Freitag, 28. Februar 2014

SHOCK (1977 Mario Bava)


Jahre nach dem schrecklichen Selbstmord ihres drogensüchtigen Mannes zieht Dora mit ihrem Sohn und dem neuen Lebensgefährten in das Haus, in dem sie einst mit dem Vater ihres Kindes wohnte. Doch der Sohn beginnt sich merkwürdig zu benehmen, und im Laufe der Zeit vermutet Dora, dass der tote Vater Besitz vom Jungen ergriffen hat...


Flieger, grüß‘ mir die Schaukel...

Der vorletzte Film des von Berufs-Kollegen heute noch verehrten Kult-Regisseurs Mario Bava entstand in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Lamberto, der für einige Szenen Regie führte und der zusammen mit seinem Freund Dardando Sacchetti das Drehbuch verfasste. Kenner Marios beschreiben „Shock“ durch den großen Einfluss des Sohnes als eher untypischen Film des Meisters, eine Aussage die ich nur bedingt teilen kann, war Bava doch immer wegen seiner tollen Bilder verehrt, und an denen mangelt es hier ebenfalls nicht.

Allerdings ist „Suspense“ (Alternativtitel) für seine Zeit nicht gerade der typische klassische Horrorfilm, auch wenn er sich von der Inhaltsangabe her so lesen mag. „Shock“ guckt sich auch heute noch frisch und anders, und das liegt daran dass der Mix aus Spukgeschichte und geistige Verwirrung, den wir spätestens in Bezug mit sich wunderlich verhaltenden Kindern schon aus „Schloss des Schreckens“ kennen, nicht nur auf wohliger Gruselebene statt findet, sondern spätestens im letzten Drittel auch auf psychotische Terror-Art, in welcher man eine radikale Idee nach der anderen vor die Augen gepfeffert bekommt, und dies so mutig und intelligent inszeniert, dass man selbst als eingefleischter Horror-Fan noch zusammenzuckt.

Die Spezialeffekte sind eher simpler Natur, werden aber in einer maximalen Wirkung eingesetzt und zaubern fantastische Bilder, die dem Grundton des Streifens gerecht werden. Das Drehbuch arbeitet gekonnt mit Fährten, Überraschungen und Verwirrungen, setzt auf psychologische Stimmigkeit und macht von Anfang an kein Geheimnis daraus, dass ab einem gewissen Zeitpunkt mit dem Jungen der Hauptfigur etwas nicht stimmt. Manch einer behauptet das sei Ansichtssache, könnten die Bilder die wir sehen auch einem verwirrten Geist entstanden sein, so wie man beispielsweise auch die Horrorversion von „Pinocchio“ erzählte. Aber sieht man sich die Szenen genauer an, in welchen Sohnemann Böses treibt, dann passt diese Perspektive nicht, und ich bin froh darüber.

Reingelegt aus dem Blickwinkel eines Psychopathen, das klingt so anspruchsvoll, für seine Zeit so pfiffig und neu. Mit den Augen von heute, wo der Kniff so häufig angegangen wird, bin ich jedoch froh dass dies nicht die Wahrheit von „Shock“ ist. Ich finde es geradezu faszinierend an diesem Film, dass hier beide Horrorebenen parallel existieren und nicht die eine durch die andere ersetzt wird. Hauptfigur Dora hat definitiv einen an der Klatsche. Der anfangs verwirrte Verstand arbeitet sich immer mehr Richtung Geisteskrankheit vor. Aber auf eine solch zerbrechliche Person stößt nun wahrer Spuk, Spuk ausgelöst durch das was man als Frau am meisten liebt: das leibliche Kind. Und dieses Zusammenstoßen zweier Haupteckpfeiler von Horrorerzählungen wirkt so gnadenlos, dass man blutige Bilder schon gar nicht mehr benötigt, um einen intensiven Horror-Schocker zu erschaffen.

Dass zudem der wunderbar skurrile Mix aus klassischem Gruselfilm und Terror-Kino so intensiv zu wirken weiß, ist ein weiter Pluspunkt eines Streifens, der es unbedingt verdient hätte mehr Beachtung geschenkt zu bekommen. Innerhalb von Fan-Kreisen zählt „Beyond The Door 2“ (Alternativtitel) zu den beliebtesten Werken Bavas, aber das Massenpublikum wird weder vom Film noch von seinem Regisseur je etwas gehört haben, und das ist schon traurig. „Shock“ bietet großartige visuelle Ideen, ein stimmiges Setting, brauchbare Mimen, ein psychologisch wirksames Drehbuch, Spannungs- und Schockmomente und einen Soundtrack, der das intensive Treiben stimmig begleitet. Wirkt der Sohn Doras zu Beginn noch etwas nervig besetzt, so weiß auch der im Laufe de Zeit zu überzeugen, so dass sogar dieses anfängliche „Manko“ den Reiz des Streifens nicht zu zerstören weiß.

„Shock“ ist in meinen Augen ein Meisterwerk seines Fachs und sollte unbedingt von jedem Cineasten gesehen werden, ist er doch ähnlich wie „Augen ohne Gesicht“ kein Werk welches einzig dem Horror-Fan zu empfehlen ist, durch seine Machart aber ebenso reizvoll für diesen ist. Anspruchsvolle Filmfreunde kommen ebenso auf ihre Kosten wie Stammgäste des Genres. Und dafür braucht man nicht einmal auf den Original-Ton zurück greifen. Auch die deutsche Synchronfassung ist sehr geglückt und zerstört nichts an der phantastischen Wirkung dieses Geheim-Tipps.

Samstag, 22. Februar 2014

MUST LOVE DEATH (2009 Andreas Schaap)


Musiker Norman durchlebt zur Zeit ein seelisches Tief. Gerne würde er sich umbringen, bringt es jedoch nie fertig. Also verabredet er sich mit Gleichgesinnten aus dem Internet  zum gemeinsamen Suizid. Diese entpuppen sich jedoch als Psychopathen, die Norman in eine Falle gelockt haben um ihn zu quälen...


Folter oder nicht Folter?...

Ein wenig guckt sich der deutsche Film, der auf dem DVD-Cover damit wirbt eine romantische Folterkomödie zu sein, wie der zwei Jahre zuvor erschienende „Murder Party“, auch wenn der ahnungslose Teilnehmer einer brutalen Aktion dort nicht Selbstmord-gefährdet war. Allerdings bietet das deutsche Werk im Gegensatz zum Vergleichsfilm etwas mehr Handlung, die er, so gerne er ein weiterer „Pulp Fiction“ wäre, in einem nicht chronologischen Ablauf erzählt. Zudem verweisen die Schrift im Abspann und die Art des Sounds auf eine Verbeugung vor Quentin Tarantinos erstem großen Wurf, die wahre Qualität mit diesem mitzuhalten fehlt freilich komplett.

Mit „Murder Party“ kann er es hingegen locker aufnehmen, macht er doch mehr Spaß als dieser, auch wenn es mich immer ein wenig traurig stimmt, wenn ein deutscher Film nicht deutsch wirken will. Die Verweigerung eines Titels in unserer Landessprache ist man schon von ganz anderen Werken gewöhnt, selbst welchen wie „Blueprint“, die in ihrer Erzählform deutsch sind. Bei „Must Love Death“ kommt noch der ausländische Handlungsort hinzu, der zumindest aber auch authentisch jenseits von Deutschland gedreht wurde und der amerikanische Stil, der nur wenig deutsche Mentalität durchschimmern lässt. Zwar ist Schaaps Film kein US-anbiedernder Klon a la „Die Nacht der lebenden Loser" geworden, aber auch kein augenzwinkerndes Spiel mit Ami-Klischees im deutschen Gewand wie Til Schweigers unterschätzter „Der Eisbär“.

Akzeptiert man einmal was „The Less Alive“ (Alternativtitel) darstellen möchte, kann man durchaus Spaß mit ihm haben. Dank der zeitlich wild durcheinander gewürfelten Erzählweise braucht man trotz des simplen Inhaltes ein wenig bis man sich orientiert bekommt, aber das ist eine Herausforderung die sich rentiert, wird man doch mit lustigen Situationen, schrägen Charakteren und sympathischen Helden belohnt, welche die in den Nuller Jahren nicht gerade neue Idee, so frisch sie im Werbespruch auch klingen mag, schmackhaft machen. Die Identifikation im romantischen Bereich ist gegeben, so dass man zwischen all den Folterszenen und dem makabaren Humor durchaus emotional angesteckt wird, was schon ein gewisses Talent von Seiten der Geschichtenerzähler erfordert.

Interessanter Weise weiß im Gegenzug der schwarze Humor an mancher Stelle nicht zu wirken, da dem Opfer zu fies mitgespielt wird, so dass man mit ihm mitleidend oft gerade gar keine Lust mehr hat über diverse Situationen zu lachen. Dafür sind die Dinge, welche die Psychopathen mit ihm anstellen, zu weit entfernt von der übertriebenen „Saw“-Mentalität und zu nah dran am alltäglichen Empfinden des Zuschauers, der in unblutigen Bildern, wenn dem Opfer beispielsweise nach und nach gnadenlos die Finger gebrochen werden, mehr zusammenzuckt als in den Bildern in welchen der Lebenssaft fließt, Szenen die zwar nie die Härte heutiger Standard.-Produkte erreichen, sich den Siegel der FSK 18 aber dennoch verdient haben, auch wenn brutalste Taten im Off geschehen.

Ein wenig auf „Zero Boys“-Spuren wandelnd werden die Taten der Psychos auf Video aufgenommen. Die im hier besprochenen Film tätigen Geisteskranken drehen eine Art Reality-Show, der sie den Titel „Folter oder nicht Folter“ geben. Die beiden Schauspieler verkörpern ihre Rolle jeweils recht spielfreudig, und kleine Stilbrüche im Bild der Stereotype verhindern, dass sie zu sehr im Klischee baden.

Um wahre Kult-Figuren zu werden fehlt ihnen jedoch das Potential, aber das betrifft ohnehin den kompletten Film, der zwar Freude bereitet, aber nie gut genug wird um ihn tatsächlich als mehr zu würdigen als das was er ist: nette Kost für zwischendurch. Und damit wäre auch alles wichtige erwähnt! Wer Spaß an solchen Stoffen hat, kann ruhig zugreifen. Unterhalten wird man hier durchaus. Aber einen zu wenig beachteten Kult-Film erlebt man mit „Must Love Death“ definitiv nicht.


Weitere Reviews zum Film:

Donnerstag, 20. Februar 2014

ZOMBIES UNTER KANNIBALEN (Zombi Holocaust 1980 Marino Girolami)


Recherchen kannibalistischem Treibens in einem Universitäts-Krankenhaus führen ein Expeditionsteam auf eine Insel, auf welcher der selbe Kult betrieben wird wie in den Vorfällen innerhalb der USA. Ein auf einer Nachbarinsel praktizierender Arzt soll als Kontaktperson fungieren, verfolgt jedoch eigene Pläne...


Die Götter müssen verrückt sein...

Das Kannibalen-Genre schwappte beim Interesse des Publikums langsam ab, das Zombie-Genre war dagegen gerade im Kommen, also dachten sich einige Leutchen in Italien müsste es doch lohnenswert sein ein Cross Over beider Schrecken auf die Kinozuschauer loszulassen. Warum man für die Regie ausgerechnet Marino Girolami erwählte, der mit Werken wie „Das völlig irre Klassenzimmer“ und „Herr General, sie könn‘n uns mal“ seit Jahren nach diversem Stöbern in verschiedenen Genres auf Komödien abonniert war, wird dabei ein Rätsel für sich bleiben.

Aber bereits das wirre Drehbuch verrät, dass „Zombies unter Kannibalen“ unter anderer Regie nicht sonderlich besser ausgefallen wäre. Seinen größten Fehler begeht es wohl darin die Ereignisse aus den USA, welche überhaupt erst Grundlage für die völlig unorganisierte Expedition waren, nie wieder in Zusammenhang zu bringen mit den Geschehnissen auf der Insel. Warum das was dort geschieht zu einem kannibalistischen Treiben in Amerika führen soll erfährt keine Sau, kann man sich nur selbst in vielerlei Varianten als Märchen zusammenreimen, ist den Verantwortlichen der Geschichte aber auch ebenso egal, wie die Frage was die Hauptfigur auf der Reise verloren hat, lebt sie den eigentlichen Grund kultureller Beratung doch kein bisschen aus, was doch eigentlich spätestens wenn man in Gefahr gerät recht hilfreich hätte sein können.

Die Geschichte ergibt also wenig Sinn, könnte in einem billig heruntergedrehten Horrorfilm aus Italien auch egal sein, wenn der Streifen wenigstens halbwegs funktionieren würde. Leider tut er dies bei mir persönlich nicht, konzentriert er sich doch viel mehr auf das von mir ungeliebte Subgenre der Kannibalen-Filme, als auf den von mir gemochten Zombiebereich. Der kleine Sub-Plot der sich mit ihnen befasst greift auf klassischste Horrorfilm-Klischees zurück, jedoch ohne dadurch Charme zu gewinnen, ist den Verantwortlichen von „Kannibalen Zombies“ (Alternativtitel) sinnloses, blutiges Treiben doch wichtiger als der Aufbau einer wirksamen Atmosphäre, was selbst kleine Schundwerke wie „Die Nacht der reitenden Leichen“ und „Dawn Of The Mummy“ zu bewerkstelligen schafften, weshalb man sie trotz ihrer Idiotie durchaus gucken kann.

„Zombie Holocaust“ (Originaltitel) ist hingegen ohne Reiz erzählt, hinterlässt bereits in seiner Amerika-Phase nicht den besten Eindruck, stürzt aber haltlos ab, wenn die Kannibalen auf der Insel unglaubwürdig loslegen dürfen. Weder Musik noch Fotografie weiß der uninteressanten Geschichte Zusatzreize zu bescheren, und die erst recht spät auftauchenden Zombies sehen auch nicht gerade toll aus. Leider konzentriert man sich auch mehr auf den durch die Voodoo-Thematik bekannten Erzählstrang Zombies als willenlose Helfer zu erwecken. Dass dahinter die Suche nach ewigem Leben steht, erfährt man nur über die Worte eines irren Wissenschaftlers, nie aber durch seine Taten und die der Untoten.

Dass man sich die Ausrede um die Suche nach dem ewigen Leben nicht einfach hätte sparen können, zeigen spätere Dialoge, die das Verhalten der Kannibalen erklären sollen. Auch die finalen Ereignisse stehen mit dieser Ursache im Zusammenhang, doch auch wenn man begreift warum die Kannibalen ihre Meinung nun ändern und unsere Heldin verschonen, während sie sich an ihrem falsche Versprechungen predigenden Peiniger rächen, „Zombies unter Kannibalen“ ist so undurchsichtig erzählt, dass man dies auch nur erkennen kann, weil man genug ähnliche Stoffe gesehen hat und weil man sich in etwa durch durchgesickerte Informationen alles irgendwie zusammen reimen kann.

Girolami selbst ist es egal ob da irgend etwas verstanden wird bzw. ob da überhaupt etwas im Zusammenhang steht. Er dreht die ganze Chose uninspiriert herunter und baut, wahrscheinlich aus Produzentenzwang, lieber ein paar Gore-Effekte mehr mit ein. Soll der Film vor Blut und menschenverachtenden Sequenzen doch noch so triefen, das wird eine Handlung schon ersetzen.

Ja, würde es, wenn eine gewisse Stimmung herrschen würde und das blutige Treiben nicht rein zum Selbstzweck integriert wäre. Dass ein solcher Film aufgrund seiner fiktiven Geschichte trotzdem nicht auf den Index gehört und von so vielen legalen Filmen heutiger Tage in ihrer Härte ohnehin in den Schatten gestellt wird, braucht man trotzdem nicht diskutieren, versteht sich in einem demokratischen Staat ja wohl von selbst, in welchem man von der Mündigkeit des Bürgers ausgeht.

Die von mir gesichtete Dragon-Fassung hinterließ übrigens noch aus einem anderen Grund einen negativen Beigeschmack. Zuvor fehlende Sequenzen wurden leider nachsynchronisiert. Wo andere Produkte im Originalton mit deutschem Untertitel ergänzt wurden, eine Methode die sich häufig positiv bewährt hat, darf man hier übelste Synchronsprecher hören, denen selbst in einer solch flachen Story wie dieser hier jegliches Einfühlungsvermögen fehlt, um nach mehr zu klingen als schlecht betont abzulesen. Diesen Murks kann doch wohl keiner ernsthaft einem Untertitel vorziehen. Aber wie auch immer: wenn schon in den Sand gesetzt,  dann bitte hier, „Zombies - Cannibal Ferox“ (Alternativtitel) ist nämlich ohnehin schon völlig misslungen und keines dieser sympathischen europäischen Zombiewerke seiner Zeit, die auf etwas schundige Art für atmosphärische Stimmung sorgen.

Mittwoch, 19. Februar 2014

CABLE GUY (1996 Ben Stiller)


Der nervige Kabelmann Chip drängt sich in das Leben des frisch getrennten Steven und will auf penetrante Art dessen Freund sein. Anfangs siegt das Mitleid. Doch als Steven das einmischende Treiben Chips als zu extrem empfindet, kündigt er ihm die ungewollte Freundschaft. Chip nutzt all seine kleinen elektronischen Tricks um den Verräter leiden zulassen...


Von einem der zu viel Fernsehen sah...

Ende der 80er Jahre und Anfang der 90er Jahre war die Zeit schlechthin in welcher im Kino Normalbürger in Thrillern Opfer von Psychopathen wurden, die das Privatleben der Zielperson unerträglich machten. Sei es auf Distanz als penetranter, lärmender Mieter den man nicht los wird, so wie es in „Fremde Schatten“ der Fall war, oder auf privaterer Ebene wie eine ihr Vorbild kopierende WG-Bewohnerin in „Weiblich, ledig, jung sucht...“ oder ein nicht verschwinden wollender Seitensprung a la „Verhängnisvolle Affäre“, man wurde die Quälgeister einfach nicht los, die einem ordentlich Schaden zufügen wollten.

1996 war es also höchste Zeit mit diesem Genre komödiantisch aufzuräumen. Ben Stiller, den die meisten als Komiker aus Hauptrollen kennen, führte kurz vor seinem Durchbruch mit „Verrückt nach Mary“ die Regie und bekam für die Rolle des Psychopathen Jim Carrey engagiert, der sich gerade auf seinem ersten Aufwind befand, zwei Jahre durch Werke wie „Ace Ventura“ und „Die Maske“ berühmt war, und der seiner Karriere fast hätte Lebewohl sagen müssen, nachdem „Cable Guy“ beim Publikum so gravierend abstank.

War er eines dieser verkannten Meisterwerke, die erst im Nachhinein zum Kultstatus werden sollten, weil er seiner Zeit mit der Kritik des Amis liebsten Kindes, dem TV, für das Massenpublikum zu kritisch umging? Nein, das kann man leider nicht behaupten. „Cable Guy“ leidet lediglich daran ebenso penetrant zu sein wie die zentrale Nervensäge, wie der deutsche Beititel die Figur des Chip etwas ungünstig nennt. Das macht Ben Stillers zweite Langfilm-Regiearbeit nicht ungenießbar, ist er doch nicht viel schlechter als der mit Spezialeffekten überschwemmte „Die Maske“, aber er hätte das Potential zu mehr gehabt, gerade wegen der sehr passenden Besetzung in der Psychopathen-Rolle.

Stiller ruht sich jedoch viel zu sehr darauf aus zwei extrem unterschiedliche Charaktere aufeinander knallen zu lassen, und den unsensiblen Part derart zu überzeichnen, dass er von Anfang an als unangenehm auffällt, und der rein vom Mitleid seiner Mitmenschen lebt. Auch ich kenne solche Menschen, und man muss nicht erst so eine ehrliche Haut wie Steve sein, um sie rein aus Mitleid zu sehr in sein Leben zu lassen, von daher ist das Grundszenario sogar aus dem Leben gegriffen. Was suchen solche Menschen auf penetrante Art Freundschaft, nicht begreifend was sie psychologisch und auf sozialer Ebene falsch machen, so dass sie immer bei neuen Leuten bei Null anfangen müssen.

Im Extremfall „Cable Guy“ mischt sich Chip in das Leben Stevens ein, macht ihm übertriebendste Geschenke, hilft ihm beim Zurechtrücken der in Scherben liegenden Partnerschaft und schenkt ihm Selbstsicherheit mit Hilfe einer Prostituierten, die der ahnungslose Steve für eine an ihm interessierte Frau hielt. Spätestens diese Aktion sorgt dafür dass Steve die Notbremse zieht. Nun hat er seine in Trennung lebende Freundin mit einer Nutte betrogen. Wie soll er der guten Frau dies erklären? Die Freundschaft zu Chip muss beendet werden.

Was Chip von da an treibt, passt ins Zeichen der Zeit und bereitete uns darauf vor was mittels der Technik in Zukunft noch viel einfacher zu vollbringen werden würde. Chip besitzt genügend Informationen und auch genug Quellen um an diese zu geraten, um Freundschaftsverräter Steve in Schwierigkeiten zu bringen. Fotos, private Videoaufnahmen, Stalking, das sind alles Themen der Moderne, die in „Cable Guy“ früh erkannt wurden und in der Extreme der Möglichkeiten später selbst in ernstzunehmenden Dramen wie „Homevideo“ thematisiert wurden, eben weil der Eingriff in die Privatsphäre mittels Internet Jahre später zu Möglichkeiten führte, mit denen man schwache Existenzen regelrecht zerstören kann.

Scheitert „Cable Guy“ daran dass er sich übernimmt, in dem er dieser Thematik zusätzlich jene des übermäßigen Fernsehkonsums hinzufügt? Nein, der Aspekt dass Chip seit Kindheit an so viel TV guckt, dass er den Bezug zur Realität verloren hat, ist nicht zu viel Fülle für eine simple, kleine Komödie, ist theoretisch sogar ein recht interessanter Ansatz, wenn auch nicht wirklich nötig für das bereits vorhandene Potential.

„Cable Guy“ krankt letztendlich daran all diese Bereiche viel zu unsensibel einzusetzen. Die TV-Moral wird gegen Ende zu sehr aufs Auge gedrückt, spätestens dann fragwürdig werdend wenn das Medium Buch mal wieder als etwas wertvolleres dargestellt wird als die olle Flimmerkiste. Die unangenehmen Seite einer Freundschaft mit Chip wird völlig unnötig mit einer viel zu langen Szene ins Extreme hochgehievt, wenn Steve sich während eines Mittelalter-Kampfes gegen den realitätsfernen Gewalttäter zur Wehr setzen muss. Und es gibt der Beispiele noch sehr viele mehr zu nennen, in welcher „The Cable Guy“ einfach subtiler hätte umgesetzt werden müssen, um ihn ernster nehmen zu können, etwas das Ben Stiller trotz aller Komik und trotz ewiger Grimassenschneiderei Jim Carreys durchaus am Herzen lag.

Dieses in die Kacke hauen, wie man es definitiv nennen kann, nimmt „Cable Guy“ nicht nur seine Möglichkeiten zur Tiefe, er nimmt den Situationen auch die Möglichkeit zur Identifikation, womit nur Figuren in ihrem Stereotype-Kostüm innerhalb einer hanebüchenen, zur Groteske überschwemmten Geschichte bleiben, welcher der nötige treffsichere Satiregehalt fehlt um auch als Groteske zu wirken, anstatt zum Nonsens-Klamauk mit Thriller-Touch zu werden. „Cable Guy“ ist zu unsensibel, zu penetrant, und in dieser Art zwar noch immer überraschend guckbar, aber nicht wirklich kurzweilig unterhaltend. Ein Glück, dass dieser Film nicht der Karriere Jim Carreys schaden sollte, erwies der sich den blindesten der blinden Cineasten doch spätestens in „Der Mondmann“ sichtbar endgültig als großes Schauspiel-Talent, das zu mehr fähig ist als zur reinen Grimassenschneiderei.


Weitere Reviews zum Film:

Dienstag, 18. Februar 2014

DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL (La bestia uccide a sangue freddo 1971 Fernando Di Leo)


In einer Nervenheilanstalt für Frauen treibt ein Triebtäter sein mörderisches Unwesen...


Die Mörderklinik...

1971 war das Jahr der Zusammenkunft von Erotik und Gewalt im italienischen Kino, eine Mischung die dort noch lange Zeit beliebt bleiben sollte. Parallel zu „Die Grotte der vergessenen Leichen“ erschien im besagten Jahr „Das Schloss der blauen Vögel“, der in Deutschland auch unter dem Titel „Der Triebmörder“ erschienen ist, ein durchaus provozierender Titel, erst recht für diejenigen, die den Film bereits kennen.

Viele kennen ihn nicht gerade, und die vielen die es nicht tun haben auch nicht wirklich etwas verpasst. Zwar ist „Das kaltblütige Tier“ (Alternativtitel) hübsch fotografiert und weiß eine Zeit lang auch auf schmuddelige Art zu gefallen, mit der Zeit merkt man jedoch, dass Regisseur Di Leo nur auf wenig hinaus möchte. Zwar gibt es überraschende Wendungen, aber an sich dümpelt der Film nur seicht vor sich hin ohne wirklich etwas erzählen zu wollen. Di Leo fängt jeden Moment für sich ein, dies auch recht stimmig, aber fast bekommt man das Gefühl der Triebtäter ginge nur einer inhaltlichen Pflicht wegen um. Man bekommt den Eindruck Di Leo hätte ihn am liebsten weggelassen und stattdessen das belanglose Treiben in der Klinik zum Zentrum gemacht.

Der Regisseur, dessen Arbeiten so bemerkenswert auffällige deutsche Titel tragen wie „Die Unbefriedigte“, „Mafiaboss - Sie töten wie Schakale“, „Ich polier‘ dir deine Glatze“ „Söldner Attack", „Sex In The Head" und „Oben ohne, unten Jeans“, konzentriert sich im hier besprochenen Erotik-Thriller ohnehin viel lieber auf den erotischen Aspekt anstatt auf den des Thrills. Wegen dieser Vernachlässigung wird „Hotel Erotica“ (Alternativtitel) auch nie zum Horrorfilm, sondern bleibt brav im Bereich des Thrillers hängen, gegen Ende sogar absteigend in den Bereich des Kriminalfilms. Aufregend sind allerdings beide Aspekte nicht wirklich, und das Hauptaugenmerk der Erotik übrigens auch nicht.

Die Sittenwächter werden sicherlich schockiert darüber sein, dass es auch mal Großaufnahmen von Vaginas zu sehen gibt an denen auch noch herumgespielt wird. An sich fallen die Sexszenen jedoch recht soft aus, sind mit der üblichen Musik der 70er Jahre Erotikfilme untermalt (was aber eigentlich recht nett klingt), und die amourösen Situationen baden geradezu im Klischee typischer Erotikfilm-Momente. Natürlich kann kaum wer von irgendwem die Finger lassen, Frauen entkleiden sich ständig und schlafen natürlich auch alle nackt, und jeder Verführte, egal ob Frau oder Mann, lässt es auch geschehen.

Fernando Di Leo war wohl ein alter Steltzbock, wie so viele seiner Kollegen, man denke nur einmal an den Regisseur von „Torso“, der jeden Mann als sabbernden notgeilen Typen darstellte, sobald auch nur ein Hauch Bein bei einer Frau zu sehen ist. Aber in dieser trivialen Ehrlichkeit liegt eigentlich auch der Reiz an einem Film wie „Das Schloss der blauen Vögel“. Der Film hüpft von einem erotischen Schmuddelszenario zum nächsten, wird ab und an durch recht harmlos dargestelle Morde unterbrochen und dann darf die monotone Story an anderer Stelle wieder fummelnd weitergehen. Empfehlen kann man das keinem wirklich, am wenigsten noch den Cineasten, die sich einen waschechten Giallo erhofften. Am richtigen Tag ist dies jedoch genau die richtige Dosis Schund die man zur Abwechslung als unvoreingenommener Film-Fan ruhig mal vertragen kann.

Kinski spielt zu seiner optischen Bestzeit mit. Ich finde seine Wirkung mit den langen blonden Haaren einfach wunderbar psychotisch. Selbstverständlich erwartet man ihn als den finalen Mörder, zumal der Täter von der Größe und vom Haar her passen würde. Ob er es wirklich ist sei an dieser Stelle jedoch nicht verraten, ist die Antwort auf diese Frage doch der einzige Motor, der ein Interesse am belanglosen Treiben überhaupt noch am laufen hält. Aber so trivial, banal, plump und unfreiwillig komisch das ganze Miteinander der einzelnen Figuren auch sein mag, dank einer stimmigen Umsetzung, netten Fotografien und einem zum Geschehen passenden Soundtrack macht „Slaughter Hotel“ (Alternativtitel) irgendwie unter Niveau Spaß. Zumindest eine Zeit lang, auf Dauer wurde er mir dann auch etwas zu öde.

SUPERMAN 3 - DER STÄHLERNE BLITZ (Superman 3 1983 Richard Lester)


Als Gus Gorman sich durch einen Computerbetrug ein besseres Gehalt beschert, erhält er die Aufmerksamkeit des obersten Chefs der Firma. Ross Webster will ihn jedoch überraschender Weise nicht verklagen und heraus werfen, sondern das Talent des Genies nutzen um seine Konkurrenz auszuschalten. Als Superman seine Pläne vereitelt, muss dieser bekämpft werden. Hierfür wird künstlich Kryptonit hergestellt, die einzige wirksame Waffe gegen den stählernen Blitz. Zwar fehlt ein unbekanntes aber wichtiges Element für 100 prozentiges Kryptonit, aber der Plan geht dennoch auf. Superman stirbt zwar nicht, aber er verwandelt sich in einen skrupellosen Egomanen, der nicht mehr daran interessiert ist die Menschheit zu beschützen...


Ein Zuschauer-Schock...

Mit den ersten beiden Teilen war alles Erzählenswerte über Superman erzählt. Teil 2 lieferte gleich zwei Höhepunkte, einmal den dramatischen Aspekt vor Lois Lane seine Geheimidentität zu verlieren und im Abenteuerbereich jenen der Herausforderung gegenüber zustehen drei Gestalten zu bekämpfen, die alle je die selbe Stärke wie er selbst besaßen. Der Erfolg schrie dennoch nach einer Fortsetzung, und so taten Regisseur Richard Lester und seine Autoren das einzig richtige  das zu tun war, etwas dass ihm das Publikum von einst nicht verzeihen sollte: sie zogen den Mythos des Superhelden durch den Kakao.

Schon die beiden Vorgänger wurden humoristisch untermalt, mit Teil 3 sollte die Reihe erstmals, und aufgrund des darauffolgenden Protestes auch letztmals, geradezu im Humor baden. Im Zentrum steht Komiker Richard Pryor, doch auch jeder weitere Story-Aspekt ohne ihn steht im Zeichen der Komik, eine Komik der grotesken Übertreibung, seinen Höhepunkt wohl dadurch erlebend, dass durch eine Computerstörung, verursacht von Gus, ein ständiger Farbwechsel an den Ampeln in der Innenstadt von Metropolis stattfindet, was die beiden Ampelmännchen Rot und Grün schließlich dazu veranlasst aufeinander los zu gehen. Spätestens anhand dieser recht frühen Szene sollte jeder begriffen haben was ihn erwartet.

Dieser völlig überzogene, aber doch definitiv konsequente Stil war den Verantwortlichen jedoch nicht Veränderung genug, also wurde zudem noch Lois Lane in den Hintergrund verschoben (sie darf nur zu Anfang und am Ende in Erscheinung treten), und Clark Kent wird eine andere Love-Interest beschert, dies in der ehemaligen Klassenkameradin Lana Lang.

Auch Lex Luther wird nicht mehr eingebaut, dabei schreit die Story des Schurken spätestens im Finale nach ihm, erbaut der Schurkenersatz Ross Webster mit Hilfe des geistigen Genies Gus Gorman doch einen Supercomputer, anbei die zweite konsequente Idee des dritten Teils. Nach den drei Gegnern von Teil 2 war ein übermächtiger Computer a la „Colossus“ und „Des Teufels Saat“ eine geradezu zeitaktuelle Bedrohung für den Stählernen, wenn es schon keinen übermächtigen Gegner mehr aus Fleisch und Blut geben konnte, der die Schurken des Vorgängers übertrifft. Wie auch immer, Lex Luther hätte Gus nicht einmal benötigt, um Superman den mechanischen Gegner gegenüber zu stellen, doch ein weiter Kampf gegen die von Gene Hackman verkörperte Person war wohl nicht erwünscht.

Man ging also recht konsequent und gleichzeitig mutig an die zweite Fortsetzung heran, die Qualität der beiden Vorgänger erreicht „Superman 3“ dennoch nicht. Das liegt zum einen an der Naivität des Erzählten. Zu sehr bedienen sich die Autoren am Unwissen des Zuschauers wie ein Computer funktioniert und was er warum kann, eine Eigenschaft die sich in all den Jahren bis heute wandeln sollte, in der ein Computer für den Durchschnittsbürger mehr wurde als ein oller Zauberkasten a la „Tron“.

Es gibt also zu viel Hokuspokus um diesen Erzählstrang herum, ganz besonders im Finale, das zwar die beste Idee des Films bereit hält, den eben erwähnten Supercomputer, im Unterhaltungsbereich jedoch den Tiefpunkt darstellt, da hier nur noch ein actionreicher Endkampf bevorsteht mit den pflichtgemäßen Folgen für die Gegner. Das ist simples Abarbeiten der zu erwartenden Geschehnisse, gekoppelt mit dem zuvor von mir geäußerten Kritikpunkt. Schade!

Auch an anderer Stelle weiß „Superman 3“ ein wenig zu nerven, beispielsweise in der Rolle des Sohnes von Lana Lang, dessen wegen Superman für ihn untypische Entscheidungen trifft, und der zur eigentlich besten Phase des Streifens unnötiger Weise zum Gewissen des Helden auserkoren wird.

In dieser Phase darf Superman trinken, gammeln, Schabernack treiben, einfach einmal anders sein als zuvor, mit Spielfreude gespielt von Christopher Reeve. So sehr der Knabe von Lana auch nervt, immerhin führt seine ätzendste Szene, in welcher er Superman ins Gewissen redet, zu einem der Höhepunkte des Streifens, und das ist der symbolische Kampf Clark Kent gegen Superman, in welcher die Körper-Double der jeweiligen Kampfmomente zwar nicht wirklich zu überzeugen wissen, dieser aufgrund mangelnder Computertrick-Möglichkeiten seiner Zeit aber zumindest pfiffig umgesetzt wurde, so dass diese einfallsreiche Szene dennoch zu interessieren und mitzureißen weiß.

Der Rest der Geschichte dümpelt im angenehmen Mittelmaß vor sich hin und erhält mit dem Übermaß an Humor manchmal eine Stütze, manchmal einen Schwachpunkt. So konsequent ich diese Herangehensweise auch finde, manches Mal ging der Klamauk selbst mir auf den Senkel, beispielsweise wenn Gus sich mit jemandem aus taktischen Gründen betrinkt, oder wenn er mit Skiern oben auf einem Hochhaus Unsinn baut. Meist aber stimmt der Ton des Films und trotz so einiger Negativpunkte in der Erzählung lieferte Richard Lester mit „Superman 3“ dennoch ein passables Filmchen ab. Nichts das Filmgeschichte geschrieben hätte, lange in Erinnerung bleibt oder der ersten beiden Teile würdig wäre, aber zumindest ein amüsantes Stück Popkorn-Kino-Kost für zwischendurch.


Weitere Reviews zum Film:

Sonntag, 16. Februar 2014

SUPERMAN 2 - ALLEIN GEGEN ALLE (Superman 2 1980 Richard Lester)


Kurz bevor drei ehemalige Bewohner Kryptons mit den selben Mächten ausgestattet wie Superman die Herrschaft auf der Erde übernehmen, entdeckt Lois Lane die wahre Identität Clark Cents, der ihr zu Liebe seine Superkräfte opfert. Aber wie kann er nun die Menschheit vor der außerirdischen Bedrohung schützen?...


Ein Kuss ersetzt die alternative Linksdrehung...

Wer „Superman 2“ sichten möchte, hat mittlerweile die Möglichkeit den relativ frischen Director‘s Cut zu sichten oder die klassische Kinoversion. Glücklicher Weise fiel meine Wahl, wenn auch nur per Zufall, auf die reguläre Fassung, las ich doch heute erst, dass eine der vielen negativen Entscheidungen im Director‘s Cut auch jene war, die Erde im Finale erneut links zu drehen, um die Zeit rückgängig zu machen. Da darf man schon die Hand an die Stirn schlagen. Ausgerechnet der Tiefpunkt von Teil 1 wurde wiederholt und dies aus einem weitaus weniger triftigen Grund als im Original. Da kann ich nur wie so oft sagen: danke liebe Studios, lebe Wohl Regie-Fassung. Bis auf „Abyss“ und „Léon - Der Profi“ ist mir bislang noch kein Director‘s Cut begegnet, welcher einer Kinofassung vorzuziehen wäre.

Wir guckten also glücklicher Weise die Fassung von einst, und die erfüllte wunderbar ihren Zweck. Brav setzt sie an Ereignissen von Teil 1 an, ruhig bereitet sie die einzelnen Story-Stränge vor bevor diese ineinander greifen und lobenswert spielt man nicht an bereits vorhandenen Charakteren herum. Figuren benehmen sich so, wie sie sich bereits in Teil 1 benommen haben. Die Rolle des Otis fällt diesmal leider sehr klein aus, aber das ist wohl der einzige Wermutstropfen,  einen den man verstehen kann, hätte der dümmliche Gehilfe Lex Luthors ohnehin nicht in die Hauptgeschichte gepasst. Es ist fast ein Wunder dass Luthor selbst überhaupt in ihr integriert werden konnte.

Im Vergleich zum Vorgänger lässt die Qualität der Fortsetzung jedoch deutlich nach. Es ist unübersehbar, dass in „Superman 2“ der amerikanische Einfluss diesmal dominanter war als der britische. In Teil 1 war es überraschender Weise noch umgekehrt. Superman wird im hier besprochenen Teil geradezu kultig und unterwürfig verehrt, amerikanische Fernsehsender glauben ihr Programm würde überall auf der Erde empfangen, Storystränge, wie das Paris-Szenario, werden eingebaut um einem konzentrationslosem Publikum entgegen zukommen, und dies sind nur drei Beispiele in einem Film, in dem man besagten Unterschied eher allgemein in seiner grundlegenden Mentalität erkennt.

„Superman 2“ war zwar eine Großproduktion, scheinbar aber nicht mit dem nötigen Kleingeld wie Teil 1 versehen. Dass man sich an Szenen (verwendete wie unveröffentlichte) von Teil 1 bedient, hat noch seinen legitimen Grund in Anbetracht auf die Handlung von Teil 2. Die Wirkung solche Szenen zu verwenden ist ebenfalls positiv ausgefallen, so dass ich dies nie als negativen Kritikpunkt vorbringen würde.

Negativ fällt hingegen die Umsetzung jener Phase auf, in welcher die drei Besucher Herrscher über die Welt geworden sind. Fast gütig und zurückhaltend  fällt ihr Verhalten auf, die weltweite Auswirkung wird ebenso wenig eingefangen wie ein Unterschied im Alltag der amerikanischen Bürger. Vielleicht hätte man an anderer Stelle Zeit und Geld straffen müssen, um in diesem nicht unwichtigen Punkt tiefer ins Geschehen und in die Glaubwürdigkeit greifen zu können, denn die vorliegende Lauflänge hätte man nicht einfach so noch einmal um einen weiteren Aspekt vergrößern können. Dann würde „Superman 2“ zu lang laufen und eventuell Gefahr laufen langweilig zu wirken, ein Zustand der im fertigen Werk nie auftritt, nicht einmal ansatzweise gestreift.

Vom Unterhaltungswert her ist „Superman 2“ eine runde Sache, an der es nicht wirklich etwas zu meckern gibt. Kein Wunder, die Geschichte ist ein Selbstläufer: ein Superman gegen drei Supermänner, das ist ein Höhepunkt an Ereignissen, der jede weitere Fortsetzung theoretisch unnötig macht und eine konsequente Weiterführung der Ereignisse aus Teil 1 ist. Dass dieser dennoch besser ausfiel liegt nicht nur an der gehobeneren Qualität gegenüber jener von Teil 2, er erzählt mit der Entstehung des Helden auch die bessere Geschichte, ein Los das fast jede Superhelden-Reihe trifft, vom „RoboCop“ bis hin zu „Spider-Man“.

Aber auch im etwas schwächeren Gewand weiß „Superman 2“ zu unterhalten. Seine Schönheitsfehler sind Banalitäten im Vergleich zu seiner kurzweiligen Wirkung. Der Film ist nett erzählt und dies mit Ausnahme der Paris-Szene in jeder seiner Phasen. Man orientiert sich immer nah an den Charakteren und bleibt dem Motto treu, dass alles letztendlich ohnehin nur ein Spaß für ein jung gebliebenes Publikum sein soll, das sich mal zwei Stunden von der Realität abkapseln wollte. Lediglich das Product-Placement von Marlboro und Coca Cola reißt einen kurz in die (unangenehme) Realität, hätte man sie dem Zuschauer doch nicht so penetrant aufs Auge drücken dürfen wie geschehen. Ansonsten: toller Film!


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SUPERMAN - DER FILM (Superman 1978 Richard Donner)


Als sein Planet zu sterben beginnt schickt Jor-El seinen Sohn ins All auf die Reise, um ihn zu retten. Der Sohn landet auf der Erde und wird von zwei liebevollen Ersatzeltern aufgezogen. Denen fällt von Anfang an die überragende Stärke ihres Kleinen auf. Im Laufe der Jahre entdeckt Clark, wie das Kind genannt wird, immer mehr von seinen Fähigkeiten. Und an dem Tag, an dem sein Ziehvater stirbt, macht er sich auf dem Weg in die Welt, um zu erfahren wer er ist und was sein Schicksal ist. Ein Kristall aus der Heimat hilft ihm dabei...


Eine Schmuddel-Story kommt ins Kino...

Dem Erfolg von „Krieg der Sterne“ haben wir es zu verdanken, dass Stoffe, die in gebildeteren Zeiten gerne als zu trivial oder zu schundig betrachtet wurden, auch in Großproduktionen für den Kinomarkt fertiggestellt wurden. Superman erhebt sich aus den Schmuddelheftchen, lässt seine wackeligen TV-Auftritte hinter sich und erscheint in professioneller Umsetzung für jederman auf der Leinwand und nicht mehr einzig für Kinder und Freaks. Damit sich auch der letzte Zweifler davon überzeugt bekommt, dass „Superman“ großes Kino verspricht und nicht vergleichbar mit den B-Movies aus dem Autokino ist, hat man mit Marlon Brando und Gene Hackman zwei Schauspiel-Größen engagieren können, die bereits zu ihrer Zeit berühmte Namen waren.

Und so griff die typische Hollywood-Politik durch, in welcher der Prominente vor der eigentlichen Hauptrolle im Vorspann genannt wird, was selbst in der Fortsetzung so bleiben sollte, obwohl sich Christopher Reeve durch Teil 1 einen Namen gemacht hatte. Mit dem von Gene Hackman ließ der sich dennoch nicht vergleichen, und der spielt dort wie hier den Oberschurken und Erz-Gegner Supermans, Lex Luthor, und dies im hier besprochenen ersten Teil erst zum Ende hin mit Glatze, was eine Erwähnung wert ist bei all dem zur Zeit aktuellen Maulen, man könne in der jüngst bevorstehenden Superman-Verfilmung, in welcher ein Kampf gegen Batman bevorsteht, Wirrfrisur Jesse Eisenberg nicht als Lex Luthor dulden, ein Mann mit Talent, in einem Film von dem man jetzt schon weiß, dass der Verbrecher mit Glatze tätig sein wird. Der Fan-Pool gleicht gerne einem Kindergarten.

Aber wenn es schon passt sich wie ein Kleinkind zu benehmen, dann doch bezüglich einer Comicverfilmung über einen Mann, der alles kann und jedem hilft, egal ob er es verdient oder nicht. Lag die Political Correctness, nun wieder bezogen auf diese erste Kino-Adaption, im Bewustsein der Bevölkerung auch noch so fern, der stählerne Blitz verkörpert sie bereits zwei Jahrzehnte zuvor, mit all ihren Nachteilen, Fragwürdigkeiten und dem bitteren Nachgeschmack. Und doch glänzt er und ist zu Recht die Sympathiefigur des fertigen Streifens.

Dabei agiert Christopher Reeve in der Rolle des Superman noch am ernsthaftesten, dürfen doch alle weiteren geradezu klassischen Comic-Stereotype mit einer sympathisch albernen Spielfreude agieren, wie man es eben nur in einem Popkornfilm sehen will, oder wollte. Scheinbar ist die kindlische Spielerei im Bereich der Comicverfilmungen vorbei, so ernst wie heutige Produktionen umgesetzt werden. Die Stars 1978 verstanden noch das Spiel zwischen Ironie und stilvollem Herumalbern, während die Inszenierung ebenfalls auf Abstand geht, ihren Humor aber nie zum Klamauk verfeuert und den Film nie zur echten Komödie werden lässt.

Richard Donner taucht sein Werk in einen subtilen Ton und dafür ist man ihm nicht nur dankbar, letztendlich ist es das Erfolgsrezept für die Qualität dieses Streifens. Es ist die einzig konsequente Herangehensweise für einen Film mit solcher Geschichte. Zur offensichtlichen, unversteckten Komödie wird es immer nur dann, wenn auf der bösen Seite Otis tätig wird (Otisberg, welch wundervoller Witz, sich erst perfekt entfaltend durch das Spiel Hackmans) und auf der guten Seite Clark Cent, in der Reeve all das verkörpern darf, was er als Superman nicht kann.

„Superman - Der Film“ ist recht lang ausgefallen, da er sich jeder Phase seiner Geschichte intensiv widmet, mit einer Ruhe, wie sie für die 70er Jahre gerade zu typisch war. Es wird niemals langweilig und hektisch erst gegen Ende, wo uns nicht nur eine völlig idiotische Idee erwartet, über die man gnädig hinwegsehen muss, sondern der Pluspunkt sich allem mit genügend Zeit zu widmen erstmals gebrochen wird. Studioentscheidung? Ich weiß es nicht, aber nie war der Film stilistisch so schwach wie hier. Inhaltlich könnte man noch die kitschige Szene kritisieren, in welcher zu einem inneren Monolog Lanes Superman mit seiner Angebeteten durch die Luft fliegt. Aber es ist der Monolog der diesen Moment unangenehm erscheinen lässt, nicht die Laufzeit dieser Szene, die sich ebenso zum intensiven Beschäftigen verpflichtet, wie die anderen Aspekte der Geschichte, mögen sie nun Haupt- oder Teilaspekt sein.

Wenn die finale, von Lex Luthor heraufbeschworene, Katastrophe losgeht, auf die manch ungeduldiger Fan längst gewartet hat, darf man das Katastrophenszenario a la Popkornkino in seiner schönsten Pracht erleben. Nicht dass man die Miniaturbauten nicht als solche erkennen würde, aber hier wurde noch handgemacht getrickst. Das macht diese Momente unbezahlbar, gerade in Zeiten von Computertricks und dem unsinnigen Drang zum Perfektionismus. Wieso soll eine kindliche, wunderliche, geradezu naive Geschichte ausgerechnet im optischen Bereich Perfektionismus anstreben, wenn sie doch nur für den trivialen Verzehr gedacht ist, um das nie verschwundene Kind in uns zu sättigen? Meiner Meinung nach spiegelt die heutige Haltung von Publikum und Studio nur den Vorwurf wieder, den sich unsere moderne Gesellschaft immer wieder gefallen lassen muss: die Großen von heute werden einfach nicht erwachsen.

„Superman - Der Film“ ist ein zeitloser Spaß für Groß und Klein, der allen gezeigt hat wie ein Comicfilm im professionellem Gewand funktioniert und wie er auch für ein erwachsenes Publikum goutierbar gemacht wird. Dass er dies gerade mit dem in seinen Eigenschaften langweiligsten Superheld der Welt schafft, einem Held der einfach zu viel kann um interessant genug zu sein, zeigt umso mehr die Größe des fertigen Streifens, der einen auch heute noch rundum zu gefallen weiß.


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Samstag, 15. Februar 2014

WEM GEHÖRT DAS WASSER? (2013 Christian Jentzsch)


Trinkwasser ist ein Menschenrecht. Manche Konzerne sehen das anders, sichern sich Trinkwasser-Quellen und lassen andere darunter leiden...


Die Privatisierung von Wasser...

Bereits wenn es um Dienstleistungen wie die Briefzustellung und den Bahn-Verkehr geht, sind Menschen sich uneins ob Privatisierung Fluch oder Segen ist. Ginge es nach Firmen wie Nestlé, Coca Cola und Pepsi, müssten auch Trinkwasser-Quellen privatisiert werden. Nestlé argumentiert man würde dem Produkt seines Wertes berauben, würde man es einfach für jeden Menschen frei verfügbar zugänglich lassen. Dass Trinkwasser nach den Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt ist, interessiert eine solche Firma dabei wenig.

Konnte die Debatte über die Privatisierung von Trinkwasser in Deutschland noch zu Gunsten der Bürger abgewehrt werden, haben ärmere Länder dieser Welt das Glück nicht, bekommen Firmen wie Nestlé (einer der Vorreiter im Kampf ums Trinkwasser) doch selbst in Regionen mit Wasser-Knappheit Lizenzen zum hemmungslosen Abzapfen übertragen, Lizenzen die sich gut und gerne mal vertraglich auf 20 Jahre belaufen. Autor Christian Jentzsch recherchierte in Brasilien, Süd-Afrika und den USA und bringt schockierende Informationen zu Tage, die Nestlé als bloßen Ausbeuter outen, ein Ausbeuter der mit allen Mitteln kämpft.

Ob da Gegner ausspioniert und verängstigt werden, Gesetze durch Lücken umgangen (so konnte in einer Region, in der es Gesetz ist dass Trinkwasser für jeden frei zur Verfügung stehen muss, Mineralwasser als Verkaufsgut angegeben werden, da Mineralwasser unter den Begriff Mineralien fällt, mit denen gehandelt werden darf, und nicht unter den Begriff Trinkwasser.) oder Augenwischerei betrieben wird durch angebliche soziale Projekte, der immer wieder gern verklagte Nestlé-Konzern zeigt in den armen Ländern sein wahres Gesicht.

Ein interessantes Beispiel ist eine im Film erwähnte Gegenüberstellung von dem was der Konzern in seiner Werbung erzählt und dem was er vor Ort seinen Mitarbeitern antut. Wird uns in unserem reichen Land von Nestlé mitgeteilt man solle 2 Liter Wasser am Tag trinken, um gesund zu leben, bekommt ein Nestlé-Fabrikarbeiter in einem der armen Länder bei einem regulären 12-Stunden-Arbeitstag mit zugestandener 15minütiger Mittagspause zwei 1/2-Liter Wasserflaschen als Ration zugeteilt. Private Wasserleitungen gibt es nicht, die Mitarbeiter sind auf dieses Trinken angewiesen, trinken es teilweise nicht einmal selbst komplett, um nach Feierabend mit der Familie teilen zu können.

Zudem zeigt der Film deutlich, freilich ohne es im Detail beweisen zu können, dass die wassergeilen Firmen Quellen, zu denen ein Volk mit Wasserleitung freien Zugang hat, kontaminieren, damit nur das in den Flaschen verkaufte Wasser gesund ist. Ärzte warnen vor Ort davor nicht vom Leitungswasser zu trinken, da Durchfall und andere Erkrankungen die Folge sind, in einer Extreme die auch zum Tod führen kann, aber was nutzt den Ärmsten der Armen dieser Hinweis, wenn der Griff zur Flasche im Geschäft ihre Finanzen überschreitet?

Jentzsche ist ein interessanter und warnender  Film geglückt, in welchem die Gegenseite zugegebenermaßen recht wenig Gehör findet, aber das ist sicher auch okay, wenn sich diese Seite nur im Abfeuern loser Phrasen äußert und immer wieder mit gehaltlosen Ausreden arbeitet. Ich für meinen Teil boykottiere das Wasser von Nestlé schon seit Jahren und hoffe dass nach dem Gucken dieses Dokumentarfilms noch manch anderer erwacht. Jetzt muss ich nur noch lernen den Getränken des Coca Cola- und Pepsi-Konzerns zu widerstehen, um diesen Trend um den Wasserkampf innerhalb meiner Möglichkeiten zu bekämpfen.

Donnerstag, 13. Februar 2014

VOODOO CHILD (The Dunwich Horror 1970 Daniel Haller)


Wilbur  Whateley, dessen Urgroßvater einst wegen Hexerei gehenkt wurde und dessen Familie früher im Besitz des legendären Necronomicon war, bekommt einen Blick auf das letzte Exemplar dieses Buches von einem Professor, der sich mit dem Necronomicon beschäftigt, verweigert. Eine seiner Studentinnen ist so freundlich den jungen Wilbur nach Hause auf Dunwich Manor zu fahren. Mit kleinen Tricks macht er die naive Frau von sich abhängig, denn er schmiedet einen Plan, den sein Großvater gar nicht gerne sieht...


Horror in der Theorie...

„Voodoo Child“ ist ein Horrorfilm nach einer Geschichte von H.P. Lovecraft, das dürfte so  manchen Zuschauer locken. Ebenso dürfte er so manchen Zuschauer enttäuschen, denn wirklich aufregend ist Daniel Hallers Werk nicht ausgefallen. Bereits sein Science Fiction-Horror „Das Grauen auf Schloss Witley“ war nicht gerade das Gelbe vom Ei im Gruselsektor, sein Ausflug in die Welt eines der legendärsten Horrorautoren überhaupt kann nicht einmal das schlichte Niveau seines Karloff-Filmes erreichen.

Anstatt uns Horror vorzuführen wird über all das was man miterleben könnte nur geredet. An sich talentierte Mimen wirken gelangweilt in trockenen Dialogen, die nie wirklich authentisch wirken, dem Film aber zunächst Charme bescheren. Bevor diese einem zu unangenehm werden, wird man noch kurz mit den Settings des Schlosses abgelenkt, die für eine Corman-Produktion recht aufwendig ausgefallen sind und zu wirken wissen. Danach ist es vorbei mit positiven Elementen. Die konstruierte Story konzentriert sich wieder einzig auf besagte steife Dialoge, und da man dem auf altbackenem Horror setzenden Film schnell anmerkt was er erzählen möchte, bleibt er auch immer überraschungsfrei, so offen wie er mit seinen Karten spielt.

Je mehr „The Dunwich Horror“ (Originaltitel) voranschreitet, desto mehr versteckt Haller, der meist für TV-Serien wie „Ein Colt für alle Fälle“ und „Kampfstern Galactica“ zuständig war und u.a. den Pilotfilm der Erfolgsserie „Knight Rider“ fertig stellte, den tatsächlich aufkommenden Horror hinter optischem Budenzauber, wie eingefärbte Aufnahmen im Negativmodus und anderen billigen Tricks die das Bild verfremden. Damit wird Geld für wahre Spezialeffekte gespart, so dass man nie Vergnügen am finalen Treiben Wilburs erfährt, geschweige denn an den Monstren der anderen Dimension, von denen uns ohnehin gerade einmal eins -mit besagter Schrottoptik-  präsentiert wird.

Nach einem nüchternen Einstieg, aus dem stilistisch noch etwas hätte werden können, folgt gähnende Langeweile einer unglaubwürdig eingefädelten Story, vielleicht auch deshalb konstruiert wirkend, da man Lovecrafts Geschichte, falls dieser Teil der Story überhaupt auf seinem Werk beruht, nicht einfach ins Jahr 1970 versetzen kann, einer Zeit der Emanzipation, einer Zeit des Horrorfilms als akzeptiertes Genre im Kino, das selbst im B-Film-Bereich Erfolge feierte und einer Zeit in welcher die von Wilbur gesetzten Fallen zum Grundlagenprogramm der Alarmzeichen zum Selbstschutz gehören, erst recht wenn man bedenkt, dass hier eine gebildete Frau ins Zentrum gesetzt wird, so dümmlich naiv sie auch erscheinen mag.

Eine moderne Frau wäre nie auf die billigen Tricks Wilburs hereingefallen. Das mag ins Jahrhundert von Lovecraft passen, aber nicht in die zum Entstehungszeitpunkt dieses Filmes moderne Zeit. Ich bezweifele aber ohnehin dass die Kurzgeschichte Lovecrafts überhaupt auf so plumpe Art eingefädelt wurde. Wie auch immer, „Voodoo Child“, produziert von Samuel Z. Arkoff und Roger Corman, ist eine Enttäuschung und garantiert kein Hingucker.


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Mittwoch, 12. Februar 2014

SCHREI LAUTER!!! (Decampitated 1998 Matt Cunningham)


Eine Gruppe junger Camper verliert die Orientierung und gerät an einen irren Massenmörder...


Von einem springlebendigen Mörder...

Auch wenn der Titel sich am zur Entstehungszeit kürzlich erschienenden und äußerst erfolgreichen „Scream“ orientiert, so versucht Regisseur Matt Cunningham doch viel eher die Camp Slasher zu verulken, deren berühmtester Vertreter wohl „Freitag der 13.“ sein dürfte, entstanden unter der Regie von Sean S. Cunningham. Ob es sich bei Matt Cunningham um ein Spaß-Pseudonym handelt oder ob eine tatsächliche Verwandtschaft zwischen den beiden Regisseuren besteht, kann ich leider nicht beantworten, ist aber auch nicht wirklich wichtig.

Das wäre es vielleicht wenn „Schrei lauter!!!“ ein bedeutender Beitrag im Bereich der Horror-Parodie wäre, das unter dem Troma Label veröffentlichte Produkt ist jedoch nicht wirklich der Erwähnung wert, ungenießbare Kost für Menschen die sich nur im Mainstream-Bereich bewegen, allerdings auch schwer zu verzehren für Freunde alternativer Kost. Doch wer Troma-Produkte kennt, wird in etwa mit so etwas wie „Schrei lauter!!!“ rechnen, und eine gewisse Zeit lang weiß er durch spaßiges Herumgeblödel auch ganz ordentlich zu funktionieren.

Dank der Einstiegsszene, in welcher ein im Wald verfolgtes Opfer nach und nach fast all seine Beine und Arme in Bärenfallen verliert, ist man schnell drin im albernen Treiben eines Filmes, der die Mechanismen des Slashers beim Zuschauer als bekannt voraussetzt, um sie genüsslich, wenn auch oberflächlich, durch den Kakao zu ziehen. Der treffendste Witz dürfte der Running Gag sein, dass der anonyme Täter im fröhlich, kindischen Hopser-Gang seine Opfer verfolgt, ganz im Gegenteil zu dem üblichen strengen, langsamen Stampfen der Verfolger ernstgemeinter Horror-Kost.

Intelligenten Humor kann man hier verzweifelt suchen, Cunningham macht von Anfang an kein Geheimnis daraus, dass „Decampitated“ (Originaltitel) auf debilste Albernheiten angereichert mit blutigen Effekten setzt. Die Treffsicherheit der besseren Troma-Werke ist zwar nicht vorhanden, aber der Durchschnitts-Qualität dieses Labels wird diese Horror-Komödie durchaus gerecht. Anhand des Schauspiels erkennt man auch, dass jedem bewusst war welch unterirdisch dämliches Produkt man in wenigen Tagen schuf, und trotz einer eher unangenehm billigen Deutschvertonung, wissen auch die meisten Schundsprecher in der Synchron-Fassung wie der Hase läuft und können mit absichtlich debilem Gerede den ursprünglich gewollten Witz trotz kostengünstiger Vertonung auch in die Deutschfassung transferieren.

Als 45-Minüter wäre „Schrei lauter!!!“ auch ein herrlich banaler und debiler Spaß, mit seiner Laufzeit von etwas über 90 Minuten (von denen zum Glück so einige für einen langsam laufenden Abspann drauf gehen) übernimmt er sich jedoch, fällt den Verantwortlichen für das Drehbuch doch nicht mehr ein als das was sie bereits in den ersten 30 Minuten erzählten. Die Munition ist schnell verschossen. Schade! Das spielfreudige Herumalbern der Amateurdarsteller weiß zwar so einiges zu retten, immerhin schafft ein genügsamer Zuschauer zumindest halbwegs amüsiert die Ziellinie, aber für eine wirklich kurzweilige Unterhaltung drehen sich die Geschehnisse zu sehr im Kreis herum, wiederholen sich die Gags zu sehr und das schlimmste: weiß der Film keine weiteren Ansätze zu bieten um die Vorlagen zu parodieren.

Wer „Schrei lauter!!!“ bis zum Ende schaut wird immerhin mit einem lustigen und konsequenten Schlussgag belohnt. Und wer Stammgast im Hause Troma ist, kann sowieso nicht enttäuscht werden. Alkohol hilft den Film zu überstehen, und dies in Kombination mit einer trashgeilen Runde von Leuten, die einem beim Spaziergang durch diesen cineastischen Untergang begleiten, macht „Schrei lauter!!!“ durchaus goutierbar. Das Niveau des ein Jahr später erschienenden „Terror Firmer“ kann er jedoch nicht erreichen, und die Größe von „Class Of Nuke 'em High“, dem wohl besten Troma-Produkt, sowieso nicht.

Samstag, 8. Februar 2014

ACHTERBAHN (Rollercoaster 1977 James Goldstone)


Ein Terrorist legt Bomben auf Achterbahnen. Ein Sicherheitsinspektor versucht herauszufinden wer der Täter ist...


Der Tag, an dem der Looping verschwand...  

Trotz der wirklich bösartigen Idee Bomben ausgerechnet beim Angstförderer Achterbahn hochgehen zu lassen, wird dieser kleine Thriller aus den 70er Jahren niemals reißerisch. Dafür ist er viel zu ruhig und besonnen inszeniert und setzt zu sehr auf die Psychologie der Charaktere, der Interaktion zwischen ihnen und den Überblick der Gesamtsituation. Der Aufhänger könnte reißerisch wirken, ist dies vielleicht auch im Werbebereich gewesen, innerhalb des Filmes verkommt aber selbst er nicht zu solch billigem Element, ist er doch, ganz im Gegenteil, ebenfalls ein wirksam psychologischer Bestandteil des Ganzen, da er einen wunden, sensiblen Punkt beim Zuschauer trifft. Er macht mit etwas Angst vor dem wir ohnehin schon im harmloseren Zusammenhang Angst haben.

"Achterbahn" erzählt von der Jagd auf einen Erpresser, setzt dafür eine Heldenfigur in den Mittelpunkt, die privat ermittelt und dabei den offiziellen Gesetzeshütern immer einen Schritt voraus ist. Dieses Fast-schon-Klischee zielt jedoch nicht auf den Streit verschiedener Ansichten und Befugnisdiskussionen, sondern macht die Polizei zu Hilfesuchenden bei der Hauptfigur. Reibereien sind Begleiterscheinungen, nicht Zentrum und auch nicht wirklich wichtig.

So verlockend rational und durchdacht das alles auf lobenswerte Art klingen mag, trotz dieser Vorzüge und der Professionalität der Schauspieler sowie der technischen Seiten hätte der kleine, trockene "Rollercoaster" (Originaltitel) durchaus etwas mehr Spannung vertragen können. Teilweise kommt er etwas arg unspektakulär daher, und gerade gegen Ende hätte die Geschichte ruhig aus seinem nüchternen Stil heraustreten können, um etwas aufregender zu werden. Ganz klar, "Achterbahn" zehrt seine Kraft aus der ruhigen Erzählweise und der guten Figurenzeichnung, aber da der Popkornbereich mit Filmen wie "Flucht ins 23. Jahrhundert" und "Die Körperfresser kommen" nicht mehr all zu fern, ja sogar in der Ausnahme schon präsent war, und in Zukunft das verkopfte 70er Jahre-Kino ablösen sollte, hätte ein Zugeständnis zu dieser Entwicklung im Finale ausnahmsweise einmal positiv wirken können. Aber bereits genannte Vorzüge in Kombination mit der wunderbaren 70er Jahre-Atmosphäre des Streifens tröstet über solche nicht ergriffenen Möglichkeiten hinweg, so dass James Goldstones Werk noch immer ein unterhaltsames Erlebnis ergibt.


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ALIENS VS. PREDATOR 2 (AVPR: Aliens vs. Predator - Requiem 2007 Colin Strause u.a.)


In der Nähe einer Kleinstadt treibt ein von einem Predator übersehenes Alien sein Unwesen. Die Jagd beginnt...


Das endgültige Aus eines Kults...  

Schon Teil 1 war nicht gerade das Gelbe vom Ei, als Quasi-Fortsetzung von „Alien“ war der Film sogar unverschämt zu nennen, was in Bezug zur „Predator“-Reihe nur bedingt zu bemängeln wäre, da dort bereits die erste Fortsetzung auf ähnlichem Niveau war. „Alien vs. Predator 2“ ist nun aber eine solch plumpe Produktion, dass sie auch ohne ihre berühmten Kreaturen im Namen enttäuscht hätte.

Die Computeranimation der Viecher ist durchaus okay zu nennen, daran scheitert der Film keineswegs. Aber das Drehbuch ist so extrem einfallslos, dass man sich zu Recht verarscht vorkommen darf. Charaktere ohne einen Hauch von Tiefe, hineingepackt in eine vorhersehbare Handlung ohne Spannungsmomente, und häufige Actionszenen sollen von diesem Zustand ablenken. Das haut nicht hin! Selbst als No Name-DVD-Premiere wäre dieser SF-Horror eine Niete!

Dass freilich auch die Bedrohung des Alien, welche die Originalfilme inhaltlich in eine solche Hilflosigkeit getaucht hat, nicht mehr zu wirken weiß, da sie arg heruntergeschraubt werden musste, um die Geschichte überhaupt in einen herkömmlichen Verlauf zu erzählen, wie ihn jeder Durchschnitts-Horror zu bieten hat, ist ein Punkt der die Kreatur nicht nur entmystifiziert, sondern auch austauschbar gegen jedes andere Monster der Filmwelt macht. Ein Alien wie in den vier Kinofilmen dargestellt wäre auf der Erde mit all den Möglichkeiten die es dort hat nicht aufzuhalten. Dessen war man sich in Teil 1 dieses Spin-Offs der beiden Kinoreihen bewusst, weswegen er in dem abgeschlossenen Raum der Pyramide spielte. In Teil 2 ist man sich dieses wichtigen Grundsatzes nicht mehr bewusst, so dass man sich nur noch dem anspruchslosen Publikum präsentiert, das ohne mit zu denken alles frisst was man ihm vorwirft.


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AMITYVILLE HORROR - EINE WAHRE GESCHICHTE (The Amityville Horror 2005 Andrew Douglas)


Eine Familie zieht in ein verfluchtes Haus... 


Wahrer Humbug...

Aufgrund seines Fakes nach wahrer Begebenheit war der Roman seinerzeit ein Bestseller und die mäßige erste Verfilmung ein Hit mit insgesamt 6 Fortsetzungen (7, wenn man „The Amityville Curse“ mitrechnet). Die Neuverfilmung guckt sich jedoch wesentlich angenehmer als das Original aus den 70er Jahren, was neben einer allgemein flotteren Umsetzung auch daran liegt, dass die Rolle des wahnsinnig werdenden Familienvaters besser besetzt wurde.

Eigentlich weicht man inhaltlich recht wenig vom Original ab, was die Pluspunkte des Remakes um so legitimer macht. Ein richtig gruseliger Film sieht anders aus, aber Andrew Douglas’ „Amityville Horror“ ist immerhin der kleine Genrebeitrag für zwischendurch. Dass auch er aus der simplen Grundlage und der Lächerlichkeit, die durch das penetrante Verweisen einer wahren Begebenheit entsteht, nichts Großes zaubern kann, kann man ihm wohl kaum verübeln. Die Geschichte ist einfach zu banal und altbacken, als dass etwas wahrlich Aufregendes aus ihr zu ernten wäre. Allerdings bin ich trotzdem auf schlichte Art angenehm unterhalten worden, während ich das Original fast schon einschläfernd fand.

Sicherlich hat niemand ernsthaft auf ein "Amityville Horror"-Remake gewartet. Inmitten interessanter Spukgeschichten in der Videothek wäre das Produkt unter anderem Titel mit seinem passablen Mittelmaß definitiv untergegangen. Zumindest die Teilnahme der noch sehr jungen Chloë Grace Moretz verleiht dem Werk ein kleines Zusatzinteresse, aber ihre Rolle ist freilich recht gering ausgefallen, steht doch der Vater hauptsächlich im Vordergrund des Geschehens.


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ANGRIFF DER KILLERTELEFONBÜCHER (2009 Markus Hülse)


Telefonbücher fallen über Menschen her und töten sie. Briefträger Rolf versucht zu überleben...


Der Name ist Programm...  

Der Humor wurde hier bewusst zurückgeschraubt, um der Idee um mordende Telefonbücher mehr Raum zu geben. Diese Idee ist skurril genug um fast einen kompletten 30-Minüter zu tragen, somit ist die Witzezurückhaltung ein guter Kniff. Gegen Ende wird der Streifen jedoch eine Spur zu banal und auf der Stelle tretend um ihn wirklich weiter zu empfehlen. Handwerklich ist er jedoch liebevoll umgesetzt, und die reduzierte Komik stimmt auch in Gehalt und Witz-Wirkung, zumindest bis zur Durststrecke kurz vor Schluss.

Interessant ist die professionelle Umsetzung, die man einem Film dieser Thematik gar nicht zugetraut hätte, zumal wir es hier mit einem Amateurfilm zu tun haben. "Angriff der Killertelefonbücher" schaut sich nicht selbstgedreht und schnell abgefilmt ebenso wenig. Das Bild wirkt professionell, Kamerapositionen stimmen, und die Darsteller geben sich richtig Mühe. Auf besondere Spezialeffekte setzt man nicht, was schon passt, da man sich mit der Grundidee des Streifens ja ohnehin der Lächerlichkeit preisgibt, und wieso sollte man einer solch an den Haaren herbeigezogenen Idee überzogene und glaubwürdige Spezialeffekte bescheren?

"Angriff der Killertelefonbücher" weiß dass er Trash ist, er weiß dass er Schund erzählt, er setzt deshalb aber noch lange nicht den kompletten Film absichtlich in den Sand. Das Gegenteil ist der Fall. Hülse erzählt die abgedrehte Geschichte, als wäre sie das normalste auf der Welt. Der ruhige Stil, in den er seinen Streifen passend zum Schwarz/Weiß-Bild taucht, lässt gar nicht erst zu, dass sich auch der Film in seiner Art abgedreht schaut. Und dieses Zusammentreffen dieser beiden Extreme sorgt für den nötigen Charme - und war letztendlich auch das worum es dem Regisseur wohl ging.


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Freitag, 7. Februar 2014

CITY OF EMBER - FLUCHT AUS DER DUNKELHEIT (City Of Ember 2008 Gil Kenan)


Der Mensch zerstörte die Oberfläche der Erde, also flüchtete die Menschheit mit Hilfe eines von Wissenschaftlern entwickelten Plans in das Innere der Erde, in eine Stadt die für so lange Zufluchtsort sein sollte, bis die Erde sich wieder erholt hat. Mit der Zeit wurde dieser Plan vergessen. Ember steht kurz vor der Zerstörung, wurde die Stadt doch nie für die Ewigkeit entwickelt. Kinder stoßen auf einen Plan, der an die Oberfläche führt...


Wenn man aufhört zu denken...  

„City of Ember“ ist ein sympathischer Streifen, der jedoch das Potential zu mehr gehabt hätte, vorausgesetzt man hätte sich mit dem Problem beschäftigt, welches zu der Entscheidung führte unter die Erde zu ziehen. Mit diesem Ansatz im Hinterkopf hätte man dann auch thematisieren können, ob die Flucht nach oben tatsächlich Sinn macht, oder ob die Menschheit endgültig verloren ist. 

So darf man die Kids jedoch bei der etwas inhaltslosen Suche nach einer Rätsels Lösung beobachten, deren Antwort man schon kennt, was der Story ihr Spannungspotential raubt. Aber da der Streifen ein schönes Set-Design hat, humoristisch gespielt ist und sympathische Stars mit an Bord hat, kann man ruhig dennoch einen Blick riskieren. Man darf nur keinen gehaltvollen Film erwarten.

Einem jüngeren Publikum bereitet Gil Kenans Fantasyfilm sicherlich mehr Freude als dem Erwachsenenpublikum, einfach weil einem erfahreneren Film-Fan vieles zu vorhersehbar oder bekannt erscheint. Aber das bedeutet nicht, dass das ältere Publikum nicht dennoch seinen Spaß mit "City of Ember" haben kann. Allein das herrlich übertriebene Schurkenspiel von Bill Murray ist das Einschalten wert. Und sein politisches Treiben zum eigenen Zweck ist auch inmitten eines jugendorientierten Werkes, welches mehr auf seine Optik als auf den Inhalt achtet, ein gelungener Seitenhieb auf das fragwürdige Treiben der Politiker in der Realität.


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THE DA VINCI CODE - SAKRILEG (The Da Vinci Code 2006 Ron Howard)


Professor Robert Langdon soll für die Polizei einen Code entschlüsseln, der bei einer Leiche im Museum hinterlassen wurde. Bei seinen Untersuchungen stößt Langdon in den Werken Da Vincis auf immer mehr Codes, die zu einer geheimen Bruderschaft führen... 


Ein großes Geheimnis...

Schöner wäre es gewesen, man wäre das Thema realistischer angegangen, ohne dem Christentum hintenherum göttliche Wahrheit zu bescheinigen. Denn die Schnitzeljagd in einem Genremix aus Thriller und Abenteuerfilm würde dank des ewigen Rätselratens auch so funktionieren. Selbst die Schlusspointe die weibliche Hauptrolle betreffend könnte trotzdem funktionieren, auch wenn man der Geschichte ihren magischen Anteil berauben würde. 

Wirklich schaden tut der Hauch Esoterik der spannenden Geschichte nicht, das Weglassen hätte „The Da Vinci Code“ lediglich etwas mehr Klasse verliehen. Zumindest ist Tom Hanks in der Hauptrolle eine sehr gute Wahl. Leider schafft es die geheimnisvolle Geschichte nicht den Zuschauer zum Miträtseln zu animieren, da dieser pausenlos mit überraschenden Schwenks unterhalten werden soll und nie das Hintergrundwissen eines Robert Langdon besitzt. 

Dass nicht jede Überraschung überrascht dürfte in einem Kinofilm typisch amerikanischer Inszenierung nicht verwundern. Regisseur Ron Howard ist dafür bekannt relativ gewöhnliche Filme zu großem Kino zu zaubern. Im Herzen gewöhnlich bleiben seine Filme dennoch meist. Trotzdem ist "The Da Vinci Code" hauptsächlich ein abenteuerlicher Film mit guten Ideen und einer Geschichte der man mit Interesse folgt. Verschwörungstheoretiker und Filmfreunde die ihre Erfüllung hauptsächlich in Hollywood-Prouktionen finden werden begeisterter sein als ich. Aber auch ich habe mich rundum gut unterhalten gefühlt. Von dem Nachfolger "Illuminati", der in der Buchreihe zuerst erschien, ist jedoch leider abzuraten.

Mittwoch, 5. Februar 2014

FRIGHT NIGHT - DIE RABENSCHWARZE NACHT (Fright Night 1985 Tom Holland)


Der Horror-Fan Charlie Brewster bemerkt dass sein Nachbar ein Vampir ist. Natürlich will keiner seiner Freunde dem Sonderling glauben, also kontaktiert er Peter Vincent, den furchtlosen Vampirkiller. Der ist jedoch nur Schauspieler. Und da er gerade gefeuert wurde kommt ihm Charlies Spinnerei gerade recht... 


Horror und Komödie im perfekten Mix...

„Fright Night“ gehört für mich zu den besten Vampirfilmen, welche für die Kinoleinwand je abgelichtet wurden. Dies liegt nicht nur an den erstaunlich gut getricksten und handgemachten Spezialeffekten, die auch heute noch Cineasten staunen lassen. Es liegt viel mehr an der gelungenen Geschichte, in der gut herausgearbeitete Charaktere den Löwenanteil am Storyverlauf ausmachen. 

Der Obervampir ist erotisch und bedrohlich zugleich, und wird anbei von einem talentierten Schauspieler verkörpert, William Ragsdale wirkt in der Rolle des Charlie wie der typische Teenager von nebenan ohne den Schein von Kinostar, und die Figur des Peter Vincent ist mit so viel Spielfreude verkörpert, was man verstehen kann, so witzig und sympathisch sie ist. Gerade durch ihn bekommt der Film den meisten Witz. Regisseur Tom Holland gibt aber auch dem Horrorpart genug Raum sich zu entfalten, so dass eine dichte Atmosphäre und Spannung, ja sogar richtiger Nervenkitzel neben der Komik existieren können. 

An der Atmosphäre weiß der sehr gut ausgesuchte Soundtrack einiges dran mitzuwirken, und das Drehbuch schafft es inmitten von Grusel und Witz seine Figuren ernst genug zu nehmen, um mit ihnen manches Teenagerproblem sensibel anzugehen. Kleine Insider für Kenner der Horrorszene sind auch gestreut, so dass es an diesem großartigen Film wirklich nichts zu meckern gibt, außer an der deutschen Synchronstimme von Teufel, einem Freund Charlies, die ist nun wirklich unglaublich kontraproduktiv ausgefallen.