Samstag, 31. Januar 2015

MACABRA - DIE HAND DES TEUFELS (Demonoid, Messenger of Death 1981 Alfredo Zacarias)


In einer Silbermine stoßen ein Mann und eine Frau auf eine Kammer in der einst satanische Rituale zelebriert wurden. Die Frau nimmt ein Kästchen mit, nichts ahnend dass darin eine höllische Hand in Zaum gehalten wurde. Nun ist sie befreit und ergreift Besitz von der linken Hand ihrer Opfer. Ihr Ziel: jene Frau in Besitz zu nehmen, welche das Relikt aus der Kammer entwendet hat...


Linkshänder sind des Teufels...

„Macabra - Die Hand des Teufels“ ist ein herrlicher Horrorfilm, wenn man etwas mit den Schundproduktionen Mexikos aus den 70er und 80er Jahren anfangen kann. Atmosphärische Musik wird auf billige Bilder gelegt, eine reißerische Geschichte erfährt, allein schon durch den Soundtrack, eine reißerische Umsetzung. Und oftmals pausiert die Logik durch Schnittsetzung oder andere Dusseligkeiten, die keiner seinerzeit vor Ort bemerkt hat. Da geht eine böse Hand mit einer Frau duschen ohne sie zu attackieren, da wird man mit Handschellen so gefesselt, dass man kein Houdini sein muss um sich befreien zu können, und selbst die einzige Actionszene des Streifens, eine Autoverfolgungsjagd, weiß zu belustigen, da es keine Choreographie der Crashs gab und alles mühsam mit vielen Schnitten höchst billig zusammengeschustert wurde.

Bei so viel Unsinn braucht es nicht wundern, dass auch viele Dialoge (zumindest in der deutschen Fassung) frei von Sinn sind. Oft wirken Gespräche wie aneinander vorbei geredet. Ebensowenig versteht man die Beweggründe der Protagonisten, weiß nie warum sie wissen was sie wissen und warum sie plötzlich ihren Glauben ändern. Ebenso die Hand: warum wählt sie einen so umständlichen Weg Besitz von der Frau zu ergreifen? Und warum will sie dies so spät, wo sie doch viel früher die Chance dazu hatte? Und wenn diese Hand wirklich das Werkzeug des Teufels ist, was hat der Teufel damit vor? Die Menschheit kann man mit der ollen Pranke wohl kaum erledigen und mit links schon mal gar nicht - hohoho!

Ja, da kommt viel unfreiwillige Komik zusammen, und doch besticht „Demonoid, Messenger of Death“ (Originaltitel) hauptsächlich durch seinen Charme. Ebenso wie in „Die Nacht der reitenden Leichen“ gehen sympathische Umsetzung, stimmige Atmosphäre und Stümperhaftigkeit Hand in Hand, bzw. diesmal linke Hand in linke Hand. Wie bereits erwähnt ist der Soundtrack stimmig. Manchen Szenenaufbau hat Regisseur Alfredo Zacarias („Operation Todesstachel") so gut im Griff, dass es bei weniger Unsinn gar richtig gruselig hätte werden können. Auch manch schöner Moment, wie der Jesustrick der Hand in der Kirche oder der Zombie auf dem Friedhof weiß außerhalb der unfreiwilligen Komik zu gefallen.

„Devil‘s Hand“ (Alternativtitel) ist einfach ein schöner Mix aus Trash und Pulp, mal gelungen aufgrund seiner stimmigen Inszenierung, dann wieder wunderbar unsinnig ausgefallen, oftmals gar beides auf einmal. „Macrabra“ strahlt so eine wunderbare Naivität aus, dass man ihm einfach nicht böse sein kann. Warum es bei all der harmlosen Spezialeffekte eine gekürzte Fassung gibt und die ungekürzte ausgerechnet in der Red Edition erschienen ist, die sich sonst auf gewalttätigere Werke konzentrierte, weiß der Geier. Zumindest weiß die Handamputationsszene des Streifens auch ohne viel Blut ein unangenehmes Gefühl zu verursachen, auch wenn sie so billig getrickst ist wie die restlichen Spezialeffekte. Aber auch hier gilt was für den kompletten Film gilt: nicht wirklich geglückt, aber (u.a. deshalb) charmant.

DIE HÖHLE (La Cueva 2014 Alfredo Montero)


Fünf Freunde entdecken im Urlaub eine Höhle. Sie gehen hinein um diese zu erforschen und finden den Ausgang nicht mehr. Nach Tagen des Eingesperrtseins sind sie am Ende ihrer Kräfte und treffen eine schwierige Entscheidung, um überleben zu können...


Fünf Menschen und ein Nagetier...

Ich habe es trotz des guten Ergebnisses bereits in meiner Besprechung zu „The Descent“ geschrieben: nötig waren die Monster nicht. Allein das beklemmende Gefühl des Eingeschlossenseins und die Hoffnungslosigkeit boten einen solch hohen Spannungsbogen, dass der reine Realimus ausgereicht hätte um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Alfredo Montero dachte scheinbar ebenso und serviert uns mit „Die Höhle“ nun einen Film, der sich genau auf diesen Minimalismus konzentriert. Und um die Echtheit der Geschehnisse noch näher an den Zuschauer heranzuführen drehte er das Ganze im umstrittenen Found Footage-Verfahren, also mit der Handkamera aus der Ich-Perspektive.

Ich persönlich mag diese Art Film, und gerade Werke wie „Die Höhle“ zeigen wieviel Potential im Found Footage-Verfahren steckt. Man fühlt sich mittendrin, eingeschlossen, und Autor und Regisseur Alfredo Montero guckt dass der Einsatz der Kamera nicht nur Sinn macht um etwas im Dunkeln sehen zu können, sondern lässt sie auch aktiv Teil der Geschichte sein. Sie wird Teil der Überlebens-Strategien. Okay, sie hält in der steinigen Höhle viel aus, und die Akkus halten ewig, das kann man dem Film ankreiden. Aber das ist Kleinkrämerei, zumal zumindest die Akku-Frage noch im Bereich des möglichen liegt.

Man ist es gewohnt, dass die Kritiker-Zitate auf den DVD-Covers dick auftragen. Oftmals kommen sie einem vor wie eingekauft. „Klaustrophobisch, fies, nervenzerfetzend“ (Screen International), „Wahrhaft beklemmend“ (TV Spielfilm). Selten gaben Pressemeldungen den Eindruck eines Filmes so wahrheitsgetreu wieder, wie ich ihn tatsächlich erlebt habe. Selbst die reißerische Warnung, die auf dem Cover stand „Dieser Film kann Atemnot und Beklemmungen verursachen. Anschauen auf eigenes Risiko!“ ist nicht völlig unsinnig, wurde mir beim Gucken doch so unwohl, dass ich schließlich angefangen habe nebenbei etwas zu essen, um bewusster in meinem Wohnzimmer anstatt mitgefangen in der Höhle zu sein.

Und was das für eine ist! Aufgenommen in einem echten Höhlensystem vor Ort ist der Realismus auf einem Maximum. Anstatt die klassisch großen Höhlenräume zu sehen, die nur hin und wieder kurz von engen Spalten getrennt werden, maltretiert „La Cueva“ (Originaltitel) uns mit den engen Gängen und Schächten eines Labyrinths, in dem nur sehr selten größere Flächen zum Versammeln oder gar zum Stehen einladen. Selbst diese besitzen noch einen beklemmenden Charakter. Zu Hause würde man sich hier auch nach Wochen nicht fühlen. Dies ist kein Ort um zu leben. Dieser Ort ist reinster Terror.

Sicherlich kann man diesen Film geschmacklos nennen. In einer der Dokus berichtet der Regisseur davon, dass dieser Film auf einer wahren Begebenheit beruht und diese tatsächlich in der hier verwendeten Höhle stattgefunden hat. Das Schauspiel-Team hat diese Info erst nach einigen Drehtagen bekommen. Montero hatte Angst sie würden dem Projekt sonst den Rücken kehren. Das wahre Geschehen im Hintergrund bereitet „Die Höhle“ einen zusätzlichen Realismus der nicht sein müsste. Es wäre mir unangenehm gewesen dies vorher zu wissen. Denn ehrlich gesagt weiß auch ich nicht was ich davon halten soll, ob ich es akzeptabel finde oder nicht. Ich habe für mich selbst da keine Antwort drauf gefunden.

Andererseits ist der Film nicht reißerisch inszeniert. Und er ist auch nicht als eine Art Pseudo-Doku angelegt. Erst dann würde ich tatsächlich von geschmacklos sprechen. Und das sehr spannende Ergebnis spricht für sich, ist es doch einzig die Inszenierung, die gute Darstellung der Schauspieler und die geglückte deutsche Synchronisation, welche „In Darkness We Fall“ (Alternativtitel) sein großes Ergebnis beschert. Die Geschichte selbst passt auf eine Serviette. Und was ungefähr wann passiert ist vorhersehbar, da naheliegend. Mit irgendwelchen überraschenden Kniffen zu kommen wäre allerdings auch völlig unsinnig gewesen und hätte dem Werk seiner Echtheit beraubt. Deswegen heiße ich diese „Vorhersehbarkeit“ definitiv gut.

Lediglich dass man aufgrund der Charakterzeichnung schon zuvor weiß wer geistig abdriften wird, wer am ehesten die Chance hat zu überleben und zu sterben und wer den Widerstand lebt, wenn es um leben und töten geht, ist schade zu nennen. Das ist einer der Minuspunkte der es nicht zulässt, dass „Die Höhle“ zum wahrlich großen Filmerlebnis wird,  ebenso die etwas arg häufigen Begegnungen im Finale. Es mag sein dass es daran liegt, dass man sich als Zuschauer logischer Weise auch nicht in der Höhle zurecht findet, erst recht wenn man alles nur aus einer wackeligen Kameraperspektive heraus mit Blick auf die Steine mitansehen darf. Aber die riesige Höhle schien mit einem Mal unendlich klein, wenn ein Flüchtling der Gruppe immer wieder auf seine Verfolger stößt. Läuft besagte Person denn nur im Kreis herum? Hier krieselt die Glaubwürdigkeit ein wenig, jedoch nicht stark genug um dem Spannungspotential in die Quere zu kommen. Denn was da an Duellen und Fallen stattfindet, ist auch im Finale nicht von schlechten Eltern.

Also, auch trotz besagter Minuspunkte finde ich „Die Höhle“ definitiv empfehlenswert. Man fühlt sich unwohl. Meist aus klaustrophobischen Gründen, manchmal gar aus körperlicher Unterlegenheit. Gerade dies macht noch einmal deutlich wie nah man als Zuschauer am Geschehen dran ist und wie stark die Identifikation an solch oberflächlichen Charakteren stattfinden kann. Eine Kaufempfehlung für die DVD kann ich trotzdem nicht aussprechen. Sie ist eine Dreistigkeit. Den zu Beginn der DVD eingespielten Trailer zu einem aktuell im Kino laufenden Film konnte ich weder überspringen noch vorspulen. Ich habe einmal gelesen, dass dieser Zwang auf Bluray des öfteren vorkommt. Mir als DVD-Nutzer ist dies jedoch bislang nicht passiert. Nun war es das erste Mal. Und wenn mir dies noch einmal bei einer Scheibe von „Ascot Elite“ passieren sollte, werde ich dieses Label in Zukunft meiden. Bei mir zu Hause entscheide immer noch ich ob ich einen Trailer gucken möchte oder nicht.


Weitere Reviews zum Film:

Freitag, 30. Januar 2015

DIE RACHE DER 1000 KATZEN (La noche de los mil gatos 1972 René Cardona Jr.)


Ein Mann hält sich in seinem Schloss viele Katzen, die er mit Menschenfleisch füttert. Die Köpfe der Opfer sammelt er in Glasbehältern...


Der fliegende Killer...

Ich gucke sie ja unglaublich gern, diese europäischen Schmuddel-Horrorfilmchen aus den 70er Jahren. Dementsprechend habe ich mich gefreut als mich die DVD zu „Die Rache der 1000 Katzen“, im Titel mittlerweile unnötig erweitert als „Killing Cats - Die Rache der 1000 Katzen“, im DVD-Laden angelächelt hat. Mir war der Streifen vollkommen unbekannt, die Story klang nett und mit Hugo Stiglitz ("Friedhof der Zombies", "Großangriff der Zombies") gab es gleich noch eine prominentere, wenn auch schauspielerisch untalentierte Person mit an Bord. Herrlich!

Der Covertext ließ schon vermuten, dass man sich hier wohl eher nicht auf Tier-Horror einstellen sollte. Und so war es dann auch. Wer aufgrund des Titels auf eine Menschenfleisch-hungrige Meute an Katzen hofft wird leider erst in der Finalszene fündig, womit man den deutschen Titel ohne zu lügen als Spoiler bezeichnen kann. Immerhin ist besagte Szene aber auch die einzige in welcher zumindest ein Hauch von Spannung aufkommt. Aber der Mangel diesbezüglich im Restfilm verärgerte oder enttäuschte mich nicht. Wer Filme dieser Dekade aus dieser Region kennt, der weiß dass da diesbezüglich eigentlich nie etwas zu holen ist. Horror-Werke dieser Art sind schmuddelig, reißerisch, billig, und genau das macht sie aus.

Ihre grobe Art kann auf gelungener Basis funktionieren (z.B. bei „Man-Eater“ und „Das Blutgericht der reitenden Leichen“), oftmals geht die Rechnung aber nur in Form von unfreiwilliger Komik auf (z.B. „Torso“, „Die Rückkehr der reitenden Leichen“). So oder so, meist wird man gut unterhalten, und wenn doch mal eine Gurke wie „Die Grotte der vergessenen Leichen“ oder „Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies“ dabei ist, so funktionieren diese Filme doch zumindest trotzdem noch aufgrund ihrer grobkörnigen Optik, der damaligen Musik und der trockenen Atmosphäre - letzteres zumindest bis man merkt dass der Streifen nichts taugt.

„Die Rache der 1000 Katzen“, in welchem in Wirklichkeit etwa nur 50 Katzen vorkommen, ist nicht wirklich gelungen. Wer sich einen ernstzunehmenden Beitrag seines Lieblings-Genres erhofft wird sogar stark enttäuscht werden. „La noche de los mil gatos“ (Originaltitel) ist für Gore-Hounds zu zahm ausgefallen, Horror-Freunden zu unaufgeregt und inhaltslos erzählt und manch anderem sicher auch aufgrund endloser Wiederholungen zu langgezogen trotz der unter 80 Minuten laufenden Kürze.

Hier siegt deutlich der Trash. Stiglitz spielt wie gewohnt hölzern, während seine Synchronstimme so ruppig und egoistisch ist, dass man seine Beliebtheit bei den Frauen kaum glauben kann. Sein Butler kann nicht sprechen, liebt es aber fröhlich vor sich hin zu grunzen, und den halben Film über fliegt die Hauptfigur mit einem Hubschrauber durch die Gegend, Ausschau nach neuen Opfern haltend. Der Hubschrauber war wahrscheinlich das teuerste am ganzen Film. Idiotische Dialoge unterbrechen häufig den trockenen Grundton des Films. Meine persönliche Perle diesbezüglich ist folgender kurzer Monolog: „Wir kennen uns erst wenige Tage, aber mir kommt es vor wie eine kleine Ewigkeit. Warum verfliegt die Zeit so schnell wenn man glücklich ist?“ Was sich hier arg sarkastisch liest ist ein ernst gemeintes Liebesgeplänkel von einem der zukünftigen Opfer.

Mit diesen vertreibt sich der Bösewicht des Films, der auch die Identifikationsfigur für den Zuschauer ist, seine Zeit, bevor er sie zu Katzenfutter verarbeitet. Seine Herangehensweise ist immer anders. Der Zeitpunkt bis zur Wahrheit unterschiedlich lang. A-Sexuell ist der Geisteskranke nicht, immerhin benötigt ein Film ohne Handlung Schmuddel-Potential, und den hat man sich in Streifen wie diesen ja schon immer gerne bei Nackedei-Aufnahmen geholt. Davon gibt es nicht so viele wie in manch italienischem oder französischen Beitrag, aber immerhin mehr als es an Gewalttaten zu sehen gibt. Die Morde geschehen stehts im Off oder man verlässt sich durch einen Szenenwechsel auf das Kopfkino des Zuschauers.

Die Schnitte wirken oft willkürlich, bieten aber auch ihre interessanten Momente, z.B. wenn Zeiten parallel nebeneinander herlaufen oder (zu deutliche) Symbolik als Spielerei dienen soll. Neben der herrlich trockenen Grundatmosphäre und der teilweise sehr schön anzusehenden Locations ist das einer der wenigen Pluspunkte von „Blood Feast“ (Alternativtitel), der nicht auf unfreiwilliger Komik fußt. Auch die Kameraaufnahmen haben mir trotz all ihrer Schlichtheit gut gefallen. Für die wenigen Zuschauer, die den Film zumindest ab und an als stimmig empfunden haben, wird hauptsächlich die Optik der Grund dafür sein.

Deswegen habe ich mich auch gar nicht wie so viele andere über die Monotonie der Geschichte aufgeregt. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde es würde viel erzählt, oder das wenige was passiert würde im Minimalismus seinen Inhalt oder seinen Sinn finden. Aber das ewige Spiel mit den Opfern, die Phase bevor sie wissen dass sie welche sind und die Suche nach der nächsten Kandidatin sind genau jene Momente, in welchen die Schmuddel-Atmosphäre in netten Bildern am höchsten ist. Was andere verscheuchte war für mich der angenehmste Bereich des Streifens - mal abgesehen von den Trash-Momenten, z.B. jenen, in welchem der ohnehin schon völlig überzogene Ego-Charakter den Stiglitz verkörpert seinen Diener an die Katzen verfüttert, weil der ihn erstmals im Schachspiel besiegt hat. Freiwillige Komik? Keineswegs! Ich konnte nicht mal ein Augenzwinkern erkennen.

Genau das macht den Reiz an „Die Rache der tausend Katzen“ aber aus. Er ist todernst erzählt, stolpert immer wieder über die Unzulänglichkeiten der Beteiligten, was für unfreiwillige Lustigkeit sorgt, und bietet inmitten einer unmotiviert erzählten Nicht-Geschichte zumindest hübsche Bilder in angenehmer Atmosphäre. Dass das nicht reicht um wirklich zu gefallen (allein der viel zu plötzliche Schluss und das viel zu ereignislose Finale verärgern dafür viel zu sehr), dürfte klar sein. Der Streifen ist weder ein Tipp noch auf seine komplette Lauflänge unterhaltsam.

Aber die Pluspunkte lassen jemanden wie mich zumindest nicht verärgert zurück. Zeitvergeudung? Definitiv! Aber mir wurde nicht langweilig, und das ist ja auch schon mal was wert. Klar ist „The Night of 1000 Cats“ (Alternativtitel) eigentlich eine Frechheit. Es ist eigentlich dreist für diese Unterhaltungs-Täuschung auch noch Geld verlangen zu dürfen. Es ist aber mein persönliches Glück, dass mir der Schmuddel-Stil dieser vergangenen Filmepoche so gut gefällt. Damit beschert mir selbst der dreisteste Scheiß noch immer einen gewissen Reiz.


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Trailer,   OFDb

Freitag, 23. Januar 2015

THE INVISIBLE MAN (2000 Breck Eisner u.a.)


Ein Dieb bekommt die Wahl statt seine Haftstrafe auszusitzen an einem Experiment teilzunehmen. Er stimmt zu und bekommt eine Drüse ins Hirn gepflanzt mit welcher er unsichtbar werden kann. Als aufgrund eines Terroraktes die Wissenschaftler des Experiments umgebracht werden, nimmt sich die Agency des Mannes an und bildet ihn mit ihren knappen Mitteln zum Agenten aus...


Drüsenüberfunktion führt zum Wahnsinn...

Die Thematik des Unsichtbarseins hat die Filmwelt damals wesentlich häufiger beschäftigt als heutzutage, was ich sehr schade finde, gehört sie doch zu meinen liebsten Themengebieten der Science Fiction. In den 30er Jahren ging es mit der Roman-Verfilmung „Der Unsichtbare“ und dessen in Deutschland bislang nicht auf DVD erschienenden Fortsetzungen los. Eine lustige Variante namens „Die unsichtbare Frau“ folgte in den 40er Jahren, das Fernsehen nahm sich der Thematik danach in Serienform bereits 1958 an. Da erschien erstmals eine Serie namens „Der Unsichtbare“. Die Serie „Der Unsichtbare“, die in den 70er Jahre folgen sollte, hatte mit H.G. Wells Roman nichts mehr am Hut. Und „The Invisible Man“, die 2000 startete und es auf zwei Staffeln schaffte (von denen in Deutschland lediglich Staffel 1 auf DVD erschien) ebenfalls nicht.

Im Pilotfilm, der als Doppelfolge aufgesplittet wurde, hängt als Verweis zwar in einer Szene ein Poster des 30er Jahre Universal-Klassikers im Hintergrund, und der Vorspann beginnt ebenfalls mit Bildern aus besagtem Schwarz/weiß-Film, aber das ist nur die Verbeugung vor dem Ideengeber, inhaltlich gibt es keinerlei Parallelen, da ist „The Invisible Man“ schon eher mit der 70er Jahre-Serie vergleichbar, immerhin lösen beide Helden pro Folge Kriminalfälle. Der Covertext der DVD hingegen lügt wie gedruckt, erzählt was von einer Jagd auf die Terroristen, die das Experiment zerstörten. Aber diese Geschichte ist bereits mit dem Piloten beendet. Da hat der Autor wohl etwas ungeguckt missverstanden.

Der ehemalige Verbrecher wird Agenten-Lehrling für die Agency, und auch wenn die Serie nicht gerade über ein angenehmes Mittelmaß herausragt, so muss man es den Autoren doch zugestehen, dass sie die frühe Phase der Serie für Möglichkeiten nutzen, die später nicht mehr möglich wären. So misstraut der Unsichtbare der Agency, für die er unfreiwillig arbeitet, gehörig. Er spioniert Kollegen hinterher, rutscht auch mal in sein altes Verbrechermuster ab, und das gegenseitige Vertrauen wird hart erarbeitet und bröckelt nach etwa 10 Folgen noch immer recht deutlich. Für diese Entwicklungsphase lässt man sich Zeit, und das tut der Serie gut, macht es sie doch vielschichtiger als wenn der gute Mann lediglich stumpf seine Aufträge als Agent erfüllen würde.

Die sind nicht sonderlich aufregend zu nennen, gehen als okay durch, aber letztendlich nimmt sich die Serie trotz leichter Ausflüge in die Komik viel zu ernst, als dass man sie als Zuschauer ernst nehmen könnte. Sie macht Spaß, ist also in etwa das was die TV-Serie „Krieg der Welten“ für die 80er Jahre war, aber auch mit Freude an der Sache erkennt man doch wie billig das alles zusammengeschustert ist und einem ausgeleierten Konzept folgt, das schon zu Zeiten von „Ein Colt für alle Fälle“ nichts neues mehr war. Die „Der Unsichtbare“-Serie aus den 70er Jahren scheiterte daran, hatte aber auch nur öde Unsichtbaren-Tricks auf Lager und bot einen Helden der unsympathischer nicht hätte sein können.

Die 00er Jahre-Serie, die keinen Bezug zur 70er Jahre-Serie besitzt, ist zumindest brauchbar umgesetzt und geht recht verspielt mit ihren eigentlich doch eindimensionalen Charakteren um. Nach einiger Zeit ist nicht alles so eingefahren wie es zunächst wirkt, Figuren ebenso wenig. Andererseits wird „The Invisible Man“ nie entspannt und individuell genug um den starren Serienregeln zu entfliehen. Im Gegenteil: man klammert sich an das seit Jahrzehnten zelebrierte Muster solcher Serien, modernisiert es lediglich ein wenig, hangelt sich aber absichtlich in der klassischen Figurenkonstellation von Abenteuer zu Abenteuer.

Das ist schon schade, mehr wäre möglich gewesen, auch mit der eher durchschnittlich bis mau agierenden Darstellerriege. Aber wie bereits erwähnt: es reicht um anspruchslos unterhalten zu werden. „The Invisible Man“ ist Trivialunterhaltung ohne individuellen Erkennungswert, als Serie für zwischendurch aber durchaus brauchbar. Ich finde es schade, dass die zweite Staffel bislang keine Veröffentlichung erhalten hat. Damit ist „The Invisible Man“ nach „Lexx“ bereits die zweite Serie die ich nicht auf deutsch zu Ende gucken kann. So etwas finde ich immer sehr enttäuschend.

Donnerstag, 22. Januar 2015

DER UNSICHTBARE (The Invisible Man 1975 Leslie Stevens u.a.)


Bei einem Selbstversuch macht sich Dr.  Daniel Westin unsichtbar. Nach einiger Zeit funktioniert die Rückverwandlung nicht mehr. Dank eines Freundes aus der plastischen Chirurgie erhält er zumindest ein künstliches Gesicht, das er nach Belieben an- und ausziehen kann. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und Wissenschafts-Kollegin löst er von nun an Kriminalfälle im Auftrag der Firma, für die er schon während seiner Forschungen gearbeitet hat...


Der Unfehlbare...

Die Science Fiction-Krimiserie „Der Unsichtbare“ aus dem Jahr 1975 hat weder etwas mit dem gleichnamigen 30er Jahre Universal-Film und dem ihm vorliegenden Roman von H.G. Wells zu tun, noch mit der später Anfang der 00er Jahre erschienenden Serie „The Invisible Man“. Letztendlich ist die hier besprochene Version der Unsichtbaren-Thematik schlichte Grundlage für eine Serie im Fahrwasser von „Hulk“, „Spider-Man“ und „Werwolf“, in welchen Menschen mit phantastischen Eigenschaften Kriminalfälle lösen. Gesetzlich schwebt man irgendwo im Nirgendwo wie in „Ein Colt für alle Fälle“ und dem „A-Team“, und eine ominösen Organisation hält im Hintergrund das Ruder, so wie es bei „Knight Rider“ der Fall war.

Das Prinzip war schon 1975 nicht neu, und dass ein paar olle, längst überholte Unsichtbaren-Tricks das Interesse des Publikums für das immergleiche Konzept nicht wirklich aufrechterhalten konnten, zeigt das frühzeitige Beenden der Serie nach gerade einmal 13 Folgen. Was macht man also, wenn man solch einen Flop trotzdem auf DVD vermarkten möchte? Man erklärt die Serie aufgrund der kurzen Laufzeit und seltenen Ausstrahlung zum Kult, und schon wird irgendwer zugreifen. Die Rechnung ging auf, zumindest ich griff neugierig zu und bin alles andere als begeistert.

„Der Unsichtbare“ kommt völlig Ideen-arm daher, macht es sich selbst in der alternativ längeren Pilotfolge beim Erarbeiten seiner Grundlagen viel zu einfach (allein schon was das synthetische Gesicht angeht) und zelebriert seine konservative, republikanisch orientierte Weltsicht ohne diese auch nur im Ansatz kritisch zu hinterfragen. Ein Senator muss ein guter Mann sein. Die Regierung ist lieb. Konservative Werte sind das einzig wahre im Leben. Lediglich ein Zugeständnis, dass das im Zentrum stehende Liebespaar immer wieder sexuelle Anspielungen im Dialog aufkommen lässt, um ein wenig frech zu wirken, ließ sich 1975 wohl nicht mehr verhindern, was aber auch für damalige Zeiten nicht so modern ist wie es klingen mag, hat es solche doch selbst in der biederen Serie „Drei Mädchen und drei Jungen“ gegeben.

Mit 08/15-Geschichten von unmotivierten und unkreativen Autoren wird der Zuschauer abgespeist, in der Hoffnung die Unsichtbaren-Thematik würde bereits ganz allein für den letzten Schliff reichen. Die kommt jedoch viel zu kurz, hat optisch nichts zu bieten was nicht schon in den 30er Jahren beeindruckt hätte, und der Wunsch irgendwann einmal wieder für immer sichtbar zu sein, wird nach dem Piloten totgeschwiegen, so als wäre er nicht mehr existent. Wozu auch? Die Eigenschaft wird schließlich für das Vaterland eingesetzt, warum solle man da auch wieder gesund werden wollen?

Zeitweise lässt sich „Der Unsichtbare“ zumindest auf unfreiwillig komischer Basis schauen. Dabei hilft nicht nur das biedere, Regierungs-treue Weltbild, sondern noch viel mehr die Charakterzeichnungen, allen voran jene des Helden, der ein völlig selbstüberschätzter Egomane ist, dessen Pläne immer hinhauen und der immer Recht behalten soll. David McCallum spielt diesen Mann völlig arrogant und frei von Ironie, so dass es wundern darf, dass die Serie auf seine nicht vorhandene Sympathie setzt. Seine Ehefrau ist das hübsche Anhängsel, welches trotz Doktortitel passend zur Weltsicht des Serie als völlig dümmlich dargestellt wird und Bösewichte meist verführen oder mit ihrem Aussehen ablenken muss. Ein gleichrangiger Partner ist sie nicht, und ihre Schönheit ist vom Zeitgeist längst überholt und in den gegenteiligen Bereich gelenkt.

Ja zugegeben, so etwas weiß zu belustigen, aber eben auch nur mal so für eine Folge, nicht auf eine komplette Serie gesehen, und mag sie noch so kurz ausgefallen sein wie im hier vorliegenden Fall. Dementsprechend ist das was uns auf dem DVD-Cover mit dem Verweis auf Kult schmackhaft gemacht werden soll tatsächlich nur Verschwendung wertvoller Zeit, da „Der Unsichtbare" weder nostalgisch wirkt, noch vom Unterhaltungswert her. Dafür ist das altbackene Getue viel zu routiniert erzählt und einfallslos ausgefallen. Zumindest die Episode mit dem Geisterbeschwörer weiß immerhin ein bisschen mehr als der Rest zu funktionieren, aber dies auch nur im direkten Vergleich mit dem müden Mist der anderen Folgen.

Mittwoch, 21. Januar 2015

EVIL (To Kako 2005 Yorgos Noussias)


Als in Athen eine Zombie-Epidemie los geht, findet sich eine Gruppe Überlebender zusammen, die versucht in der verseuchten Zombiewelt zurecht zu kommen...


Die Höhle der lebenden Toten...

Inmitten einer Zombiefilm-Welle, bei der man es beim besten Willen nicht schafft jeden Beitrag zu gucken, tut es zur Abwechslung innerhalb des immergleichen Bereiches auch mal gut einen Streifen aus einem Land zu sichten, von dem nichts oder so gut wie nichts zu diesem Thema umgesetzt wird. Aus Griechenland lächelte mich eine Horror-Komödie namens „Evil“ an, die sogar bereits eine Fortsetzung beschert bekommen hat, und ich habe mich ihr ganz offen und unvoreingenommen einmal genähert, insgeheim in der Hoffnung, dass die Griechen der Thematik vielleicht ein paar andere Ideen abgewinnen können.

Nun, mit Blick auf „Evil“ können sie das scheinbar nicht. Der erzählt nicht was es nicht schon tausend Mal gegeben hätte und tut sich schwer dabei den Zuschauer an die Hand zu nehmen, wenn es um den Überblick der Gesamtsituation geht. Was in der Höhle, mit der alles los geht, los war erfahren wir nie. Gerade eben ist man in seinem Versteck nach der Flucht vor den ersten Zombies erwacht, urplötzlich ist die Menschheit bereits fast ausgestorben. Nach der ersten Notwehr kommt keiner auf die Idee die Polizei zu rufen, denn so ziemlich jeder akzeptiert ganz schnell, dass das was man sonst nur aus dem Kino kennt Realität geworden ist - das tun sogar jene, die noch keinen Zombiekontakt hatten. Auch wie die anfangs noch gesplittete Menschengruppe plötzlich zusammen kommt, ist so ruckartig erzählt, dass ich am grübeln war ob ich geistig kurz abgedriftet bin oder nicht.

Den Überblick über die große Sache zu halten gelingt Regisseur Noussias also schon mal nicht, obwohl x Konkurrenzprodukte es schon besser vorgemacht haben. Aber ich glaube mit diesem Makel hat der gute Mann kein Problem, denn ein Blick auf sein Zelebrieren der Bluttaten zeigt um was es ihm viel eher geht. Sein Independentfilm präsentiert uns immer wieder schlecht umgesetzte Gore-Effekte, tatsächlich auf Amateurfilm-Niveau, dafür aber auch manch abartige Idee, die sich sehen lassen kann. Dass die Tricks durchschaubar sind, störte mich persönlich keineswegs, im Gegenteil, es unterstützt das spezielle Flair von „Evil“, dem man ansieht dass er gar kein professioneller Film sein will.

„Evil“ guckt sich nicht glattpoliert und gewinnt über seine abgefuckte Art seine Sympathie, die zwar nicht zum Anarcho-Fest eines „Return of the Living Dead“ oder „Das ist das Ende“ (um auch mal einen Nicht-Zombiefilm zu nennen) wird, aber es damit schafft auf schlichter Ebene den Zuschauer der zugänglich für diese Art Film ist halbwegs zufrieden zu stellen. Immer wieder ruckelt es im Ablauf. Immer wieder fragt man sich ob man das jetzt mag was man sieht oder nicht. Am Ende hatte ich jedoch das Gefühl: doch, ich mag es.

Das liegt sicherlich am wundervollen Schluss-Gag und dem Bild welches „Evil“ dazu abliefert, es liegt aber auch an der Figurenzeichnung, die für einen Film der hauptsächlich auf Brachialhumor setzt nicht nur Platz für Personen wie den Sprüche klopfenden, notgeilen Taxifahrer ist, sondern auch auf Charaktere gesetzt wird, die für stillere, sensible Momente gut sind. Allein das Gespräch zwischen einem ehemaligen Familienvater und einer 14jährigen inmitten der Trostlosigkeit weiß „Evil“ plötzlich eine gewisse Tiefe zu bescheren, die man ihm nicht zugetraut hat. Diese Tiefe hält nur für den Moment und ist im nächsten Chaos wieder vergessen, aber sie ist vorhanden, und das ist für ein Werk wie dieses schon sehr ungewöhnlich zu nennen.

„Evil“ ist leider nicht der „Dogtooth“ unter den Zombiefilmen geworden, meinem persönlichen Lieblingsfilm aus Griechenland. Aber das sollte er auch nie werden. Dass er jedoch nur ein oller viel zu nah am Amateurfilm angelehnter Independent-Streifen ist, hatte ich so nicht erwartet. Und so hat es eine Zeit gebraucht bis ich seine positiven Seiten annehmen konnte. Im nachhinein bin ich froh nicht frühzeitig ausgeschaltet zu haben, die Verlockung war zunächst sehr groß, einfach weil ich an dem Tag eigentlich etwas Professionelleres sichten wollte. Ich hätte dann zwar keinen nennenswerten Beitrag zum Zombie-Thema verpasst, aber immerhin einen sympathischen Filmversuch mit Ecken, Kanten und somit mit Charakter.


Weitere Reviews zum Film:

KILLERAMEISEN (The Hive 2008 Peter Manus)


Die jährliche Ameisenplage auf einer asiatischen Insel ist eigentlich Routine. Das Team der Firma THORAX übernimmt die Ausrottung schon einige Jahre. Aber diesmal ist alles anders. Nicht nur dass die Viecher öfter tätig werden als üblich, es sind auch wesentlich mehr als sonst. Und besondere Fähigkeiten, die sie zuvor nicht besaßen, bringen sie auch noch mit ins Spiel...


Kommunikationsameisen...

Spätestens seit der amerikanische TV-Sender SyFy Tier-Horrors am Fließband dreht, ist man die geringe Qualität der Filme dieses Sub-Genres gewöhnt und erwartet schon nichts anderes mehr. Der Sender machte selbst vor Möchtegern-Fortsetzungen der Kinofilme „Anaconda“ und „Lake Placid“ nicht Halt, suchte mit „Piranhaconda“ und „Dragon Wasps“ zur Abwechslung auch skurrile Varianten der angreifenden Spezies, und wahrscheinlich wurden nur die wenigsten derer die auf dem Erdboden kreuchen und fleuchen bislang nicht zu Mutanten, welche die Menschheit bedrohen.

Ameisen sind spätestens seit dem Science Fiction-Kultfilm „Phase 4“ eine immer wieder gern eingesetzte Tiergattung im Horrorbereich, wenn auch nicht so häufig vertreten wie Spinnen, Schlangen, Haie und Krokodile. Allerdings hatte Saul Bass‘ 70er Jahre-Klassiker eigentlich auch schon alles zum Thema erzählt. Filme wie „Ameisen - Die Rache der schwarzen Königin“ waren nur routinierte Ableger, Billigfilmchen wie „Marabunta“ konnte man allein schon wegen der schlechten Tieranimation in die Tonne kloppen und „Ants on a Plane“ schoss in Sachen Trash zu sehr über das Ziel hinaus.

Gleiches gilt auch für „Killerameisen“, das vierte Werk des Regisseurs Peter Manus, ein Film dem man seine billige Produktion zwar sofort ansieht, der aber dennoch recht interessant beginnt. Dass man nichts um Realität gibt zeigten schon die ersten Szenen, in denen die Truppe von THORAX mit ihrer Geheimwaffe die kleinen Gegner versucht auszurotten. Schnell war klar, dass „The Hive“, wie der Streifen im Original heißt, nur Pulp sein möchte. Und dafür wussten die ersten Überraschungen in der Story zu gefallen, eine Geschichte die keineswegs das 08/15-Szenario der Tier-Horrors der letzten Jahrzehnte noch einmal gelangweilt herunterleiern wollte.

Allein die Anzahl der (leider sehr mau animierten) Viecher wusste zu beunruhigen (was im späteren Verlauf der Geschichte zu sehr übertrieben wird), und spätestens ab da wo die Ameisen sich auf „Mimic“-Art zu Körpern und Formen vereinen war das Interesse endgültig geweckt.

Leider übernimmt sich „Killerameisen“ mit dem was die Ameisen können zu sehr. Immer wieder will man den Zuschauer überraschen, immer skurriler und unglaubwürdiger werden diese Ideen, und leider widersprechen sie auch einander. Mehr noch, die Bedrohlichkeit des ersten Drittels ergibt mit den später gelieferten Informationen keinen Sinn mehr. Die Geschichte passt nicht zusammen. Und der deutsche Titel wirkt plötzlich fehl am Platz, haben wir es doch nicht mit reinen Killern zu tun, sondern mit Tieren, welche unter Alien-Einfluss die Kommunikation mit dem Menschen suchen, um ihren eigenen Platz auf unserem Planeten zu finden.

Vielleicht hätte ein guter Autor diesen Quatsch mit Soße noch zusammenbehalten, aber einen solchen hätte man für so viel Hirnschiss wohl gar nicht engagiert bekommen. Die Verantwortlichen hinter diesem Projekt hatten keinen Überblick die Story betreffend, waren sie doch viel zu sehr damit beschäftigt dem Film Action und viele Spezialeffekte zu bescheren, was aufgrund der Kostengünstigkeit freilich kein echtes Geschenk an den Zuschauer ist, auch wenn die Tricks für ihre paar Dollar noch recht erträglich ausgefallen sind.

Am Ende bleibt ein Film der aufgrund seiner Anliegen niemals langweilt, aber so viel Blödheit verstrahlt, dass man schon geübter Trash-Fan sein sollte, um sich auf solch einen Schund einzulassen. Ameisen die zu Kommunikationszwecken Lichtbilder erzeugen, Ameisen die sich zu einem riesigen Computer zusammen tun, Ameisen die zu Geiselnehmern werden, ganz zu schweigen vom außerirdischen Hintergrund, den man gleich völlig hätte weglassen können: „Killerameisen“ fordert schon viel guten Willen von einem ab. Und irgendwann fordert er einfach zu viel und dann noch mehr, bis selbst der gutmütigste Zuschauer nichts mehr zu geben hat. Am Ende dürfte wirklich jeder noch so naive Schundbegeisterte die komplette Blödheit hinter diesem Film erkannt haben.


Weitere Reviews zum Film:

Dienstag, 20. Januar 2015

DAS LEBEN STINKT! (Life stinks 1991 Mel Brooks)


Bolt ist einer der reichsten Männer Amerikas und besitzt die Hälfte eines Grundstückes von dem ein Konkurrent die zweite Hälfte besitzt. Beide wollen das Grundstück, ein Armenviertel, komplett besitzen. Also lässt Bolt sich auf eine Wette ein: wenn er es schafft für 30 Tage ohne Geld oder anderweitigen persönlichen Besitz als Obdachloser in den Slums zu (über)leben, bekommt er die zweite Hälfte. Wenn nicht bekommt sie sein Konkurrent...


Der Glücksritter...

Den Namen Mel Brooks verbindet man im allgemeinen mit Film-Parodien. Es gab stilvolle wie „Frankenstein Junior“, komplett durchgeknallte wie „Spaceballs“, schlechte wie „Robin Hood - Helden in Strumpfhosen“ und im Mainstream badende wie „Dracula - Tot aber glücklich“. Anfang der 90er Jahre wollte Brooks sich mal wieder an etwas anderem versuchen, eine Komödie mit Herz, eine Geschichte mit einem Anliegen. Und er drehte „Das Leben stinkt!“, der Kritik am Kapitalismus üben sollte und einen Blick auf die Ärmsten der Armen wirft, dies in den echten Slums gedreht und mit echten Obdachlosen als Statisten angegangen.

Mel Brooks widersteht der in amerikanischen Komödien so oft vorkommenden Unart sich moralisch anzubiedern. Er verzichtet nicht auf Witze unterhalb der Gürtellinie, setzt die im Film aufkommende Romanze lange Zeit nicht zu sehr in den Mittelpunkt und vermeidet Mitleid heuchelnden Kitsch. Brooks Anliegen fühlt sich echt an, auch wenn er es oft nicht schafft seine Geschichte diesbezüglich glaubwürdig zu erzählen. Letztendlich hat Bolt viel zu viel Glück. Und irgendwie bekommen die Obdachlosen in seinem Film immer alles geregelt. Dir fehlen Schuhe? Was ein Glück, da habe ich welche fast in Deiner Größe. Eine wirkliche Identifikation gelingt Brooks mit dem wahren Elend nicht.

Das wird besonders deutlich in der einzig kitschigen Szene des Films, die unpassend auf die amerikanische Tradition von Musikeinlagen setzt. Theoretisch ist es nett gemeint was Brooks mit dieser Szene anstellen möchte, sie reißt den Streifen jedoch endgültig aus der Glaubwürdigkeit seines Anliegens heraus. Nicht weil zwei Obdachlose gemeinsam einen wunderschönen Abend verbringen, sondern weil die Organisation der dafür erforderlichen Räumlichkeiten und die Beschaffung von Champagner und einem Radio plötzlich gar kein Problem mehr darstellen.

Von dieser unangenehmen Szene einmal abgesehen schaut sich „Life stinks“ (Originaltitel) jedoch erfrischend angenehm. Mag er auch ein unrealistisches Märchen mitten im Elend sein, das Herz und die Gags am rechten Fleck machen diese Komödie trotzdem zu einem gelungenen Stück Film, bei dem zwar alles eine Spur zu blauäugig abläuft, Brooks aber auch ernste Schicksale nicht ausblendet. Zudem darf man es als Überraschung betrachten, dass die 30 Tage der Wette wesentlich früher erreicht sind als man als Zuschauer erwartet, um die Geschichte im letzten Drittel in eine etwas andere Richtung zu schwenken. Spätestens hier fällt wieder einmal auf wie gut Brooks darin ist Nebenfiguren zu gestalten. Aber bei all den lustigen Charakteren sollte man dies eigentlich auch schon vorher bemerkt haben. Allein der Konkurrent mit dem Bolt die Wette abschließt ist herrlich skurril charakterisiert.

Brooks selbst weiß auch zu gefallen, selbst in einer Hauptrolle. Dachte ich in „Spaceballs“ noch, dass es sicherlich besser ist sich selbst nur schräge Nebenrollen zuzuschreiben, beweist der gute Mann dass „Das Leben stinkt!“ auch mit ihm als nicht perfekt spielendem Hauptdarsteller zu funktionieren weiß. Was er schauspielerisch nicht beherrscht macht er mit seinem sichtbaren Spaß an Albernheiten wieder wett. Höhepunkt diesbezüglich dürfte wohl eine Bettelszene sein, in welcher Bolt versucht den Tanz eines schwarzen Jungen zu kopieren, der mit seiner Performance gut Geld erbettelt hat, was bei einem kahlköpfigen Weißen ohne Charme und Talent freilich nicht zu ziehen weiß, weswegen Bolt in Sachen Gesang und Tanz immer verkrampfter und aggressiver wird. Diese Szene muss man einfach lieben.

Dass Brooks bei der Annäherung zur wahren Liebe etwas dick aufträgt, mag man ihm verzeihen. Wie gesagt ist der Streifen ohnehin nicht all zu realitätsnah orientiert, und man merkt dass der gute Mann, Problemhandlung hin oder her, bewusst Kino abliefern will. Und eben weil dies so deutlich zu erkennen ist, kann man sich als Zuschauer damit arrangieren, auch wenn etwas mehr Feingefühl für die wahre Dramatik dem Werk im Weg steht, um zu einem wirklich nennenswerten Film zu werden, den man gesehen haben sollte. Das Wegblenden von hygienischen Problematiken bei der gegenseitigen Annäherung zueinander und die wahren Tiefpunkte, die im fertigen Film immer nur nebenbei erwähnt werden (seit Tagen hungrig sein, die Nacht bei einem starken Unwetter bei geschlossener Mission überleben, etc), machen den fertigen Film dann doch zu sehr zu einem Produkt. Figuren bleiben Filmfiguren. Ein Hineinfühlen funktioniert, ein tiefes Einsinken in die Handlung, um für 90 Minuten darin aufzugehen als sei alles echt, funktioniert nicht.

Glücklicher Weise muss es das auch nicht, denn wäre Brooks zu nah dran, käme mancher Witz zu geschmacklos herüber. Mit dem Kompromiss „Das Leben stinkt“ offensichtlich zu Kino zu machen gelingt ihm die Harmonie zwischen beiden Extremen die hier aufeinander treffen. Vielleicht hat er auch deswegen die an ein Broadway-Stück erinnernde Tanzeinlage eingebaut und sich mit ihrer Extreme dabei verhoben. Vielleicht wollte Brooks mit ihr auf Nummer sicher gehen. Nötig hätte er das nicht gehabt. Wie bereits erwähnt: ganz im Gegenteil, die Szene nervt. Ein Glück dass sie die Ausnahme in einem sympathisch erzählten Stück Märchen für Erwachsene ist, welches man sich alle paar Jahre immer mal wieder anschauen kann.


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Samstag, 17. Januar 2015

DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C (The Incredible Shrinking Man 1957 Jack Arnold)


Monate nachdem Scott Carey einem fremdartigem Nebel auf hoher See ausgesetzt war, beginnt er zu schrumpfen...


Kompromiss: Käsekuchen...

Jack Arnold war ein Vieldreher, der bis Anfang der 80er Jahre als Regisseur tätig war. Denkt man an sein Gesamtwerk denkt man sicher eher nicht an Filme wie „Per Saldo Mord“, „Ein tollkühner Draufgänger“ oder „Sex Play“, man denkt an seinen großen Einfluss auf die Monsterfilme der 50er Jahre, z.B. an „Tarantula“ und „Der Schrecken vom Amazonas“. Ein Film dieser Dekade steht meiner Meinung nach aber qualitativ über den anderen seiner Streifen dieser Art (vielleicht weil ihm eine Novelle als Vorlage diente), und das ist „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“, in welchem Arnold die Idee von Riesenmonstern umdreht und nicht Tier oder Mensch zum Ungetüm groß wachsen lässt, sondern einen Mann klein, damit Tiere in ihrer herkömmlichen Größe zur gigantischen Bedrohung werden.

Auch wenn man sehr viel Wert auf die für ihre Zeit wirklich großartig umgesetzten Spezialeffekte legte, so bietet „The Incredible Shrinking Man“ (Originaltitel) zum Funktionieren der Geschichte auf der Leinwand doch etwas noch viel wichtigeres als diese. Er konzentriert sich auf die Dramatik des Stoffes, lässt uns über Off-Kommentare dem schrumpfenden Helden emotional besonders nah kommen und nimmt trotz kleiner humoristischer Elemente die Leiden, die phantastische Situation und den Helden ernst, so dass der Film nie den Bereich der unfreiwilligen Komik streift, ob nun aufgrund seines übernatürlichen Stoffes oder aufgrund der über die Jahrzehnte veränderten Sehgewohnheiten des Publikums. Empatische Figurennähe weiß zu jeder Zeit zu wirken.

Jack Arnold lässt sich Zeit für die Geschichte, lässt erst einmal das Schrumpfen weniger Zentimeter zum Problem werden, um dieses genau auszuleuchten bevor Scott Carey zur halben Größe schrumpft. In diesem Zustand angekommen pausiert der eigentliche Aufhänger zunächst, jedoch nicht um den Film unnötig in die Länge zu ziehen, sondern um das Seelenleben des Protagonisten genauer unter die Lupe zu nehmen, um seine Trauer und seine Wut besser kennen zu lernen, was ganz wichtig ist, weil man dann besonders nah dran ist, wenn Arnold eine tiefschwarze Zwischen-Pointe setzt, gerade zu jenem Zeitpunkt als Carey wieder neue Hoffnung in sich aufkommen fühlt.

Was dem nach einem gehörigen Zeitsprung folgt ist nun der Thriller-Teil der Geschichte, der nah am Horror angelehnt ist, dabei die Tragik der Geschichte aber nie aus den Augen verliert. Je nach Größe Careys wird zunächst eine simple Hauskatze zur Bedrohung, was großartig inszeniert ist, auch wenn der arg geschrumpfte Carey etwas durchsichtig durchs Bild läuft (der einzig nicht wirklich geglückte Spezialeffekt) und später gar eine im Keller lebende Spinne.

Mit dem Beginn der Keller-Episode sind wir aber nur noch hintergründig im Science Fiction- und Horrorbereich unterwegs. Von hier an schaut sich „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ nun wie ein Abenteuerfilm, der Held selbst zieht offen Vergleiche zu Robinson Crusoe. Hier macht sich die detailreiche Riesenwelt durch die der kleine Mann stolpert nun besonders bezahlt, erweist sich das Drehbuch doch als höchst einfallsreich was alles zur Gefahr werden kann und warum.

Zwar wird man sich je nach Sprachfassung nicht einig ob Carey nun hungrig ein Stück Kuchen oder ein Stück Käse ergattern will und deswegen dem Überlebenswillen geschult den Kampf gegen die Spinne angehen muss, aber das kann man schon nachvollziehen, wenn man das übergroße Stück Kuchen/Käse sieht, das tatsächlich nach beidem aussieht. Unfreiwillig komisch wird dies erst im Originalton mit deutschem Untertitel, da der Untertitel sich an der Deutschfassung orientiert und nicht an der englischsprachigen.

Ob Katze oder Spinne, Arnold verzichtet auf künstliche Monster und hat echte Aufnahmen der Tiere verwendet, was bereits in der Katzenszene trotz überschaubarer Tricks großartig wirkt, in den Spinnenszenen aber geradezu unheimlich wird und das sicher nicht nur für Leute wie mich, die unter Spinnenangst leiden. Wenn man bedenkt wie sehr es Bert I. Gordon immer wieder versucht hat Monsterfilme mit echten Tieren zu drehen, indem er diese hochprojezierte, was lediglich „Die Rache der schwarzen Spinne“ zu einem positiven Ergebnis verhalf im Gegensatz zu „Beginning of the End“ oder „In der Gewalt der Riesenameisen“, der aufzeigte, dass dies Gordon nicht einmal in den 70er Jahren gelang.

Ganz anders die liebevolle Arbeit von Arnolds Spezialeffekte-Team, welche nichts hochprojezieren, sondern den Helden vor einer Leinwand spielen lässt, auf welche wohlausgesuchte Tierszenen im Hintergrund laufen. Für seine Zeit war das sehr glaubwürdig umgesetzt und ließ im Gegensatz zu Gordons Versuchen zu, dass Monster und Mensch sich gegenüber stehen konnten, zusammen im Bild agierend und nicht nur getrennt voneinander.

Man kann tatsächlich von Glück reden, dass es Arnold so wichtig war den dramatischen Bereich in den Mittelpunkt zu stellen, denn wenn der Film geradezu philosophisch empatisch am Schicksal des Helden gebunden schließt, ist dies nach all den atemberaubenden Momenten und der hochinteressanten Geschichte tatsächlich noch der Höhepunkt des Streifens. Arnold trennt sich von uns auf eine liebevolle, herzerwärmende Art und Weise und lässt uns dabei nachdenklich zurück. Nicht mit überholtem reißerischen Pathos, wie es ein „Formicula“ tat, sondern mit zarten Worten, vielleicht etwas zu naiven um wirklich von weise zu sprechen, aber zumindest doch bewegenden Worten, so dass der Film einen genau auf diese Art allein lässt: emotional bewegt.


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Donnerstag, 15. Januar 2015

DARKWOLF (Dark Wolf 2003 Richard Friedman)


Nachdem die letzte Weise aus der Blutlinie der gutmütigen Werwölfe verstorben ist, muss ein Polizist auf eine junge Frau aufpassen, die noch nicht weiß, dass sie auch ein Werwolf ist. Eine besonders üble Gattung, der kaum todzukriegende Werwolfs-Prinz, will sich mit ihr paaren, um besonders gefährliche Nachkommen auf die Menschheit loszulassen...


Das haarige Entlein...

Es ist ja schön und gut wenn man als Filmemacher bei einer solch oft gebrauchten Thematik wie die über Werwölfe versucht dem ganzen andere Seiten abzugewinnen, indem man eine Mystik um den Werwolf-Kult entwickelt. Laut „DarkWolf“ wird also nun unterschieden zwischen Halbwerwölfen und ganzen (obwohl ein Werwolf ohnehin bereits halb Mensch und halb Wolf ist), es wird eine Obergattung vorgestellt, einen Werwolfsprinzen und es gibt Lehrer, die zur Stelle sind wenn ein Mensch entdeckt, dass auch er ein Werwolf ist. Das könnte alles ein wenig die Teen-Variante zu diesem Thema sein, wie es „Twilight“ für die Vampire war, aber zumindest erschien Richard Friedmans Werk bevor der Kult um die Bücher und Filme Nachahmer weckten.

Dem Kitsch und Teenie-Kult geht man sogar aus dem Weg. Ganz im Gegenteil, man möchte einen harten, dreckigen Horrorfilm vorlegen. Auch das hört sich in der Theorie zumindest noch okay an. Man muss dem Film jedoch keine fünf Minuten folgen, um jede gute Absicht direkt als Perlen vor die Säue zu erkennen. Der Werwolfs-Prinz ist ein Asi von Motorrad-Rocker. Der bald sterbende Werwolfslehrer eine wenig mystische Obdachlose und der Kopf einer Spezialeinheit der Polizei zur Bekämpfung der Bestien ein junger, harter Cop, der von einem blonden Neuling seiner Abteilung begleitet wird. Blondie ist dann auch gleich der Tiefpunkt in der Besetzung, was schon was heißen muss, denn schlecht spielt hier so ziemlich jeder.

Man kennt das: man erwischt einen Film mit einer schlechten deutschen Synchronisation, also greift man, mittelmäßiges Schauspiel hin oder her, falls vorhanden zum Originalton mit deutschem Untertitel, und selbst magere Durchschnittskost schaut sich dadurch angenehmer. Bei „Dark Wolf“ (Originaltitel) ist es egal was von beidem man schaut. Der Deutschton mag zwar schlecht sein, aber im Original klingt jeder „Schauspieler" so, als würde er seinen Text ablesen, was perfekt zur äußeren Darstellung passt, da jeder völlig steif und untalentiert daher kommt, selbst die berühmten Namen im Film (Kane Hodder und Tippi Hedren), die lustlos in dieser Billigproduktion mitspielen, wie auch immer sie da reingeraten sind.

Dass der Film trotz seines Engagements inhaltlich mehr bieten zu wollen auf völlig überholte Spezialeffekte setzt, ist ein weiteres Hindernis zu einem brauchbaren Ergebnis. Gerade wenn das Wesen sich komplett sichtbar als Wolf fortbewegt, könnte die Computeranimation kaum schlechter sein. Auch der Werwolf an sich weiß optisch nicht zu gefallen. Meist sieht man jedoch ohnehin nur Stoffarme oder rote Augen.

Dass die ganze unmystische Werwolf-Mystik nur billiger Aufhänger ist, merkt man spätestens mit Blick auf die Inszenierung, die lediglich darum bemüht ist ein dreckiger Actionreißer mit harten Helden, wilden Verfolgungsjagden und blutigen Morden zu sein. Wofür dann all das Erfinden verschiedener Werwolfs-Arten weiß der Geier, ist aber so egal wie die Absicht ein billiger Schundreißer zu sein, denn ein völlig fehlbesetzter Hauptdarsteller und Sparmaßnahmen in den Goreszenen, die meist im Off geschehen, lassen nicht einmal dieses triviale Ergebnis zu. Eine FSK 16 halte ich dennoch für unpassend. Mögen die Morde auch im Off geschehen, die zerfetzten Leichen in längeren Nahaufnahmen sehen schon so heftig aus, dass eine FSK 18 trotzdem sinnvoller gewesen wäre.

Andererseits: ungeschulte, naive Blicke eines 16jährigen, der noch auf Schauwerte anstatt auf inhaltliche setzt, sind die einzige Chance auf ein tatsächliches Publikum, das eventuell nicht vorzeitig ausschaltet, ohne cineastische masochistische Tendenzen aufzuweisen. Wenn ich rückblickend entdecke was für einen Scheiß wir in dem Alter damals super fanden, ist es tatsächlich möglich, dass zumindest Jugendliche an „DarkWolf“ irgendetwas toll finden könnten. Ach, was weiß ich!


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Mittwoch, 14. Januar 2015

DAS GRÜNE BLUT DER DÄMONEN (Quatermass and the Pit 1967 Roy Ward Baker)


Eine bei U-Bahn-Grabungen entdeckte Bombe entpuppt sich als Raumschiff einer sehr alten marsianischen Rasse...


Die Teufel aus dem All...

Als das Interesse an ihren Filmen aufgrund der moderneren Konkurrenz etwas zurückging suchte man in den Hammer-Studios nach neuen Aufhängern, um sich von den all zu klassischen Stoffen zu lösen. Uninspirierte Werke wie „Hände voller Blut“ waren das Ergebnis, Verzweiflungstaten die sicher früher zur Schließung der Studios führten, als wenn man auf alten Kurs vertraut hätte. Okay, das ist reine Spekulation, aber wieviel entspannter man nach neuen Wegen suchen kann zeigt das hier besprochene Hammer-Experiment vor der Krise, welches unabhängig der beiden Vorgänger „Schock“ und „Feinde aus dem Nichts“ aus den 50er Jahren zehn Jahre nach seinem letzten Film in anderer Besetzung auf die Figur des Wissenschaftlers Quatermass zurückgreift, und dem Publikum einen wilden Mix aus Horror und Science Fiction serviert.

Gruselszenen, wie man sie aus einem klassischen Hammer-Film kennt kann man hier vergeblich suchen gehen. Zwar wird immer wieder über Spukerscheinungen geredet, sie bleiben jedoch gesprochene Theorie und werden nicht zur Spannungserzeugung in Szene gesetzt. Ohnehin ist „Das grüne Blut der Dämonen“ zunächst ein sehr theoretischer Film. Die Forschung steht im Mittelpunkt, der Zuschauer wird immer wieder Zeuge neuer Entdeckungen, welche der Story immer neue Facetten und Möglichkeiten bieten. Damit wird die zunächst als vorhersehbar geglaubte Ausgangssituation zu einem höchst überraschenden Trip mit immer neuen Wendungen.

Nicht weniger überrascht darf man sein, dass dieser anfangs durchaus absichtlich naiv erzählte Film, ähnlich wie „Colossus“, mit der Zeit immer mehr vom Zuschauer fordert, da er immer härter wird und am Ende in einem wilden, Action-reichen Finale mündet, dem hochinteressante Denkansätze zum Thema Außerirdische, Evolution und den Beginn unserer Kultur vorausgegangen sind. „Quatermass and the Pit“ (Originaltitel) ist alles andere als simple Durchschnitts-Kost, auch wenn es einige Zeit dauert bis dies dem Zuschauer bewusst wird. Lediglich seine Außerirdischen stehen ihm für diese Wirkung im Weg. Die sehen schon sehr niedlich aus und sind es erst recht, sobald wir vergangene Bilder vom Mars sichten dürfen, auf welchen die Heuschrecken-artigen, gar nicht bösartig aussehenden Wesen springlebendig ihrem Armageddon entfliehen wollen.

Aber das kann der großzügige Filmfreund und Stammzuschauer klassischer Stoffe unter Nostalgie abhaken, würde es dem Streifen doch keineswegs gerecht werden, ihn an diesem Schwachpunkt zu messen. Außerdem ist es ein höchst sympathischer Schwachpunkt, so putzig wie die Viecher aussehen. Zudem kann man über die weiteren Spezialeffekte wahrlich nicht meckern. Gerade wenn gegen Ende die Post abgeht wird alles gegeben was inmitten von Studioaufnahmen möglich war. Wie für die Hammer-Studios typisch weiß auch die Kulisse wieder zu überzeugen. Aufgrund der modernen Thematik ist sie freilich völlig anderer Art als in Erfolgsfilmen wie „Dracula“ und Co.

Dass dieses Unterhaltungsfilmchen nicht nur durch seinen selbst gesetzten inhaltlichen Anspruch und den Spezialeffekten zu gefallen weiß, zeigt ein Blick auf die Figurenzeichnung. Die Interaktion zwischen den einzelnen Charakteren funktioniert wunderbar, und gerade die Besetzung von Quatermass weiß zu gefallen, wobei ich seinen militärischen Gegenspieler auch sehr überzeugend fand, wenn auch so klassisch gecastet, dass selbst das Oberhaupt der Militär-Truppe aus „28 Days Later“ Jahrzehnte später optisch noch dem selben Figuren-Typ entsprach.

„Das grüne Blut der Dämonen“ ist ein Geheim-Tipp seiner Zeit, intelligenter und einfallsreicher erzählt als es zunächst erscheinen mag, und wenn auch nicht auf Gruselszenen setztend und damit nicht unheimlich ausgefallen, so ist er meist doch spannungsgeladen erzählt, selbst dann wenn nur über Entdeckungen geredet wird oder gegen Ende die Action das Ruder übernimmt. Regisseur Roy Ward Baker, der auch für „Embryo des Bösen“, „Die sieben goldenen Vampire“ und „Dracula - Nächte des Entsetzens“ verantwortlich war, hält die Zügel gekonnt in der Hand und schuf mithilfe eines interessanten Drehbuchs einen Genre-Mix der zu überraschen und zu überzeugen weiß. Experiment geglückt!


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Dienstag, 13. Januar 2015

DAVE (1993 Ivan Reitman)


Arbeitsvermittler Dave arbeitet aufgrund seiner Ähnlichkeit nebenher für Spaßauftritte als Double des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die Regierung bittet ihn den Präsidenten tatsächlich für einen Abend zu vertreten. Als der jedoch einen Schlaganfall erleidet muss Dave für länger einspringen...


Komplott mit Herz...

Mit „Ghostbusters“ und „Zwillinge“ machte Komödienspezialist Ivan Reitman Karriere, nachdem er mit den lauten Bill Murray-Komödien „Babyspeck und Fleischklößchen“ und „Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch“ auf sich aufmerksam machte. Wer dementsprechend bei „Dave“ nun mit einer satirischen Witzorgie rechnet liegt falsch. Satire ist „Dave“ sicherlich, bei all den Seitenhieben auf Politverbrechen, die er austeilt. Aber herausgekommen ist ein sanfter Film, eine Art Märchen für Erwachsene, das uns zeigt wie Politik im Idealfall laufen könnte, wenn Menschen mit Sozialengagement die hohen Ämter einnehmen würden.

Trotz allem kommt das System Amerikas in dieser Komödie noch viel zu gut weg. Gute Menschen gibt es bis ganz oben an der Politspitze, Intriganten sind leicht zu stoppen, und so weiter und so fort. Dass dies in „Dave“ überhaupt nicht stört liegt an den anderen Schwerpunkten die der Film setzt. Reitmans Komödie soll ein Wohlfühl-Film sein. Zwar keiner der eine komplett verschönte Politik vorlügt, aber einer der einen was-wäre-wenn-Gedanken verfolgt, welchem zu extreme Systemkritik im Weg stehen würde.

Wie erwähnt: „Dave“ ist ein Märchen. Deswegen darf sich die mit dem Präsidenten verstrittene First Lady auch in das sozialengagierte Double verlieben. Deswegen darf ein einfacher Unternehmer den Haushaltsplan sanieren (der wunderbare Charles Grodin in einer amüsanten Nebenrolle). Und deswegen läuft auch alles ganz glatt ohne dass irgendwelche Verräter, Durchblicker, Querdenker oder Zeugen die sich nicht bestechen lassen der ganzen Chose einen Strich durch die Rechnung machen - mal abgesehen vom Filmbösewicht, der irgendwann kontraproduktiv gegen Dave aktiv werden muss.

Die Geschichte die „Dave“ erzählt ist interessant, mit leichter Komik versehen und ursympathisch umgesetzt, weswegen ich mir diese Komödie auch bereits viele Male angesehen habe. Man fühlt sich einfach gut nach einem Film wie „Dave“, ganz ohne Unterforderung, ist dieses Werk doch trotz seines Märchengehalts mit Köpchen erzählt und keinesfalls so naiv ausgefallen wie es sich hier an mancher Stelle lesen mag.

Anhand der vielen Senatoren, die sich in Gastauftritten selbst spielen, merkt man freilich dass das Grundsystem der amerikanischen Regierung nicht kritisch hinterfragt wird. „Dave“ kritisiert nur die Art und Weise wie es von den Führern des Landes aus egoistischen Gründen ausgebeutet wird, jedoch ohne dabei ins Detail zu gehen. Nicht einmal Wirtschaftskritik wird angegangen. Und Jahre bevor er Gouverneur wurde, ist auch Arnold Schwarzenegger in einem Gastauftritt als er selbst mit an Bord. An berühmten Gesichtern wurde nicht gespart.

„Dave“ schaut sich jedoch aufgrund der großen Leistung von Kevin Kline so großartig, einem Mann der trotz so professionell gespielter Rollen wie in „Ein Fisch namens Wanda“, „In und out“ und „French Kiss“ nie zu den Top-Berühmtheiten der Branche wurde, obwohl er im kleinen Finger mehr Talent besitzt als viele Superstars am ganzen Körper. Kline spielt mit Herz, albert hin und wieder im stillen herum und schafft es, ähnlich wie Dieter Hallervorden in „Didi - Der Doppelgänger“ die beiden Figuren die er verkörpert in ihrer kompletten Art zu trennen, und es glaubwürdig darzustellen wie der anfangs noch naive Dave mit der Zeit in die Rolle des Präsidenten hineinwächst und erkennt wie er sich aus der Rolle der Marionette befreit bekommt.

„Dave“ verschweigt einige Polit-Probleme um seine Geschichte so erzählen zu können wie er es möchte. Und auch die Erklärung warum Dave den Platz des Präsidenten einnehmen soll ist sicherlich nicht wirklich überzeugend ausgefallen (wenn dafür aber wenigstens aufgrund der Situation psychologisch glaubwürdig). Aber all das wäre nur wirklich relevant, wenn es Reitman um mehr als einen leichten Stoff gegangen wäre. Oder wenn er all dies weglassen würde, um einen unangenehmen, manipulativen Propagandafilm zu drehen, was im Blockbuster-Kino Amerikas keine Seltenheit wäre, man schaue nur mal auf den fragwürdigen „Mensch, Dave!“ mit Eddie Murphy.

„Dave“ weiß als das zu gefallen was er ist. Mehr noch: innerhalb seiner Nische ist er ein großartiger Film mit Köpfchen, der ehrlich zu Herzen geht, überzeugend gespielt ist (Sigourney Weaver erweist sich als wahrer Glücksgriff für die Rolle der First Lady) und uns einfach mal in einem Bereich zum träumen verführt, der im Idealfall gar kein Traum sein sollte. Aber welcher Realist glaubt in einer Welt voll von Graustufen noch an so etwas wie den Idealfall? Den kann es nie geben, und das weiß zu frustrieren. Deswegen ist es auch so wichtig, dass es erwachsene Märchen-Filme wie „Dave“ gibt. Es ist mir unverständlich warum dieses wundervolle Werk so wenigen Menschen ein Begriff ist.

Montag, 12. Januar 2015

DER SATAN MIT DEN 1000 MASKEN (How to Make a Monster 1958 Herbert L. Strock)


Als ein Maskenbildner für Filmmonster gefeuert wird, nimmt er Rache, in dem er zwei junge Schauspieler in ihren Monsterkostümen mit einer selbstentwickelten Creme unter seine Kontrolle bringt. Die bringen nichtsahnend jene Menschen um, an denen der Maskenbildner sich rächen möchte...


Hinter den Kulissen...

Ein Jahr nachdem Samuel Z.Arkoff mit „I Was A Teenage Werewolf“ und „I Was A Teenage Frankenstein“ zwei berühmte Filmmonster im Teen-Alter auf das Publikum losließ, nutzte er die Resteverwertung der Masken, um einen augenzwinkernden Blick hinter die Kulissen des Filmemachens zu werfen. Das Projekt welches beide Monster zusammenführen sollte, unter der Regie des selben Regisseurs der für die Teenie-Frankenstein-Variante verantwortlich war, sollte offiziell in den Studios von Arkoff spielen, und damit auch mit der Monsterfilm-Branche an sich, die laut den im Film neuen Besitzern der Studios out und damit nicht mehr erwünscht sind.

Zu viel von dem Schund wurde gedreht, heißt es dort, und das ist ein höchst selbstironischer Moment, war es doch Arkoff, der Monsterfilme am Fließband produzierte, gerne unter der Regie von Horrorfilm-Legende Roger Corman. „Der Satan mit den 1000 Masken“ ist also definitiv augenzwinkernd gemeint. Sicherlich ist man auch an Werke wie „Die Rache der schwarzen Spinne“ und „Beast from Haunted Cave“ nie todernst herangegangen. Grusel sollte Spaß machen. Aber nie war die distanzierte Grundhaltung so deutlich zu erkennen wie hier. Glücklicher Weise wird der Streifen dabei keinesfalls zur Komödie wie ein „Invasion of the Saucer Men“. Er ist erzählt wie die typischen Produktionen Arkoffs dieser Zeit.

Als putziger kleiner Trivialfilm weiß „How to Make a Monster“ (Originaltitel) dann auch zu gefallen. Allein seine wahnwitzige Grundidee lässt es gar nicht zu den Streifen ernst zu nehmen. Es gehört für den Zuschauer schon Spaß am freiwilligen Schund dazu, gewollter Trash sozusagen, um mit dem Werk etwas anfangen zu können. Und auf dieser Ebene weiß Herbert L. Strocks Horrorfilm dann auch zu gefallen. Die Geschichte ist typisch naiv für seine Zeit vorgetragen. Der Plan des Bösewichts völliger Irrsinn. Das ganze Vorhaben zusammen mit einem dümmlichen Mitwisser durchzuführen, der ein wenig an Stan Laurels Doof-Rolle erinnert, kann als noch irrsinniger bezeichnet werden und wird dem Schurken freilich irgendwann zum Verhängnis. Ebenso wie seine keine Grenzen kennende Selbstüberschätzung.

Aber eines muss man ihm lassen: er ist toll gespielt. Robert H. Harris hebt sich in der Rolle des wahnsinnigen Maskenbildners angenehm vom talentlosen Rest ab. Er scheint ein gelernter Schauspieler zu sein, so souverän wie er sich in diesem eigentlich lächerlichen Film konsequent in seine Rolle einfühlt. Das tut dem Streifen sichtlich gut, der dem gewohnten roten Faden einer solchen Story folgt, und bis auf seinen schrägen Aufhänger keine weiteren Überraschungen zu bieten hat und aufgrund seiner Sympathie somit im angenehmen Mittelfeld der 50er Jahre Monsterfilm-Produktionen dümpelt. Der Schluss ist ein wenig enttäuschend, aber auch nicht gerade untypisch für seine Zeit, weder die Geschehnisse noch die arg plötzlich erscheinende The End-Schrift betreffend.

Freunde solch alter, wunderlicher Werke werden ihre Freude mit „Der Satan mit den tausend Masken“ haben. Nie bremst der Film sich aus, nie steht er auf der Stelle. Auch bei den Attacken der „Filmmonster“ setzt man nie auf unnötige Wiederholung von ein und der selben Idee. Und wer sich in den Werken Samuel Z. Arkoffs auskennt, wird einige im Hintergrund erscheinende Masken auch manchem Film zuordnen können. Die darf man im Finale gar in Farbe erleben, denn ab da wo das Privatreich des Psychopathen betreten wird wandelt sich der Schwarz/weiß-Film zum Farbfilm. „Der Zauberer von Oz“ lässt grüßen.


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Sonntag, 11. Januar 2015

KOKOWÄÄH 2 (2013 Til Schweiger)


Henry und Katharina gehen getrennte Wege auf Zeit. Stattdessen zieht nun Tristan pleite bei Henry ein, womit Magdalena nun zwei Papas unter einem Dach wohnen hat. Die wiederum ist in einen Schulfreund verliebt, während ein anderer ihr den Hof macht...


Nichts zu erzählen...

Es ist schon ein Leid mit Til Schweiger. Gerne wird auf der Seite von Filmfreunden gegen ihn gehetzt, da er sich eher der Massenware verschrieben hat. Dabei hat er ein Händchen für Projekte, die aufgrund ihrer Sympathie erfolgreich sind und nicht allein aufgrund ihrer Berechenbarkeit. Leider belässt es Til nach einem Erfolg nicht dabei. Hat er schon seinen sehr süß erzählten „Keinohrhasen“ die völlig unnötige Fortsetzung „Zweiohrküken“ beschert, die einfach nichts zu erzählen hatte, so hat er Gleiches nun dem besseren Werk „Kokowääh“ angetan.

Die Geschichte von „Kokowääh“ wäre interessant fortzsetzen gewesen, ganz im Gegensatz zu „Keinohrhasen“. Was hätte man da alles erzählen können! Und für was entscheidet sich Til? Für eine Fortsetzung die alles und nichts erzählt, keine interessanten Schwerpunkte setzt, mit liebgewonnenen Charakteren lustlos jongliert und sie nach Lust und Laune verändert, so wie man sie gerade für die nächste Situation benötigt. Das könnte man vielleicht noch bei einer Vorabend-Serie gut heißen, nicht aber bei einem Kinofilm, von dem klar war dass er aufgrund des Erfolges von Teil 1 viele Zuschauer in die Lichtspielhäuser locken würde.

Sicherlich hat „Kokowääh 2“ auch seine angenehmen Momente, allein dass Schweigers Tochter nun noch natürlicher wirkt als in Teil 1 ist schon das Zuschauen wert, wobei ich das Gefühl hatte dass es gar nicht so viele Magdalena-Szenen gab die eine Nennung zur zweiten Hauptrolle rechtfertigen könnte. Vielleicht täuscht das aber auch nur aufgrund der vielen unnötigen Sub-Plots, die nirgendwohin führen. Vieles wirkt zu aufgesetzt. Allein was mit der Rolle des Tristan angestellt wurde, die ihn nur noch zum würdelosen Volltrottel degradiert, ist eine Schande. Eine selbstverliebte Nebenhandlung mit Matthias Schweighöfer, die krampfhaft versucht darzustellen wie sehr der beliebte Schauspieler über sich selber lachen kann, geht gewaltig auf die Nerven und mag es noch so ehrlich gemeint sein, wovon ich ausgehe.

Umgekehrt sind es bei all den aufgesetzten Momenten die eigentlich kitschigen, die zu gefallen wissen. Das muss ich eingestehen. So ist der Schluss z.B. sehr süß erzählt, auch wenn es sicherlich nicht der Traum einer 9jährigen ist eine romantische Hochzeit mit einem Jungen ihres Alters zu spielen. Aber was soll man klagen, wenn es auf der Leinwand doch zu wirken weiß?

Vielleicht hätte „Kokowääh 2“ als leichte, nichts zu erzählende Fortsetzung noch hingehauen, wenn Schweiger wenigstens ein bisschen an dramatischen Zutaten gespart hätte. Spätestens der Beischlaf zwischen zwei liebgewonnenen Figuren wirkt völlig fehl am Platz und hemmt die Leichtigkeit, die sonst, Probleme hin oder her, über dem Projekt schwebte.

Mir persönlich wäre es lieber gewesen erzählt zu bekommen wie sich beide Väter nun in einer zur Alltag gewordenen Situation miteinander arrangiert bekommen. Da bot der Schluss von Teil 1 doch schon einige anregende Ideen. Es wäre vielleicht auch interessant gewesen erzählt zu bekommen, ob Magdalena vielleicht Probleme mit dem Mann bekommt, der gar nicht ihr Vater ist. Eine lebensnahe Geschichte wäre wünschenswert gewesen, gerade nach Teil 1 der, Happy End und Massengeschmack hin oder her, sich doch recht natürlich angefühlt hat. Er wirkte wie ein Herzensprojekt von Til Schweiger. Das Zusammenspiel zwischen ihm und seiner Tochter wusste zu wirken, teilweise die Dimension der Leinwand sprengend, da man als Zuschauer ja wusste, dass das Verwandschaftsverhältnis der beiden Hauptrollen der Wirklichkeit entsprach.

Sicherlich ist eine Fortsetzung immer eine rein rechnerische Sache. Sie soll Geld für interessantere Filmprojekte einspielen. Vielleicht ist es gut, dass Emma Schweiger dies zu Beginn ihrer Karriere vom Vater früh lernt um die Materie im Gesamten zu begreifen. Ich verstehe nur nicht, wie man „Kokowääh 2“ so extrem lieblos dahinschludern konnte, wo doch so viel mehr möglich gewesen wäre, vielleicht noch ein paar Jahre wartend um von der etwa 12 jährigen Magdalena zu erzählen. Leider hat diese Fortsetzung eines wunderschönen Filmes so gar nichts zu erzählen, bzw. sie will nichts erzählen. Sie täuscht Erzählung vor, indem sie uns bekannte Figuren etwas anderes erleben lässt, so banal es auch sei.

Ich kann das noch bei einer Fortsetzung wie „Zweiohrküken“ verstehen, auch wenn ich bereits dort enttäuscht von der Penetranz war, wie plump man Erfolge weitererzählen kann, ohne echte Ambitionen. Aber wieso musste „Kokowääh“ ein solch uninspirierter Schnellschuss von Sequel beschert werden? Anhand der Ausgangsposition von Teil 1 hätte es doch so viel natürliches zu erzählen gegeben, ohne die ganzen Figuren um 180 Grad zu drehen. Bei solch einfallslosen Fortsetzungen braucht es nicht wundern, dass so viele ignorante Kinogänger irrtümlich glauben Til Schweiger könne es nicht besser.

THE DEVIL'S ROCK (2011 Paul Campion)


Zwei neuseeländische Soldaten schleichen sich 1944 auf einer Insel in eine deutsche Festung. Einer stirbt, der andere gerät in Gefangenschaft. Der Oberbefehlshaber der Deutschen ist der letzte Lebende seiner Truppe. Er versucht den Gefangenen davon zu überzeugen, dass die Frau, die er ebenfalls gefangen hält, eine Dämonin ist, die für den Tod seiner Männer verantwortlich ist...


Traue niemals dem Feind...

Ja ja, die Nazis und ihre verrückten übernatürlichen Ideen die Welt zu erobern! Auf diese fixe Idee bauen etliche Horrorfilme auf, und diesmal geht es wieder mal um Hitlers angebliche Leidenschaft für das Okkulte. In den meisten Fällen fallen Billigfilmchen dieser Thematik arg trashig aus. Ernst nehmen kann man sie aufgrund ihrer naiven Grundlage alle nicht, und „The Devil‘s Rock“ ist da leider auch keine Ausnahme. Allerdings muss ich ihm zugestehen, dass ich lange Zeit geglaubt habe es hier mit einem besseren Vertreter seiner Zunft zu tun zu haben, sind die ersten 20 Minuten doch hochatmosphärisch und spannungsfördernd inszeniert, und die Darsteller erledigen ihre Arbeit ebenso gut wie die Verantwortlichen auf der technischen und theoretischen Seite.

Zu früh wird uns leider die Wahrheit der Geschehnisse in der Festung offenbart, damit verliert der Streifen seine Mystik und wird leider aufgrund ewiger Beteuerung einander vertrauen zu müssen und der Schwierigkeit sich darauf einzulassen zu geschwätzig. Das ist schon schade, ist doch gerade dies der Kern der Geschichte, der den eigentlichen Reiz ausmacht. Kannst du deinem Feind aufgrund der Anwesenheit eines noch größeren Feindes vertrauen? Und dies in einem Film mit dem klassischen Weltbild, in welchem Nazis zu unmenschlichen Monstern degradiert werden, wie es bei Werken aus dem englischsprachigem Raum üblich ist?

Um diesem Kern mehr Kraft zu geben hätte man die Übernatürlichkeit der Frau länger im Zweifel halten müssen. Aber die drei Drehbuch-Autoren fallen viel zu schnell mit der Tür ins Haus, und da sie uns eine klassische Dämonengeschichte präsentieren, kann ich den Film ab der Aufdeckung seines Geheimnisses auch nicht mehr ernst nehmen. Die wahre Gestalt könnte klassischer kaum aussehen: ein roter Körper mit Hörnern versehen. Und ihre Waffe ist das Wort und ihr wandlungsreicher Körper. Aber wer würde dieser Frau in vertrauter Gestalt verfallen, wenn er vorher mit ansehen durfte wie ihr wahres Ich aussieht und der dabei zusehen musste, wie das Wesen Leichenteile verspeist hat? Wie notgeil kann dann noch ein Mann sein? Wie ernst kann man einen solchen Stelzbock nehmen, wenn ihn diese Gelüste trotz allem zuvor Erlebten in seinem Glauben wanken lassen?

Somit wurde aus einem Film mit Potential das klassische nicht ernstzunehmende Stück Horrorunterhaltung, durchaus gourtierbar aber nicht in der Lage ernst genommen zu werden. Ein klassischer Dämon in Gestalt einer verführerischen Frau, der einen lüsternen Mann emotional umgarnt, so etwas kann keinen Schrecken oder Grusel verbreiten. So etwas funktioniert nur als augenzwinkernde Trivialunterhaltung. Aber man sieht „The Devil‘s Rock“ an, dass er mehr sein möchte und sich sichtlich mit seinem Anliegen verhoben hat.

Vielleicht wäre die Rechnung noch aufgegangen, wenn der innere Konflikt um das Vertrauen mit dem Nazi noch etwas spezieller umgesetzt worden wäre, wenn man als Zuschauer näher dem Zweifel des Neuseeländers gekommen wäre, seinem inneren Konflikt näher hätte beiwohnen dürfen. Aber allein die Charakerisierung des Nazis macht eine finale Wendung diesbezüglich schon viel zu deutlich, so dass auch dieser reizvolle Storyaspekt in dieser schlichten Art der Umsetzung und inmitten der parallel laufenden lächerlichen Horror-Story nicht zu wirken weiß.

Zumindest macht „The Devil‘s Rock“ trotzdem Spaß, vorausgesetzt man kann mit der Enttäuschung umgehen, so stark wie der Streifen begonnen hat. Zu Beginn war er auf einer Höhe mit „Outpost“, jenem Streifen zur Thema übernatürliche böse Nazis, den man noch am ehesten ernst nehmen kann. Der schaffte es seine Atmosphäre bis zum Schluss beizubehalten, Regisseur Paul Campion, für den der hier besprochene Streifen sein Langfilm-Debut ist, schafft dies nicht. Da jedoch nie Langeweile aufkommt und das ganze trotzdem recht putzig zu schauen ist, ist sein Werk zumindest besser ausgefallen als der olle „Horrors of War“. Aber was hat das schon zu heißen? Selbst der sympathisch trashige „Schreckensmacht der Zombies“ ist „The Devil‘s Rock“ vorzuziehen.

Samstag, 10. Januar 2015

GOOD ADVICE - GUTER RAT IST TEUER (Good Advice 2001 Steve Rash)


Der arbeitslose Broker Ryan Turner übernimmt aus Verzweiflung heimlich die Lebensberatungs-Kolumne seiner Ex-Freundin in einer kleinen Zeitung, um finanziell über die Runden zu kommen. Je mehr er sich mit der Psyche der Frauen befasst, umso besser werden seine Ratschläge. Nach kurzer Zeit ist seine Kolumne so beliebt geworden, dass es immer schwerer wird den Betrug geheim zu halten, erst recht vor Chef-Redakteurin Page Hensen, in die sich Ryan verliebt hat...


Fragen Sie Frau Ryan Turner...

„Good Advice“ ist eine dieser US-Komödien, die dem Publikum mit den niedrigsten Erwartungen genau das geben was sie sehen wollen: eine vorhersehbare Handlung ohne den Hauch an Überraschungen, die typisch dazu passende Figurenkonstellation, eine Dramatik weichgespült ohne Gefahr laufen zu müssen kein Happy End erleben zu dürfen und ein Humorpotential bietend, das nur jene Komik zulässt, die automatisch mit der erzählten Geschichte einher geht. Natürlich darf man auch um die Psychologie der ganzen Sache nichts geben, die ist besonders dürftig ausgefallen. Da reicht das Lesen einiger Frauenzeitschriften um aus dem Chauvi Ryan einen sensiblen Frauenversteher werden zu lassen.

Wenn ich mich geistfrei und unverkrampft mit einer leichten Komödie unterhalten lassen will, gehöre ich zu besagtem anspruchslosem Publikum. Klar würde auch ich mich über mehr psychologische Glaubwürdigkeit und einige überraschende Momente freuen, aber „Good Advice - Guter Rat ist teuer“ ist unterhaltsam genug um mit zurückgeschraubten Erwartungen seinen Spaß zu haben.

Die Romantik zwischen den beiden Hauptfiguren weiß zu gefallen ohne dass man gleich wie bei einer richtig guten Romantikkomödie dahinschmelzt, und ohnehin ist es die sympathische Besetzung, die das 08/15-Gerüst der ganzen Chose gerettet bekommt. Ob es ein von mir immer wieder gern gesehener Jon Lovitz in einer Nebenrolle ist, eine Denise Richards, die ich genau wie hier erleben möchte, da ich sie nicht leiden kann, oder Charmeur Charlie Sheen in der Hauptrolle, den man gar nicht anders als wie hier oder in „Two and a Half Men“ charakterisiert sehen möchte, sie alle bescheren „Good Advice“ das nötige Flair um routiniert angenehm unterhalten zu werden.

Regisseur Steve Rash reißt sich kein Bein aus. Es braucht nicht wundern dass ein solcher Durchschnitts-Regisseur mittlerweile Videoableger zu Kinoerfolgen wie „Road Trip“ und „American Pie“ abliefert. Aber er konnte auch mal anders, hat er doch in seiner frühen Zeit die herrlich charmante Teenie-Romanze „Can‘t Buy Me Love“ mit Patrick Dempsey inszeniert, die ich mir immer wieder angucken kann. Sechs Jahre später war er bereits auf dem schlichten Niveau eines „Schwiegersohn Junior“ angekommen, den man mit viel Wohlwollen noch geguckt bekommt. Was das betrifft war „Good Advice“ auf jeden Fall wieder ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch kein nennenswerter.

Steve Rash schafft es, dass man sich beim Sichten einer überraschungsfreien Standard-Story wohl fühlt, und ein solch schlichtes Ergebnis reicht um mich nach Feierabend oder an kranken Tagen unterhaltungstechnisch zufrieden zu stellen. Gerne darf es der große Film der überschäumenden Gefühle sein. Manchmal reicht aber auch der kleine Ableger solcher Werke, auch wenn es mich immer wieder wundert, dass ich hin und wieder mit solcher Vorhersehbarkeit zufrieden zu stellen bin.

Freitag, 9. Januar 2015

DER FLUCH VON SINIESTRO (The Curse of the Werewolf 1961 Terence Fisher)


Im Erwachsenenalter muss Leon auf schmerzhafte Weise erfahren, dass ein Werwolf-Fluch in ihm schlummert, der nur durch wahre Liebe besiegt werden kann...


Eine haarige Angelegenheit...

Ich hatte mich sehr auf „Der Fluch von Siniestro“ gefreut, klang es doch interessant dass sich die Hammerstudios zu ihrer Bestzeit der Werwolf-Thematik widmeten und dieses Projekt auch noch Regisseur Terence Fisher überließen, der solche Meisterwerke hervorbrachte wie den ersten „Dracula“ mit Christopher Lee oder die tolle Jekyll und Hyde-Verfilmung „Schlag 12 in London“. Der hier besprochene Film gehört jedoch leider zu seinen missglückten Ausnahmen wie „Brennender Tod“ oder „The Earth Dies Screaming“, auch wenn der Vergleich zu letztgenanntem Streifen dann doch etwas hart ausfällt.

Das Problem an „Der Fluch von Siniestro“ ist noch nicht einmal das von fast jedem Schauspieler zelebrierte Overacting. Dies weiß gerade zu Beginn sogar zu wirken und bindet einen emotional an das tragische Schicksal des Bettlers, mit dem alles losgehen wird. Auch die fast schon komödiantische Darstellung des Grafen, wenn dieser sein greises Alter erreicht hat, besitzt ihren Charme und verdeutlicht eine gewisse Distanz des Werkes her wie ein Comic für Erwachsene wirken zu wollen anstatt wie ein all zu sehr auf Realität schielendes Horror-Drama.

Leider ist „The Curse of the Werewolf“ (Originaltitel) zu sprunghaft erzählt. Ständig wechselt er Zeiten und Orte und damit die Personen im Mittelpunkt. Dies lässt ihn jedoch aufgrund der jeweils nur angerissenen Geschichte nicht wie einen Episodenfilm schauen, sondern einfach nur wie eine unsensible Erzählung, die krampfhaft versucht ihre Vorgeschichte möglichst kompakt vorzutragen. Dass hierfür auch Hintergrundinformationen durch zeitlichen Stress in Erklärungsnöte geraten und uns nur notdürftig die für den weiteren Verlauf obligatorischen Informationen mit auf dem Weg gegeben werden, ist nicht nur aufgrund der Hetze und Lückenhaftigkeit unangenehm zu nennen, sondern auch aufgrund der damit einhergehenden fehlenden Glaubwürdigkeit, die auch ein Comicfilm bis zu einem gewissen Grad einfangen muss.

Alle Figuren können sich schnell mit ihrem unheimlichen Wissen anfreunden. Selbst der Pfarrer schlägt nicht Alarm bei dem von einem fremden Wesen besessenen kleinen Jungen. Dieser hält sein Treiben nur für einen Traum, sein Ziehvater hingegen zieht viel zu schnell die wahren Schlüsse. Aus kaum nachvollziehbaren Gründen legt man den Mantel des Schweigens auf den Fluch, hauptsächlich in der Hoffnung dass er nie wieder ausbrechen möge.

Im Jetzt angekommen, wo die Hauptgeschichte etwa zur zweiten Filmhälfte endlich in Angriff genommen wird, wird das Niveau jedoch nicht besser. Zu distanziert ist das Spiel des Helden, mit dem man einfach nicht warm werden möchte. Zu gehetzt wirkt auch hier der Aufbau eines Grundgerüstes für kommende Ereignisse, das uns im Schnellverfahren zum einen den Wunsch zur Selbstverwirklichung nahe bringt und uns dafür eine lange Reise suggeriert, die im nachhinein doch nur in ein benachbartes Dörfchen führt, und uns zum anderen viel zu plötzlich die Information zuspielt, dass der junge Mann ein Verhältnis mit der Tochter seines Chefs hat. Aber so ist das halt, wenn man für den Haupterzählstrang nur einen halben Film lang Zeit hat.

An Charme der Figuren mangelt es auch im Hauptteil immer noch komplett, und das bleibt auch so bis zum hektischen Schluss, in welchem zwar endlich einmal die Post abgeht, der Film aber inkonsequent auf ein dramatisches Finale zusteuert, ohne zumindest ein mögliches Happy End vorzutäuschen, wo dies doch möglich gewesen wäre, da Leons wahre Liebe vor Ort des Massakers, welches der Werwolf anrichtet, anwesend ist. Die Kulisse weiß zu gefallen, das tat sie im übrigen schon den ganzen Film über und konnte zumindest in diesem Punkt das übliche Niveau der Hammer-Studios halten. Letztendlich spielt sich das Finale aber auf viel zu engem Raum ab, weshalb eine wahre Bedrohung gar nicht aufkommen mag.

Auch der Werwolf weiß optisch zu gefallen, ist aber auf die Geschichte gesehen eine Mogelpackung, hält man sich doch nicht an die klassische Vorgeschichte eines Werwolfs. Ginge es nach der Logik von „Curse of the Werewolf“ würde er in jedem von uns schlummern und käme dann heraus, wenn wir über viele Jahre in einen Kerker eingesperrt wären. Zumindest lässt sich ein moderner Glaube an die Genetik erkennen, wird der Fluch doch quasi vererbt. Warum das ganze dann trotzdem in einem Gespräch mit einem Gottesmann einen dämonischen Hintergrund zugedichtet bekommt weiß der Geier, zeigt aber nur auf ein neues wie unausgegoren die komplette Geschichte erzählt ist.

„Der Fluch von Siniestro“ ist weder charmanter Comic, noch emotionales Horror-Drama, noch ein spannungsgeladener übernatürlicher Thriller. Wäre die Erzählung nicht so holprig, spätestens der nervende Soundtrack würde eine emotionale Identifikation mit den zentralen Figuren verhindern. Der Film ist ein Stückwerk, das in der gewählten Erzählform nicht zu funktionieren weiß und nur in Ausnahmeszenen, sowie anhand von Randfiguren zu überzeugen weiß. Für eine Hammerproduktion ist das schon ein Armutszeugnis. Terence Fisher kann es wahrlich besser, wie auch ein Blick auf seinen „Sherlock Holmes und das Halsband des Todes“ oder sein „Der Hund von Baskerville“ zeigen. Von dem Talent welches er in seinen guten Werken an den Tag legte, ist hier nichts zu bemerken. Das ist so traurig wie erstaunlich.


Weitere Reviews zum Film:

DIE MEUTE (La Meute 2010 Franck Richard)


Als bei einem Zwischenstop in einer Trucker-Kneipe der Anhalter den sie mitgenommen hat spurlos verschwindet, bricht die junge Charlotte nachts in besagte Kneipe ein, um den Verschollenen zu finden. Sie gerät in Gefangenschaft und wird Teil von etwas, das als großes Geheimnis behütet wird...


Das Blutgericht der Zombies...

Es ist sicherlich keine uninteressante Idee sich als Debutfilm dem Versuch zu nähern die beliebten Sub-Genres des Backwood-Horrors und des Zombiefilms vereinen zu wollen. Der französische Horrorfilm genießt ohnehin aufgrund seiner hohen Brutalitätswelle eine große Beliebtheit, da kann man als Regie-Neuling ruhig etwas wagen. Werke wie „High Tension“ und „Frontier(s)“, denen der französische Horror u.a. zur Zeit seinen hohen Ruf verdankt, konnten mich jedoch nicht überzeugen. Und um es gleich vorweg zu nehmen: „Die Meute“ kann es auch nicht.

Im Gegensatz zu den anderen beiden gerade erwähnten Filmen ist es jedoch schade drum, denn so einige Grundvoraussetzungen wissen zu gefallen. Das ist neben dem Kreuzungsversuch der Sub-Genres der sehr ruhige Erzählstil, die sympthisch gezeichnete Außenseiterin in der Hauptrolle, die talentierten Darsteller (von den nervigen Rockern einmal abgesehen), der interessante Aufbau der Geschichte und ganz vorne an die wirklich gut eingefangene Optik des Streifens, welche „La Meute“ (Originaltitel) auch in seinen schlechten Momenten noch gut aussehen lässt.

Allerdings ist dieser Drang alles in besondere Bilder zu tauchen auch ein Hauptgrund dessen, warum Franck Richards Werk im Gesamten nicht zu funktionieren weiß. Viel zu sehr ist man um die stylische Ambiente bemüht, vernachlässigt werden dadurch der Spannungsbogen (selbst das im hohem Gras spielende Finale) und die Logik der ganzen Geschichte. Figuren verhalten sich merkwürdig, ja geradezu dusselig, ohne dass man auf den Individualitätsbonus setzen kann, der Figuren mit ihrer besonderen Art einen besonderen Charakter verleiht. Und wie beide Filmgattungen erzähltechnisch zusammengeschmiedet werden ist auch nicht gerade von geistreichem Talent gesegnet.

Gerade mit Blick auf das was die Heldin durchmachen musste, bevor die Zombie-ähnlichen Monster in Erscheinung treten, ist der Film dem Zuschauer doch einige Erklärungen schuldig. Die paar die er uns gnädig zuwirft geben der Sache einen groben Hintergrund, aber keinen Sinn. Deswegen weiß auch die Schluss-Pointe, an der sich der überraschend geglückte „Texas Chainsaw“ drei Jahre später bedient hat, nicht zu wirken.

Die Vorbereitung auf das Finale im „Nacht der lebenden Toten“-Stil verliert ihre Wirkung, da man nicht weiß warum gewaltbereite Rocker dem flüchtenden Paar plötzlich helfen, zumal sie die Geschichte der Rächer aus dem blutgetränkten Boden für Blödsinn halten. Außerdem versteht man die Umpositionierung eines der Bösen auf die Seite der Guten nicht und warum unsere Heldin diesem vertraut. Dass auch die nicht todzukriegende Fette, die draußen aus welchem Grund auch immer Wache hält, dem ganzen Szenario in Sachen Logik und Nachvollziehbarkeit ebenfalls nicht gut tut, ist das letzte Puzzlestück das erklärt, warum eine interessante, gut abgefilmte Geschichte selbst dann nicht zu wirken weiß, wenn sie beim Großmeister Romero abkupfern will.

Zumindest ist „Die Meute“ trotz seiner ruhigen Erzählweise nie langweilig. Und trotz jeglichem Unsinns bleibt immer ein Stück Restinteresse bestehen, was den uninteressanten Schluss nach dem Finale allerdings um so ärgerlicher macht. Am Ende hat man zumindest einem interessanten Genre-Mix-Versuch in schönen Bildern beiwohnen dürfen. Und wer auf geschmacklose Witze steht, darf einen solchen noch mit nach Hause nehmen, vorausgesetzt er bekommt diesen fehlerfrei nacherzählt. Ich habe im Horrorbereich schon schlechteres gesehen. Für einen modernen französischen Horrorfilm ist der Streifen was die Goreeffekte betrifft übrigens noch halbwegs zahm ausgefallen - freilich nur im direkten Vergleich.


Weitere Reviews zum Film: