Jahre bevor Demi Moore in Charles Bands „Killerparasit“ Bekanntschaft mit einem unangenehmen Gewürm machte, und lange bevor Henenlotters „Elmer“ auf humoristischem Wege von sich reden machte, da kam ein junger unverbrauchter Cronenberg daher und servierte uns „Shivers“ (Originaltitel), einen Parasiten-Film für harte Gemüter für den etwas anderen Science Fiction- und Horrorgeschmack. „Parasiten-Mörder“ verlangt viel vom Zuschauer ab. Wir bekommen harte Bilder in ernster Umsetzung vorgesetzt. Hier wird nicht um den heißen Brei geredet. Hier geht es ans Eingemachte.
Das lässt den Film freilich nicht zum billigen Trash verkommen, so etwas ließ Cronenberg schon in frühen Jahren nicht zu, egal wie trashig einladend seine Geschichten in der Theorie auch meist klangen. Und selbst der zentrale sexuelle Aspekt, der aus „Shivers - Der Parasitenmörder“ (Alternativtitel) eine Art Sex-Zombiefilm macht, kann die ernste, beunruhigende und gelungene Ausstrahlung des Streifens nicht verhindern. Gute Schauspieler, gekonnte Kameraarbeiten und Cronenbergs Regietalent unterstützen ein Drehbuch, welches den Mut besitzt die bizarre Idee erwachsen und düster zu erzählen.
Inhaltlich setzt der Film parallel bei mehreren Personen an, was auch ratsam ist in einer Geschichte, die in einem Hochhaus spielt. Cronenberg will den Überblick der Ereignisse behalten. Er will uns Schritt für Schritt am Ausbruch der Seuche teilhaben lassen, um die Hoffnungslosigkeit des Szenarios deutlich zu machen. Das gelingt ihm auch sehr gut, so dass „Parasiten-Mörder“ eine gute Übung für den zwei Jahre später folgenden „Rabid“ war, der ähnliches auf weiterem Raum erzählte.
Dieser und „Die Brut“ sind jedoch wesentlich ausgereifter erzählt als dieses besonders frühe Langfilm-Frühwerk des späteren Meisters des Körper-Horrors, denn so sehr es Cronenberg auch gelingt den Überblick zu behalten und den Zuschauer gekonnt zu beunruhigen, so sehr krieselt es doch im letzten Drittel, wenn nicht alles ein durchdachtes Gesamtes aufgrund der Widersprüchlichkeiten im Verhalten der Infizierten ergibt, und der Film den Eindruck macht auf ein schnelles Ende zuzusteuern. Ob Kosten, Drehzeit oder nervige Produzenten einem besseren Ergebnis im Weg standen ist mir nicht bekannt, aber irgend etwas muss während der Produktion schief gelaufen sein, vergleicht man das wackelige Finale mit dem Rest.
Akzeptiert man das wechselhafte Verhalten der Infizierten und die theoretisch widersprüchliche Schluss-Szene, weiß jedoch auch der konsequente Schlussteil der Geschichte zu gefallen, packt Cronenberg die sich zuspitzende Situation doch in düstere Bilder, die einfach zu gefallen wissen. Als Deutscher darf man freilich über die mangelnde Freizügigkeit schmunzeln, wenn innerhalb einer Geschichte mit allerhand Sex kaum Nackedeis zu sehen sind und stets komplett angezogen gerammelt wird. Kanada war einst scheinbar genauso prüde wie Amerika. Diese Inkonsequenz nagt freilich an der Glaubwürdigkeit des in jeglichen anderen Punkten diesbezüglich geglückten Streifens.
Trotz extremer Bilder, geforderter Zuschauer und einer intelligenten Umsetzung wankt das Bild von „They Came from Within“ (Alternativtitel) im Vergleich zu späteren Cronenberg-Werken also noch. Aber das ist ein strenger Vergleich auf hohem Niveau, so extrem wie das Seherlebnis ausgefallen ist. Wie die Bewohner des Hochhauses nach und nach Opfer der herumwütenden Menge kranker Menschen werden, dürfte Lamberto Bava sicherlich zu seinem „Dance of the Demons 2“ inspiriert haben. Doch noch lange bevor Cronenberg die Situation hochschaukeln, ja geradezu eskalieren lässt, weiß er auf ruhige Art sich zunächst auf den Beginn der Krankheit bei einzelnen Betroffenen zu konzentrieren. Dieses Zelebrieren der Veränderungen des Körpers war sicherlich eine gute Übung für seinen in den 80er Jahren erschienenen „Die Fliege“, der die hier erzählte Vorphase zum Mittelpunkt der Neuverfilmung des 58er Originals machte. OFDb
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