Wieder sucht man einander, nachdem man getrennt wurde, und da Manni nun eine Familie hat (und die Reihe damit und mit den Kumpels der Tochter auch viel zu viele Figuren hat um die sie sich kümmern muss) gehört der Part der neu aufflammenden Liebschaft diesmal dem soften Diego.

Aber auch dessen Lovestory kommt aus der Ideen-Schablone und weiß durch nichts zu gefallen, ist somit Füllmaterial wie das meiste Gezeigte sonst und so witzarm ausgefallen wie der Großteil des Streifens. Einzig die Oma Sids weiß zu trumpfen, zumindest bis zu jenem Moment wo wir ihren bis dahin unsichtbar geglaubten Freund kennen lernen, der nicht nur unangenehm auffällt weil er die Problemsituation am Ende zu sehr erleichtert, sondern auch verärgert weil auch seine Anwesenheit die Story zu politisch korrekt weich badet. Schlimm genug dass Diego nie beim Fressen eines Tieres gezeigt werden darf, um die hauchdünne Psyche der Kinder nicht aufzureißen, nein, nun darf Sids Oma aus falschem Respekt auch keinen erfundenen Freund mehr haben. Sonst wäre sie ja eine Irre oder zumindest wunderlich.

Mit „Ice Age 4 - Voll verschoben“ (was für ein ätzend anbiedernder Beititel) ist die Reihe unglaublich brav geworden, noch mehr als es „Für immer Shrek“ für die „Shrek“-Reihe wurde. Er ist dank seines hohen Tempos zwar durchzuhalten, aber originell ist hier bis auf einige Momente mit Scrat nichts mehr. Und selbst Scrats Szenen sind nicht mehr alle so geglückt wie jene zu Beginn. Somit ist der Film ähnlich mau ausgefallen wie „Ice Age 2“. Das ist schon etwas schade, war ich nach dem zumindest amüsanten „Ice Age 3“ doch optimistisch genug ein weiteres Abenteuer diesen Niveaus zu erleben, was eigentlich bereits lediglich ein Kompromiss ist mit Blick auf den unglaublich gelungenen Teil 1, der sich vor den Werken Pixars und Dreamworks nicht zu verstecken brauchte. Aber was mir mit Teil 2 und 4 abgeliefert wurde, ist mir einfach zu wenig. Zumal eine Piratengeschichte die Figuren noch mehr vermenschlicht als ohnehin schon. Und das in Kombination mit den pseudo-dramatischen Elementen zum Thema Liebe, Freundschaft und Familie ist mir zu aalglatt und massenkompatibel ausgefallen um dem Ganzen mehr entgegenzubringen als ein müdes Schmunzeln. mittelmäßig


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Samstag, 25. April 2015

MONDO CANNIBALE 4 - NACKT UNTER WILDEN (El tesero de la diosa blanca 1983 Jess Franco)


Eine reiche Frau finanziert eine Expedition um ihre verschollen gegangene Tochter zu suchen. Andere nutzen den Trip in Wirklichkeit um an den Schatz eines Eingeborenenstammes zu gelangen...


Die Nackte, die sich für Tarzan hielt...

Franco, Franco, Franco... Wieso versuche ich mich überhaupt noch an Filmen dieses Vieldrehers? Im Zuge meines Streifzuges durch diverse Kannibalenfilme bin ich diesmal eher zufällig auf ein Werk jenen Mannes gestoßen, von dem ich bislang keinen einzigen brauchbaren Film gesichtet habe. Zu der üblichen Jess Franco-Enttäuschung gesellte sich diesmal eine darüber, dass „Mondo Cannibale 4“ keineswegs wie der Titel vermuten lässt ein Kannibalenfilm ist, er erzählt lediglich die Geschichte einer Schatzsuche. Damit wird der Bereich des Horrorfilms komplett ausgeblendet. „El tesoro de la diosa blanca“ (Originaltitel) ist ein reiner Abenteuerfilm.

Nun, vielleicht doch nicht ganz so rein Abenteuerfilm wie behauptet. Typisch Franco wird auch immer wieder gepimpert und auch sonst allerhand nackte Haut gezeigt womit der Streifen auch in den Bereich des Erotikfilms fällt. Francos Vorzeige-Girl ist diesmal die damals für kurze Zeit berühmte Katja Bienert, die in späteren Jahren auch für Bethmanns Amateurfilm „Dämonenbrut“ vor der Kamera stand (wohl der Tiefpunkt einer Frau die schon immer nur im Schmuddelkino zu Hause war) und 2002 noch einmal für Franco in dessen „Killer Barbys vs. Dracula“.

Dass sie das Nennenswerteste eines todlangweiligen Filmes ist, macht deutlich mit was für einer öden Gurke man es mit „Diamonds of Kilimandjaro“ (Alternativtitel) tatsächlich zu tun hat. Miese Charaktere in einer wirr wie lahm erzählten Geschichte ist man von Franco bereits gewohnt. Aber die wirklich unglaublich miese Darstellung der Wilden, die keinen Funken Glaubwürdigkeit versprüht, ist der wahre Schandfleck des Streifens, macht er doch deutlich dass man sich erst gar keine Mühe geben wollte.

Wie ernst Franco sein Eingeborenen-Werk selbst nahm ist mir nicht bekannt. Aber wenn ziemlich zu Beginn Katja Bienert beim Schwung mit der Liane halbnackt eine Billigversion vom berühmten Tarzanschrei loslässt, kann das doch wohl kaum ernst gemeint gewesen sein. Oder doch? Ich bekomme Angst. Franco traue ich mittlerweile alles zu. schlecht


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ASPHALT-KANNIBALEN (Apocalisse domani 1980 Antonio Margheriti)


Ehemalige Soldaten, die im Vietnamkrieg zu Kannibalen wurden, verbreiten Jahre später in ihrer Heimat einen Virus, der die Infizierten zu Menschenfressern macht...


Asche zu Asche und Scheiße zu Scheiße...

Mitten in der vom Publikum gerade so mit offenen Armen empfangenen italienischen Kannibalenfilm-Welle wollte ein Mann das Thema einmal auf etwas andere Art angehen. Er tauschte den Dschungel gegen die Großstadt aus und machte den weißen Zivilisierten zum Menschenfresser unfreiwilliger Art. Der Kannibalismus sollte das Hauptmerkmal einer durch einen Virus übertragenen Infizierung werden, ausgelöst von traumatisierten Soldaten, die den Vietnam-Krieg überlebt haben. Sicherlich mag diese Idee an Romeros „Crazies“ und Cronenbergs „Rabid“ angelehnt sein, aber schlecht klingt diese Rezeptur zunächst nicht, zumal sich das ganze auch nach einer guten Portion Gesellschaftskritik anhört.

Zu dumm nur, dass ausgerechnet Antonio Margheriti der Mann war, der dieses Filmexperiment anging, ein Regisseur dem wir schlechte Streifen wie „Das Alien aus der Tiefe“, „Virtual Weapon“, „Piranhas 2 - Die Rache der Killerfische“ und „Einer gegen das Imperium“ zu verdanken haben, von denen die wenigsten zumindest als unfreiwillig komischer Trash zu funktionieren wissen. Im Vergleich zu seinen sonstigen mir bekannten Werken hat er mit „Asphalt-Kannibalen“ zumindest bessere Arbeit abgeliefert als sonst, aber das hat aufgrund des kläglichen Vergleichs nicht viel zu bedeuten. Margheriti ist einfach jemand, der sich in andere Personen nicht hineinfühlen kann, und das ist fatal für einen Geschichtenerzähler.

Deswegen kann ein einzelner Pfleger auch einen wild gewordenen Soldaten, von dem es heißt er hätte die härteste Militärausbildung mitgemacht die es gibt, mit einem Handgriff im Zaum halten. Deswegen wundert sich ein Psychiater auch über das Wiederaufleben einer psychischen Erkrankung bei einem Patienten den er für absolut geheilt entlassen hat. Und deswegen bedauert es ein Polizist auch einen Verdächtigen nicht sofort am Tatort erschossen zu haben anstatt ihn festzunehmen, was ihn dazu veranlasst mitten in der Großstadt Krieg zu spielen um das Versäumte nachzuholen.

„Asphalt-Kannibalen“ ist vollgepackt mit solchen Idiotien, eingebunden in eine Handlung, die nicht wirklich weiß was sie eigentlich will. Die Vietnam-Veteranen sind also nun unfreiwillig Kannibalen. Sie stecken an, so dass eigentlich eine Epidemie ausgelöst werden müsste. Aber die verbreitet sich lediglich auf eine überschaubare Zahl, da Margheriti dann doch lieber die ehemaligen Soldaten im Zentrum seiner Geschichte sehen will.

Die verhalten sich trotz Infektion halbwegs normal, an die gerade frisch aufblühende Zombiewelle oder einen „Die Tollwütigen“ wollte man scheinbar also nicht anschließen. Das ist auch durchaus okay. Aber es fällt bereits schon schwer an ansteckenden Wahnsinn zu glauben, wenn die Infizierten sich aufführen wie eine wilde Bande Halbstarker, die sich absprechen können, Solidarität empfinden und Tätigkeiten des Alltags nachgehen können. Aber spätestens wenn eine der Infizierten loskreischt, weil sie in der Kanalisation auf eine Ratte stößt, ist es endgültig vorbei mit dem Augenzudrücken. Das ist zu viel Vermenschlichung um die Menschenfresser bedrohlich wirken zu lassen. Um wirklich zu funktionieren hätten die Verrückten unberechenbar Amok laufen müssen wie in „Maniac City“ oder den bereits erwähnten Vergleichsfilmen.

Dass „Invasion of the Flesh Hunters“ (Alternativtitel) trotzdem halbwegs zu funktionieren weiß, liegt an seinem Pulp-Charme. Dem Zuschauer soll es nie langweilig werden, deswegen bekommt er harte Kerle, jede Menge Action und blutigste Gore-Effekte serviert. Da geht ordentlich die Post ab, so dass es dem Gehirn des Zuschauers egal ist, dass es eigentlich beleidigt sein müsste bei so viel Verweigerung rationalem Handelns und Denkens. An Quantitäten mangelt es nicht, lediglich Freunde nackter Haut werden überraschender Weise trotz italienischer Herkunft des Streifens nicht glücklich, hat der Film bis auf ein angezogen gebliebenes lüsternes Teenmädchen doch keine Zeit für solch amouröse Thematiken.

Mag der Wandel der von John Saxon dargestellten Hauptfigur in der Mitte des Streifens auch etwas zu plötzlich kommen (zumal man ohnehin nicht versteht warum dieser erst so viele Jahre nach dem Krieg erste Anzeichen der Erkrankung aufweist), es ist schon eine fiese Idee Margheritis einem die Identifikationasfigur wegzunehmen, indem diese plötzlich die Seiten wechselt. Zu dumm nur dass dessen Frau bislang zu wenig Beachtung bekam. Die soll nun zur neuen Identifikationsfigur für den Zuschauer werden, und das funktioniert nicht so richtig. Zumal sich Margheriti mehr auf ein wildes Szenario in der Kanalisation a la „Ben“ kümmert, anstatt um den persönlichen Horror zu Hause, der erst im endgültigen Finale wieder interessiert.

Das Ergebnis von „Cannibal Apocalypse“ (Alternativtitel) ist sicherlich nicht wirklich interessant ausgefallen, schlägt sich aber wacker als uninspirierter, guckbarer Durchschnitt durch, dem sein 70er Jahre-Charme, das Tempo, die harte Handschrift und die Ausstrahlung Saxons den Arsch vor der Belanglosigkeit rettet. Langweilig wird es nie. Anspruchslose Freunde harter und roher Actionkost der 70er und 80er Jahre werden auf ihre Kosten kommen. Mit dem klassischen Kannibalenfilm a la „Die Rache der Kannibalen“ hat das alles jedoch nichts mehr zu tun. mittelmäßig


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MONDO CANNIBALE 2 - DER VOGELMENSCH (Ultimo mondo cannibale 1977 Ruggero Deodato)


Als Harper mit seinem Team auf Manila landet, findet er den Ort von allen Menschen verlassen vor. Bei einem Erkundungsgang durch den Dschungel stößt man auf Wilde, in deren Gefangenschaft Harper schließlich nach einer längeren Flucht als letzter Überlebender gerät...


Der gnadenlose Dschungel...

Drei Jahre bevor Ruggero Deodato den sehr harten aber auch überraschend sensiblen „Nackt und zerfleischt“ drehte, beschäftigte er sich schon einmal mit der Thematik von Zivilisten die auf ein wildes Volk im Dschungel stoßen. Ebenso wie dort geht er im Gegensatz zu Kollege Umberto Lenzi und dessen Werken wie „Lebendig gefressen“ und „Die Rache der Kannibalen“ mit Respekt gegenüber den Wilden um, eigentlich sogar mit Respekt des gesamten Urwalds gegenüber, zeigt er ihn doch ebenso in seiner wunderschönen Pracht wie auch in seiner unbarmherzigen Art, denn der Dschungel ist nicht wie in vielen anderen Filmproduktionen ein Spielplatz mit wilden Tieren, sondern ein Ort vieler Gefahren.

Dass „Mondo Cannibale 2 - Der Vogelmensch“ ein solch angenehmer Streifen ist mag man zu Beginn kaum glauben, ist die erste viertel Stunde doch recht stümperhaft inszeniert. Hier überschlagen sich Ereignisse in schneller, liebloser Abfertigung, bei denen nicht nur der Zuschauer nicht an die Hand genommen wird um sich in irgendein Szenario einzufühlen, auch das Filmmaterial schien nicht das beste zu sein, wenn man bedenkt wie gerne ein Schnitt gesetzt wird um etwas vereinfacht ohne großen Aufwand zu zeigen. Mancher Moment erfährt innerhalb ein und der selben Szene einen sprunghaften Übergang. Bei dem schnellen Wechsel von Tag und Nacht ist es aufgrund der hektischen Erzählung nicht auszumachen ob Deodato keine Lust hatte auf die Tageszeit zu achten, oder ob Harper tatsächlich schon so viele Tage im Urwald unterwegs ist.

Kennt man den Rest des Filmes kann man davon ausgehen dass Deodato einen 120 Minuten-Streifen vermeiden wollte, ist der Rest doch in einer Ruhe und Detail-Liebe gedreht, welche die Geschichte dringend benötigt um zu funktionieren. Der wichtigste und längste Part ist damit gerettet. Dennoch denke ich, dass man den Anfang des Werkes auch auf andere Art hätte straffen können, ohne gleich den Eindruck eines unglaublich schlecht erzählten Filmes zu machen. Zumal Deodato in einigen Momenten zu Beginn auf klassische Horrorfilm-Szenen setzt, wahrscheinlich zum Einstimmen, was sich als unsinniger Versuch herausstellt, der nicht zum Grundton des restlichen Filmes passt.

Ist Harper erst einmal in Gefangenschaft geraten ist der schlechte Teil von „Die letzten Kannibalen“ (Alternativtitel) auch endlich beendet und man darf einen gnadenlosen Abenteuerfilm sichten, der aufgrund dessen was er im Kern erzählt die Kannibalen-Thematik eigentlich gar nicht benötigt hätte. Die fällt auf die Gesamtlänge ohnehin recht kurz aus, bietet aber für jene die genau darauf gewartet haben auch einige harte Szenen, die, typisch Kannibalenfilm, nicht so leicht zu verdauen sind. Freilich gehört auch wieder aufgrund damals nicht vorhandener Tierschutzgesetze Tier-Snuff dazu, letztendlich wird aber auch diesbezüglich nur gezeigt was im Dschungel Alltag ist.

Der Kern des Films beschäftigt sich eigentlich damit wie schwer es ist als Zivilist im Urwald zu überleben. Und auch das Leben der Wilden wird recht ausführlich ausgeleuchtet, welches laut der Schrifteinblendung bei jeglichem Ritual, ebenso wie die eigentliche Geschichte, auf einer wahren Begebenheit beruhen soll, die sich 1975 zugetragen haben soll, und die dazu geführt hat, dass ein bestimmer Wilden-Stamm überhaupt erst entdeckt wurde. Wenn das stimmt kann man nur sagen: Hut ab! Und das gezeigte Leben der Wilden lässt aufgrund der Realitätsnähe und der auf uns so bizarr wirkenden Rituale vermuten dass die Aussage stimmen dürfte. Leicht hat es Harper nicht. Was ihm in Gefangenschaft droht ist so hart wie das Überleben im Dschungel selbst. Wie eingangs erwähnt werden die Wilden dabei aber mit Respekt betrachtet. Es handelt sich um eine andere Kultur auf einem anderen Entwicklungsstand. Der erhobene Zeigefinger des besserwissenden Fortgeschrittenen kommt glücklicher Weise nie zum Einsatz.

Nackt und zerfleischt“ ist im Vergleich dennoch der bessere Film geworden, wirkt er in letzter Konsequenz doch eine Spur ehrlicher. Allerdings hatte der auch den Vorteil von Ideen des hier besprochenen Filmes zu profitieren, die noch einmal übernommen wurden. Aber gerade jene Szene, in welcher der Held des Streifens glaubt Menschenfleisch essen zu müssen um etwas zu demonstrieren, kommt in Deodatos 1980er Werk glaubwürdiger herüber als hier, wo man dann doch mal wie in Lenzis Filmen den Eindruck gewinnt, dass die Szene rein des Ekeleffekts wegen eingebaut wurde, auch wenn man aus der Perspektive Harpers heraus versteht warum er dies tut.

Solche Momente in Kombination mit der ungeschickten, etwas zu lang schlecht ausgefallenen, Einleitung, sorgen dafür dass „Jungle Holocaust“ (Alternativtitel) nicht ganz so gut zu überzeugen weiß wie der Ausnahmefilm Deodatos. In seinem Hauptteil weiß „Mondo Cannibale 2“ aber dafür um so mehr zu funktionieren und baut ab dem Zeitpunkt der Gefangenschaft keine wirklich groben Fehler mehr. In einer schonungslosen Ehrlichkeit, jenseits der Gesetze des Unterhaltungskinos, weiß auch dieser 1977 entstandene Kannibalenfilm Deodatos zu überzeugen. Man kann ihn als Übung für das drei Jahre später entstandene Meisterwerk betrachten. Schwer verdaulich sind jedoch alle beide Filme. interessant


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Donnerstag, 23. April 2015

DIE RACHE DER KANNIBALEN (Cannibal ferox 1981 Umberto Lenzi)


Im Dschungel Kolumbiens möchte die angehende Anthropologin Gloria beweisen, dass Kannibalismus nicht existiert. Vor Ort stößt sie auf Weiße mit denen die Wilden noch eine Rechnung offen haben...


Kannibalismus existiert nicht und hat niemals existiert...

Wenn das Geld lockt, dann wird auch gerne mal die eigene Mentalität um 180 Grad gedreht. Das könnte man zumindest meinen wenn man Umberto Lenzis „Die Rache der Kannibalen“ mit seinem ein Jahr zuvor gedrehten „Lebendig gefressen“ vergleicht, der von seiner Weltsicht her viel selbstgerechter ausgefallen ist als der hier besprochene Film, der plötzlich höchst ethisch und moralisch daher kommt. Woher der Sinneswandel kommt? Vom ein Jahr zuvor gedrehten Erfolgsfilm „Nackt und zerfleischt“ von Regie-Kollege Ruggero Deodato, der den Weißen zum Bösewicht im Dschungel machte.

Allerdings kam dessen Film sehr ehrlich daher, regt er den Zuschauer doch tatsächlich zum nachdenken an und führt ihn an seine Grenzen, wenn er Brutalitäten nutzt um die Blindheit der Zivilisation einzureißen. Bei Deodato muss der Zuschauer der Wahrheit ins Auge blicken. Ob er will oder nicht. Lenzi jedoch ist im reißerischen Kino zu Hause. Film ist sein Geschäft. Es geht lediglich ums Geld. Und dementsprechend unehrlich fällt sein Sinneswandel aus, wenn auf geheuchelte Art von Moral die Rede ist und über den Weißen Mann geschimpft wird, beginnend beim angeblichen Mythos Kannibalismus, dem Aufhänger der Geschichte.

Eigentlich geht es Lenzi jedoch nur um den Ekeleffekt, um harte Bilder, also nur darum zu schocken. Das gelingt ihm aufgrund der gelungenen Spezialeffekte durchaus, aber spätestens sein Hang immer wieder Tiere zu zeigen, die einander töten oder von Menschenhand getötet werden, Aufnahmen die aufgrund damals nicht existierender Tierschutzgesetze nicht künstlich getrickst werden mussten, zeigen wie plump die Mentalität ist die „Cannibal ferox“ (Originaltitel) versprüht.

Ignoriert man einmal die fragwürdige Moral des Streifens und betrachtet man „Make Them Die Slowly" (Alternativtitel) als puren Pulp weiß Lenzis Werk tatsächlich zu funktionieren, sogar besser als der eher mittelmäßig ausgefallene Vorgänger „Lebendig gefressen“. Dass der Film funktioniert liegt zwar mehr an seinem Abenteuerfilm-Faible als am Horrorpart, der ohnehin wie erwähnt nur auf grenzwertige Ekelbilder setzt, aber das ist letztendlich auch egal solang ein Unterhaltungswert vorhanden ist.

Zwar sind die Handlung und ein guter Teil der Charaktere so unglaubwürdig ausgefallen wie die propagierte Ethik, das macht aber nicht zwingend die Quantitäten eines Schundfilmes kaputt, wie man anhand von „Die Rache der Kannibalen“ sieht. Schnell hätte aufgrund dessen der Film zu lächerlichem Trash werden können, aber unfreiwillig komisch erscheint hier seltsamer Weise recht wenig, dafür ist man viel zu sehr drin in einer atmosphärisch dicht erzählten Geschichte in schöner Kulisse in einem Werk das untermalt wird von einem Soundtrack der in seiner schlichten Art zu gefallen weiß.

Zudem haut Lenzi alles rein was irgendeinen Unterhaltungswert schaffen könnte. Da gibt es Drogen, nackte Haut, Schatzsucher, Blutegel und eine Piranha-Attacke ebenso, wie eigentlich sinnlose Kriminalfilm-Momente, die parallel zu den Ereignissen des Dschungels laufen. Was genau Lenzi mit der Schluss-Szene bezweckt ist mir nicht ganz klar, aber als ominöse Pointe weiß auch sie zu gefallen.

Etwas weniger drastische Gewalt an Mensch und Tier, und ich könnte mich versöhnlicher von „Die Rückkehr der Kannibalen“ (Alternativtitel) trennen. Dementsprechend kann ich nur Zuschauern mit harten Nerven und hartem Magen empfehlen einen Blick zu riskieren. Als schundiger Trivialfilm macht „Beyond the Dark“ (Alternativtitel) tatsächlich Spaß. Aber die Moral sollte man lieber solange tief im Keller einsperren. Lenzis Film ist nicht gerade ein ethisch korrekter Streifen. Ganz im Gegenteil! unterhaltsam


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Mittwoch, 22. April 2015

LEBENDIG GEFRESSEN (Mangiati vivi! 1980 Umberto Lenzi)


Sheila sucht ihre verschwundene Schwester. Diese ist Mitglied einer fragwürdigen Sekte geworden, und eine Spur zu dieser führt in den Dschungel Neu-Gunieas. Sheila engagiert den Abenteurer Mark um im Dschungel gemeinsam nach der Schwester zu suchen. In einem ausschließlich von Sektenmitgliedern neu gegründetem Dorf findet man sie. Hier hält der Anführer der Religionsgemeinschaft seine Mitglieder gefangen, und auch Mark und Sheila dürfen das Dorf nicht mehr verlassen. Eine Flucht scheint sinnlos, ist der Ort doch umgeben von diversen Kannibalenstämmen...


Die Ohrfeige ist das sexuelle Vorspiel des harten Mannes...

„Lebendig gefressen“ ist reißerisch, selbstverliebt und vor allen Dingen selbstgerecht erzählt. Es wimmelt nur so, typisch Italo-Film, von fragwürdigen Verhaltensweisen, und letztendlich ist die komplette Geschichte ein einziges Klischee, so als würde man der Phantasie eines uninformierten weißen Zivilisierten lauschen wie er sich den Dschungel und die Wilden vorstellt. Dass bei solch einem Rezept nur ein pulpiges Filmerlebnis bei herumkommen kann, steht außer Frage. Ebenso die Tatsache, dass man mental in einer völlig anderen Ecke parkt als der Ausnahme-Kannibalenfilm „Nackt und zerfleischt“.

Andererseits: so wirklich Kannibalenfilm will der von Umberto Lenzi geschriebene und inszenierte „Mangiati vivi!“ (Originaltitel) gar nicht sein. Hauptsächlich geht es um die Sekte, so dass viel eher eine Verwandschaft zu „The Cult on Todville“ und „Gnadenlose Verführung“ vorliegt und nur bedingt zu Lenzis „Die Rache der Kannibalen“ und den vielen anderen Italo-Beiträgen, in welchen Menschen im Dschungel von Wilden gefressen werden.

Letzten Endes ist es aber auch egal. Auch hier wird Mensch gefuttert, selten aber dafür auf brutalste Art. Und einem Psychopathen dabei zusehen wie er seine Sektenmitglieder unter Drogen setzt, um ein Terror-Regime zu betreiben, weiß in einer solch psychologisch plump gezeichneten Art wie hier ebenso zu unterhalten. Da weht unfreiwillige Komik unübersehbar mit, aber auch ein gewisser anderer Charme. Allein die Musik weiß den Streifen angenehm zu unterstützen, die Dschungel-Location ist ebenso wirksam, und der Einstieg in Form eines Kriminalfilmes besitzt ebenso seinen Reiz, und mag er rückblickend noch so unnötig gewesen sein.

Auf die komplette Laufzeit gesehen streckt sich das Geschehen für meinen Geschmack allerdings dann doch zu sehr. Und Fleisch futternde Kannibalen fand ich eigentlich noch nie unheimlich oder erschreckend, und mystisch wohl nicht einmal die Fans solcher Filme, die letzte Möglichkeit auf welche Art eine Bedrohung in einem Horrorfilm faszinieren könnte. Damit Kannibalen halbwegs bedrohlich wirken, müsste ein Film zumindest auf sie bezogen relitätsnah inszeniert sein. Aber Authentizität war ein Fremdwort in der kurzlebigen italienischen Kannibalenfilm-Welle des letzten Jahrhunderts - zum Glück will man da schon sagen, bei solch trashigem Ergebnis wie „Lebendig gefressen“,  auch wenn er nicht unterhaltsam genug ausgefallen ist um am Ende mit einem angenehmen Gefühl den Film zu verlassen.

Aber zumindest funktioniert der Unterhaltungswert eine recht lange Zeit. Unser Held misshandelt die Heldin mehr als es der Sektenführer je tat - freilich nur zum Schutz der guten Frau, gerne auch mal so fest, dass sie das Bewusstsein verliert, oder auch mal um direkt danach mit ihr zu pimpern (dann aber bei Bewusstsein). Herrlich wie veraltet sich „Dschungel der Kannibalen“ (Alternativtitel) in seiner Geschlechtertrennung guckt. Und misshandelt Mark mal zwischendurch nicht die zu Beschützende, dann darf er heldenhaft selbstverliebt allen Gefahren des Dschungels trotzen, obwohl er wie ein Elefant durch den Porzellanladen stampft. Am Ende ist man an seine aggressive Art derart gewöhnt, dass es verwundert dass er auf einem Baum, dort sitzend um sich vor Kannibalen zu verstecken, die ebenfalls dort abhängende Schlange nicht nach dem Verschwinden der Wilden massakriert, eines der wenigen Lebewesen des Dschungels das den Film überleben darf.

Wer selbst mit für einen Schundfilm wenig Erwartungen an „Lebendig gefressen“ herangeht kann eventuell noch nett unterhalten werden, erst recht wenn er ein Faible für Menschenfresser hat. Ich persönlich ziehe dieser Thematik den Zombiefilm, Spuk- und Vampirgeschichten oder einfach nur die Schandtaten eines Psychokillers vor, muss aber zugeben dass die Anfang der 80er Jahre noch immer vorherrschende 70er Jahre-Stimmung viel am Film zu retten weiß, zumal er sich so wunderbar europäisch guckt wie man es von Werken dieses Landes zu dieser Zeit gewöhnt ist - da kann die Vor- und Nachgeschichte noch so pseudohaft in Amerika spielen. mittelmäßig


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Montag, 20. April 2015

FREITAG DER 13. 4 - DAS LETZTE KAPITEL (Friday the 13th - The Final Chapter 1984 Joseph Zito)


Jason kehrt aus der Leichenhalle zurück an den Crystal Lake, wo sich diesmal ein kleiner Junge zusammen mit seiner älteren Schwester dem nicht totzukriegenden Monster stellen muss...


Retro-Nackedeis, Monstermasken und ein Fuck You-Schild...

Nach dem geglückten „Und wieder ist Freitag der 13.“ hätte es nicht wirklich ein weiteres letztes Kapitel geben müssen. Es gab nichts was nicht zu Ende erzählt wäre, und das beweist „Freitag der 13. 4“ in seiner Erzählarmut recht deutlich, setzt er doch keine neuen Akzente und zieht er doch keinen Schluss-Strich, der den Titel legitimiert. Sicherlich war Teil 3 inhaltlich ebenfalls kein Geniestreich, aber Steve Miner hatte ein Händchen für eine flotte Inszenierung im düster-trockenen Stil der 80er Jahre. Regisseur Joseph Zito hingegen, der mit „Die Forke des Todes“ einen wesentlich besseren Slasher abgeliefert hatte, lässt das Tempo der Vorgänger vermissen.

In der ersten Hälfte stört das nicht weiter, weiß doch allein die Originalmusik der Reihe wieder eine herrlich unangenehme Atmosphäre zu versprühen, und das grobkörnige 80er Jahre-Bild lässt selbst die belanglosen Wald-, See- und Hüttenaufnahmen stimmig wirken, so dass man als Fan der Reihe mit wenig Erwartungen zunächst durchaus solide unterhalten wird. Zwar fällt selbst dann im Vergleich noch die eher lustlose Erzählung auf, in welcher im Vergleich zu den drei Vorgängern sich erst gar nicht mehr die Mühe gemacht wird die Filmfiguren näher kennen zu lernen, aber spätestens wer auf harte Morde steht kommt auf seine Kosten. Hier wird mehr denn je gestorben, und auch wenn Tom Savinis Spezialeffekte nicht die intensive Wirkung erzielen wie jene die er im ersten „Freitag der 13.“ zurechtbastelte, zu überzeugen wissen auch sie, allen voran die finale Todesszene Jasons.

Das ist zwar alles nicht wirklich toll, zumal die Morde wahllos ohne interessante Vorbereitung geschehen und Jason immer und überall zugleich ist, wirklich schaden tut der seelenlose Ablauf jedoch erst in der zweiten Hälfte, wenn die Geschichte sich im Leerlauf selbst ausbremst, ein Camper einen unsinnigen Hintergrund beschert bekommt und die finale Heldin eine Idiotie nach der nächsten begeht und damit unsympathischer daher kommt als ihre drei Vorgängerinnen, mit denen man im Gegensatz zu ihr zumindest mitgefiebert hat. Etwas Schmackes bekommt das Szenario durch die Idee einen kleinen Jungen das Finale miterleben zu lassen. Die Schluss-Pointe kann man sich aufgrund dessen jedoch schon denken.

Vielleicht hätte man auf dieser verwiesen in „Freitag der 13. 5“ den neuen Anfang setzen sollen. Vielleicht hätte dann der Fan einen Film später akzeptieren können dass Jason nicht mehr der Mörder ist. Aber man wollte die Rolle des Tommy Jarvis dort ja lieber erneut als den Helden einbauen. Vertane Chance kann man da nur sagen. Trotzdem ist die Fortsetzung des hier besprochenen Filmes, ebenso wie die Teile 6 und 7, besser ausgefallen als der etwas zu müde und arg belanglos inszenierte „Freitag der 13. 4 - Das letzte Kapitel“, der seinen drei Vorgängern, die alle mit einer stimmigen Atmosphäre punkten konnten, einfach nicht das Wasser reichen kann. Dafür kopiert er viel zu sehr die Ideen dieser ohne selbst zusätzliche neue beizufügen. Teil 4 ist kein wirklicher Rohrkrepierer, der Vollständigkeit halber kann man ihn sich durchaus geben, aber von der klassischen Reihe, die mit diesem Teil enden sollte, ist er mit Abstand der schlechteste. mittelmäßig


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Sonntag, 19. April 2015

FREITAG DER 13. (Friday the 13th 1980 Sean S. Cunningham)


22 Jahre nachdem zwei junge Aufseher brutal ermordet wurden soll das Feriencamp am Crystal Lake neu eröffnet werden. Doch schon während der Vorbereitungen wird ein Mitarbeiter nach dem nächsten von wem Unbekanntes ermordet...


Das Blutcamp bei Vollmond...

Der Original „Freitag der 13.“ aus dem Jahr 1980 funktioniert dann am besten, wenn man ihn so sieht wie er einst gedacht war: als Film für sich, unabhängig betrachtet von den Fortsetzungen. Dann gibt es keine Enttäuschung über einen fehlenden erwachsenen Jason als Täter der Morde, und dann kann man auf die Kleinigkeiten achten, die einem sonst nicht mehr auffallen. So wird der Tod eines kleinen Jungen im Jahr 1957, ein Jahr vor den schrecklichen Morden, nur so ganz nebenbei erwähnt, so unauffällig eingebracht, als sei diese Info wahrlich nur eine Nebensache. Und so kann ein predigender Sonderling zum Verdächtigen werden. Leider ist er aber auch der einzige dem man die Taten zutraut. Auf Mörderraten setzt Regisseur Cunningham nicht. Wahrscheinlich ist es einem deswegen auch egal, dass als Täter ein dem Zuschauer bis dahin unbekannter No Name am Ende enttarnt wird.

„Freitag der 13.“ weiß nicht aufgrund einer pfiffigen Geschichte zu gefallen, aber aufgrund seines Minimalismus auf das er sich gezielt konzentriert. Die Morde sind hart von Trickspezialist Tom Savini in Szene gesetzt. Man gönnt sich zudem den Luxus nicht jeden Mord zu zeigen, um die Terrorwirkung im Finale anzuschrauben, wenn die finale Heldin, die vom Look her ein wenig an Jamie Lee Curtis aus „Halloween“ erinnert, bei ihrer Flucht vor dem Killer auf allerhand Leichen stößt. Die Grundatmosphäre ist stimmig, hin und wieder streift man den Bereich des Grusel-Feelings, wirklich spannend wird es aber erst in einem Finale, das sich für den Kampf zwischen Opfer und Täter genügend Zeit nimmt.

Was am ersten „Freitag der 13.“ zu überraschen weiß ist das Verhalten der Teenager, das keinesfalls so dusselig ausgefallen ist wie es für den Bereich des Slasher-Films üblich werden sollte. Zudem kann Cunningham die Glaubwürdigkeit dass nie jemand vermisst wird für lange Zeit aufrecht erhalten. Erst gegen Ende, wenn nur noch zwei Personen am leben sind und diese die Situation langsam als sehr merkwürdig empfinden, ist es vorbei mit der Glaubwürdigkeit, spätestens wenn die Heldin sich zum schlafen hinlegt anstatt nach den anderen zu suchen.

Zudem ist es schön zu sehen, dass die Begründungen warum jemand allein unterwegs ist, um zum Opfer zu werden, schlicht aber glaubwürdig ausgegfallen ist. Hier wird nicht mit plumpen Ausreden gearbeitet. Und es ist nicht immer jener das Opfer, der gerade das Haus verlässt. Cunningham arbeitet selbst bei den Mordsequenzen noch mit Überraschungen, zumindest in jener Szene, in welcher die Rolle des noch unglaublich jungen Kevin Bacon ins Gras beißt.

Trotz seiner für die 80er Jahre typisch trockene Erzählweise ist „Freitag der 13.“ recht zügig erzählt und hält sich auch kaum mit Nebensächlichkeiten auf. Cunningham ging es längst nicht mehr um wahres Spannungkino, wie für das Genre üblich. Die Terrorwelle ließ im Kino die Kassen sprudeln. Es musste lediglich drastisch gestorben werden. Bei solch quantitativen Zielen darf es überraschen mit welch geglücktem Händchen der Streifen, der den Grundstein für die längste Horrorreihe der Kinogeschichte legen sollte, inszeniert wurde, und der wirkungsreiche Soundtrack unterstützt das Ganze blendend.

Teil 1 ist stilsicherer umgesetzt als seine Fortsetzungen, setzt noch auf die Heldin anstatt auf den Killer und ist in seiner Art entgegen dem was ihm gerne vorgeworfen wird aus gutem Grund ein Klassiker seines Genres geworden. Konkurrenzprodukte wie „The Burning“ und „Horror am Mill Creek“ lässt er weit hinter sich zurück. Allerdings kann er mit Werken wie John Carpenters „Halloween - Die Nacht des Grauens“ und „The Creeper“ nicht mithalten. Dafür ist er dann doch nicht spannend genug ausgefallen. sehenswert


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FREITAG DER 13. 3 - UND WIEDER IST FREITAG DER 13. (Friday the 13th Part 2 1982 Steve Miner)


Ein paar Teenager machen Urlaub auf einer Farm in der Nähe des Crystal Lake. Der totgeglaubte Jason trachtet ihnen nach dem Leben...


Der Tag, andem Jason die Eishockeymaske bekam...

Dieser Teil der Reihe ist meines Erachtens einer der besten, was nicht einzig daran liegt, dass Jason optisch nun endlich zu der bedrohlichen Gestalt wird, für die er schließlich berühmt wurde, aber auch dies ist ein wichtiger Punkt für die Wirkung des Streifens. Freilich braucht niemand besondere schauspieleriche Leistungen erwarten, die Darsteller spielen entweder schlecht oder routiniert. Und auf ein besonders pfiffiges Drehbuch braucht man auch nicht hoffen, wird doch oberflächlich betrachtet die immergleiche Geschichte schon wieder abgespuhlt. Es ist dem Händchen von Regisseur Steve Miner zu verdanken, der auch „Freitag der 13. 2“ zu einem angenehmen Ergebnis verhalf, dass „Und wieder ist Freitag der 13." (Alternativtitel) so toll zu funktionieren weiß.

Miner versteht es tatsächlich der zuvor bereits zwei Mal erzählten Geschichte, die sich lediglich vom ausübenden Killer unterschied, noch einmal Spannung einzuhauchen. Ein Blick auf den Vorspann lässt die düstere Wirkung keineswegs erahnen, wird uns dort doch eine peppige 80er Jahre Komposition vorgesetzt, und so umstritten diese auch ist: ich finde sie prima und wesentlich stimmungsvoller als die monotonen, mich stets anödenden Vorspänne der anderen Teile. Zudem schaut es sich nett wie die Schrift in ihrer 3D-Art zu der flotten Musik über den Bildschirm saust. Bei solch einem Vorspann ist man doch gleich positiv ins Filmgeschehen eingestimmt.

Jason befindet sich einige Zeit in der Scheune zum Haus, in welchem die Teenager Urlaub machen. Die Charaktere, wenn man sie so nennen kann, stoßen dort nach und nach auf den nie sterben wollenden Killer, aber noch bevor man denkt dass sich das komplette Geschehen im Kreis dreht wendet sich die Story dann doch in eine andere, wenn auch kaum nennenswerte Richtung, was aber bereits reicht um den Zuschauer bei der üblichen monotonen Geschichte vor der Langeweile zu bewahren.

Bevor das eigentliche Gemetzel mit seinen sympathisch umgesetzten Morden losgeht, dürfen wir einer humoristischen Szene beiwohnen (allein das Grinsen des schwarzen Rockers) in welcher böse Rocker einen Hals auf den Außenseiter Shelly kriegen, der wohl, so wenig er auch gemocht wird, die einzig überzeugende Person des Streifens ist. Zumindest wird er darstellerisch gekonnter verkörpert als die anderen Figuren. Ohnehin sind es die Shelly-Szenen, welche die komplette Vorgeschichte ein wenig interessanter werden lassen, eben weil er so ein Vollhonk ist, der stets die falschen Versuche unternimmt die Aufmerksamkeit der Gruppe zu erhaschen.

Was Shelly an Kurzweile beschert, beschert uns ein kleiner Rückblick die weibliche Hauptrolle betreffend auf atmosphärische Art. Dort erfahren wir recht stimmig inszeniert, dass unsere Heldin schon einmal auf Jason gestoßen ist. Da wird zwar ein unglaublicher unglaubwürdiger Mumpitz erzählt, aber die Waldkulisse weiß zu wirken, die Atmosphäre ist auf einem Hoch, und das Interese des Zuschauers ist gewonnen. Noch ahnt die gute Frau nicht, dass das Erlebnis ihrer Vergangenheit noch nicht beendet ist. Denn recht bald wird sie wieder auf den unheimlichen Mann stoßen, der ihr einst im Wald auflauerte.

Sind die üblichen Übergangsmorde, die sich wie bereits erwähnt sehen lassen können, erst einmal vorbei, kann die Hetzjagd beginnen, mit der wir den Höhepunkt eines Filmes erleben, der schon zuvor zu überzeugen wusste. Nicht nur dass das ganze recht flott erzählt ist, spätestens jetzt ist der Spannungsbogen auf einem Hoch. Wenn der angeblich tote Jason am Scheunentor hängt und die Frau an ihn vorbei muss, hält man den Atem an, ähnlich wie in der vergleichbaren Autoszene aus "Scream 2". Dass Jason nicht tot bleibt ist klar, und genau davon lebt eine solche Szene. Nach Logik darf hier nur der Korinthenkacker fragen. Hier geht es einzig um die Stimmung und den Unterhaltungswert.

„Friday the 13th Part 3" (Originaltitel) ist ein gelungener Slasher der frühen 80er Jahre, und für seine Zeit genau so ausgefallen wie man ihn als Fan dieser Art Film auch erhofft hat. Manches guckt sich heutzutage sicherlich etwas altbacken, die Zeiten haben sich geändert, und das Genre des Schlitzerfilms ist nach wie vor aktuell. Aber die Filme dieser Zeit besitzen ein Flair, an das neue Produktionen nicht heran kommen. Sie versprühen einen vergänglichen Charme der über reine Nostalgie hinaus geht. Der Trumpf der Reihe war schon immer seine trockene, langsame Erzählweise. Was quasi Gift für Produktionen heutiger Tage wäre, wird zum wirksamen Erfolgsrezept der ersten „Freitag der 13.“-Filme. Und bei solch tollen Arbeiten wie sie Steve Miner abgeliefert hat, darf man als Fan schon traurig sein, dass er nicht auch noch Teil 4 inszeniert hat. Miner hat es geschafft den von ihm ebenfalls inszenierten, ohnehin schon stimmigen zweiten Teil noch einmal zu toppen. Aufgrund der mäßigen Ausgangslage, die ihm zur Verfügung stand, war das Endergebnis sicher das Maximum dessen was überhaupt zu erreichen war. unterhaltsam


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GODSEND (2004 Nick Hamm)


Als ein Ehepaar bei einem Unfall seinen achtjährigen Sohn verliert, bietet ihnen ein Wissenschaftler an den Jungen zu klonen. Das Paar lässt sich darauf ein und bekommt erneut den selben Sohn. Als dieser acht Jahre alt wird quälen ihn Alpträume, und er benimmt sich merkwürdig...


Das Jahr des Todes...

Ich finde es immer schade wenn Filme vielversprechend beginnen und dann aus irgend einem Grund zur zweiten Hälfte ins extreme Gegenteil kippen und nur noch enttäuschen. Schwächelt der Rest in harmloserer Form mag man mit dem Streifen trotzdem noch etwas anfangen können, so wie in „Flightplan" geschehen oder im ersten „Jeepers Creepers". Werke wie „Godsend" werden jedoch so unterirdisch, dass es eigentlich nichts mehr zu retten gibt.

Der Film beginnt traurig, zeichnet den Charakter des Paares in seiner Verzweiflung jedoch so, dass der illegale Schritt den sie gehen glaubwürdig wirkt. Die Trauer wird also an einer relativ kurzen Leine gehalten, und auch der Vorschlag des Professors kommt sehr schnell und unverblümt daher. Da der achte Geburtstag zum Zentrum der Geschehnisse in „Godsend“ wird sind auch die acht Jahre dazwischen schnell übersprungen und der Film kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Von nun an kippt der Film vom traurigen Grundton hinüber zum spannenden. Die Karten werden interessant verteilt, die Möglichkeiten dessen was tatsächlich los ist sind hoch. Die Art wie der Sohn gestorben ist lässt davon aber schon so einige ausschließen.

In dem Alter angekommen, in welchem der Originalsohn verstarb, verhält sich der Klon merkwürdig. Da das erste Kind jedoch an einem Unfall gestorben ist, ist ein Einfluss der Gene schon einmal keine mögliche Option. Was bleibt sind Ideen wie ein göttlicher Wille, vielleicht in der Art eines "Final Destination" erzählt, oder vererbte Erinnerungen, sowie Geistererscheinungen. So hätte man beim letzten Beispiel die phantastische Möglichkeit zu erzählen gehabt, dass der Geist des verstorbenen Originals sein Recht zu leben zurückfordert, welches nun wer anders für ihn lebt. Außerdem ist bei der Aufzählung all der Hintergrundmöglichkeiten auch die Idee möglich, dass es einen Pfusch bei der Operation gab, was zu den langweiligere Alternativen zählt. Und jetzt ratet einmal für was man sich in „Godsend“ entschieden hat!

Auch mit dieser Möglichkeit hätte man durchaus noch etwas Brauchbares auf die Beine stellen könmnen, aber leider krankt bei Nick Hamms Film so einiges an der Umsetzung. Hat man in der ersten Hälfte noch gekonnt, wenn auch mit Genre-bewährtem Rezept, mit dem Zuschauer gespielt, wird nun alles etwas zu vorhersehbar. Schnell ist klar auf welche Art einst gepfuscht wurde, und der Drehbuchautor greift auf billigste Wege der Nachforschungen zurück. So darf z.B. eine ehemalige Babysitterin auf Nachfrage Dinge erzählen, die man wem Fremdes auf die Schnelle sicherlich nicht einfach so anvertraut.

Der Hinweis diverser abgebrannter Häuser zeugt auch nicht gerade von Einfallsreichtum. Für einen richtig bösen Buben, der eines Michael Myers würdig wäre, fehlt die Extreme seiner Taten. Auf recht feigem Weg suchte der Drehbuch-Autor die schnelle Abkürzung zu einem Inhaltsumschwung, quasi von der Phase des Nichtwissens des Zuschauers auf die Schnelle zum Mitwissen. Okay, alles darf er immer noch nicht wissen, aber offiziell nun mehr als zuvor. Zu dumm dass der Autor noch immer davon ausgeht, dass der Zuschauer im Dunkeln tappt. Dabei ist alles viel zu offensichtlich erzählt.

Da ist es auch nicht gerade hilfreich, dass DeNiro eher lustlos spielt. Gerade dann wenn sein böser Charakter deutlich wird erwartet man wesentlich mehr von ihm. Viel unverschämter ist jedoch, wie die Geschichte zum Ende hin keinen Hinweis auf dessen Verbleib und seine weiteren Pläne gibt. Jetzt lassen wir den Zuschauer mal rätseln und seine Phantasie benutzen? Schön wär‘s! Dann wär ja alles okay. Viel eher wirkt die Erzählung aufgrund dieser nichtgenannten Fakten lückenhaft, so als habe man einen Pilotfilme zu einer nie weiter gedrehten Serie gesichtet. Und dieser Eindruck in Kombination mit den restlichen Fehlern gibt mir nur die Wahl vor dem Film zu warnen. Hände weg! Auch wenn die erste Hälfte gelungen ist, so ist das Endergebnis von „Godsend“ doch einfach nur enttäuschend. Schade um die interessante Geschichte und die so positiv agierende Besetzung! schlecht


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Samstag, 18. April 2015

7 ZWERGE 2 - DER WALD IST NICHT GENUG (2006 Sven Unterwaldt Jr.)


Die Zwerge leben mittlerweile getrennt. Aber sie finden wieder zusammen um Schneewittchen zu helfen. Deren Baby soll zu seinem ersten Geburtstag entführt werden, wenn bis dahin nicht herausgefunden wurde wie der Name von Rumpelstilzchen ist...


Infantil ist nicht genug...

Nachdem „7 Zwerge - Männer allein im Wald“ zur großen Überraschung mittelmäßig, aber doch recht angenehm guckbar war, ließ ich mich doch mal darauf ein auch der Fortsetzung eine Chance zu geben. Im Gegensatz zum Vorgänger ist Teil 2 jedoch nur noch gerade eben zu ertragen und wird somit zur harten Geduldsprobe für den Zuschauer. Zwar kann Teil 2 noch mehr und noch überraschendere Gastauftritte vorweisen als im Vorgänger, die Hälfte davon ist aber schon deswegen egal, weil es, sowie der Großteil vom Hauptcast, Möchtegernstars aus dem TV-Bereich sind. Verraten werde ich an dieser Stelle nicht wer alles überraschend auf den Zuschauer wartet.

„7 Zwerge 2 - Der Wald ist nicht genug“ besitzt etwas mehr erzählerichen Gehalt als sein Vorgänger, trotzdem hat man nicht so richtig das Gefühl eine Geschichte erzählt zu bekommen. Noch immer hüpft man von einer Nummern-Revue zur nächsten, es herrscht ein Nonstop-Herumgealber. Besser hat das Ganze jedoch komplett ohne Erzählversuch funktioniert, wie Teil 1 zeigt. Das bisschen Mehr in der Geschichte ist eigentlich bereits zu viel. Erstens führt der Erzählfluss nirgendwo ernsthaft hin und verpufft schließlich wieder und zweitens war es eine schlechte Idee die Zwerge in unsere reale Welt kommen zu lassen, wirken sie dort angekommen doch noch debiler als zuvor, und schon zuvor war die Witzequalität doch recht infantil.

Freilich hätte ein guter Autor aus dieser Idee durchaus etwas heraus holen können, aber doch keiner der einen „7 Zwerge“-Otto-Film schreibt. Stattdessen werden Ampelmännchen auf Blödelart in Verbindung mit einem Polizisten gebracht. Diesen Vergleich hatte Udo Lindenberg bereits in den 90er Jahren in seinem Song „Auf dem blauen Planet“ verwendet, und selbst da war es keine neue Idee, durften doch bereits „Die kleinen grünen Männchen“ von Pat Mallet in den 80er Jahren auf diesem Witz herumreiten. Einfallsreich ist das Mitte der 00er Jahre nun erst recht nicht mehr.

Die Aufteilung der Rollengröße im Gesamtfilm hat sich meiner Meinung nach ebenfalls verschlechtert. Ralf Schmitz bekommt leider mehr Bildschirmpräsenz gewährt, bleibt aber wie zu erwarten genauso unwitzig wie er es eigentlich immer ist. Martin Schneider hat leider überhaupt keine guten Szene mehr geschrieben bekommen. Rüdiger Hoffmann wiederholt seine wunderbare Rolle aus Teil 1 auf die witzlose ja geradezu schmerzhaft Pointen-lose Art. Helge Schneider darf etwas mehr sagen, sogar ein Lied vortragen, ist aber auch nicht mehr so 100% witzig, wenn im direkten Vergleich zum restlichen Mist aber noch immer ein Lichtblick. Die beiden damals so überraschend sympathisch agierenden Hagens fallen diesmal auch nicht positiv auf. Nina Hagen nervt lediglich und ihr niedliches Töchterchen muss im Gegensatz zu Teil 1 diesmal schauspielern, was sie aber leider nicht kann. Glücklicher Weise ist ihre Anwesenheit stark begrenzt, so wie die von Atze Schröder. Das nenne ich mal weise Entscheidungen.

Der Bösewicht des Films ist gut besetzt, was wohl die einzig positive neue Besetzung ist. Das Aufrücken von Mirco als Kopf der Zwerge kann man als gute Idee bezeichnen, auch wenn sein Vorgänger auf seine bodenständigere Art mehr zu wirken wusste. Aber auch bei solch brauchbarer Besetzung wie Mirco verpufft jeder gute Ansatz ziemlich schnell ins Leere, da kann auch ein Profikomiker wie er nichts mehr dran rütteln, der von seiner Humorrichtung her doch eigentlich stilvoll aber hemmungslos herumzublödeln vermag.

Die umstrittene Szene mit Piocchio gehörte meiner Meinung nach zu den wenigen geglückten. Wortspielerein zum Thema Holz, Baum und Wald fallen im Sekundentakt. Und was theoretisch gesehen schnell anöden müsste funktioniert sogar, weil man drauf verzichtete so öde Wortspiele zu verwenden wie Brösel sie zum Thema Bären in seinen „Werner"-Comics oder Otto sie zum Thema Zugfahrt in „Otto 5 - Der Katastrophenfilm“ verwendeten. An dieser Stelle wurde sich im Vergleich dann doch etwas mehr Mühe gegeben. Am besten gefiel mir der Flach-Köpper "ich komme vom Holz-Nasen-Ohren-Arzt".

Mirco und Ralf bekommen zwei gesonderte auf sie zugeschnittene Szenen beschert, in denen sie zeigen dürfen was sie können. Allerdings sieht man beiden Szenen auch an dass sie deshalb drin sind, so dass sie aufgesetzt wirken. Mirco darf den Kammerjäger spielen und Ralf darf pantomimisch ein Gespräch übersetzen. In beiden Fällen ist die Szene nur halbkomisch ausgefallen, was für Mirco einen Abstieg bedeutet, für den sonst so unwitzigen Ralf Schmitz aber zumindest einen Aufstieg.

Der 7. Zwerg, ein Halbpromi-Muskelpaket dessen Name mir nichts sagt, ist eine Strafe welche die Verantwortlichen des Filmes sich selber zugefügt haben. Man musste bereits in Teil 1 jeden Möchtegern-Promi irgendwo noch mit einbauen, und als schlechten Schlussgag wurde das Muskelpaket schließlich zum siebten Zwerg. Dummer Weise verfügte der allerdings über noch weniger schauspielerisches oder komisches Talent als der Rest, von einigen hohlen Blicken die zu wirken wissen einmal abgesehen, und nun hatte man ihn für die Fortsetzung an der Backe.

Glücklicher Weise machten die Verantwortlichen daraufhin genau das richtige. Sie hielten Mr. Muskel so kurz an der Leine wie nur möglich. So hat beispielsweise jeder Zwerg zu Beginn der Story seine eigene kleine Geschichte die er erlebt. Lediglich der Muskelprotz-Zwerg kommt schlussendlich ohne eine solche dazu. Während jeder Zwerg einmal belustigend gegen eine Wand rennen darf, hört man bei Mr. Muskelpaket nur das Zusammenstoßgeräusch, weil die Kamera gar nicht erst drauf hält. Plappern alle anderen Zwerge wie am Fließband (was zugegebener Maßen nervt), bleibt der starke Zwergenmann eher ruhig und kriegt nur hin und wieder einen Satz in den Mund gelegt.

Wessen Zurückhaltung viel mehr überrascht ist die von Nervfresse Otto Waalkes. Aber man darf wohl anzweifeln dass es seine eigene Idee war sich selbst nicht mehr so in den Vordergrund zu spielen. Interessanter Weise ist es aber gerade sein Part zu Beginn, der noch am ehesten zu belustigen weiß. Und entgegen aller Erwartungen nervt er zu Beginn auch nicht, wo es sich dort doch zunächst einzig um ihn dreht. Dass ausgerechnet Otto am wenigsten peinlich wirkt, gleicht eigentlich einem wahren Wunder.

Das nervige Zwergenlied aus Teil 1 bekommt man in der Fortsetzung glücklicher Weise zwar nur einmal zu hören, stattdessen wird der Zuschauer aber mit einer grauenhaft unkomischen deutschen Coverversion von "Go West" gefoltert. Darauf hätte ich gut und gerne verzichtet, erst recht beim dritten Hören im Abspann.

Was bleibt ist ein Hauch netter Witze, einige lobenswerte Versuche die nur halbgar ausgefallen sind und ansonsten wieder jede Menge debiles Getue, das bereits in Teil 1 schon nicht sonderlich witzig war (die Mützen-Errektions-Witzchen, das Brettspiel, ...). Somit ist Teil 2 auch für die wenigen Freunde des Vorgängers mit Sicherheit eine kleine Enttäuschung, für den Rest eher sogar eine große. mittelmäßig


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DERRICK 1 - 15 (1974/1975 Alfred Vohrer u.a.)


Oberinspektor Derrick arbeitet für die Mordkommission im Großraum München. Während sein Kollege Harry Klein stets auf die Ergebnisse der Fakten seiner logischen Überlegungen setzt, geht der sarkastische Derrick auch gerne mal etwas ungewöhnliche, teilweise gar verspielte Wege, um herauszufinden was am Tatort geschah und wer der Mörder ist...


Als freies Denken noch erlaubt war...

Neben des in meiner Inhaltsangabe bereits beschriebenen Charakters Derricks zeichnet sich die frühe Phase der Serie (anbei die einzige über die ich zur Zeit überhaupt nur berichten kann) durch mutige Drehbücher aus, die bemüht sind stets andere Ansätze, Grundlagen und Schwerpunkte zu setzen. Keine Folge ist wie die andere, so dass selbst Episoden, denen ich weniger positiv gegenüber stehe, Respekt verdienen aufgrund der Bemühung neue Bereiche auszuleuchten wie das Aufdecken eines Mordes zu bewerkstelligen ist, bzw. um zu zeigen was in einem Mörder und dessen Umfeld aufgrund der Tat vorgehen kann. Denn Aufgrund des Luxus für eine Folge fast eine ganze Stunde Zeit zu besitzen, kann sich Autor Herbert Reinecker, der bis zum Serienende 1998 für alle 281 Episoden das Drehbuch schrieb, intensiv in die einzelnen Charaktere hineinversetzen, und dies mit einem solch psychologischen Feingefühl, dass man intelektuell geradezu gekitzelt wird.

Episode 1: Waldweg
Dass man mit dieser eher Thriller-artigen Episode begonnen hat, anstatt den zuerst abgedrehten und erst als vierte Folge ausgestrahlten „Mitternachtsbus“ zu senden, erklärt sich neben der prominenten Besetzung mit Wolfgang Kieling vielleicht auch aufgrund dessen, dass die Geschehnisse im Mädcheninternat ein wenig an die späteren Edgar Wallace-Filme erinnern, eine Reihe die zum Zeitpunkt der Pilotfolge von „Derrick“ zwar schon eingestellt war, deren Echo aber sicher immer noch in den Köpfen des Zuschauers vorhanden war. Ein düsterer, nebliger Tatort, zwielichtige Personen (was atmosphärisch wirkt, obwohl man ja, wie in den meisten Folgen, direkt erfährt wer der Mörder ist) und ein unheimlicher Triebtäter sorgen für eine geradezu schmuddelige Atmosphäre, unterstrichen durch die fiese Idee dass die Mutter des Mörders die Taten ihres Sohnes vom Nebenzimmer aus stets mit anhören musste. Auch der eiskalte Eingangsmord unterstreicht die Düsternis der ersten Folge und fiel gar derart hart aus, dass er in Deutschland nach der Erstausstrahlung nur noch gekürzt gezeigt wurde - auch auf DVD - während Länder wie Frankreich Wiederholungen immer in der ungekürzten Fassung zeigen. Mag der Weg zum Ziel auch nicht so gewitzt und schwierig ausfallen wie in späteren Fällen, „Waldweg“ ist ein großartiger Einstieg in die Serie und zeigt bereits wie ungewöhnlich Derrick bei seiner Arbeit vorgeht. Der Monolog eines in Verdacht stehenden Lehrers zeigt uns mit Blick von heute, wie viel unfreier wir in dem geworden sind was wir reden dürfen und was es für ein Luxus war eine aneckende Persönlichkeit besitzen zu dürfen, die sich erst dann rechtfertigen muss, wenn eine extreme Situation wie die hier vorliegende es nicht anders zulässt.

Episode 2: Johanna
Folge 2 ist wie ein Blick in die spätere Phase der ersten 15 Folgen, besitzt sie doch nicht die intensive Atmosphäre der besseren Episoden, wirkt der Weg zum Ziel, auch wenn er wieder einmal Derrick-typisch verspielt und heimtückisch daher kommt, doch aufgrund dessen was der Lockvogel seelisch durchleben muss unglaubwürdig und konstruiert. Das viel zu plötzliche Geständnis ist wahrscheinlich dem Zeitgeist geschult, geschieht es in der Serie doch des öfteren dass Täter relativ schnell schwach werden und gestehen, und so menschlich glaubwürdig das eigentlich auch ist, gerade bei solch wenig gefestigten Persönlichkeiten wie dem Mörder in „Johanna“, es entlässt den Zuschauer eher unbefriedigt, hatte man sich doch mehr erhofft. Immerhin schwächelt „Johanna“ erst im letzten Drittel und bietet bis dahin eine sympathische Episode, die aufgrund des etwas mangelnden Einfühlens in den absichtlich unsympathischen Täter emotional nie so tief geht wie die Höhepunkte der Reihe. Angenehm routiniert zu unterhalten weiß das Ganze dennoch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Episode 3: Stiftungsfest
„Stiftungsfest“ ist meiner Meinung nach die beste der ersten 15 Folgen, und es fällt mir schwer mir vorzustellen dass irgendwann eine Episode daher kommt, die besser ausfallen soll als diese. Die sehr empathisch erzählte Geschichte besitzt das Kaliber eines Kinofilms, ist sehr dramatisch erzählt und mit dem so großartig agierenden Siegfried Lowitz, der ab 1978 die Hauptrolle in der Konkurrenz-Reihe „Der Alte“ spielte, perfekt besetzt. Der Zuschauer ist mittendrin in der Ratlosigkeit der Ermittler und dem Seelenleben eines Täters, der auch Opfer ist. Die Ermittlungen werden detailgenau vorgetragen. Man erlebt jenen zufälligen Moment mit, der zur Täteraufdeckung führt, nachdem Derrick auf eher verzweifelte Art verschiedene Methoden antestet, von denen sein Kollege Harry nicht sonderlich überzeugt ist. Autor Reinecker versteht es so genial wie niemals wieder die psychologische Entwicklung des Täters aufzuzeigen, die am Höhepunkt angekommen Derrick dazu veranlasst Worte auszusprechen, welche die Situation auf den Punkt bringt, zumindest zu damaligen Zeiten als Anstand, Würde, Ehrgefühl und sozialer Umgang miteinander noch eine Bedeutung in der Gesellschaft hatten und nicht nur durch hohle Phrasen vorgetäuscht wurden. „Stiftungsfest“ ist ein emotionales und intelligent erzähltes Erlebnis für den aufmerksamen und geistreichen Zuschauer-Typ, der die stillen Momente und nebensächlich scheinenden Aspekte zu genießen weiß. Diese Episode ist ein Liebhaberstück wie keine andere.

Episode 4: Mitternachtsbus
„Mitternachtsbus“ lebt davon, dass sich ein Manipulierer in die Ermittlungen einmischt, ein Mensch der selber nicht der Täter ist, den Mörder aber aus persönlichen Gründen beschützen will. Wie so oft in den ersten 15 Folgen, so hält sich auch hier der Mörder für klüger als er ist, scheitert aber nicht wie zwei Folgen später an unüberlegten Handlungen, sondern am mangelnden Feingefühl psychologisch clever vorzugehen. Derricks Alarmglocken läuten sehr früh, wenn ihm immer wieder fieser Weise ein geistig Zurückgebliebener als Täter serviert wird. Damit ist Derrick in seinem Element, fühlt sich herausgefordert und geht wieder einmal ungewöhnliche Wege um ans Ziel zu kommen. In der Charakterzeichnung spielt „Mitternachtsbus“ psychologisch gesehen wieder an vorderster Front mit, unterstützt durch Schauspieler die so echt in ihren Rollen wirken, dass einem echt anders werden kann. Der Alkoholiker und sein Sohn sorgen für den dramatischen Part der Geschichte, deren Schwächen eiskalt ausgenutzt werden von einem asozialen Selfmade-Man, der die kleine Macht die er im Dorf besitzt nutzt um seinem Sohn das Gefängnis zu ersparen.

Episode 5: Tod am Bahngleis
Noch einmal bekommen wir es mit einem Triebtäter zu tun, der diesmal jedoch nicht eiskalt planend vorgeht wie jener in „Waldweg“, sondern der eher auf kindlische Art geistig stehengeblieben ist. Um Gefallen an „Tod am Bahngleis“ zu finden, muss man etwas mit der Figur des Täters anfangen können, die schwer zu greifen ist. Versteht man sie aber genießt man sie auch, verschafft sich Reinecker doch viel Zeit sie ausleuchten zu können, indem der Täter immer wieder unerkannt agieren kann, da die Polizei trotz diverser Hinweise völlig im Dunkeln tappt. Auch hier mag der Schluss etwas holprig inszeniert sein, zumal er aufgrund dessen was am Schluss erzählt wird düsterer hätte umgesetzt werden können, aber der Blick in eine nicht verstandene Seele macht alles wieder wett, kombiniert mit der wundervollen Idee, dass ein Mann, der einem Außenseiter eine Chance geben will, gar nicht mitbekommt dass er einem Mörder seine Tochter auf dem Silbertablett serviert. Eine teuflisch fiese Idee!

Folge 6: Nur Aufregung für Rohn
Jede Folge Derrick ist anders. Aber „Nur Aufregung für Rohn“ sticht noch einmal ganz besonders als ungewöhnlich hervor, ist sie doch derart absichtlich augenzwinkernd erzählt, dass man dies selbst im Titel deutlich macht. Mit unterschwelliger Komik wird ein Duell gezeigt zwischen den logisch denkenden Ermittlern und eines Mannes, der sich für irre logisch denkend hält, aber einen Fehler nach dem anderen begeht. Besonders lustig ist es zu beobachten wie das Selbstbewusstsein des Mörders immer steht und fällt, je nach Stand der Ermittlungen die stets Aufs und Abs erfahren, und damit um ein weiteres gezeigt wird, wie erbärmlich und rückgratlos eigentlich der Charakter des Studenten ist, der sich nicht einmal zu schade ist einem Kommilitonen gegenüber die Frage zu äußern, ob dieser ihn für ungewöhnlich intelligent hält. Es bereitet dem Zuschauer eine große Freude Horst Tappert bei seinem Spiel als Derrick zuzusehen, wie er sarkastisch grinsend und in ihm den Spieltrieb geweckt Rohn in die Mangel nimmt, der geradezu offensichtlich der Täter ist. „Nur Aufregung für Rohn“ kann man als einen der Höhepunkte der ersten 15 Folgen bezeichnen, macht bei einer Zweitsichtung sogar noch mehr Spaß als bei der ersten, da man bei der Wiederholung von Anfang an begreift was die Folge eigentlich will.

Folge 7: Madeira
Ich wusste dass Curd Jürgens ein talentierter Mensch war, aber dass er so genial schauspielern konnte, so genial sogar dass er alle anderen Mitwirkenden der ersten 15 Folgen überschattet, hätte ich nie gedacht. „Madeira“ gehört zu den wenigen Folgen, in denen es um einen eiskalten berechnenden Killer geht, der im Gegensatz zu Folge 1 und 5 nicht einmal in irgend einer Form geistig abgedriftet ist, sondern stattdessen einen eiskalten Intellekt besitzt und damit auch zur fiestesten Art Mörder wird die es wohl gibt. Seine Opfer sind ältere, einsame Damen, denen er ein wundervolles gemeinsames Leben auf Madeira verspricht, um an ihre Ersparnisse zu kommen, bevor er sie schließlich vergiftet. Die hervorragend umgesetzte und sehr ausführliche Eingangsszene mündet in einer Mordsequenz, die so intensiv zu wirken weiß, dass einem wahrlich anders wird. Der optimistisch fröhliche Blick des Opfers, der sich plötzlich verändert, für einen kurzen Moment die Wahrheit begreifend wenn sie nach ersten Anzeichen der Vergiftung in die kalten Augen des Mörders schaut, um daraufhin einen Todeskampf in ihrem Körper zu durchleben bis sie schließlich tot ist. Kein geistig gesunder Mensch ist in den bisherigen Folgen „Derrick“ so eiskalt vorgegangen wie der alte Mann, dem ein Hund zum Verhängnis seiner Pläne werden soll. Jürgens weiß es jede Facette seiner Rolle gekonnt zu verkörpern. Der verspielte, freundliche Blick wenn er sich Derrick gegenüber als Freund des Hundes ausgibt, nur kurz nach dem völlig entsetzten Blick, als der ihm bekannte Köter ihn am Tisch eines Cafés wiedererkennt und belästigt - Jürgens Spiel ist eine Wucht, und man genießt jegliche Szene in der er auftaucht. Einzig seine Nichte ist charakterlich eine Spur zu naiv gezeichnet, bis es schließlich nicht mehr glaubwürdig ist bei solch erdrückender Indizienlage an die Unschuld des eigenen Onkels zu glauben. Von diesem Schwachpunkt einmal abgesehen zählt aber auch „Madeira“ zu den Höhepunkten der frühen Phase der Serie und zeigt auf ein Neues auf völlig andere Art das geradezu verspielte Duell zwischen Täter und Ermittler.

Folge 8: Zeichen der Gewalt
Mit „Zeichen der Gewalt“ wollte Reinecker mal nicht in die Psyche eines Killers blicken, sondern die Aufklärung eines Mordes aus der Sicht des kompletten Polizeiapparats demonstrieren. Leider klingt der Ansatz interessanter als er ist. Eher lustlos darf der Zuschauer dabei zusehen was für eine Arbeit ein Mord für die Mordkommission bedeutet. Dabei werden dramatische Aspekte vernachlässigt, wenn auch absichtlich, und Charaktere nicht genügend vertieft. „Zeichen der Gewalt“ ist technisch professionell umgesetzt und durchaus durchdacht erzählt, ihm fehlt aber die Seele und der Charme anderer „Derrick"-Episoden, macht aufgrund der fehlenden Verspieltheit Derricks sogar den Ermittler austauschbar, so dass diese Folge die Episode einer x-beliebigen Krimireihe hätte sein können und damit weit unter dem Niveau der bis dahin gesendeten „Derrick"-Teile liegt.

Folge 9: Paddenberg
Das Verspielte eines Derricks möchte Reinecker diesmal auf die Frau des Ermordeten projezieren, die von ihrer Phantasie beflügelt fasziniert vom Mörder ihres Mannes ist. Im Gegensatz zu Derrick verfolgt sie damit kein spezielles Ziel, spielt eher intuitiv mit ihrem Täterwissen, während der fast wehrlose Mörder irritiert ist was die Mitwissende eigentlich von ihm will. Liegt eine Erpressung vor? Geht es um Rache? Der Mörder fragt sich etwas, das die Witwe selbst nicht beantworten könnte. Das klingt nach einer interessanten Ausgangslage, schließt aber so verworren und leer wie es beginnt. Eine Antwort gibt es am Ende nicht. Und da dies dem Zuschauer im Laufe der Episode immer bewusster wird, verliert der auch mit der Zeit das Interesse an den ollen Psychospielchen der Gattin des Ermordeten. Immerhin weiß die Rolle des Derrick der Episode etwas mehr Tiefgang zu bescheren, ist dieser während seiner Ermittlungen doch immer faszinierter und angenehm überraschter, je mehr er über den Charakter des Ermordeten erfährt. Er sympathisiert geradezu mit ihm, während der Gattin all das an ihm missfiel was Derrick an dem Mann so bewundert.

Episode 10: Hoffmanns Höllenfahrt
„Hoffmans Höllenfahrt“ gehört von jenen Episoden, die uns tief in die Erlebnisse des Täters blicken lassen, zu den schwächesten. Nicht nur dass Reinecker trotz seiner ansonsten so großen Bemühungen jede Folge möglichst anders zu gestalten, schon wieder die selbe Todesart vorsetzt wie in der Folge „Stiftungsfest“ (was aufgrund der Art der Tat schon arg zufällig ist), auch dieser Mord passiert wieder versehentlich so wie dort, so dass diese zu deutlichen Parallelen zunächst einmal ernüchtern. Erhoffte ich mir zumindest aufgrund der Anwesenheit von Klaus Löwitsch in der zentralen Rolle eine gute Folge, so musste ich feststellen, dass dieser keineswegs so überzeugend wie sonst agiert. Würde ich nicht Werke wie „Welt am Draht“ oder „Was tun wenn‘s brennt“ kennen, ich hätte ihn für ein austauschbares Allerweltsgesicht gehalten. Aber auch der Kriminalfall selbst bietet wenig Potential. Er ist zu bemüht erzählt, erhält aber nie die psychologische Griffigkeit und Glaubwürdigkeit vergleichbarer früherer Episoden. Hoffmann begeht Fehler die nicht nachvollziehbar sind. Und obwohl er stets im Mittelpunkt steht, lernen wir ihn nie richtig kennen. Erklärungsversuche Reineckers sind nicht wirklich überzeugend, und der viel zu plötzliche Schluss erscheint einem wie eine Notlösung, so als habe man selber nicht gewusst worauf man diesmal eigentlich hinaus wollte. Eine schwache Episode, wenn auch mit manch interessanter Idee versehen!

Folge 11: Pfandhaus
In "Pfandhaus" stößt Derrick wieder einmal auf einen Täter der gleichzeitig auch Opfer ist, dies jedoch nicht wie sonst durch unglückliche Umstände, sondern aufgrund eines Fehlers in seiner eiskalten Tat. Der Täter, der aufgrund von Erpressung für den Rest der Folge in eine Opferrolle gedrängt wird, ist ein unmoralischer Mensch, der in einer ethisch so zurechtgerückten eigenen Welt lebt, dass er von sich und seiner Art zu leben absolut überzeugt ist. Eigentlich erzählt „Pfandhaus“ eine recht interessante Geschichte. Nur leider ist das Spiel und die Charakterisierung des Erpressers aufgrund diverser Übertreibungen nicht sonderlich überzeugend, sondern wirkt viel zu überzogen um sein Treiben als Zuschauer für 60 Minuten als wahrhaftig akzeptieren zu können. Würde nicht das Spiel des Pfandhausbesitzers so gekonnt dagegen steuern, hätte auch „Pfandhaus“ zu den enttäuschenden Folgen der frühen Phase gehören können. Nun kann er sich keineswegs mit der Qualität der ersten sieben Folgen messen, als unterhaltsamer Kriminalfall für zwischendurch geht er jedoch in Ordnung.

Folge 12: Ein Koffer aus Salzburg
Ähnlich wie bei „Zeichen der Gewalt“ interessiert sich Reinecker in dieser Episode für den kompletten Polizeiapparat hinter den Ermittlungen. Er zeigt uns Derrick als Teil des Gesamten, aber auch in seiner führenden Rolle dort. Erweitert wird der ursprüngliche Gedanke durch die Ergänzung von Interpol, führt die Spur des Mordes doch in die Schweiz. Zudem geht Reinecker andere Wege indem er den Zeitraum der Ermittlungen über mehrere Monate ansiedelt und den Mord in Kombination zu den Taten eines Drogenkartells stellt. Somit ist auch das Drogendezernat am Mordfall beteiligt, und dass die Episode sich nicht so leer anfühlt wie die Vergleichsfolge liegt an den unterschiedlichen Gimmicks die sie dem Zuschauer serviert. Da gibt es eine rätselhafte Methode mit der Drogen geschmuggelt werden und deren Auflösung wir erst am Ende der Folge beiwohnen dürfen. Da gibt es menschliche Schicksale wie jenes des Sohnes der Verstorbenen, der nicht versteht warum der Mörder seiner Mutter nicht umgehend festgenommen wird. Und da gibt es wie so oft Derricks Spiel mit dem Täter. Wieder einmal will er ihn im Glauben lassen die Polizei hätte ihn nicht in Verdacht. Und dass dies so bleibt ist in manchen Momenten ein spannungsgeladener Drahtseilakt. So viel besser „Ein Koffer aus Salzburg“ auch gegenüber der Vergleichsepisode ausgefallen ist, sympathischer sind mir eher die klassischen Mordfälle. Mir bringt es nicht viel gezeigt zu bekommen wie genau und wie toll das Zusammenspiel der einzelnen Polizeibereiche funktioniert, wird doch der dramatische Aspekt, der die Serie „Derrick“ so besonders macht, damit an den Rand gedrückt. Stellt man sich aber auf eine völlig andere Episode ein, weiß sie durchaus zu gefallen. Lediglich der Schluss ist etwas arg plump in Szene gesetzt und wirkt fast schon wie ein Werbespot der Polizei.

Folge 13: Kamillas junger Freund
Wieder einmal dürfen wir nicht in das Seelenleben des Mörders blicken. Wieder einmal wird er uns lediglich als kalter, fast schon anonymer Täter gezeigt. Der Pluspunkt ehemaliger Folgen wird ignoriert. Aber das macht nichts, denn dafür lernen wir diesmal die Opfer besser kennen. Und eines von diesen lernen wir ungewohnter Weise sogar erst während der Ermittlungen kennen und nicht schon wie sonst während der Vorgerschichte. „Kamillas junger Freund“ mag nicht zu den Highlights der Reihe zählen, aber er orientiert sich endlich wieder an dem was die Serie eingangs so auszeichnete. Wir sind wieder mittendrin in den gedanklichen Ermittlungen Derricks. Wir bekommen ein Opfer präsentiert, dass aus einer nachvollziehbaren Dramatik heraus, nämlich aus Scham, Wissen zurückhält. Und ist dieses Wissen erst einmal offen gelegt, dürfen wir Derrick wieder bei seiner verspielten Art zuschauen, wie er wen offensichtlich Verdächtiges doch noch zu einer Aussage bewegt. „Kamillas junger Freund“ wechselt stets die Schwerpunkte und die Figuren die im Zentrum stehen und wirkt dadurch ein wenig episodenhaft inszeniert. Dank einer interessanten Geschichte und ungewöhnlicher Charaktere stört dies jedoch keinesfalls. Im Gegenteil, damit sorgt Reinecker für Abwechslung. Und Regisseur Alfred Vohrer weiß diese Episode so schwungvoll wie man es von ihm gewohnt ist umzusetzen.

Episode 14: Der Tag nach dem Mord
Wie schon in „Mitternachtsbus“, so manipuliert auch hier der Vater des Mörders die Ermittlungen, um seinen Sohn zu schützen. Dass „Der Tag nach dem Mord“ sich jedoch keineswegs wie ein Ableger dieser Folge guckt, verdankt er den kleinen aber feinen Unterschieden. So ist der aus dem Affekt handelnde Mörder diesmal Opfer, eigentlich zum Geständnis bereit, vom Vater jedoch aufgehalten und gelenkt. Dieser hält sich aufgrund seines Berufes im Versicherungsbereich für unglaublich raffiniert, begeht aber einen Fehler nach dem nächsten. Und da es sich zudem um einen recht unsympathischen, jähzornigen Menschen handelt, geht er Derrick noch bevor dieser ihn in Verdacht hat zu lügen gewaltig gegen den Strich. Der Kern der Folge, der den aufmerksamen Zuschauer immer wieder anweht, wird mit einem Schluss-Satz Derricks noch einmal zusammengefasst und bringt damit das Geschehen, dem wir beiwohnen durften, auf den Punkt. Mag der seltene Spielortwechsel und der Ansatz dass die Charaktere häufig streiten der Folge an mancher Stelle auch die Wirkung einer plumpen Soap bescheren, die Geschichte weiß zu überzeugen und die Schauspieler ebenso.

Episode 15: Alarm auf Revier 12
Diesmal arbeitet die Mordkommission mit dem Dezernat für Einbruchsdelikte zusammen, und im Zentrum der Ermittlungen steht ein Mann aus Derricks Vergangenheit, ein Mann dem Derrick den Mord den er einst verübte nicht nachweisen konnte. Nun bekommt er seine zweite Chance und das Psycho-Duell zwischen den beiden ist eröffnet. Mit Gert Haucke hatte man dann auch einen Schauspieler am Start, der gekonnt das übertriebene Ekel zu verkörpern wusste und das beste ist was dieser Folge geschehen konnte. Er verkörpert seine Rolle mit so viel Energie, dass es eine Freude ist den Kerl zu hassen. Aus Derricks Sicht wird er klüger dargestellt als er auf den Zuschauer wirkt, aber das könnte man auch als menschlichen Aspekt sehen. Vielleicht benötigt Derrick diesen Irrtum um akzeptieren zu können, dass der gute Mann ihm durch die Lappen gegangen ist. Mehr denn je überführt Derrick den Mörder auf ungewöhnliche Art. Diesmal sitzt man als Zuschauer rätselnd daneben was der gute Oberinspektor wohl damit bezweckt, wenn er Ross nach Feierabend auf einen Drink einlädt. „Alarm auf Revier 12„ kommt charakterlich und inhaltlich verspielt daher, und da stört es auch nicht weiter wenn die Geschichte in der TV-Realität spielt anstatt in der unseren. Ganz im Gegenteil, es beweist um ein weiteres wie abwechslungsreich und völlig verschieden die einzelnen „Derrick“-Episoden konzipiert und umgesetzt sind. sehenswert