Donnerstag, 31. Dezember 2015

EX MACHINA (2015 Alex Garland)


Als der Programmierer Caleb aufgrund eines gewonnenen Preisausschreibens seinen Firmenchef, das Computergenie Nathan, auf dessen abgelegenen Wohnsitz kennen lernen darf, eröffnet dieser ihm, dass er Teil eines Experiments sein darf. Nathan hat eine künstlich intelligente Frau entwickelt und Caleb soll testen und beurteilen ob sie tatsächlich ein eigenes Bewusstsein hat oder nicht...


Duell der Geister...

Das Thema künstliche Intelligenz wird immer wieder in höchst interessanten Filmen verarbeitet. Ob man es lediglich als Aufhänger wie in „Terminator“ oder „Matrix“ verwendet, oder intelligent verarbeitet mit philosophischen Denkansätzen wie „Blade Runner“ und „Ghost in the Shell“, das Thema verliert auch bei seiner x-ten Verwendung einfach nicht an Reiz. Erst kürzlich zeigte der Streifen „her“ auf recht andere Art wieviel Potential noch immer in diesem anspruchsvollen Stoff vorhanden ist, und nur zwei Jahre später kam aus England ein ähnlich ernstzunehmendes Gedankenspiel zu dem Thema auf dem Markt: „Ex Machina“.

Alex Garlands Werk weiß auf so ziemlich jeder Ebene zu gefallen. Die Geschichte wird mit nur wenigen Personen erzählt und bietet uns eine Ausgangslage mit der viele Erzählebenen möglich sind. Das Interesse des Zuschauers ist dementsprechend schnell geweckt bei all den Möglichkeiten wohin sich die Geschichte entwickeln kann. Und eben weil man nicht weiß welches Ziel die Handlung verfolgt, wird gekonnt mit dem Zuschauer gespielt. Gerade für die mitdenkende Sorte stellt Garland immer wieder Fallen auf, um ihn in die Irre zu führen. Gleichzeitig demonstriert er mit deutlich ausgesprochenen Gedankengängen, dass er sich den Vermutungen des mitdenkenenden Publikums absolut bewusst ist, was den Intellekt um so mehr kitzelt und herausfordert.

Dank überzeugender Mimen, einer gekonnten Optik, schlichter aber glaubwürdiger Spezialeffekte und eines wirksamen Soundtracks fühlt man sich gut aufgehoben in „Ex Machina“. Es gibt keine Fehler oder anderweitige Ärgernisse die von der Handlung ablenken. Man kann sich voll und ganz auf das geistige Duell der Protagonisten einstellen, nie wirklich wissend ob sich hier zwei oder drei Personen duellieren. Ist die Maschine intelligent, oder führt Nathan Caleb an der Nase herum? Und wenn ja, warum tut er dies? Und wenn nein, besitzt die Maschinenfrau dann echte Gefühle? Und warum musste es überhaupt eine Frau sein? Wird Caleb getestet? Ist er eventuell die wahre künstliche Intelligenz die getestet wird? Es bieten sich so unglaublich viele Möglichkeiten aus dem grundlegenden Gedankenspiel, und nie weiß man was Garland tatsächlich im Schilde führt.

Somit unterhält „Ex Machina“ gleich auf verschiedenen Ebenen. Der gefühlvolle Part, in einem Mix aus Drama und Thriller, wird ebenso befriedigt wie der intellektuelle Part, in einem Mix aus den Möglichkeiten des Mitanalysierens von Zuschauerseite aus und den wohlüberlegten philosophischen Gedankenspielen des Autors, die sehr vielfältig und geistreich ausgefallen sind. Wenn in Garlands Werk etwas plump daher kommt, dann ist das auch so gewollt und keinesfalls ein Fehler in der Handlung oder einer Idee. Mit angeblichen Klischees und anderweitigen Tücken soll der Zuschauer  manipuliert und zusätzlich herausgefordert werden. Und es funktioniert. Man lässt sich als Zuschauer auch auf diese Provokationen ein, versucht sich davon nicht all zu sehr ablenken zu lassen und folgt weiterhin gespannt einem Werk, welches sich fortwährend auf einem atmosphärischem Hoch befindet. Wer ist hier Opfer und Täter? Ist alles Schein oder offene Wahrheit?

Dass das alles funktioniert, verdankt „Ex Machina“ der individuellen Charaktervertiefung seiner Protagonisten. Keiner von ihnen ist ein Abziehbild eines Klischees oder eine oberflächliche Hülle. Jeder Charakter besitzt verschiedene Facetten, Eigenschaften die untypisch für eine stereotype Version ihres Ur-Charakters wäre. Die Figuren sind greifbare Menschen mit einer eigenen Art des Empfindens, der Wahrnehmung und des geistigen Verarbeitens. Und darin liegt die Herausforderung sich in den anderen hineinzudenken. Caleb tut dies bei der angeblich künstlichen Intelligenz ebenso wie bei Nathan, Nathan höchstwahrscheinlich auch bei Caleb, was lange Zeit Vermutung durch Misstrauen bleibt, und ob die Maschine selbiges tut hängt davon ab ob sie es kann oder nicht. Der Zuschauer wiederum versucht selbiges bei allen dreien, ja eigentlich sogar bei allen vieren, denn die stumme asiatische Gehilfin Nathans ist ihm ebenfalls nicht so ganz geheuer.

„Ex Machina“ ist das Paradebeispiel eines rundum gelungenen Filmes, der zeigt dass geistreiche Erzählungen auch aus einem scheinbar längst ausgeschöpften Ideentopf entstammen können. Und vor allen Dingen zeigt er zu was Kino in der Lage ist, auch im Bereich des phantastischen Filmes, wenn man nicht einzig auf die Effekte schielt, sondern auf einem Drehbuch aufbaut, welches durchdacht ist und somit nicht auf die Schnelle herunter gekrakelt wie das meiste was es heute in den Lichtspielhäusern zu sichten gibt. Es verwundert nicht dass solch ein wunderbarer Film nicht aus Hollywood kommt, der Filmschmiede die Kino fast nur noch zur Volksverdummung nutzt. Kino braucht Filme wie „Ex Machina“, um nicht irgendwann aufgrund von Belanglosigkeit zu sterben. Von daher: Danke England für diesen wundervollen Beweis dass Kino noch atmen kann.


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Mittwoch, 30. Dezember 2015

MAD MAX 4 - FURY ROAD (2015 George Miller)


Mad Max wird von einem größenwahnsinnigen Imperator gefangen genommen und kann sich während einer Verfolgungsjagd befreien, als der Diktator versucht eine Verräterin aufzuhalten, die sich mit jeder Menge Benzin und schwangeren Frauen von der Zwangsgesellschaft absetzen will. Die Situation schweißt Max mit der Verräterin im gemeinsamen Kampf gegen den Unterdrücker zusammen...


Die Alternative zur Salzwüste...

Der vierte Teil der „Mad Max“-Reihe ist tatsächlich so wie man vielerorts liest kurzweilig ausgefallen. Er bietet so einiges fürs Auge, seien es hervorragende Fotografien, irrwitzige bis groteske Ideen oder wilde Actionszenen in Dauerschleife - ein Zustand der ihn auch zum Langeweiler hätte machen können. Dank einer rasanten Inszenierung kommt es erstaunlicher Weise dazu nie. „Mad Max 4 - Fury Road“ bleibt tatsächlich immer interessant und bietet immer wieder neue Schauwerte. Die Geschichte selbst ist lediglich ein dünner roter Faden, und das bisschen vorhandener Handlungsablauf ist, wie in einer Großproduktion nicht anders zu erwarten, auch ziemlich vorhersehbar und überraschungsfrei ausgefallen. Dem Sehwert tut das jedoch keinen Abbruch, ist die dritte Fortsetzung aus der Feder des Regisseurs George Miller doch Adrenalin pur.

Dass sich Teil 4 aufgrund der vielen Jahre zwischen der ursprünglichen Trilogie und aufgrund des viel zu aufgeblasenen Budgets optisch nicht wirklich kompatibel mit dem Rest der Reihe guckt, ist ein Manko über das man hinwegsehen kann, da beide Aspekte dem Film Vorteile bescheren, Letztgenanntes gar Möglichkeiten, die in den Vorgängern nicht umsetzbar gewesen wären. Meckern sollte man gerade mit Blick auf Teil 3 ohnehin nicht, badete dieser doch mitten in der Mode der 80er Jahre und fiel damit nicht so zeitlos aus wie die beiden Vorgänger. Wie könnte man Teil 4 da die Moderne ankreiden ohne selbiges nicht auch „Mad Max 3 - Jenseits der Donnerkuppel“ vorzuwerfen?

Dass der vierte Ausflug in die anarchistische Zukunft für mich trotzdem nicht mehr als die nette, kleine Unterhaltung für zwischendurch geworden ist, liegt an den undurchdachten Elementen des Streifens. So ist Max mit Tom Hardy in der Hauptrolle viel zu bübchenhaft besetzt, als dass man seine bemüht geplagte Fresse ernst nehmen könnte. Miller versucht das mit ordentlich Staub und Dreck im Gesicht zu vertuschen, aber es fällt noch immer auf, dass sich hinter all dem Dreck ein Gesicht verbirgt, dass wohlbehütet wirkt und nie durch die Hölle der ersten drei Teile gehen musste.

Das mag man inmitten der gelungenen Dauer-Action noch verzeihen können, aber warum Max so jung gecastet wurde ergibt innerhalb der Geschichte keinen Sinn. Es muss ewig gedauert haben das Imperium in solcher Größe und mit solch geradezu religiöser Gefolgschaft, welche den Anführer für eine Art Gott auf Erden hält, errichtet zu haben. Dementsprechend müsste Max längst wesentlich älter sein als es uns der Film weiß machen will. Und im Zuge dessen, dass der Film wesentlich später spielen müsste als behauptet, fragt man sich doch warum es im Gegensatz zu den Vorgängern so viel mehr Ressourcen an Benzin gibt. Und warum funktioniert die Monition noch nach all den Jahren in einer Welt in welcher man nicht die Möglichkeiten hat neue herzustellen - vom Verschleiß von Maschinen und Waffen einmal ganz abgesehen, eine Thematik die ebenfalls unter den Teppich gekehrt wird. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern fehlt es Teil 4 an einem durchdachten Gesamtbild. Der Film reduziert sich dadurch von selbst zum reinen unterhaltsamen Effektefilm, und damit zu weniger als die anspruchsvolleren ersten Teile der Reihe.

Zudem muss mir mal wer erklären warum man in Australien plötzlich mit Autos fährt, die das Lenkrad auf der Seite amerikanischer Autos haben. Wieso fiel Miller solch ein Unsinn nicht auf, als sich die Amis in sein Projekt mit eingemischt haben? Wie soll man in dieser kaputten Zeit an so viele Autos von drüben gekommen sein, während australische kaum noch Verwendung finden? Auch hier beweist MIller, wenn auch mit einer pingeligen Kleinigkeit, dass das Umfeld der Geschichte keinen Deu bedacht wurde. Einzig die Richtigkeit von emotionalen Zusammenhängen und Auswirkungen der Crashs wurden bedacht. Ansonsten erhofft man ein Kopf ausgeschaltetes Berieselnlassen vom Zuschauer, der Weg mit dem sich „Mad Max 4“ wohl tatsächlich am besten gucken lässt, das gebe ich zu. Aber von der Fortsetzung solcher Klassiker habe ich mir eigentlich mehr Mühe erwartet, haben wir es bei Miller doch nicht mit einem Jungfilmer zu tun, der es aufgrund der modernen Hollywood-Politik nicht besser weiß.

So gibt sich „Mad Max - Fury Road“ vordergründig zwar als Detail-verliebt aus, ist es aber im eigentlichen Sinne, wenn man Gezeigtes hinterfragt, so gar nicht. Das ist schade, verwehrt es doch Teil 4 die Anwesenheit im Club der wahrlich großen Kinoereignisse, was aber für den reinen Unterhaltungswertwert nicht wirklich schlimm ist. Als etwas zu geistlos geratener Popkornfilm weiß er mit seinen tollen Bildern, der einfallsreichen Action, den herrlich grotesken Randerscheinungen (wie z.B. die E-Gitarre-spielenden Angebundenen) und dem Hauch Humor, den Miller immer wieder unterschwellig einzustreuen weiß, ohne dass er sich zu sehr aufdrängen würde, zu gefallen und ohne vorhandene Durststrecken zu unterhalten. Millers vierter Teil seiner Kult-Reihe ist ein Film im Rauschzustand, mit all den Stärken und Schwächen einer solchen Art Kinoerlebnis.


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Dienstag, 29. Dezember 2015

DIE LEICHENFABRIK DES DR. FRANKENSTEIN (Il castello della paura 1973 Ramiro Oliveros)


Dr. Frankenstein erweckt einen toten Neandertaler zum Leben, aber ein anderer Urmensch kommt ihm mit Hilfe eines verstoßenen ehemaligen Gehilfen des Doktors in die Quere...


Ein Urmensch wird zum Neomensch...

Urmenschen inmitten einer Frankenstein-Erzählung, das klingt nach einer sympathisch trashigen Idee. Und da so viele gelungene Horrorbeiträge aus dem Italien der 70er Jahre kommen, die zwischen stimmigem und trashigem Ergebnis hin und her pendeln, ging ich recht optimistisch an „Die Leichenfabrik des Dr. Frankenstein“ heran, der im Gegensatz zu so vielen anderen Werken seiner Zeit, die den Namen Frankenstein in sich tragen, auch wirklich einmal etwas mit der populären Romanfigur zu tun hat.

Klassische Zutaten sind zu genüge gegeben: Dorfbewohner mit Fackeln, eine Burg, Kutschfahrten durch die Natur, Friedhofsschändungen und körperlich missgebildete Helfer - leider weiß Oliversos Kameramann davon so gar nichts stimmig einzufangen. Er filmt ab. Atmosphärisch wirkt da leider nichts. Dementsprechend dominanter wirkt der Pulp-Bereich, der sich z.B. in den häufig eingestreuten Nackedei-Szenen zeigt. „Terror Castle“ (Alternativtitel) ist ziemlich lüstern ausgefallen, ohne gleich zum Fummelexzess eines Jess Franco zu werden.

Im Gorebereich hält man sich jedoch zurück, diesbezüglich ist „Leichen Factory - Die unheimlichen Killer“ (Alternativtitel) ziemlich zahm ausgefallen. Wer nun glaubt das dünne Ergebnis könne zumindest als Voll-Trash punkten: man mag es bei der bizarren Grundidee kaum glauben, aber auch in diesem Punkt weiß „Dr. Frankenstein‘s Castle of Freaks“ (Alternativtitel) nicht zur vollen Entfaltung zu kommen, stehen ihm hierfür eine viel zu ernste Umsetzung und ein zu fokussierter Blick auf die klassische Frankenstein-Thematik zu sehr im Weg, als dass das bisschen Zusatzmumpitz sich durchsetzen könnte.

Der Zwerg, der den mittlerweile allein lebenden Neandertaler der Rache wegen zum Schlosse Frankensteins führt, geht einem mit seinem Getue ziemlich schnell auf den Senkel (und seine nervige deutsche Synchronstimme hilft nicht gerade dabei diesem Empfinden entgegen zu lenken), der Darsteller des Frankenstein wirkt in seinem zurückhaltenden Spiel ziemlich fad, und bis auf die hin und wieder eingestreuten Nacktaufnahmen verblassen selbst die blonden Schönheiten aufgrund ihrer Nichtigkeit für die Geschehnisse.

Ohnehin scheint kaum ein Durchschnittsmensch von Bedeutung, obwohl sie im Gegensatz zu den Freaks im Mittelpunkt stehen. Wohingegen die Freaks aufgrund ihrer Randerscheinung nur bedingt zu wirken wissen - so wie der Film selbst. Den kann man sich als unfreiwillig komischen Langeweiler zwar mal der Neugierde wegen als Vielseher des Genres geben, aber wirklich zu unterhalten weiß „Il castello della paura“ (Originaltitel), das erste von lediglich zwei Werken des Regisseurs Ramiro Oliveros, nicht.


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Montag, 28. Dezember 2015

ROBOCROC (2013 Arthur Sinclair)


Ein Army-Experiment stürzt unerwartet über einem Zoo ab. Kleinste Nano-Roboter nehmen den Körper eines Krokodils ein und folgen ihrer einprogrammierten Mission: überleben...


Nach einem Witz benannt...

Corin Nemec durfte schon gegen „Sand Sharks“, „Dragon Wasps“ und gegen außerirdisch beeinflusste Haie („Raging Sharks“) kämpfen. Diesmal bekommt er es in einer wie immer neuen Rolle, welche den anderen aber fast komplett ähnelt, mit dem „Robocroc“ zu tun, ein Titel der freilich eine scherzhafte Anlehnung an den populären „RoboCop“ ist, und der genau so als scherzhafte Äußerung innerhalb des Filmes auch abfällig fällt, wenn ein Teenager in einem Freibad erkennt mit welcher Art Gefahr er es zu tun hat.

In solch einem lebensbedrohlichem Moment mit solchen Sprüchen kommen ist nicht gerade realitätsorientiert, aber das sind die mit billigen CGI angereicherten TV-Horrorfilmchen, die mittlerweile unter dem Begriff Creature Feature bekannt und berüchtigt sind, ohnehin nie. Ganz im Gegenteil, wie immer darf man die Hände über den Kopf schlagen bei so vielen Ungereimtheiten und Idiotien. Genau deshalb schaut man sich besagte Filme u.a. an, nie wissend ob sie als trashiger Zwischendurchverzehr funktionieren oder nicht.

Für „Robocroc“ sah es lange Zeit ganz gut aus, war die ewig selbe Geschichte doch wenigstens flott genug erzählt um sich trotz der immergleichen Soße nicht zu langweilen. Aber dem Tod der Bestie musste unbedingt noch ein etwa 20minütiges angehangenes Finale beschert werden, in welchem das erwachte Biest erneut zuschlagen darf, und genau hier zieht sich der Film nun unnötig in die Länge, zumal er in dieser Phase nicht mehr zu erzählen hat als zuvor.

So wird ein Vorteil zum Nachteil. Denn „Robocroc“ steigt von der ersten Sekunde an mitten ins Geschehen ein. Nach nicht einmal zwei Minuten legt das Krokodil los. Aus dementsprechend viel Leerlauf besteht schließlich der Rest des Streifens, der durch seine sympathische C-Besetzung und seine Dümmlichkeit aber trotzdem halbwegs zu unterhalten weiß. So ist „Robocroc“ besser als der Maschinenhund in Yuznas „Rottweiler“ ausgefallen, aber als Trash nicht halb so gut wie der metallene Werwolf in „Metal Beast“. Das Krokodil im hier besprochenen Werk wird ohnehin erst so nach und nach zur metallenen Bestie, und erst im Finale haben wir es mit einem komplett stählernen Biest zu tun.

So oder so macht man jedoch kaum Gebrauch von der Verwandlung des Tieres, erst der finale Plan es zu besiegen macht einen wirklichen Unterschied aus einem Krokodil und einem Robocroc. Somit hat der Film einen ähnlichen Aufhänger wie seinerzeit „2-Headed Shark Attack“: die Veränderung am ursprünglichen Wesen macht für den Film keinen Unterschied. Ob der Hai nun ein oder zwei Köpfe hat, oder das Krokodil einen natürlichen oder einen metallenen Panzer, ist für die Geschichte völlig irrelevant, da sich am wiedererzählten Schema F trotzdem nichts ändert.


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Sonntag, 27. Dezember 2015

DER WERWOLF VON TARKER MILLS (Silver Bullet 1985 Daniel Attias)


In dem kleinen Städtchen Tarker Mills geht das Grauen um. Immer wieder werden brutalst zerstückelte Leichen aufgefunden. Der im Rollstuhl sitzende Junge Marty findet heraus, dass es sich bei dem Täter um einen Werwolf handelt. Doch außer seiner größeren Schwester glaubt ihm niemand...


Das einäugige Monster muss nicht immer ein Penis sein...

Stephen King-Filme - es gibt solche und solche. Ob in der Hochphase oder heutzutage, nie weiß man was einen erwartet. Und wenn ein früher Vertreter wie „Der Werwolf von Tarker Mills“ solch ein unbekanntes Schattendasein führt, dann geht man nicht gerade optimistisch an eine Sichtung heran, zumal es für meinen Geschmack kaum taugliche Horrorbeiträge zum Thema Werwolf gibt. Dennoch wollte ich einmal antesten ob der Film mich trotzdem überzeugen kann, zumal er mit dem mir sehr sympathischen Jungdarsteller Corey Haim in einer der wichtigsten Rollen besetzt ist. Und als ich auch noch den Namen von „Stepfather“ Terry O‘Quinn im Vorspann las, war ich erst recht guter Dinge.

Mit den prominenten Größen wie „Shining“, „Misery“, „Stand By Me“ und „Carrie“ kann es „Silver Bullet“ (Alternativtitel) nicht aufnehmen. Dennoch war ich überrascht welch gelungenes Werk Daniel Attias Regiearbeit ist. Warum war der gute Mann danach nur noch für TV-Serien tätig, wenn auch immerhin für solch prominente wie „Buffy - Im Bann der Dämonen“, „Lost“ und „Dr. House“? Attias ist ein wahrhaft dicht erzählter Film gelungen, der Spielberg-ähnlich aus familienabenteuerlicher Perspektive den Horror heraufbeschwört, der in seinen reinsten Momenten richtig spannend ausgefallen ist.

„Der Werwolf von Tarker Mills“ ist einer dieser Horror-Wohlfühl-Filme. Er ist ein wenig märchenhaft erzählt, lässt einen Hauch „Stand By Me“-Mentalität durch die Kinderperspektive entstehen, ist aber trotz alledem nicht zu brav ausgefallen, als dass man ihn als Horrorfilm nicht ernst nehmen könnte. Nicht selten geht der Werwolf blutig zu Werke, und Attias weiß ihn gekonnt einzusetzen. Zunächst ist er immer nur recht kurz im Bild zu sehen, und später scheut der Regisseur auch nicht die Totale auf eine Kreatur, die nur in wenigen Momenten optisch zu naiv ausgefallen ist - ein Zustand den die Kreaturen in den meisten Werwolffilmen permanent besitzen. Die Verwandlungssequenzen sind wahre Hingucker, und die Traumsequenz eines innerlich gequälten Pfarrers lässt die Spezialeffekt-Spezialisten einmal so richtig austoben.

Zudem gefällt es, dass „Cycle of the Werwolf“ (Alternativtitel) nicht nur in den Nachtsequenzen Spannung aufzubauen weiß. Wenn z.B. die Schwester von Marty versucht den Werwolf zu identifizieren, da eine Attacke des Jungen Spuren bei einem der Bewohner hinterlassen haben muss, ist die Atmosphäre bei ihrem Streifzug durch die Stadt mitten am Tag auf einem Hoch. Die Auflösung um wen es sich handelt ist geradezu Stephen King-typisch ausgefallen und hat mich trotzdem überrascht. Von diesem Zeitpunkt an funktioniert die Geschichte ähnlich wie der im selben Jahr entstandene „Fright Night“, denn die Bestie weiß nun wer von seiner Existenz weiß und lauert jenem, dem keiner glaubt, auf.

„Der Werwolf von Tarker Mills“ versucht nicht nur zu erklären warum die Bestie auch dann aktiv ist wenn kein Vollmond ist (womit der Werwolf nicht nur in wenigen Nächten aktiv sein darf wie in manch vergleichbarer Geschichte), er weiß es auch zu nutzen um sich einen zeitlichen Vorteil zu verschaffen wenn es um das unausweichliche Finale geht. Dies ist nach einem hohen Spannungsbogen zwar relativ schlicht ausgefallen, aber es erzählt was es erzählen muss. Eine im Laufe der Story aufkommende Dramatik des Besessenen, die begründet warum das Monster sich nicht selber richten kann, wird im Finale geschlossen, ohne dass Attias mit dem Finger drauf zeigt. Der Zuschauer weiß es einfach, auf unnötigen Kitsch wird verzichtet.

„Der Werwolf von Tarker Mills“ ist erfreulicher Weise keine dieser mittelmäßgen King-Verfilmungen wie „Christine“, „Rhea M“ oder „Desperation“, sondern spielt in etwa in einer Liga mit „Der Nebel“, „Thinner - Der Fluch“, „Friedhof der Kuscheltiere“ und „Der Rasenmähermann“ (falls man den überhaupt als Vergleich heranziehen darf, so wenig wie er mit Kings Vorlage zu tun hatte), sprich er spielt nicht in der ersten Liga mit, weiß aber bestens zu unterhalten und ist damit sogar besser ausgefallen als die ebenfalls sympathischen Werke „Cujo“, „Schlafwandler“, „Es“ und „Needful Things“. Mit solch einem tollen Ergebnis hatte ich wahrlich nicht gerechnet.


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THE CONGRESS (2013 Ari Folman)


Die Schaupielerin Robin Wright willigt in einen Vertrag ein, der besagt dass eine Filmfirma sie körperlich wie mimisch komplett einscannen darf, um sie nach Belieben künstlich eingesetzt innerhalb der nächsten 20 Jahre in jeden Film mitspielen zu lassen, wie es der Firma gerade passt. Sie müsse so lange lediglich untertauchen. Als die 20 Jahre vergangen sind steht eine Erneuerung des Vertrages an, und der geht wesentlich weiter als der ursprüngliche, denn eine Technik erlaubt es nun Prominente zu trinken, um ihre Identität zu leben. Auf einem Kongress versucht Robin das realitätsentfremdete Volk aufzuwecken...


Ein Schluck Robin...

Robin Wright, die Schauspielerin die einst jene Frau mimte, die auf Forrest Gumps Gefühlen herumtrampelte und jüngst in der zweiten Hauptrolle der Serie „House of Cards“ überzeugen durfte, klingt reizvoll als Wahl der Hauptbesetzung in einem sozialkritischen Science Fiction-Streifen, der nicht nur einer äußerst interessanten Idee nachgeht, sondern auch in einem Real- und Zeichentrick-Mix umgesetzt wurde. Was solle bei so viel Potential schon schiefgehen, allein schon weil der Vorgänger-Film des Regisseurs Ari Folman, „Waltz with Bashir“, ein so hohes Ansehen besitzt?

Die Antwort lautet: so einges! Denn wenn man vor lauter intellektuellem Getue den Boden unter den Füßen verliert, wird aus etwas sozialkritisch Intelligentem eine dümmliche Peinlichkeit. Das bemerkt freilich nur jene Art Zuschauer, die sich nicht gänzlich dem optischen Rausch aussetzt, welcher der Film definitiv besitzt. Wer den Kopf eingeschaltet lässt, bemerkt recht schnell dass hier etwas nicht stimmt. Zugegeben, ab dem Zeitsprung 20 Jahre später hat mir die Idee der Droge, mit welcher man zu einem seiner geliebten Stars werden kann, nicht gefallen. Ich bin also allein schon rein storymäßig vorbelastet. Und die groteske Idee, dass aufgrund dieser Droge der Kongress in einer Zeichentrickrealität stattfindet, fand auch nicht meinen Zuspruch. Aber das allein wäre alles nur eine Frage des individuellen Geschmacks und würde „The Congress“ noch nicht allgemein seinen Reiz berauben.

Dass die Zukunftswelt jedoch nicht sinnig durchdacht wurde und immer wieder ihre Widersprüche erfährt, macht das Werk, das sich für ungeheuer anspruchsvoll und intelligent hält, zu einer Katastrophe. Schon in seiner moralischen Umsetzung mit erhobenem Zeigefinger macht Folmans Werk, welches nur wenig eigene Ideen besitzt, einen inszenatorischen Fehler und wird damit ein Werk für Pseudointellektuelle, die undurchdacht nachplappern und intelligente Ansätze zu einem intelligenten Gesamtwerk fehlinterpretieren, eben weil ihnen nicht auffällt, dass das Gesamtbild brüchig und fehlerhaft ist.

Am deutlichsten wird dies ziemlich gegen Ende, wenn Robin sich aus der Rauschwelt befreien kann und die Realität zum vorher berichteten Szenario so gar nicht passen will. Da gibt es weder eine elitäre Gesellschaft der Reichen, die von der Realitätsflucht des Volkes lebt, noch eine kaputte Zivilisation, da sich niemand mehr um die reale Ebene kümmert. Menschen die vor dem Drogenzeitalter erwachsen waren rebellieren weder aktiv noch passiv. Und eine Erklärung wie die Realitätsflüchtlinge ernährt, eingekleidet und gepflegt werden, gibt es auch nicht. Diese wandern zombieartig hypnotisiert durch die Realität, gekleidet wie Penner, und doch müssten sie ja von irgend etwas leben.

Auch die imaginäre Drogenwelt wird nicht richtig erklärt. Da besitzt zwar jeder seine eigene Phantasie, kann aber mit anderen in Kontakt treten, selbst wenn die Welt des einen jener des anderen kaum ähnelt. Einzig die prominente Tarnidentität gibt es als Einstimmigkeit. Wie gemeinsame Erlebnisse möglich sein sollen, in komplett verschiedenen Realitätsebenen, wird nicht versucht zu erklären, scheint nicht einmal als Gedankenlücke bemerkt worden sein, was beweist mit welchem Tunnelblick die ach so innovative Geschichte erzählt wurde.

Richtig peinlich wird es jedoch erst dann, wenn Robin zurück in die Drogenillusion treten möchte, um ihren Sohn zu suchen. Das ist äußerst schwierig, da niemand weiß für welche Identität er sich entschieden hat und wo er sich aufhalten könnte. Wesentlich mehr Sinn würde es machen, ihn in der Realität unter all den Pennern zu suchen, wo sein Gesicht der Mutter bekannt ist. Ein Denkfehler, der kaum dümmlicher sein könnte. Den Fehler warum man in der Drogenwelt nicht altert, in der Realität aber scheinbar auch nicht wirklich, wenn ich mir den Arzt des behinderten Jungen so ansehe, kann ich noch als Unverständnis meiner Wenigkeit abtun. Vielleicht habe ich da etwas nicht verstanden. Aufgrund der anderen unübersehbaren Unsinnigkeiten zweifel ich aber selbst daran.

Das komplett ruinierte Ergebnis finde ich sehr traurig für ein Werk, welches inhaltlich solch einen tollen Aufhänger mit dem Vertrag hatte, bei dem der Schauspieler nicht mehr mitentscheiden darf wo er mitspielt. Meiner Meinung nach hätte der Film sich allein auf diese Thematik konzentrieren sollen, als eine Art Gegenstück von „S1m0ne“, so wie „EdTV“ das Gegenstück zu „Die Truman Show“ war. Schade ist es außerdem um die mühevoll umgesetzten Zeichentrickszenen, die absichtlich verschiedenste Trickfilm-Stile aufnimmt und immitiert, so dass zwar immer auch welche auftreten, die jedem von uns mal weniger gut gefallen, die man aber trotzdem als gelungen ansehen muss, eben weil sie so gekonnt den jeweils vorgegebenen Stil kopieren.

Aber was soll man den Zeichentricksequenzen und den ersten halbwegs geglückten 20 Minuten hinterher trauern, wenn ein Film vor lauter Belehrung und moralischem Übermut den Sinn des Erzählten aus den Augen verliert, dies nicht bemerkt und vor peinlichem Hintergrund weiter seinem intellektuellem Getue nachgeht. Wie gesagt: wer sich lediglich berauschen lässt und aufgrund intelligenter Fragmente dem Film als Gesamtes selbiges zuspricht, oder lediglich hirnlosen Medien nachplappert dass „The Congress“ ein anspruchsvolles Science Fiction-Werk wäre, der sitzt im richtigen Film und weiß es selbst dann nicht besser, wenn man ihn auf die Fehler des Streifens hinweist. Jeder mündige mitdenkende Zuschauer hingegen wird sich mit Schaudern von diesem Werk abwenden, das in seiner Lehrer-haften und unsinnigen Art nicht einmal mehr dazu einlädt, sich zumindest an der liebevoll gestalteten Optik zu ergötzen.


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DAS TRAUMA (The Premonition 1976 Robert Allen Schnitzer)


Eine frisch aus der Nervenheilanstalt entlassene Frau möchte ihr Kind zurück, welches man ihr vor der Einlieferung nahm, und plant es zu entführen. Die Adoptivmutter steht jedoch glücklicher Weise in telepathischem Kontakt zu dem Mädchen...


Zunächst die Puppe...

Es mag ja okay sein parapsychologische Phänomene wie Telekinese und Telepathie für das Horror-Genre zu nutzen, zeigen doch Filme wie „Shining“, „Scanners“ und „Carrie“ dass aus dieser Thematik Erzählenswertes zu ernten ist. Diese Werke nutzen das umstrittene Feld jedoch für die Dramaturgie und zum Spannungsaufbau, eben weil es ein mystisches Feld ist, ein unentdecktes, von dem behauptet wird es könne in jedem von uns schlummern, ein faszinierender Gedanke.

„Das Trauma“ von Regisseur Robert Allen Schnitzer nutzt es jedoch, um den Zuschauer zu missionieren. Er möchte die Parawissenschaften neben der akzeptierten Naturwissenschaften etablieren und nutzt die Figur des Adoptivvaters, um aus einem Zweifler einen Gläubigen zu machen. Die Propaganda die er im Dauergeschwafel von seiner Kollegin um die Ohren geschmissen bekommt, richtet sich eigentlich an den Zuschauer. Und dank eines vernachlässigten Spannungsbogens schaut sich der Streifen damit letztendlich nur noch wie ein Esotherikfilm und kaum noch wie ein Horrorfilm.

Vielleicht könnte ich damit noch halbwegs leben, wenn die Geschichte von „The Premonition“ (Orioginaltitel) halbwegs empathisch erzählt wäre, aber es liegt einem nichts an den Figuren, weder am Kind, noch an den Adoptiveltern, noch an den Entführern, geschweige denn an der Parawissenschafts-Tante, die aufgrund kurzer Erzählungen ihres naturwissenschaftlichen Kollegen direkt von übernatürlichen Gaben in dessen Frau überzeugt ist, ohne dass Tests durchgeführt werden und die Erzählungen des Mannes vertieft würden, ganz zu schweigen davon, dass die Frau nur wenige Filmminuten zuvor noch erläuterte wie sehr ihr Zweig der Wissenschaft noch in den Kinderschuhen stecken würde und dass man noch im Testbereich stecke und nicht viel weiß.

Zumindest erklärt uns das mangelnde Wissen bereits warum Mutter und Adoptivtochter urplötzlich in Verbindung stehen, das wäre sonst eine tiefe Lücke im Drehbuch, die jedoch kaum auffallen würde so wackelig die komplette Geschichte erzählt ist, die sich nie darüber im klaren ist für welche Perspektive sie sich entscheiden soll, ewig hin und her springend zwischen den Erlebnissen und Beweggründen der Entführer und der anderen Seite. Wie gesagt ist man emotional an keine von beiden Seiten gekettet, Identifikationsfiguren gibt es nicht, durch welche man die lahmarschige Story erlebt und nachvollziehbar ist da ohnehin nur weniges erzählt.

Die Geisteskrankheit der leiblichen Mutter wird uns durch ein etwas bescheuertes Szenario näher gebracht, wenn ein Entführungsversuch mit dem Entwenden einer Puppe des Mädchens endet, und der befreundete Clown ihr diese wegnehmen will, woraufhin sie die Puppe verteidigt wie ein Hund einen Gegenstand nach einer Scheinschwangerschaft. Leider ist das ganze nicht so gut inszeniert wie es klingen mag, wobei da auch die deutsche Synchronfassung, die ich gesehen habe, dem Film atmosphärisch im Wege steht, so mangelhaft wie diese ausgefallen ist. Doch auch in besserer Vertonung hätten wir mit „Das Trauma“ ein wackelig inszeniertes Werk vorliegen, welches kein Interesse für seine Geschichte wecken kann und mit mittelmäßig besetzen Mimen arbeiten muss.

Die Puppenentführung bleibt der interessanteste Moment des Streifens, und selbst der funktioniert nicht. Der Rest pendelt zwischen Esotherik-Drama und Kriminalfilm hin und her. Ein Großteil der Erzählung dient zum Zeit schinden. Vielleicht dachte der Autor dass dem Zuschauer damit mehr Zeit bleibt die Figuren besser kennen zu lernen, aber das passiert nicht wirklich. Und so bleibt uns am Ende ein unaufgeregt erzähltes Stück Langeweile, eingebettet in Esotherik-Propaganda, und das diesbezüglich derart naiv erzählt, dass der Reiz dieser wissenschaftlichen Schwindelei nicht ausgekostet wird und stattdessen die unangenehmen Aspekte von Leichtgläubigkeit hervorstechen, was zu einer unangenehmen Zutat innerhalb eines ohnehin schon schlecht inszenierten Filmes wird.


Samstag, 26. Dezember 2015

INSIDIOUS 2 (Insidious: Chapter 2 2013 James Wan)


Da der Spuk im Kreise der Familie Lambert noch immer kein Ende nimmt, nimmt die Großmutter Kontakt zu dem verstorbenen Medium auf, um herauszufinden wie sie die übernatürlichen Geschehnisse stoppen kann. Währenddessen muss Renai feststellen, dass seinerzeit nicht ihr Mann aus dem Reich der Toten zurückgekehrt ist, sondern die Frau in Schwarz, die ihn schon seit seiner Kindheit verfolgte...


Der Norman Bates des Geisterreiches...

Es wäre naiv darauf zu hoffen, dass die Fortsetzung eines gelungenen Spuk-Horrors einem ebenfalls das Gruseln lehren könnte. Zu inflationär wird das Genre um weitere Werke bereichert, zu sehr wiederholen sich immergleiche Szenarien und Schreckversuche, und das Beleuchten von Hintergründen, eine typische Fortsetzungsmotivation, nimmt dem Grauen in der Regel seine Faszination und das Unheimliche. Das Dunkle ist gruseliger als das Licht. Und dies wird nun im Wissensbereich überall angeknippst. Der Spuk bekommt ein Gesicht, das Gesicht bekommt Persönlichkeit, die Persönlichkeit ein eigenes Drama, das Drama beschert Mitgefühl, Mitgefühl zerstört die Angst.

Interessanter Weise funktioniert „Insidious 2“ trotzdem ganz gut. Er ist recht spannend erzählt ohne wirklich zu gruseln, und verändert weder die Charaktere noch die Geschehnisse des Vorgängers. Damit vereinen sich Teil 1 und Teil 2 gekonnt zu einer Einheit, zumal Wan auf tatsächlich in Teil 1 ungeklärte Momente zurückgreift, denen er nun in einem Plot um diverse Zeitebenen einen Sinn gibt. Damit wird das Ärgernis des Geheimnisselüftens zumindest für eine interessante Idee genutzt, die neue Perspektiven ermöglicht. Freilich wird nichts aufgedeckt, was man als Zuschauer aufgedeckt haben wollte, und das Geheimnis um den Vater hat bereits der Schluss von „Insidious“ verraten, keine Ahnung warum man da wieder ein Mysterium drum spinnen möchte. Aber als gruselfreier Popkornfilm des Horrorbereiches reicht das alles um routiniert nett unterhalten zu werden.

Ärgerlich wird es erst gegen Ende, wenn sich die Ereignisse überschlagen und Wan verkrampft auf ein Ende lenken muss. Dann verhält sich der Besessene so geisteskrank, dass es unglaubwürdig wird, dass er sich überhaupt so lange als normal tarnen konnte. Der eher passive Sohn, der bei seinen Reisen einst verloren ging, wird urplötzlich zum raffinierten Problemlöser, der selbst in einer lebensgefährlichen Situation auf Kommando einschlafen und ganz bewusst seinen Körper verlassen kann. Und das Jenseits ist ein Ort alter Bekannter, an dem sich zwar auch viele Schreckgespenster aufhalten, der aber längst kein solch unheimlicher Ort mehr ist, wie es uns im Vorgänger suggeriert wurde.

Und wieso ist es für den Familienvater so leicht den parasitären Geist aus seinem Körper zu locken und in ihn zurück zu kehren, wenn selbst ein mächtiger Dämon in Teil 1 so lange Zeit benötigte um die leere Hülle zu betreten? Wo zuvor keine Widersprüche sind, da sprudeln die Unsinnigkeiten im Finale nur so hervor, was an einem ärgerlichen Drehbuch liegt, dessen Autoren wohl dachten dass inmitten vieler Parallelereignisse der Zuschauer das chaotische Treiben wohl nicht mehr mit dem Kopf mitverfolgen würde, was einer Beleidigung gleicht.

All zu streng sollte man mit „Insidious 2“ trotzdem nicht umgehen, ist er auf simpler Unterhaltungsebene doch interessant genug ausgefallen um sich nie zu langweilen, zumal er sich selbst in den ruhigeren Passagen nie zu langatmig guckt. Die Rückkehr aller bekannten Gesichter und die tatsächliche Fortführung von Geschehnissen aus Teil 1 sorgen zudem dafür, dass sich „Insidious 2“ auch wirklich wie eine Fortsetzung anfühlt und nicht nur wie ein schnell nachgedrehtes Stück Geldkuhmelken. Das Anknüpfen an Teil 1 läuft teilweise sogar so rund, dass man sich ernsthaft fragt, ob all das in Teil 2 erzählte in Teil 1 schon immer so gedacht war. Falls ja darf es verwundern, dass die Fortsetzung drei Jahre auf sich warten ließ, in Zeiten in denen schnell abzudrehende Werke jährlich aufs Publikum losgelassen werden.


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INSIDIOUS (2010 James Wan)


Die Lamberts wohnen noch nicht lang in ihrem Haus, da wacht ihr Sohn nach dem Schlafen gehen nicht mehr auf und liegt in einer Art Koma. Zeitgleich nimmt die Mutter übernatürliche Vorkommnisse im Haus wahr...


Die rote Tür...

„Insidious“ beginnt wie der klassische Spukhaus-Film und wirkt aufgrund der eindimensionalen Figuren zunächst ziemlich austauschbar und vorhersehbar. Doch das ändert sich ziemlich genau zu jenem Zeitpunkt, in welchem die Familie Lambert aus dem vermeintlichen Spukhaus auszieht. Zwar bleiben die Figuren weiterhin ziemlich oberflächlich und damit lediglich Figuren in einem Film, aber die Geschichte wird zu einer interessanten, die zwar theoretisch gesehen lediglich die Geschehnisse von Spielbergs „Poltergeist“ erneut erzählt, dabei jedoch völlig andersartig wirkt. Auf den zeitlichen Unterschied beider Werke kann man dies wohl kaum zurückführen, vertraut Regisseur Wan doch dem klassischen Erzählstil, sowie den typischen inhaltlichen Komponenten dieser Thematik. Nicht einmal die Geisterexperten überraschen mit neumodischen Methoden.

Wan gibt den einzelnen Elementen aus Spielbergs Film jedoch ein anderes Gesicht. So wirkt das Medium menschlicher und weltoffener als die rein esoterische Vergleichstante aus dem berühmten Vorbild. Die Familie wirkt anders, die Gründe sich an Geisterexperten zu wenden wirken nachvollziehbarer, das Jenseits ist anders dargestellt. So gaukelt der Film einem gekonnt vor etwas halbwegs Frisches im immergleichen Sub-Genre des Spukfilms zu sichten.

Dank einer aufregenden Geschichte und eines hohen Gruselpotentials reicht diese Täuschung auch vollkommen aus um Gefallen an „Insidious“ zu finden. Etwas überrascht darf man sein, war Wan für mich doch nie der Gruselexperte. Sein Holzhammer-Thriller „Saw“ hat mich nicht vom Hocker gehauen, seinen „Dead Silence“ empfand ich lediglich als ganz nett, womit besagter Film allerdings wesentlich besser wegkommt als der vergeigte „Conjuring - Die Heimsuchung“, der trotz gruseliger Momente nicht wirklich zu überzeugen wusste. Warum „Insidious“ sich über all diese anderen Werken Wans hinweg setzt, liegt vielleicht bei Olen Peri begründet, der als Produzent mit an Bord war und uns mit „Paranormal Activity“ und „Chernobyl Diaries“ so einige spannende Momente bescherte, die ich als Film-Fan nicht missen möchte.

Wem auch immer wir das angenehme Ergebnis von „Insidious“ zu verdanken haben, der Film ist ein Glückstreffer - zwar einer der auf etwas wackeligen Beinen steht, da das enge Klammern an Klischees die positive Wirkung manches Mal blockiert und auch Schuld daran ist, dass man am Einstieg ins Geschehen zunächst nicht wirklich interessiert ist. Aber die positiven Aspekte überwiegen schließlich. Die Geschichte ist spannend und wendungsreich erzählt, die Musik kitzelt selbst dann noch eine Gänsehaut hervor, wenn sie im Abspann keine Szenen mehr untermalt, und auch die Optik weiß den Zuschauer so manches Mal zu erschrecken. Auch gelegentliche Momente von Stille wurden sinnvoll für den Grusel-Effekt eingesetzt, und im Gegensatz zu vielen anderen Gruselfilmen geht der spannungsgeladene Effekt nicht flöten, wenn die zunächst unsichtbaren Kreaturen sichtbar werden.

Menschliche Geistererscheinungen wissen auch in vielen Konkurrenzprodukten noch zu wirken. Aber wenn dämonische oder monströse Gestalten ins Geschehen treten, ist es oft vorbei mit der Gruselwirkung. In „Insidious“ steht uns eine Begegnung mit Erstgenanntem bevor, und da das Wesen zunächst in einem düsteren Rückblick in Erscheinung tritt und später in einem aufregenden Szenario, zerstört es nie die Wirkung der jeweiligen Szenen in denen es auftaucht. Und das darf schon verwundern, entspricht es doch optisch einigen Klischees die üblicher Weise dem Teufel zugeschrieben werden. Und das hätte dann so peinlich ausfallen können wie das Aussehen des Dämons in „Devil's Rock“.

Eine gute Inszenierung sei Dank blieb uns dies im hier besprochenen Film erspart. Stattdessen erleben wir mit „Insidious“ einen wirksamen, wenn auch etwas innovationsfreien, Horrorfilm, der einem wahrlich das Gruseln lehrt. Dass man Ahnung davon besitzt etwas wirksam in Szene zu setzen, beweist allein schon der Schriftzug im Vor- und Abspann, der mit seiner Schriftart und der Tonabfolge, mit welchem er untermalt wurde, etwas Bedrohliches ausstrahlt und einem für diesen Bruchteil von Sekunden suggeriert gerade großes Kino zu sehen. Das ist freilich von der Wahrheit ein wenig entfernt, „Insidious“ erfindet das Kino nicht neu, aber als Freund von gruseligen Stoffen sollte man sich Wans ersten Teil der bislang dreiteiligen Reihe ruhig einmal angesehen haben.


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Freitag, 25. Dezember 2015

SCHÖNE BESCHERUNG (Christmas Vacation 1989 Jeremiah S. Chechik)


Die Griswolds feiern Weihnachten mit der ganzen Familie und Vater Clark ist derart bemüht ein besonders schönes Fest auf die Beine zu stellen, dass alles was er tut in Chaos ausartet...


Weihnachtsschlitten mit Klärgruben-Antrieb...

Der allseits beliebte „Schöne Bescherung“ ist der dritte Teil der 4-teiligen Griswold-Reihe mit Chevy Chase in der Hauptrolle und gehört zu jenen Ausnahmen, in welchen eine Fortsetzung besser ausgefallen ist als ihr Original. Das ist auch nicht weiter schwer zu bewerkstelligen gewesen, sind doch die Vorgänger „Die schrillen Vier auf Achse“ und „Hilfe, die Amis kommen“ ähnlich mittelmäßig ausgefallen wie der Nachfolger „Viva Las Vegas“. In Amerika wurden die Griswolds dennoch zum Kult, so sehr sogar dass sie es zu diversen Spin-Offs brachten und 2015 ein Mix aus Remake und Fortsetzung mit den Abenteuern von Clark Griswolds Sohn als Familienvater ins Kino kam.

Auch „Schöne Bescherung“ pendelt irgendwo im Mittelmaß, ist wie gesagt besser ausgefallen als der Rest der Reihe und hat auch viele gelungene Gags und schräge Ideen mit an Bord. Letztendlich guckt sich der Streifen aber ein wenig zu gewollt, meist dann wenn Slapstick auf dem Programm steht. Ein wenig verwundern darf das schon, ist das doch Teil einer fast jeder von John Hughes produzierten Komödie. Doch was in „Ein Ticket für zwei“ und „Kevin - Allein zu Haus“ rund läuft wirkt hier teilweise zu inszeniert, was sehr schade ist, da Zugpferd Chevy Chase ein begnadeter Komiker ist, der mit seiner subtilen Mimik bis hin zu seinen übertriebenen Grimassen keine Schuld an der mangelnden Wirkung seiner Chaos-Szenen besitzt. Ein Mitwirken von 21 Stuntmännern zeigt zudem dass das Problem auch kein finanzielles gewesen sein kann.

Also darf man den Schwachpunkt wohl in der Regie suchen. Der hauptsächlich für das TV arbeitende Jeremiah S. Chechik hat mit seinem sanften Folgefilm „Benny und Joon“ ein wesentlich besseres Werk abgeliefert. Stille Momente scheinen ihm mehr zu liegen, Momente die in „Hilfe, es Weihnachtet sehr“ (Alternativtitel) rar gesät sind. Dass auch diese nicht wirklich funktionieren wollen liegt am unsensiblen, da zu konservativ und spießigem, Drehbuch, welches selbst das finale Problem mit Griswolds Chef trotz diverser Möglichkeiten nicht kreativ zu nutzen weiß und anstatt nun vollends zur schwarzen Komödie zu werden sich feige und frei von Charme und Nachvollziehbarkeit aus der Affäre zieht.

„Christmas Vacation“ (Originaltitel) ist nun einmal nur ein zahmer Weihnachtsfilm für die ganze Familie, da darf man weder Anarcho-Gehalt noch große Komödienkunst erwarten. Verglichen mit dem was sonst diesbezüglich auf dem Markt ist, hat „Schöne Bescherung“ dennoch die Nase vorn, und das erreicht er mit solch wunderbaren Momenten wie der Auto/LKW-Szene zu Beginn, dem Stürmen in Griswolds Haus durch eine Eliteeinheit der Polizei und durch allerhand kleiner, frecher Witzchen am Rande, welche meist treffsichere Sprüche von Vater und Mutter Griswold sind.

Ansonsten wird auf den typischen Festtags- und Familienklischees herumgeritten, nie zu flach, aber auch nie so gut dass „Schöne Bescherung“ seinem Ruf als einer der meist gegucktesten Weihnachtsfilme gerecht werden würde. Ein Hingucker ist in der Theorie zumindest die Besetzung. Die Griswold-Kinder, die erbärmlicher Weise pro Film nicht nur jedes Mal anders besetzt wurden, sondern deren Alter auch stets variierte, gehören mittlerweile zur Kino- und TV-Prominenz. So ist die ewig junge Juliette Lewis in einem diesmal tatsächlich jungem Alter vor der Kamera zu bewundern, und der als Leonard in „The Big Bang Theory“ berühmt gewordene Johnny Galecki spielt als ihr Bruder neben ihr. Leider wird beiden Jungdarstellern keine besondere Szene gegönnt. Sie sind lediglich besetzt um Kinder in der Familie vorweisen zu können, so dass die eigentlich interessante Besetzung dann doch nicht mehr als ein Achselzucken hervor bringt.

Auf simpler Ebene funktioniert John Hughes Weihnachts-Produktion. Der Humor ist auf Nummer Sicher gesetzte Massenkomik, der Film somit typischer, aber solider Mainstream. Wer nichts individuelles und besonders aufregendes erwartet, wird nicht enttäuscht. „Schöne Bescherung“ ist ein schlichter Film für schlichte Gemüter. Wieviel mehr man aus einer Weihnachtskomödie herausholen kann bewies John Hughes mit Hilfe von Chris Columbus nur ein Jahr später mit dem wesentlich sympathischeren und treffsicheren „Kevin - Allein zu Haus“.


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Donnerstag, 24. Dezember 2015

STARBUCK (2011 Ken Scott)


Der hoch verschuldete David Wozniak bekam von seiner schwangeren Freundin gerade zu verstehen dass er ihr zu verantwortungslos ist um das gemeinsame Kind mit großzuziehen, da beschließt er endlich sein Leben in den Griff zu bekommen. Dies erweist sich jedoch als deutlich schwieriger als erwartet, denn kurz nach diesem Beschluss erfährt der ehemalige Samenspender, dass er Vater von über 500 Kindern ist und ein Teil von denen eine Sammelklage eingereicht hat, um die Anonymität des Spenders aufzuheben. David beginnt sich unerkannt mit einigen seiner mittlerweile erwachsenen Kinder zu treffen, findet Gefallen an der Rolle des fremden Helfers und weiß nicht ob er sich zu erkennen geben soll oder nicht...


Mein Vater, ein Becher voller Sperma...

Wer Gefallen an „Starbuck“ finden will, der muss sich im klaren sein dass es sich bei dieser kanadischen Produktion, die in Amerika mittlerweile als „Der Lieferheld - Unverhofft kommt oft“ mit Vince Vaughn in der Hauptrolle neuverfilmt wurde, um einen Wohlfühl-Film handelt. Hier wird der gesellschaftskritische Aspekt nicht sonderlich in den Vordergrund gerückt. Der Anwalt Wozniaks wird nicht von Andersdenkenden attackiert wie es jener aus dem Götz George-Film „Nichts als die Wahrheit“ über sich ergehen lassen musste. Es wird nicht kritisch hinterfragt ob Samenspende ein Segen oder eine fragwürdige Sache ist. Ken Scotts Werk kommt relativ blauäugig daher, weiß dass es nur Kino ist, und aufgrund dieser entspannten Haltung funktioniert er ähnlich gut wie der mit ähnlichen Schwerpunkten erzählte „Lars und die Frauen“.

Problembereiche werden nicht ausgeblendet, „Starbuck“ besitzt einige dramatische Aspekte, die nicht schön geredet werden. Aber in diesem Film löst sich letztendlich trotzdem alles in Wohlgefallen auf. Es gibt keine Probleme die nicht zu lösen wären, und genau in dieser Leichtigkeit ist er nicht realitätsorientiert, was Stoff für Gegenkritik bietet. Dies jedoch nur wenn man nicht verstanden hat, dass es in diesem Film rein um Menschlichkeit geht, um das Miteinander welches uns im Alltag gerne hin und wieder verloren geht, wenn eigene Probleme sich in den Weg stellen. Und innerhalb dieser liebenswerten Einschränkung der Thematik erweist sich „Starbuck“ nun als überraschend vielschichtiger Film, dank verschiedenster Blickwinkel und allerhand Möglichkeiten, die allein durch die Masse an Nebendarstellern gegeben ist, die für solch eine Geschichte benötigt werden.

Was ebenso eine schlüpfrige und alberne Komödie hätte werden können, wird in der Hand von Ken Scott und dank des sensiblen Spiels von Hauptdarsteller Patrick Huard zu einem tragikomischen Stück Wohlfühl-Film, der nicht wie die gedankenlosen Vertreter dieser Gattung Film rein zum träumen anregt, sondern den Zuschauer trotz manch blauäugiger Momente nachdenklich zurück lässt. „Starbuck“ fehlt es weder an Komik noch an Dramatik. Er ist nicht moralisch erzählt und ist trotz dem Fehlen unlösbarer Probleme nicht weltfremd ausgefallen. Dies alles zusammen ergibt das Kunststück, welches ihn zu einem solch angenehmen und sehenswerten Stück Kino macht, welches man sich nicht entgehen lassen sollte.


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Sonntag, 20. Dezember 2015

CANNIBAL TERROR (Terror canibal 1981 Julio Perez Tabernero)


Kindesentführer flüchten auf eine Insel auf der Kannibalen hausen. Die Eltern reisen hinterher...


Ein Laubwald wird zum Urwald...

Das Sub-Genre des Kannibalenfilms, das seine Hochzeit in den 70er und 80er Jahren in Italien hatte, ist ein sehr umstrittener Filmbereich, der oft nicht auf Gegenliebe stößt. Meist wird die immergleiche Geschichte reißerisch erzählt, gruselig wird es nie, dafür wird der dünne Plot mit harten Ekelszenen aufgepeppt. Darüber kann man denken wie man will, aber spätestens bei „Cannibal Terror“ dürften sich Kritiker und Liebhaber dieser Filmgattung einig sein. Taberneros Werk ist der hinterletzte Schrott, billig hingerotzt, geradezu lustlos inszeniert, einzig darauf erpischt von der Erfolgswelle auch etwas Geld abzugreifen.

Die Einleitung macht schnell deutlich was man zu erwarten hat: Darsteller die selbst das billige Spiel anderer Produktionen extremst unterbieten, eine deutsche Synchronisation wie man sie sonst im Pornobereich vorfindet, ein idiotischster Storyablauf in dilettantischer Umsetzung, „Terror canibal“ (Originaltitel) besitzt keinerlei Ambitionen etwas Unterhaltsames abzuliefern. Und das ändert sich auch nicht wenn die Pappnasen von Pseudo-Figuren endlich einmal das benachbarte Waldgebiet erreichen, welches den fernen Dschungel darstellen soll. Da wird im Hintergrund ein wenig Trommelmusik und Tropengeräusche eingebaut und fertig ist die Illusion inmitten von Laubbäumen, die sich in den viel zu zivilisiert aussehenden Kannibalen ebenso wiederspiegelt.

Billigste Bluteffekte können diesmal auch den hartnäckigsten Gorefreund nicht aus der Reserve locken, und zwischen dieser harten Momente ist ewiges Zeit schinden angesagt, freilich ohne dass man sich für irgend etwas Gezeigtes interessiert. Ich habe selten solch einen langweiligen Dünnschiss gesehen. Gerade der italienische Kannibalenfilm bot immer, egal wie gut oder schlecht ein Werk ausgefallen ist, eine gewisse Grundatmosphäre aufgrund der exotischen Kulisse. Diese spanisch/französische Co-Produktion besitzt nicht einmal dieses kurzfristig rettende Element.

Es gibt nichts was es nicht gibt, aber dass irgendwer Gefallen an „Cannibal Terror“ finden könnte, halte ich für absolut unwahrscheinlich, zumal er sich nicht einmal als unfreiwillig komischer Trash anbietet, egal wieviel Alkohol man zu Hause vorrätig hat. Zumindest liest sich der Werbezug von Laser Paradise im nachhinein unglaublich lustig. Dort heißt es der Streifen sei der weltweit meistgesuchte Kannibalenfilm. Wahrscheinlich weil ihn seinerzeit jeder in die Mülltonne geworfen hat. Das empfehle ich jeglichem Besitzer dieses Filmes übrigens auch.


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NÄCHTE DES GRAUENS (The Plague of the Zombies 1966 John Gilling)


In einer kleinen Stadt geschehen Todesfälle, die der ortsansässige Arzt sich nicht erklären kann, da die altmodischen Bürger der Stadt ihn keine Autopsie durchführen lassen. Also ruft er seinen ehemaligen Lehrer zu Hilfe, der auch gleich mit seiner Tochter anreist um Licht ins Dunkel zu bringen. Ominöse Zusammenhänge zwischen den Verstorbenen und ein leeres Grab bringen den Gelehrten auf die unglaublich klingende Idee es mit Voodoo-Zauber zu tun zu haben...


Motorrad-Rocker auf Pferden...

Die Hammer-Schmiede ist legendär. Über viele Jahre mischte sie erfolgreich im Horror-Filmgeschäft mit, wegweisende Werke ebenso produzierend wie experimentierfreudige Misserfolge. Es ist kaum zu glauben, aber mit „Nächte des Grauens“ haben sie ihren einzigen Beitrag zur Zombie-Thematik abgeliefert, und dieser ist, zwei Jahre vor Erscheinen von Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“, freilich noch an der klassischen Voodoo-Thematik orientiert und damit nicht vergleichbar mit dem was wir heutzutage unter einem Zombiefilm verstehen.

Da kann man nur sagen zum Glück, denn was Regisseur John Gilling auf die Beine gestellt hat ist ein waschechter Grusler, der inhaltlich ein wenig mit Bavas zeitgleich erschienendem Geister-Horror „Die toten Augen des Dr. Dracula“ zu vergleichen ist und der ebenso wie dieser klassischer kaum ausfallen konnte. Hinterwäldler wehren sich gegen die moderne Wissenschaft, monströse Erscheinungen treiben ihr Unwesen, und das ganze wird eingefangen in herrlich modrigen Friedhofs- und Burgen-Locations, spielend zu einer Zeit in der man noch per Kutsche von A nach B gereist ist.

Die Geschichte selbst nimmt sich viel Zeit. Es geht darum ein mysteriöses Rätsel zu lösen, und dieses Spiel den Zuschauer im Ungewissen zu lassen funktioniert hervorragend. Gilling weckt gekonnt die Neugierde des Publikums wenn er nur Häppchenweise Hinweise auf die Auflösung liefert. Dank greifbarer und sympathischer Charaktere und einer dichten Atmosphäre, die auch (bereits damals) von ihrem nostalgischen Flair lebt, hat der Film einen schnell gefangen, selbst wenn man (allein schon aufgrund des Originaltitels) bereits weiß dass der Streifen einer Zombie-Thematik nachgeht.

Selbst dann würde man jedoch nie erwarten was alles für Zusatzideen zur Auflösung dazu gehören, Ideen die nicht immer nachvollziehbar sind, aber da wo in Horrorfilmen ein krankes Hirn der Genialität tätig ist, da gibt es auch immer Fragwürdigkeiten in der Logik derer Taten, also was soll‘s.

Etwas schwerwiegender schadet der Inszenierungsstil des Finales dem Gesamtwerk, wird doch nun durch die Auflösung die bislang stimmige Atmosphäre aufgebrochen um Taten folgen zu lassen, und da lässt die Stimmung von „The Plague of the Zombies“ (Originaltitel) schon ein wenig nach. Dass Gillings Werk auch in dieser Phase noch ein sehenswerter Film ist steht bei solch gekonnter Umsetzung außer Frage, aber das Finale wird nicht zum Höhepunkt des Films, ein Schicksal das viele atmosphärisch dicht umgesetzte Horrorwerke teilen. Der Weg zum Ziel war im Vergleich einfach aufregender erzählt.

Trotz dieses streng betrachteten Defizits gehört „Im Bann des Voodoo-Priesters“ (Alternativtitel) für mich zu den besten Hammerfilmen die ich bislang sichten durfte. Sein Platz neben „Dracula“ ist ihm in meinem Herzen gewiss. Erschienen ist der Film seinerzeit im Doppelpack mit „Blut für Dracula“, der sicherlich das Zugpferd war um das Publikum zu locken. In Wahrheit versteckte sich das bessere beider Werke hinter dem hier besprochenem Titel. Wer klassischen Grusel in nostalgischem Gewandt mag, der sollte zu diesem seltenen Mix aus Zombiefilm und Gothik-Horror greifen, der seinen Höhepunkt in einer Traumsequenz besitzt, in welcher vermoderte Tote aus den Gräbern steigen dürfen - ein Szenario welches es trotz der Flut an Zombiefilmen leider viel zu selten zu sehen gibt.


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Samstag, 19. Dezember 2015

ICH - EIN GROUPIE (1970 Erwin C. Dietrich)


Die relativ unerfahrene Vicky verguckt sich in einen Rockmusiker, der sie nach einer gemeinsamen Nacht sitzen lässt. Sie möchte ihm nach Berlin hinterher reisen, begleitet von einem befreundeten Groupie, aber da beide Frauen pleite sind geht dies nur über Umwege, die Vicky in eine Welt der freien Liebe und des Drogenrauschs einführen, so dass das eigentliche Ziel der Reise nicht mehr wirklich von Interesse ist...


Ein Stück Lebensgefühl...

„Ich - Ein Groupie“ fängt den Zeitgeist der späten 60er und frühen 70er Jahre gekonnt ein. Ohne dass ich je Teil dieser Zeit gewesen bin fühlt sich der Streifen in seiner ehrlichen Art unglaublich echt an, zeigt was reizvoll damals war und was weniger. Im Zentrum steht die naive Vicky, die sich aufgrund ihrer mangelnden Erfahrung und des sich treiben Lassens gedankenlos auf alles einlässt was ihr so angeboten wird, in einem Rausch aus Drogen, Erotik und Musik-Combos, der einen glauben lässt es würde sich nie wieder etwas ändern.

Negative Seiten zieht man nicht in Betracht. Man hat sich die Freiheit heraus aus dem konservativen Lebensstil der Adenauer-Ära erkämpft und genießt jene Mentalität, die frei vom Spießbürgertum ist. Optimismus liegt in der Luft in Zeiten vor Aids, der Wahrnehmung der Umweltzerstörung und der Isolierung durch elektronische Freizeitbeschäftigungen. Man steht noch bereitwillig im Kontakt zueinander. Das Leben ist schön.

Regisseure Dietrich fängt dieses freie Lebensgefühl gekonnt ein, die Verlockung dieser Art zu leben und den Spaß am Rausch. Es wird lange Zeit nichts kritisch hinterfragt. Der Abgrund kommt schleichend daher, beginnt mit kleinen Diebstählen und endet in immer extremer werdenden Drogenexzessen. Der Clou des Streifens ist es, dies keineswegs moralinsauer einzufangen. „Das Mädchen mit dem Einwegticket“ (Alternativtitel) soll nicht belehren, was aufgrund der freizügigen Darstellung auch recht heuschlerich eingefangen worden wäre. Zwar endet der Film dramatisch, mit einer großartigen Gegenüberstellung von Drogenphantasie und Wirklichkeit, aber die Art in welcher der ernste Teil der Geschichte umgesetzt wurde, ist ebenso Pulp wie die Sexszenen, Musiksequenzen und Drogenmomente.

„Ich - Ein Groupie“ ist Bahnhofs-Kino pur, und wieviel Reiz im scheinbaren Schund steckt, wie viel tiefer eine Thematik geht wenn man sie nicht konsequent bemüht mit Inhalt voll stopft, das zeigt uns dieses Werk mit der jungen Ingrid Steeger in der Hauptrolle, die nichts weiter als gut aussehen muss um durch den Streifen zu führen. Letztendlich könnte man sie gegen eine andere Hübsche austauschen, das Gelingen des Filmes liegt nicht wirklich an ihr, sondern an der guten Beobachtungsgabe der Geschichtenerzähler und ihrer Kunst das Jetzt von damals gekonnt einfangen zu können.

Neben diverser Auftritte von Rock-Gruppen gibt es u.a. eine Sequenz zu sichten, in welcher die Hells Angels mit an Bord sind. Die haben bei den Kinoaufführungen damals für Stress gesorgt, da Szenen enthalten waren, die sie nicht drin haben wollten. Schlussendlich wurden sie ausbezahlt um besagte Momente nicht herausschneiden zu müssen, was nötig war, da die Aufführungen bereits unter Polizeischutz stattfinden mussten.

Tatsächlich kommt die schlichte Geschichte ein wenig ins Schleudern wenn die Rocker auf den Plan treten, weiß man doch nicht was man von dem gewaltbereiten, aber dann urplötzlich friedlich schließenden Neben-Plot halten soll, der damit endet dass zwei nackte Frauen sich in einem Modegeschäft neu einkleiden. Danach trennen sich die Wege von Motorrad-Rockern und Groupie. Mag sein dass man die Verwandtschaft zwischen beiden Lebenseinstellungen aufzeigen wollte, was auch immer, es soll mir egal sein.

Ansonsten weiß dieser Mix aus Drama, Erotik und Musikfilm zu gefallen, allein schon weil er den Unterschied deutlich macht zwischen dem Genießen gesellschaftlich hart erkämpfter Freiheiten und dem Exzess jeden Drogenmüll ausprobieren zu müssen den der Markt zu bieten hat. Die Natürlichkeit des Sex steht der Chemie der Drogen gegenüber. Wo das natürliche Kraut des Kiffens in „Higher and Higher“ (Alternativtitel) noch zum positiven Lebensgefühl dazuzählen darf und somit nicht als Einstiegsdroge betrachtet wird, da führt erst das harte Zeug ins Gegenteil, in die Unfreiheit und in den ungewollten Sex.

Vicky erlebt dieses Schicksal nicht mehr. Ihr Ende findet drastischer und überraschend schnell statt. Das ist vielleicht auch besser so, denn der fast schon eingeleitete Schritt in die Zwangsprostitution hätte das locker leichte Feeling des Streifens zerstört. Mit seinem plötzlichen und unsensiblen, fast schon reißerischem Schluss steht der Streifen dem berühmtesten filmischen Vertreter des alternativen Lebensstils der 60er Jahre, „Easy Rider“, in nichts nach, der im Film nicht ungenannt bleibt. „Ich - Ein Groupe“ gefällt mir wesentlich besser.


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TAGEBUCH EINES FRAUENMÖRDERS (1969 Helmut Käutner)


Der Schriftsteller Lehmann trifft in einem Lokal zufällig seinen ehemaligen Schulfreund Rudi Böhm wieder. Als Böhm erfährt dass Lehmann sein Geld mit reißerischen Tatsachenberichten zu kriminellen Hintergründen verdient, behauptet er von sich ein Frauenmörder zu sein. Lehmanns Auftraggeber Marojan ist begeistert und setzt auch gleich einen Vertrag auf. Als jedoch die Polizei auf Böhm aufmerksam wird und sich im Zuge der Ermittlungen herausstellt, dass er ein Blender ist, bietet Böhm Marojan an sich für zukünftige Morde an Frauen bezahlen zu lassen...


Knapp an der schwarzen Witwe vorbei geschrammt...

Was sich auf dem DVD-Cover wie ein Kriminalfilm liest entpuppt sich beim Sichten als entspannt inszeniertes Lustspiel, welches weniger Interesse an der Aufdeckung der Verbrechen seiner Täter hat, als viel mehr an der Entlarvung der Sensationsgier der Boulevardpresse. „Tagebuch eines Frauenmörders“ ist augenzwinkernd gedacht, dementsprechend lustig erzählt, immer wieder mit kleinen Seitenhiebe auf andere Themenbereiche versehen und trotz der Medienkritik nie moralisch ausgefallen. Inszeniert ist das ganze fast schon wie ein Theaterstück. Nur wenige Außenaufnahmen brechen das bewusst künstlich gespielte Treiben auf der Bühne auf, ein Stilmittel mit dem man sich anfreunden muss, um Gefallen an Helmut Käutners Satire zu haben.

„Tagebuch eines Frauenmörders“ fühlt sich nie echt an. Grundlage wie Storywendungen kommen höchst brachial daher, bauen auf der Naivität der Figuren auf, die nie zu echten Menschen werden, eingebettet in humoristische Übertreibungen. Das sind keine versehentlichen Fehler. Käutners Lustspiel ist so gedacht und erntet aus dieser Entfremdung seine Wirkung. Die Schauspieler sind gut aufgelegt, an keinem von ihnen gibt es etwas zu meckern, zumal jeder für seine Rolle gut besetzt ist. Und doch will „Tagebuch eines Frauenmörders“ nicht vollends überzeugen, ist er in seiner Aussage doch zu aufdringlich. Eine subtilere Annäherung an das Thema wäre dem Werk besser bekommen als seine Holzhammer-Methode, mit der er die Protagonisten ins Feuer laufen lässt.

Sie ist etwas zu extrem ausgefallen, die Bereitschaft für eine Story ohne jegliches Mitleid für zukünftige Opfer das Gesetz zu brechen. Ebenso häufen sich die Zufälle gegen Ende zu sehr, um eine Pointe zu bieten, die von einem Unterschied lebt, der keiner ist. Auch die Bereitschaft Böhms morden zu wollen, allein aus dem Grund Aufmerksamkeit zu erhaschen, wirkt zu sehr aus dem Nichts gegriffen, auch wenn gerade dieser Punkt noch von der lockeren Grundstimmung aufgefangen werden kann.

Erwartet man weder Richtung Spannungsaufbau noch von der Wirksamkeit der Medienkritik all zu viel weiß „Tagebuch eines Frauenmörders“ als Trivialverzehr für zwischendurch zu gefallen. Siegfried Lowitz trägt mit seinem Mix aus professionellem und absichtlich die Fernsehwand durchbrechendem kalauerndem Spiel das etwas wackelig ausgefallene Werk, während Helmut Qualtiner mit seiner passiven, starren Art genau das an Böhm herauszukitzeln vermag, was diesen Typ Täter ausmacht, ein Pluspunkt der zu einem der wenigen Zutaten zählt, in welchen das Stück psychologisch richtig angegangen wurde.

Für TV-Nostalgiker ist das Sichten dieses Fernsehspiels sicherlich kein Fehler, schaut es sich doch mit Blick von heute so fremd, eben weil solch etwas Unverkrampftes in der heutigen TV-Landschaft gar nicht mehr denkbar wäre. Zu bemüht ist heutzutage alles auf ernst und professionell getrimmt und wenn nicht dann gleich auf komplett trivial und dilettantisch. „Tagebuch eines Frauenmörders“ guckt sich heute so fremd wie er für sein Medium inszeniert ist und ist damit ein interessantes Stück Vergangenes, das zwar nicht einzig von seinem Nostalgie-Faktor lebt, aber zumindest ein gutes Stück davon. 

NATÜRLICH DIE AUTOFAHRER (1959 Erich Engels)


Nicht nur dass sich die Tochter von Verkehrspolizist Dobermann in einen Verkehrssünder verliebt, der besagte Mann ist auch noch Rennfahrer. Dobermann, der selbst nie viel von Autos gehalten hat, ist dementsprechend gegen die Liebschaft seiner Tochter. Aber mit einem Trick versucht das Paar den Herrn Papa umzustimmen. Sie schieben Dobermann bei einer Verlosung den Hauptpreis unter: ein nagelneues Auto...


Bravo! Bravo!...

Um eine gelungene Komödie zu erzählen bedarf es nicht zwingend einer echten Handlung, erst recht wenn der Film hauptsächlich von einem Publikumsliebling getragen wird, in diesem Falle von Heinz Erhardt wie man ihn klassischer nicht erleben könnte. Zahme Scherze, Wortspielereien und kindlicher Schabernack gehören zum Grundprogramm des liebenswerten Grummelpeters, der in der Rolle des Verkehrspolizisten Dobermann selbst seiner besten Freundin per Sie, so als würde man sich nicht kennen, einen Strafzettel überreicht.

Von einem wirklichen Autohasser, wie über die Rolle Dobermanns oftmals berichtet wird, kann man nicht wirklich sprechen. Er besitzt lediglich kein Automobil und ist aufgrund einer Umleitung, die an seinem neu erworbenem Heim vorbei führt, wütend über den Krach den die Lastwagen verursachen (vom Schaden am Haus einmal ganz zu schweigen). Dass er gegen die Verlobung seiner Tochter ist, hat mit der frechen Art zu tun, die der Verkehrssünder bei Übergabe des Strafzettels an den Tag legte. Da kommen also ungünstige Umstände zusammen, welche die Meinung Dobermanns übers Auto falsch deuten lassen könnten.

Und eben weil Dobermann kein Autohasser ist, tritt der entscheidende Erzählstrang, dass er nun selbst einen Führerschein machen muss, erst so spät in Erscheinung, ist doch dieser Teil der Geschichte für die Gesamtheit gesehen ebenso unwichtig wie der Rest der Erzählung, kommt es doch eben nicht auf den roten Faden an, welchen „Natürlich die Autofahrer“ nur recht dünn besitzt, sondern auf das Zusammenspiel und die Sympathie der Figuren, die von einem Szenario zum anderen hüpfen, was immer irgendwie etwas mit Autos zu tun hat.

Dank gut aufgelegter Schauspieler und funktionierendem Humor ist das auch alles was der Film braucht um zu funktionieren. Die gelegentlichen Musikeinlagen wissen den Streifen zwar nicht positiv zu unterstützen, aber sie nerven auch nicht. Das Lied „Cowboy Mambo“ weiß zudem noch unfreiwillige Komik zu versprühen in einem Werk welches ansonsten gewollte Lacher erntet. Ruth Stephan, die mir in vielen anderen Rollen durch ihre viel zu überdrehte Art stets negativ aufgefallen ist, weiß in ihrer Rolle als nicht offiziell Angebetete Dobermanns ebenso zu gefallen wie die restliche Besetzung, und allein deswegen war „Natürlich die Autofahrer“ bereits einen Blick wert.

Nicht unerwähnt sollte der relativ kurze Auftritt von Trude Herr bleiben, die als Fahrlehrerin des späten Schülers friedlicher agiert als ich vermutet hätte. Aus welchen Gründen Dobermann die Prüfung besteht ist ein ähnlich konstruiertes Szenario wie der Rest des Streifens, aber auch ebenso lustig wie die anderen Momente dieses leichtfüßigen Filmes, der nicht wirklich etwas zu erzählen hat. Dementsprechend stört einen auch das etwas plötzliche, menschlich nicht ganz nachvollziehbare, Happy End nicht wirklich. Dass es eins geben würde stand nie zur Diskussion, und am Ende freut man sich ohnehin nur, dass dieser brave Nonsens so angenehm unterhalten hat. „Natürlich die Autofahrer“ ist aufgrund seiner schlichten Erscheinung kein Highlight am Komödienhimmel, für Heinz Erhardt-Interessierte gehört Erich Engels Regiearbeit jedoch zum Pflichtprogramm.


Freitag, 18. Dezember 2015

MEIN MANN, DAS WIRTSCHAFTSWUNDER (1961 Ulrich Erfurth)


Der Industrielle Alexander Engelmann sucht für seine verzogene 16jährige Tochter eine Mutter und glaubt in der Schauspielerin Ilona Farkas die Richtige gefunden zu haben. Er setzt einen Ehevertrag auf ohne zu ahnen, dass Frau Farkas ganz andere Pläne verfolgt...


Erhardts größte Erfolge fast ohne ihn...

„Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ wird in einer DVD-Box als einer der großen Erfolge des Komikers Heinz Erhardt verkauft und beworben, und da erwartet man einen gewissen grundlegenden Charme, der die Komödien des heute noch so beliebten Mimen von unbedeutenden Beiträgen des Genres damaliger Zeit trennte. Da Erhardt jedoch nur eine relativ kleine Nebenrolle spielt, kann der Film von Regisseur Ulrich Erfurth die vorgegaukelten Erwartungen nicht erfüllen.

Da aber selbst der etwas wackelige „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ funktionierte, trotz selbigen Problems, muss das noch nichts heißen. Aber auch als Film für sich betrachtet, losgelöst von den Stärken Erhardts, will mir „Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ so gar nicht gefallen. Viel zu verkrampft konstruiert empfand ich den Plot, ohne dass aus dessen Übertreibung und Realitätsferne Humor, Charme oder eine innereigene Logik geerntet werden konnte. Zudem nervte mich so ziemlich jede weibliche Rolle durch ihr schrilles Auftreten (was zu den viel zu schrillen Stimmen passte) und durch ein vorgelebtes Frauenbild, das unglaublich frech wirken will, das weibliche Geschlecht jedoch nur beleidigt.

Zwar kommt das Männerbild nicht viel besser weg, aber die Klischees in denen ihre Charaktere baden dürfen wirken verspielt, augenzwinkernd, provokativ und die kleine Rolle Heinz Erhardt betreffend aufgrund ihrer Schwächen sogar sympathisch. Leider sind dies keine Stärken die den Film tragen können, fehlt es der leichtfüßig erzählten Komödie doch an Würde und brauchbarer Witze, geschweige denn gut gesetzter Pointen. Eine Menge unnötiger Singsang gibt einem schließlich den Rest. Und wer glaubt Hansi Kraus wäre als Pepe Nietnagel in den Lümmel-Filmen bereits etwas zu gewollt auf dreist getrimmt worden, der sollte sich die Darstellung von Cornelia Froboess als unartige 16jährige im hier besprochenen Werk besser nicht antun.

Somit ist „Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ nicht nur eine Heinz Erhardt-Täuschung, sondern auch eine komödiantische Enttäuschung, der es an so ziemlich allem fehlt was den Charme der damaligen Lustspiele ausgemacht hat.


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Dienstag, 15. Dezember 2015

DAS GRAUEN AUS DER TIEFE (Humanoids from the Deep 1980 Barbara Peeters u.a.)


Mutierte Fischmenschen bedrohen die Bewohner einer kleinen Küstenstadt...


Wiederholung der Evolution: Fische mit Füßen...

16 Jahre bevor „Das Grauen aus der Tiefe“ erschien machte „The Horror of Party Beach“ mit einer sehr ähnlichen Geschichte vor wie man besagte Idee flott und einfallsreich erzählt bekommt. Mögen die Musiksequenzen den Streifen auch zu Beginn gestreckt haben, sie sind nichts im Vergleich zu dem was an Einführungszeit genutzt wird, um das Minimum an Story schwer wie Blei im hier besprochenen Werk in die Gänge zu setzen. Charaktere die keinen interessieren, das typisch schleppend ausgefallene Zeitschinden, welches 70er Jahre-Filme durch eine dichte Atmosphäre und eben griffiger Charaktere wieder wett gemacht haben, das alles setzt einiges an Geduld bei einem Publikum voraus, welches schon x bessere Werke ähnlicher Thematik kennen dürfte.

Viel zu bieder kommt das Südstaaten-Flair daher, welches in „Mörderspinnen“ durch eine spürbare Bedrohung und in „Taranteln - Sie kommen um zu töten“ durch ein solidarisches Mitfiebern überspielt werden konnte. „Humanoids from the Deep“ (Originaltitel) hingegen, der 16 Jahre später unter dem selben Originaltitel noch einmal neuverfilmt wurde, badet mitten im überholten Denken hoch konservativer Menschen, weder die Vorteile dieser Mentalität aufzeigend noch sie kritisierend, und das muss der Zuschauer immer so lange ertragen, bis sich die beiden Regisseure zwischendurch durchringen können endlich Monstersequenzen einzubringen.

Hier besitzt „Monster“ (Alternativtitel) nun seine Stärke, denn die Viecher sind ein optischer Leckerbissen, welcher das klassisch grüne Monsterfilm-Kostüm, wie wir es seit der 50er Jahre kennen, erweitert durch ein vermodertes, zerfallenes Äußeres, wie es Jason in „Freitag der 13. 7“ und die Zombies aus den Fässern in „Return of the Living Dead“ ebenfalls besaßen. Allerdings besitzen auch die Szenen in denen die Fischmenschen auftauchen lediglich quantitative Schauwerte, wirklich vorwärts bringen sie die stillstehende Story nicht, die sich neben all ihrer Langeweile zudem noch erdreistet plumpe Weiße gegen Ureinwohner-Klischees einzubauen, um sie am Schluss in geheuchelter Solidaritätssoße wieder auszuspucken.

Wenn die Fischmutanten im Finale über die Festlichkeit des kleinen Dorfes herfallen, geht zwar ordentlich die Post ab, aber das entschädigt nur Zuschauer schlichten Gemüts, wie Gorehounds, die nun endlich die gar nicht mal so unblutige Schlachtplatte serviert bekommen. Da wird man mit Spezialeffekten zugeworfen bis der Arzt kommt, und da darf auf beiden Seiten ordentlich gemordet werden, bis selbstverständlich der Mensch über eine Spezies siegt, der er nie eine Chance gab, was freilich nie kritisch hinterfragt wird.

Sicher kann man das zähe Werk schauen, wahrlich schlecht sieht anders aus, aber es ist traurig dass ein Genre-Beitrag aus den 80er Jahren so wenig aus den Krankheiten des 50er Jahre Monsterfilms gelernt hat, während viele Konkurrenzprodukte gleicher Zeit fortschrittlicher ausgefallen sind. Aufgrund der Lustlosigkeit und der fehlenden Experimentierfreude wird „Das Grauen aus der Tiefe“, den man nicht mit dem gleichnamigen 50er Jahre-Krakenfilm verwechseln sollte, auch nie zu einer würdigen Verbeugung zu den trashigen Vorfahren seiner Gattung. Was die beiden ansonsten Horror-unerfahrenen Regisseure auf die Beine gestellt haben kann man wahrlich nur als mau bezeichnen, so dass mich der kleine Fan-Kult um diesen unbedeutenden Streifen sehr verwundert. In seiner Gesamtheit kann man den Film durchaus mit dem unbekannteren „The Being“ vergleichen.


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