Dienstag, 21. Januar 2014

THE RESURRECTION OF MICHAEL MYERS 2 (1988 Richard Holm u.a.)


Es war eine ganz normale Halloween-Party. Die Leute verkleideten sich, tranken und feierten. Unter ihnen war einer mit einer Michael Myers-Maske, bekannt aus der Halloween-Horrorfilmreihe. Als eine ominöse Flüssigkeit auf die Myers-Maske tropft, entsteht aus ihr heraus der echte Myers und mordet von nun an munter drauf los. Er sucht den Überlebenden aus Teil 1, der in einem Krankenhaus steckt. Michael kommt diesmal allerdings nicht allein. Da die Flüssigkeit auch noch versehentlich über ein Fangoria-Heft geträufelt wird, erscheinen auch noch Leatherface und Jason, die mit den Menschen ebenfalls nicht zimperlich umgehen...


Michael bekommt Verstärkung...
 
Diese Fortsetzung eines mittelmäßigen aber brauchbaren Kurzfilmes bietet alles was der Horrorfan sichten möchte. Da stört es auch nicht weiter, wenn man der schwedischen Sprache nicht mächtig ist, hier schlagen Horrorherzen trotzdem höher. 

Komödiantisch aber nur selten all zu albern umgesetzt erlebt der Fan des Genres seine drei liebsten Massenmörder (Michael, Jason, Leatherface) gemeinsam in einem Film, der sich nicht zu verstecken braucht. Die Tricks sind für eine solch kleine Produktion mit so vielen Jahren auf dem Buckel ein Augenschmaus, und die Ideen so herrlich pervers und abartig wie es dem eingefleischten Fan gefällt. So wie die Fortsetzung von „The Resurrection Of Michael Myers“ umgesetzt ist hätte er sogar ohne Humor funktionieren können, missen möchte man ihn nach Sichten aber auch nicht mehr. 

In dieser kleinen Fortsetzung sind die Spezial Effekte und die Story so schön umgesetzt und die Darsteller so brauchbar agierend, wie man es selten bei solch kleinen Independent-Streifen sieht. Das Wort Amateurfilm ist fast fehl am Platz, aber eben auch nur fast.

Montag, 13. Januar 2014

DAS SCHWARZE LOCH (The Black Hole 1979 Gary Nelson)


In der Nähe eines schwarzen Loches stößt eine Weltraum-Crew auf ein verschollen geglaubtes Raumschiff... 


Krieg der Sterne a la Disney - Ein Vorgeschmack auf Episode 7 - 9 ?...

Auch die Disney-Studios wollten vom großen „Krieg der Sterne“-Kuchen ein Häppchen abhaben, und so produzierten sie einen abenteuerlichen Science Fiction-Beitrag, dem sie jedoch nicht genug finanzielle Unterstützung gaben. So darf man relativ billige Effekte in überraschend tauglichem Ergebnis sichten. Eine Orientierung an das große Vorbild fällt auch bei den Robotern auf, die auf naiver Basis zu gefallen wissen, bei den lieben Vertretern ihrer Gattung aber in Sachen Niedlichkeit und Familienunterhaltung eine Spur zu weit gehen. 

Da tut es dem Film schon sichtlich gut, dass er sich deutlich an einem jungen Publikum orientiert. Denn nur so kann auch das ältere Publikum die arg naive und zahme Geschichte akzeptieren, die ein wenig an die Abenteuer vom "Raumschiff Enterprise" erinnert. 

Leider sind die menschlichen Figuren bis auf wenige Ausnahmen zu charakterlos eingebracht, und auch der esoterische Schluss, dessen simple Botschaft man flink entschlüsselt bekommt, weiß weder in Aussage noch in Optik zu überzeugen, da wäre ein offenes Ende die bessere Wahl gewesen. Der große Wurf, wie kurze Zeit später mit „Tron“ erzielt, ist den Disney-Studios nicht geglückt, dafür aber ein simples Stück Popkorn-Kino für regnerische Nachmittage.


Weitere Reviews zum Film:

Donnerstag, 2. Januar 2014

REST STOP (2006 John Shiban)


Die junge Nicole hält mit ihrem Freund auf einem Rastplatz in der Einöde um auf Klo zu gehen. Als sie zurück kommt ist ihr Freund verschwunden. Zunächst wartet sie noch auf seine Rückkehr, aber ein aufdringlicher Autofahrer kommt immer wieder vorbei um Nicole zu terrorisieren, so dass sie die Hoffnung immer mehr verliert ihren Freund noch einmal lebend wiederzusehen... 


Eingesperrt unter freiem Himmel... 

Schon die völlig unatmosphärische Eingangssequenz macht nicht viel Hoffnung auf einen guten Horrorfilm, zumal man nicht weiß ob das was gerade geschehen ist unlogisch oder übernatürlich ist. In der Hauptgeschichte angekommen geht es zunächst routiniert zur Sache, so dass man sich doch wieder auf „Rest Stop“ einlassen möchte. Aber ausgerechnet ab da wo die Hauptfigur auf einem Rastplatz allein gelassen wird, also genau jener Moment der nun für Unbehagen sorgen müsste, geht es mit dem Film sehr schnell bergab. 

Das liegt weniger an der Hauptrolle, obwohl auch diese nicht wirklich mit Schauspieltalent gesegnet ist, es liegt viel mehr an einem dümmlichen Drehbuch, das dafür sorgt, dass sich unsere Heldin viel zu dämlich benimmt. Die Bedrohung greift währenddessen nicht auf den Zuschauer über, da weder Täter, Taten noch das Automobil in welchem er ewig herumkurvt etwas bedrohliches ausstrahlen. 

Und wenn sich etwa zur Hälfte des Films das ganze Treiben durch das plötzliche Auftauchen eines ehemaligen Opfers des Peinigers dann doch als übernatürlich herausstellt, sorgt dies leider nicht für eine Wiedergutmachung der zuvor lückenhaften Geschichte, ja nicht einmal zu einer sinnfreien Verbesserung des Unterhaltungswertes, sondern lediglich für mehr Grundlage die Heldin weiterhin dämliche Sachen tun zu lassen, freilich immer vor sich hinplappernd, denn dem Teen-Publikum von heute kann man Momente der Stille ja nun wirklich nicht antun. 

Schade! So ein schönes Cover, so eine klassische Grundsituation für einen funktionierenden Horrorfilm und einfach nichts draus rausgeholt.


Weitere Reviews zum Film:

PRINCESS ACADEMY (1987 Bruce A. Block)


Cindy kommt per Stipendium auf ein schweizer Eliteinternat, was der Direktorin überhaupt nicht schmeckt. Da Cindy jedoch das Herz ihrer Mitschülerinnen gewinnt führt die Direktorin einen einsamen Kampf gegen die Mädels... 


Reich und arm vereinen sich...

„Princess Academy“ strahlt den typischen Charme der unschuldigen 80er Jahre aus, der Filme seines Sub-Genres zu dieser Zeit so leichtfüßig gucken ließ. Da stören zu Beginn keine viel zu Klischee-lastigen Figuren und die fehlende Psychologie, ja zunächst nicht einmal das Fehlen eines erzählenswerten roten Fadens. 

Doch recht schnell wird deutlich, dass sich „Princess Academy“ etwas zu zusammenhanglos von einem Witzchen zum nächsten hangelt, und da sprechen wir doch schon von recht einfallslosen Humoreinlagen, solche die man in einer netten Geschichte mit guter Charakterzeichnung akzeptieren könnte, aber nicht solche, die zünden wenn sie zum Hauptaugenmerk eines Filmes werden. 

So kommt „Princess Academy“ wesentlich plumper und einfallsloser daher als jegliche „Police Academy“-Fortsetzung und erreicht nicht einmal den naiven Charme eines „Combat Academy“. Lediglich „FBI Academy“ bleibt im direkten Vergleich der schwächere Film. „Princess Academy“ ist das Paradebeispiel dafür, dass die nie etwas miteinander zu tun habenden Academy-Filme der 80er Jahre einen solch schlechten Ruf genossen, dass man sich lange Zeit hinterher nie wieder wagte das Wort Academy in den Titel einer deutschen Veröffentlichung einzubauen.

Mittwoch, 1. Januar 2014

PROM NIGHT (2008 Nelson McCormick)


Am Tag des Abschlussballes bricht der Mörder von Donnas Eltern aus dem Gefängnis aus...


Der neue Tiefpunkt in Sachen Slasher...

Ich weiß gar nicht, ob ich mal einen schlechteren Slasher als diesen gesichtet habe, und das muss schon was heißen bei all dem Mist, den der Horror-Fan immer wieder mal serviert bekommt, wenn Serienkiller über Teenager herfallen. Das Remake von „Prom Night“ ist nichts. Außer simpelster Elemente die ihm Parallelen zur Erstverfilmung bescheren, ist er nicht mal ein Remake. Die Erzählperspektive ist nun endgültig beim Kriminalfilm, oder zumindest beim seichten Thriller angekommen, nachdem die Slasher-Beiträge seit „Scream“ sich ohnehin eher an realitätsnaher Mörder orientierten anstatt an den mystischen des 80er Jahre-Kinos. 

Der Blutgehalt kommt dem der Serie „Derrick“ recht nah, und auch der Gedanke das Niveau einer TV-Produktion erreicht zu haben kommt beim Sichten dieser Kinoproduktion gelegentlich auf, bis man sich innerlich selbst korrigiert, denn den TV-Sendern würden die für die Quote so nötigen Zuschauer weglaufen, wenn sie eine derart ereignisreiche Langeweile auf den Konsumenten der Werbeware loslassen würden. 

Der nicht einmal furchterregend wirkende, oder wenigstens bösartig aussehende Mörder steht von Beginn an fest, zur Ablenkung einer doppelbödigen Erzählung dient seine frühe Aufdeckung auch nicht. Auch der Blickwinkel dass der Zuschauer nun mehr weiß als die Heldin der Geschichte, wird nicht genutzt um das inhaltliche Einerlei durch irgendetwas interessant zu gestalten. 

Stattdessen erzählt der Film überraschungsfrei und ohne den Anflug eines Spannungsmomentes die arg vorhersehbare Handlung und schenkt dem geplagten Horror-Fan nicht einmal optisch abwechslungsreiche Orte des Geschehens oder wenigstens einen ansatzweise interessanten Showdown. An „Prom Night" ist nichts, aber auch wirklich gar nichts erwähnenswert.


Weitere Reviews zum Film:

MICHAEL CLAYTON (2007 Tony Gilroy)


Der ehemalige Staatsanwalt Clayton löst im Schatten der offiziellen Geschehnisse Probleme für die Anwaltskanzlei für die er auf dem Papier als Anwalt arbeitet. Als er sich eines durchgedrehten ehemaligen Kollegen annehmen muss, gerät er zwischen die Fronten... 


Alternative Karrieren... 

Die Geschichte erfordert in seiner verschachtelt erzählten Umsetzung viel Aufmerksamkeit vom Zuschauer, so dass die im Prinzip halbwegs schlichte Geschichte anspruchsvoller erzählt ist, als sie es theoretisch gesehen wert gewesen wäre. Deswegen braucht man auch nicht zu maulen, wenn das Finale etwas zu einfach erzählt ist. Aber da die Psychologie dort ohnehin alles zu entschuldigen weiß, ist auch dies kein wirklicher Wermutstropfen. 

Insgesamt lebt „Michael Clayton“ von der souveränen Darstellung George Clooneys und von einem guten Drehbuch, welches die zentrale Figur keinesfalls als Sympathieträger versteht, sondern, ähnlich wie im lustigen „Up In The Air“, nur das Abbild eines modernen Menschen der neuen Moral zeigt. Dass sich Clayton im Laufe des Filmes wandelt, liegt keinesfalls an positiven Charakterzügen, sondern viel mehr daran, dass das Drehbuch ihm keine andere Chance lässt, wenn der in die Ecke gedrängte Clayton eine Entscheidung treffen muss. 

Trotz der modernen Thematik ist Tony Gilroys („Das Bourne Vermächtnis“) Film sehr ruhig und seine Charaktere und ihre Erlebnisse ernst nehmend erzählt, und orientiert sich damit eher am niveauvollerem, da gehaltvollerem Kino aus Zeiten vor der Blogbuster-Ära, was ihn auf sehenswerte Art vom psychologisch mageren Einerlei heutiger zu Action-orientierter Thriller-Produktionen unterscheidet.

PARANOID NIGHTMARE (Paranoid 2000 Ash Smith)


Seit Jahren treibt ein Killer sein Unwesen. Eine Gruppe Teenager gerät ausversehen in sein Haus... 


Augenkrebs... 

Dass „Paranoid Nightmare“ sich eigentlich am Horror-Stil der 80er und frühen 90er Jahre orientieren will, ist eigentlich lobenswert gemeint. Aber leider ist er derart penetrant schnarchig inszeniert, dass man nach Sichten keine wohlwollenden Worte mehr findet, die diesen kleinen Streifen ein wenig in Schutz nehmen könnten. 

Ähnlich müde synchronisiert wie seinerzeit „Pieces“, aber damit auch passend zur zähen Inszenierung vertont, kommt Langeweile bereits nach nur wenigen Minuten auf. Die Darsteller agieren uninspiriert, und so darf man sich am Ende wundern, dass jemand im Jahr 2000 noch einen derart öden Film dreht, ohne in Sachen Dynamik etwas von den vielen Vorgängern des Genres gelernt zu haben. Dass Regisseur Ash Smith danach nie wieder einen Film drehte, verwundert somit nicht. 

Im übrigen frage ich mich, was sich die Verantwortlichen der deutschen DVD-Veröffentlichung dabei gedacht haben, die Farben derart grell aufzupuschen, dass man beim Sichten fast an Augenkrebs erkrankt. Lustiger Weise bildet der Film damit eine Einheit zum Videocover der besagten Veröffentlichung, fällt dies doch ebenfalls durch seinen unprofessionellen und aufdringlichen unnatürlichen Farbton negativ auf.


Weitere Reviews zum Film:

LUST FÜR FRANKENSTEIN (1998 Jess Franco)


Nachdem ihr verstorbener Vater Kontakt zu ihr aufgenommen hat, beginnt dieTochter Frankensteins eine eigene Kreatur zu erschaffen... 


Frankensteins Betthäschen... 

Ich lese immer wieder Jess Franco habe auch gute Filme im Laufe seiner schaffensreichen Regie-Existenz fabriziert, über den Weg gelaufen ist mir bislang aber noch keiner. „Lust für Frankenstein“ war dann wohl auch die falscheste Wahl um auf einen solchen zu stoßen, ist Franco doch viel mehr daran gelegen provokative Hardcore-Porno-Elemente in seinen Film einzubringen als tatsächlich einen Horrorfilm zu inszenieren. 

Umgeht man körperliche Details zunächst noch mit einer entfremdeten Optik die jede Heimkamera ähnlich getrickst bekäme, bekommen wir das zuvor Weggeblendete und von der Kamera ausgewichene irgendwann doch noch vor die Nase gesetzt, und das viel zu oft. Auch wenn dies manchmal auf angenehme Art für schmuddelige Atmosphäre sorgt, so weiß das doch noch lange keinen Film auf Spielfilmlänge interessant zu gestalten. Und wenn ich einen Porno sehen will, dann gucke ich mir einen Porno an. 

Vielleicht kann man mit „Lust für Frankenstein“ erst etwas anfangen, wenn man in vielen Jahren selbst zum alten Lustgreis wie Franco mutiert ist. Vielleicht wird man dann auch die Hauptakteurin sexy finden, die jetzt noch einen ziemlich unangenehmen Eindruck hinterlässt.

Trailer (ab 15:40 Minuten),   OFDb

BALDUIN DER FERIENSCHRECK (Les grandes vacances 1966 Jean Girault)


Schuldirektor Balduin schickt seinen ihn beschämenden Sohn als Austauschschüler nach Schottland. Der schickt an seiner Stelle jedoch einen Schulfreund dorthin und plant eine Bootssause mit seinen Kumpels...


Ausgetauschter Schüleraustausch...  

Eine flotte Musik bringt genug Schwung um gut gelaunt in einen Film einzusteigen, der von der Thematik her den Zeitgeist Europas traf. Kurz bevor Deutschland mit seiner Lümmel-Reihe startete und Italien mit ihrer Flotten Teens-Reihe folgten, da startete Frankreich in Kooperation mit Italien durch und präsentierte „Balduin, der Ferienschreck“, der ähnlich wie „...und sowas muss um acht ins Bett“ mit Peter Alexander noch aus Sicht des Pädagogen erzählt war und ihn zum Zentrum des Geschehens machte. Und eine Zeit lang geht dies auch gut, gerade dann wenn die Geschichte in drei Themenbereiche aufgeteilt ist, vier wenn man den vertauschten Austauschschüler noch mit dazu zählt. 

Zu diesem Zeitpunkt stimmt fast alles, mag sich der Film auch teilweise etwas zu brav oder verkrampft mit Blick von heute gucken. Irgendwann verliert man jedoch den Sinn des ganzen aus den Augen. Zur Hälfte des Filmes etwa gibt es ewig wechselnde Schwerpunkte, die selbst den Running Gags schaden, und das Finale, welches sich mit dem Verhindern einer Hochzeit beschäftigt, weiß kaum noch zu interessieren. Das Gegenüberstellen französischer und englischer Macken ist hingegen geglückt, so dass das Zusammenspiel mit Funès gleichaltrigem Partner tatsächlich eine funktionierende Chemie ergibt. 

Dass dem Film zwischendurch immer mal wieder die Luft aus geht, merkt man im übrigen immer wieder dann, wenn das flotte Lied in seiner Dauerwiederholung hin und wieder nicht mehr mitzureißen weiß und etwas gewollt auf flott getrimmt wirkt. In Sachen peinlicher Alternativtitel schießt dieses etwas wirre Werk im übrigen den Vogel ab: „Der Brausekopf mit den Sausebeinen“ mag schon auf die sprunghaften Ortswechsel der Geschichte anspielen, den Zuschauer auf diese orientierungslose Odyssee vorbereiten kann er jedoch nicht.


BALDUIN, DER TROCKENSCHWIMMER (Le petit baigneur 1968 Robert Dhéry)


Fourchaume feuert voreilig einen Schiffskonstrukteur, erfährt der windige Chef doch erst nach begangener Tat, dass dessen letztes Boot einen Preis abgesahnt hat, so dass allerlei Kunden nun an dem Produkt interessiert sind. Fourchaume setzt alles dran seinen ehemaligen Angestellten zurückzugewinnen. Doch andere Leute sind ebenfalls an dem guten Mann interessiert...


Ein kleines Boot und viele schräge Ideen...

Die Geschichte gewinnt nicht gerade einen Innovationspreis und klingt, wie so oft bei Funès, nach ewigem Stillstand. Davon kann sich „Balduin, der Trockenschwimmer“ zwar auch nicht freisprechen, aber es dauert recht lang bis der Zuschauer ungeduldig wird und dem Ende entgegenfiebert. Dank eines verspielten Charakters weiß man nie wie naiv oder trickreich der von Balduin entlassene Angestellte tatsächlich ist, den der Chef zurückerobern möchte. Und ein windiger Gegenspieler Funès gibt der ollen Geschichte ebenso den nötigen Zunder wie der Mut zu irrsinnigen Ideen. 

Können anfangs Funès ständige Wutattacken in ihrer völligen Übertreibung maximal ein müdes Lächeln ernten, so wissen schräge Ideen wie ein dämlicher Kanuanzug, ein versehentlich in die Länge gezogenes Auto, ein an den Kräften zerrender Aufstieg an die Spitze eines Leuchtturms, oder eine lang zelebrierte Fahrt mit einem selbstständig gewordenen Traktor zu gefallen, so dass „Der kleine Sausewind“ (Alternativtitel) zu einem der angenehmeren Beiträgen der Balduin-Filme wird. 

Aber auch der kann nicht gänzlich überzeugen, wünscht man sich am Ende doch Land in Sicht und freut sich dann doch, wenn das muntere Treiben längst überfällig sein Ende findet. Dennoch: Louis‘ überzogenes Spiel war selten so sehr Trumpf wie hier.


BALDUIN, DAS NACHTGESPENST (Le tatoué 1968 Denys de La Patellière)


Ein Kunsthändler ist so scharf auf die Tätowierung eines alten Fremdenlegionärs, dass er sich darauf einlässt ihm als Gegenleistung sein Haus auf dem Lande zu renovieren. Das Haus entpuppt sich jedoch als Schloss und ist extremst baufällig...


Wertewandel in einer Ruine...  

Balduin ist einer der häufigsten Rollennamen des Komikers Louis de Funès neben seines eigenen. Eine Reihe ist trotz gleicher Namensgebung daraus abgesehen von einem Cross-Over mit der Gendarm-Reihe („Balduin, der Heiratsmuffel" und „Balduin, der Schrecken von St. Tropez") nicht entstanden, dementsprechend wahllos scheint auf dem zweiten Blick die Zusammenstellung der Balduin-Collection auf DVD. 

„Balduin, das Nachtgespenst“ basiert im Kern eigentlich auf einer geglückten Idee, gerade dann wenn man versteht wohin die Geschichte mündet und was sie eigentlich will. Zur Seite steht Funès mit Jean Gabin ein humorfördernder Mime, und so wie bei Richard Dreyfuss und Bill Murray in „Was ist mit Bob?“ schien es außerdem förderlich für den Zuschauer, dass sich die beiden Hauptdarsteller hinter der Kamera so wenig verstanden haben wie nach außen für die Geschichte. 

Die Wege die der Film beschreitet sind jedoch recht monoton ausgefallen, und der Aufhänger ist zu weit hergeholt, so dass trotz sympathischer Ideen und Mimen sich der Film mit dem unpassenden und völlig irreführenden Titel zu oft wiederholt und damit mehr als ihm gut tut auf der Stelle tritt. Die Alternativtitel „Oscar lässt das Sausen nicht“ und „Ein Giftzwerg macht Rabatz“ sind übrigens keine erfreulichen Alternativen zum ollen Nachtgespenst.