Samstag, 29. November 2014

HELLFJORD (2012 Roar Uthaug u.a.)


Der unterdurchschnittliche Polizist Salmander wird in das weit abgelegene, popelige  Küstendorf Hellfjord zwangsversetzt, wo er die letzten drei Monate vor der Gültigkeit seiner Kündigung verbringen soll. Als im Dorf ein Isländer auf rätselhafte Art ums Leben kommt, führen alle Spuren in die Fischfabrik des zwielichtigen Bosse Nova...


Raucher, Monster, tote Menschen...

„Hellfjord“ gewinnt von Anfang an Sympathie durch seine grotesken Figuren, die in skurrilen Situationen Schwarzhumoriges hervorbringen, während das ganze in einem ganz nüchternen und trockenem Stil erzählt ist, vielleicht ein wenig mit dem Kult-Film „Fargo“ vergleichbar. Inhaltlich erinnert das ganze ein wenig an „Hot Fuzz“, ein Film mit dem man sich aufgrund dessen Bekanntheitsgrades auch auf der deutschen DVD-Veröffentlichung identifiziert. Eine Zeit lang scheint dieser Vergleich nicht zu hoch gegriffen zu sein, ist das Feingefühl für treffsichere Pointen in einer belustigenden Grundatmosphäre doch wirklich nicht von schlechten Eltern, wenn den Humorschwerpunkt auch ganz anders setzend als der Vergleichsfilm, eben weil alles sehr viel trocker, grotesker und ruhiger präsentiert wird.

Ein wenig verärgert das inflationäre Einbringen von Kotz- und anderweitiger Würgkomik, allerdings wird sie meist belustigend und psychologisch sinnvoll eingebracht, z.B. zur Verstärkung wichtiger Charaktereigenschaften. Ein Pluspunkt ist die Deutschvertonung, welche den grotesken Gestalten glaubwürdige Stimmen beschert, und welche es schafft die Kultfigur des Kobba um einige Lacher zu bereichern, eben weil dessen Synchronstimme so großartig zu seiner rätselhaften Natur passt.

Drei Folgen von gerade einmal sieben geht dies in der Mini-Serie „Hellfjord“ gut, doch schon in der vierten bröckelt langsam die Treffsicherheit der Komik, wenn die senile Gastgeberin Salmanders zu viele Auftritte beschert bekommt. Kommende Folgen weisen andere Mängel auf, z.B. das Zurückschrauben der Humorquote zur Aufstockung des Erzählpotentials. Aber auch dies wäre aufgrund funktionierender Komik in angenehm trockener Umsetzung kein Problem gewesen, zumal die Groteske der Figuren weiterhin, trotz einer gewissen Gewöhnung, zu funktionieren weiß. Viel mehr ist es die Überraschungsarmut Richtung Finale, die viel am Potential von „Hellfjord“ kaputt macht.

Dass die Serie nicht 1-A funktioniert braucht bei genauem Hinsehen der Hintergrundverantwortlichen auch gar nicht wundern, ist Hauptautor der Chose doch Regisseur Tommy Wirkola, der in seinem Erfolg „Dead Snow“ auf massentaugliche Komik unter Niveau setzte und mit seinem „Hänsel und Gretel - Hexenjäger“ auch alles andere als eine einfallsreiche Geschichte ablieferte. Gemessen an diesen Ergebnissen liegt die Qualität von „Hellfjord“ weit vorne, und man darf sich gar wundern, dass der Humor derart geglückt ist. Wahrscheinlich war es einfach eine weise Entscheidung, dass Wirkola die Regie anderen überließ, z.B. Roar Uthaug, der den ersten, so großartig ausgefallenen, „Cold Prey“ inszenierte.

Es ist schade mit anzusehen, dass die rätselhafte und groteske Geschichte zum Ende hin nicht eine ebenso rätselhafte und groteske Auflösung erhält. Je mehr man sich der Ziellinie nähert, um so gewöhnlicher werden die Umstände in und um die Fischfabrik herum. Und viel zu schnell will man die zunächst ominösen Ereignisse  zu einem Abschluss führen. Das sorgt dafür, dass neue Einfälle, die überraschend und skurril wirken sollen, nicht mehr die Qualität derer zu Beginn der Serie besitzen. Da schmunzelt man mal kurz über eine Parodie auf das urplötzlich auftauchende Frauenbild von Action-Comic-Nerds, das war es dann aber auch schon.

Freilich weiß die Serie auch in ihrer zweiten Hälfte noch zu amüsieren, und man bleibt auch mit Interesse dran. Es ist nicht so, als ob das „Hellfjord“-Konzept nicht auch auf simplerem Niveau zu unterhalten wüsste. Aber man ist als Zuschauer freilich enttäuscht, dass das vorhandene Potential nicht bei gleichbleibendem Niveau ausgeschöpft wurde, immerhin reden wir hier nicht von sieben Staffeln, wo ein Qualitätsverlust unausweichlich ist, sondern von gerade einmal sieben Folgen.

„Hellfjord“ guckt sich so angenehm anders, weit entfernt vom Massengeschmack, und die Sinne von Freunden grotesker Unterhaltung derart stimulierend, dass eine gewisse Enttäuschung beim Qualitätsverlust der zweiten Hälfte unausweichlich ist. Aus einem absoluten Geheim-Tipp wird ein Werk welches sich Freunde des anderen Geschmacks ruhig einmal geben können, aber aufgrund der schwächeren zweiten Hälfte ohne dabei all zu viel zu erwarten. Schade! unterhaltsam


Nachtrag:
Nach zwei nochmaliger Sichtungen stört mich an der nach der ersten Sichtung als schwächer bezeichneten zweiten Hälfte eigentlich nur noch der etwas zu Action-lastige Schluss der letzten Folge, der glücklicher Weise aber auch für einige gelungene Gags gut ist. Was mir besonders gut gefallen hat und mir bei der ersten Sichtung merkwürdiger Weise gar nicht richtig auffiel, ist die Verlagerung der Groteske ab Folge 4 auf den dramatischen und den romantischen Aspekt, eine wirklich gelungene Idee, welche "Hellfjord" davor bewahrt sich zu schnell auf Bewährtes einzupendeln. Warum mich dies beim ersten Gucken nicht angesprochen hat ist mir ein Rätsel, sorgt es doch dafür dass die Serie so gelungen und einzigartig bleibt wie in ihrer ersten Hälfte. Mittlerweile ist dieser 7-Teiler ein wahrer Geheim-Tipp für mich, den ich nicht mehr missen möchte und auf dessen nächste Sichtung ich mich jetzt schon wieder freue, obwohl ich ihn innerhalb so kurzer Zeit nun schon drei Mal hintereinander gesehen habe. Zugegeben: zu wissen dass die Auflösung der Geheimnisse um Hellfish und dem Ort Hellfjord eher banaler Natur sind, machen es einfacher die positiven Aspekte der späten Phase zu entdecken. Ich bleibe dabei, dass des Rätsels Auflösung ruhig skurriler hätte ausfallen können. Aber gestört hat das dank der vielen Pluspunkte bei meinen Folgesichtungen überhaupt nicht mehr. sehenswert


Montag, 24. November 2014

THE ABANDONED - DIE VERLASSENEN (The Abandoned 2006 Nacho Cerdà)


Eine als Kind adoptierte Frau sucht das ihr vererbte Haus der ihr unbekannten Eltern auf, um mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Doch vor Ort geht es nicht mit rechten Dingen zu...


Zukunfts-Ichs...

Äußerst ruhig inszeniert und ansehnlich fotografiert setzt der spanische Regisseur Nacho Cerdà in seinem Horrorfilm „The Abandoned" auf stimmungsvollen Grusel, der im Hauptstrang mit gerade einmal zwei Figuren auskommt und auf rätselhafte Ereignisse setzt, die es zu lüften gilt. Einzig das Erscheinen womöglicher Zukunfts-Doppelgänger lassen etwas erahnen, Zombie-Ichs der beiden wichtigsten Charaktere, angesiedelt zwischen Vision und Geistererscheinung. Cerdà setzt auf Spannungsmomente und Charaktervertiefung, sehr lobenswert, aber beides ist ihm meiner Meinung nach leider nicht geglückt.

Die Hauptfigur ist einem völlig egal, da man ihre Beweggründe vor Ort nicht nachvollziehen kann, und aufgrund der schlecht inszenierten Zusammenführung mit ihrem angeblichen Bruder und dem Zweifel der zwischen beiden liegt, ergeht es einem mit der kleiner angelegten, zweitwichtigsten Rolle nicht viel anders. Es ist weder ein Gefühl der Tragik spürbar, noch ein Gefühl tatsächlicher Verwirrung. Der unangefochtene Ehrgeiz über jegliche Situation triumphieren zu wollen, lässt auch Angstgefühle vermissen, die sich dementsprechend nicht auf den Zuschauer übertragen lassen.

Anstatt aus der Ruhe die Spannung zu ziehen, beginnt „The Abandoned“ zu langweilen anstatt zu interessieren, zieht sich in seinem ewigen Stillstand wie Kaugummi, da zwischendurch gemachte Entdeckungen die Geschichte nie wirklich vorwärts bringen. Kommt es tatsächlich mal zu wichtigen Erkenntnissen, werden diese den Protagonisten per Visionen offenbart, anstatt durch Spuk, entdeckte Dokumente oder was sonst noch möglich gewesen wäre. Warum sie diese Visionen erfahren, ist nicht bekannt, könnte sich aufgrund der kommenden Ereignisse jedoch vermuten lassen. Aber letztendlich ist einem der Film zu egal um nach seinem Sichten darüber zu grübeln in wie weit man vor Ort überhaupt noch lebendig war, oder ob man dort bereits in einem Zustand zwischen Leben und Tod stand, so fiktiv sich der immer wiederholende Ort gibt, an dem sie ansässig sind, und der es nicht zulässt, dass man von ihm fliehen kann.

Damit ist „The Abandoned“ eines jener Werke, das nur in seiner Theorie nach einem guten Horrorfilm klingt. Aber ohne interessante Charaktere und einer dichten Atmosphäre die dazu einlädt in ihr aufzugehen kann ein ewiges „was ist hier nur los?“-Getue gewaltig auf den Wecker gehen und ermüden. Es ist der gelungenen Optik und den gut agierenden Schauspielern zu verdanken, dass sich der Streifen noch halbwegs angenehm guckt. Ein enttäuschendes Ende lässt einen jedoch daran zweifeln, ob man wirklich jede rätselhafte Geschichte, egal wie uninteressant sie auch inszeniert ist, zu Ende gucken muss, nur um zu den aufgeklärten Personen zu gehören. Nein, was wäre der Schluss gerne unglaublich pfiffig und raffiniert, dabei erzählt selbst der nichts, was es nicht schon x Male in diesem Genre gegeben hätte. mittelmäßig

Sonntag, 23. November 2014

COME FLY WITH ME (2010 Paul King)


Das tägliche Treiben im Flughafen und an Bord der Maschinen wird humoristisch aufgezeigt...


Britain Airplane...

„Come Fly with Me“ bestätigt, was die zweite und dritte Staffel „Little Britain“ bereits vermuten ließen: die erste Staffel „Little Britain“ war ein zufälliger Glückstreffer, in welchem die Chemie der einfallsreichen Figuren, die auf ein zurecht verständnisloses Umfeld stoßen, zu stimmen weiß. Wurde bereis in den folgenden Staffeln die fröhliche Figurenkonstellation nur noch in der Ausnahme mit halbwegs einfallsreichen neuen Figuren ergänzt, so spürt man in „Come Fly with Me“ aufgrund dem Fehlen der Kultfiguren der Vorgängerserie, wie begrenzt der Humor der beiden wandlungsreichen Briten Matt Lucas und David Walliams doch eigentlich ist. Konnte die Serie, welche die beiden einst berühmt machte, gerade aus der ewigen Wiederholung einen Vorteil erschließen, ödet in der Flughafen-Comedy jegliche Wiederholung an, da Gags bereits beim ersten Mal meist nur ein müdes Lächeln hervorbringen.

In dieser Flut an bemühter Komik ist freilich immer auch mal ein Lacher mit enthalten, und manches Kostüm erweist sich als so charmant wie seinerzeit in „Little Britain“, insgesamt hat man in Sachen Verkleidung diesmal jedoch des öfteren übers Ziel hinaus geschossen. Wenn Walliams in mancher Maske als Walliams schon kaum noch zu erkennen ist, verfehlt das seinen Zweck, lag der Reiz in den grotesken Gestalten von „Little Britain“ doch im Wiedererkennungswert, gerade bei noch so provokativen Ideen und Extrem-Übertreibungen.

Positiv hervorzuheben ist, dass die Kotz- und Pinkelkomik, welche die beiden letzten Staffeln der Vorgängerserie so unangenehm werden ließ, über Bord geschmissen wurde. Außerhalb der Vulgärkomik bleibt das Austeilen unter der Gürtellinie freilich noch erhalten, würde aber nur dann stilvoll anstatt plump wirken, wenn man in dem was man parodiert auch um die Ecke denken würde. Es z.B. dabei zu belassen, dass der Sicherheits-Chef auf ganz klassische Art komödiantischer Übertreibung ein Rassist ist, kann nur ein müdes Lächeln ernten. Und selbst Ideen, die schön begonnen haben, wie die nach einem Ehebruch eifersüchtige Frau eines Piloten, die sich 5 Jahre lang zur Pilotin hat umschulen lassen, um von nun an immer im selben Flugzeug zu sitzen wie ihr untreuer Ehemann, wird derart ausgereizt, dass bereits bei ihrem zweiten Sketch die Luft raus ist.

Zu belustigen wissen meist die einmaligen Auftritte, so z.B. der Sketch um eine 90jährige Frau, die erstmals fliegt und eine Betreuungsperson des Flughafens gnadenlos ausnutzt, oder das Disney-vernarrte Ehepaar, das selbst in einer Apotheke erhofft auf Disney-Produkte zu stoßen. Als funktionierender Tiefflieger weiß immerhin der Typ zu gefallen, der in einer Burgerbude arbeitet, weil er mal Pilot werden will. Seine extreme Dummheit weiß immerhin manchen schlichten Lacher zu erzeugen, womit er schon mal mehr taugt als die anderen Stammfiguren, denen man ansieht wie sehr man auf vergangene Erfolge schielt.

Anstatt sich selbst zu kopieren und dabei lediglich eine Blaupause zu erschaffen, hätte man besser weiter auf „Little Britain“ gesetzt. Nach einer kreativen Pause hätte man vielleicht nochmal das Niveau der dort allmählich verbrauchten Figuren anheben können. Freilich hätte auch eine solche Verzweiflungstat nicht die Qualität der ersten „Little Britain“-Staffel erreichen können, aber ein Resterecycling wäre bei funktionierenden Figuren immer noch besser ausgefallen, als das müde Bemühen um Originalität, das doch eigentlich nur der Klonversuch eines selbsterschaffenen Vorbildes ist. Worin soll der Sinn liegen, wenn man seine Komik schon nicht weiterentwickeln will, etwas selbst Kreiertes noch einmal zu kopieren, wenn man doch, eben weil man der Schöpfer des Originals ist, genau so gut auf dieses zurückgreifen könnte? schlecht


DER FRÜHSTÜCKSCLUB (The Breakfast Club 1985 John Hughes)


Fünf Teenager müssen an einem Samstag acht Stunden lang in der Schule nachsitzen und kommen sich dabei trotz ihrer völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Prägung persönlich und emotional näher...


Wer in Zukunft nicht regieren wird...

Mit europäischem Blick mag sich „Der Frühstücksclub“ etwas fremd und klischeelastig schauen, haben wir doch nicht ein solch getrenntes gesellschaftliches Kastensystem wie die Amis und nicht so viele sich von Generation zu Generation wiederholende Rituale, so dass wir auch die im Film geäußerte Angst nur zum Aufguss der Eltern zu werden nicht wirklich nachvollziehen können. Das kann gestelzt wirken und wie gesagt klischeehaft. Aber was „Schule“ für die Deutschen ist, ist „Breakfast Club“ (Originaltitel) für die Amerikaner: ein lebens- und gefühlsechter Film, der die Teenager und ihre Sorgen ernst nimmt und dabei sehr sensibel vorgeht.

Der Film präsentiert uns sechs Hauptfiguren, davon fünf Teenager, und alle sind sie hervorragend besetzt. Von den Jungstars war es einzig Judd Nelson, der es trotz Folgewerken wie „St. Elmo‘s Fire“ und „Karriere mit links“ nicht schaffte kurzfristig eine Filmkarriere aufzubauen. Dabei hätte man es ihm mit seiner Darstellung des John Bender noch am ehesten zugetraut. Manchmal ist die Welt ungerecht. Aber das passt schon irgendwie zum Film, denn die Last die Erwartungshaltung der Eltern tragen zu müssen, ist ebenso ungerecht und ist der Hauptanteil dessen, warum sich die so unterschiedlichen Teenager hinter ihrer Fassade nicht wirklich wohl fühlen. Wie unterschiedlich auch ihre Mentalität und die Schicht aus der sie kommen sein mag, jeder trägt seine eigene Last mit der er fertig werden muss mit sich herum. Erwachsen werden ist eine harte Herausforderung.

Schrittchenweise und damit sehr glaubwürdig bringt John Hughes die jungen Protagonisten näher. Er nutzt ihre altersgerechten Methoden der Konversation, um einander näher kennen zu lernen und sich schlussendlich mit dem Gegenüber und sich selbst offen auseinander zu setzen. Wenn recht zögerlich gemeinsam gekifft wird, erkennt man die 80er Jahre am deutlichsten, waren es doch damals die Freaks, die Außenseiter die solche Rauschmittel konsumierten. Gesellschaftlich akzeptiert wie heute war es nicht, und mitzuziehen war eine gewagtere Sache als heutzutage. Spätestens beim kiffen lockern sich endgültig die Hemmungen sich zu offenbaren. Und jede Figur bleibt rein menschlich glaubwürdig. Welch erstaunliche Leistung!

So nah man sich auch kommt, das im Film angesprochene Problem ob man aufgrund der gesellschaftlichen Umstände auch kommenden Montag noch miteinander befreundet ist, bleibt absichtlich unbeantwortet und gehört damit zu den größten Stärken des Streifens, spielt dieser doch wirklich nur bis zur Verabschiedung vor der Schule nach dem Nachsitzen. Wir durften nur fünf liebenswerte junge Charaktere kennen lernen und müssen uns selbst damit auseinandersetzen wie ihr weiterer Lebensweg und das Wiedersehen am nächsten Schultag wohl aussehen mag.

John Hughes ist ein ehrlicher gefühlsintensiver Film gelungen, versehen mit einem Minimum an Geschichte, das durch seinen konsequenten Blick auf die Charaktervertiefung ein Maximum an Ergebnis herausholt und dabei witzige wie traurige Momente auf wundervolle Art in Einklang bringt. Was nicht über Worte vermittelt wird, wird über die Mimiken der talentierten Schauspieler deutlich, ohne dass das Drehbuch uns diese noch einmal erklären muss. Es wäre ja auch traurig, wenn ein Film der das Teenageralter so ehrlich und sensiblel versteht, den Zuschauer nicht für mündig genug halten würde Kleinigkeiten selbst zu erkennen.

Das Sahnehäubchen bilden die Momente des Lehrers, dessen Gefühlsleben nicht weniger sensibel und ehrlich eingefangen wurde und dessen Randerlebnisse inhaltlich konsequent im Zusammenhang mit den Erkenntnissen und Erlebnissen der Jugendgruppe steht. „Der Frühstücksclub“ ist ein wichtiger und einzigartiger Film und zusammen  mit „Hart auf Sendung“ wohl auch der beste US-amerikanische Teenie-Film, der je gedreht wurde. Mag John Hughes auch mit „Ferris macht blau“ und „Das darf man nur als Erwachsener“ noch zwei weitere gelungene Teenie-Komödien gedreht haben, so treffsicher und sensibel wie „Breakfast Club“ waren selbst die nicht, vielleicht einfach weil sie keine Tragikomödien waren, wer weiß. sehenswert


Weitere Reviews zum Film:

THEATER DES GRAUENS (Theatre of Blood 1973 Douglas Hickox)


In London wird ein Theaterkritiker nach dem nächsten umgebracht. Jeder stirbt auf eine Art, wie sie Shakespear jeweils in seinen Stücken vorgab...


Vorhang auf...

Wenn man in einer der ersten Mordszenen miterleben darf, wie ein wütender Mob über einen der Theaterkritiker herfällt, ein Mob obdachloser, dreckiger Gammler, dann wirkt das aufgrund mangelnder Mystik zuerst einmal nicht so überzeugend. Die Hilfe einer Horde gewaltbereiter Menschen klingt zu modern für einen Vincent Price-Film. Man sieht die Gefahr, dass die Moderne den charmanten Reiz älterer Price-Filme so nicht einfangen kann. Glücklicher Weise bleibt dieser negative Eindruck nicht lange bestehen, denn mit jedem ermordeten Kritiker werden die Tötungsmethoden einfallsreicher und schwarzhumoriger, während der wütende Mob, der den todgeglaubten Edward Lionheart den kompletten Film über blind und naivst folgt, im weiteren Verlauf des Streifens seinen ganz eigenen Reiz erhält, dankenswerter Weise aber auch zurückhaltender eingebracht ist als in der von mir kritisierten Szene.

Die Rolle von Vincent Price ist herrlich psychotisch, arrogant und überheblich gespielt. Dieser Tunnelblick-Künstler lässt alternative Ideen nicht zu, lebt die konservativste Ur-Form der Schauspielerei und empfindet Kunst als etwas, das den Originalstil der Vorlage nur unterwürfigst nacheifern darf. Kein Wunder also, dass ihn nicht jeder Kritiker einst über den Klee loben konnte, auch wenn Edward Lionheart in seinen Stammrollen ein begnadeter Schauspieler war. Nach seinem Beinahe-Tod zudem noch vom Wahnsinn besessen, ist Einsicht von ihm erst recht nicht zu erwarten.

Und so mordet er sich so verspielt wie Prices Paraderolle Dr. Phibes durch einen Film, der sich selbst nicht zu ernst nimmt, und augenzwinkernd mit schwarzem Humor in jede Richtung austeilt. Da wird der Sinn und Unsinn von Kritike(r)n ebenso hinterfragt, wie der starre Sinn auf Kunst und Kultur und der Umgang eines Schauspielers mit seiner Rolle und seinem Publikum. Jede Seite kriegt ihr Fett weg, es darf geschmunzelt werden, aber „Theater des Grauens“ bleibt dabei distanziert und subtil. Zur Horror-Komödie wird er nicht.

Letztendlich weiß ein Film wie dieser aber nur zu gefallen, wenn die Seite der Helden ebenfalls gut besetzt und charakterisiert ist, und das ist in Hickox Werk glücklicher Weise der Fall, was dringend Not tut, denn von den Shakespear-orientierten Morden und der alles um sich schlagenden Satire einmal abgesehen, ist die grobe Geschichte an sich lediglich das klassische zehn kleine Negerlein-Prinzip, wie man es (in meist einfallsloserer Form) vorher und hinterher schon oft gesehen hat. Ein Hauch Agatha Christie weht umher, was in Kombination mit einem typisch charmanten Vincent Price-Film freilich ein Mix ist, der zu gefallen weiß.

Da stört es dann auch nicht weiter, wenn eine Enthüllung am Schluss viel zu vorhersehbar ist. Die sehenswerten und skurrilen Morde auf der einen Seite und auf der anderen Seite dem Helden des Filmes dabei zusehen zu dürfen, wie er verzweifelt mit Hilfe der Polizei versucht andere Kritiker und sich selbst zu beschützen, ist einfach ein kurzweiliges Erlebnis, eben weil Edward Lionheart den Guten immer einen Schritt voraus ist. Schon lange vor Jason, Freddy und Co liegt die Sympathie hier eigentlich beim Bösewicht, auch wenn die Heldenrolle keinesfalls negativ gezeichnet ist, sondern ganz im Gegenteil immer nachvollziehbar handelt und argumentiert. Letztendlich kommen die Morde so pfiffig daher, dass der Horror-Fan eigentlich eher zu Lionheart hält, und da die Sympathie mit dessen Mordmethoden so im Vordergrund des Konzepts stehen, darf man ernsthaft anzweifeln ob der letzte lebende Kritiker sein Happy End erhält oder nicht. Inmitten einer Geschichte nach Schema F, um es mal streng zu formulieren, ist das definitiv ein Vorteil zur Aufrechterhaltung des Spannungsbogens.

„Theater des Grauens“ weiß zu gefallen, und dies auf verschiedenen Ebenen: als klassischer, naiver Horrorfilm, als noch immer moderne Satire auf Tunnelblick-artiges Kunstverständnis und selbsternannte Kritiker, und als schwarzhumoriger Genre-Beitrag, bei dem man im Gegensatz zur zuerst genannten Variante zum Bösewicht anstatt zum Helden hält. Letztendlich beinhaltet „Theater des Grauens“ alle drei Varianten zugleich, und nur so möchte ich ihn auch sehen. Man muss den Film einfach aufgrund seiner Vielfältigkeit inmitten einer an sich monotonen Geschichte Anerkennung zollen. Er gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Vincent Price-Bewunderers, allein schon deshalb, weil der Star mit einer spürbaren Spielfreude agiert. sehenswert


Weitere Reviews zum Film:

Samstag, 22. November 2014

TOTENTANZ IM SCHRECKENSSCHLOSS (House of Evil 1968 Jack Hill u.a.)


In einem Schloss versammelt sich die Erbgemeinschaft eines ihnen unbekannten kurz vor dem Tod stehenden Verwandten. Einer nach dem anderen stirbt in diesem Schloss auf mysteriöse Weise...


Der Kanarienvogel von Bagdad...

„Totentanz im Schreckensschloss“ ist einer von einer handvoll mexikanischer Fließband-Horror-Produktionen, in denen Boris Karloff kurz vor seinem Tod mit etwa 80 Jahren noch mitspielte, und diese liegen fern des Niveaus vergangener Projekte der Horrorfilm-Größe. Einst mit der Rolle als Frankensteins Monster in der 30er Jahre-Verfilmung berühmt geworden, und seit dem in Filmen wie „Der Rabe“, „Die Mumie“ und recht spät sogar noch in „Der Rabe - Duell der Zauberer“ in diversen Erfolgen mitspielend, huscht der gute Mann im hier besprochenen Werk nur gelegentlich durchs Bild und sagt verwirrte Texte auf.

Damit ist er was Logik, Sinn und roter Faden betrifft auf einer Höhe mit dem gesamten Werk, das so sehr bemüht ist klassische Horrorelemente aneinander zu knüpfen, dass ein erkennbarer Zusammenhang der Dinge kaum vorhanden ist. Ein wenig „Die Katze und der Kanarienvogel“ sowie „Das indische Tuch“ hier, eine kleine Randidee aus „Der Dieb von Bagdad“ da, jener Teil der Brian Yuzna und Konsorten zum wundervollen „Dolls“ inspiriert haben könnte, bishin zu einem „Frankenstein“-ähnlichen Schluss mit „Das Phantom der Oper“-Anleihen ist alles vorhanden, nur stümperhaft zusammengezimmert, billigst heruntergedreht und mit talentlosen Mimen besetzt, die auch nicht von Karloff an die Wand gespielt werden, da der nur noch ein Schatten seiner selbst ist.

Der Witz: auf pulpiger Schundfilm-Art weiß dieses fast schon dilettantische Werk zu gefallen, vorausgesetzt man schaltet sein Hirn komplett aus und genießt das prunkvolle Schloss mit seinem sympathischen vor Klischees nur so wimmelndem Inventar. Spätestens wenn die tödlichen und grotesken Spielsachen in die Geschichte eingebunden werden, macht das sinnlose Treiben Spaß, und eine gewisse Grundstimmung kommt auf, auch wenn diese weit weg eines Grusel- oder wenigstens Spannungsempfinden liegt. Mir hat das ganze sogar so viel Freude bereitet, dass ich vom plötzlichen und schlichten Ende glatt enttäuscht wurde. Das dürfte bei diesem unsinnigen Film ohne gefühlsechte Identifikationsfiguren wohl nur den wenigsten passiert sein.

Vielleicht kann man das bescheuerte Treiben von „Dance Of Death" (Alternativtitel) als eine Art Recycling-Charme bezeichnen, in welchem alles Bekannte aus dem Genre verbraucht und qualitativ schlechter neu zubereitet eingebracht wird, untermalt von einem aufdringlichen Soundtrack, der so schräg klingt, dass wohl kaum eine Komposition dahinter stecken dürfte, und dank der Zutat der tödlichen Spielzeuge für seine Zeit sogar mit einem Individualitätsbonus versehen. So kann Trash funktionieren. Und wenn man bedenkt dass sich „House of Evil“ (Originaltitel) in seiner Art mindestens 10 Jahre zu spät guckt, sprich der Horrorfilm in seiner Entwicklung schon viel weiter war, ist der Begriff Trash sicherlich passend gewählt, ohne dass man empfindlichen Seelen damit gleich vor den Kopf stößt. unterhaltsam


Weitere Reviews zum Film:

Freitag, 21. November 2014

MR. POPPERS PINGUINE (Mr. Popper's Penguins 2011 Mark Waters)


Der Karrierist Tom Popper gelangt unfreiwillig in den Besitz von sechs Pinguinen, die sein Leben gehörig umkrempeln...


Chaplin-Fans...

Es ist gar nicht so lange her, da wurden Studienergebnisse aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts bekanntgegeben, die sich ein bekannter Pinguin-Forscher seinerzeit nicht traute zu veröffentlichen. Grund war das höchst asoziale Paarungsverhalten der Pinguine, das bis hin zur Nekrophilie alles beinhaltete was man den süßlichen Tierchen nie zutrauen würde. Dass „Mr. Poppers Pinguine“ das Verhalten der Tiere auch ohne dieses radikale Vorwissen verharmlost und verniedlicht, sieht jedoch ein Blinder. Neben diverser Körperfunktionen ist das einzig negativ gezeichnete an ihrem Charakter, dass sie lieber wem Fremdes folgen der etwas zu futtern hat, als dem liebenden Mr. Popper, und selbst diese Regel hält in einem Happy End-orientierten Film nicht bis in alle Ewigkeit.

Aber das geht schon vollkommen in Ordnung, denn in der Realität orientiert würde „Mr. Poppers Pinguine“ bereits nach 15 Minuten enden. Mark Waters Werk, an welchem drei Drehbuchautoren eine Novelle in eine Film-taugliche Geschichte umfunktionierten, ist jedoch als Kinderfilm konzipiert und zieht von diesem Bereich den Vorteil in einer kindlichen, geradezu surrealen Parallelwelt spielen zu dürfen, ein Luxus der bereits Werken wie „Pippi Langstrumpf“ gut getan hat. Wer im hier besprochenen Film über mangelnde Realitätsnähe schimpft, dem ist nicht zu helfen. Wer jedoch beklagt, dass die Geschichte etwas arg 08/15 ausgefallen ist, dem kann man nicht widersprechen.

„Mr. Poppers Pinguine“ ist alles andere als innovativ, sein roter Faden ohne jegliche Überraschungen versehen, und so ziemlich jedes inhaltliche Klischee ähnlicher Geschichten ist mit eingebunden. Aber dieser kleine Familienfilm besitzt drei große Vorteile. Das ist zum einen die Anwesenheit des eigentlich immer gut agierenden Jim Carrey, auch wenn dieser hier nur mit halber Backe grob gesehen seine Rolle aus "Der Dummschwätzer" noch einmal spielt, das sind zum anderen die wirklich göttlich animierten Pinguine, die niedlich und lustig zugleich sind, und es ist drittens das Fehlen von moralisch-triefendem Kitsch, wie es ihn in einem Disney-Film gegeben hätte.

Klar, Mr. Popper wandelt sich vom Karrieristen zum Familienmenschen, und zu einem Kinderfilm gehört ein Happy End für alle und jeden zwingend dazu. Aber das ist alles kindgerecht und passend zur Grundsituation eingebracht und nicht, wie im modernen Kinderfilm fast schon üblich, um 400 % Gefühl, Kitsch, Schmalz und Pathos aufgepumpt.

Sicherlich gibt es einfallsreichere Filme, Klassiker die sich als Familienfilm an einem gemeinsamen Sonntagnachmittag mehr lohnen. Aber „Mr. Poppers Pinguine“ geht als Alternative durchaus in Ordnung. Charme ersetzt Einfallsreichtum und Drolligkeit fehlende Humor-Höhepunkte. Wer hofft mit diesem Film eine typische Jim Carrey-Komödie zu gucken, der wird zutiefst enttäuscht werden. Wer sich aber daran gewöhnen kann einen Kinderfilm zu sichten, der dementsprechend in der auf kindlichste Naivität zurückgesetzten Umwelt spielt und alles Rationale ausblendet, der kann Spaß mit einem Film haben, der zum Glück nicht so Menschen-anbiedernd daher kommt, wie die meisten anderen US-amerikanischen Filme mit tierischen Helden. unterhaltsam


Donnerstag, 20. November 2014

PROFONDO ROSSO (1975 Dario Argento)


Ein Pianist wird nachts Zeuge eines schrecklichen Mordes. Je mehr er versucht über die Tat herauszufinden, desto lebensbedrohlicher wird die Situation für ihn selbst...


Die Spiegelung von Kunst und Wahrheit...

„Profondo Rosso“, ein Werk aus dem fünften Berufsjahr des Regisseurs Dario Argento, gehört unter Kennerkreisen zu den größten seiner Filme. Obwohl er mich mit Beiträgen wie „Suspiria“ und „Phenomena“ zu beeindrucken wusste, habe ich mich lange Zeit nicht an seinen frühen Giallo herangewagt, einfach weil ich in jungen, intoleranten Jahren mal einen Blick riskierte habe und den Film nicht mochte. Das war in einer Zeit um deren Filmgeschmack ich heute nichts mehr gebe, war der doch noch auf reißerische Ziele aus und nicht geübt im Erkennen wahrer qualitativer Elemente. Aber bei einem Film den man einst nicht mochte ist ein zweiter Versuch immer etwas schwieriger anzugehen als ein allererstes Sichten. Nun habe ich es endlich gewagt, und wie zu erwarten habe ich es keineswegs bereut.

Zwar ist „Rosso - Die Farbe des Todes“ (Alternativtitel) meiner Meinung nach kein so geniales Werk wie „Suspiria“ geworden, zu den Größen des Meisters zählt er aber sehr wohl zu recht, guckt er sich doch sehr intensiv, da man schnell in der dichten, düsteren Atmosphäre aufgeht, eine Atmophäre die so düster ist, das selbst die seltenen absichtlich humoristischen Momente kaum durchkommen. Einen großen Prozentanteil dieser Wirkung verdankt „Profondo Rosso“ seinem packenden Soundtrack, der selbst Nichtigkeiten interessant zu untermalen weiß, und (zumindest scheinbare) Nichtigkeiten gibt es hier genug.

Argentos Werk ist ein sehr redseliges Werk, das man voreilig als zu geschwätzig empfinden könnte. Meiner Meinung nach sind diese vielen Dialoge, so konstruiert sie manchmal auch erscheinen mögen, mitverantwortlich für die Realitätsnähe des Streifens. Sie bindet einen menschlich besonders intensiv an die Hauptfigur. Und da Argento sein Werk eng an dessen Wahrnehmung klammert, und das nicht erst mit der Raffinesse seiner Auflösung, ist das psychologisch gesehen auch richtig so.

Die Geschichte selbst haut auf dem Papier erst einmal nicht vom Hocker, zumal sie dem Erstling „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ in vielen Dingen nicht unähnlich ist, und diese Übereinstimmungen sollten sich in „Tenebrae“ noch einmal wiederholen. In allen drei Werken ist die Hauptfigur ein Ausländer mit einem künstlerich wertvollen Beruf, der ein Verbrechen beobachtet, sich mit diesem parallel zur Polizei befasst und pro Film jeweils eine Erinnerungslücke hat, die ihn daran hindert zu begreifen was wirklich passiert ist.

Diesmal blendet Argento mit seinem Taschenspielertrick. Zwar ist die Auflösung und das übersehene Detail höchst interessant und ein glaubwürdiger Kniff, der die Auflösung zu einem großen Erlebnis macht, die Tatsache der Zuschauer wäre anfangs getäuscht worden jedoch Hokuspokus. Wer einen Blick zurück auf den Beginn der Ereignisse wirft, wird merken, dass der Zuschauer durch einen zu schnellen Schnitt Argentos in der entscheidenden Szene gar nicht wirklich die Möglichkeit hatte den Mörder zu identifizieren. Die Auflösung lässt ihn dies jedoch glauben, ob von Argento gewollt oder nicht.

Im Gegensatz zu vielen anderen Giallos ist man sehr daran interessiert zu erfahren wer denn nun der Mörder ist. Die Art der Überführung tröstet da ein wenig von der Schlichtheit der Begründung hinweg. Die ist in ihrer psychologischen Erklärung so schlicht wie in diesem italienischen Genre üblich. Aber sie folgt einer blödsinnig vorangesetzten Mörderaufdeckung, die dem Zuschauer absichtlich die lange Nase zeigt und den angeblichen Täter fast schon humorvoll gemeint in einer ellenlangen Prozedur ins Jenseits befördert, eine Person die gar nicht Täter sein kann, ein Fakt der dem Zuschauer schon längst bewusst ist, während die Hauptfigur zunächst noch getäuscht ist.

Erzählerisch gesehen ist „Profondo Rosso“ also durchaus geglückt und abwechslungsreich, was sich auch zu Beginn zeigt, wenn ein übernatürlicher Aspekt, den die Geschichte nicht zwingend benötigt hätte, in die Geschichte eingeflochten wird, nur um den Einstieg aus einer ungewöhnlichen Perspektive heraus zu präsentieren. Ähnlich wie im Einstieg von „Scream“ wird das erste Opfer zunächst eine Identifikationsfigur, eine mögliche Hauptperson, bevor wir uns von ihr verabschieden müssen. Ob da ein gewollter Gruß an Alfred Hitchcock bezüglich seines „Psycho“ stattfindet, kann ich nicht beurteilen. Möglich wäre es jedoch. Ist aber auch egal, denn die Idee das Gedankenlesen zu beherrschen und über diese Gabe versehentlich in den Geist eines in der Masse anonymen Psychopathen einzudringen, ist eine Idee, die eigentlich einen eigenen kompletten Film verdient hätte.

Ohnehin hätte man die schon oft erzählte Geschichte eines Zeugen der einen Täter sucht viel schlichter erzählen können. Argento, ausgerechnet der Mann, dem man sonst gerne die erzählerische Inhaltsleere seiner eher optisch interessanten Filme vorwirft, entscheidet sich jedoch für das Gegenteil, pumpt in seine Geschichte alles rein was geht, egal ob es ablenken soll oder für den eigentlichen Erzählstrang förderlich ist, und überfrachtet sein Werk damit glücklicher Weise nicht, sondern macht es damit wesentlich interessanter.

Optisch geht Argento diesmal einen Schritt zurück, auch wenn Orte und Kulissen weiterhin bewusst gewählt sind und so viel Atmosphäre ausstrahlen wie die restlichen Elemente des Filmes. Da der oberste Reiz von „Deep Red“ (Alternativtitel) jedoch seine dichte, düstere Atmosphäre ist, ist es aber ohnehin egal in diesem Werk diesmal keinen optisch künstlerisch überreizten Film vorzufinden wie in „Horror Infernal“ und Argentos diesbezüglich wohl wichtigstem Werk: „Suspiria“. „Profondo Rosso“ setzt auf vollkommen andere Vorzüge. sehenswert

Montag, 17. November 2014

COCKNEYS VS ZOMBIES (2012 Matthias Hoene)


Die Brüder Terry und Andy stellen nach einem Überfall auf eine Bank fest, dass die komplette Stadt während ihrer Geiselsituation von blutrünstigen Zombies eingenommen wurde. So schnell wie möglich wollen sie zum Altenheim gelangen, um ihrem Opa aus der Stadt raus zu helfen. Aber der Weg dahin ist gar nicht so leicht zu erreichen wie erwartet. Erstaunlicher Weise wissen sich die Rentner im Heim allein ganz gut zu helfen...


Opa macht das schon...

Schnell nach Erscheinen von „Cockneys vs. Zombies“ wurden Stimmen laut, welche die britische Horror-Komödie mit „Shaun of the Dead“ gleichsetzten und den Film somit zum Hoffnungsschimmer inmitten dem Zombieeinerlei hochpriesen. Zugegeben: der Markt um lustige und unlustige Zombiefilme ist übersättigt, und da tut jeder Funke Innovation gut, dementsprechend hebt sich „Cockneys vs Zombies“ tatsächlich ein klein wenig aus der immergleichen Masse heraus. Die Raffinesse, das perfekte Timing und die Intelligenz eines „Shaun of the Dead“ besitzt der Streifen jedoch genauso wenig wie dessen Gagdichte.

Der Witz geht nicht so tief wie im Vergleichsfilm, ist eher auf Hau-drauf-Komik getrimmt, wie das was heutzutage üblicherweise im Bereich der harten Horror-Komödien herausgebracht wird. Und nur selten weiß Matthias Hoenes Film wirklich eigene Ideen hervorzubringen. Die schönste dürfte wohl jene sein, in welcher Zombie-Hooligans verfeindeter Vereine ihrem Instinkt nach lieber gegeneinander losgehen anstatt gegen die Lebenden. Das ist jedoch nicht der kultigste Gag des Streifens. Der ist leider ein aus einem der „OSS 117"-Parodien geklauter. Während sich dort zwei Schwerverletzte die langsamste Verfolgungsjagd der Welt lieferten, ist es hier ein Rentner mit Gehilfe, der von einem schlurfenden Zombie höchst langsam verfolgt wird, freilich mit actionreicher Musik untermalt wie für eine Verfolgungsjagd üblich.

Immerhin zeigt dieses Beispiel, dass „Cockneys vs Zombies“ zumindest auf die klassischen Kreaturen des Genres baut. Und da sprechen wir nicht nur von den langsam schleichenden Untoten, es ist diesmal auch kein Virus der um sich greift, so wie es eigentlich die moderne Pflicht des heutigen Sub-Genres um Zombies vorsieht. Zwar entsteigen unsere Untote nicht klassisch dem Grab wie im wundervollen „Return Of The Living Dead“ (der einzigen Zombie-Komödie gegen die selbst der kultige „Shaun of the Dead“ abstinkt), aber der erste lauert in einem alten, auf einer Baustelle neu entdeckten Grab, welches zwei Bauarbeiter erkunden und dabei einem optisch herrlich veralteten Zombie begegnen, der fast schon an den vermoderten Ur-Zombie aus besagtem Dan O‘Bannon-Klassiker erinnert.

Der bleibt ein Unikum, danach sehen Zombies so aus, wie sie es in guten modernen Produktionen immer tun, aber das ist auch vollkommen okay, wissen sie doch zu gefallen. Auch ihr blutiges Treiben macht Spaß. Zwar sind einige Tricks dem Computer entsprungen, was dann auch ziemlich billig aussieht, glücklicher Weise wurde parallel dazu aber auch auf handgemachte Tricks gesetzt. Das weiß zu splattern und zu gefallen ohne es dabei gleich zu übertreiben. Die Anzahl der perversen Blutideen bleibt übersichtlich, einen zweiten „Braindead“ hat man nicht anvisiert. Das tut dem Ergebnis sichtlich gut.

Weniger interessant sind die menschlichen Charaktere ausgefallen, die alle auf massentaugliche Komik und Coolness getrimmt sind und den Zuschauer lange Zeit zu distanziert das Geschehen erleben lassen. Es dauert bis der Funke überspringt und aus „Cockneys vs. Zombies“ ein funktionierender Film wird. Und selbst wenn dies endlich passiert, ist der Streifen nicht die Creme de la Creme seines Genres. Die Geschichte verläuft geradezu typisch, und auch in der Entwicklung der Charaktere gibt es keine Überraschungen zu verzeichnen. Aber Regisseur Hoene schafft es immerhin das monotone Treiben im Finale, in dem endlos auf Zombies geschossen wird, unterhaltsam umzusetzen. Wo andere Filme diesbezüglich langweilen, weiß Hoene das schon oftmals Gesehene kurzweilig und interessant umzusetzen. Warum dieses Talent nicht schon zu Beginn aufgeblitzt ist, wo es dringend nötig gewesen wäre, bleibt ein Rätsel.

Also, „Cockneys vs. Zombies“ benötigt seine Zeit um in die Gänge zu kommen und um mit den Figuren endlich mitfiebern zu können, aber nach einiger Zeit des Leerlaufs und wenn man als Zuschauer erst einmal begriffen hat dass der Film keineswegs zur Sternstunde seines Genres werden wird, wird es immerhin amüsant genug, um bis zum Schluss dran zu bleiben. Meiner Meinung nach hätte man aus der Rentner gegen Zombies-Idee mehr herausholen können, bzw. den Fokus viel mehr auf die Greisen anstatt auf die Bankräuber legen sollen. Aber allein das zeigt schon, wie sehr diese Horror-Komödie auf Nummer Sicher setzt und schon deshalb niemals ein „Shaun of the Dead“ sein kann. mittelmäßig


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Sonntag, 16. November 2014

SEIN LETZTES RENNEN (2013 Kilian Riedhof)


Der alte Marathonläufer und Olympiasieger Paul Averhoff kommt zusammen mit seiner Frau Margot in ein Altenheim. Von den Aktionen dort, mit welchen die alten Menschen beschäftigt werden, hält er nicht viel. Als er beginnt für den Berlin Marathon zu trainieren und damit die Routine im Altenheim zu stören, stößt er nur auf Gegenwehr. Lediglich Margot steht ihm zur Seite...


Seine späte Chance...

Ich konnte es kaum glauben, als ich vor einem Jahr das Plakat zu diesem Film in einem Kino hängen sah. Nicht nur dass Dieter Hallervorden noch einmal eine Hauptrolle in einer Kinoproduktion gewährt wurde, auch dass in seinem Comeback Heike Makatsch eine große Nebenrolle spielt, faszinierte mich. Da spielen zwei meiner liebsten Gesichter des deutschen Films vereint in einem Projekt, von dem ich nie zu träumen gewagt hätte. Im Prinzip hätte nur noch Thomas Heinze in irgendeiner Rolle gefehlt, um die Sache für mich persönlich zu perfektionieren.

Dieter Hallervorden ist bereits im Komödienfach heutzutage ein unterschätztes Talent. Dass darüber hinaus sein Schauspieltalent von vielen noch weniger bemerkt wird, verärgerte mich schon immer, war aber nur Realität im Filmalltag. Im Theater auf der Bühne war er glücklicher Weise immer aktiv und wurde dort auch geschätzt - im übrigen neben seiner Schauspielerei auch für die Förderung junger Talente. Als er in einem Audiokommentar darauf angesprochen wurde, warum er in einem Film nie wieder eine ernste Rolle wie seinerzeit in „Das Millionenspiel“ gespielt hat, antwortete er, er hätte nach den Komödienerfolgen nie wieder ein Angebot in diese Richtung erhalten. Interessiert hätte es ihn schon.

Bis zum Jahr 2013 hat es gedauert, bis man Hallervorden außerhalb des Komödienfachs eine Hauptrolle zugetraut hat, und ich habe mich von Herzen gefreut, dass der gute Mann dafür mittlerweile auch die Anerkennung erhalten hat, die er längst verdient hat. Alle sind begeistert von seiner Darbietung. Teilweise spricht man von seiner größten Rolle. Das wurde auch höchste Zeit. Mit Blick auf das Plakat schien man der Sache aber ursprünglich nicht ganz zu trauen, schmunzelt der gute Mann doch etwas arg humoresk auf den Betrachter nieder, ein Hauch gewollte Didi-Komik blitzt auf, die freilich in „Sein letztes Rennen“ nicht vorhanden ist.

Gerne als Tragikomödie betitelt ist „Sein letztes Rennen“ in meinen Augen eher ein Drama, ist der Humorgehalt doch viel zu zurückgeschraubt, um ihn als Teil des Genres anerkennen zu können. Aber das ist auch ganz gut so, denn Kilian Riedhofs Film ist ein zu Tränen rührendes Werk, das nicht emotionslos an einem vorüber gehen kann. Der Mann, der erst vor einigen Jahren mit „Homevideo“ auf sich aufmerksam machte, serviert uns hier eine Geschichte über das Altern, das Alleinsein, die Hoffnung und den Widerstand gegen ein eingefahrenes System. Dabei rutscht Riedhof nur hin und wieder ein wenig in klassische Filmklischees ab, ansonsten ist ihm ein realitätsnahes und gefühlsoffenes Drama geglückt, das wesentlich mehr Facetten seiner schlicht klingenden Geschichte einfängt, als man vermuten würde.

Trotz seiner Themenvielfalt übernimmt sich Riedhoff, der auch am Drehbuch beteiligt war, nie, lenkt in letzter Konsequenz den Fokus immer wieder auf den Hauptstrang, aber so dass die einzelnen Rahmen-Themen Einfluss auf diesen nehmen. Nichts wird unnötig eingebunden, umgekehrt hechtet das Drehbuch nie angeblichen Pflichten hinterher. Locker erzählt und auch so inszeniert legt erst das Seelenleben Pauls eine bleiernde Schwere über das Geschehen, eine Schwere die mich tief berührt hat und mich so manches Mal Tränen vergießen ließ.

„Sein letztes Rennen“ zeigt Hallervorden in Hochform, unterstützt von einem großartigen Drehbuch und umgeben von allerlei talentierten und sympathischen alten wie jungen Mimen, die alle ihre Charaktere glaubhaft auszufüllen wissen. In „Sein letztes Rennen“ ist nicht alles schwarz und weiß. Es gibt kein klar getrenntes Gut und Böse, gesund und ungesund, bei Verstand und irritiert. Und das ist eine der menschlichen Botschaften des Films für uns Schubladendenker. Zuhören und sich Zeit für den einzelnen nehmen lautet die Devise, und am deutlichsten wird dies immer wieder in jenen Momenten, in welchem das Altenheim-Personal versucht Paul in ein System zu zwängen, in welches er nicht hineingehört.

Kritiklos geht der Film aber auch mit Pauls Verhalten nicht um, ein Benehmen das keineswegs sonderlich rücksichtsvoll ist. Auch Probleme mit der Filmtochter, gespielt von Makatsch, werden nicht per Entschuldigung, wie es durchaus möglich wäre, aus dem Leben geschafft. Paul ist ein stolzer Charakter. Aber von all den guten und schlechten Seiten der Menschlichkeit zieht „Sein letztes Rennen“ seine Kraft und seine Glaubwürdigkeit. Und so todtraurig die ganze Geschichte schlussendlich auch ist, eine gewisse Herzenswärme kommt auf, ein Spalt Hoffnung öffnet sich, selbst dann wenn alles verloren scheint. sehenswert


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ZWEI VOM ALTEN SCHLAG (Grudge Match 2013 Peter Segal)


30 Jahre nach ihrem letzten großen Kampf treten zwei verfeindete Boxlegenden, die je einmal gegeneinander gewonnen haben, noch einmal gegeneinander an...


Hengst gegen Stier...

Machen wir uns nichts vor. Ohne die legendären Boxerfilme „Wie ein wilder Stier“ und „Rocky“ würde „Zwei vom alten Schlag“ nicht existieren. Und würde wer anders die Hauptrollen spielen als Robert DeNiro und Sylvester Stallone, die Originalbesetzungen beider Filme, würden sich nur die wenigsten für einen Film über zwei verfeindete Boxlegenden, die viel zu alt noch einmal gemeinsam in den Ring steigen, interessieren. Ernst umgesetzt würde man nur den Trash-Fan hinter den Ofen hervor locken, von daher war es gut, dass man erkannte, dass ein solches Projekt als Komödie umgesetzt werden muss. Und so sehr das Projekt auch jegliche Innovationen ausblendet, so sehr muss man doch trotzdem sagen: gelungen.

Letztendlich weiß „Grudge Match“ (Original) nur aufgrund der guten Leistungen seiner Stars zu gefallen. Stallone spiel was er immer spielt, weiß dabei aber neben den schauspielerisch stärkeren DeNiro zu bestehen, der eine herrlich infantile Rolle beschert bekommen hat und in dieser Unreife eine großartige Perfomance abliefert, locker aus der Hüfte gespielt, ohne sich groß abmühen zu müssen. Profi halt! Das Gekabbel zwischen den beiden Hauptfiguren weiß zu belustigen. Beide Charaktere sind interessant vertieft, ihr Zwist weiß einige kleine Überraschungen inmitten einer vorhersehbaren Handlung zu offenbaren, und der kleine Schuss Dramatik, der zu jeder gefühlsechten Komödie dazugehört, ist auch nicht von schlechten Eltern.

Glücklicher Weise setzt man bei „Zwei vom alten Schlag“ nicht auf die Klamaukebene. Der Humor kommt herzlich daher, der Film ist trotz des Zwists im Mittelpunkt friedfertig ausgelegt, und am Ende ist alles freilich arg heile Welt. Aber vom Feeling her soll Nostalgie umher wehen, wenn auch nicht so stark wie im überraschend geglückten „Rocky 6“. Genau wie dort soll es auch ums Alter gehen. Um den Sinn im Alter, um verpasste Chancen und ganz besonders um Fehlentscheidungen, von denen nicht jede wieder gerade zu biegen ist. Es geht ums Zwischenmenschliche, um Annäherung sich fremder Charaktere und um Geld in einer Welt, in der du an Altersarmut leiden kannst, obwohl Du eine Legende bist. Wirklich gesellschaftskritisch kommt Peter Segals Werk diesbezüglich jedoch nicht daher.

Der hat mit „Tommy Boy“, „Die nackte Kanone 33 1/3“ und diversen Adam Sandler-Filmen sonst einen ganz anderen Ton drauf. Da darf man schon erleichtert sein mit „Zwei vom alten Schlag“ eine so liebevolle Komödie sichten zu dürfen, mit in Würde gealterten Stars (diesbezüglich sei mal Kim Basinger hervorgehoben) und einem Respekt vor dem Alter, selbst dann wenn absichtlich die Trainingsszenen ins Lächerliche abrutschen. Zu den beiden legendären Boxfilmen, aus denen man sich die Stars entlieh, gibt es freilich auch die ein oder andere Anspielung, am deutlichsten wohl jene die in einem Schlachthaus stattfindet. Und so kann man sagen, dass man so köstlich wie innovationsfrei mit hier besprochenem Film unterhalten wird. „Zwei vom alten Schlag“ ist leichte Kost in gemütlichem Tempo, und da fern jeglichem Holzhammers präsentiert ein wohltuender Film, den ich mit Sicherheit mindestens noch einmal herauskramen werde. sehenswert


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Samstag, 15. November 2014

DIE TOLLWÜTIGEN (I Drink Your Blood 1970 David E. Durston)


Eine Gruppe satanischer Hippies lässt sich im leerstehenden Hotel eines kleinen Dorfes nieder. Eine junge Frau wurde bereits von der Bande geschändet. Als nun auch noch dem Großvater übel mitgespielt wird, rächt sich der kleine Pete, indem er den Tätern das Blut eines tollwütigen Hundes ins Essen spritzt. Es dauert nicht lange und die Satanisten laufen angesteckt durch die Gegend und attackieren Menschen, die sie damit ebenfalls wieder anstecken...


Fleischpastete des Grauens...

Gerade einmal zwei Jahre nach „Die Nacht der lebenden Toten“, dem Prototyp des modernen Zombiefilms, kam das Thema einer Krankheits-Epidemie ins Kino, in welcher Angesteckte zu wild gewordenen Killern mutierten. Was erst drei Jahre später mit Romeros „Crazies" kultivierter umgesetzt und Jahrzehnte später zur Ablösung der Zombie-Variante im Genre werden sollte, einfach weil das Ausbrechen einer Seuche mehr dem Zeitgeist, sprich der Angst seiner Zeit, entsprach als auferstandene Tote, war in „Die Tollwütigen“ noch ein kleiner, reißerischer Grindhouse-Streifen, dem man die Verwandtschaft zum Zombiefilm noch nicht wirklich ansieht.

Weder von den gängigen heutigen Regeln beeinflusst, noch vom Mainstream-Kino alter Tage ist „Die Tollwütigen“ somit etwas selbstständiges geworden, was das Kino dementsprechend aber auch weniger geprägt hat als ein „Crazies“. Der Einfluss auf die Zukunft des Genres ist, wenn überhaupt vorhanden, also sehr gering ausgefallen, in die Filmgeschichte Amerikas ging der Streifen dann auch viel eher aufgrund seiner sexualfreien X-Rated-Einstufung ein, sprich er war der erste Film, der diese Altersbegrenzung einzig aufgrund seiner Gewaltdarstellungen erhielt.

Mit heutigen Augen mögen diese zahm wirken, immerhin geschehen Morde meist im Off und wir sehen somit lediglich das Endresultat. Aber es ist schon hart was David E. Durston dem Zuschauer zumutet, und inmitten der ernsten, trockenen und radikalen Gesamtumsetzung des Streifens sitzen die Schocks dementsprechend auch heute noch tief, einfach weil die hemmungslose Atmosphäre dies trotz des miteinherwehenden Pulp-Charmes zulässt. „Die Tollwütigen“ ist somit auch heute noch ein Film der nicht kalt lässt, unübersehbar billig heruntergekurbelt, aber darin seine Herausforderung sehend.

Durston lässt sich für die Vorgeschichte viel Zeit. Aber so kann man prima in der längst vergessenen und dank der reißerischen Inszenierung so auch nie wirklich stattgefundenen Mentalität aufgehen, die ferner der heutigen kaum sein könnte. Sicherlich kann man sich auch hochmütig zurücklehnen und alles zu Sehende nur als lächerlich abtun, womit der Film wie jeder andere auch zum reinen Trash-Streifen werden würde. Aber mit diesem Übermut würde man „I Drink Your Blood“ (Originaltitel) nicht gerecht werden, ist er doch ein intensiver Film, ein Stück verzerrter Zeitgeist und in seiner ruhig erzählten Art schonungslos vorgehend, ohne den Zuschauer in Watte zu packen, so dass er ein reiner Terrorfilm wird, eine Rarität im Jahre 1970, sollte die Welle dieser Art Film doch erst 1974 mit Hoopers legendärem „Blutgericht in Texas“ ins Rollen kommen.

Aber fast alles was dem zugestanden wird, haben wir bereits hier vorliegen: wir haben keine übernatürliche Bedrohung, wir haben die trockene Atmosphäre eines staubigen Wüstenkaffs, und in Sachen Blut ist „Die Satansbande“ (Alternativtitel) wesentlich härter ausgefallen als „Kettensägenmassaker“. Zudem fehlt ihm der humoristische Gehalt des berühmteren Terrorfilm-Vertreters, lässt sich aufgrund fehlender ironischer Distanz aber auch nicht so ernst gucken wie der „lustigere“ Hooper-Film.

Vergleichbar sind beide Werke ohnehin nicht. Der eine ist ein anerkannter Kunstfilm, der hier besprochene ein schnell heruntergerotztes Stück Schmuddelfilm, das nicht wirklich tiefsinnige Aussagen treffen will, sondern den Terror rein des Effekts wegen auf den Zuschauer niederregnen lässt, gnadenlos, mit Blick auf das schnelle Geld. Aber wen stört das schon bei solch sympathischem Ergebnis? „Die Tollwütigen“ lässt einen nicht kalt, weiß immer dann zumindest noch als Party zu wirken, wenn man den Terror mal doch nicht zu ernst nehmen kann, weiß erstaunlicher Weise aber meist unfreiwillige Komik zu entgehen, sofern der Zuschauer den nötigen Respekt zu zollen weiß.

Wie eine Zombie-Alternative wirkt das ganze wie erwähnt hier noch nicht. Dafür treten die Infizierten zu selten in Gruppen auf, und diese sind dann auch viel zu klein geraten. Teilweise agieren die Tollwütigen noch halbwegs rational, was sie befähigt Waffen zu benutzen, wie es das Genre-bedingt so viel ich weiß sonst nur in „Die Rückkehr der Zombies“ und „Großangriff der Zombies“ gegeben hat und auch in beiden nicht wirklich hineingehören wollte.

Noch interessanter ist jedoch der Aspekt, dass sich Infizierte auch untereinander angreifen, eine Idee die im blind aus den Zombievorbildern übernommenen Infiziertenbereich grundsätzlich komplett ignoriert wird. Infizierte nehmen nicht wahr wer infiziert ist und wer nicht, wogegen Zombies Fleisch von Lebenden benötigen. Würde man sich in einer modernen Produktion an „Die Tollwütigen“ orientieren, würden die amoklaufenden Kranken noch viel furchterregender wirken, da sie einfach gegen alles und jeden aggressiv vorgehen.

Dass diese Idee aber auch hier noch nicht ausgereift präsentiert wird, merkt man an den wenigen Szenen, in denen die Infizierten vereint gegen die Menschen vorgehen. Einander attackieren sie nur, wenn sie einzeln unterwegs sind. Daran sieht man auch, dass man einfach drehte was einem einfiel und was zu provozieren wusste. Ideen durchdacht wurden nicht. Das zeigt sich leider auch in den winzigen roten Fäden kleiner Charakterentwicklungen.

Aber „Blood Suckers“ (Alternativtitel) ist weder Sozialstudie noch anderweitig intelligentes Kino, und deshalb besitzt gerade der unberechenbare, sich an nichts haltende Stil seine Stärke. Mal überrascht dies positiv, negativ nur seltenst, da man freilich mit einer gewissen Grundhaltung an einen Schmuddelfilm herangeht, sprich gewisse Bereiche wie Logik und Realitätsnähe gar nicht erst erwartet. Letzteres ist zwar erstaunlicher Weise trotzdem gerne mal Überraschungsgast diverser Szenen, im Gesamten hat sie aber auch allein schon aufgrund der grotesken Charakterisierung der Satansbande keine Chance.

Wer mit „Die Tollwütigen“ weiß welche Art Film er vor sich hat und es weiß wie man mit einem Schmuddelfilm richtig umzugehen hat, der wird erstaunt sein wie effektiv ein Terrorfilm wie dieser auch jenseits psychologischer Glaubwürdigkeit und trotz veralteter Spezialeffekte sein kann. Gerade die zweite Filmhälfte gewinnt einiges an Tempo und wird damit auch für das verwöhnte Publikum von heute ein ereignisreicher Streifen, von dessen Skandalen ein paar vereinzelte auch heute noch zu schockieren wissen. Wer die trockene, für seine Zeit typische, Atmosphäre dieser Art Streifen mag, wird aber auch über die erste Hälfte nichts ernsthaft zu meckern wissen. Dafür wird das Szenario viel zu interessant aufbereitet, jenseits heutiger Drehbuchpflichten. sehenswert

Freitag, 14. November 2014

RIO GRANDE (1950 John Ford)


Kurz nach der Ankunft seines Sohnes zur Soldatenausbildung erscheint auch die Frau des Kavallerieoffiziers Yorke in dessen Fort. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen mit Indianern. Und nach langer Zeit der Diplomatie bekommt Yorke den Auftrag die bislang eingehaltene Grenze, den Rio Grande, zu durchqueren. Indianer haben allerdings mittlerweile Frauen und Kinder in ihre Gewalt nehmen können...


Waschen, bügeln und ein Strauß Blumen...

Ich bin nicht sehr bewandert im Western-Genre und kenne auch nicht die beiden Vorgänger des hier besprochenen Streifens, welcher der Abschluss einer Trilogie von Regisseur John Ford und seinem Star John Wayne ist. Es mag also sein dass es mit meiner Unkenntniss einhergeht, wenn ich von „Rio Grande“ behaupte, dass er ein eher uninteressanter Beitrag seines Genres ist. Sicher, er bietet Liebe, Action, ein wenig Humor und jede Menge Pferde, aber letztendlich steht er doch all zu lang auf der Stelle, als dass das Treiben innerhalb seiner dünnen Geschichte mich wirklich interessieren könnte.

Dabei sind die Charaktere gar nicht mal so eindimensional gezeichnet, wie man aufgrund eines stillstehenden Filmes vermuten könnte. Und die Actionszenen sind gar nicht mal schlecht herausgearbeitet. Mancher Pferdestunt, ob per Kunststück vorgetragen oder während einer Schlacht, ist nicht von schlechten Eltern. Aber das sind alles qualitative Elemente in einem stockenden, bleidernden Sumpf von Story, welche die Protagonisten nur mit Mühe Schritt für Schritt leisten. Mag es auch reizvoll sein die zwischenmenschlichen Situationen einfangen zu wollen, und mag es auch interessant sein einen Western auch mal aus Militärsicht zu erzählen, „Rio Grande“ fehlt es an Tempo, und er kann über dieses Manko auch nicht mit seinem ewig monotonen Gesang hinwegtäuschen.

Klar, John Wayne ist ein Hingucker wie immer, und bis zu einem gewissen Grad hat mich auch die Dramatik zwischen ihm und seiner einstigen Frau interessiert. Aber inmitten ewiger Laufzeit wird doch nur viel zu vieles angedeutet anstatt tatsächlich angepackt, so z.B. die Ausbildung des Sohnes, eines Mannes der endlich einmal etwas bis zum Schluss durchziehen möchte, wenn es sein muss auch gegen den Willen seiner sturen Mutter.

Nach einiger Zeit hat mich diese gesamte Familien-Thematik nur noch angeödet und ich hoffte das militärische Treiben, wenn es denn mal losginge, würde mein Interesse an den Film zurück gewinnen. Aber als es endlich soweit war, dass den Indianern der Kampf angesagt wurde und Frauen und Kinder in deren Gefangenschaft gerieten, da merkte ich erst wie egal mir „Rio Grande“ mittlerweile geworden war, und dass ein höheres Tempo nun auch nichts mehr auszurichten vermag.

Das finde ich eigentlich schade, meinen Respekt hat der Streifen nämlich sehr wohl gewonnen bei seinen guten Darstellern, seiner professionellen Optik und seinen Schwerpunkten in einer Geschichte, die für den Standard-Western nicht zwingend hätten sein müssen. Die Qualität der Beteiligten vor und hinter der Kamera stimmt also. Die eigentliche Atmosphäre dieses Westerns ist mir jedoch zu monoton. Und ich habe mich in dieses Genre noch nicht weit genug hineingearbeitet, um mich mit einem solch halbgaren Ergebnis zufrieden zu stellen. Dafür fühle ich mich in diesem Genre noch nicht heimisch genug. mittelmäßig


BIG (1988 Penny Marshall)


Der 13jährge Josh wünscht sich an einem Automaten auf dem Jahrmarkt, dass er gerne groß sein möchte und erwacht am nächsten Tag im Körper eines Erwachsenen. Während er auf den Zeitpunkt warten muss das ganze rückgängig zu machen, wird er aufgrund seiner Leidenschaft für Kinderspielzeug von einem Spielzeug-Unternehmer als Produkt-Tester entdeckt...


Das Kind im Manne...

Diese Ähnlichkeit mit welcher der junge und der alte Josh gecastet wurden, ist erstaunlich groß - und mögen die Make Up-Verantwortlichen noch so dolle dabei mitgewirkt haben. Das macht die Sache optisch so glaubwürdig wie die eigentliche Geschichte kaum sein kann, geht sie doch vom Idealgeschehen aus, dass der Chef Joshs ein besonders warmherziger Mensch ist und ihm nach nur wenigen Tagen ein Spitzengehalt zum Testen von Spielzeug anbietet. Auch in vielen anderen Bereichen wird die Realität gerne ausgeblendet. Bei „big“ konzentriert man sich auf die schönen Aspekte des Lebens, und das ist auch gut so, denn letztendlich soll er nur ein Märchen für Erwachsene sein und ein Plädoyer dafür das Kind im Manne nicht zu vergessen. Es ist ein Teil von uns.

Für einen Familienfilm aus den USA erstaunt es schon für die damalige, lockerere Zeit, dass das Thema Sex nicht verbannt wird. Josh ist immerhin 13 Jahre alt. In wie weit er im Kinderzustand schon mit seiner Sexualität vertraut ist, wird nicht verraten, und als Erwachsenen sehen wir ihn auch nie den Beischlaf ausüben. Aber die Situationen im Alltag verraten schon so einiges was nachts passiert, und man kann es als Talent Marshalls sehen, dass ihr das Kunststück gelungen ist die Magie eines Märchens nicht durch Sexualprovokationen zu verraten, einen solchen Aspekt aus heuchlerisch moralischen Gründen aber auch nicht zu ignorieren oder zu verteufeln.

Gäbe es je eine Fortsetzung, man wäre sicher am weiteren Lebensverlauf Susans interessiert, die von Elizabeth Perkins verkörperte Freundin des „erwachsenen“ Joshs. Sie muss verarbeiten was passiert ist, sie muss sich damit auseinandersetzen warum sie auf solch verspielte Kindsköpfe abzufahren scheint. Mag „big“ im Stillen schon manche Antwort bereitlegen, immerhin ist er rein psychologisch betrachtet kein verkehrter Film, interessant wäre es trotzdem zu wissen wie es Susan später erging. Ob sie doch noch mal Jahre später heimlich gucken geht, wie groß Josh schon geworden ist? Würde sie ihn im Erwachsenenalter kontaktieren? Oder würde sie das Thema komplett resetten, aus Gründen der Reife, der Scham oder aus Angstgefühlen heraus? Man weiß es nicht. Fakt ist aber nun einmal, dass die Realität den erwachsenen Menschen immer irgendwann einzuholen weiß, egal wie verliebt oder ethisch geläutert man sich auch manches Mal fühlen mag.

„Big" ist herzerfrischend erzählt, lustig, wenn an mancher Stelle auch etwas arg auf Nummer Sicher mit seinem Humor gesetzt, aber inmitten der schöngemalten Märchenrealität ist es Tom Hanks, der die ganze Chose glaubwürdig und erheiternd erscheinen lässt. Sein kindliches Gesicht und noch mehr seine verspielte Art, fern jeglicher Anwesenheit einer Spießer-Mentalität, lassen einen glauben, dass der Mann den wir sehen tatsächlich ein 13jähriger ist. Sein Wandel zum echten Erwachsenen wird vom Drehbuch zwar etwas ruppig angegangen, der Film durfte immerhin nicht die damals obligatorischen 90 Pflichtminuten all zu sehr sprengen, aber auch als Gereifter auf dem Weg zu einer konservativen Charakterentwicklung bleibt Hanks immer glaubwürdig.

Dass dieser Wandel ins Erwachsenenleben eher ein Vergessen der Kindheit als ein wahrliches Reifen ist, wie es sich der Konservative gerne einredet, wird im letzten Drittel sehr deutlich thematisiert und mit diesem Schwerpunkt verstärkt „big“ die Grundposition seiner Geschichte, die er eigentlich schon eine Stunde lang zuvor versuchte an den Mann zu bringen. Sie wird hier nur deutlicher denn je. Wir werden älter, wir bekommen mehr Lebenserfahrung, damit reifen wir. Das ist alles richtig. Aber den Spaß am Leben, an Unnötigkeiten, am necken, am experimentieren und sich trotz aller Erlebnisse einen naiven Blick auf die Dinge beizubehalten, das sind alles Dinge die man nicht aufgeben muss, um erwachsen zu werden. Eine soziale Verantwortung und Selbstdisziplin in den richtigen Momenten kommt der Wahrheit schon näher - ausgerechnet jene Eigenschaften, die so vielen Menschen, die sich für unglaublich erwachsen halten, fehlen.

Josh merkt dass er ins Kinderleben zurückkehren muss, um nicht kaputt zu gehen oder seine kindliche Art gar für immer zu verlieren. Das macht Josh so fiktiv. Er ist nur ein Sinnbild dessen was manche Erwachsene tun sollten. Nach „big“ hat es der ein oder andere sicher auch getan, und wenn es nur kurzfristig war. Denn „big“ ist magisch. Er weiß einen zu unterhalten, zu umgarnen und zu verzaubern. Er weiß wie man das Kind im Manne weckt. sehenswert


Weitere Reviews zum Film: 


Donnerstag, 13. November 2014

KILLER-TRUCK (Haine 1980 Dominique Goult)


Auf der Durchreise durch ein französisches Dorf macht sich ein Motorradfahrer nicht gerade beliebt, als er mit der Freundin eines Truckfahrers herumturtelt. Dieser sieht rot und attackiert von nun an den Fremden. Nicht nur dass dieser keine Hilfe erhält, der Einheimische schafft es andere Dorfbewohner davon zu überzeugen, dass der Fremde Schuld am Tod eines kürzlich verstorbenen Kindes ist...


Weißes Leder...

Wahrscheinlich inspiriert von Spielbergs neun Jahre zuvor entstandenem „Duell“, und falls ja, dann nichts von ihm gelernt, ist „Killer-Truck“ ein übel zusammengeschustertes Machwerk, welches den Eindruck hinterlässt man hätte um vorhandene Filmfragmente noch einige Zusatzszenen gedreht, um das ganze irgendwie zu einem Spielfilm zusammen zu basteln, was auch die mehr als merkwürdigen Schnitte erklären würde, die das einzig sehenswerte an „Haine“ (Originaltitel) sind.

Auch die Verfolgungsjagd Truck gegen Motorrad ist noch halbwegs vernünftig umgesetzt, reißt aber auch nicht wirklich vom Hocker, zumal sie nach etwa einer Stunde Laufzeit viel zu spät kommt und man schon jegliche Hoffnung verloren hat mit „Killer-Truck“ doch noch so etwas wie eine Geschichte erzählt zu bekommen. Wird einem das niemals wirklich zusammenwachsende Lückenhafte des Streifens bewusst, weiß eine Actionszene wie besagte Verfolgungsjagd auch nicht mehr zu interessieren.

So konfus der Film, so unklar auch seine Position und seine Mentalität. Der Bürgermeister ist involviert, dann ist er wieder machtlos gegen den Pöbel. Der Pfarrer hält zum Fremden, hat aber noch weniger Einfluss und Macht schon gar nicht. Einzig die Position des in weißen Leder (welch plumpe Symbolik) gekleideten Fremden als der Kinder- und Frauen-freundliche Gute kommt klar herüber, allerdings muss man sich mit der vergangenen Mentalität der Streitgesellschaft ein wenig auskennen. Jungen Gemütern, welche nur die Political Correctness gewohnt sind, wird der Gute arg ruppig erscheinen.

Wie auch immer, „Killer-Truck" dümpelt fast ereignislos vor sich hin, und wenn man schon fast den Grad der Lethargie erreicht hat, auf den Bildschirm starrend ohne überhaupt noch dem Werk folgen zu wollen, dann fällt sie auf, die völlig idiotische Musikuntermalung in einem Film, in welchem der Ton ohnehin nicht die beste Qualität besitzt.

Gegen Ende gibt es ein paar Actionszenen mehr. Inhaltlich hat sich so etwas wie ein Fremder gegen Mob-Szenario entwickelt, was das Maximum an einem roten Faden darstellt, und da macht das Gucken wenigstens wieder ein wenig Freude. Spaß genug um von einem fröhlichen Trash-Happening zu sprechen allerdings auch wieder nicht. Kinski-Allesseher werden sich nicht abhalten lassen. Der Rest sollte lieber die Finger von „Hate“ (Alternativtitel) lassen, einem zu Recht vergessenen Selbstjustiz-Schmuddel-Actioner. schlecht


DIE KLASSE VON '99 - 'SCHULE' WAR GESTERN - LEBEN IST JETZT! (2003 Marco Petry)


Drei Jahre nach seinem Schulabschluss kehrt Felix in seine Heimatstadt zurück, mitten während der Polizeiausbildung zur heimischen wechselnd. Seinem besten Freund Sander hilft er nebenbei Drogen von Holland über die Grenze zu schmuggeln. Was Felix vom Leben wirklich möchte weiß er nicht...


Drogen anstatt Cyborgs...

Drei Jahre nach seinem Erfolg „Schule“ schob Regisseur Marco Petry dieses Drama nach, welches nicht zufällig drei Jahre nach einem Schulabschluss spielt. Eine Verwandtschaft zwischen den beiden Filmen ist trotz unterschiedlichem Genre-Schwerpunktes durchaus gewollt, es bleibt jedoch bei Andeutungen. Ob Schmidt der Dirk aus „Schule“ ist, beide von Axel Stein verkörpert, weiß man nicht. Karbrüggen trägt in seinem Kurzauftritt einen anderen Namen, Daniel Brühl wird in seinem Schnubbie genannt, die wohl deutlichste Andeutung des Streifens auf den Vorgänger. Dass Felix Schnubbie nicht kennt, macht deutlich, dass es hier um eine völlig andere Clique als im Vorgänger geht, und ob „Die Klasse von ‘99“ nun im selben Ort spielen mag oder eine Quasi-Fortsetzung von Petrys großem Erfolg ist, ist nie ganz klar, eigentlich aber auch egal.

Zumindest erklärt dieser Umstand den mehr als nervigen vollständigen Titel „Die Klasse von ‘99 - ‘Schule‘ war gestern - Leben ist jetzt!“ Man wollte mit Petrys Folgefilm also einen Nachschlag vom Erfolgskuchen des Vorgängers abernten, was nicht der erste Fall bescheuertster Namensgebung für einen Film aus gleichem Gier-Grunde ist. Ob da ein „Jack allein im Serienwahn“ an Erfolgen von „Kevin - Allein zu Haus“ und „Allein mit Onkel Buck“ anknüpfen musste, oder ein noch groteskerer „Kevins Cousin allein im Supermarkt“ verzweifelt um Anerkennung bettelte, mit deutschen Titeln wurde schon immer Schindluder getrieben. Und da es schon einen sehr schönen Science Fiction-Trash namens „Die Klasse von 1999“ gibt, nervt mich der schreckliche Titel des hier besprochenen Filmes um so mehr. Leider gibt es als Alternativtitel nur „90/99“, also bleibt „Die Klasse von ‘99“ so oder so ein Streifen unter schlechter Namensgebung.

Immerhin ist besagter Film ein gelungener Streifen schlechter Namensgebung, denn trennt man sich einmal von der Vorstellung hier eine Fortsetzung von „Schule“ vorgesetzt zu bekommen, erlebt man ein sentimentales, unkitschiges Jugend-Drama, mit jungen Menschen, die ihren Platz im Leben suchen, manche wissendlich, manche unwissendlich. Freundschaften halten sich noch aufgrund Jahre-langen Kennens und nicht aufgrund wahrer Werte, so dass sich eine Personenkonstellation mischt, die es eben nur bis etwa zum 30.Lebensjahr gibt.

Nun baut „Die Klasse von ‘99“ aber nicht auf das Erwachen dieser Erkenntnis auf, auch wenn ich eine lange Zeit glaubte dass er dies tun würde. Der Film handelt jedoch nur von wenigen Wochen, und mit diesem Zeitraum wäre er mit dieser Thematik ohnehin etwas Entwicklungs-überstürzt vorgegangen. Nein, Freunde bleiben Freunde, so sehr man sich in drei Jahren auch auseinander gelebt hat, und Widersprüche bleiben Widersprüche, die das Leben nun einmal mit sich bringt. Probleme kann man lösen, man kann auch vor ihnen flüchten. Was von beidem Felix tut bleibt Auslegungssache, denn Petry serviert uns einen recht nüchternen, kommentarlosen Einblick, den wir selbst zu deuten haben.

Streng betrachtet ist das komplette Leben von Felix nicht hervorhebenswert. Petry zeigt uns mit diesem Zusammenschnitt weniger Wochen im Heimatstädtchen ein typisches Schicksal, wenn auch angereichert mit der Idee zur Beihilfe des Drogenschmuggels, was mehr Laufzeit mit sich bringt als mögliche Parallelen zu „Schule“ oder als die Polizeiausbildung Felix‘. Dementsprechend kurz gehalten werden auch die sozialen Interaktionen unter den gleichaltrigen Kadetten. Sie sollen nur Alternativen wiederspiegeln und Felix in seiner Position festigen. Ebenso wie die mahnenden Worte der Mutter. Und Felix muss irgendwann erkennen: die Zeiten der Fremdbestimmung und im speziellen die Aufgabe der Clique zu entsprechen sind vorbei. Er ist nun erwachsen, und nur er kann wählen was er wirklich möchte.

In dieser Konsequenz schließt „Die Klasse von ‘99“ ähnlich wie „Schule“. Beide Hauptfiguren müssen erkennen dass das Leben sich weiterentwickelt, dass nicht alles bleiben kann wie es war, dass dieser Umstand sogar positiv zu betrachten ist und dass deshalb auch Orte gewechselt werden müssen. Man kann nicht ewig im Heimatort verweilen, wenn dieser einen nicht glücklich macht. Kurzum: Hintergründig handelt Petrys Drama und damit Felix Leben von mehr als es zunächst scheint, und wie in jedem guten Genrebeitrag unseres Landes, hat man das meiste davon selbst zu entdecken.

Wer gelangweilt nach dem fehlenden Handlungs-Kick fragt und sich hinterher ärgerlich wundert, dass es zu diesem nie kam, ist nicht reif genug für einen solchen Film. „Die Klasse von ‘99“ serviert seine Handlung und Aussagen nicht auf dem silbernen Tablett, er möchte, dass der Zuschauer diese selbst entdeckt. Und diese Mündigkeit genieße ich, ich beschäftigte mich mit dem Stoff und fühle mich deshalb gut unterhalten, nicht auf einem Niveau richtig großer Werke a la „Requiem“ und „Die Ausbildung“, im Vergleich zu diesen ist Petrys Film tatsächlich noch immer einen klitzekleinen Rest zu mainstreamig, aber gut genug um von einem anspruchsvollen Werk zu sprechen. sehenswert


Mittwoch, 12. November 2014

SCHULE (2000 Marco Petry)


Abiturient Markus möchte 15 Tage vor Schulabschluss mit seiner Clique noch eine Nacht am See verbringen, so wie man es all die Jahre jeden Sommer tat, ohne Sandra, seine 15jährige Freundin. Die fühlt sich ausgegrenzt und sucht Trost beim zwielichtigen Stone. Markus erkennt erst spät was er falsch gemacht hat...


Pulheim...

Okay, dass fast jeder gekifft hat kam erst einige Jahre nach meiner Jugend auf, und auf die Schulsituation speziell bezogen war ich eine stille, graue Maus. Überträgt man die Erlebnisse, Charaktere und die Mentalität von Marco Petrys „Schule“ jedoch auf Jugendmomente im Schul-unabhängigen Freundeskreis und im breiteren Rahmen zwischen Jahre vor und Jahre nach dem Schulabschluss, sind die Übereinstimmungen ansonsten doch überragend hoch. „Schule“ guckt sich so authentisch wie eine amerikanische Teenie-Komödie für einen Deutschen logischer Weise nie sein kann.

Die Kleinstadt, die Art zu reden, der Schulalltag, fern der nur wenige Jahre nach „Schule“ folgenden Handy- und Internetgeneration, für die sich der hier besprochene Film sicherlich etwas fremdartiger guckt als für Schüler der 90er und späten 80er Jahre, hier stimmt einfach alles, hier atmet man eigene Erinnerungen, während Fremdfiktionen das ganze konzentriert und dramaturgisch ideal verpackt präsentieren. Wenn Axel Stein, der angenehm natürlich spielt, über spezielle Bereiche der Matheklausur schimpft, dann ist es nicht nur die Situation, die einem vertraut vorkommt, sondern auch der Jugendslang, der das ganze so köstlich und nostalgisch verpackt.

Mit Jasmin Schwiers, eine der süßesten Jungdarstellerinnen die mir jemals unterkommen ist, ist man nah an der Gefühlswelt Markus‘ gebunden, und ich muss gestehen, sie erinnert mich optisch wie charakteristisch stark an meine erste richtige Freundin damals, und da weiß ein Film bei mir freilich um so mehr zu wirken. Markus Gegenpart Stone bleibt kein Bösewicht, wie es in einem US-Film typisch wäre. Wir lernen ihn kennen, merken anhand stiller Andeutungen dass Sandra mehr für ihn ist als eine erneute Eroberung, und bevor Brühl einen emotionalen Monolog vortragen darf, der die ganze Thematik des Streifens noch einmal emotional zusammenfasst, darf Stone im stillen Vier-Augen-Gespräch mit Markus einen nicht minder emotionalen Monolog halten, der den Nichtwirklich-Schurken entgültig für den Zuschauer greifbar macht. Erstmals im Film verhält er sich erwachsen, was eventuell eine kleine Hoffnung für ihn sein kann, um endlich aus dem Stillstand herauszukommen, in welchem er sich gefangen fühlt.

Oh ja, „Schule“ ist hochemotional erzählt, suhlt dabei nicht im Kitsch, sondern fühlt sich immer echt und nie gewollt an. Aber an Lustigkeit wird nicht gespart. Mehr noch, trotz der treffsicheren Dramaturgie wird „Schule“ nie zu einer Tragikomödie wie „Der Frühstücksclub“. „Schule“ ist eine Komödie, will lustig sein und ist dies auch, hauptsächlich wegen der gelungenen und pointenreichen Charakterzeichnung der einzelnen Figuren, aber auch wegen so abgedrehter Ideen wie alles was mit Karbrüggen zu tun hat oder der herrlich schrägen Idee eines übergroßen aufblasbaren Pinguins auf dem Dach einer Tankstelle, dem die Luft ausgeht, während die Schüler von der Polizei kontrolliert werden.

Kurzum, Petry ist ein Film geglückt, ob per Intuition oder durch authentischste Verarbeitung der eigenen Schulzeit, für den man ihn umarmen möchte. So war unsere Jugend in der Kleinstadt, so haben wir geliebt, gelitten, gefeiert, geredet, kurzum: so waren wir drauf, und es ist schön seinen eigenen Erinnerungen einen kleinen Schupps geben zu können, indem man den vollkommen geglückten „Schule“ guckt, an dem gerade einmal zwei kurze Momente ziemlich zu Beginn stören (Der Lehrer-Schnubbi-Spruch und das Bläschen), die tatsächlich derart kurz ausgefallen sind, dass es eigentlich eine Schande ist, dass ich in diesem Text überhaupt darauf verweise. Zu spät! Geschehen!

„Schule“ entführt einen zurück in die eigene Schulzeit, in die ich zwar nie im Leben zurückkehren möchte, an die mich aber freilich jede Menge schöne, traurige und prägende Erinnerungen ketten. Es ist schön dank Petrys Film das alles noch einmal nachfühlen zu dürfen, denn allein durch die bloßen Erinnerungen geschieht dies nicht so emotional wie mithilfe dieses Werkes, das von großartigen Jungdarstellern getragen wird. Dass Jasmin Schwiers Sandra mich so enorm an meine erste Liebe erinnert, ist freilich ein Bonus den andere nicht haben werden, so dass andere nicht ganz so intensiv im Film aufgehen können wie ich. Dank der kompletten Authentizität die „Schule" atmet dürfte der Effekt für andere Kleinstädter meiner Generation trotzdem noch sehr intensiv sein. Schließlich geht es hier um viel mehr als um eine olle Teenie-Romanze. sehenswert

DAREDEVIL (2003 Mark Steven Johnson)


Der blinde Anwalt Murdock geht dank seiner übernatürlich geschärften Rest-Sinne nachts als Superheld auf die Jagd nach Verbrechern und lernt dabei die reizende Elektra kennen, die nicht minder schlecht kämpft als er...


Die blinde Fledermaus...

Es ist erstaunlich, dass ein auf dem Comicmarkt so zweit- oder gar drittrangiger Superheld wie „Daredevil“ eine solch frühe Verfilmung beschert bekommen hat, zu einer Zeit wo gerade einmal „X-Men“ und „Spider-Man“ die Kinos mit ihren Geschichten bereicherten. Die wurden jedoch auch wesentlich freundlicher behandelt als der weniger großzügig finanzierte „Daredevil“. Zwar hing viel Herzblut wahrer Fans mit im Projekt, was sich auch in den Cameos der Zeichner der Printvorlage zeigt, aber so wirklich geglückt fühlt sich Mark Steven Johnsons Comicverfilmung nicht an.

Die gute Nachricht: man kann den Film sehen, er macht Spaß. Die schlechte: die Geschichte ist löchrig erzählt und der Bann, in dem einen die Mystik und die Dramatik der Figuren ziehen soll, ist nicht vorhanden. Daredevil bleibt ein verkleideter Typ, der nachts durch die Straßen einer Großstadt purzelt, eben so wie ein derart gekleideter Typ in der Realität wirklich auf jemanden wirken würde. Da fehlt es an Respekt, an Stimmung, Daredevil ist optisch ein zahnloser "Batman", und das Kostüm ist nur eines von vielen Gemeinsamkeiten mit der Fledermaus.

Alles wird zu schnell abgehandelt, selbst das Entwickeln und Trainieren der Superkraft mittels der anderen Sinne einen Radar zu perfektionieren, der den blinden Murdock auf ganz andere Art sehen lässt. Die Kenntnis zur Comicvorlage wird vorausgesetzt, was sich gerade mit Blick auf Elektra als Nichtkenner dieser negativ guckt. Kurz nach der ersten Begegnung liefern sie und der Titelheld sich ein unmaskiertes Spaßkämpfchen, bei welchem nur in einem Nebensatz erklärt wird, warum die Dame so abgebrüht kämpft. Im Gegenzug erfahren wir nicht, warum Murdock sein Können so offen zur Schau stellt.

Wenn man nun noch bedenkt, dass der Gegner Bullseye mehr im Fokus steht als der wesentlich würdiger gegenagierende Kingpin, kann man von Glück reden, dass „Daredevil“ doch noch in der Lightversion eines Superheldenfilmes zu funktionieren weiß. Bullseye ist nämlich ein ziemlich peinlich dreinblickender und herumwütender Pseudo-Cooler, den man ab dem 16. Lebensjahr aufgrund seiner infantilen Performance nicht mehr ernst nehmen kann.

Aber damit passt er zur schlecht gewählten Musik, die mal kitschig und mal metallig daher kommt, aber doch immer mainstreaming wirkt und den Streifen nie würdig und vor allen Dingen nie glaubwürdig zu unterstützen weiß. „Daredevil“ bleibt immer Film. Nie taucht man zu sehr ein. Nie geht man als Zuschauer wirklich in der Geschichte auf.

Letztendlich ist alles jedoch derart naiv erzählt und produktionstechnisch ja auch relativ professionell angegangen, dass das Kind im Manne, sofern man es zulässt, trotzdem Spaß dran haben kann in einer Geschichte, in welcher ein Blinder voll cool über seinem Handicap steht und so knallhart und soft zugleich seine persönliche Rache auslebt, in einer Welt voller Ungerechtigkeiten. Ben Affleck kommt weder besonders positiv noch besonders negativ rüber und sieht mit der Frisur und der Sonnenbrille ohnehin nur wie ein Reeves-Klon aus „Matrix“ aus. Und Elektra weiß ein paar Szenen zu versüßen, ist letztendlich für die Geschichte aber gar nicht so wichtig wie gedacht.

Wie auch immer... das kann man alles gucken, es macht kurzfristig auf simple Art Spaß. Bei Nichtsichtung verpasst man jedoch nichts. Mag sein, dass dies beim Director‘s Cut anders ist. Ich bin kein Freund spezieller Regie-Neufassungen, aber bei „Daredevil“ könnte eine solche Wunder bewirken - vorausgesetzt der Film verliert dadurch seine löchrige Ader. Mark Steve Johnson hat vier Jahre nach dem hier besprochenen Streifen immerhin mit dem gern unterschätzten "Ghost Rider" eine bessere Comic-Verfilmung herausgebracht. unterhaltsam

GHOSTQUAKE - DAS GRAUEN AUS DER TIEFE (Haunted High School 2012 Jeffrey Scott Lando)


Einst wurde die Schule von einem Kinder-mordenden Okkulten gegründet, nun ist er Jahre nach seinem Tod zurück in die Welt gekommen um Leid zu verbreiten. Schüler und Lehrer, die sich ausnahmsweise noch am späten Abend in der Highschool aufhalten, müssen sich den dämonischen Geistern stellen...


Hurra, die Schule bebt...

Schade, der deutsche Titel „Ghostquake“, der durchaus für eine innovative Trash-Idee brauchbar gewesen wäre, ist nur ein halbgarer Aufhänger, wahrscheinlich weil „Arachnoquake“ im selben Jahr erschienen ist und sicher auch weil Naturkatastrophen schon immer Aufhänger häufig konsumierter, reißerischer Billigproduktionen waren und Sy-Fy-Pictures mit dem Mix aus Katastrophen-Film und Horror nicht zum ersten Mal beide Genres mixt. Auf jeden Fall bebt die Erde im hier besprochenen Streifen kurz, aufgrund einer Erweckung, aber irgendwie muss das Hinübertreten in eine andere Welt ja umgesetzt werden, und da ist ein ruckelndes Haus, und mehr als die Schule bebt hier wirklich nicht, nicht gerade die neueste Idee. Es wäre vor „Ghostquake“ nur nie jemand auf die Idee gekommen, diese Nebensächlichkeit in den Titel wandern zu lassen.

Scheiß auf den „deutschen“ Titel, der originale „Haunted High School“ kommt der Sache schon wesentlich näher und das nicht nur inhaltlich. Allein der Stil dieses Titels erinnert an Videoproduktionen der 90er Jahre, und verdammt: genau wie eine solche schaut sich der Streifen auch. Das erklärt die geringe Punktevergabe auf den meisten Filmseiten, denn mit dem Retro-Getue entspannterer B-Movie-Zeiten können nur die wenigstens Filmfreunde von heute etwas anfangen - leider. Es gibt kaum Computereffekte. Der Härtegrad ist absichtlich reduziert. Der Horror naivst auf jugendlichem Niveau gehalten, nie dafür gedacht zu schocken und zu gruseln, sondern augenzwinkernd Spaß verbreiten wollend.

Filme wie „Night Of The Demons 2“, jegliche Werke Charles Bands, aber ganz besonders sein „Ghoulies 2“, sind passende Vergleiche. Sie alle versuchten gar nicht so etwas wie eine Logik aufrecht zu erhalten. Der Horror-Fan sollte unterhalten werden, eine Art Popkorn-Spaß auf Geisterbahn-Niveau mit den laufenden Bildern beschert bekommen, und dieses Niveau eines „Das Gehirn“, „Witchouse“ und „Shopping“, alles Werke die kurz vor, nach oder während der 90er Jahre entstanden sind, erreicht „Haunting High School“ erstaunlich gut. Freunden dieser alten Gattung Naivst-Unterhaltung wird etwas geboten, das man heutzutage kaum noch vorgesetzt bekommt, lediglich „Cabin Fever 2“ ging erst kürzlich wieder in diese Richtung. Allerdings ist „Haunted High“ (Alternativtitel) in seiner Produktion, passend zu den Vorbildern, kostengünstiger ausgefallen als dieser, weswegen man auch in der Deutschvertonung mit einer eher schlechten als rechten Synchro leben muss.

Den Spaß hält das nicht auf. Da reicht es wenn eine übertriebenst auf Dämon geschminkte Frau scharfe Beißerchen besitzt, die sie immer wieder zeigen darf. Der Anführer der Geister darf ein alter Sprüche klopfender Mann sein, bei dem man gar nicht erst versucht hat eine Geisterwirkung zu entfachen. Und die Personen sind aus den unterschiedlichsten Gründen im Gebäude, tragen alle ihre eigene kleine, meist sinnlose Geschichte mit sich herum. Und damit werden sie nicht erst in ihren Sterbeszenen sympathisch, selbst die Unsympathischen. Und wenn dann mal gestorben wird, dann gerne im Off. So wird ein explodierender Schädel beispielsweise als Schattenspiel gezeigt, anstatt, wie es heutzutage geradezu üblich wäre, in der Totale.

Was sollen auch harte Effekte in einem augenzwinkernden, für das Jugendpublikum gedachten Horrorfilm zu suchen haben, in dem ansonsten wie folgt gestorben wird: man wird ins Klo gezogen, als Spiegelbild ausgetauscht und damit im Trophäenschrank eingesperrt, gnadenlos verbrutzelt und vieles mehr. Gern darf auch mal wer Ermordetes wieder auferstehen, um den noch Lebenden einen Streich zu spielen. Und im Finale darf ein Geist gegen einen Geist kämpfen. Das hat auch etwas.

Lediglich keine Logik, weder eine allgemeine noch eine innereigene. Nicht einmal innerhalb der Horrorfilmwelt macht hier irgendetwas Sinn. Aber darum geht es nie und ging es bei Werken dieser Art nie. Und das werden nur die begreifen, die mit dieser absichtlichen Art Trash etwas angfangen können, jene Art Trash, die sich noch echt anfühlt, bevor Trash zur Moderichtung wurde und irgendwelche formelhaften Erwartungen eines Ideen-gelähmten Publikums einhalten musste.

Man kann nur durch Reinsehen erkennen ob man zu dem kleinen Zielpublikum des Streifens gehört oder nicht. Verstehen wird ein Außenseiter nie was man an Werken wie „Ghostquake“ findet. Erklären kann man es auch nicht. Es hat mit einer grundlegenden Lebenseinstellung zu tun, einem verspielten Blick auf die Dinge, einer Leichtigkeit in Stoffen, die einen Trivialkost vorsetzten kurz vor der Unterforderung, aber doch noch ein gewissen Restniveau behaltend. Wie gesagt: ich bin nicht in der Lage es zu erklären.

Ich habe Filme dieser Art schon immer gemocht, und ich hätte nie damit gerechnet ausgerechnet in einer Sy-Fy-Produktion auf ein solches Produkt zu stoßen. Das war wahrlich mal eine positive Überraschung. Bedenkt man dass Regisseur Jeffery Scott Lando ansonsten für solchen Müll wie „Acarophobia“ und „Horror Aliens“ verantwortlich war, und auch mit dem besseren „Todes-Date 2“ nicht gerade etwas Tolles abgeliefert hat, darf man noch überraschter sein als ohnehin schon. unterhaltsam